Tag/Nacht 13: Greymouth-Punakaiki-Westport-Karamea

So langsam kommen wir zum Abschluss, vorneweg möchte ich aber sagen, dass dieser Artikel etwas länger werden könnte…

Los ging es für mich am Morgen nach Greymouth, das ich schnell mit Ziel Punakaiki verließ. Punakaiki liegt auf dem Weg nach Westport, welches die zweitgrößte Stadt der West Coast ist.

Bekannt ist Punakaiki vor allem für die in der Nähe gelegenen Pancake Rocks (Pfannkuchenfelsen) – und tatsächlich sehen die Felsen aus wie viele übereinander gestapelte Pfannkuchen. Gibt extra dort ein Infozentrum und ein touristisch stark frequentierter Weg, wo man sich die Pancake Rocks und das Meer (die meisten Felsen bilden die Steilküste) anschauen kann. Neben den Pfannkuchenfelsen kann man hier auch die „Blowholes“ bestaunen – jedenfalls wenn Flut ist. Da bei meiner Ankunft Ebbe herrschte (was man an dieser Stelle zwar nicht sehen konnte, aber die Gezeitentabelle sagte das nunmal) konnte ich dieses Phänomen aber nicht bestaunen. Denn die Felsen bilden teilweise kleine Buchten und sind teilweise auch unterhöhlt, was dazu führt, dass Wellen in die Löcher schlagen und Wasser meterweit in die Höhe spritzt. Ob das jetzt korrekt ist, sei dahingestellt, es ist das, was ich behalten habe (wenngleich nicht gesehen).

Viel mehr kann ich dazu auch nicht sagen, die Felsen sind schwer zu beschreiben, weshalb ich einfach nochmal ein paar Fotos hochlade.

Nach den Pancake Rocks ging es dann Richtung Westport. Dabei durchquert man auch den kleinen Ort Charleston, in dessen Nähe im Regenwald Höhlen sind, in denen man u.a. „Black Water Rafting“ machen kann, d.h. mit einem Schwimmreifen bewaffnet sich in die Grotten hinabzuwagen und sich durch das Höhlensystem treiben zu lassen und dabei den Glühwürmern zuzusehen . ab und an gibt es natürlich auch ein paar Stromschnellen und sowas zu passieren.

Jene schon in Deutschland geplante Aktivität (neben Skydiving und Whale Watching; letzteres mache ich übrigens am kommenden Wochenende) habe ich jedoch (leider) nicht gemacht, die spare ich mir für die Nordinsel auf, wo man selbiges in den weitaus bekannteren „Waitomo Caves“ machen kann.

Die Straße nach Westport verließ ich dann an einer Abzweigung, weil ich noch zum Cape Foulwind wollte, berühmt für seine Seehund-Kolonie (wollte mich wieder fressen lassen…).

Dort kam ich dann auch bald an und marschierte zur Seehund-Kolonie, wo aber nur ein paar Geschöpfe faul in der Sonne herumlagen. War jetzt nicht so spektakulär, hätte mehr Leben erwartet. In der Nähe war aber ein lustiger Wegweiser, der die Entfernung samt exakter Richtung vieler Metropolen dieser Welt angegeben hat. Fast bekam ich Lust, in der angegebenen Richtung ins Wasser zu springen und die 15732km Luftlinie nach Hamburg zu schwimmen bzw. laufen. Ich bin schon ziemlich weit von Deutschland weg, ist mir da bewusst geworden…

Der Weg ging an der Steilküste dann noch weiter, zum eigentlichen Cape Foulwind, wo ein Leuchtturm steht. Ich beschloss aber die wenigen Kilometer nicht zu Fuß zurückzulegen, sondern dort mit dem Auto hinzufahren (um mir den Rückweg zu ersparen). Habe mir den Leuchtturm dann angeschaut und noch ein paar Inseln vor der Küste beobachtet, ehe ich dann nach Westport gefahren bin. Die Stadt schien mir aber keine nähere Betrachtung wert, sodass ich gleich weiter nach Karamea fahren wollte.

Auf den Weg stach dann aber ein Kohle-Museum ins Auge – und meine Wissbegierde ließ mich dort dann natürlich einkehren. Dort wurde vor allem über Kohleförderung ausgestellt (welche in der näheren Umgebung sattfand früher), aber auch Exponate zur Stadtgeschichte, zum allgemeinen historischen Leben, zu Schiff- und Luftfahrt usw. wurden ausgestellt. So habe ich gelernt, dass Qualität „made in Germany“ schon im 18. Jahrhundert begehrt war, die dort ausgestellten Kutschen waren nämlich alle damals deutscher Abstammung (heute müsste man französisch sagen: Frage an Tatjana: Wenn nicht in Schweicheln, wo wurden die Kutschen demnach hergestellt? :D)

Nach diesem übrigens letzten Museum meiner Reise (welch Glück für Euch :P) nahm ich dann die lange Strecke nach Karamea auf mich, die nördlichste Ansiedlung der West Coast, direkt am Kahurangi-Nationalpark gelegen, einen ziemlich großen Nationalpark. Die Strecke dahin ist eine Sackgasse, da von Karamea abgesehen von Wanderwegen keine Straßen weiter führen. Doch der Ort erschien mir als reizvoll und gelohnt hat es sich – auf jeden Fall!

