Woche der Freiheit

Ich habe noch einmal gebadet und am Hörnle gechillt, der Zug nach Herford ist gebucht, die Hausarbeit nichtmal ansatzweise fertig, die Einreiseerlaubnis für die USA steht und ich freue mich nun sehr auf die „Woche der Freiheit“, über die ich jetzt berichten werde.

„Die Woche der Freiheit“ ist eine Sommerakademie für Ökonomie, Politik und Philosophie, die von der Friedrich-von-Hayek-Gesellschaft gesponsort wird. So fallen dank großzügiger Stipendien die Kosten für die hoffnungsvollen Teilnehmer auch gering aus, die ganz dekadent (im Vergleich zu sonstigen Jugendherbergen) in einem 3-Sterne Hotel am Netzener See inmitten der Mark Brandenburg unweit den Toren Berlins  untergebracht sind: http://www.seehof-netzen.de/

Der nahe gelegene Ort Lehnin (welch Ironie wenn das „h“  nicht wäre) beherbergt ein Kloster, das wir besichtigen werden, welches laut dem Länge des  Wikipedia-Artikels nach sehr bedeutend ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Lehnin

Auch sonst ist für genügend Programm gesorgt: es gibt Vorlesungen namhafter Dozenten, Debattentraining, ein Planspiel zur Euro-Krise, der Besuch des Bundestages und womöglich auch eines Abgeordneten, Besuch des liberalen Instituts in Potsdam, eine Bootsfahrt, genügend Freizeit und noch viel mehr. Wie es dann tatsächlich war werde ich berichten – weitere Infos gibt es hier: http://wochederfreiheit.org/?page_id=7
Vor allem die Vorlesungen sind sehr interessant – werden viele der behandelten Autoren doch an deutschen Universitäten sträflich vernachlässigt – auch wenn der ein oder andere dieses Semester bei mir drankam – Hayek, Buchanan, Popper und Schumpeter nämlich. Eine Auffrischung und ein anderer Blick – da auch ganz andere Thematik – schadet aber sicher nicht. Gerade wirtschaftliches Wissen – was ich mir bisher autodidaktisch aneignen musste – wird dort in allen Facetten näher gebracht, ehe ich im nächsten Semester VWL belegen muss und da vermutlich was ganz anderes lerne. Ich freue mich jedenfalls auf Eucken, Ricardo und Bastitat neben einigen anderen.

Ganz lustig ist es übrigens, mal zu schauen, unter welche bösen Lobbyisten ich dort gerate. Ausgehend von folgendem Link einfach mal durchklicken – viele der Dozenten haben da ihren eigenen Artikel: http://lobbypedia.de/index.php/Friedrich_August_von_Hayek_Stiftung#Friedrich_August_von_Hayek_Gesellschaft_e.V.

Die NGO Lobbyisten hinter dieser eigentlich unterstützenswerten Lobbypedia heißen LobbyControl (überwachen sich aber bestimmt nicht selbst) und möchten sich „aktiv für Transparenz und Demokratie“ einsetzen. Eine gute Sache? Nur wenn sie gut gemacht ist.

LobbyControl (http://www.lobbycontrol.de/blog/) scheinen sich nämlich ausschließlich den aus ihren Weltbild heraus verhassten Kapitalismus anzunehmen (ein Blick aufs Team ist selbsterklärend: http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/initiative/der-lobbycontrol-vorstand/), während die ganzen linken und grünen Machenschaften völlig ausgeblendet werden. Wahre Unabhängigkeit sieht anders aus!

Lobbies der Klimaindustrie wie WWF oder Greenpeace werden in der Lobbypedia nämlich gar nicht aufgeführt, ebenso kaum Gewerkschaften (und wenn dann ohne jegliche Info) oder ähnliche Akteure. Ein Schelm, wer dabei böses denkt – vielleicht Zeit mal eine entsprechende unbhängige Informationsplattform aufzuziehen…

Zu einer Demokratie gehört auch ein Pluralismus an Interessenartikulation. Deshalb ist Lobbyismus per se nicht schlecht. Schlecht ist er, wenn er nicht nachvollziehbar ist. In dieser Hinsicht gebührt LobbyControl Dank, sich diesem Thema angenommen zu haben. Aber wohl nur, um das eigene Weltbild zu pushen mit  nur mit dem hintergründigen Gedanken an Aufklärung.

Dabei wird auch durchaus gewertet, und Sachzusammenhänge  sehr undifferenziert darstellt. Alles böse Kapitalisten, die die Banken retten wollen – was einfach nicht wahr ist! Neoliberalismus wird als Kampfbegriff genutzt, statt unabhängig über ihn zu informieren. Neoliberalismus = Sozialdawinismus!  Der wahre Neoliberale nämlich hätte die Banken reihenweise Pleite gehen lassen statt sie zu retten. Wir wollen das nicht auf die Spitze treiben – ein kritischer Blick auf solche Informationen sollte aber angestrebt werden.

