Nachbetrachtung der OB-Wahl & Ausblick

Das Ergebnis steht fest: Konstanz hat einen neuen Oberbürgermeister!

In diesem Satz verbirgt sich schon das Ergebnis: eine einer Figur aus Harry Potter anmutenden Dame und eine GrünIn sind Konstanz erspart geblieben.

Die grüne Hegemonie in Konstanz wurde durch den schwarz-(CDU)-gelb (FDP)-blau (Freie Wähler) teilunterstützten Uli Burchardt gebrochen, der jedoch auch grün (Nachhaltigkeitsstreben) und rot („attac“-Mitgliedschaft“ ) in sich vereint. Statt grüner Monotonie also nun ein buntes Konstanz?

Uli Burchardt war mein Favorit, ehe ihm die „attac“-Geschichte dazwischenfunkte. Erstens verstehe ich nicht, wie ein pro-marktwirtschaftlicher Kandidat, der Burchardt nach anderen Aussagen ist, solch Ziele wie „attac“ sie teilweise verfolgt, teilt, zweitens hat er mich damit enttäuscht, dass sein Engagement dort nur vorgetäuscht war.

Er hat deshalb nicht meine Stimme bekommen – mit ihm leben kann ich nun trotzdem gut. Konstanz ist von Bürokraten verschont geblieben und hat genau bekommen, was es braucht: einen tatkräftigen Unternehmer, dem zuzutrauen ist, die Konstanzer Wirtschaft anzukurbeln. Einen authentischen Oberbürgermeister, der Konstanz dienen und nicht an der Stadt verdienen möchte. Er trat einmal an – seinen Aussagen nach wäre es das einzige Mal geblieben – und gewann. Das hatte ein Forschungsteam meines Fachbereiches wohl schon vorausgesehen (Südkurier):

Burchardt gewinnt offenbar die frei gewordenen Stimmen der Bewerber, die nach dem ersten Jahrgang ausgestiegen sind. Das hatten Uni-Foscher übrigens vorab vermutet. Unterstützer von Reiser und Seeliger im Ratssaal wirken bestürzt.

Mit meiner Prognose lag ich gleichwohl ordentlich daneben. Mykola Neumann kann mit seinen 0,6% nicht zufrieden sein. Uli Burchardt mit seinen 39,1% Prozent aber eigentlich auch nicht. Das sind zwar 7,2% Stimmen mehr als Sabine Reiser (31,9%) und gar 11,5% mehr als Sabine Seeliger (27,6%), doch entspricht dieser Stimmenanteil bei einer absolut traurigen Wahlbeteiligung von  44,5% gerade einmal 10801 Stimmen.

Das heißt also, dass – auch die Nicht-Wahlberechtigten eingerechnet, gerade mal so ein Achtel (12,5% !!!) der Konstanzer Bürger ihren Oberbürgermeister demokratisch legitimiert haben.

Woran liegt diese Politikverdrossenheit? Ich weiß es nicht. Das Wetter war zwar ähnlich schlecht wie beim ersten Wahlgang, wo die Wahlbeteiligung nur minimal schlechter war, aber kann dies doch kein Grund sein. Ist es die Erschöpfung und Genervtheit nach langen Wochen Wahlkampf und die Abrechnung für die Konstanz verschmutzenden Plakate, die hoffentlich schnell abgehängt werden? Oder spielt der Oberbürgermeister – auch wegen seiner gar nicht so übermäßigen Macht – einfach keine Rolle?                                               Fragen, denen Konstanzer Politikwissenschaftler mal nachgehen sollten.

Es scheint also so, dass sich Uli Burchardt sein Vertrauen erst noch erarbeiten muss. Meines bekommt er erst mit einem Austritt aus „attac“ zurück.

Nachhaltigkeit ist unterstützenswert, insbesondere da Herr Burchardt auch die fiskalische und ökonomischen Aspekte von Nachhaltigkeit betont. Es bleibt nur zu hoffen, dass er auch auf sie besteht und keine überteuerten Prestige-Objekte mit auf den Weg bringt.

Doch wie Konstanz sich entwickeln wird, ist nicht vorauszusehen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Konstanz eine relativ gute Wahl getroffen hat und gratuliere Uli Burchardt nochmals sehr herzlich zu seinem Wahlsieg!

Nun kann ich mich beruhigt meinen Klausuren widmen, die morgen früh beginnen. Positiv attribuierte Zielvorstellung: Statistik „4 gewinnt“ und die restlichen 3 Klausuren insgesamt addiert  nicht schlechter. Ich bin gespannt – auch wie es ist, mal zu einer absolut mörderischen Zeit von 8 Uhr früh erstmals in diesem Semester in der Uni zu sein…

Erfolgreich, wie ich trotz wahren Wolkenbrüchen und überfluteten Tennisplätzen dieses Wochenende auch beim Schach-Tennis-Turnier in Baden-Baden war (16ter von 23 als auf 23 gesetzter^^), kann ja nichts mehr schief gehen. Bald jährt sich dann auch der Tag meiner Wiederankunft in Deutschland – Zeit also für einen kleinen philosophischen Rückblick.

Für den Blog heißt es jetzt erstmal eine Neuorientierung: diese Möchtegern-investigativen Artikel machen mir Spaß und werden punktuell fortgesetzt. Fragenkataloge sind schließlich schnell verschickt und haben auch relativ hohes Erfolgspotential. Über Themenvorschläge würde ich mich gleichwohl freuen. Genauso über eine gleichbleibende oder gar steigende Besucherzahl, die hoffentlich nicht nur den OB- und StuPa-Wahlen geschuldet war!

 

 

 

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Wahlaufruf OB-Wahl Konstanz

Kurze Erinnerung aus Baden-Baden (übrigens wie Konstanz auch ein schönes Städtchen – noch etwas mondäner) : in ein paar Stunden beginnen die Wahlen zum Oberbürgermeister von Konstanz. Geht alle wählen – 43,8%  war zwar deutlich besser als die 13% für das StuPa an der Uni, ist aber ziemlich lächerlich.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich gemäß dem Vanhanen-Index zur Demokratiemessung Konstanz morgen einen hohen Demokratiegrad bescheinigen kann. Dafür muss die Wahlbeteiligung sehr hoch und das Ergebnis des besten Kandidaten möglichst niedrig sein. Ich schätze, um die 30-35% wird sich der Wahlsieger bewegen.

Da ich sonst ja immer soviel Glück habe, wette ich mal das Ergebnis. Ich glaube, es wird sehr knapp…

Sabine Seeliger: 32%

Sabine Reiser: 31%

Uli Burchardt: 28%

Mykola Neumann: 7%

Klaus Springer: < 1%

Roman Urban: <1%

Sonstige: <1%

Auf jeden Fall gibt es morgen Abend einen strahlenden Gewinner, der 8 Jahre lang Konstanzs Geschicke leiten darf. Es gibt viel zu bewegen: und man kann viel falsch machen!

Die Herausforderungen sind immens – die Frage ist, ob und wie sie angepackt werden. Bleibt Konstanz Rentnersruhesitzstadt oder verwandelt es sich tatsächlich in eine wirkliche Studentenstadt (Thema: Sperrstunde), bleibt es Touristen- und Einzelparadies und/oder wird es zu einem starken, ausdifferenzierten Wirtschaftsstandort. Die Uni ist exzellent geworden – mal schauen, obs Konstanz auch hinbekommt.

Also: Wählen gehen – ein wenig Propaganda muss sein! Ich bin gespannt.

Der OB-Wahlk(r)ampf aus Kandidatensicht

Während manch Konstanzer Student (ich natürlich auch) verzweifelt auf die Ergebnisse der Wahlen zum Studierendenparlament wartet (die Verzögerung hängt wohl mit der massiven Wahlbeteiligung zusammen…), war ich heute Abend mal wieder Gast bei einem Stammtisch der Piratenpartei.

Dort sprachen nämlich die mittlerweile ausgestiegenen Kandidaten Benno Buchczyk und Sylvia Großmann über ihre Erfahrungen im Wahlkampf.

Teilweise ist es sehr hart, was sie berichteten und wirft auf manch Kandidat kein gutes Licht. Manche Vorwürfe wurden gestern schon kurz vorgestellt – einige mehr befinden sich jetzt  in meinem Bewusstsein. Und jeder sollte das Recht haben, mittels dieser Informationen aus besagter Quelle seine eigene Meinung dazu zu bilden. Wobei ich aufpassen muss: anscheinend sind schon Konstanzer Gemeinderäte auf meinen Blog aufmerksam geworden 😉

Zuerst sprach Benno Buchczyk aber über sich selbst und die Beweggründe seiner Kandidatur, die recht spontan 7 Tage vor Abgabe der Unterschriftenlisten getroffen wurde (mit gleichwohl sehr viel längerer Bedenkzeit davor). Er betonte: „Wir sind eine Partei, kein Computerclub“. Und Parteien müssen eben an Wahlen teilnehmen – die FDP z.B hätte dies nicht getan – eine Meinung, die ich nur bedingt teile, da sie ja den Uli Burchardt unterstützt. Eine Stimme für  Benno Buchczyk ist nach ihm denn auch kein – wie ich schrieb – „Wasted Vote“ gewesen, sondern seine Kandidatur hätte vor allem dem Zweck der Werbung gehabt.

Ihre Erfahrungen mit den anderen Kandidaten haben mich in meiner gestrigen Einschätzung bestätigt. Sabine Seeliger scheint doch nicht die „Kampfgrüne“ zu sein wie anfangs angenommen, sondern „lernfähig“ zu sein. Was ich gestern aus Unwissenheit nicht schrieb: sie akzeptiert den Konstanzer Wunsch nach dem Ausbau der B33 und wird im Gegenzug von den ehemaligen OB-Kandidaten Henning Tartsch, Andreas Kaltenbach und Martin Luithle mittels einer Wahlempfehlung unterstützt (ihr persönliches Stuttgart 21).Man könne jedoch auch von ihr lernen: sie hätte jeden Tag Pressemitteilungen verschickt, bis irgendwann selbst der Südkurier ein schlechtes Gewissen bekam und sie auch mal abdruckte. Die Vorwürfe gegen den Südkurier als Monopolisten in der Region spare ich mir mal, da sie nicht belegbar sind. Eine „Bezahlschranke“ mag moralisch verwerflich sein, ist abser völlig legal und legitim. Und wer viel inseriert, kann sich wohl auch auf mehr Berichterstattung freuen. Letztlich sei es laut den beiden Kandidaten so, dass „mit Geld alles“ gehe.