Die mehr als einstündige Autofahrt führte noch durch gewisse kleinere Dörfer, darunter der Ort „Hector“, der dem um Neuseelands Küsten endemischen „Hector-Delfin“ seinen Namen gegeben hat. Delfine konnte ich jedoch leider nicht sehen. Die Straße führte auch eher selten am Meer entlang, sondern wand sich um die vielen Hügel durch den Regenwald. Relativ oft musste ich anhalten wegen Baustellen und wurde von den Bauarbeitern dann liebenswürdig durchgewinkt – allzu viele Leute fahren nämlich nicht diese Strecke. Das hat den Vorteil, dass ein Großteil der Touristen die Schönheit Karameas entgeht, welches bisher mein persönlicher Lieblingsort Neuseelands ist. Gelegen ein wenig entfernt von der Küste, umgeben von Hügeln, alles dicht bewachsen mit Regenwald, bis auf das Feuchtgebiet bis zur Küste. Der Ort hat in etwa die Größe Culverdens und ist, wie schon gesagt, touristisch eher unerschlossen, bekannt aber für den Anfang bzw. dem Ende des Heaphy Tracks, auf den ich noch zu Sprechen komme.

Erst einmal deckte ich mich aber im örtlichen Supermarkt (ein Foursquare wie in Culverden) mit Lebensmitteln ein und fühlte mich auch zugleich hierhin erinnert. Nichts gegen die Gastfreundlichkeit der Neuseeländer in Städten, aber auf dem Land ist sie noch deutlicher ausgeprägter. Wie ich mich hier im Supermarkt mit der Kassierin halte, so hatte ich auch dort ein nettes Schwätzchen.

Danach suchte ich mir eine Unterkunft und fand sogleich auch den einzigen Backpacker in dieser Gegend, der einige Worte mehr als üblich wert ist.

Als ich ankam, war niemand  dort, ein an der Tür klebender Zettel lud aber dazu ein, es sich im Haus gemütlich zu machen und sich an Speis und Trank zu bedienen. Als Einbrecher wird meine Karriere wohl nicht enden, denn ich trat zwar dort ein, ging nach wenigen Sekunden jedoch wieder heraus, weil ich mich ziemlich unwohl fühlte trotz der freundlichen Einladung auf dem Zettel.  Daran ist wohl meine Erziehung schuld! 😛

Ich fuhr also erstmal an den Strand und machte einen Spaziergang über die Dünen, wo ich viele Vögel beobachtete, sonst aber nicht wirklich erwähnenswertes fand. Zurück beim Backpacker fand ich dann Leute vor.

Ich trat ein und dachte, ich wäre in Jamaika. Drei alternativ aussehende Personen hockten um den Tisch und auf meine Frage, ob ihnen der Lade gehöre, erntete ich komische Blicke (die Frage war wohl zu kapitalistisch).

Mir wurde jedoch gesagt, dass mir geholfen werde könne und trotz ziemlicher Zweifel an der Kultur dieser Unterkunft, beschloss ich das Experiment einzugehen und dort eine Nacht meines Lebens zu verbringen. Ich füllte also meine Anmeldung aus und wurde dann, wie es eigentlich bei allen „privat“ betriebenen Backpackern (die ich den standardisierten YHA-Hostels gegenüber bevorzuge) üblich ist, durch das Haus geführt. Wie auch sonst in solchen Unterkünften üblich schläft man in einen Schlafsaal mit vielen Betten, denen ich aber, was sich in der Nacht als Fehler herausstellen sollte, keine nähere Beachtung schenkte (siehe Tag 14) Neben dem großen Gemüsegarten, in dem ein Typ rumackerte (wie sich später herausstellte, der eigentliche „Besitzer“) verfügte man auch über eine eigene Party-Location, eine Hütte mit astreiner DJ-Anlage. Ich wurde dazu angehalten, ein peaciges Lied zu wählen (hauptsächlich alter Reggae zur Auswahl), entschied mich dann, weil ich es zumindest kannte, für einen Bob Marley-Song und spielte dann kurz den DJ.

