AStA, StuPa, VS – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz

Lange habe ich nicht mehr über die Konstanzer Hochschulpolitik geschrieben. Das möchte ich nun mehr nachholen. Allerdings ist die Informationslage dünn. Nachdem ihre Website mehrere Monate nicht zugänglich war – und manch Vertreter sich gegen eine schnelle Lösung sperrte – gibt es nun immerhin ein Provisorium, das aber gar keinen so guten Eindruck gemacht. Es wundert mich im Übrigen, dass sie dort schreiben, der Ausfall sei durch Viren bedingt. Meines Wissens befallen Viren den PC oder Server und machen keine Webseiten kaputt. Allenfalls die Programme zu ihrem Management, was jedoch nicht gerade für die Fachkenntnis der Betreiber spricht, wenn Sie sich Viren einfangen und keine Sicherungen haben.

Meine Informationen ziehe ich daher aus dem, was man so mitkriegt – von meiner Hochschulgruppe wie auch der Anwesenheit auf ein paar Mail-Verteilern. Protokolle nämlich, die es eigentlich geben muss, stellt die Studierendenvertretung nicht zur Verfügung. Ein Schelm wer dabei Böses denkt, stehen doch sehr wichtige Entscheidungen für die Zukunft an. Statt sich über mangelnde Beteiligung der Studierenden zu beschweren, sollte man ihnen die Beteiligung vielleicht erst einmal ermöglichen. Das geht nur über Information – und zwar nicht jene quälende Anwesenheit in den Sitzungen, sondern ein auf dem Punkt gebrachtes Protokoll, aus dem man in wenigen Minuten alle relevanten Informationen entnehmen kann.

Beteiligung ist überhaupt so ein Punkt. Natürlich lebt eine Studierendenvertretung in erster Hand von denen, die sich in ihr engagieren. Dieses Engagement gebührt grundsätzlich Respekt. Vor allem jene in den Referaten, auch wenn ich viele von ihnen unnütz halte. Ambivalent ist jedoch das Engagement mancher Studierenden im Studierendenparlament. Wer mit großmundigen Versprechungen bei den StuPa-Wahlen antritt, sollte wenigstens bei den Sitzungen anwesend sein und seine Pflichtzeiten im AStA-Büro wahrnehmen. Oft scheint aber nur der Lebenslauf eine Rolle zu spielen. Man lässt sich wählen, erscheint zur konstituierenden Sitzung und kümmert sich dann garnicht mehr. Insbesondere manch Vertreter des RCDS scheint hiermit aufzufallen, das teils schwache Engagement zieht sich aber durch fast alle Gruppen.

Für mich ist das Studierendenparlament nichts anderes als ein Pseudo-Bundestag, in dem sich angehende Jungpolitiker fernab der Realität austoben können. Frühe Geldverschwendung dank der bald kommenden Zwangsbeiträge inklusive. Ständige Argumentation für das Gemeinwohl aller Studierenden, obwohl lediglich Partikularinteressen bedient werden. Und eine fragwürdige Demokratie, in der konstruktive Mitarbeit oppositioneller Kräfte oft durch Tricks mit der Geschäftsordnung verhindert wird. Ich bin wirklich froh, nach meinem unüberlegten Antritt nicht gewählt worden zu sein.

Im Moment beschäftigt sich das StuPa vor allem mit der VS – der Verfassten Studierendenschaft, deren verschiedenen Modelle in einem Arbeitskreis ausgearbeitet wurden. Nötig ist dies durch die Neufassung des Landeshochschulgesetzes durch die grün-rote Landesregierung, die die Verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg als letztem Land neben Bayern noch einführt und damit angeblich die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Studierenden stärkt. Das ist grundsätzlich unterstützenswert, wenn eine Verfasste Studierendenschaft gut ausgearbeitet wird. In der Praxis jedoch werden unüberschaubare bürokratische Apparate geschaffen, die die Gelder aller Studierenden im Sinne einer kleinen Anzahl Zeit habender in fragwürdige Projekte umverteilen.

So stehen in Konstanz 3 Modelle zur Debatte: das Mischparlament, das Zwei-Kammern-Modell und ein Modell mit starker Ausrichtung auf die Vollversammlung. Diese Modelle möchte ich hier nicht weiter erläutern, ich verweise auch auf den aktuellen Satzungsentwurf.

