OB-Kandidaten-Vorstellung: Andreas Kaltenbach

Jetzt bin ich wieder in Herford und kann die Konstanzer OB-Kandidaten nur beglückwünschen, sich für die Stadt am Bodensee entschieden zu haben. Hier oben ist es eisig kalt, es gibt keinen großen See, keine hohen Berge, keine schöne Stadt, aber immerhin Industrie! Aber es ist meine Heimat: Ostwestfalen ist ein schönes Fleckchen Land und hat auch seine schönen Seiten, besonders wenn mal die Sonne scheint!

Heute möchte ich aber nicht über Herford quatschen (wo der nächste Bürgermeisterwahlkampf noch auf sich warten lässt), sondern den nächsten Kandidaten vorstelleb: entgegen der gestrigen Ankündigung ist das heute Andreas Kaltenbach.

Mit ihm hatte ich gestern nach der Podiumsdiskussion noch kurz gesprochen, schickte ihm gestern Nacht noch die Fragen und hatte sie heute mittag – noch in Konstanz – bereits zurück.

Bereits gestern machte Herr Kaltenbach einen sehr guten Eindruck auf mich, was sich durch die Beantwortung meiner Fragen weiter gefestigt hat. Er ist jedenfalls im ganz engen Zirkel für meine Stimme.

Der 54-Jährige, der bei der AOK arbeitet, ist Ur-Konstanzer und besonders der Tradition der Fasnet sehr verbunden. So ist er Zunftmeister der Konstanzer „Blaetzlebuebe“. Aber Tradition heißt nicht konservativ: Kaltenbach ist bürgerlich, aber modern. Seine  Forderungen wie z.B nach „Bürgerforen“ zeigen dies. Die schaut man sich am besten mal selbst an. Z.B hier:

http://andreaskaltenbach.de/

Video: 10-minütige Vorstellung  im Konzil: http://www.youtube.com/watch?v=5hqpfjePh_o

 

Dann wollen wir jetzt auch gleich mal wieder zu den Fragen und Antworten kommen. Mich freut übrigens sehr, dass dies auf so breite Resonanz stößt. Allein heute weit mehr als 200 Aufrufe dieses Blogs!

 

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Ich finanziere meinen Wahlkampf ausschließlich selbst.

Ich habe einen Gastronomen als guten Bekannten, der sich aus Überzeugung beteiligt, aber mein Budget ist sehr klein.

Vom Plakate kleben bis zum Prospekte verteilen bin ich ständig selbst unterwegs !

Nimmt man ihn ab. Ein unabhängiger Kandidat, tief verwurzelt in Konstanz, aber ohne großes Budget, Woher auch?

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Verlässlichkeit

2. Den Schweizer Franken, denn damit halten sie die örtlich Wirtschaft am Laufen

3. Die „grundsätzliche Verwandtschaft im alemannischen Sprach und Wirtschaftsraum“ (dazu stehen die Ostschweizer auch)

Verlässlichkeit ist eine Tugend, die in Deutschland nicht mehr viel gilt. Ich hoffe, glaube aber auch, dass Andreas Kaltenbach diesen Anspruch an sich selbst erfüllt. Der Schweizer Franken ist natürlich auch eine schöne Währung: nicht nur das Giralgeld und die echtwertigen Münzen sid ästhetisch, sondern auch, was man mit ihr anstellen kann, wenn bald der Euro liquidiert ist. Die Betonung der Verwandtschaft – Fasnet wird schließlich auch in der Schweiz gefeiert – gefällt mir auch. Fehlt nur noch, dass der Kreis Konstanz neuer Kanton der Schweiz wird. Dann hätten wir gleich automatisch mehr Bürgerbeteiligung, bloß kaum noch Einzelhandel…

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Erste Frage: Unbeding „ja“

Zweite Frage: Ich engagiere mich selbst seit 21 Jahren im Ehrenamt. Ohne diese Menschen wäre die Stadt menschlich ärmer und – ich möchte betonen – wahrscheinlich nicht handlungsfähig.

Wir brauchen eine Koordinationsstelle dafür. Dafür setze ich mich ein !

Hört sich gut an. Besonders die Betonung der Handlungsfähigkeit der Stadt. Steuern allein schaffen keine Handlungsfähigkeit…

 

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

Touristen: Unsere größte Einnahmequelle und dazu sehr umweltverträglich.

Studenten: Halten die Stadt jung und offen für interessante Errungenschaften (einschließlich hochqualifizierte Jobs)

Schweizer: Siehe Punkt 1; allerdings das ganze Jahr über

Solaranlagenbauer: Es ist mehr die Forschung, aber leider abgerutscht und derzeit Patient mit (politisch gewollter ?) schlechter Prognose

Oberbürgermeister: Kann initiativ werden und hat damit  Verantwortung für unser aller Zukunft

Bodenseefelchen: Unverkennbar unsere Spezialität

Papst: Seit 1418 für die Stadt nicht mehr greifbar (außer das päpstliche Wappen am Hauptportal des Münsters)

Touristen sind umweltverträglich? Bei den Massen wird ganz schön viel CO2 ausgeatmet. Ein so deutliches Bekenntnis zu den Kurzzeit-Konstanzern gab es bisher nicht. Unmittelbar danach folgen dann auch schon die Mittelzeit-Konstanzer, während die Minimalzeit-Konstanzer aus dem befreundeten Ausland auch im Winter für klingelnde Kassen sorgen. Über den Rest muss man nicht viel sagen: immerhin erwähnt er wie intendiert das Konzil. Da kennt sich noch jemand mit der Konstanzer Historie aus!