Ab und an finden dort nämlich Partys statt, abern icht an dem Abend, wo ich da war. Wär sicher ganz cool gewesen, am Lagerfeuer zu sitzen und einer Party dieser alternativen Lebensgemeinschaft beizuwohnen, die sich selbst übrigens „Rongonianer“ nennen – so heisst der Backpacker auch „Rongos Backpacker“. Wie meine Recherchen ergeben haben, ist Rongo, ein Gott der Maori, zuständig für landwirtschaftlich angebaute Nahrung. Und die Rongonianer, die übrigens nicht zu arbeiten scheinen, versorgen sich selbst rein vegetarisch (oder sogar vegan) über angebaute Nahrung, welche in dem bereits erwähnten Gemüsegarten gut gedieh. Das Geld, ohne das es ja letztlich nicht geht, wird eben durch den Backpacker und noch ein anderes Motel erwirtschaftet.

Wie man also vielleicht ahnen kann, fühlte ich mich an „Love and Peace“ erinnert, was durch die Einrichtung des Backpackers nur noch verstärkt wurde. Lauter Kunst, lauter Blumen usw.. Wirkliche Blumenkinder, die Leute, die da schon fast sektenartig leben. Irgendwann seien sie dorthin gekommen und hätten Karamea so schön gefunden, dass sie dort für lange Zeit bleiben wollen. Davon ließ ich mich jedoch nicht vereinnahmen und machte für den Rest des Tages noch einen Abstecher zum Beginn des Heaphy Tracks.

Das hiess erst einmal noch 20km Fahrt, der letztere Teil auf Schotterstraße.

Am Beginn des Tracks angekommen ist ein vom DoC (Department of Conservation“ eingerichteter Campingplatz, direkt am Strand, wo sich auch ein paar Leute im Caravan niedergelassen hatten.

Nun zum Heaphy Track: es ist einer der „Great Walks“ und mit 82km relativ lang. Benannt nach dem neuseeländischen  Entdecker Charles Heaphy windet er sich erst an der Küste, dann durch das Inland durch den Kahurangi Nationalpark und endet (bzw. fängt an) in Collingwood, dem nordwestlichsten Ort der Südinsel, den ich in wenigen Wochen in den Sommerferien noch besuchen werde. Er ist relativ beliebt, was sich auch an den doch recht vielen Leuten zeigte, die mir bei meiner kurzen Abendwanderung noch entgegenkamen. Gewöhnlich braucht man um die 5 Tage, übernachtet wird in vorhandenen Hütten (oder mitgenommenen Zelten). Der Track ist vor allem beliebt, weil er trotz seiner Länge relativ „leicht“ ist und durch sehr vielfältige Landschaft führt. Leider werde ich nicht die Zeit haben, ihn zu laufen, das wäre sicher ein schönes, forderndes Erlebnis gewesen (auch wenn Camping mir ja eigentlich verleidet ist).

Ich wollte aber zumindest ein bisschen vom Track sehen und ging die erste Rote zu einem einsamen Strand an – Scotts Beach. Ca 3km führte mich der Track dorthin, durch den Regenwald des Kahruangi-Parks, einen Hügel erst hinauf und dann herabsteigend (diesen kann man im Header bewundern ;)).

Dann war ich nämlich letztlich auch angekommen – und fühlte mich wie im Paradies. Ein total einsamer Strand, eingerahmt vom blauen Meer und dem grün bewaldeten Hängen der Hügel. Traumhaft! Das Bild hat es hier in den Header geschafft, und ich habe mich mit einem bisher zurückgehaltenen Bild sogar bei einem Foto-Contest über Neuseeland beworben 😀

Ich ging also ein bisschen am Strand herum, irgendwann kamen dann auch Felsen. an denen ich nach jeder Biegung die ängstliche Erwartung hegte, wieder von einem Seehund attackiert zu werden. Das trat zum Glück nicht ein! Irgendwann war es dann Zeit, den Strand zu verlassen, weil ich bei Dunkelheit ungern den Weg zurückgelaufen wäre. Damit habe ich zwar den Sonnenuntergang dort verpasst, welcher aber die 2km weiter südlich sicher genauso schön war – wie die ja bereits eingestellten Bilder (56 Eindrücke) beweisen. Dort saß ich also am Strand, beobachtete die langsam im Meer versinkende Sonne und fuhr dann schlussendlich zurück zum Backpacker, wo ich noch zum Essen eingeladen wurde – irgendetwas undefinierbar Vegetarisches aus eigenem Anbau, was aber erstaunlich lecker schmeckte.