Eine Anekdote, die bei den anwesenden Piraten für Erheiterung sorgte, war jedoch Seeligers Aussage zur Online-Partizipation. Nach einer Diskussion kam sie auf Benno Buchczyk zu und meinte sinngemäß, das sei „ihre Idee; er hätte das von ihr geklaut.“ Guter Witz, dies gegenüber einen Piraten zu behaupten!

Über Uli Burchardt wurden nicht allzu viele Worte verloren: er sei vor allem sehr authentisch und ob als Kandidat oder privat die gleiche Person.

Über Sabine Reiser fielen deutlich schärfere Worte.

Zuerst einmal sei die Frau eine „Hochstaplerin“. Ich würde nicht soweit gehen, dies zu behaupten, doch den Fakten nach übertreibt sie doch merklich bzw. stellt sie falsch dar.  Sie nennt sich Referatsleiterin für Städtebauförderung, obwohl sie „nur“ Referatsleiterin für Stadtsanierung ist. Das hört sich garnicht mehr so sexy an (http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1147360/index.html). Fairerweise muss man allerdings sagen, dass die Abwicklung der Städtebauförderungsprogramme zu ihren Hauptaufgaben zählt.

Stuttgart mag ganz Baden-Württemberg suggieren, tatsächlich gibt es solche Referate aber auch noch in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen. Es handelt sich also um die Referatsleitung eines Regierungsbezirkes.

Das nur am Rande: ein Vorwurf ihr gegenüber war, dass sie bei einer Infoveranstaltung im Vorfeld der in Konstanz durchgeführten „Unter-18-Wahl“ Werbematerial an Grundschüler in öffentlichen Gebäuden verteilt hätte. Ersteres mag wieder moralisch verwerflich sein, zweiteres ist jedoch dem Gesetz nach verboten: keine Wahlwerbung in den zwei Wochen vor der Wahl in öffentlichen Gebäuden.

Dort machte sie wohl auch das Versprechen, jeden Konstanzer Schüler kostenfrei mit einem Ipad auszustatten. Nicht nur illusorisch, ein Oberbürgermeister hat garnicht die Macht darüber zu entscheiden (mag höchstens Kontakte zur Finanzierung nutzen – Apple wird sich freuen). Andere Kandidaten seien aber auch nicht sehr viel realistischer gewesen: sie versprachen den Kindern mehr Taschengeld!

Das Verhältnis unter den Kandidaten sei generell gut gewesen, lediglich Frau Reiser sonderte sich oft etwas ab, kam zu spät und schien dies sichtlich zu genießen, was allerdings dann oft mit einem schlechten Platz bestraft wurde. Als einzige Kandidierende in der Bücklein-Show (OB-Kandidaten-Vorstellung eines Komikers) hätte sie sich auch geweigert, öffentlich etwas darzubieten, während die anderen Kandidaten gesungen, Gitarre gespielt oder etwas vorgetragen haben. Das ist natürlich ihr gutes Recht – wenn sie sich so nicht zeigen möchte sollte man das respektieren.

Auf die Geschichte mit dem E1NS-Magazin wies ich gestern hin, kritische Kommentare auf ihrer Facebook-Seite dazu werden scheinbar gelöscht. Uli Burchardt hätte wohl auch kritische Kommentare genug, ließe sie jedoch stehen.

Hoch her ging letztlich noch die Diskussion, wie viel Frau Reiser denn für ihren Wahlkampf ausgebe und wer ihn finanzierte. An Spekulationen mag ich mich nicht beteiligen, Fakt ist aber, dass bei den vielen Plakaten und Anzeigen, den mittlerweile 3ten Flyer von ihr im Briefkasten, einem anscheinend 20-köpfigen, teils bezahlten Team und sonstiger hoher Professionalität ein Haufen an Geld zusammenkommt. Eins muss man ihr lassen: sie scheint diesen Job als Konstanzer Oberbürgermeisterin wirklich zu wollen. Und jetzt, im 3. Anlauf, nach dem es beim letzten Mal auf der anderen Bodenseeseite in Überlingen nicht geklappt hat, hat sie beste Chancen.

Unterstützt wird sie dabei übrigens – ich erwähnte es noch nicht – von der Redakteurin von „See Online“, die dies in ihrem „Magazin“ ja immerhin auch zugab. Deren Artikel sind also – wie meine – mit Vorsicht zu geniessen!

Nun bleibt mir noch wenig anderes zu berichten (ist alles eh nur ein Ausschnitt). Es gab an die ausgestiegenen Kandidaten wohl Anrufe höherer Stellen, doch bitte eine Wahlempfehlung für die oder die Person abzugeben. 1% der Stimmen mögen nicht viel sein – doch summiert sich dies bei 10 Personen rasch auf wahlentscheidende Prozente auf. Ein Mitarbeiter am Telefon, der ausgestiegene Kandidaten eine Wahlempfehlung abringen möchte, kann daher durchaus Gold wert sein.

Wie sich dies in Stimmen bemerkbar macht, werden wir am Sonntag Abend sehen.

Jetzt sind übrigens gerade die Stimmen der StuPa-Wahlen bekanntgegeben worden und wir können uns richtig freuen! Die Liberale Hochschulgruppe zieht mit starken 8,7% – noch vor der Offenen Linken Liste und dem RCDS – mit 2 Personen ins Studierendenparlament ein. Herzlichen Glückwunsch!

Die vorläufigen Ergebnisse im Überblick:

Fachschaften: 16,5% (PATRICK, Felix, Clarc, Stephan)
GHG: 28,4% (MAX , DAVID, Marie, Judith, Bernhard, Melina, Stephan)
Jusos: 24,0% (FABIAN, Esra, Nicolas, Muriel, Phillip)
RCDS: 7,2% (Caroline, Johannes)
LHG: 8,7% (Sven, Phillip)
Offenen Linke: 8,3% (Marco, Fedo)
Grau: 1,9% (nichts)
Grün & Schnitzel: 4,9 % (Philipp)

Jetzt hoffe ich nur noch, dass zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit die Prozente aufgedröselt werden. Man wird sehen.

Die nächsten Tage wird möglicherweise kein Blogartikel kommen, da ich ja bei der Deutschen Meisterschaft in Baden-Baden partizipiere. Aber es ist nun auch alles geschrieben worden, was geschrieben werden musste. Ich hoffe jeder Konstanzer Bürger entscheidet wohlüberlegt!

 

OB-Wahlen in Konstanz: die Qual der Wahl

Während heute und morgen die Wahlen an der Uni laufen, bereitet sich ganz Konstanz auf die ungleich wichtigere Oberbürgermeister- Wahl am Sonntag vor, in der noch 6 verbliebene Kandidaten, davon mit ernsthaften Chancen nur noch 3, um Stimmen ringen.

Ich selbst bin das Wochenende garnicht in Konstanz, sondern nehme an der Deutschen Meisterschaft im Schachtennis teil, die in Baden-Baden stattfindet. Schach und Tennis kombiniert – da reicht es sogar gleich das Ticket zur Deutschen Meisterschaft zu lösen, wo ich aber sicher sang- und klanglos untergehen werde. Gerade schwang ich den Tennisschläger zum ersten Mal seit 20 Monaten wieder, was doch erstaunlicherweise gut ging: falls ein Konstanzer Leser dieses Blogs das Gefühl verspürt – ich habe jetzt richtig Lust regelmässig mal zu spielen!

Und während am Sonntag Abend die Freude über den Wahlsieg bei einer Person ganz groß sein dürfte, ist ein Mitfeiern meinerseits suboptimal, da ich bereits am Montag zur verbrecherischen Zeit von 8 Uhr morgens die erste Klausur schreiben darf. Thema: Analyse und Vergleich politischer Systeme

Un -Analyse und Vergleich, geschickt zur Überleitung genutzt, soll es nun auch in der Essenz dieses Artikels gehen. Wegen meiner beschriebenen Abwesenheit habe ich nämlich heute neben den Uni-Wahlen bereits meinen OB-Wunschkandidaten per Briefwahl gewählt.

Für mich war die richtige Wahl eine Qual – eine Qual der Wahl. Fernab jeglichen empirischen Anspruches und mit normativem Touch möchte ich nun versuchen darzulegen, welche Faktoren bei so einer Wahl bei mir eine Rolle spielen und wie die noch chancenreichen Kandidaten dort in meinen Augen abschneiden. Soviel sei schon verraten: ich halte niemanden der 6 Kandidaten für bedenklos wählbar und habe mich daher entschieden, die sehr sinnvolle Möglichkeit zu wählen, einen Wunschkandidaten vorzuschlagen. Der ist Sozialdemokrat, wohnt an der Seestraße, mag gern Monster-Trucks und strotzt mit Verwaltungskompetenz. Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der ihn wählt – auch wenn er in meinem folgenden Raster auch nicht unbedingt besser abschneiden würde.

Noch einmal kurz zu den Kandidaten der zweiten Runde der OB-Wahl: mit Chancen im Rennen sind noch Sabine Seeliger (grün), Sabine Reiser („unabhängig“, CDU-Mitglied) und Uli Burchardt (teilweise von CDU, FDP und FW unterstützt). Wer mit diesen nicht zufrieden ist und noch einen seriösen Kandidaten sucht, wird ihn mit den sicher chancenlosen Mykola Neumann  finden, der sein Ergebnis von 1% beim ersten Wahlgang nun deutlich verbessern dürfte. Verbleiben tun auch noch Klaus Springer und Roman Urban, deren Unwählbarkeit ich aber von vornherein annehme. Diese Beiden werde ich daher auch ausblenden.

Nun – wie wählt der Bürger? Wie wähle ich?

Theorien, die ich schon lernen durfte, sind z.B. das Medianwählermodell von Anthony Downs, das davon ausgeht, dass Wähler rein rational die Partei wählen, die ihnen am meisten Nutzen verspricht. Die Annahmen (Zweiparteiensystem, jeder geht zur Wahl, keine inhärenten Parteipräferenzen) lassen sich aber nur schwer mit dieser Oberbürgermeisterwahl in Einklang bringen. Ähnlich sieht es mit der Theorie von Wählerklienteln aus, die vielleicht bei Bundestagswahlen einen Wahrheitsgehalt haben mag, auf Persönlichkeitswahlen wie es Oberbürgermeister-Wahlen sind jedoch geringen Einfluss haben.

Doch was hat Einfluss? Für mich spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle in meiner Wahlentscheidung.

