Wahlaufruf OB-Wahl Konstanz

Kurze Erinnerung aus Baden-Baden (übrigens wie Konstanz auch ein schönes Städtchen – noch etwas mondäner) : in ein paar Stunden beginnen die Wahlen zum Oberbürgermeister von Konstanz. Geht alle wählen – 43,8%  war zwar deutlich besser als die 13% für das StuPa an der Uni, ist aber ziemlich lächerlich.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich gemäß dem Vanhanen-Index zur Demokratiemessung Konstanz morgen einen hohen Demokratiegrad bescheinigen kann. Dafür muss die Wahlbeteiligung sehr hoch und das Ergebnis des besten Kandidaten möglichst niedrig sein. Ich schätze, um die 30-35% wird sich der Wahlsieger bewegen.

Da ich sonst ja immer soviel Glück habe, wette ich mal das Ergebnis. Ich glaube, es wird sehr knapp…

Sabine Seeliger: 32%

Sabine Reiser: 31%

Uli Burchardt: 28%

Mykola Neumann: 7%

Klaus Springer: < 1%

Roman Urban: <1%

Sonstige: <1%

Auf jeden Fall gibt es morgen Abend einen strahlenden Gewinner, der 8 Jahre lang Konstanzs Geschicke leiten darf. Es gibt viel zu bewegen: und man kann viel falsch machen!

Die Herausforderungen sind immens – die Frage ist, ob und wie sie angepackt werden. Bleibt Konstanz Rentnersruhesitzstadt oder verwandelt es sich tatsächlich in eine wirkliche Studentenstadt (Thema: Sperrstunde), bleibt es Touristen- und Einzelparadies und/oder wird es zu einem starken, ausdifferenzierten Wirtschaftsstandort. Die Uni ist exzellent geworden – mal schauen, obs Konstanz auch hinbekommt.

Also: Wählen gehen – ein wenig Propaganda muss sein! Ich bin gespannt.

OB-Wahlen in Konstanz: die Qual der Wahl

Während heute und morgen die Wahlen an der Uni laufen, bereitet sich ganz Konstanz auf die ungleich wichtigere Oberbürgermeister- Wahl am Sonntag vor, in der noch 6 verbliebene Kandidaten, davon mit ernsthaften Chancen nur noch 3, um Stimmen ringen.

Ich selbst bin das Wochenende garnicht in Konstanz, sondern nehme an der Deutschen Meisterschaft im Schachtennis teil, die in Baden-Baden stattfindet. Schach und Tennis kombiniert – da reicht es sogar gleich das Ticket zur Deutschen Meisterschaft zu lösen, wo ich aber sicher sang- und klanglos untergehen werde. Gerade schwang ich den Tennisschläger zum ersten Mal seit 20 Monaten wieder, was doch erstaunlicherweise gut ging: falls ein Konstanzer Leser dieses Blogs das Gefühl verspürt – ich habe jetzt richtig Lust regelmässig mal zu spielen!

Und während am Sonntag Abend die Freude über den Wahlsieg bei einer Person ganz groß sein dürfte, ist ein Mitfeiern meinerseits suboptimal, da ich bereits am Montag zur verbrecherischen Zeit von 8 Uhr morgens die erste Klausur schreiben darf. Thema: Analyse und Vergleich politischer Systeme

Un -Analyse und Vergleich, geschickt zur Überleitung genutzt, soll es nun auch in der Essenz dieses Artikels gehen. Wegen meiner beschriebenen Abwesenheit habe ich nämlich heute neben den Uni-Wahlen bereits meinen OB-Wunschkandidaten per Briefwahl gewählt.

Für mich war die richtige Wahl eine Qual – eine Qual der Wahl. Fernab jeglichen empirischen Anspruches und mit normativem Touch möchte ich nun versuchen darzulegen, welche Faktoren bei so einer Wahl bei mir eine Rolle spielen und wie die noch chancenreichen Kandidaten dort in meinen Augen abschneiden. Soviel sei schon verraten: ich halte niemanden der 6 Kandidaten für bedenklos wählbar und habe mich daher entschieden, die sehr sinnvolle Möglichkeit zu wählen, einen Wunschkandidaten vorzuschlagen. Der ist Sozialdemokrat, wohnt an der Seestraße, mag gern Monster-Trucks und strotzt mit Verwaltungskompetenz. Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der ihn wählt – auch wenn er in meinem folgenden Raster auch nicht unbedingt besser abschneiden würde.