Was ich mich nur frage ist: warum wird hier die historische Chance auf echte Partizipation aller Studierenden verspielt? Nun mag man einwenden, ich hätte mich ja im Arbeitskreis engagieren können, aber das halte ich für wenig zielführend. Denn wer die Hochschul-Demokratie preist, tut dies nur unter Vorwand des Eigeninteresses, in einer parlamentarischen Demokratie, die mit knapp über 10% der Stimmen aller Studierenden nicht ansatzweise irgendwelche Legitimation besitzt, seine Sonderinteressen durchzusetzen. Daher ist erklärbar, dass Direkte Demokratie nie eine Rolle in den diskutierten Ansätzen gespielt hat. Dabei wären die Möglichkeiten Direkter Demokratie gerade an einer kleinen Universität in Konstanz sehr vielversprechend.

Mit Direkter Demokratie sind gleichwohl keine Vollversammlungen gemeint. Vollversammlungen sind eine pseudo-demokratische Instiution der ganz linken Hochschulgruppen, die meist nur von ihresgleichen besucht werden. Dazu bei trägt ihre immer sehr ungünstige Terminierung, die mir den Besuch der letzten beiden VVs verwehrte. Die Vollversammlung hat bei ca. 1% Beteiligung der Studierendenschaft zum Glück kein Recht auf allgemein verbindliche Entscheidungen und das ist gut so. Selbst die nötigen 10%, die im ausgesuchten Hörsaal übrigens garnicht zu realisieren wären, hätten eine höchst zweifelhafte Legitimation. Tatsächlich ist es auch nicht sonderlich spannend, solch eine Vollversammlung zu besuchen. Das tut ohehin nur der, der sich für Hochschulpolitik ansatzweise interessiert. Die 99% der anderen Studierenden zeigen mit ihrer Abwesenheit ganz deutlich, was sie von der akktuellen Hochschulpolitik halten: nichts! Diese Erkenntnis scheint jedoch bei den wenigsten Studierendenvertretern schon angekommen zu sein.

Das mangelnde Interesse ist aber nicht nur durch das ach so harte Studium begründet, sondern liegt auch an den Institutionen. Um wirklich Hochschulpolitik gestalten zu können, ist ein hoher Zeitaufwand erforderlich, den die wenigsten Studierenden erfüllen können und wollen. So offen sich Studierendenparlament, Referate und Co. für Neue geben und bestimmt auch sind – ihre im Kern intransparente und antipartizipative Arbeit schreckt viele zurecht davor ab.

Direkte Demokratie in der Hochschulpolitik lässt sich aber nicht nur durch Vollversammlungen sondern auch direkten Wahlen erreichen. Während persönlich durchgeführte Wahlen auf Dauer sicherlich zeitlich und finanziell zu aufwändig sind, so bietet das Internet doch neue ungeahnte Möglichkeiten direktdemokratischer Beteiligung. Programme wie Liquid Feedback der Piratenpartei oder New Democracy der Liberalen Basis, obwohl noch mit diversen Mängeln, ermöglichen eine Partizipation auf einer ganz neuen Stufe. Auch wenn sich dies auf Universitätsebene sicher realisieren liesse, kann man auch einen Schritt tiefer schon zu guten Ergebnissen kommen.

Im letzten Jahr fand eine Urwahl über das Bus-Ticket statt. Die Abstimmung ergab, dass ein erweitertes Busticket über dier Stadt Konstanz hinaus mit einem Solidaritätszuschlag finanziert wird. Im Gegensatz zu Hochschulwahlen mit knapp 10% und Vollversammlungen mit knapp 1% hatte man hier eine Beteiligung von annähernd 25%. Das ist zwar auch wenig, mit der richtigen Werbung und Information liesse sich dieser Anteil im Laufe der Zeit aber schnell steigern. Denn wenn die Studierenden erkennen, dass demokratische Mitbestimmung innerhalb einer Minute möglich ist, indem man auf den Link in einer Mail klickt und gemäss seinen Wünschen abstimmt, so werden sie dies auch zunehmend tun. Urwahlen über das Internet sind also eine gute Möglichkeit, die Studierenden an der Hochschulgestaltung partizipieren zu lassen. Dazu gehört natürlich eine ansprechende begleitende Informationsaufbereitung, um den Studierenden bei ihrer Entscheidung behilflich zu sein.

