Tag/Nacht 10: Wanaka-Haast-JacksonsBay-Fox

 

Mit aller Macht dränge ich nun auf das Ende meiner Reise, bis dahin sind allerdings einschlließlich diesem noch 4 weitere Artikel zu schreiben.

Von Wanaka führte mich meine Reise über den Haast-Pass, einer der drei Gebirgspässe die die Westküste mit dem Rest der Südinsel verbinden. Der Haast-Pass ist dabei der südlichste und führt an den Ausläufern des Fjordlands vorbei mitten durch den Mt Aspiring Nationalpark. Dementsprechend dachte ich mir, die Fahrt dürfte etwas dauern, da ich ich diverse Zwischenstopps eingeplant hatte. Von Wanaka schlängelt sich die Straße durch das Gebirge an einsamen Seen vorbei, irgendwann beginnt dann auch der Pass. Tatsächlich habe ich einige Male angehalten: so ging es einen kleinen Wasserfall bestaunen oder einen Spaziergang durch den vielfältigen Wald zu unternehmen. Die Vegetation ändert sich nämlich kurz vor Haast schlagartig, da an der West Coast unheimlich viel Regen fällt und dementsprechend das Landschaftsbild dort vor allem von Regenwald geprägt ist, während im eher trockenen Wanaka Laubbäume vorherrschen.

Die Stopps waren alle jedoch nur wenige Minuten, weshalb ich eher als geplant Haast erreichte, der (zweit)südlichste Ort der Westküste, mitten in einem als Weltnaturerbe ausgezeichneten Gebiet gelegen. Haast an sich ist kleiner als Culverden, hat aber diverse Unterkunfts- und Aktivitätenmöglichkeiten. Geplant war, dass ich hier übernachte, als ich ankam, war es aber grade Mal vormittag. Ich schaute mir also erst einmal das nachhaltig in die Feuchtlandschaft eingebettete Besucherzentrum an, dem ein Museum über die Gegend angeschlossen war. Zur Landschaft ist zu sagen: sehr grün alles, viel Wasser, im Hintergrund große Felsformationen, auf deren Gipfeln ebenfalls Regenwald wuchert. Dazu sehr tief hängende Wolken. Die kommen nämlich vom Westen von der Tasmanischen See und können die neuseeländischen Alpen nicht passieren, weshalb sie sich über der West Coast abregnen (ähnlich also wie im Milford Sound, der garnicht so weit entfernt ist). Zu meinem Glück hat es nicht geregnet. Sogar nicht einmal die folgenden Tage. Das ist so selten wie Sechs im Lotto (was mir lieber gewesen wäre). Nachdem ich das Museum durchhatte, entschied ich mich, wieder einmal eine Sackgassen-Strecke zu fahren, nämlich zur Jacksons Bay, wo die südlichste Siedlung der West Coast liegt, direkt am Ende des Fjordlands. Dort gibt es, wie der Name sagt, eine kleine Bucht, wo Schiffe halbwegs ungefährlich ankern können (was sonst an der West Coast sehr schwer ist) und damit auch einen Hafen. Auf den Weg hielt ich ein paar mal an und spazierte an und genoss den Blick auf Regenwald und Meer. Einmal spazierte ich auch auf dem Watt (dort gibt es nämlich auch Ebbe und Flut) und beobachte die vielen Vögel. Die Siedlung ist ein reines Fischereidorf, aber ganz idylisch gelegen. Direkt an den Hängen der mit Regenwald überzogenen Hügel gelegen mit dem Meer vor der Haustür. Beschreibungen helfen hier nichts, man sollte dagewesen sein, um dieses Paradies zu erleben. Da grade Ebbe war, kletterte ich über die Steine an der Küste entlang, in der Hoffnung vielleicht Seerobben oder Pinguine zu sehen, die hier gehäuft vorkommen sollen. Daraus wurde jedoch nix. Bald entschloss ich mich dann auch, nach Haast zurückzufahren, wo ich erstmal tankte. War nämlich die letzte Tankstelle für ca. 300km… Da es erst Nachmittag war und ich noch etwas aus den Tag machen wollte,  alle interessanten Orte in der Umgebung aber schon durchhatte, entschloss ich mich den langen Weg in die Ortschaft Fox auf mich zu nehmen, die an den Füßen des Fox Glaciers liegt (und ca. 20km vom Mt Cook Village entfernt ist :D). Kurz nach Haast (das übrigens nach dem österreichischen Geologen und Naturforscher Julius von Haast benannt ist) erstreckt sich auch die längste einspurige Brücke Neuseelands, über die ich auch fahren musste. Es sind, glaube ich, 732m, dabei gibt es 3 verbreiterte Buchten, falls mal doch einer entgegenkommen sollte. Aber das war bei mir nicht der Fall. Noch eine kleine Anmerkung: man sah jede Menge Angler, die an den Flüssen gefischt haben. Und zwar nach „whitebait“: das ist eine an der West Coast berühmte, sehr kleine Fischart, die wohl ziemlich gut schmecken soll. Und wenn Saison ist, fischt Groß und Klein in den Flüssen danach. Ich hab es nicht probiert, denn ich bin ja ein überzeugter Anti-Fisch-Esser.