Ich unterhielt mich auch ein bisschen mit den „Rongonianern“ und fragte, welche Naturschönheiten Karamea noch zu bieten habe. Ich wurde gut beraten und konnte deshalb meine Ferien am nächsten Tag gebührend abschliessen, wobei ich fast, auf mehrere Weisen, hätte verschollen sein können 😛

Aber was sich genau ereignete, erfahrt ihr dann im nächsten  (und den Urlaub betreffend letzten) Artikel, zu dem ich diese Woche aber nur kommen werde, wenn Tatjana mir die richtige Antwort auf die in Klammern gestellte Frage gibt 😉 – oder gerne auch wer anders…

Fotos gibt es demnächst, ich möchte jetzt lieber schlafen…

Werbeanzeigen

Tag/Nacht 12: Hokitika – Greymouth

 

Weiter geht es:

der 12. Tag in Hokitika begann für mich mit einer Führung in einer Jade-Manufaktur, die direkt unterhalb meiner Unterkunft angesiedelt war. Ich ließ mir also von einer mit ziemlichen Dialekt sprechenden Maori-Dame (die ich trotzdem ziemlich gut verstand) die Herkunft und Bearbeitung von Jade erklären und konnte ein paar Schmuckstücke betrachten. Jade ist schon ein ganz schöner Stein – würde sich gut mit meinen glücksspendenden Bernstein ergänzen, den ich seit Jahren geheim am Herzen trage – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Hokitika ist nicht nur Stadt der Jade, sondern auch der vieler anderer Kunsthandwerke. So schaute ich nach beendeter Führung in einem anderen Geschäft den Glasbläsern bei der Arbeit zu. Auch Goldschmiede, Juweliere und andere „Kunsthandwerker“ sind dort ansässig, erstere auch deshalb, weil an der West Coast vor über 100 Jahren, auch in Hokitika, ein regelrechtes Goldfieber herrschte.

Aber weg vom schnöden Mammon zum bewegten Leben: das konnte ich in einem kleinen privaten Zoo bestaunen, auf dem ich bereits am Vorabend aufmerksam wurde. Der werb nämlich damit, Kiwis zu zeigen. Und diesen berühmten Vogel hatte ich bisher noch garnicht gesehen. Zuerst schaute ich mir aber verschiedene Fische und Reptilien an, darunter auch die schon erwähnten „whitebait“-Fische, die ziemlich klein (Fingergröße) und durchsichtig sind – mir erschliesst sich nicht, wie man sowas essen kann.

Auch mit Tuataras. die ich ja schon in Invercargill bestaunen konnte, machte ich noch einmal Bekanntschaft. In einem großen Aquarium wurden auch riesige, bis zu 5m lange, hässliche Aale gehalten, die in den neuseeländischen Seen und Flüssen vorkommen – ein Anblick, der mir das Baden in solchen Gewässern verleidet hat – da nehme ich doch lieber den Hai im Meer in Kauf!

Neben ein paar einheimischen Vogelarten und sonstigen nicht erwähnenswerten Kleinvieh stand dann noch die Hauptattraktion an: die Kiwis. Das sind nicht etwa grüne Früchte mit brauner Schale, die man essen kann, sondern wirklich erstaunenswerte Vögel, die leider vom Aussterben bedroht sind. Kiwis sind sozusagen die Säugetiere unter den Vögeln, weil sie viele derer Eigenarten haben, die für Vögel sonst untypisch sind. So sind sie nachtaktiv (ein Grund, warum der Kiwi-Bereich komplett abgedunkelt war) und haben keine Flügel – sie  können demnach also nicht fliegen, jedoch mit ihren langen Beinen, wie ich voller Erstaunen feststellen konnte, ziemlich schnell laufen. Ihr Gefieder sieht mehr aus wie ein Pelz und ihr Schnabel ist eine Art spitze, bis zu 20m lange, nach unten gebogene Röhre, womit sie im Boden  nach ihrem Futter wühlen, das sich vor allem aus Würmern und Insekten zusammensetzt, dass sie, werden sie nicht von den eingeschleppten Schädlingen wie Marder oder unkontrollierte Hunde getötet, über 20 Jahe lang geniessen können, für einen Vogel eine ziemlich lange Zeitspanne. Wer noch mehr über mein neues Lieblingstier erfahren möchte, einfach mal bingen!

War jedenfalls ein sehr schönes Erlebnis mit dem Kiwi, der seinen Namen übrigens seinen schrillen Pfiffen, die so ähnlich klingen, verdankt.

Das Skelett seines ausgestorbenen Verwandten, des wesentlich größeren Moas, konnte ich übrigens letztlich im Christchurcher Museum bestaunen.