Leider scheinen Urwahlen unter den Vertretern im StuPa nicht sonderlich populär zu sein. Lediglich bei der kommenden Entscheidung über die endgültige Ausgestaltung des Verfassten Studierendenschaft sieht man sich wohl verpflichtet, allen Studenten die Möglichkeit einer Entscheidungsmitwirkung einzuräumen. Warum nicht auch bei kleineren, aber nicht minder wichtigen Entscheidungen riss ich bereits an. Die Kosten- wie Zeitfrage ist meines Erachtens kein Argument dagegen. Technisch ist es offensichtlich möglich. Wer die Studierenden mit Zwangsgewalt der Drohung einer Exmatrikulation mit Zwangsbeitägen enteignet, muss sich nicht über Kosten auslassen. Zumal die Geldverschwendung der deutschen Studierendenvertretungen schier unermesslich ist. Wenn schon Zwangsgebühren, bin mir sicher, dass alle Studierenden auch gerne 3-4€ mehr abdrücken, wenn sich dafür ihre demokratischen Mitbestimmungsrechte erhalten statt den Versprechungen jährlich gewählter Nachwuchsfunktionäre ausgeliefert zu sein. Auch zeitlich kann es meiner Einschätzung nicht viel aufwendiger sein als eine Vollversammlung zu organisieren – es ist bloß wesentlich effektiver. Im Notfall stellt man eben einige studentische Hilfskräfte ein, die sich um die Durchführung regelmässiger Urwahlen kümmern.

Abstimmen kann man in diesen Wahlen im Prinzip alles. Das Studentenparlament wird faktisch unnötig. Soweit muss man es ja garnicht treiben. Wer Politiker spielen möchte, soll das weiterhin tun, wenn es ihm Spaß macht. Das Studentenparlament kann die Vorarbeit leisten und das Tagesgeschäft meistern – entscheiden sollten alle Studierenden.

Natürlich bleibt dies eine Utopie in der Hochschulpolitik, da jede Hochschulgruppe naturgemäss ihren eigenen Einflussbereich ausbauen möchte. Das ist nicht Bösartigkeit, das ist eben so. Sie mögen alle die besten Absichten haben, richten sich aber nur nach ihren Ansichten. Die Absicht des Gemeinwohls wird nicht von der Gemeinde der Studierenden, sondern von der kleinen Gemeinschaft meist parteipolitisch  ideologisierter Nachwuchsfunktionären benutzt.

 

Nachdem dieser Artikel im Schreibprozess nun ungewollt in ein Plädoyer für Direkte Demokratie an Hochschulen ausartete, seien noch ein paar andere Aspekte der Arbeit der Studierendenvertretung angesprochen.

Einerseits gibt es die Veranstaltungen, die von gewissen Referaten regelmässig organisiert werden. Grundsätzlich sind Vortragsreihen gegen Rassismus, über Gender-Aspekte und Co. eine gute Sache. Leider sind sie oft so einseitig ideologisiert, dass Studierende in Erwartung dessen was auf sie zukommt, zu solchen Veranstaltungen gar nicht erscheinen. Ohne es zu wissen schätze ich die Teilnehmerzahl jedenfalls als sehr gering ein.

Im Januar soll es eine Veranstaltungsreihe zur Euro-Krise geben. Eingeladen wurden 3 lupenreine Keynesianer. Nun soll diese an den Universitäten mittlerweile (glücklicherweise) vernachlässigte Perspektive durchaus ein Forum geboten werden, andere unterdrückte Ansätze wie die Österreichische Schule der Ökonomie oder ordnungspolitische Ansätze werden jedoch ausgeklammert, weil sie nicht in die politische Ideologie der Veranstalter passen. Mein Vorschlag der Einbringung anderer Perspektiven im Zuge einer ausgewogenen Veranstaltung an die Organisatoren wurde denn auch tatsächlich mit so einer Begründung abgewiesen. Tatsächlich zeigten die Organisatoren eine breite Unkenntnis über mein Anliegen – aber was will man machen. Die ergänzende Veranstaltung wird kommen – ob mit oder ohne Unterstützung der Studierendenvertretung.