Noch einmal kurz zu den Kandidaten der zweiten Runde der OB-Wahl: mit Chancen im Rennen sind noch Sabine Seeliger (grün), Sabine Reiser („unabhängig“, CDU-Mitglied) und Uli Burchardt (teilweise von CDU, FDP und FW unterstützt). Wer mit diesen nicht zufrieden ist und noch einen seriösen Kandidaten sucht, wird ihn mit den sicher chancenlosen Mykola Neumann  finden, der sein Ergebnis von 1% beim ersten Wahlgang nun deutlich verbessern dürfte. Verbleiben tun auch noch Klaus Springer und Roman Urban, deren Unwählbarkeit ich aber von vornherein annehme. Diese Beiden werde ich daher auch ausblenden.

Nun – wie wählt der Bürger? Wie wähle ich?

Theorien, die ich schon lernen durfte, sind z.B. das Medianwählermodell von Anthony Downs, das davon ausgeht, dass Wähler rein rational die Partei wählen, die ihnen am meisten Nutzen verspricht. Die Annahmen (Zweiparteiensystem, jeder geht zur Wahl, keine inhärenten Parteipräferenzen) lassen sich aber nur schwer mit dieser Oberbürgermeisterwahl in Einklang bringen. Ähnlich sieht es mit der Theorie von Wählerklienteln aus, die vielleicht bei Bundestagswahlen einen Wahrheitsgehalt haben mag, auf Persönlichkeitswahlen wie es Oberbürgermeister-Wahlen sind jedoch geringen Einfluss haben.

Doch was hat Einfluss? Für mich spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle in meiner Wahlentscheidung.

1. Ideologie

Von Ideologie bin auch ich nicht verschont: sie spielt eine wichtige Rolle bei jeder Wahl. Gehört der Kandidat zur In-Group meiner Ideologie, so ist er deutlich eher wählbar als wenn er es nicht ist. Bedauernswerter Weise aber erwartbar ist dies bei keinem der Kandidaten der Fall. Sabine Seeliger ist meiner Ansicht nach recht typisch linksgrün, Frau Reiser betont bürgerlich- modern, aber konservativ, und Uli Burchardt ebenfalls bürgerlich-modern und konservativ, aber mit liberalerem und auch linksgrünen Touch (er wirbt mit einer attac-Mitgliedschaft). Mykola Neumann können wir eine gewisse Nähe zur Piratenpartei zusprechen, die ja nach Selbsteinschätzung ideologielose Politik machen möchte, was ihr jedoch zunehmend seltener gelingt.

 

 

2. Inhalte

Eng verknüpft mit der Ideologie sind auch immer die Inhalte, mit dem ein politischer Kandidat um Stimmen wirbt. Nach der Ideologie richten sich meist auch die politischen Positionen aus. Und manch auf dem ersten Auge gleiche Position zweier Kandidaten beruht auf völlig unterschiedlichen Ideologien und damit auch Gründen. Inhalte sollte man also nicht isoliert betrachten, sondern immer im größeren Kontext. Die Glaubwürdigkeit soll in dieser Dimension jedoch keine Rolle spielen.