1. Ideologie

Von Ideologie bin auch ich nicht verschont: sie spielt eine wichtige Rolle bei jeder Wahl. Gehört der Kandidat zur In-Group meiner Ideologie, so ist er deutlich eher wählbar als wenn er es nicht ist. Bedauernswerter Weise aber erwartbar ist dies bei keinem der Kandidaten der Fall. Sabine Seeliger ist meiner Ansicht nach recht typisch linksgrün, Frau Reiser betont bürgerlich- modern, aber konservativ, und Uli Burchardt ebenfalls bürgerlich-modern und konservativ, aber mit liberalerem und auch linksgrünen Touch (er wirbt mit einer attac-Mitgliedschaft). Mykola Neumann können wir eine gewisse Nähe zur Piratenpartei zusprechen, die ja nach Selbsteinschätzung ideologielose Politik machen möchte, was ihr jedoch zunehmend seltener gelingt.

 

 

2. Inhalte

Eng verknüpft mit der Ideologie sind auch immer die Inhalte, mit dem ein politischer Kandidat um Stimmen wirbt. Nach der Ideologie richten sich meist auch die politischen Positionen aus. Und manch auf dem ersten Auge gleiche Position zweier Kandidaten beruht auf völlig unterschiedlichen Ideologien und damit auch Gründen. Inhalte sollte man also nicht isoliert betrachten, sondern immer im größeren Kontext. Die Glaubwürdigkeit soll in dieser Dimension jedoch keine Rolle spielen.

Was konkret die Inhalte der OB-Kandidaten angeht, reicht dies von „geht garnicht“ bis „ganz passabel“. Sabine Seeliger disqualifiziert sich durch Forderung einer City-Maut und als Gegnerin des B33-Ausbaus als Autobahn, auch wenn sich in ihrer studentenfreundlichen Politi viel Unterstützenswertes findet. Nicht anders sieht es bei den 3 anderen Kandidaten aus: man wird immer etwas finden, das einem gut, und was einem schlecht gefällt. Und jeder Wähler muss dies für sich selbst entscheiden…

 

3. Persönliche Integrität

Diese Dimension finde ich am Wichtigsten. Was nützen alle Versprechungen, wenn es nur leere Worte sind?Persönliche Integrität heißt für mich, dass Werte und Worte von Kandidaten im Einklang mit ihrem tatsächlichen Handeln stehen. Es wird immer mal unvorhergesehene Ereignisse geben, durch die gemachte Versprechungen nicht gehalten werden können. Wesentlich ist dann, wie damit umgegangen wird.

Bei den OB-Kandidaten ist diese Frage subjektiv schwer zu beurteilen, da sie auf politischer Ebene noch nicht groß in Erscheinung getreten sind. Da hat man es auf bundespolitischer Ebene deutlich einfacher (und wird überall enttäuscht). Trotzdem ein paar Worte zu den Kandidaten:

Sabine Seeliger habe ich in dieser Beziehung nichts vorzuwerfen. Ganz im Geggenteil finde ich, dass ihre finanzielle Unterstützung der Klage gegen das Glasverbot am Seerhein genau diese persönliche Integrität zeigt. Einsatz für eigene Werte und politische Glaubensvorstellungen auch über die Politik hinaus. Ins gleiche Horn stößt auch ihr Einsatz für Bio und erneuerbare Energien. Auch wenn ich das nicht unterstützenswert finde, so imponiert doch eine gewisse Kohärenz zwischen Ideologie und Handeln.

Bei Sabine Reiser sieht es anders aus. Ihre Integrität scheint darauf hinauszulaufen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln endlich gewählt zu werden. Mit allen Mitteln bedeutet auch zu vielleicht eher unlauterer Werbung zu greifen: sie schaltete eine ganzseitige Anzeige auf der Titelseite des Konstanzer E1NS-Magazin, der von diesem jedoch als objektiver Artikel verkauft wird, indem sie extreme, teils lächerliche Selbstdarstellung betreibt. Ein Konstanzer Blogger weiß hier Näheres zu berichten – ein Klick lohnt sich: http://crashsource.de/1102-ob-wahlkrampf-in-konstanz-sabine-reiser/

Auch Uli Burchardt mag man vorwerfen, die Wähler täuschen zu wollen. Er kokettierte mit seinem Engagement bei den Globalisierungskritikern von „attac“, das sich laut Konstanzer Aktivisten  jedoch allenfalls auf eine schnell im Internet erworbene Mitgliedschaft beschränkt: http://www.koch.ro/blog/index.php?/archives/157-Uli-Burchardt-und-ATTAC.html

Auch sein „Engagement“ in anderen Vereinen scheint eher gering auszufallen. Um jedoch auf „attac“ zurückzukommen: warum meint Herr Burchardt das eine „attac“-Mitgliedschaft so toll ist? Für mich disqualifiziert ihn nicht nur diese Falschaussage, sondern schon die Idee einer „attac“-Mitgliedschaft an sich. Bei seiner Nachhaltigkeitsausrichtung ist es zumindest nachvollziehbar. Herr Burchardt scheint auch den gewissen Typus eines Selbstdarstellers einzunehmen, der als Marketing-Fachmann sich damit ja bestens auskennend, manchmal so wirkt, den Wahlkampf als Plattform benutzend eher sein Buch „Das Manufactum-Prinzip“ zu bewerben statt sich um die Belange von Konstanz zu kümmern.

Über Mykola Neumann kann ich an dieser Stelle nichts Schlechtes schreiben, da mir nichts bekannt ist. Ihn schätze ich aber – er ist schließlich Rechtsanwalt – in dieser Beziehung aber als sehr solide ein.

 

4. Bürgernähe

Ein entscheidender Faktor für mich ist die Bürgernähe. Und zwar nicht nur die Anschein erweckende während des Wahlkampfes, sondern die dann tatsächliche als Oberbürgermeister. Alle Kandidaten reden schließlich von mehr Partizipation – die Frage ist ob sie es auch umsetzen.

Während des Wahlkampfes kann man fehlende Bürgernähe gleichwohl niemanden absprechen: gerade Sabine Reiser zeigt sich da sehr bemüht – heute lag wieder Wahlwerbung im Briefkasten – wirkt dabei jedoch im Gegensatz zu Sabine Seeliger nicht wirklich authentisch, sondern sehr gekünstelt. Mit perfekt einstudiertem Lächeln vermag sie mich nicht zu vereinnahmen. Wie wichtig Bürgernähe ist, sieht man auch an der Tatsache, dass sie nach der Podiumsdiskussion an der Uni Gespräche plötzlich abbrach, weil „wichtige“ Personen gerade in der Nähe waren, denen sie sich widmen wollte. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

In der Beantwortung von Anfragen zeigte sie sich jedoch immer sehr rasant- gleichwohl sicher ein großes Team dahinter steht. Ähnlich bei Sabine Seeliger. Uli Burchardt hat sicher auch ein großes Team, die Anfragen werden hier aber längst nicht so zügig bis garnicht beantwortet. Mykola Neumann muss man hier in Schutz nehmen -als Einzelkämpfer, der dazu noch weiter seinem Beruf nachgeht, hat er es nicht gerade leicht. Vielmehr ist sein Engagement zu bewundern.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob man den zukünftigen Oberbürgermeister auch einmal unter „normalen“ Konstanzern sieht oder nur in der High-Society.

 

5. Charakter und Sympathie

Ist schon fast sowas wie ein Gesamteindruck und je nach Mensch unterschiedlich. Aber wohl immer sehr bedeutend. Für wen ich Sympathie hege und für wen eher nicht ist sicher schon deutlich geworden.

 

6. Rationales

Als gnadenloser Kosten-Nutzen-Maximierer wägt man bei seiner Wahlentscheidung sicherlich auch die Vor- und Nachteile des Kandidaten für sich ab. Frau Seeligers glaubwürdiger Einsatz gegen das Glasverbot und eine zeitliche Ausweitung der Sperrstunde sind für einen Studenten sicherlich positiv zu beurteilen. Allerdings sollte man nicht nur an sich denken – gerade wenn man ohnehin in Konstanz nur für kurze Zeit seinen Lebensmittelpunkt hat. Ein Oberbürgermeister, der mich nur ein Jahr „regiert“ und der auf mein unmittelbares Leben ohnehin kaum Einfluss hat, führt dazu, dass einem eigentlich egal sein kann, wer Oberbürgermeister wird. Man kann dies dann so oder so sehen: Verantwortung übernehmen und das Wählen, von dem man sich das Beste für alle erhofft. Oder man entzieht sich der Verantwortung – meiner Meinung in diesem Fall durchaus legitim – und lässt die dauerhaft hier lebenden Konstanzer entscheiden, während man selbst nicht zur Wahl schreitet oder aber den Stimmzettel ungültig macht/ einen Wunschkkandidaten vorschlägt, um zumindest die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Daran nämlich könnte es auch liegen, dass die Wahlbeteiligung, gerade unter Studierenden, aber auch in der Forschung, eher gering ist. Es macht da einen Unterschied, ob man noch 4 Jahre in Konstanz vor sich hat, weil man gerade mit dem Jura-Studium angefangen hat oder aber in meinen Fall weiß, im nächsten Jahr um diese Zeit Konstanz bereits verlassen zu haben und auch nur noch für eine kurze Periode zurückzukommen.

 

 

Das war es dann auch eigentlich schon, was mich merklich in meiner Wahlentscheidung beeinflusst. Die ganzen Dimensionen werden vermixt, ihr Anteil ist jedoch immer dynamisch, die Gesamtentscheidung spiegelt das Ganze nur so ungefähr wieder. In Bundestagswahlen sind die Dimensionen noch etwas umfangreicher, in Oberbürgermeister-Wahlen müssen sie ausreichen. Es ist ja auch auch nicht so, dass ich das jetzt haargenau so durchgehe, sondern ein Versuch selbst einmal niederzuschreiben, wie man eigentlich zu einer Wahlentscheidung kommt.

Meine ist nun so, keiner dieser Spitzenkandidaten zu wählen. Am ehesten würde mir momentan tatsächlich noch Sabine Seeliger zusagen. Mit meinem Gewissen kann ich es aber absolut nicht vereinbaren, eine linksgrüne Kandidatin zu wählen. Da ist die Ideologie doch stärker, die Emotion siegt über die Rationalität!