Denn die lässt sich das ordentlich was kosten. 2000€ sollen für 3 Vorträge ausgegeben werden können. Das davon 1000€ die sozialistische Kaderschmiede der Rosa-Luxemburg-Stiftung übernimmt, zeigt in welche Richtung die Vorträge weisen. Die Kalkulation jedenfalls ist wahnsinnig hoch. Ich habe sie gesehen und sowohl Anreise,- wie auch Honorarkosten stehen in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung. Der Verdacht erhärtet sich immer mehr in mir, dass gewisse Vortragende durch die Bundesrepublik pilgern und vom Geld der Studierendenvertretungen ein nettes Zusatzgeschäft machen. Mit Geld umgehen können diese Vertretungen jedenfalls nicht, wie zahlreiche Beispiele aus anderen Bundesländern belegen. So lernen sie schon an der Uni, was sich in ihrer Politiker-Karriere später fortsetzt: ständige Verschwendung fremden Geldes.

Letztens wurde gerade erst der neue Haushalt des AStA an der Uni Konstanz verabschiedet. Da es ja keine Protokolle gibt, muss ich mich auf meine Erinnerung verlassen. Meines Wissens ist das aktuelle Budget, das noch ohne Zwangsgebühren auskommt, bei 70000€, wovon 40000€ ausgegeben werden sollen. Hört sich jetzt nicht nach Verschwendung an. Wenn jedoch Referate wie das Gleichstellungsreferat 7000€ zur freien Verfügung bekommen, sollte man sich das genauer ansehen. Statt das Geld in irgendwelchen Vorträgen im eigenen ideologischen Zirkel umzuverteilen, könnte man damit wenigstens tatsächliche Gleichstellung fördern. Gerade was die Inklusion körperlich behinderter Menschen an der Universität Konstanz betrifft gibt es noch einiges an Nachholbedarf. Hier wären finanzielle Mittel deutlich besser aufgehoben als bei Vorträgen der Pseudo-Wissenschaft namens Gender Studies, die für ihre Verfechter schon längst zur hochlukrativen Industrie geworden ist. Man kann ja gerne über Geschlechterverhältnisse nachdenken, aber dann doch bitte im Rahmen der Soziologie, Anthropologie oder verwandter Fächer.

 

Natürlich ist dies längst nicht alles, was die Konstanzer Studierendenvertretung so treibt. Ich sehe meine Zeit denn auch deutlich besser aufgehoben, mich nicht damit zu beschäftigen. Denn letztlich ist das, was die Studierendenvertretungen vorgeben zu sein – eine demokratische Mitbestimmungsmöglichkeit – eine pure Farce. Lässt man sie doch einfach machen. Das was sie gut machen und an sinnvollen Angeboten anbieten gleicht sich mit dem negativen aus, wenn man es an sich vorbeilaufen lässt und sich auf sein Studium konzentriert. Für mich persönlich macht ihre Existenz keinen Unterschied aus. Denn was bringt angebliche Mitbestimmung, wenn man nicht mitbestimmen kann, sondern die eigene Stimme zur Legitmation der Fremdbestimmung über sich selbst führt? Ich kann, bis bei den Studierendenvertretern ein grundsätzliches Umdenken einsetzt, daher nur raten, was der Großteil der Kommilitonen ohnehin macht: die jährlichen StuPa-Wahlen zu boykottieren oder wenn, dann seine Stimmzettel zumindest ungültig zu machen. Auch wenn das keine Lösung ist und die Unis den sich selbst bereichernden Kräften noch auf Jahrzehnte ausgeliefert sein werden.

Mit der Hochschulpolitik verhält es sich eben wie mit der realen Politik. Alles kann man eins zu eins anwenden. Nur der Herrschaftsanspruch ist begrenzter. Dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr. Für heute möchte ich es bei dieser kleinen subjektiven Information über AStA, StuPa und Co – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz – belassen.