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Nein ! Wenn, dann müsste dies ausschließlich durch Privatinitiative entstehen.

Das „Event-Schiff“ Sonnenkönigin hat diesen Hintergrund. Davon partizipiert aber die Stadt Konstanz nicht.

Den letzten Satz verstehe ich nicht, auch wenn ich weiß, was gemeint ist. Sollte wohl „profitiert“ heißen. Aber sehe ich ähnlich: also, ihr Entrepreneure der Zeppelin Uni in Friedrichshafen – zeigt was man an einer privaten Hochschule so lernt…

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Eigenverantwortliches Umgehen mit meinen Bedürfnissen und meinem Leben; allerdings immer im Rahmen der vorgegebenen Regeln, nach denen ich nur ein Teil des gesellschaftlichen Ganzen bin und die Bedürfnisse der Anderen respektieren muss.

Eigenverantwortung und geregelter Rahmen. Das ist leicht positiv und leicht negativ. Aber gefällt mir.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Uli Burchardt, weil er auch aus Konstanz kommt und am Ehesten meine Ideen trifft

Noch eine klare Aussage. Wie Kaltenbach ist auch Burchardt noch ein enger Favorit von mir. Verwundert nicht, denn die Ideen der beiden sind tatsächlich ähnlich. Ich habe Herrn Kaltenbach gestern vielleicht Unrecht getan, ihn als sozialdemokratisch angehaucht zu bezeichnen. Ich wüsste aber nicht, wie ich es sonst machen sollte. Ich bezeichne ihn daher als unabhängig, fortschrittlich und ehrlich an den Belangen der Konstanzer Bürger interessiert, zu denen er hoffentlich auch die Studenten zählt.

Viel mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein! Aber ich würde empfehlen, sich mit seinem Wahlprogramm auseinanderzusetzen und das Video seiner Vorstellung im Konzil anzuschauen! Er wird zwar wohl keine echte Chance haben, hätte es aber verdient.

ROCK YOUR LIFE

Heute möchte ich eine Studenteninitiative vorstellen, in der ich mich in Zukunft engagieren werde. Das ganze heißt „ROCK YOUR LIFE“ („Bewege dein Leben“) und bietet Studenten die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von 2 Jahren regelmässig mit einem Hauptschüler zu treffen und diesen in schulischen Dingen, bei der Zukunftsorientierung und bei sonstigen Problemen, die sich so stellen könnten, zu unterstützen.

Die Organisation wurde von Studenten der Ideenschmiede Zeppelin University, einer Privathochschule quer über dem See in Friedrichshafen (wär ich auch gern hingegangen) vor 3 Jahren gegründet, die dieses soziale Unternehmen als „Social Entrepreneurs“ übergeordnet betreiben, während der Kern der Arbeit von den als Verein organisierten Hochschulgruppen geleistet wird. Die gibt es mittlerweile in mehr als 20 deutschen Städten, so auch in Konstanz seit knapp 2 Jahren.

Hier gibt es bereits einige Coaches, die seit letztem Jahr ehrenamtlich ihre  Hauptschüler die letzten 2 ihrer Schuljahre begleiten (8/9. Klasse). Die Hauptschüler sind demnach anfangs meist 13-14 Jahre alt, ab und an aber bereits älter. Sie treffen sich regelmässig – min. alle 2 Wochen für 2 Stunden, unternehmen etwas gemeinsam, bauen eine Beziehung auf und unterstützen den Hauptschüler bei all seinen Fragen und möchten ihm Mut für seine Zukunft vermitteln. Subsidarität ist das Stichwort in einer Gesellschaft, die von Bildungsungerechtigkeit geprägt ist. Als Akademikerkind hat man schon gewisse Vorteile gegenüber Leuten, die aus sozial schwachen, bildungsfernen Schichten kommen und deshalb meist auch nur die Hauptschule besuchen. Ihnen soll klargemacht werden, dass auch sie Stärken haben und gebraucht werden – im Angesicht des demografischen Wandels suchen Unternehmen ja bereits jetzt schon in manchen Bereichen händeringend nach qualifizierten Azubis.

„ROCK YOUR LIFE“ setzt also da an, wo die Politik bisher versagt hat. Natürlich ist es nur ein kleiner Beitrag, eine Hilfe für eine individuelle Person, doch sehe ich dies trotzdem als sehr wichtig an. Vielleicht kann man auch garnicht helfen, vielleicht baut man nur eine freundschaftliche Beziehung auf. Doch auch das sorgt schon für Durchlässigkeit – zukünftige Akademiker brechen aus dem Kreis der ihresgleichen aus und beschäftigen sich mit geringer qualifizierten Menschen und umgekehrt.