Aber ich wollte ja eigentlich über die „Woche der Freiheit“ schreiben. Darüber habe ich jetzt auch eigentlich genug informiert und werde es in 10 Tagen wieder tun. Ich freue mich schon sehr, dass es bald endlich los geht…

StuPa-Wahlen: die Juso-HSG

Gerade erreichte mich eine Mail der von mir als Spaßpartei bezeichneten „Grauen“ mit dem Wunsch, doch ebenfalls meine Fragen beantworten zu dürfen (EDIT: mittlerweile sind schon die Antworten da und ich kann nur sagen, dass ich die Grundintention und das Ziel der „Grauen“ voll unterstütze – mehr dazu noch dieses Wochenende). Dem komme ich natürlich gerne nach und freue mich auf eine Antwort. Dass ich sie nicht anschrieb beruht auf dem einfachen Grund eines fehlenden Ansprechpartners bis heute Mittag. Dann las ich nämlich einen Wahlaufruf der Universität mit einem Link auf ein Dokument mit allen zur Wahl stehenden (auch außerhalb des StuPas), den  ich hier mal veröffentliche: https://depot.uni-konstanz.de/cgi-bin/exchange.pl?g=pbvs6f9uck

Einen Ansprechpartner hatte ich jedoch bei den Jusos, deren Kreissprecher mir heute ebenfalls eine Mail zukommen liess. Dabei äußerte er sich verwundert über die These, die „Jungen Sozialisten“ in Konstanz würden eine Initative zur Umwandlung des Namens in „Junge Sozialdemokraten“ befürworten. Laut ihm sei dies nicht der Fall: wie das in einer Partei so ist, ist der eine dafür, der andere nicht – aber von einer Initiative habe er noch nie gehört.

Als ich gestern darüber schrieb war, wie ich hoffentlich deutlich machte, mir selbst nicht klar, ob dies nun der Wahrheit entspricht oder eine sogenannte „Urban Legend“ ist. Läuft wohl auf letzteres hinaus.

Wir widmen uns nun also der Hochschulgruppe der „Jungen Sozialisten“ zu, die statt sozialisistisch aber wohl eher sozialdemokratisch agieren.

Eigentlich eine ganz nette Truppe, wie ich vor ein paar Wochen erfuhr, als ich in einer Diskussionsrunde über die Piratenpartei aus dem Nähkästchen plauderte. Sie hatten ein schönes Handout über die Piratenpartei erstellt, das im Gegensatz zu verzerrenden Medienberichten tatsächlich die Wahrheit sehr nah getroffen hat. Fähigkeit zur politischen Analyse kann man der Juso-Hochschulgruppe also nicht absprechen. Auch ihre Diskussionskultur ist um einiges gesitteter als bei den Freibeutern.

Wie ich schon erwähnte kann man die Jusos in Konstanz aber wohl eher als „rechter orientiert“ bezeichnen (da kam auch keine Wiederrede). Ihre Forderungen in den Hochschulpolitik machen dies auch durchaus deutlich. Rechts ist aber sicherlich die falsche Bezeichnung, sie sind bloß offen für andere Konzepte als sozialistische. Vor allem betonen sie „Vielfalt statt Einfalt“ und wollen nicht die Meinungspolizei spielen. Da bin ich bei meinem kommenden Projekt nächstes Semester ja mal gespannt ;).  Viele Kandidaten stellen sie zur Wahl – auch hier sind einige sicherlich der Überlegung einer Stimme wert.

Die Juso-Hochschulgruppe hat  auch eine ansprechende Website, wo man gleich weiß, wen man wählt und was eigentlich : http://www.juso-hsg-konstanz.de/

Über das Wahlprogramm abseits der jetzt kommenden Antworten mag sich jeder selbst ein Bild machen:

 

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?

Lehre und Forschung sollten im ganzen Land exzellent sein – Akademiker zweiter Klasse kann und sollte sich unsere Gesellschaft nicht leisten. Zudem ist auch trotz aller Exzellenz von einer Verbesserung der Studiensituation bei Studierenden nicht viel angekommen – die Kurse und Vorlesungen bleiben überfüllt, die Relation zwischen Lehrenden und Studierenden ist mies, die Raumlage katastrophal. Wir bleiben dabei: Wir brauchen eine Bildungsoffensive – die wenigen vorhandenen Mittel zusammenzustreichen und auf ein paar Unis zu verteilen, ist unserem Bildungssystem unwürdig.

 

Schon oft gehört und nicht zu leugnen. Auch wenn man selbst von profitiert. Zumindest vom Renomee, sonst hat man herzlich wenig davon, wie richtig angesprochen.

 

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit

1. Studenten (Überraschung!)

2. AStA

3. Forschungsfreiheit

4. Professoren

5. „Mittelbau“ und Verwaltung (wobei uns nicht klar ist, warum das eine gemeinsame Gruppe sein soll)

6. Bio-Essen in der Mensa

7. Bierautomat

8. Uni-Kater Sammy

9. Trommelkreise

 

Naja, „Mittelbau und Verwaltung“ sind aus Platzgründen in der gleichen Gruppe und beide für die Universität überlebenswichtig, was aber selten honoriert wird. Bei den Jusos nimmt der AStA wieder eine recht starke Rolle ein, auch die Forschungsfreiheit scheint ihnen wichtig zu sein. Uni-Kater Sammy ist wohl kein junger Sozialist – Bio-Essen und Bier wird ihm vorgezogen. Trommelkreise scheinen tatsächlich auch nicht mehr en vogue zu sein. Schade eigentlich – ich wollt das schon immer gern mal machen.

 

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?

Wir denken, das dies drei Gründe hat:

1. Die Einflussmöglichkeit der Studierendenvertretung wird von den meisten unterschätzt. Doch selbst ohne die Verfasste Studierendenschaft (VS) hat man im Senat und vor allem durch den „direkten Draht“ zur Unileitung deutlich mehr Einfluss als man denkt.