Wie auch immer: am Sonntag Abend wissen wir alle mehr. Für Konstanz wird das Ergebnis einschneidend sein. Mittlerweile sehe ich einen Farbwechsel nicht mehr sehr euphorisch entgegen – vielleicht sollte Konstanz tatsächlich grün bleiben. Bei den Inhalten der Kandidaten wird es das aber ohnehin. Wer sich übrigens noch einmal einen Eindruck von den Kandidaten verschaffen möchte: am Freitag von 11-15 Uhr ist ein offenes Forum an der Universität, wo man noch einmal mit allen ins Gespräch kommen kann – so ist jedenfalls der Anspruch dieser Veranstaltung…

Auch hier wieder der Aufruf: geht am Sonntag wählen, auch wenn es Euch nicht anzugehen scheint! Notfalls macht tatsächlich vom Vorschlagsrecht Gebrauch und wünscht Euch Harry Potter herbei…

Vor den Wahlergebnissen am Sonntag freue ich mich jedoch erst einmal auf die morgen. Ein Sitz, besser zwei, sollten für die Liberale Hochschulgruppe wohl drin sein. Wer noch nicht gewählt hat, sei auch dies ans Herze gelegt, dies morgen noch zu tun!

 

 

 

 

OB-Wahl in Konstanz 2012 – Analyse

Während die Kandidaten heute um den Einzug ins Konstanzer Rathaus kämpften, schlug ich mich mit Wind und Wellen auf Bodensee und Rhein herum. Dazu mehr und vor allem viele Bilder morgen. Soviel sei gesagt: es war keine Tour, sondern eine Tortur, aber doch ein Abenteuer ganz nach meinen Geschmack, dass aufgrund der Wetterlage nicht in Schaffhausen, sondern leider bereits 10km vorher in Gailingen am Hochrhein endete. Doch morgen mehr…

Die Kandidaten haben gekämpft – manche haben gewonnen, die meisten wohl verloren. Die Ergebnisse im Überblick (http://www.konstanz.de/ergebnisse_wahlen/ob2012.htm): Sabine Reiser 26,8%, Uli Burchardt 25,9%, Sabine Seeliger 20,1%, Sven Zylla 14,3%, Henning Tartsch 4,6%, Andreas Kaltenbach 2,2%, Martin Luithle 1,9%, Benno Buchczyk 1,1%, Mykola Neumann 1,0%, Roman Urban 0,5%, Sylvia Großmann 0,5%, Thomas Linz 0,4%, Klaus Springer 0,1%, Sonstige 0.6%. Wer unter Sonstige zählt würde mich mal interessieren…

Die Wahlbeteiligung war mit 42% sehr gering. Das mag einerseits am Regenwetter gelegen haben, andererseits aber auch vor allem im Bewusstsein, dass es ohnehin eine Stichwahl geben würde. Die Hoffnung ist also groß, dass es in 2 Wochen besser aussieht. Von der Stichwahl hatte ich selbst eine völlig falsche Vorstellung. Ich dachte, es wäre ein Stechen zwischen den zwei besten Kandidaten. Tatsächlich ist es aber eine Wahl wie heute auch, wo man allerdings nur noch die relative Mehrheit der Stimmen benötigt. Kandidaten können jetzt zurückziehen, theoretisch können sogar noch neue Kandidaten ins Rennen einsteigen, wenn sie sehr schnell neue Unterschriften sammeln. Vielleicht steht ja schon wer bereit…

Wer Statements von den OB-Kandidaten hören möchte – der Südkurier hat ein Video gedreht, auf das man sogar ohne Bezahlschranke zugreifen kann. Gehört wohl zum Informationsauftrag.

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Video-Das-sagen-OB-Kandidaten-zum-Wahlergebnis;art372448,5575216

Interessant ist es übrigens, mal die einzelnen Wahlbezirke und die dortige Stimmenverteilung anzusehen. Im Wahlbezirk Königsbau Wahlort Uni-Laborgebäude V, zu dem diverse Studentenwohnheime gehören, erreichte Sabine Seeliger  mit 32,4% ein deutlich besseres Ergebnis. Ähnlich sieht es in manch Gegenden der Altstadt aus – ebenfalls Terrain eher junger Leute. In Konstanzs „sozialem Brennpunkt“ Berchengebiet schneidet Frau Sabine Seeliger hingegen vergleichsweise schlecht ab. Wen interessiert da auch Öko? Auf hohe Werte kommt dort Sabine Reiser. Vielleicht durchschauen die Wähler dort Sabine Reiser einfach nicht !? Unter vielen Studis, wenn auch nicht nur, (Uni-Laborgebäude V) erreicht sie gerade mal 13,5%.

Ich möchte die Analyse nicht überreizen – die Dinge fielen mir nur spontan auf. Die Kandidaten werden sicherlich näher damit beschäftigen, um, sofern sie denn weiterhin antreten, in Wahlkreisen, wo sie eher schlecht abschnitten, verstärkt Werbung zu machen. Auch natürlich, um die mickrige Wahlbeteiligung anzukurbeln. Es kann also nur besser werden…

Meine Stimme war tatsächlich ein „Wasted Vote“, in der Stichwahl werde ich sie dann überlegter einsetzen. Sven Zylla überlegt noch, ob er weiter kandidiert, das Rennen dürften Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sabine Seeliger unter sich aus machen. Gut möglich, dass Frau Seeliger als lachende Dritte aus diesem Rennen hervorgeht, während die bürgerlich-konservativen Uli Burchardt und Sabine Reiser sich gegenseitig die Stimmen klauen. Ich hoffe es nicht – ich möchte einen Farbwechsel.

Orange wird sicher nicht die Farbe sein. Der Kandidat im Vertrauen der Piratenpartei, Benno Buchczyk ist grandios gescheitert und weiß (siehe Südkurier-Video) selbst nicht, wie er das jetzt einschätzen soll. Aber nicht schlecht, dass manche Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, die maßlos überschätzend einem Kandidaten der Piratenpartei gute Chancen einräumten. Die habe ich nie geteilt, wie vielleicht schon deutlich geworden ist. Sicherlich bitter für ihn und sein engagiertes Wahlkampfteam – aber so ist die Realität. Ich bin gespannt, ob Benno Buchczyk auch in der Stichwahl antritt…

2 Wochen heißt es also noch warten, dann hat Konstanz einen neuen Oberbürgermeister für 8 Jahre. Eine wegweisende Entscheidung, die Konstanz hoffentlich nicht zurück in die Steinzeit katapultiert. Manche KandidatInnen scheinen da ja ganz heiß drauf zu sein…

Ich werde die ganze Angelegenheiten jedenfalls weiterhin beleuchten und freue mich über das große Interesse. 450 Besucher dieses Blogs am heutigen Tag – nicht schlecht!

OB-Kandidaten-Vorstellung: Uli Burchardt

Manchmal verlaufen Abende anders als geplant. Aber nicht unbedingt schlechter. Organisatorisches wurde auf Sonntag verschoben, es stand kurzfristiger Konsum von Spaß statt, unter anderem im Form des schönen Spiels „Werwolf“, wo ich endlich mal wieder brillieren konnte. Anyway: ich halt mich jetzt kurz, weil der Rucksack noch gepackt werden muss und es in knapp 6 Stunden bereits aufs Kanu geht. Selbst mir ausreichend Schlaf, den ich nun nicht mehr kriege, wäre es ein harter Tag. Naja, schaun wir mal…

Uli Burchardt werde ich nicht gesondert vorstellen, das Ganze aber vielleicht nachholen, da er mit Sicherheit in die Stichwahl kommt. Ich habe ihn heute per Briefwahl nicht gewählt, er ist aber nach wie vor in meinem engeren Kreis. Hätte ich seine Antworten vor meiner Wahl bekommen, hätte ich mich möglicherweise anders entschieden.  Meinen „Wasted Vote“ verbuche ich mal unter Wahlgeheimnis.

Hier jetzt noch seine Antworten auf meine Fragen – die 7. hat er galant ausgeklammert. Kommentieren tue ich aus oben genannten Gründen nicht mehr. Der Blog soll mir schließlich nicht mein Leben diktieren, doch aus Gründen der Fairness gegenüber den OB-Kandidaten sehe ich es als notwendig an, alle Antworten rechtzeitig zu veröffentlichen. Und das ist nun nunmal die letzte Gelegenheit…

 

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessen Geld Ihren Wahlkampf?

Da ich als unabhängiger Kandidat antrete, erhalte ich keine Unterstützung aus irgendeiner Parteikasse. Meinen Wahlkampf finanziere ich zu einem Teil aus Spenden. Die Freien Wähler haben dazu freundlicherweise ein Spendenkonto eingerichtet. Über die Identität der Spender werde ich jedoch nicht informiert und das ist gut so, denn so entstehen keine Abhängigkeiten. Was nicht durch Spenden abgedeckt ist, finanziere ich aus der eigenen Tasche.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3

Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Es gibt weit mehr als drei Dinge, die ich an unseren Nachbarn schätze: Zunächst fasziniert mich ihre demokratische Tradition und ihre republikanische Gesinnung, die sie in ihrem politischen Alltag immer wieder unter Beweis stellen. Dann bewundere ich die Geradlinigkeit mit der sie Projekte in ihrem Gemeinwesen anstoßen, planen und umsetzen. Was sie anpacken, hat meistens Hand und Fuß, auch wenn es mal ein paar Franken mehr kostet. Schließlich schätze ich ihre Verbundenheit mit ihrer natürlichen alpinen und voralpinen Umwelt, die Sie gerne auch Heimatliebe nennen dürfen.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?

Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil einer Gesellschaft, die sich durch solidarisches Miteinander immer wieder selber hervorbringt und neu entwirft. Als jemand, der bei DLRG und Freiwilliger Feuerwehr, später als Studentensprecher und heute im Wirtschaftsrat, viele Jahre aktiv war und ist, weiß ich, dass dem Ehrenamt oft nicht die öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird, die es verdient. Deswegen hatte ich angekündigt, zu entscheiden, ob eine Stabsstelle für ehrenamtliches Engagement eingerichtet werden soll und ich habe mich festgelegt: Ich werde mich dafür einsetzen, eine solche Stelle zu schaffen, die Bürgerengagement fördert und koordiniert.