Nun gut, machen wir weiter mit meinem Tag. Als museumsbegeisterter Mensch legte ich einen kurzen Stopp im West Coast Museum in Hokitika ein, wo ich mich etwas zur Geschichte und Kultur der Region, insbesondere auch über den Goldrausch dort, informieren konnte. Spannendes Thema, aber für die Leser dieses Blogs wohl eher langweilig 😛

Darum überspringen wir das und reisen weiter nach Greymouth, der größten Stadt der West Coast. Die Stadt liegt an der Mündung (Mund) eines großen Flusses, des „Grey Rivers“, daher der Name. Zur Stadt eine kleine Story: als vor wenigen Jahren in der Stadt ein McDonalds geöffnet hat – der einzige der gesamten West Coast – soll es eine kilometerlange Schlange gegeben haben.

Greymouth ist relativ groß (und hssälich) und darf wirklich als Stadt bezeichnet werden. Ich suchte mir erst eine Unterkunft, um danach etwas durch die Stadt zu spazieren, die mir auf den ersten Blick aber keine sinnvollen Attraktivitäten bot. In der Nähe der Stadt ist „Shantytown“ gelegen – eine historisch erhaltene Goldgräber-Ansiedlung und touristische Attraktion der West Coast. Als ich dort ankam, stellte ich jedoch fest, dass die Kommerzialisierung Einzug gehalten hatte, weshalb ich mich nicht entschied, dort einzukehren (denn nachgebaute „Western“-Städte habe ich in deutschen Freizeitparks genug gesehen).

Stattdessen machte ich eine kleine Spritztour zu einem größeren See in der Nähe, dem Lake Brunner, der aber nichts besonderes bot, zumal das Wetter mies war. Waren also eigentlich nur verschwendet Kilometer, bis ich auf den Rückweg einer Beschilderung folgte, die mich auf eine Schotterstraße brachte, die durch den Urwald direkt an der unberührten Seite des Sees vorbeiführte. Dort konnte man ziemlich cool driften 😛

Mein Auto ist wie geschaffen dafür. Ohne größere Schäden genommen zu haben, erreichte ich dann irgendwann auch wieder Greymouth, wo ich einen ganz netten Abend im, übrigens sehr geschmackvoll eingerichteten, Backpacker hatte. Ich gesellte mich nämlich zu einigen anderen in die Filmecke – und ganz zufällig lief „Herr-der-Ringe – Die Gefährten“, der erste Teil der Trilogie. Ich ergriff schnell die Gelegenheit (in der noch relativ langweiligen Anfangsphase des Films) meine Kamera zu holen, denn ich hatte nun eine ziemlich gute Gelegenheit, diverse Drehorte zu vergleichen. Das führte leider am Ende des Films zu einer ziemlichen Enttäuschung, denn die an den Mavora Lakes lang gesuchte und dann endlich scheinbar gefundene Baumwurzel stellte sich als falsch heraus. Schade!

Nichtsdestotrotz, der Film war mal wieder etwas anderes und ich konnte mich gut erholen, um am nächsten Tag den Schlusspurt einzuleiten.

Sind nämlich nur noch zwei , inhaltlich jedoch sehr füllende, Artikel, bis ich mit meiner Reise-Schilderung endlich fertig bin 😀

Hier noch ein paar Bilder des Tages (alles total spektakulär!):

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Tag/Nacht 11: Gletscher-Hokitika

Weiter gehts mit dem 11. Tag:

Ich merke schon, dass gewisse Erinnerungslücken einsetzen, darum schnell mal aufschreiben.

Zuerst stand nach meiner Nacht in Fox-Village (so heisst die nach dem Gletscher benannte Ortschaft) eben der Besuch des Fox-Gletschers auf dem Plan. Ich verließ den nur dem Tourismus seiner Existenz verdankenden Ort und fuhr etwas zurück Richtung Süden, um dann eine Seitenstraße zum Gletscher zu nehmen – natürlich gut ausgebaut für die ganzen Touristen.

Ein paar Worte zum Fox-Gletscher (gleiches gilt auch für den Franz-Josef-Glacier): benannt nach dem ehemaligen neuseeländsichen Premierminister Fox ist der Gletscher einer der wenigen der Welt, deren Masse nicht schrumpft, sondern sogar zunimmt (40 cm pro Tag)  (wegen dem vielen West Coast-Regen wahrscheinlich) und zusammen mit dem Franz-Josef-Gletscher der einzige Gletscher, der direkt im tropischen Regenwald liegt. Durch diesen ging es dann auch erst. Ganz nett war ein Schild inmitten der vielen hohen Bäume, das der Gletscher um 1750 noch zu dieser Stelle gereicht hatte – schwer vorzustellen. Bald kam man dann aus dem Regenwald raus in eine riesige Geröllwüste umgeben von den hohen Bergen, wo nach kurzer Zeit dann auch ein großer Parkplatz war. Von da an stand dann noch eine etwa 20-minütige Wanderung auf dem Programm, bis man sich dem Gletscher so weit es ging angenähert hatte. So weit es ging – denn man kommt leider nicht bis zum Gletscher, es sei denn man überwindet die Absperrungen. Warnschilder zeigen aber die vielen Möglichkeiten, wie man sein Leben verlieren könnte. Ob nun durch Steinschlag, Lawinen, plötzlich auftretendes Hochwasser usw. Man ist dazu verdammt, ca. 100m vor dem Gletscheranfang anzuhalten und dort seine Fotos zu schiessen. Es sei denn, man mietet sich einen ortskundigen Führer, dann kann man auch bis zum und auf den Gletscher vordringen. Oder man fliegt gleich mit dem Flugzeug oder Helikopter dorthin – ca. alle 10 Minuten sah man einen dorthin fliegen. Aber das kostet natürlich…