2. Viele Studierende denken: „Bis sich durch meine Wahlentscheidung was ändert, bin ich eh schon wieder weg“. Erfahrungsgemäß wählen viele im ersten Studienjahr nicht. Und aufgrund des Bachelors ist die nächste Wahl am Ende des vierten Semesters dann quasi schon wieder fast am Ende des Studiums. Unipolitik bewegt aber sehr schnell etwas – z.B. bei den Prüfungsordnungen. Zum anderen gehört es sich im Sinne der Solidarität auch, dass man an nachfolgende Jahrgänge denkt.

3. Im Allgemeinen wäre es auch besser, wenn die Studierendenvertretung weniger um Grundsatzfragen (die „Welt retten“) sondern um ihren Hauptauftrag („Studienbedingungen verbessern“) kreisen würde (siehe auch unsere Antwort unten). Wer die Hochschulpolitik in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß aber, dass wir in der Studierendenvertretung immer ein Garant dafür waren, dass konkrete Fragen zu den Studienbedingungen an der Uni diskutiert und angegangen wurden.

 

Zu 1: Wer soviele Vertreter dort drin hat, muss es ja wissen. Viel von diesem Einfluss merkt man aber nicht.

Zu 2: Ich bescheinigte den Jusos ja schon Analysefähigkeit. Hört sich plausibel an. Wenn sich die Uni jedoch – und das tut sie zweifelsfrei – so schnellebig entwickelt – warum nicht gleich jedes Semester wählen? Meiner Meinung nach würde das die Wahlbeteiligung eher noch steigen denn zurückgehen lassen. Außerdem wäre dann manch einer viel motivierter zu kandidieren und sich 1 Semester voll reinzuhängen. Dürfte der Studienplanung vieler (auch mir) nützen, die Praxis-Semester und Auslandssemester in ihr Studium integrieren möchten ohne als Langzeit-Studenten zu enden. Eine gewisse Personalrotation ist meiner Meinung nach gerade im StuPa ebenfalls zu befürworten. Wozu Berufspolitik führt sieht man ja auf höherer Ebene…

Zu 3: Da geben sich die Jusos ja sehr pragmatisch – vielleicht ein besserer Begriff als „rechts“. Ich kann das nicht verifizieren, glaube ihnen das aber mal.

 

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?

Ja, wie an den anderen Unis Deutschlandweit soll es auch bei uns einen geringen Beitrag geben, den alle Studierenden bezahlen müssen (wie auch der Seezeit-Beitrag). Der AStA bietet viele studentisch selbstverwaltete Serviceeinrichtungen an (z.B. Kostenlose Rechtsberatung, AStA-Café, AStA-Biergarten, Materialverleih) und unterstützt auch einige andere Studentische Initiativen (Hochschulgruppen und AStA-Arbeitskreise). Die sehr geringen Finanzmittel, die wir von der Universität erhalten, reichen kaum zur Aufrechterhaltung all dieser Angebote aus. Hätten wir nicht die AStA-Party zu Beginn des Semesters, wäre dies auf keinen Fall möglich. Jedoch sind die Party-Einnahmen einerseits sehr unvorhersehbar und andererseits halten wir „Saufen für die Rechtsberatung“ nicht für das richtige Konzept.

Wir werden allerdings dafür sorgen, dass die Ausgaben für alle Kommilitoninnen und Kommilitonen transparent auf der Homepage dargestellt werden. Uns schwebt eine Unterseite auf der AStA-Homepage nach dem Vorbild von www.offenerhaushalt.de vor.

 

„Saufen für die Rechtsberatung“ wäre doch mal ein gutes Wahlkampf-Motto. Ich glaube kaum, dass die wenigsten Studenten etwas dagegen hätten, wenn es mehr ASta-Parties gäbe. Ist sicherlich ein Organisationsaufwand, sorgt aber für klingelnde Kassen, wenn man es richtig und nicht zu oft macht. Aber bitte an der Uni, und nicht im DancePalace!

Einen offenen Haushalt würde ich sehr befürworten, um näher dran zu sein. Generell muss das Studierendenparlament bzw. die Allgemeine Studierendenvertretung viel mehr ihre Arbeit kommunizieren, um auch wahrgenommen zu werden. Warum aber nicht gleich eine Art Bürgerhaushalt für Studenten, wo diese selbst mitgestalten können statt auf die gewählten Vertreter zu vertrauen? So kann man auch gleich der Verschwendung von Geldern entgegenwirken, was schon seit Jahren in der gesamten Bundesrepublik ein gewaltiges Problem ist – nicht nur bei Studierendenvertretungen…

 

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität?

Freiheit oder Zwang?

Studienbedingungen verbessern oder Welt retten?

Elite-Uni oder

Massen-Uni?

Marx oder Mill?

 

Solidarität.

Freiheit.

Studienbedingungen verbessern.

Weder Elite-Uni noch Massen-Uni.

Marx.

 

Der Marx kommt jetzt am Ende doch etwas überraschend. Da möchte man sich wohl auf seinen Namen als Sozialisten besinnen. Der Rest ist es weniger – was hätte man von einer SPD-nahen Nachwuchsorganisation auch anderes erwartet?

 

Das waren also die Jungen Sozialisten. Sicherlich eine wählbare Alternative, die wieder einige Plätze im Studentenparlament besetzen wird. Ihr Wahlkampf ist deutlich am professionellsten, vermutlich aber auch am teuersten. Ihre Plakate bilden die ersten drei Listenkandidaten ab – die übliche Tour, der man eigentlich so überdrüssig ist. Ihre Flyer sind aber gut gemacht und sehr menschlich. Sie zeigen auch Engagement – organisierten z.B. die Demonstration gegen „Rechtsextremismus“, auf der auch ich mitmarschierte.