Werbeanzeigen

StuPa-Wahlen: die Juso-HSG

Gerade erreichte mich eine Mail der von mir als Spaßpartei bezeichneten „Grauen“ mit dem Wunsch, doch ebenfalls meine Fragen beantworten zu dürfen (EDIT: mittlerweile sind schon die Antworten da und ich kann nur sagen, dass ich die Grundintention und das Ziel der „Grauen“ voll unterstütze – mehr dazu noch dieses Wochenende). Dem komme ich natürlich gerne nach und freue mich auf eine Antwort. Dass ich sie nicht anschrieb beruht auf dem einfachen Grund eines fehlenden Ansprechpartners bis heute Mittag. Dann las ich nämlich einen Wahlaufruf der Universität mit einem Link auf ein Dokument mit allen zur Wahl stehenden (auch außerhalb des StuPas), den  ich hier mal veröffentliche: https://depot.uni-konstanz.de/cgi-bin/exchange.pl?g=pbvs6f9uck

Einen Ansprechpartner hatte ich jedoch bei den Jusos, deren Kreissprecher mir heute ebenfalls eine Mail zukommen liess. Dabei äußerte er sich verwundert über die These, die „Jungen Sozialisten“ in Konstanz würden eine Initative zur Umwandlung des Namens in „Junge Sozialdemokraten“ befürworten. Laut ihm sei dies nicht der Fall: wie das in einer Partei so ist, ist der eine dafür, der andere nicht – aber von einer Initiative habe er noch nie gehört.

Als ich gestern darüber schrieb war, wie ich hoffentlich deutlich machte, mir selbst nicht klar, ob dies nun der Wahrheit entspricht oder eine sogenannte „Urban Legend“ ist. Läuft wohl auf letzteres hinaus.

Wir widmen uns nun also der Hochschulgruppe der „Jungen Sozialisten“ zu, die statt sozialisistisch aber wohl eher sozialdemokratisch agieren.

Eigentlich eine ganz nette Truppe, wie ich vor ein paar Wochen erfuhr, als ich in einer Diskussionsrunde über die Piratenpartei aus dem Nähkästchen plauderte. Sie hatten ein schönes Handout über die Piratenpartei erstellt, das im Gegensatz zu verzerrenden Medienberichten tatsächlich die Wahrheit sehr nah getroffen hat. Fähigkeit zur politischen Analyse kann man der Juso-Hochschulgruppe also nicht absprechen. Auch ihre Diskussionskultur ist um einiges gesitteter als bei den Freibeutern.

Wie ich schon erwähnte kann man die Jusos in Konstanz aber wohl eher als „rechter orientiert“ bezeichnen (da kam auch keine Wiederrede). Ihre Forderungen in den Hochschulpolitik machen dies auch durchaus deutlich. Rechts ist aber sicherlich die falsche Bezeichnung, sie sind bloß offen für andere Konzepte als sozialistische. Vor allem betonen sie „Vielfalt statt Einfalt“ und wollen nicht die Meinungspolizei spielen. Da bin ich bei meinem kommenden Projekt nächstes Semester ja mal gespannt ;).  Viele Kandidaten stellen sie zur Wahl – auch hier sind einige sicherlich der Überlegung einer Stimme wert.

Die Juso-Hochschulgruppe hat  auch eine ansprechende Website, wo man gleich weiß, wen man wählt und was eigentlich : http://www.juso-hsg-konstanz.de/

Über das Wahlprogramm abseits der jetzt kommenden Antworten mag sich jeder selbst ein Bild machen:

 

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?

Lehre und Forschung sollten im ganzen Land exzellent sein – Akademiker zweiter Klasse kann und sollte sich unsere Gesellschaft nicht leisten. Zudem ist auch trotz aller Exzellenz von einer Verbesserung der Studiensituation bei Studierenden nicht viel angekommen – die Kurse und Vorlesungen bleiben überfüllt, die Relation zwischen Lehrenden und Studierenden ist mies, die Raumlage katastrophal. Wir bleiben dabei: Wir brauchen eine Bildungsoffensive – die wenigen vorhandenen Mittel zusammenzustreichen und auf ein paar Unis zu verteilen, ist unserem Bildungssystem unwürdig.

 

Schon oft gehört und nicht zu leugnen. Auch wenn man selbst von profitiert. Zumindest vom Renomee, sonst hat man herzlich wenig davon, wie richtig angesprochen.