Was konkret die Inhalte der OB-Kandidaten angeht, reicht dies von „geht garnicht“ bis „ganz passabel“. Sabine Seeliger disqualifiziert sich durch Forderung einer City-Maut und als Gegnerin des B33-Ausbaus als Autobahn, auch wenn sich in ihrer studentenfreundlichen Politi viel Unterstützenswertes findet. Nicht anders sieht es bei den 3 anderen Kandidaten aus: man wird immer etwas finden, das einem gut, und was einem schlecht gefällt. Und jeder Wähler muss dies für sich selbst entscheiden…

 

3. Persönliche Integrität

Diese Dimension finde ich am Wichtigsten. Was nützen alle Versprechungen, wenn es nur leere Worte sind?Persönliche Integrität heißt für mich, dass Werte und Worte von Kandidaten im Einklang mit ihrem tatsächlichen Handeln stehen. Es wird immer mal unvorhergesehene Ereignisse geben, durch die gemachte Versprechungen nicht gehalten werden können. Wesentlich ist dann, wie damit umgegangen wird.

Bei den OB-Kandidaten ist diese Frage subjektiv schwer zu beurteilen, da sie auf politischer Ebene noch nicht groß in Erscheinung getreten sind. Da hat man es auf bundespolitischer Ebene deutlich einfacher (und wird überall enttäuscht). Trotzdem ein paar Worte zu den Kandidaten:

Sabine Seeliger habe ich in dieser Beziehung nichts vorzuwerfen. Ganz im Geggenteil finde ich, dass ihre finanzielle Unterstützung der Klage gegen das Glasverbot am Seerhein genau diese persönliche Integrität zeigt. Einsatz für eigene Werte und politische Glaubensvorstellungen auch über die Politik hinaus. Ins gleiche Horn stößt auch ihr Einsatz für Bio und erneuerbare Energien. Auch wenn ich das nicht unterstützenswert finde, so imponiert doch eine gewisse Kohärenz zwischen Ideologie und Handeln.

Bei Sabine Reiser sieht es anders aus. Ihre Integrität scheint darauf hinauszulaufen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln endlich gewählt zu werden. Mit allen Mitteln bedeutet auch zu vielleicht eher unlauterer Werbung zu greifen: sie schaltete eine ganzseitige Anzeige auf der Titelseite des Konstanzer E1NS-Magazin, der von diesem jedoch als objektiver Artikel verkauft wird, indem sie extreme, teils lächerliche Selbstdarstellung betreibt. Ein Konstanzer Blogger weiß hier Näheres zu berichten – ein Klick lohnt sich: http://crashsource.de/1102-ob-wahlkrampf-in-konstanz-sabine-reiser/

Auch Uli Burchardt mag man vorwerfen, die Wähler täuschen zu wollen. Er kokettierte mit seinem Engagement bei den Globalisierungskritikern von „attac“, das sich laut Konstanzer Aktivisten  jedoch allenfalls auf eine schnell im Internet erworbene Mitgliedschaft beschränkt: http://www.koch.ro/blog/index.php?/archives/157-Uli-Burchardt-und-ATTAC.html

Auch sein „Engagement“ in anderen Vereinen scheint eher gering auszufallen. Um jedoch auf „attac“ zurückzukommen: warum meint Herr Burchardt das eine „attac“-Mitgliedschaft so toll ist? Für mich disqualifiziert ihn nicht nur diese Falschaussage, sondern schon die Idee einer „attac“-Mitgliedschaft an sich. Bei seiner Nachhaltigkeitsausrichtung ist es zumindest nachvollziehbar. Herr Burchardt scheint auch den gewissen Typus eines Selbstdarstellers einzunehmen, der als Marketing-Fachmann sich damit ja bestens auskennend, manchmal so wirkt, den Wahlkampf als Plattform benutzend eher sein Buch „Das Manufactum-Prinzip“ zu bewerben statt sich um die Belange von Konstanz zu kümmern.

Über Mykola Neumann kann ich an dieser Stelle nichts Schlechtes schreiben, da mir nichts bekannt ist. Ihn schätze ich aber – er ist schließlich Rechtsanwalt – in dieser Beziehung aber als sehr solide ein.

 

4. Bürgernähe

Ein entscheidender Faktor für mich ist die Bürgernähe. Und zwar nicht nur die Anschein erweckende während des Wahlkampfes, sondern die dann tatsächliche als Oberbürgermeister. Alle Kandidaten reden schließlich von mehr Partizipation – die Frage ist ob sie es auch umsetzen.