Wenn ich eine Wahlempfehlung abgeben darf: wenn ihr schon Jusos wählt, dann wählt Listenplatz 12 – sonst lieber gleich mich. Wäre vermutlich noch transparenter 😉

Wie dem auch sei: morgen stelle ich „Die Grauen“ vor, deren Anliegen sehr zu unterstützen ist. Bis dahin komme ich hoffentlich auch mal zum Lernen!

 

OB-Kandidaten-Vorstellung: Benno Buchczyk

Heute stelle ich Benno Buchczyk und seine Antworten auf meine Fragen nochmals vor: leider habe ich von den anderen Kandidaten bisher noch keine Rückmeldung bekommen – ich hoffe also, da passiert noch was…

Benno Buchcyzk, 41 Jahre alt, wurde in Schlesien geboren, seine Familie floh 1971 nach Deutschland und er wuchs in verschiedensten Städten in Baden-Würtemmberg auf, absolvierte nach dem A bitur Zivildienst in den Neckartalwerkstätten der Caritas Stuttgart und zog dann zum Verwaltungswissenschaften-Studium nach Konstanz. Momentan arbeitet er bei einem Finanzdienstleister in Singen. Weitere Informationen wie immer z.B hier:

http://www.oderbenno.de

https://twitter.com/oderBenno/status/

https://www.facebook.com/oderbenno

 

Benno Buchczyk ist Mitglied der Piratenpartei und war zur Zeit meines Eintrittes dort Vorsitzender. Ich erlebte ihn als engagiert, Neuen gegenüber aufgeschlossen und um sachliche Diskussionen unter Einbindung aller Beteiligten bemüht. Kurzum Fähigkeiten, die auch einen Oberbürgermeister meiner Meinung nach auszeichnen. In letzter Zeit zog er sich, wie ich, auch bedingt durch seinen Umzug nach Singen etwas zurück, wird aber mit 56% Zustimmung der Mitglieder von der Piratenpartei Konstanz bei seiner Kandidatur unterstützt. Benno Buchczyk vertritt meinem Empfinden nach stark Ideale der Piratenpartei wie Partizipation und Transparenz, ist andererseits aber eher bürgerlich-liberal und setzt auf Leistung statt Bevormundung.

Ein neutraleres Bild mögen freilich seine Antworten auf meine Fragen liefern:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Ich mit meinem.
Kurz und knackig. Sein Budget ist nicht gerade hoch, weshalb ihm das abzunehmen ist.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Ich gehe davon aus, dass es nicht DEN Schweizer gibt.
Mein Freund, den ich seit mehr als 20 Jahren kenne, ist Schweizer.
Ich schätze ihn so, dass die Nationalität keine Rolle spielt.
Der erste, der er sagt. Nein, es gibt nicht DEN „Schweizer“ – das denke auch ich nicht. Antworten hätte ich trotzdem gut gefunden.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Zum erweiterten Führungszeugnis: nach meinen Recherchen betragen die Kosten in Konstanz 13,00€. Diese Summe halte ich für vertretbar.
Generell Ehrenamt: ehrenamtliche Arbeit, bürgerschaftliches Engagement sind eine wichtige Säule unserer Gesellschaft. Dieses Engagement muss vom Staat gefördert werden. Allerdings dürfen staatliche Aufgaben nicht auf ehrenamtliche Tätigkeiten abgeschoben werden.
Auf die momentane Situation mag dies zutreffen. Danach habe ich aber nicht gefragt. Letzten Satz finde ich eher befremlich, da genau das doch im Augenblick und schon seit Jahren passiert. Was allerdings garnicht so schlimm, da meilenweit effektiver ist…

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

spontan und ohne Begründung:
Studenten
Bodenseefelchen
Oberbürgermeister
Schweizer
Touristen
Solaranlagenbauer
Papst
Bodenseefelchen an zweiter Stelle: ist das auch biologischer Sachverstand (vgl. Sabine Seeliger) oder nur Lust am kulinarisch zweifelhaften Genuss? Auch als Oberbürgermeister schätzt er sich für einen Piraten ungewöhnlich stark ein. Eine Begründung hätte mich da interessiert. Das Touristen so schlecht wegkommen, mag sie verägern, aber sie wählen ja eh nicht. Der Papst bildet, hinter der Solarbranche, mal wieder wie üblich das Schlusslicht. Schade, dass kein Hardcore-Katholik kandidiert…

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Ich habe diese Stelle nicht gefunden.
Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee? Nun ja, die Sonnenkönigin fand ich schon zu überdimensioniert.
Falsches Dokument genommen, dabei war ich doch eigentlich recht präzise. Aber die Überdimensioniertheit, die die Landschaft verschandelt, spricht er immerhin an.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Selbst Entscheidungen zu treffen.
Eine interessante Definition von Freiheit, nahe an der der Piratenpartei. Wie deren Programm aber nur sehr vage…

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Ich schätze das Wahlgeheimnis.
Ein echter Demokrat! Ich schätze aber, er würde am ehesten Uli Burchardt wählen, auch wenn man meinen mag, dass Piraten und das bürgerliche Lager nicht so recht zueinander passen. In Konstanz verschwimmen da aber ohnehin die Grenzen.
Jetzt widme ich mich lieber meinen Essay mit Abgabeschluss am Montag und rate Euch, sich mal wieder das Wahlprogramm anzuschauen, das Benno Buchczyk meiner Meinung nach glaubwürdug verkörpert und auch umsetzen kann. Er ist neben Uli Burchardt und Andreas Kaltenbach jedenfalls in meiner engeren Wahl – entschieden ist jedoch noch nichts.