 

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit

1. Studenten (Überraschung!)

2. AStA

3. Forschungsfreiheit

4. Professoren

5. „Mittelbau“ und Verwaltung (wobei uns nicht klar ist, warum das eine gemeinsame Gruppe sein soll)

6. Bio-Essen in der Mensa

7. Bierautomat

8. Uni-Kater Sammy

9. Trommelkreise

 

Naja, „Mittelbau und Verwaltung“ sind aus Platzgründen in der gleichen Gruppe und beide für die Universität überlebenswichtig, was aber selten honoriert wird. Bei den Jusos nimmt der AStA wieder eine recht starke Rolle ein, auch die Forschungsfreiheit scheint ihnen wichtig zu sein. Uni-Kater Sammy ist wohl kein junger Sozialist – Bio-Essen und Bier wird ihm vorgezogen. Trommelkreise scheinen tatsächlich auch nicht mehr en vogue zu sein. Schade eigentlich – ich wollt das schon immer gern mal machen.

 

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?

Wir denken, das dies drei Gründe hat:

1. Die Einflussmöglichkeit der Studierendenvertretung wird von den meisten unterschätzt. Doch selbst ohne die Verfasste Studierendenschaft (VS) hat man im Senat und vor allem durch den „direkten Draht“ zur Unileitung deutlich mehr Einfluss als man denkt.

2. Viele Studierende denken: „Bis sich durch meine Wahlentscheidung was ändert, bin ich eh schon wieder weg“. Erfahrungsgemäß wählen viele im ersten Studienjahr nicht. Und aufgrund des Bachelors ist die nächste Wahl am Ende des vierten Semesters dann quasi schon wieder fast am Ende des Studiums. Unipolitik bewegt aber sehr schnell etwas – z.B. bei den Prüfungsordnungen. Zum anderen gehört es sich im Sinne der Solidarität auch, dass man an nachfolgende Jahrgänge denkt.

3. Im Allgemeinen wäre es auch besser, wenn die Studierendenvertretung weniger um Grundsatzfragen (die „Welt retten“) sondern um ihren Hauptauftrag („Studienbedingungen verbessern“) kreisen würde (siehe auch unsere Antwort unten). Wer die Hochschulpolitik in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß aber, dass wir in der Studierendenvertretung immer ein Garant dafür waren, dass konkrete Fragen zu den Studienbedingungen an der Uni diskutiert und angegangen wurden.

 

Zu 1: Wer soviele Vertreter dort drin hat, muss es ja wissen. Viel von diesem Einfluss merkt man aber nicht.

Zu 2: Ich bescheinigte den Jusos ja schon Analysefähigkeit. Hört sich plausibel an. Wenn sich die Uni jedoch – und das tut sie zweifelsfrei – so schnellebig entwickelt – warum nicht gleich jedes Semester wählen? Meiner Meinung nach würde das die Wahlbeteiligung eher noch steigen denn zurückgehen lassen. Außerdem wäre dann manch einer viel motivierter zu kandidieren und sich 1 Semester voll reinzuhängen. Dürfte der Studienplanung vieler (auch mir) nützen, die Praxis-Semester und Auslandssemester in ihr Studium integrieren möchten ohne als Langzeit-Studenten zu enden. Eine gewisse Personalrotation ist meiner Meinung nach gerade im StuPa ebenfalls zu befürworten. Wozu Berufspolitik führt sieht man ja auf höherer Ebene…

Zu 3: Da geben sich die Jusos ja sehr pragmatisch – vielleicht ein besserer Begriff als „rechts“. Ich kann das nicht verifizieren, glaube ihnen das aber mal.

 

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?

Ja, wie an den anderen Unis Deutschlandweit soll es auch bei uns einen geringen Beitrag geben, den alle Studierenden bezahlen müssen (wie auch der Seezeit-Beitrag). Der AStA bietet viele studentisch selbstverwaltete Serviceeinrichtungen an (z.B. Kostenlose Rechtsberatung, AStA-Café, AStA-Biergarten, Materialverleih) und unterstützt auch einige andere Studentische Initiativen (Hochschulgruppen und AStA-Arbeitskreise). Die sehr geringen Finanzmittel, die wir von der Universität erhalten, reichen kaum zur Aufrechterhaltung all dieser Angebote aus. Hätten wir nicht die AStA-Party zu Beginn des Semesters, wäre dies auf keinen Fall möglich. Jedoch sind die Party-Einnahmen einerseits sehr unvorhersehbar und andererseits halten wir „Saufen für die Rechtsberatung“ nicht für das richtige Konzept.