Zur konkreten Frage: Derzeit kostet das Zeugnis 13 Euro, Personen, denen dies nicht zuzumuten ist, können davon ausgenommen werden. Sollte die Beschlusslage der Gemeinde inzwischen eine andere sein, wird es Aufgabe des Inhaber oder der Inhaberin einer künftigen Ehrenamtsstelle sein, dies zu überprüfen und gegebenenfalls an die Erfordernisse der ehrenamtlich Tätigen ebenso wie an die der Stadt anzupassen. Mehr kann ein OB-Bewerber nicht versprechen, ohne schon vor der Wahl als Verwaltungsmonarch zu gelten, der nicht alle Beteiligten rechtzeitig anhört.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen

Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):

1- Studenten

Klar, dass ich als Dozent an der HTWG die Studierenden besonders schätze. Sie machen rund ein Fünftel der Konstanzer Bevölkerung aus. Viele Konstanzerinnen und Konstanzer waren früher selbst an einer unserer Hochschulen eingeschrieben. Studierende kommen zuhauf aus anderen Städten und beleben und bereichern unser Gemeinwesen. Durch sie und ihre Hochschulen werden jährlich dreistellige Millionenbeträge in den lokalen und regionalen Wirtschaftskreislauf eingebracht. Die meisten von Ihnen sind Mitbürger auf Zeit, und wenn sie Konstanz wieder verlassen, sind sie im Idealfall positive Botschafter für unsere Stadt und unsere Region.

2- Schweizer

Vielfach werden unsere Nachbarn auf ihre Kaufkraft reduziert. Das wird aber nicht der Tatsache gerecht, dass wir eine jahrhundertelange  gemeinsame Vergangenheit haben. Noch weniger wird es der Tatsache gerecht, dass wir mit den Schweizern über eine EU-Außengrenze hinweg tagtäglich grenzüberschreitendes Miteinander praktizieren, was uns so selbstverständlich ist, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Das ist ein gutes Zeichen. Ein Beispiel: In meiner Jugend waren Schweizer Guggenmusiken in Konstanz eher eine Ausnahme. Heute sind sie selbstverständlicher Bestandteil unserer Straßenfasnacht, auf deren liberale Offenheit wir zu Recht stolz sind. Unsere Nachbarn fordern und fördern unsere Offenheit und Toleranz und das wiegt mehr als die vermeintlichen Kulturunterschiede, die bei genauer Betrachtung übrigens gar nicht so groß sind, wie sie gerne dargestellt werden.

3-Touristen

Auch Touristen möchte ich nicht auf ihren Geldbeutel reduzieren. Es sind immer noch Individuen und Familien die zu uns kommen und nicht nur Zahlesel. Ich möchte, dass sie sich als Gäste hier wohlfühlen und gerne wiederkommen. Aber es geht nicht um Massentourismus, sondern um Qualität. Das bedeutet Kultur- und Thementourismus, der den Gästen nachhaltig mehr anbietet, als ein wenig Straßenmusik und Gaukler auf der Marktstätte. Dazu gehört auch, dass sie vom Hafen oder Bahnhof kommend orientiert werden und daran hapert es immer wieder. Hier gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf, den ich in einer kombinierten Stadtmarketingorganisation mit Tourismus, Wirtschaftsförderung und Standortmarketing aus einem Guss ansiedeln will.

4-Solaranlagenbauer

Sie repräsentieren einen wesentlichen, der Nachhaltigkeit verpflichteten Wirtschaftszweig in unserer Stadt. Ich will, dass Konstanz auch zukünftig Solarstadt bleibt und dafür gibt es sehr gute Ansätze. Insbesondere in der Forschung und Entwicklung haben wir mit den zwei Hochschulen erstklassige Standortbedingungen. Nun gilt es, sich auch im Land und beim Bund dafür einzusetzen, dass die deutsche Solarbranche weiterhin stabile Zukunftsaussichten bekommt. Gleichzeitig aber setze ich mich dafür ein, dass die Konstanzer Wirtschaftdurch Vielfalt und Diversität geprägt ist und nicht durch ein Branchenmonopol.

5- Papst

Der Papst ist als Oberhaupt der katholischen Kirche für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger eine außerordentlich wichtige Persönlichkeit in ihrem ganz privaten Glaubensleben. Dies gilt es zu respektieren, denn dieser Respekt ist die Grundlage für eine Gesellschaft der Freiheit und Toleranz. Natürlich gilt dies im Gegenzug auch für diejenigen, die sich aus ganz persönlichen Gründen anders entscheiden.

In der Stadtgeschichte hatten Päpste auch schon mal eine wichtigere Rolle gespielt als heute, vor allem während des Konstanzer Konzils, als gleich drei von ihnen hier um das Vorrecht stritten der einzig wahre Papst zu sein. Bekanntermaßen wurde 1417 in einem Kaufhaus am See anders entschieden. Ohne dieses Weltereignis wären wir zweifellos um einen großen Teil unseres historischen Erbes ärmer geblieben.

6- Bodenseefelchen

Der Versuchung das symbolträchtige Tier ganz nach oben zu ranken, habe ich nurschwer widerstanden. Aber der Bodenseefelchen steht glücklicherweise nicht auf der Liste bedrohter Arten, dafür aber auf den Speisekarten der Region. Dies wiederum ist Wirtschaftsgrundlage vieler Zuchtanstalten rund um den Bodensee. Dass sich am Felchen Begriffe wie Gewässerschutz, Überfischung, Wirtschaftswandel und grenzüberschreitende Fischereiregeln festmachen, versteht sich von selbst, auch wenn diese hier auszuführen kein Raum ist.

7- Oberbürgermeister.

Ich würde nicht kandidieren, wenn ich das Amt des Oberbürgermeisters gering schätzen würde. Zu meinem Verständnis von Amtsführung gehört neben Fachkompetenz und Führungserfahrung aber auch die Qualität der Demut vor der großen Aufgabe. Und dazu gehört eben auch, sich nicht immer in die erste Reihe zu drängeln.

 

 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesenhaben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf

dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“

Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Der Bodensee leidet sicher nicht an einem Mangel an Schiffahrt. Wo diese ausgeweitet werden soll, bedarf es einer sorgfältigen Prüfung der Wirtschaftlichkeit, vor allem aber auch der Umweltverträglichkeit.  Die Zurechnung eines Kreuzfahrtschiffes allein zur älteren Generation, wie dies im Gesamtdokument geschieht, finde ich zudem recht kurzsichtig und wenig charmant. Die Idee eines kombinierten Tagungs- und Kreuzfahrtschiffes finde ich dagegen interessanter.  Nachhaltigkeit heißt ja nicht, nur mit Senioren zu planen, sondern Generationen zusammenzuführen, anstatt sie zu dividieren. Wie auch immer man aber entscheidet, muss eins solches Schiff in seinen Dimensionen zum Bedarf,zur restlichen Schifffahrt und vor allem zur Landschaft passen.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.

Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit bedeutet für mich die immer wiederkehrende konstruktive und inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ansprüchen anderer. Sie bedeutet dann auch, dass ich ungezwungen und frei die Konsequenzen aus dieser Auseinandersetzung ziehen und diese frei und offen kommunizieren kann.  Dies geschieht natürlich im gegenseitigen Zugeständnis der gleichen Freiheitsrechte und im Rahmen jener Rechtsordnung, die in dem Verfahren entstanden ist, das sie nun beschützt – im freien Austausch von Ideen und Argumenten.

 

Hört sich doch ganz gut an. Bei meinem nächsten Blogpost wissen wir schon mehr, nämlich wer die Stichwahl erreicht. Ich bin gespannt und freue mich aufs Ergebnis, jetzt aber erstmal auf mein Bett und dann die Kanutour nach Schaffhausen 😉



OB-Kandidaten-Vorstellung: Thomas Linz

Bevor ich mit Verspätung durch das Elfmeterschießen des Derby der Iberischen Halbinsel den OB-Kandidaten Thomas Linz vorstelle ein paar Informationen/Ankündigungen.

Die Podiumsdiskussion an der Universität kann man sich in voller Länge hier anschauen: http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/podiumsdiskussion-ob-kandidatinnen/

Die Antwortmail von Frau Sylvia Großmann hatte ich leider übersehen – die wird aber jetzt zuguterletzt noch morgen vorgestellt. Uli Burchardt ist nochmal nachgefragt, Henning Tartsch und Klaus Springer machten bereits beim ersten Mailverkehr deutlich, dass sie wohl eher kein Interesse an der Beantwortung haben…

Vorstellen werde ich sie aber noch kurz. Am Wochenende mache ich eine Kanutour von Konstanz zu den Rheinfällen in Schaffhausen (hoffentlich nicht hinunter), weshalb ich die Kandidaten bei Noch-Beantwortung notfalls in einen Artikel quetsche bzw. mehrere aufmache. Sonntag Abend stehen die Ergebnisse dann wohl fest, Deutschland ist aber (hoffentlich) in kollektiven Freudentaumel versunken – nein, nicht wegen eines neuen OB in Konstanz…

Auch wenn die ersten Klausuren nahen, mache ich natürlich noch begrenzt weiter mit der Berichterstattung über die Oberbürgermeisterwahl. Damit nicht genug: am 12. Juli finden Uni-Wahlen für das Studentenparlament statt. Mir schwant vor, den politischen Hochschulgruppen, die zur Wahl antreten, ebenfalls eine kurze Fragenliste zu schicken. Gerade jetzt, wo am heutigen Tag  die  „Verpasste Studierendenschaft“ von Grün-Rot arrogant durchgedrückt wurde. Das ist mir auch nochmal einen Extra-Artikel wert. Auf die Gefahr hin, mich noch unbeliebter zu machen… 😀

Noch bin ich ja auch Mitglied der Piratenpartei. Das Austrittsformular liegt schon unterschrieben hier, aber ich werde noch den 27. Juli abwarten. Dann ist nämlich Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl. Das weckt gerade bei der Piratenpartei natürlich Begehrlichkeiten, es dürften einige Kandidaten antreten. Die würde ich auch gern löchern – wenn ein Pirat mir nicht antwortet, ist er eh unwählbar 😉

Grund für das Ganze: sehr viele, sehr positive Rückmeldungen. Warum das Ganze also nicht noch ein wenig ausbauen und auf andere Felder ausweiten. Letztlich heißt der Blog ja auch „Konstranzparency“ – darum soll es ja auch gerade gehen: Politik in Konstanz inverschiedensten Facetten sichtbar machen. Nicht nur, aber auch. Falls jemand fiese Fragen hat, die ich stellen kann – nur her damit!

Jetzt kommen wir aber zu Thomas Linz, mit dem ich mich heute im „Ziegelhof“ in Petershausen auf eine Sprite (ich) bzw. ein Johannisbeersaft (er)  getroffen habe. Er bat mich um das Gespräch um seinen Ärger über den Südkurier Luft zu machen, dessen tendenziöse Berichterstattung Sachverhalte verfälscht darstellen würde. Ich könnte ja mit meinem Blog wenigstens dafür sorgen, einen Bruchteil der Konstanzer (vermutlich ohnehin kaum Südkurierleser) aufzuklären.