 

Die Untiefen der Verwaltung in der Piratenpartei

Du bist vor ein paar Monaten in die Piratenpartei eingetreten und hast noch immer keine Bestätigung bekommen?

Mach dir nichts draus – du bist nicht der einzige! Verwaltung ist nicht der Piraten Stärke (nicht ihre einzige) – muss es das bei einer so jungen Partei?

Ich denke schon: es kann nicht angehen, dass Neumitglieder monatelang auf Bestätigung warten, Gelder nicht fließen und so weiter und sofort. Das Piratenschiff durch die Untiefen der Verwaltung zu manövrieren ist sicher nicht einfach – der Freibeuter macht dies schließlich ehrenamtlich – eine Aufgabe, Verwaltung halt, die auch nicht sonderlich Spaß zu machen scheint. Da muss über Neumitglieder abgestimmt werden und diese eingeladen werden; da müssen täglich neue Anfragen bearbeitet, Mails verschickt und Buchungen getätigt werden. Irgendwer muss das Ganze aber ja machen 😉

An der Professionalität der Verwaltung (und nicht nur da) kann man noch einiges schrauben: da muss man auch garnicht wie ich Verwaltungswissenschaften studieren (sowas lernt man da eh nicht).

Die gesamte Struktur der Piratenpartei  ist meiner Ansicht nach falsch geregelt. Es gibt Bund, Land, Bezirk und Kreis, in manch großer Stadt mittlerweile vielleicht auch Ortsvereine. Und jeder ist für irgendwas zuständig. Online-Mitgliedsanträge gehen z.B ans Land, schriftliche meist an den Kreis. Bearbeitet werden sie aber vom Bezirk, der ihnen die Mitgliedsnummern zuweist. Vorher muss aber der Kreisvorstand noch über die Aufnahme des Mitglieds abstimmen (reine Formsache), hinterher begrüßt der Kreis dann das Neumitglied.  Bisher immer per Email, die wohl in den Spamordnern verschwand. Das dauert meist ewig. In den vergangenen Tagen häuften sich die Anfragen zu Recht „verärgerter“ Neumitglieder, die auf ihre Bestätigung und die Kontodaten zwecks Zahlung des Mitgliedsbeitrages warteten.Nun kann man niemanden die Schuld zuweisen – weder dem Vorstandsmitglied, das die Mitglieder begrüßt, aber warum auch immer als Spam deklariert wird, noch dem Neumitglied, dessen Spamordner solche Mails ja eigentlich nicht als Spam deklarieren soll.

Schuldzuweisungen hin oder her – klar ist, dass etwas getan werden muss. Schon kleine Anpassungen wie die Bitte um Rückbestätigung können Wunder wirken – nützen aber nichts, wenn die Mail nicht gelesen wird. Wir werden daher in den nächsten Wochen dazu übergehen, Mitglieder postalisch zu begrüßen, vielleicht mit einem Begrüßungsgeschenk – das kommt auch deutlich netter als eine Copy&Paste-Mail.

Nicht das einzige, das ich gerne optimieren möchte. Die Reibungsverluste, die innerhalb der Piratenpartei entstehen, sind meiner subjektiven Ansicht nach unglaublich, viele Arbeit wird doppelt gemacht, und die ganze Sache zieht sich elendig lang hin. Wichtige Zeit geht verloren – die Partei ist schließlich auch nicht alles für den Piraten 😉 – die viel besser in Kommunalpolitik, Vernetzung mit anderen Parteien, Neumitgliederwerbung und Co. investiert wäre.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Dezentralisierung oder Zentralisierung. Der derzeitige Mischmasch aus beidem ist ineffizient.

Zentralisierung macht z.B im Rechnungswesen Sinn. Nicht, dass ich meine Pflichten so versuche loswerden zu wollen – doch der Kreisverband in Form des oft – wie bei mir – unausgebildeten Laien-Schatzmeisters sollte sich auf allerelementarste Dinge der Finanzen kümmern und keine komplizierten Jahresbilanzen erstellen müssen. Das können qualifizierte Kräfte auf Landesebene deutlich besser, zuverlässiger und schneller, sprich also effizienter. Gleichwohl ich sagen muss, dass meine Schatzmeistertätigkeit im Gegensatz zur anderen Vorstandsarbeit nur einen Bruchteil der Zeit benötigt – der Schatzmeister könnte sich aktiv um Spenden – also Fundraising – kümmern und sich anderweitig betätigen, z.B in der Pflege der Mitglieder.

Für die Mitgliederverwaltung gibt es in den meisten Gliederungen den Generalsekretär – bei uns in Konstanz jedoch nicht exziplit. Die Mitgliederverwaltung macht im Moment aber auch noch der Bezirk – das läuft zwar sehr gut, geht aber wie bereits angesprochen mit einigen Reibungsverlusten einher. In dieser Hinsicht wäre es sinnvoll, die Mitgliedsverwaltung zu dezentralisieren und gliederungshierarchisch so tief wie möglich anzusetzen. Bei Problemen und Fragen kann vor Ort immer noch am besten geholfen werden – außerdem geht dann – kommt natürlich auf die Personen an – viel weniger, optimalerweise nichts, verloren und das ganze wird deutlich schneller. Gibt nämlich durchaus Leute, die nach Wochen Wartezeit ihren Mitgliedsantrag zurückgezogen haben – wer möchte ihnen das verübeln?