Während des Wahlkampfes kann man fehlende Bürgernähe gleichwohl niemanden absprechen: gerade Sabine Reiser zeigt sich da sehr bemüht – heute lag wieder Wahlwerbung im Briefkasten – wirkt dabei jedoch im Gegensatz zu Sabine Seeliger nicht wirklich authentisch, sondern sehr gekünstelt. Mit perfekt einstudiertem Lächeln vermag sie mich nicht zu vereinnahmen. Wie wichtig Bürgernähe ist, sieht man auch an der Tatsache, dass sie nach der Podiumsdiskussion an der Uni Gespräche plötzlich abbrach, weil „wichtige“ Personen gerade in der Nähe waren, denen sie sich widmen wollte. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

In der Beantwortung von Anfragen zeigte sie sich jedoch immer sehr rasant- gleichwohl sicher ein großes Team dahinter steht. Ähnlich bei Sabine Seeliger. Uli Burchardt hat sicher auch ein großes Team, die Anfragen werden hier aber längst nicht so zügig bis garnicht beantwortet. Mykola Neumann muss man hier in Schutz nehmen -als Einzelkämpfer, der dazu noch weiter seinem Beruf nachgeht, hat er es nicht gerade leicht. Vielmehr ist sein Engagement zu bewundern.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob man den zukünftigen Oberbürgermeister auch einmal unter „normalen“ Konstanzern sieht oder nur in der High-Society.

 

5. Charakter und Sympathie

Ist schon fast sowas wie ein Gesamteindruck und je nach Mensch unterschiedlich. Aber wohl immer sehr bedeutend. Für wen ich Sympathie hege und für wen eher nicht ist sicher schon deutlich geworden.

 

6. Rationales

Als gnadenloser Kosten-Nutzen-Maximierer wägt man bei seiner Wahlentscheidung sicherlich auch die Vor- und Nachteile des Kandidaten für sich ab. Frau Seeligers glaubwürdiger Einsatz gegen das Glasverbot und eine zeitliche Ausweitung der Sperrstunde sind für einen Studenten sicherlich positiv zu beurteilen. Allerdings sollte man nicht nur an sich denken – gerade wenn man ohnehin in Konstanz nur für kurze Zeit seinen Lebensmittelpunkt hat. Ein Oberbürgermeister, der mich nur ein Jahr „regiert“ und der auf mein unmittelbares Leben ohnehin kaum Einfluss hat, führt dazu, dass einem eigentlich egal sein kann, wer Oberbürgermeister wird. Man kann dies dann so oder so sehen: Verantwortung übernehmen und das Wählen, von dem man sich das Beste für alle erhofft. Oder man entzieht sich der Verantwortung – meiner Meinung in diesem Fall durchaus legitim – und lässt die dauerhaft hier lebenden Konstanzer entscheiden, während man selbst nicht zur Wahl schreitet oder aber den Stimmzettel ungültig macht/ einen Wunschkkandidaten vorschlägt, um zumindest die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Daran nämlich könnte es auch liegen, dass die Wahlbeteiligung, gerade unter Studierenden, aber auch in der Forschung, eher gering ist. Es macht da einen Unterschied, ob man noch 4 Jahre in Konstanz vor sich hat, weil man gerade mit dem Jura-Studium angefangen hat oder aber in meinen Fall weiß, im nächsten Jahr um diese Zeit Konstanz bereits verlassen zu haben und auch nur noch für eine kurze Periode zurückzukommen.

 

 

Das war es dann auch eigentlich schon, was mich merklich in meiner Wahlentscheidung beeinflusst. Die ganzen Dimensionen werden vermixt, ihr Anteil ist jedoch immer dynamisch, die Gesamtentscheidung spiegelt das Ganze nur so ungefähr wieder. In Bundestagswahlen sind die Dimensionen noch etwas umfangreicher, in Oberbürgermeister-Wahlen müssen sie ausreichen. Es ist ja auch auch nicht so, dass ich das jetzt haargenau so durchgehe, sondern ein Versuch selbst einmal niederzuschreiben, wie man eigentlich zu einer Wahlentscheidung kommt.