Zuerst aber zur Person: Thomas Linz stammt aus Rottweil, ist 38 Jahre alt und einer der letzten verbliebenen Magister-Studenten der Universität Konstanz mit den Fächern Soziologie, Literatur und Philosophie und weit über 20 Semestern. Diese Gattung ist ja leider von den Aussterben bedroht, umso mehr hat es mich gefreut, noch mal einen Aktiven zu treffen. Ich möchte nicht sagen, das früher alles besser war, aber ein Magister mit Politik, Geschichte und VWL hätte mich doch sehr gereizt. Ging bloß nicht mehr…

Im Moment macht er Pause, da er in Elternzeit ist, und arbeitet nebenbei in der Veranstaltungsbetreuung im Kulturzentrum am Münster. Informationen, auch zum Programm,  auf seiner Website: http://thomaslinzkn.wordpress.com/

Wir habens uns nett unterhalten und er zeigte mir ein wenig internen Schriftverkehr, der jedoch nicht veröffentlicht werden sollte. Bis auf das Schreiben, was ich heute Nachmittag veröffentlicht habe.

Sein Ärger über den Südkurier scheint sich aus mehreren Quellen zu speisen: einerseits bezichtigt er ihn, eine Kampagne für OB-Kandidaten Uli Burchardt zu fahren. Da ich ihn nicht lese, kann ich das nicht einschätzen. Ideologisch würde es aber passen. Bei einem Printmedium mit Monopolstellung ist das natürlich bedenklich…

Außerdem würde er in Artikeln des Südkuriers gar keine Erwähnung mehr finden. Auf Fragen hätte er zwar nicht geantwortet, im Gegensatz zu einem anderen Kandidaten, wo dies explizit stand, wurde er jedoch einfach weggelassen.

Bei der gestrigen Südkurier-Podiumsdiskussion im Konzil fehlte er nach bewusster Absage seinerseits, um Solidarität mit Roman Urban zu zeigen. Wie ich es schon tat prangert Herr Linz das scheinbar undemokratische Verhalten des Südkurier an, Roman Urban von der Diskussion auszuschließen. Er war dann wie dieser aber vor dem Konzil mit einem Wahlkampfstand vertreteten. Er bat mich folgenen Erklärung seinerseits  zu verlinken: http://thomaslinzkn.wordpress.com/2012/06/26/absage-meiner-teilnahme-bei/

Von der Pflicht nun zur Kür: seine Antworten auf meine Fragen.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessen
Geld Ihren Wahlkampf?

In meinen Wahlkampf stecke kein Geld. Bis gestern zum 26.06.2012, dann kamen ca.50€ (25€ Sondernutzungserlaubnis, 18,80€ für laminierte Din A3 Plakate und Kleinigkeiten für den Infostand) hinzu.

Ich investiere nur meine Zeit, Nerven und etwas Druckertinte und -papier.

Leider habe ich mittlerweile festgestellt, dass, wenn man noch ein Leben neben dem Wahlkampf führen will und finanzieren muss, diese Zeit viel zu knapp ist, um alles allein zu managen. Auch fast alle meine Unterstützer haben, neben Arbeit, Familie, etc. und anderen Verpflichtungen, leider nicht allzu viel davon übrig.

Wenigstens ehrlich. Das schätze ich. Als Langzeitstudent hat man ja auch nicht viel Geld auf der hohen Kante.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

An unsern Schweizern Nachbarn schätze ich, durch meine persönlichen Erfahrungen bei der EM 2008 in Basel als Volunteer:

  • Ihre Freundlichkeit und Offenheit
  • Ihre gute Organisation und Pünktlichkeit
  • Ihre Bereitschaft zu helfen und zu unterstützen

Alle Kandidaten schätzen etwas Unterschiedliches, gleichwohl diese Punkte alle schonmal irgendwie aufgetaucht sind. Ich kenne garnicht viele Schweizer näher, eher fast keinen, weshalb ich das garnicht so bestätigen kann. Schade eigentlich…

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ja mit Sicherheit. Ehrenamtliche Tätigkeiten und Bürgerliches Engagement halte ich für die wichtigsten zu fördernden Aspekte unserer Gesellschaft.

Eine kleine Aufwandsentschädigung oder zumindest das genannte Übernehmen der ‚bürokratischen Kosten‘ von 50,-€ durch die Stadt Konstanz, halte ich für unbedingt erhaltenswert.

Bei der Ausübung eines Ehrenamtes kann man auf jeden Fall viele persönliche Erfahrungen in Bereichen sammeln, die man sonst im ’normalen Alltagsleben‘, nicht kennenlernen würde.

Wurde alles schon irgendwie gesagt: ich unterschreibe das!

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen

Studenten

Schweizern

Oberbürgermeister

Touristen

Papst

Solaranlagenbauer

Er spart sich die Begründung. Den Papst höher als Solaranlagenbauer einzuschätzen ist wohl auch eher schwer zu begründen, sondern eher eine Frage, welche Religion man vorzieht… Auch Touristen sind eher unwichtig, Bodenseefelchen hingegen sehr wichtig. Aber ohne Begründungen lohnt sich das Kommentieren hier nicht.

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Ich bin kein Schifffahrtsexperte und kenne auch keinen, dennoch beantworte ich diese Frage einfach mal so ;-).

Auf dem Bodensee gibt es neben vielen privaten Segel- und Motorbooten, die Motorschiffe, Fähren und den Katamaran verschiedener Schifffahrtsunternehmen, die alle unter VSU (http://www.vsu-online.info/, 16.06.2012) der ‚Vereinigte Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein‘ zu finden sind.

Darunter befindet sich auch die ‚Sonnenkönigin‘ (https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenk%C3%B6nigin, 16.0612), welche zumindest von ihrer Größe her und den 1000 zugelassenen Passagieren, ziemlich meiner Vorstellung von einem ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ entsprechen könnte.

Ob so ein ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ sich finanziell rechnen würde und ökologisch sinnvoll ist, oder wie die Experten im STEP sagen: „[…] der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.[…]“ (Gesamtdokument, S.68), weiß ich heute ehrlich gesagt nicht wirklich und ich habe momentan keine Zeit in diese Richtung weiter zu recherchieren oder mich an Experten zu wenden.

Dennoch hat mich die Frage zu folgenden Gedankenexperiment verführt.

Angenommen, es gäbe bereits so ein ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ mit ca. 1000 Plätzen für Passagiere. Und es hätte sich herausgestellt (wie so oft), der Betrieb als ‚Kreuzfahrtschiff‘, welches von Hafen zu Hafen fährt, wäre nüchtern betrachtet nicht wirklich wirtschaftlich, zum Beispiel durch zu hohe Kosten für Treibstoff und den Fahrbetrieb mit Personal.

Dann könnten wir zumindest dieses ‚Kreuzfahrtschiff‘ im Hafen von Konstanz, wenn es dort wie die ‚Sonnenkönigin‘ anlegen kann, vorübergehend als billige Unterkunft für die steigende Zahl von Studenten nutzen ;-).

Solange bis die notwendigen ’neuen Plätze‘ in den Studentenwohnheimen entweder durch Neubau, wenn möglich eines oder mehrerer Hochhäuser oder zumindest der ‚Aufstockung der Gebäude‘, wie es zum Beispiel bei den Gruppenhäusern in Sonnenbühl OST sinnvoll gewesen wäre, entstanden sind.

So ausführlich wollte ich es doch garnicht haben. Aber die Recherche zeigt sein Engagement. Die Idee mit den Studentenwohnungen auf dem Kreuzfahrtschiff kam mir allerdings auch schon. Warum nicht auch mal über kleinere Hausboote nachdenken? Wär sicher stylisch.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Freiheit“ ist für mich persönlich in allen Bereichen die Möglichkeit zu haben, ohne äußeren Zwang zwischen den verschiedensten Optionen auszuwählen oder eigene Optionen selbst zu erschaffen.

In Bezug auf unsere menschliche Gemeinschaft können hier natürlich, in meiner einfachen persönlichen Definition von “persönlicher Freiheit“, durch eine unterschiedliche freie Wahl von sich entgegen stehenden Optionen, leicht die oben gezeigten Konfliktsituationen entstehen.

Ich möchte hier jetzt nicht auf unterschiedliche philosophische oder soziologische Ansichten zur ‚Freiheit‘, als ‚Willens- oder Handlungsfreiheit‘, ‚persönliche, souveräne, bürgerliche, individuelle, kollektive, innere und äußere Freiheit‘, etc. eingehen.

Sondern nur die hier angesprochene ‚Verantwortung‘ mit der ‚persönlichen Freiheit‘ umzugehen, welche meiner Meinung nach eine wichtige Rolle spielt, erwähnen.

Sicherlich fällt es nicht leicht, seine ‚persönliche Freiheit‘ selbst einzugrenzen, sobald sie mit der ‚persönlichen Freiheit‘ anderer in Konflikt kommt. Dennoch ist diese ‚Verantwortung zur Rücksichtnahme‘ untereinander in einer ‚menschlichen Gemeinschaft‘ meist unvermeidbar.

Deshalb sollte jeder, der die Chance hat, in einer ‚menschlichen Gemeinschaft‘ zu leben, in der es ‚persönliche Freiheit‘ gibt, mit seiner ‚persönlichen Freiheit‘ verantwortungs- und rücksichtsvoll anderen gegenüber umgehen.

Da spricht der Soziologe und Philosoph. Hätte man auch kurzer sagen können, findet aber meinen Gefallen.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Herrn Martin Luithle, da er zumindest bislang als einziger Kandidat, immerhin von einer dauerhaften Bebauung des Döbele absieht. Ich bin zwar gegen jegliche Bebauung dort und er sieht dort die Möglichkeit ein ‚temporäres Parkhaus‘ zu errichten, aber vielleicht ist dies ja bei guter Verkehrsplanung und -konzept, dann doch nicht unbedingt notwendig, hoffe ich.