Ich hab mich dort nicht allzulange aufgehalten und mich auf dem Weg zum Franz-Josef-Gletscher gemacht, benannt nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef (durch den schon erwähnten Julius von Haast, der übrigens Deutscher war, und nicht wie fälschlicherweise bereits erwähnt Österreicher). Das ist der für mich schönere Gletscher, was auch daran liegt, dass hier der Gletscher quasi direkt aus dem Regenwald heraus beginnt. Dort hatte ich auch Bekanntschaft mit einem lustigen Kea gemacht, der mich verfolgt hat. Keas sind die in Neuseeland endemischen Bergpapageien, die gerne Schabernack treiben – z.B Menschen alle mögliche Sachen zu klauen.

Der Gletscher unterscheidet sich anonsten nicht groß vom Fox-Gletscher, wie ein Gletscher aussieht und was es ist, wisst ihr vermutlich – und Fotos habe ich auch bereits veröffentlicht. Aber ehrlich gesagt, ich war nach den beiden Besuchen etwas enttäuscht – hatte mir mehr erwartet. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich ihn nur aus der Ferne gesehen und nicht berührt habe.

Es war nun einmal gerade Mittag, ich hatte also noch endlos Zeit, und bin mal wieder an einen einsamen Strand gefahren. Gillesspie Beach – ein wirklich einsamer Strand, zu dem ich gut 45 Minuten eine abenteuerliche Schotterstraße mitten durch den Regenwald fahren musste. Dort angekommen bin ich dann ein wenig rumspaziert, u.a. gab es eine  Lagune zu sehen, dessen Wasser ziemlich unappetitlich aussah. Meinen Weg kreuzten weidende Schafe, die einmal diesen sogar blockierten. Ich weiß nicht, was all die Tiere gegen mich haben, aber schon wieder war ein Schaf ziemlich agressiv – zum Glück nicht mir gegenüber. Es hat mit einem anderen gekämpft und dieses , gerammt, dass es nur so krachte. War mir etwas unangenehm, ich wollte nicht gerammt werden.

Nach diesen Strandspaziergang fuhr ich die Strecke zurück (die Straße ist eine Abzweigung von der Hauptstraße bei Franz-Josef-Dorf), um auf halben Weg noch am Lake Matheson anzuhalten, einen berühmten See, der dafür bekannt ist, dass sich der Mount Cook und die Gletscher in ihm spiegeln. Leider nicht, als ich da war. Eine tief hängende Wolkendecke versperrte die Sicht auf die Berge und damit auch den Mount Cook, den ich demnach von Westen nicht mehr gesehen habe (wie bereits angedeutet). Ich bin trotzdem einmal um den See gewandert (er ist nicht sonderlich groß), hat ca. eine dreiviertel Stunde gedauert. Die Strecke ging durch den Regenwald, mit einigen Steigungen, und immer mal wieder am See entlang, der trotz fehlender Spiegelungen durchaus idyllisch und einen Besuch wert ist.

Danach führte mich meine Reise nach gut 3-stündiger Fahrt dann nach Hokitika, den ersten Ort nach gut 500km West Coast, den man als Stadt bezeichnen könnte. Ja, ca. 3000 Einwohner reichen in Neuseeland für eine Stadt. Alles, was ein Stadtzentrum hat, in dem es mindestens zweigeschossige Gebäude gibt, wo es einen Supermarkt gibt, der nicht Foursquare ist, wo es eine Bank gibt und wo man eine breitere Auswahl an Schlafmöglichkeiten hat, ist eine Stadt in Neuseeland. Hokitika ist Zentrum der Jade-Verarbeitung (pounamu), was auch den wichtigsten Wirtschaftszweig darstellt. Ich deckte mich mit Lebensmitteln ein, erkundete ein wenig die Stadt (und fand eine Attraktion für den nächsten Tag) und ruhte mich abends dann in meinem über einer Jade-Manufaktur gelegenen Backpacker aus, wo ich auch eine Schweizerin traf, mit der ich mich ganz nett unterhielt.