War dann eine lange Fahrt, unterbrochen von diversen Stopps an quasi allen markierten Aussichtspunkten, die aber keiner näheren Erwähnung wert sind.

Bis auf die Monroe-Beach, wo ich fast gefresse worden wäre. Ja, wirklich, ein böses Ungeheuer hat mich fressen wollen. Das kam so:  ich sah die Bezeichnung Monroe Beach und hielt dort an, weil ich gerne mal an einen einsamen Strand an der West Coast wollte. Da die Straße hier aber nicht am Meer verlief, sondern einige Kilometer im Inland (macht sie auch die ganze Strecke größtenteils, wegen Wind und so) musste ich erst einmal ca. 1h durch den Regenwald zum Strand laufen. Der Regenwald ist aber auch echt sehenswert gewesen, noch besser als der bei der Catlins Coast. Irgendwann kam ich dann auch beim Strand an, wo vor Pinguine gewarnt wurde, die man besser nicht stören sollte, wenn sie an Land kommen. Zum Schutze der Pinguine natürlich, nicht der Menschen, falls das die unglückliche Wortwahl impliziert (ich bin schon soweit, dass ich manche deutsche Begriffe vergessen habe). Pinguine habe ich leider nicht gesehen, wohl deshalb weil die erst bei Dämmerung an Land kommen. Durch den einsamen Regenwald bei Nacht zu laufen war mir allerdings nicht so geheuer, wohl auch, weil ich dort der einzige Mensch im Umkreis von ca. 50km war.

Ich erkundete also den kleinen, paradiesischen Strand, der von der Steilküste eingerahmt war. Durch Neugier getrieben ging ich dann auch noch das kleine Landstück zwischen Steilküste und Meer entlang, wo diverse Felsbrocken umlagen. Das Ende des Weges war schon in Sicht (Steilküste zieht sich direkt am Meer entlang), als ich mich plötzlich gewaltig erschreckte. Ich bog um einen Stein und war grade mal 20cm von der Schnauze eines riesigen Seehundes entfernt, der dort gechillt hatte. Reaktionsschnell wie ich bin zog ich mich schnell zurück, leider ohne nachgedacht zu haben, in die falsche Richtung . Denn, wie gesagt, war ein Weiterkommen nicht möglich. Ich hatte also die Steilküste hinter und und rechts von mir, das tobende Meer links vor mir und vor mir den bösen Seehund, der agressive Drohgebärden machte (ist ihm ja nicht übel zunehmen). Er heulte wie ein tollwütiger Wolf und fuchtelte mit seinen Flossen herum, als wolle er sich jeden Moment auf mich stürzen. Ich muss zugeben, ich hatte echt Angst. Der Biss eines Seehundes (es war ein Fur Seal, ich glaube es ist eher eine Pelzrobb oder so e denn ein Seehund, wie man ihn aus der Nordseee kennt)  ist nämlich echt schmerzhaft, habe ich gelesen. Bange Sekunden verstrichen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als die Zunge rauszustrecken, was komischerweise wohl Wirkung zeigte, denn er robbte plötzlich jaulend ins Meer, wo er in den Wellen verschwand. Die Geschwindigkeit, in der das geschah, hätte ich ihm garnicht zugetraut. Ein vernünftiges Foto konnte ich demnach nicht mehr von ihm schiessen, man muss schon genau hinsehen, um ihn im Wassser noch zu erkennen. Immerhin hatte er mich dank meines heldenhaften Zungen-Einsatzes nicht gefressen. Den Herzschlag wieder etwas normalisiert, habe ich dann noch  die Stelle untersucht, wo er gelegen hatte.  Der penetrante Gestank vertrieb mich aber schnell. Das war also mein Erlebnis , wo ich fast gefressen worden wäre 😀

Ich erreichte dann auch letztlich noch die Ortschaft Fox, wo ich mir eine Unterkunft suchte, um gut gerüstet in den nächsten Tag zu starten, wo ich unter anderem die beiden bekanntesten Gletscher Neuseelands besuchen sollte.