Der Döbele scheint ihm sehr wichtig zu sein. So wichtig, dass er danach wählt. Manch Konstanzer Wahlberechtigtem mag das ähnlich gehen – das sollte man nicht vergeßen…

Das soll jetzt auch schon reichen. Thomas Linz ist ein sympathischer, aber chancenloser Kandidat, der auf meine Frage hin selbst nicht weiß, mit wieviel Prozenten er rechnen kann. Jedenfalls mit wenigen – soviel ist klar. Bei Podiumsdiskussionen scheint er erleichtert zu sein, wenn seine Redebeiträge endlich vorbei sind. Gute Voraussetzungen also für mich, ebenfalls in ein paar Jährchen zu kandidieren. Wenn das besser klappt und ich noch nicht Bundeskanzler, Milliardär oder gescheiterte Existenz bin… 😉

OB-Kandidaten-Vorstellung: Roman Urban

Die Mail von Thomas Linz kam bisher nicht, weshalb ich mich heute mit dem OB-Kandidaten Roman Urban fasse, obwohl mir von diesem garkeine Antworten vorliegen. Das ist aber auch garnicht nötig, gleichwohl es sicher amüsant wäre.

Eigentlich möchte ich Herrn Urban mit seinen Thesen ja keine Plattform bieten – aber ich bin ja ein pluralistischer Demokrat. Hatte nach der Podiumsdiskussion an der Universität ein nettes Gespräch mit ihm, was ich hier statt der Fragen & Antworten in Auszügen ausbreiten werde.

Wer ist Roman Urban? Der Esoteriker ist 33 Jahre alt, Philosophiestudent im wohl hoch zweistelligen Semester, als Beruf gab er wohl „Avurjeda“-Berater an und wohnt auf der Insel Reichenau. Weitere Infos mag man auf seiner Website finden (www.1hal.de), dazu viele Videos, die durchaus spannend anzusehen sind und die Realität aus Roman Urbans Sicht wiederspiegeln.

Roman Urban wird vorgeworfen, ein brauner Antisemit zu sein. Ohne ihn verteidigen zu wollen – er ist sicher kein Nazi! Aber ein sogenannter „Truther“ und Esoteriker, dessen Anti-Zionismus sich aus seinen Verschwörungstheorien speist. Für einen Vorgeschmack einfach mal seine Videos anschauen – bitte mit der nötigen kritischen Distanz. Von der heutigen Südkurier-Podiumsdiskussion im Konzil wurde er denn auch ausgeladen – verbreitete aber wohl vor dem Hause seine esoterischen Ansichten…

Truther breiten sich in Deutschland immer mehr aus, Blogs gibts genug von denen. Mit dem KOPP-Verlag sogar ein Publikationsorgan. Jetzt auch einen OB-Kandidaten, der den Konstanzern die Wahrheit näher bringen möchte.

Leider ist es so, dass auch libertäre Kreise oft von solchen Verschwörungstheoretikern unterwandert werden. Als ich mit jungen Ron Paul-Anhängern mal skypte, wandte ich mich nach ein paar Minuten mit Grausen ab. Esoterik ist zweiffellos interessant, aber man sollte es nicht übertreiben…

Sicherlich gibt es das ein oder andere, was verzerrt dargestellt wird oder schlicht unwahr ist: dafür  gibt auch plausible, wissenschaftlich abgesicherte Belege . Truther hingegen verstricken sich in ihren pseudowissenschafftlichen Verschwörungstheorien schnell in Widersprüche und diskreditieren so gleich alle ähnlichen Positionen mit.

Aber zurück zu Roman Urban, dessen Wahlprogramm aufgrund seiner Länge und Aussagekraft, welche fast mit dem der Piratenpartei zu vergleichen ist (;)), ich hier ausnahmsweise mal abspulen möchte.

Erstens fordert er im Namen der „Freiheit“  einen Hektar Land zur freien Verfügung für jede Familie. Da muss der Bodensee wohl zubetoniert werden, damit das klappt. Haus und Garten sind selbstverständlich auch dabei…

Zweitens Steuerbefreiung und Grundeinkommen für alle. Eigentlich recht realistisch. Einfach mal die Notenpresse noch ein bisschen mehr laufen lassen…

Weiterhin möchte er „aufklären“, also seine Wahrheiten verbreiten. Das gelingt ihm auch minder gut. Wir wissen ja alle, wie verstrahlt wir sind…

Regionale Selbstversorgung solls schließlich richten. Selbst nimmt er es damit aber nicht so genau: die nach der Podiumsdiskussion an der Universität verschenkten Erdbeeren waren nicht nur klein, gespritzt und undelikat, sondern wie er auch offen zugab weder regional noch selbst angebaut. Hätte mich auch gewundert…

Ansonsten war es ganz amüsant, der Wahrheit zuzuhören. Einer seiner Tipps für die Hobbygärtner unter meinen Lesern: nehmt Samen unter die Zunge 5 Minuten lang und denkt an sein Wachsen. Das wird in dem dann einprogrammiert und der Samen wird nur so sprießen. Obs klappt? Versuch macht kluch!

Mein förmliches „Sie“ schien ihm zu missfallen: „kannst mich ruhig duzen“! Machte ich natürlich gerne und probierte ihn zu verstehen, was nicht gerade einfach ist. Aber was ist an Wahrheit schon einfach?

In der Podiumsdiskussion sorgte er nicht nur bei mir für einen wahren Lachflash: seine charismatische Aura zog mich sofort in einen Bann und lockerte die sonst so ernste Anspannung etwas auf. Schade, dass seine Redezeit so begrenzt war…

Von den anderen Kandidaten wurde er höflich ignoriert: ausgerechnet der bürgerliche Kandidat Uli Burchardt zeigte sein demokratisches Verständnis und verabschiedete sich als Einziger per Handschlag von ihm. Meine 7 Fragen wollte er beantworten – gekommen ist noch nichts. Nützt wohl nichts auf dem Weg zur Wahrheit!

Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass man ihm seine Stimme besser nicht geben sollte. Das Schlimme ist: er ist kein Spaß-Kandidat, sondern sehr von seiner Agenda überzeugt! Aber absolut harmlos.  Seine Positionen stammen aus dem ganzen politischen Spektrum: mal liberal, mal sozialistisch, mal ökologisch und eigentlich auch recht spießig-konservativ.

Ich bin jedenfalls gespannt, wieviel Prozente er bekommen wird. In einer Studentenstadt weiß man ja nie. Protestwähler haben aber wahrlich genug andere Kandidaten zur Auswahl.

Morgen geht es dann hoffentlich wieder mit einen ernsthafteren Kandidaten weiter. Übrigens: heute ein neuer Rekord bei den Besucherzahlen (256). Freut mich, dass das Ganze hier auf so regen Anklang stößt…

OB-Kandidaten-Vorstellung: Benno Buchczyk

Heute stelle ich Benno Buchczyk und seine Antworten auf meine Fragen nochmals vor: leider habe ich von den anderen Kandidaten bisher noch keine Rückmeldung bekommen – ich hoffe also, da passiert noch was…

Benno Buchcyzk, 41 Jahre alt, wurde in Schlesien geboren, seine Familie floh 1971 nach Deutschland und er wuchs in verschiedensten Städten in Baden-Würtemmberg auf, absolvierte nach dem A bitur Zivildienst in den Neckartalwerkstätten der Caritas Stuttgart und zog dann zum Verwaltungswissenschaften-Studium nach Konstanz. Momentan arbeitet er bei einem Finanzdienstleister in Singen. Weitere Informationen wie immer z.B hier:

http://www.oderbenno.de

https://twitter.com/oderBenno/status/

https://www.facebook.com/oderbenno

 

Benno Buchczyk ist Mitglied der Piratenpartei und war zur Zeit meines Eintrittes dort Vorsitzender. Ich erlebte ihn als engagiert, Neuen gegenüber aufgeschlossen und um sachliche Diskussionen unter Einbindung aller Beteiligten bemüht. Kurzum Fähigkeiten, die auch einen Oberbürgermeister meiner Meinung nach auszeichnen. In letzter Zeit zog er sich, wie ich, auch bedingt durch seinen Umzug nach Singen etwas zurück, wird aber mit 56% Zustimmung der Mitglieder von der Piratenpartei Konstanz bei seiner Kandidatur unterstützt. Benno Buchczyk vertritt meinem Empfinden nach stark Ideale der Piratenpartei wie Partizipation und Transparenz, ist andererseits aber eher bürgerlich-liberal und setzt auf Leistung statt Bevormundung.

Ein neutraleres Bild mögen freilich seine Antworten auf meine Fragen liefern:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Ich mit meinem.
Kurz und knackig. Sein Budget ist nicht gerade hoch, weshalb ihm das abzunehmen ist.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Ich gehe davon aus, dass es nicht DEN Schweizer gibt.
Mein Freund, den ich seit mehr als 20 Jahren kenne, ist Schweizer.
Ich schätze ihn so, dass die Nationalität keine Rolle spielt.
Der erste, der er sagt. Nein, es gibt nicht DEN „Schweizer“ – das denke auch ich nicht. Antworten hätte ich trotzdem gut gefunden.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Zum erweiterten Führungszeugnis: nach meinen Recherchen betragen die Kosten in Konstanz 13,00€. Diese Summe halte ich für vertretbar.
Generell Ehrenamt: ehrenamtliche Arbeit, bürgerschaftliches Engagement sind eine wichtige Säule unserer Gesellschaft. Dieses Engagement muss vom Staat gefördert werden. Allerdings dürfen staatliche Aufgaben nicht auf ehrenamtliche Tätigkeiten abgeschoben werden.
Auf die momentane Situation mag dies zutreffen. Danach habe ich aber nicht gefragt. Letzten Satz finde ich eher befremlich, da genau das doch im Augenblick und schon seit Jahren passiert. Was allerdings garnicht so schlimm, da meilenweit effektiver ist…

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

spontan und ohne Begründung:
Studenten
Bodenseefelchen
Oberbürgermeister
Schweizer
Touristen
Solaranlagenbauer
Papst
Bodenseefelchen an zweiter Stelle: ist das auch biologischer Sachverstand (vgl. Sabine Seeliger) oder nur Lust am kulinarisch zweifelhaften Genuss? Auch als Oberbürgermeister schätzt er sich für einen Piraten ungewöhnlich stark ein. Eine Begründung hätte mich da interessiert. Das Touristen so schlecht wegkommen, mag sie verägern, aber sie wählen ja eh nicht. Der Papst bildet, hinter der Solarbranche, mal wieder wie üblich das Schlusslicht. Schade, dass kein Hardcore-Katholik kandidiert…

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Ich habe diese Stelle nicht gefunden.
Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee? Nun ja, die Sonnenkönigin fand ich schon zu überdimensioniert.
Falsches Dokument genommen, dabei war ich doch eigentlich recht präzise. Aber die Überdimensioniertheit, die die Landschaft verschandelt, spricht er immerhin an.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Selbst Entscheidungen zu treffen.
Eine interessante Definition von Freiheit, nahe an der der Piratenpartei. Wie deren Programm aber nur sehr vage…

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Ich schätze das Wahlgeheimnis.
Ein echter Demokrat! Ich schätze aber, er würde am ehesten Uli Burchardt wählen, auch wenn man meinen mag, dass Piraten und das bürgerliche Lager nicht so recht zueinander passen. In Konstanz verschwimmen da aber ohnehin die Grenzen.
Jetzt widme ich mich lieber meinen Essay mit Abgabeschluss am Montag und rate Euch, sich mal wieder das Wahlprogramm anzuschauen, das Benno Buchczyk meiner Meinung nach glaubwürdug verkörpert und auch umsetzen kann. Er ist neben Uli Burchardt und Andreas Kaltenbach jedenfalls in meiner engeren Wahl – entschieden ist jedoch noch nichts.