Das war mein 11. Tag. Was ich am 12. Tag machte,in Hokitika und anderswo, erfahrt ihr demnächst.

 

Tag/Nacht 10: Wanaka-Haast-JacksonsBay-Fox

 

Mit aller Macht dränge ich nun auf das Ende meiner Reise, bis dahin sind allerdings einschlließlich diesem noch 4 weitere Artikel zu schreiben.

Von Wanaka führte mich meine Reise über den Haast-Pass, einer der drei Gebirgspässe die die Westküste mit dem Rest der Südinsel verbinden. Der Haast-Pass ist dabei der südlichste und führt an den Ausläufern des Fjordlands vorbei mitten durch den Mt Aspiring Nationalpark. Dementsprechend dachte ich mir, die Fahrt dürfte etwas dauern, da ich ich diverse Zwischenstopps eingeplant hatte. Von Wanaka schlängelt sich die Straße durch das Gebirge an einsamen Seen vorbei, irgendwann beginnt dann auch der Pass. Tatsächlich habe ich einige Male angehalten: so ging es einen kleinen Wasserfall bestaunen oder einen Spaziergang durch den vielfältigen Wald zu unternehmen. Die Vegetation ändert sich nämlich kurz vor Haast schlagartig, da an der West Coast unheimlich viel Regen fällt und dementsprechend das Landschaftsbild dort vor allem von Regenwald geprägt ist, während im eher trockenen Wanaka Laubbäume vorherrschen.

Die Stopps waren alle jedoch nur wenige Minuten, weshalb ich eher als geplant Haast erreichte, der (zweit)südlichste Ort der Westküste, mitten in einem als Weltnaturerbe ausgezeichneten Gebiet gelegen. Haast an sich ist kleiner als Culverden, hat aber diverse Unterkunfts- und Aktivitätenmöglichkeiten. Geplant war, dass ich hier übernachte, als ich ankam, war es aber grade Mal vormittag. Ich schaute mir also erst einmal das nachhaltig in die Feuchtlandschaft eingebettete Besucherzentrum an, dem ein Museum über die Gegend angeschlossen war. Zur Landschaft ist zu sagen: sehr grün alles, viel Wasser, im Hintergrund große Felsformationen, auf deren Gipfeln ebenfalls Regenwald wuchert. Dazu sehr tief hängende Wolken. Die kommen nämlich vom Westen von der Tasmanischen See und können die neuseeländischen Alpen nicht passieren, weshalb sie sich über der West Coast abregnen (ähnlich also wie im Milford Sound, der garnicht so weit entfernt ist). Zu meinem Glück hat es nicht geregnet. Sogar nicht einmal die folgenden Tage. Das ist so selten wie Sechs im Lotto (was mir lieber gewesen wäre). Nachdem ich das Museum durchhatte, entschied ich mich, wieder einmal eine Sackgassen-Strecke zu fahren, nämlich zur Jacksons Bay, wo die südlichste Siedlung der West Coast liegt, direkt am Ende des Fjordlands. Dort gibt es, wie der Name sagt, eine kleine Bucht, wo Schiffe halbwegs ungefährlich ankern können (was sonst an der West Coast sehr schwer ist) und damit auch einen Hafen. Auf den Weg hielt ich ein paar mal an und spazierte an und genoss den Blick auf Regenwald und Meer. Einmal spazierte ich auch auf dem Watt (dort gibt es nämlich auch Ebbe und Flut) und beobachte die vielen Vögel. Die Siedlung ist ein reines Fischereidorf, aber ganz idylisch gelegen. Direkt an den Hängen der mit Regenwald überzogenen Hügel gelegen mit dem Meer vor der Haustür. Beschreibungen helfen hier nichts, man sollte dagewesen sein, um dieses Paradies zu erleben. Da grade Ebbe war, kletterte ich über die Steine an der Küste entlang, in der Hoffnung vielleicht Seerobben oder Pinguine zu sehen, die hier gehäuft vorkommen sollen. Daraus wurde jedoch nix. Bald entschloss ich mich dann auch, nach Haast zurückzufahren, wo ich erstmal tankte. War nämlich die letzte Tankstelle für ca. 300km… Da es erst Nachmittag war und ich noch etwas aus den Tag machen wollte,  alle interessanten Orte in der Umgebung aber schon durchhatte, entschloss ich mich den langen Weg in die Ortschaft Fox auf mich zu nehmen, die an den Füßen des Fox Glaciers liegt (und ca. 20km vom Mt Cook Village entfernt ist :D). Kurz nach Haast (das übrigens nach dem österreichischen Geologen und Naturforscher Julius von Haast benannt ist) erstreckt sich auch die längste einspurige Brücke Neuseelands, über die ich auch fahren musste. Es sind, glaube ich, 732m, dabei gibt es 3 verbreiterte Buchten, falls mal doch einer entgegenkommen sollte. Aber das war bei mir nicht der Fall. Noch eine kleine Anmerkung: man sah jede Menge Angler, die an den Flüssen gefischt haben. Und zwar nach „whitebait“: das ist eine an der West Coast berühmte, sehr kleine Fischart, die wohl ziemlich gut schmecken soll. Und wenn Saison ist, fischt Groß und Klein in den Flüssen danach. Ich hab es nicht probiert, denn ich bin ja ein überzeugter Anti-Fisch-Esser.