Meine ist nun so, keiner dieser Spitzenkandidaten zu wählen. Am ehesten würde mir momentan tatsächlich noch Sabine Seeliger zusagen. Mit meinem Gewissen kann ich es aber absolut nicht vereinbaren, eine linksgrüne Kandidatin zu wählen. Da ist die Ideologie doch stärker, die Emotion siegt über die Rationalität!

Wie auch immer: am Sonntag Abend wissen wir alle mehr. Für Konstanz wird das Ergebnis einschneidend sein. Mittlerweile sehe ich einen Farbwechsel nicht mehr sehr euphorisch entgegen – vielleicht sollte Konstanz tatsächlich grün bleiben. Bei den Inhalten der Kandidaten wird es das aber ohnehin. Wer sich übrigens noch einmal einen Eindruck von den Kandidaten verschaffen möchte: am Freitag von 11-15 Uhr ist ein offenes Forum an der Universität, wo man noch einmal mit allen ins Gespräch kommen kann – so ist jedenfalls der Anspruch dieser Veranstaltung…

Auch hier wieder der Aufruf: geht am Sonntag wählen, auch wenn es Euch nicht anzugehen scheint! Notfalls macht tatsächlich vom Vorschlagsrecht Gebrauch und wünscht Euch Harry Potter herbei…

Vor den Wahlergebnissen am Sonntag freue ich mich jedoch erst einmal auf die morgen. Ein Sitz, besser zwei, sollten für die Liberale Hochschulgruppe wohl drin sein. Wer noch nicht gewählt hat, sei auch dies ans Herze gelegt, dies morgen noch zu tun!

 

 

 

 

OB-Kandidaten-Vorstellung: Mykola Neumann

Da gabs heute doch noch 2 Antworten im Postfach: Mykola Neumann und Uli Burchardt. Erstere kommt jetzt auch zuerst, letzterer in 2-3h noch, samt einem kleinen Ausblick.

Ich bin in Eile, deshalb schnell: Mykola Neumann ist Anwalt, wohnt seit seinem Jura-Studium in Konstanz, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Weitere Infos hier: http://www.mykola-neumann.info/standpunkte.html

Kommen wir gleich zu den Antworten:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Niemand, ich zahle alles selbst. Das sind ziemlich genau 2.000 € (Twizy Mobil, Flyer- und Plakatdruck, Webspace).
Alles andere wird selbst gemacht (Fotos, Flyerlayout, Plakatlayout, Webseitenprogrammierung).

 

Immerhin 2000€ Eigenbudget.

 

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Politisch ihre direkte Demokratie und menschlich ihre Freundlichkeit.
Kulturell ihre Schokolade und die herrlichen Berge.

Auch endlich mal jemand, der die Berge liebt.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
- gerade auch von Studenten. Diese brauchen - gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten - völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Die Kosten muss die Stadt weiter übernehmen. Wer ehrenamtlich arbeitet darf nicht auch noch dafür zahlen müssen.
Ich bin für eine Einrichtung einer Koordinationsstelle (wenigstens Halbtags) für ehrenamtliche Tätigkeit. Das würde auf Dauer sicher der Stadt mehr einsparen, als es kostet. Wir werden noch viel mehr Ehrenamt aufgrund der demographischen Entwicklung brauchen.

Ist er nicht der einzige.

 

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

 

Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):

1. Schweizer: bringen Geld und Leben in die Stadt, wichtig, sind unsere freundlichen Nachbarn
2. Touristen: bringen Geld und Leben in die Stadt, auch sehr wichtig, sind auch freundlich, aber regelmäßig nicht unsere Nachbarn
3. Studenten: Machen die Stadt jung und halten sie lebendig (war selber mal einer hier).
4. Solaranlagenbauer: Bringen hoffentlich noch lange Geld in die Stadtkasse. 
5. Bodenseefelchen: Mmmh,lecker, gibt´s bei uns am Bodensee. 
6. Papst: Hat für Millionen gläubige Katholiken eine zentrale Bedeutung, wohnt aber nicht in Konstanz.
7. Oberbürgermeister: Steht hier an letzter Stelle, ein guter Schluss ziert alles ;-)