 

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Reiser

Heute möchte ich mit der Vorstellung der Oberbürgermeister-Kandidaten für Konstanz anfangen: vorgestellte OB-Kandidatin Nr. 1 ist Sabine Reiser, deren Konterfei auf massig Plakaten quer durch ganz Konstanz zu bewundern ist.

Nähere Informationen zur Kandidatin gibt es hier:

http://www.sabine-reiser-fuer-konstanz.de/

https://www.facebook.com/sabine.reiser.fuer.konstanz

https://twitter.com/sabinereiser

Deshalb möchte ich auch garnicht groß auf ihr Leben eingehen, sondern mich gleich ihren Antworten auf meine Fragen widmen. Tatsache ist jedoch, dass Frau Reiser einen hochprofessionellen Wahlkampf betreibt und daher gute Chancen hat, in die Stichwahl zu kommen, obwohl sie als unabhängig antretendes CDU-Mitglied von ihrer Partei nicht unterstützt wird (diese unterstützen vorwiegend Uli Burchardt).

Tatsache ist auch, dass Frau Reiser mit ihrer juristischen Aubildung und in ihrer Position als Referatsleiterin im Regierungspräsidium Stuttgart zweiffelos die für einen Oberbürgermeister nötigen Kompetenzen mitbringt – gleichwohl ich behaupten mag, dass dafür nicht unbedingt Verwaltungskenntnisse nötig sind. Als Referatsleiterin schwerpunktmässig beschäftigt mit Städtebauförderung und Ausbau betrieblicher und touristischer Infrastruktur hat sie sogar Erfahrung in einem für Konstanz sicher zentralen Feld.

Ihr Wahlprogramm werde ich wie bei den anderen Kandidaten auch grundsätzlich nicht kommentieren: da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Allerdings fordern die meisten Leute doch sehr ähnliches, reden von Partizipation, Transparenz und Nachhaltigkeit. Deshalb ist für mich ein zentraler Aspekt die Glaubwürdigkeit der Kandidaten. Wie glaubwürdig Sabine Reiser im Fall einer Amtsübernahme als  Oberbürgermeisterin zu werden scheint, kann man dann mit den 7 Fragen überprüfen, die sie mir, übrigens als erste, beantwortet hat. Ob sie dies persönlich oder ihr Team getan hat, kann ich nicht verifizieren und mag daher auch keine falschen Behauptungen aufstellen. Hier jedoch jetzt chronologisch die Fragen samt kurzen Kommentar meinerseits.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?
Ich rechne mit Wahlkampfkosten in Höhe von rund 60.000 Euro. Das wäre etwa ein Euro pro Wahlberechtigtem, manche sagen auch, es sei ein Euro pro Einwohner nötig. Zumindest sind das Erfahrungswerte anderer. Bisher habe ich 10.000 Euro selbst eingebracht. Da ich von keiner Partei nominiert bin und als unabhängige Bewerberin antrete, erhalte ich auch keine finanzielle Unterstützung von einer Partei. Ich hoffe auf viele private Spenden.

Die 10000€ Eigenkapital nimmt man ihr ohne Weiteres ab. Der höhere öffentliche Dienst ist ja schließlich doch eine wahre Goldgrube. Allerdings fehlt in ihrer Rechnung die Information, woher die weiteren 50000€ stammen bzw. noch stammen werden. Nur aus Privatspenden kann ich mir schwerlich vorstellen; und selbst die sollten ab einem gewissen Beitrag transparent sein.

2.      Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Ihre Freundlichkeit, ihre Kaufkraft und die Schweizer Schokolade

Schweizer sind freundlich. Das kann ich bestätigen! Noch freundlicher, wenn man nicht wie Steinbrück die Kavallerie auf sie hetzen möchte und ihr Bankgeheimnis angreift. Das wurde leider garnicht angesprochen. Kaufkraft haben sie natürlich auch, wer wochenends in Konstanz unterwegs ist hat dies sicher schon gemerkt. Die Vorliebe für Schweizer Schokolade teilt sie mit mir – ein richtiger Sympathiepunkt!

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?

Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Wir leben in einer Bürgergesellschaft. Der Staat könnte die Arbeit ehrenamtlich Engagierter niemals aus Steuergeld bezahlen. Ehrenamtlich Arbeitende leisten gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, bringen sich mit ihrer Freizeit ein und investieren oft auch noch eigenes Geld. Das Mindeste, was ihnen die Stadt zurückgeben kann, ist außer der Anerkennung die Freistellung von Gebühren für ein  erweitertes Führungszeugnis. Das käme Vereinen wie „Rock Your Life“ genauso zugute wie den vielen Sportvereinen, die Jugendarbeit leisten. Jeden Euro, den die Stadt in ehrenamtliche Arbeit investiert, bekommt sie mehrfach wieder zurück.

Wo sie „Rock your Life“ erwähnt, muss sie wohl ein bisschen auf meinem Blog gestöbert haben. Tatsächlich hatte ich angeregt, ein wenig Lobbying zu betreiben, das hat sich scheinbar gelohnt. Sehe ich sonst auch eigentlich genauso wie sie.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister.

Gerne auch mit Begründung!

Studenten (mutmaßlich Hauptzielgruppe des Blogbeitrags)

Touristen

Schweizer

Solaranlagenbauer

Oberbürgermeister

Papst

Bodenseefelchen

Meine fiese Frage wurde bisher höchst unterschiedlich beantwortet: wie angekündigt publiziere ich die Antworten ungekürzt. Wir sehen also, gewisse opportunistische Tendenzen. Wenn es natürlich tatsächlich so ist, so ist das umso besser. Dass sie Touristen den Schweizern vorzieht ist nachvollziehbar und sinnvoll. Erstere werden nicht fernbleiben, wenn der Schweizer Franken abwertet und die Mehrwertsteuerrückerstattung fällt. Momentan sind die einkaufenden Schweizer natürlich trotzdem der Motor für Konstanz‘ Wirtschaft, mehr jedenfalls als die Solaranlagenbauer, die momentan ja massiv zu kämpfen haben. Etwas Diversifizierung würde der Konstanzer Wirtschaft gut tun. Dass Frau Reiser sich selbst bedeutsamer als den Papst empfindet, ist für eine CDU-Frau ja beinahe anmaßend (sofern sie Katholikin wäre), aber zu verstehen. Papst nahm ich wegen der Konstanzer Historie ums Konzil von 1414-1418. Dass die Bodenseefelchen jedoch auf dem letzten Platz sind ist zwiespältig: als bekennender Fisch-Vegetarier gefällt mir das gut, nach Frau Seeligers Antwort auf diese Frage allerdings nicht mehr. Darauf dürft Ihr euch morgen freuen – verraten sei soviel, dass eine Biologin doch mehr Ahnung hat als man denkt…

 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)

besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“

Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ja, unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit aber nur, wenn es sich um eine Lädine oder eine Galere handeln würde und die Kreuzfahrer die Nächte auf einem Eco-Campingplätze verbringen würden.

Was ist eine Lädine? Wie ich gerade erfahren habe, ein historisch auf dem Bodensee gebräuchlicher Lastensegler. Man lernt stets dazu! Damit hätte der Vorschlag echt Reiz – Frau Reiser ist richtig kreativ. Eco-Campingplätze find ich aber unnötig.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Die persönliche Freiheit endet da, wo sie die Freiheit anderer beeinträchtigt.

Diese negative Freiheitskonzeption wollte ich hören. Geschmackssache – die bisherigen anderen Antworten waren positive Freiheitskonzeptionen…

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?

Schwierige Frage. Wie viele Bürgerinnen und Bürger, bin auch ich noch in der Entscheidungsfindung. Spontan würden ich drei Mitbewerber in die engere Wahl nehmen.

Ich bin auch noch in der Entscheidungsfindung. Klare Worte lässt sie hier vermissen, doch fragt man sich, wer denn diese Mitbewerber seien. Zumindest Uli Burchardt könnte ich mir vorstellen. Ich bin gespannt, wen Sie, sollte sie nicht in die Stichwahl kommen, unterstützen wird. Das könnte nämlich durchaus den Ausschlag geben…

 

Das wars auch schon soweit. Mein Eindruck aus den Fragen und der Kommunikation mit Frau Reiser: eine unabhängige Power-Frau mit viel Einsatz, sehr professionell, aber durchaus mit Sinn für Humor. Zu einer abschließenden Kandidatenbewertung möchte ich mich noch nicht hinreißen lassen (da wird vor allem die Podiumsdiskussion morgen ehr spannend), doch würde ich den Interessierten empfehlen, einen näheren Blick auf ihr Wahlprogramm zu werfen und vielleicht auch persönlich mit ihr in Kontakt zu treten. Sie bzw. ihr Wahlkampfteam haben bisher immer sehr zügig geantwortet.

Konstanz würde nach 16 Jahren ein Farb- und Geschlechtswechsel im Amt des Oberbürgermeisters durchaus gut tun. Ich denke, Frau Reiser hat auch durchaus die Qualitäten, Konstanz erfolgreich in die Zukunft zu führen und steht daher bei mir in der engeren Wahl. Allerdings bin ich gegen Staatsbedienstete und ihre Glaubwürdigkeit generell sehr skeptisch eingestellt, was das Bild etwas trübt. Nichtsdestotrotz – bildet Euch eure Meinung – ich hoffe, ich konnte mit meinen Fragen ein paar zusätzliche Aspekte aufwerfen!

Morgen geht es dann (vermutlich) weiter mit der nächsten Sabine: die nennt sich auch unabhängig, ist aber doch sehr grün und hat Ahnung vom Ökosystem Bodensee!