Ich lade hier noch ein paar Fotos hoch, damit ihr einen Einblick in die Westküste bekommt (und vlt. den Seehund findet…)…

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Tag/Nacht 9: Mt Cook-Wanaka

Am Morgen des neunten Tages ging ich zuerst in das „Museum“ (nachdem ich mich angezogen, gewaschen, ausgecheckt usw. habe natürlich :P).

Dort konnte man allerhand Wissenswertes  über Berge und deren Bezwinger, die man auch Bergsteiger nennt, erfahren. Darunter auch über den wohl Berühmtesten unter ihnnen, zugleich auch wohl der berühmteste Neuseeländer. Sir Edmund Hillary nämlich gelang die Erstbesteigung des Mt Everest, des bekanntlich höchsten Berges der Welt. Alles sehr interessant, wäre aber langweilig darauf einzugehen. Es gab allerdings einen Andenkraum mit Todeslisten-Büchern, wo alle am Mt Cook verunglückten Bergsteiger aufgeführt wurden. Da wird deutlich, dass der Berg schon seine Tücken hat. Ca. 220 Tote in den letzten 100 Jahren, 20 davon in den letzten 10.

Allerdings sehr wenig, wenn man die doch recht vielen Leute bedenkt, die auf den Gipfel pilgern (was sich einfacher anhört als es ist). Ich wollte nicht in dieser Liste stehen, weshalb ich den Versuch nicht unternahm und lieber eine Schotterstraße zum Tasman-Gletscher gefahren bin, der in einem Seitental liegt. Nach Parken des Autos und einer kleineren Wanderung hatte ich dann den Gletscher erreicht – oder besser gesagt, was von ihm übrig ist. Vor meinen Augen erstreckte sich ein glasklarer See umgeben von einer Geröllwüste. In diesem See schwammen noch vereinzelt Eisberge, ich dachte fast, ich wäre in der Antarktis. In der Ferne den Berg hinauf war noch etwas Ewiges Eis zu sehen, die letzten Reste des einst so großen Gletschers. Da sieht man mal, was der angebliche Klimawandel für Folgen hat – traurig.

Auch den Mt Cook konnte man von hier sehen. Des Weiteren gab es ein paar Meter vorher 2 total spiegelnde Seen, indem man perfekt die Berge shen konnte. Da habe ich einige Fotos von gemacht. In einem dieser Teiche (See ist das falsche Wort dafür) schwamm sogar eine ziemlich seltene Entenart mit lustigen Geräuschen. Naja, das wars dann auch mit der Mt Cook-Experience.

Ich legte die lange Strecke nach Twizel zurück, um darauf 3mal durch den Ort zu fahren, weil ich die richtige Abzweigung nicht gefunden hatte. Über den Weg nach Wanaka kann ich nicht viel berichten, es war aber eine abwechslungsreiche Strecke mit vielen verschiedenen Landschaftstypen, die am höchsten Punkt beim Lindis Pass immerhin 924m betrug. Nach ein paar Stunden war ich dann in Wanaka angekommen, bzw. ein paar Kilometer davor. Ich machte nämlich Stopp in der „Puzzling World“. Diesmal nicht zufällig, sondern geplant.

Die „Puzzling World“ ging aus dem einstmals ersten „Modern-Style“-Labyrinth hervor und bietet neben jenem heutzutage auch verschiedene andere Rätsel(-spiele), optische Täuschungen und ganz nette Illusionsräume. So gibt es einen Raum voll mit Köpfen, bei dem es so wirkt, als würden deren Augen einen folgen, wenn man durch den Raum geht. In einem bewusst schief angelegten Raumkomplex habe ich dann sogar zum ersten Mal in meinen Leben Wasser gesehen, welches bergauf fliesst 😀 Clevere Täuschung. Gab auch noch ein paar andere witzige Sachen.Von außen gibt es auch schief stehende Türme und so weiter zu sehen, das Gebäude sieht ziemlich surreal aus (fast so schlimm wie das MartA…).