War dann eine lange Fahrt, unterbrochen von diversen Stopps an quasi allen markierten Aussichtspunkten, die aber keiner näheren Erwähnung wert sind.

Bis auf die Monroe-Beach, wo ich fast gefresse worden wäre. Ja, wirklich, ein böses Ungeheuer hat mich fressen wollen. Das kam so:  ich sah die Bezeichnung Monroe Beach und hielt dort an, weil ich gerne mal an einen einsamen Strand an der West Coast wollte. Da die Straße hier aber nicht am Meer verlief, sondern einige Kilometer im Inland (macht sie auch die ganze Strecke größtenteils, wegen Wind und so) musste ich erst einmal ca. 1h durch den Regenwald zum Strand laufen. Der Regenwald ist aber auch echt sehenswert gewesen, noch besser als der bei der Catlins Coast. Irgendwann kam ich dann auch beim Strand an, wo vor Pinguine gewarnt wurde, die man besser nicht stören sollte, wenn sie an Land kommen. Zum Schutze der Pinguine natürlich, nicht der Menschen, falls das die unglückliche Wortwahl impliziert (ich bin schon soweit, dass ich manche deutsche Begriffe vergessen habe). Pinguine habe ich leider nicht gesehen, wohl deshalb weil die erst bei Dämmerung an Land kommen. Durch den einsamen Regenwald bei Nacht zu laufen war mir allerdings nicht so geheuer, wohl auch, weil ich dort der einzige Mensch im Umkreis von ca. 50km war.

Ich erkundete also den kleinen, paradiesischen Strand, der von der Steilküste eingerahmt war. Durch Neugier getrieben ging ich dann auch noch das kleine Landstück zwischen Steilküste und Meer entlang, wo diverse Felsbrocken umlagen. Das Ende des Weges war schon in Sicht (Steilküste zieht sich direkt am Meer entlang), als ich mich plötzlich gewaltig erschreckte. Ich bog um einen Stein und war grade mal 20cm von der Schnauze eines riesigen Seehundes entfernt, der dort gechillt hatte. Reaktionsschnell wie ich bin zog ich mich schnell zurück, leider ohne nachgedacht zu haben, in die falsche Richtung . Denn, wie gesagt, war ein Weiterkommen nicht möglich. Ich hatte also die Steilküste hinter und und rechts von mir, das tobende Meer links vor mir und vor mir den bösen Seehund, der agressive Drohgebärden machte (ist ihm ja nicht übel zunehmen). Er heulte wie ein tollwütiger Wolf und fuchtelte mit seinen Flossen herum, als wolle er sich jeden Moment auf mich stürzen. Ich muss zugeben, ich hatte echt Angst. Der Biss eines Seehundes (es war ein Fur Seal, ich glaube es ist eher eine Pelzrobb oder so e denn ein Seehund, wie man ihn aus der Nordseee kennt)  ist nämlich echt schmerzhaft, habe ich gelesen. Bange Sekunden verstrichen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als die Zunge rauszustrecken, was komischerweise wohl Wirkung zeigte, denn er robbte plötzlich jaulend ins Meer, wo er in den Wellen verschwand. Die Geschwindigkeit, in der das geschah, hätte ich ihm garnicht zugetraut. Ein vernünftiges Foto konnte ich demnach nicht mehr von ihm schiessen, man muss schon genau hinsehen, um ihn im Wassser noch zu erkennen. Immerhin hatte er mich dank meines heldenhaften Zungen-Einsatzes nicht gefressen. Den Herzschlag wieder etwas normalisiert, habe ich dann noch  die Stelle untersucht, wo er gelegen hatte.  Der penetrante Gestank vertrieb mich aber schnell. Das war also mein Erlebnis , wo ich fast gefressen worden wäre 😀

Ich erreichte dann auch letztlich noch die Ortschaft Fox, wo ich mir eine Unterkunft suchte, um gut gerüstet in den nächsten Tag zu starten, wo ich unter anderem die beiden bekanntesten Gletscher Neuseelands besuchen sollte.

Ich lade hier noch ein paar Fotos hoch, damit ihr einen Einblick in die Westküste bekommt (und vlt. den Seehund findet…)…

Diese Diashow benötigt JavaScript.