Es ist sicher nicht einfach, sich in die Lebenswelt eines in der Pubertät befindlichen Jugendlichen hineinzuversetzen, der zudem in einem ganz anderem Umfeld aufwächst, als man es selber gewöhnt ist. Grade deshalb kann aber auch der Student einiges lernen – Empathie und andere soziale Kompetenzen die man während so eines Coachings entwickelt werden immer essentieller auf dem Arbeitsmarkt. Statt bloßer Theorie in sogenannten „Schlüsselqualifikations-Vorlesungen“ an der Uni wendet man diese Sozialkompetenzen hier praktisch an und kann aus eigenen Fehlern lernen.

Dies nur als kleines Hintergrundwissen, über weiteres kann man ja gerne selbst recherchieren, ob bei Wikipedia, der Website (www.rockyourlife.de) oder in Zeitungsportalen wie z.B der ZEIT (http://www.zeit.de/2010/23/C-Rock-your-life-Initiative/seite-1)

Für mich ist es jedenfalls eine sehr sinnvolle Initiative – das sehen auch diverse Stiftungen und andere Organisationen so – viele Auszeichnungen und Preise (die ich jetzt nicht alle extra erwähne) und die Übernahme der Schirmherrschaft durch Gesine Schwan, Peer Steinbrück und Cem Özdemir zeigen, dass dies auch andere Persönlichkeiten so sehen.

Der Student soll quasi als eine Art vierte Instanz zwischen Eltern, Freunden und Lehrern agieren, als eine Art Mentor, der nicht nur bei Schwierigkeiten unterstützen kann. Nicht jeder engagierte Student ist auf eine solch Aufgabe vorbereitet – deshalb gibt es einige Seminarstunden, die man absolvieren muss.

So durfte ich heute 8 Stunden an der Uni verbringen und muss mich morgen früh um 9 – an einem Sonntag!!! – wieder für 8 Stunden an der Uni quälen. Ein weiteres 16-stündiges Seminar im Dezember und noch eins 2012 sollen für eine gewisse Qualifizierung sorgen – heute durften wir uns z.B über unser Selbstverständnis als Coach klar werden und übten Fragetechniken. Auch wenn das ganze etwas langatmig war (man hätte das ganze auch in 4 statt 8 Stunden packen können) auf jeden Fall eine sinnvolle Sache. Außerdem gibt es regelmässige Stammtische zum Austauschen untereinander (mit den anderen enagierten StudentInnen), mehrmalige Supervisionen unter einem professionellen Coach und natürlich auch persönliche Ansprechpartner, an die man sich bei Problemen wenden kann. Rechtliches muss man natürlich auch beachten – so habe ich am Mittwoch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (immerhin kostenlos) beantragen müssen, in dem hoffentlich keine Vergehen drinstehen werden – ich erinnere mich jedenfalls an nix.

Innerhalb der nächsten 2 Wochen findet dann bereits ein Kennenlernen mit dem zukünftigen Coachee statt. Es ist so, dass sich die Hauptschüler auch selbst für das Programm bewerben müssen – so wird einigermaßen sichergestellt, dass ihre Teilnahme intrinsisch motiviert ist statt nur dem Willen der Eltern oder anderen Einflussfaktoren zu folgen: man kann sich sicher eine Hauptschulklasse vorstellen, in dem es ein paar „coole“ Typen gibt. Es hat sich gezeigt, dass sobald diese von sich aus für das Programm geworben werden können, auch der Rest der Klasse auf dem Zug aufspringt – ist es andersrum möchte manchmal auch fast niemand mitmachen. Um diesem Problem zu entgehen, wird mittlerweile die Vorstellung des Programms nicht mehr im Frontalunterricht in Anwesenheit des Lehrers verrichet, sondern in mehrere Kleingruppen ohne Anwesenheit des Lehrers ausgewichen, wo es den Jugendlichen viel leichter fällt, sich von sich aus für das Programm zu entscheiden – oder auch nicht.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das alles entwickeln wird und bin gespannt auf meinem Coachee und wie wir klar kommen werden. Natürlich hoffe ich auch, dass das ganze uns beiden Spaß macht – sonst sehe ich das Gelingen von vornherein als gescheitert an – und ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten und Kompetenzen in der Lage bin, etwas zu ändern.

Wer jetzt Lust hat, sich bei „ROCK YOUR LIFE“ (zugegeben, der Name ist diskussionswürdig) zu engagieren – die suchen immer Leute, sowohl natürlich für das Kernprogramm des Coachings, genauso aber in den sonstigen organisatorischen Dingen, sei es nun Marketing und Pressearbeit oder Korrdinierung anderer Aktionen und viel mehr. Falls es keine RYL-(Hochschul)-Gruppe in Eurer Stadt gibt, besteht auch die Möglichkeit, selbst so eine Gruppe aufzubauen 😉