Doch Hauptgrund für mich war das Labyrinth. Das ist auf einer Fläche von vielleicht lediglich 50 qm angelegt. Holzbarrikaden sind ineinander verschachtelt und formen ein Labyrinth. An jeden der 4 Ecken sind Türme, von denen man sich einen guten Überblick verschaffen kann. Ein roter, ein blauer, ein grüner und ein gelber Turm. Ziel war es auf der schweren Route (die ich natürlich genommen habe) alle Türme in der festgelegten Reihenfolge zu besteigen und dann auch noch den Ausgang zu finden (die einfache Route ist, die Türme in willkürlicher Reihenfolge zu besteigen). Bei der schweren Route wurde eine Durchschnittslösungszeit von 90 Minuten angegeben, konnte ich mir bei der Größe des Labyrinths garnicht vorstellen.

Ich kam allerdings nach erst gut über 2 Stunden, sprich knapp 120 Minuten, aus dem Labyrinth. Es ist wirklich verdammt kompliziert. Grade für den ersten Turm habe ich über eine halbe Stunde gebraucht, obwohl der ziemlich einfach und schnell zu finden ist. Aber einmal eine falsche Abzweigung genommen, hatte ich mich sofort verirrt. In manche Sackgassen war ich bestimt einige Dutzend Male. Es gab auch Brücken, die einzelne Teile des Feldes miteinander verbunden haben (weil durch die Mitte die Toilettenräume gingen, darunter auch ein orginal römisches Plumpsklo :D)). Dort konnte man sich dann immerhin einen Überblick verschaffen, wo man am besten hergeht, um den bald schon wieder zu vergeßen, wenn man sich zwischen Wänden eingekeilt befindet, die auch ich nicht überblicken kann. An manchen Stellen sind extra Notausgangs-Türen angebracht, falls man keine Lust oder Kondition mehr hat. Denn das Labyrinth hat mich bestimmt 10km Gehen gekostet – auf der kleinen Fläche von 50 qm. Trotzdem war mir nicht langweilig, ich war so sehr drauf fokussiert, da Labyrinth zu schaffen, Aufgeben kam für mich nicht infrage. Habe ich dann ja auch letztendlich. Aber dort gehe ich nie wieder rein!

Man ist natürlich nicht alleine dort, sondern es kommen einen immer wieder Massen von Menschen entgegen, die man auch sehr oft wiedersieht.

Hat aber Spaß gemacht und ist zu empfehlen. Sofern man grundsätzlich Labyrinthe mag 😉

Für mich ging es danach weiter in die Stadt, wo ich mir auf gut Glück einen Backpacker gesucht habe. Meine Wahl fiel auf den „Wanaka Bakpaka“. Endlich mal ein Hostel, das sich einen originellen Namen gegeben hat. Ich hoffe, ihr versteht warum…

Der Namen war gleichwohl nicht das entscheidende, sondern die zentrale Lage direkt am See, an dem Wanaka liegt. An dem kleinen Strand dort erholte ich mich dann auch von den Strapazen des Labyrinths und beobachtete die Motorboote, die Wasserski-Fahrer zogen, welche von einer Meute Alkoholiker angefeuert wurden. Wanaka ist nämlich sozusagen das Ski-Zentrum der Südinsel mit den meisten Skigebieten um die Stadt herum (Wanaka liegt übrigens auch  nicht allzuweit von Queenstown entfernt). Dementsprechend gibt es auch ordentlich Apres-Ski und der Ort hat auch ein paar Bars und Restaurants, wenn auch nicht ganz so extrem wie in Queenstown. Nach einem Mahl beim Fastfood-Restaurant meines Vertrauens (nein, kein Mackas diesmal) genoss ich dann noch am Seestrand den Sonnenuntergang über den Bergen. War ganz schön.

Am nächsten Tag sollte ich dann meine Reise fortsetzen, geplant war die Roure über den Haast Pass nach Haast, und damit an die West Coast. Doch der Plan wurde etwas geändert, was auch nicht schlecht war…