Mitgliederverwaltung und Buchungswesen werden im Moment auf ein professionelles, gemeinsames Softwaresystem umgestellt,auf das alle Gliederungen Zugang haben – die dort entstandenen Komplikationen, die viel über den Charakter der Piraten aussagen, lasse ich jedoch mal unter den Tisch fallen. Mit diesen System – ich habe noch keine Einführung bekommen – dürfte sich meiner Ansicht aber gleichzeitige Zentralisierung auf der einen wie Dezentralisierung auf der anderen Ebene erreichen lassen. Die Bezirksverbände, mittlerweile wohl sehr überlastet (Kompliment an alle, die dieses zeitraubende Amt auf sich nehmen) haben dann auch deutlich weniger zu tun – wieder Zeit, die auf sinnvollere Aufgaben verwendet werden könnte.

Nicht nur in diesen Hauptdisiziplinen der Verwaltung der Piratenpartei besteht noch einiges an Optimierungsbedarf. Als Verwaltungswissenschaftsstudent hat man zum Glück einiges mit  den vielen IT-lern gemeinsam – Prozesse zu optimieren sehen auch die als eine elementare Aufgabe. In dieser Hinsicht bin ich positiv gestimmt, dass auch außerhalb Reichweite meiner Möglichkeiten auf Kreisebene Anpassungen vorzunehmen, das Piratenschiff (diese Metaphern sind so herrlich ;)) bald mit gestärkten Rumpf und innovativen Segeln Richtung Bundestag steuert. Bevor man andere regiert, sollte man sich schließlich selbst regieren können – auch wenn das bei all der Transparenz und Basisdemokratie -ich bin von diesen Idealen mittlerweile desillusioniert und halte sie im Übermaß gar für gefährlich (anderes Thema für einen anderen Artikel ;)) – in einer anti-hierarchischen Partei natürlich keine leichte Aufgabe ist. Vielleicht werde ich das ganze mal als Antrag zum Bundesparteitag einbringen oder diesen Blogartikel mal entsprechend weiterleiten 😛

Um es mit dem Spruch eines unserer Professoren bei einer der ersten Vorlesungen zu sagen: „Politik ohne Verwaltung ist wie ein Auto ohne Räder“. Die Verwaltung (ob nun auf staatlicher, privatwirtschaftlicher oder Parteienebene) mag vielen als langweilige Expertenangelegenheit erscheinen (Vorsicht Plagiat -steht wörtlich auf den Folien) – ist aber essentiell für anhaltenden Erfolg. Denn was bringen einem tausend engagierte Neumitglieder, wenn sich niemand um sie kümmert und sie deshalb schnell die Motivation verlieren?

Die Piratenpartei und das Internet – Ideologie oder Werkzeug?

Wer in der Piratenpartei ein Amt anstrebt, sollte sich schon etwas mit Computern und dem Internet auskennen. Nicht nur, weil man sonst von vielen Piraten eher belächelt wird- je nach Intoleranz und Nerd-Faktor auch pure Ablehung zu nennen – sondern weil man das Internet und alles Schöne, was man damit machen kann, auch zur täglichen Arbeit braucht. Nun bin ich ja quasi ein „digital native“ und meiner Meinung nach durchaus netzaffin – bei einigen Dingen verstehe aber selbst ich nur Bahnhof – und der ein oder  andere Pirat wundert sich darüber.

Ich habe zwar einen Twitter-Account, nutze den aber nicht aktiv. Da ich meine Blogposts drüber verlinkt habe, generiert er immerhin etwas Output. Für den Piraten ist Twitter natürlich das Nonplusultra – da muss ich mich ja fast schämen, dass ich „nur“ Facebook benutze. Denn Facebook ist ja ganz schlimm, ein ganz fieser Datenkrake – da sollte man doch besser „mypirates“ benutzen – da sind die Daten sicher (und man ist sicher der einzige aktive dort…).

Auch Windows-User wie ich haben es schwer: es muss ja schließlich alles Open Source sein, was die Piraten verwenden – naja fast! Ich benutze zwar kein Linux, aber immerhin Mozilla Firefox, Thunderbird und OpenOffice! Das ist doch schonmal ein Anfang!

Kommen wir nun zu den Werkzeugen, die fast essentiell für die Piraten sind. Ich sehe Sie nur als Werkzeug, für manche scheinen sie jedoch eine Ideologie darzustellen. Da gibt es einmal das Wiki: da steht alles drinne, bloß kann man es nicht finden. „Schau doch ins Wiki“ ist der Standardspruch der „Onliner“, der manch „Offliner“ schnell vergrätzt, der so garnichts damit zu tun haben möchte. Beim letzen Stammtisch haben wir uns darauf geeinigt (oder auch nicht !?), dass ab sofort ein Euro ins Sparschwein kommt, falls so ein Satz fällt (die Wahlkampfkasse dürfte schnell prall gefüllt sein).

Neben dem Wiki gibt es noch die „Piratenpads“. Da muss ich sagen: geniale Erfindung. Mehrere Personen können nämlich gleichzeitig live (ideal fürs Protokollieren=, aber natürlich auch zeitversetzt bestimmt Dinge schreiben und erarbeiten. So kann man schnell und effektiv Pressemitteilungen, Wahlprogramme und Co. erarbeiten. Selbst Nicht-Piraten scheinen dieses „Werkzeug“ schon entdeckt zu haben – für Gruppenarbeiten an der Uni eignet es sich nämlich auch vorzüglich.