Wir werden allerdings dafür sorgen, dass die Ausgaben für alle Kommilitoninnen und Kommilitonen transparent auf der Homepage dargestellt werden. Uns schwebt eine Unterseite auf der AStA-Homepage nach dem Vorbild von www.offenerhaushalt.de vor.

 

„Saufen für die Rechtsberatung“ wäre doch mal ein gutes Wahlkampf-Motto. Ich glaube kaum, dass die wenigsten Studenten etwas dagegen hätten, wenn es mehr ASta-Parties gäbe. Ist sicherlich ein Organisationsaufwand, sorgt aber für klingelnde Kassen, wenn man es richtig und nicht zu oft macht. Aber bitte an der Uni, und nicht im DancePalace!

Einen offenen Haushalt würde ich sehr befürworten, um näher dran zu sein. Generell muss das Studierendenparlament bzw. die Allgemeine Studierendenvertretung viel mehr ihre Arbeit kommunizieren, um auch wahrgenommen zu werden. Warum aber nicht gleich eine Art Bürgerhaushalt für Studenten, wo diese selbst mitgestalten können statt auf die gewählten Vertreter zu vertrauen? So kann man auch gleich der Verschwendung von Geldern entgegenwirken, was schon seit Jahren in der gesamten Bundesrepublik ein gewaltiges Problem ist – nicht nur bei Studierendenvertretungen…

 

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität?

Freiheit oder Zwang?

Studienbedingungen verbessern oder Welt retten?

Elite-Uni oder

Massen-Uni?

Marx oder Mill?

 

Solidarität.

Freiheit.

Studienbedingungen verbessern.

Weder Elite-Uni noch Massen-Uni.

Marx.

 

Der Marx kommt jetzt am Ende doch etwas überraschend. Da möchte man sich wohl auf seinen Namen als Sozialisten besinnen. Der Rest ist es weniger – was hätte man von einer SPD-nahen Nachwuchsorganisation auch anderes erwartet?

 

Das waren also die Jungen Sozialisten. Sicherlich eine wählbare Alternative, die wieder einige Plätze im Studentenparlament besetzen wird. Ihr Wahlkampf ist deutlich am professionellsten, vermutlich aber auch am teuersten. Ihre Plakate bilden die ersten drei Listenkandidaten ab – die übliche Tour, der man eigentlich so überdrüssig ist. Ihre Flyer sind aber gut gemacht und sehr menschlich. Sie zeigen auch Engagement – organisierten z.B. die Demonstration gegen „Rechtsextremismus“, auf der auch ich mitmarschierte.

Wenn ich eine Wahlempfehlung abgeben darf: wenn ihr schon Jusos wählt, dann wählt Listenplatz 12 – sonst lieber gleich mich. Wäre vermutlich noch transparenter 😉

Wie dem auch sei: morgen stelle ich „Die Grauen“ vor, deren Anliegen sehr zu unterstützen ist. Bis dahin komme ich hoffentlich auch mal zum Lernen!

 

Der Konstanzer Student – (un)politisch?

Dass ich mich an einer Universität statt in der Schule befinde, merkt man schon am alltäglichen Alltag und allem was dazu gehört.Nicht nur streikende Busfahrer gibt es in Konstanz, sondern auch protestierende Studierende.

Dabei wird Konstanz in allgemeinen und den Politik-und Verwaltungsstudierenden im Besonderen vorgeworfen, unpolitisch zu sein. Das mag auch stimmen, wenn man politisches Engagement auf rein parteipolitischer Ebene sieht.

Konstanzer Studierende engagieren sich aber auch politisch, bloß auf einer anderen Ebene. Sie schreiben ihre Meinung in der politischen Hochschulzeitung (deren Redaktionssitzung ich heute noch aufsuchen werde), helfen Kindern in Afrika durch vielfältige Aktionen, geben unentgeltliche Nachhilfe für Hauptschüler, machen sich Gedanken und veranstalten Aktionen über Nachhaltigkeit oder engagieren sich in der Vielzahl anderer Initiativen. Auch das ist Engagement – und dieses Engagement ist oftmals auch politisch motiviert. Es ist die reine Ausgangsrichtung „für“ etwas zu sein, sich für ein bestimmtes Ziel einzusetzen und es möglichst positiv umzusetzen.