Sonst läuft die Kommunikation natürlich vor allem über Mailinglisten – was das ist brauche ich wohl nicht mehr zu erklären.

Zugegeben, das ist alles noch nicht sonderlich kompliziert und kannte ich auch bereits zuvor. Jetzt in Amt und Würden werden ganz andere Kaliber aufgefahren: beispielsweise wird der Email-Verkehr zwischen Piraten grundsätzlich (zumindest bei sensiblen Daten) verschlüsselt – mit dem PGP-Verfahren z.B. Denn eine Email ist – was die wenigsten wissen – nichts anderes als ein Brief ohne Briefumschlag. Es ist nicht sonderlich schwer, unbemerkt jede Email einer bestimmten Person mitzulesen. Der von Natur aus paranoide Pirat – der hinter jeder Ecke eine Kamera vermutet – verschlüsselt seine Mails also. Hört sich schwerer an, als es ist, nach 2-3h hat man sich da eingearbeitet und weiß, wie es funktioniert. So ganz grundsätzlich jedenfalls…

Auch andere Sachen gibt es noch – OTRS z.B, ein Ticketsystem (fragt mich nicht nach einen gängigeren Begriff), mit dem ich jetzt weiß, was zu tun ist und wo ich schön meine „Tickets“ abarbeiten darf.

Als Instant Messenger benutzt der richtige Pirat natürlich „Jabber“ (weil man da ja auch verschlüsseln kann), statt Skype nimmt man lieber „Mumble“. Im Mumble hatte ich gestern meine erste Audio-Konferenz – ging ganz gut. Dort kann man frei in jedweden „Raum“ gehen und den Leuten ganz transparent zuhören – ob die Vorstandssitzung des Landesverbands Baden-Würtemmberg, Diskussionen in den Arbeitsgemeinschaften der Piratenpartei oder lockerer Plauderei, z.B im „Dicken Engel“ (ist jedem Pirat, der was auf sich hält,  ein Begriff :D) – im Mumble ist immer was los.

Es gibt auch noch einen Haufen anderer Sachen, auf die ich jetzt aber nicht mehr eingehen möchte. Fakt ist, gerade Leute, die die Realität der Virtualität vorziehen, werden wohl erst einmal von all diesen Sachen erschlagen sein. Der Piratenpartei würde es gut tun, diese Dinge als das zu nehmen, was sie sind – nämlich als sicher nützliche Werkzeuge – mehr aber auch nicht. Auf Dauer vergrätzen die Piraten damit nämlich diejenigen, die sich mit dem Internet nicht auskennen und die sich damit auch garnicht beschäftigen wollen. Das muss man tolerien, akzeptieren und respektieren! Und auch diese Leute braucht die Piratenpartei – denn ein Mehr an Transparenz, Partizipation und Bürgerrechten ist keine Ideologie des Internets, sondern ein Wunsch vieler Menschen, die, wenn überhaupt, das Internet nur für Emails, Online-Shopping, Nachrichten oder soziale Netzwerke nutzen! Diese Leute braucht die Piratenpartei nicht nur als Wähler, sondern auch als aktive Streiter, die den Piraten sehr wichtige Impulse geben (können).

Immerhin noch eine positive Sache, die ich so nie erwartet hätte: ich habe heute für die Piratenpartei einige Sachen in Briefumschläge gesteckt und auf diese ganz analog eine Adresse geschrieben. Ich weiß jetzt auch, wo man Briefumschläge und Briefmarken kaufen kann. Denn diese Kommunikationsform gab es eigentlich nicht in meinem Leben in den letzten Jahren (bzw. noch nie)- ist aber gut zu wissen, dass ich jetzt (wieder) weiß, wie es geht. Briefe muss man ja schließlich auch nicht verschlüsseln – solange das Breifgeheimnis noch gilt…

Und nun, lasset den „shitstorm“ beginnen 😉 !!!

Die Piratenpartei und Ich…

Am Samstag ist es soweit – der Kreisparteitag der Piratenpartei Konstanz wird stattfinden. Ich habe ja lange nichts über meine Parteiarbeit verlauten lassen – die ruhte aber auch seit Mitte Dezember.

Zuallererst muss ich zugeben (tut mir Leid, Ihr Piraten, die das jetzt lesen müssen ;)), dass die große Euphorie verpufft ist und mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen ist. Erst die Querelen auf Landesebene in Berlin, dann die Enttäuschung mit dem beim  Bundesparteitag beschlossenen Programm und letztlich auch noch sich für Piraten nicht ziemende  interne Streitigkeiten auf Kreisebene, von denen ich allerdings persönlich nicht viel mitbekommen habe,

Dazu kommt, dass ich bei aller nach wie vorigen Überzeugung für mehr Demokratie, Transparenz und Bürgerrechte mich doch ideologisch gewißermaßen radikalisiert habe, nicht zuletzt durch die intensive Beschäftigung mit Friedrich August von Hayek, über den ich am Donnerstag mein erstes Uni-Referat halten und bald danach auch meine Hausarbeit schreiben werde. Über ihn bin ich auch auf andere intellektuell bereichernde Gedanken gestossen und habe einen riesigen Haufen an Literatur, den ich in den Semesterferien nach geschaffter Hausarbeit noch abackern möchte bzw. nebenbeijetzt  bereits tue (ist spannender, als in der Vorlesung zuzuhören).                                                                                                                                              Wie man sich jetzt  fast denken kann, fröne ich radikalliberalen bis libertären Gedanken im Sinne der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (ich bin allerdings kein Anarchokapitalist ;))

Somit als „neoliberaler“ Kapitalist abgestempelt (eine schlimme Beleidigung, nichts verachte ich mehr als den Neoliberalismus) habe ich es mutmaßlich schwer in einer Partei, die, habe ich fast das Gefühl, von Attac und anderen Organisationen übernommen wurde. So sehr ich auch die gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Piratenpartei teile, so wenig gefallen mir ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen, sofern sie denn überhaupt vorhanden sind. Aber es ist klar, in welche Richtung sich diese zukünftig entwickeln werden – das ist halt Basisdemokratie. Da reicht es eben auch nicht, wenn 49% (zugespitzt gesagt) vernünftige Vorstellungen haben…

Voller Euphorie bin ich, gleichwohl die Stammtische nicht sonderlich toll waren, in die Partei eingetreten, mittlerweile denke ich, es war wohl zu schnell. Nichtsdestotrotz werde ich Mitglied bleiben – sofern mich die das hier lesenden Piraten nicht rausekeln 😉 (was bleiben mir auch für Alternativen…)

Auf die parteiinternen Streitigkeiten möchte ich zurzeit nicht eingehen, Fakt ist aber, dass der Kreisparteitag am Samstag interessant werden dürfte und einige Ämter neu besetzt werden. Nicht zuletzt wegen meinem gerade erfolgten „Outing“ werde ich natürlich nicht für ein  Amt kandidieren, dafür fehlt mir momentan nicht nur die Überzeugung, sondern schlichtweg auch die Zeit, zudem ich es eh als höchst zweifelhaft erachte, dass mich irgendjemand wählen würde 😉 Auch wenn ich Politik- und Verwaltungswissenschaften studiere – die Piratenpartei ist für mich kein Zugpferd, um mich schnell in irgendwelche Positionen zu hieven, wie manch böse Zunge behauptet 😛

Aber von meinem Wahlrecht werde ich natürlich Gebrauch machen und auch versuchen mitzuhelfen, dass der Parteitag reibungslos über die Bühne läuft. Berichten  werde ich dann natürlich auch darüber – ganz transparent, wie es sich für Piraten gehört.

Ich habe ja immer noch die Hoffnung – und mittlerweile sehe ich eine gewisse Dynamik entstehen – dass bald wieder konstruktives und vor allem ergebnisorientiertes Arbeiten möglich sein wird – reine Diskussionsstammtische sind zwar ganz nett, bringen aber letztlich nicht viel. Meine Initiative eine Hochschulgruppe der Piraten zu gründen stieß leider auch nicht auf viel Interesse, was daran liegen mag, dass leider kaum Studenten hier in Konstanz Mitglieder sind. Und so ganz allein, wenn man nicht so dahinter steht und eh genug anderes zu tun hat – da ist man doch eher unmotiviert etwas zu tun.

Wie dem auch sei, jetzt wisst ihr, woran ich mit der Piratenpartei bin, und die weiß, woran sie mit mir ist…

 

Über dieses Blog

Ahoi,

nach etwas Abstinenz vom Bloggen habe ich mich entschlossen, fortan wieder anzufangen. Nicht über Neuseeland (www.chrissofnz.wordpress.com) – der Abschnitt meines Lebens ist leider schon vorbei – sondern über mein in Kürze beginnendes Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften in Konstanz, das Leben dort – vor allem aber über Politik dort, in Deutschland und der ganzen Welt sowie allem was damit zusammenhängen könnte.

Wie man vielleicht weiß, bin ich nämlich ein dediziert politikinteressierter Mensch, der darauf brennt, seine Ansichten auch mal loszuwerden. Qualitätsjournalismus a la BILD (äh.. BLÖD) darf man nicht erwarten, eine gewisse Zynik hin und wieder schon.

Vielleicht wundert sich manch einer über den kreativen Titel dieses Blogs: den Geistesblitz hatte ich gestern Abend kurz vorm Einschlafen und notierte ihn mir gleich, um ihn nicht zu vergeßen.

Unschwer zu erkennen kann man aus „Konstranzparency“ die Wörter „Konstanz“ und „Transparency“ herauslesen. Darum geht es auch hier im Blog.

Einmal um das schöne Universitätsstädtchen Konstanz am Bodensee, das ich Euch gewißermassen ja so transparent machen werde wie der Bodensee ist, andererseits aber um einen Wert (ja, für mich ist das ein Wert!), der mir sehr am Herzen liegt. Den versuche ich hier natürlich vorzuleben – dazu brauche ich aber die Mithilfe meiner eifrigen Leser. Kommentiert also fleißig, was transparenter und allgemein besser sein könnte – ich werde es mir zu Herzen nehmen!

Zu meiner politischen Couleur – um ganz transparent zu sein: Sympathisant und bald wohl Mitglied der Piratenpartei – linksliberal oder auch soziallibertär, progressiv und vor allem verseßen auf mehr Partizipation und Transparenz – wie man unschwer auch an den Verlinkungen sehen kann. Dazu werde ich mich bald aber mal ausführlicher äußern.

Mehr gibt es fürs Erste auch nicht zu sagen. Ich verweise noch auf meine eigene Homepage, falls Ihr Euch weiter informieren wollt: christophheuermann.wordpress.com

Transparente Grüße, noch aus Herford!