In dieser Hinsicht ist z.B unter anderem der Berliner Student (schätzungsweise) anders. Für ihn heißt es, „gegen“ etwas zu sein. Diese Kontra-Haltung mündet in Demonstrationen, Protesten, Besetzungen. Das ist durchaus legitim. Man muss erst auf Mißstände aufmerksam machen, um sie verbessern zu können.

So eine Aufmerksamkeitserregung gelang auch den überwiegend aus dem Dunstkreis der linken Hochschulgruppe(n) stammenden Aktivisten Studierenden, die kurzerhand im Uni-Foyer ihre Zelte aufschlugen und dort seit mittlerweile 3 Tagen campieren, um auf die Konstanzer Wohnungsproblematik aufmerksam zu machen. Ob diejenigen tatsächlich alle ohne Wohnung sind, darf angezweifelt werden, zumindest in einem Fall der Übernachtenden ist mir gegensätzliches bekannt.

Doch so ein Aufmerksamskeiterregung ist sinnvoll. Zwar vergeht keine Woche, wo die Konstanzer Lokalzeitungen über das Thema berichten, Politiker vage Versprechungen machen und Studierende verzweifelt um eine Wohnung kämpfen, doch an dem Problem ändert sich nichts. Wird es auch nicht groß, wie ich in einen meiner nächsten Beiträge darlegen werde.

Halten wir also fest: der Konstanzer Student engagiert sich politisch auf einer anderen Ebene als es gemeinhin erwartet wird. Er ist eher pragmatisch und weniger visionär und aufgrund der Tatsache, die nicht günstigen Wohn- und Lebenshaltungskosten in Konstanz aufbringen zu können, eher postmaterialistisch eingestellt. Insofern wird sich auch nicht viel ändern, da der Großteil der Studierenden garnicht einsieht, warum sie denn protestieren sollten. Zeitverschwendung – ein zügiges, gut abgeschlossenes Studium – man ist ja schließlich Bachelor – und das Partyleben drumrum ist ihen wichtiger! Der Großteil hat ja schließlich eine Wohnung gefunden – da versteht man natürlich die, die keine haben, aber man selbst hat schließlich eine. Hört sich egoistisch an, ist aber nachzuvollziehen.

Manche linke Zeitgenossen mögen protestieren, das Foyer besetzen oder – wie letzte Woche bei der Begrüßungsveranstaltung des Rektors geschehen – das Audimax stürmen und in jenem Fall sinnvoll, aber theatralisch über das Kooperationsabkommen der Universität Konstanz mit EADS zu informieren. Grob gesagt bestehen Bedenken der Pazifisten, dass die Forschung der Uni Konstanz  Rüstungszwecken dienen könnte – es geht n der Kooperation nämlich um Satellitenforschung. Die Uni räumt das aus und verkündet froh die vielen Vorteile der Kooperation, der linke AStA (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss) – der eigentlich überall ja immer links ist – meint, dass hier Rüstungsforschung betrieben werde, die eklatant gegen geltende Gesetze und ethische Richtlinien verstoßen würde.

Wer von ihen Recht hat, vermag ich noch nicht zu sagen. Ich werde mich bemühen, ein Exemplar des Kooperationsvertrages zur Einsicht zu bekommen, schon allein um die Transparenz zu prüfen, die an der Uni leider nicht wirklich zu finden ist. Darüber werde ich in Zukunft auch noch berichten.

Um nicht völlig abzuschweifen möchte ich diesen Artikel nun beenden und hoffe, dass die Grundessenz meiner unstrukturierten Zeilen verstanden wurde und man es mir nachsieht, längst nicht auf alle möglichen Aspekte dieser reizvollen Fragestellung eingegangen zu sein. Ich bin schließlich Student und möchte mein Studium zügig und gut abschließen und mich nebenbei auch noch „für“ etwas engagieren. Genauso aber auch „gegen“ etwas, genauso werde ich mich parteipolitisch engagieren. In dieser Hinsicht entspreche ich vielleicht nicht dem typischen Konstanzer Studenten. Darüber ebenfalls bald mehr – wie man sieht, werden mir die Themen nicht ausgehen!