5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 2020"
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee derRegion nachhaltig Impulse verleihen würde."
Würden Sie diese Idee unterstützen - gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Grundsätzlich ja. Jede Idee in dieser Richtung sollte gedacht werden. Attraktionen ziehen Gäste an. Ich frage mich nur, wie groß so ein Schiff sein muss oder darf, damit es ein Kreuzfahrtschiff ist, welchen Tiefgang es überhaupt haben darf. Und ich würde mir wünschen, dass die Attraktion darin besteht, dass es dicht mit Solarzellen bedeckt ist und Brennstoffzellen an Bord hat, also elektrisch fährt. (Klar doch, Solarzellen reichen da nicht,  aber es wäre ein Symbol und das Schiff müsste halt Ökostrom tanken.)

Das Nachhaltigkeitsdenken scheint „in“ zu sein.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von "Freiheit"?

Nur die Gedanken sind wirklich frei, Freiheit ist für mich ein Gefühl, z.B. wenn ich auf einem hohen Berg sitze und bei Sonnenschein und klarer Luft über die Alpengipfel schaue, oder wenn ich hoch am Wind bei herrlichem Wetter am Ruder eines Segelboots stehe und genieße.

Doch folgende Zitate sind mir im Hinblick auf unsere Freiheit wichtig:

Artikel 2 Grundgesetz

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

und

Die Fähigkeit, das Wort „Nein“ auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.

(Nicolas Chamfort)

und da wäre

noch dieser Liedtext

Die Freiheit

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo,
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh.
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn,
da ging ich hin, um mir das näher anzusehn.

„Nicht füttern“ stand auf einem großen Schild
und „bitte auch nicht reizen, da sehr wild!“
Erwachsene und Kinder schauten dumm,
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm.

Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit!“ sagte er zu mir,
„die gibt es jetzt so selten auf der Welt,
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“

Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr!
Ich seh ja nichts, der Käfig ist doch leer!“
„Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag!
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr.
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein,
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

G. Danzer / G. Danzer

Erst dachte ich: der typische Jurist. Jetzt denke ich: er ist auch ein Poet 😉

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?

Sehr schwierige Frage, weil jeder der Kandidaten etwas besonderes ist. Die menschliche / freundliche Art und / oder die beruflichen Fähigkeiten sind da zu nennen. Oder die Art sich zu präsentieren. Ich würde wohl Benno Buchczyk als Pirat wählen, weil er ein sehr guter Redner ist und die Bürgerbeteiligung und Transparenz in seiner Partei ganz oben steht, und er als Verwaltungswissenschaftler gute fachliche Grundlagen mitbringt.

Die beiden kennen sich ja auch durch Stammtische der Piratenpartei.

Dort habe ich auch mal mit Mykola Neumann geredet. Er ist ein sympathischer Kandidat, dem ich aber nicht meine Stimme gegeben habe. Die Konkurrenz ist einfach zu groß 😉

Dabei will ich es auch belassen: bis später, mit Uli Burchardt…

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sylvia Großmann

Deutschland hat verloren, doch die Traurigkeit hält sich in Grenzen. So richtige EM-Stimmung kam ohnehin bei mir wenig auf.

Widmen wir uns nun der Kandidatin Sylvia Großmann, der aktuell letzten Person, die mir meine Fragen beantwortet hat. Von Uli Burchardt ist nichts zu hören – dem nimmt der Sükurier ja auch seine Arbeit ab…

Apropros Fragen: die kann man sich leider nicht patentieren lassen, weshalb einige andere auch auf den Zug aufgesprungen sind, wobei doch durchaus interessante Antworten herauskamen.

http://www.see-online.info/category/obwahlkn2012/ ist auf die 5 chancenreichsten Kandidaten beschränkt.Sehr fair…

Deutlicheren Mehrwert hat da die Website der Bewegung „Occupy Konstanz“, die doch recht kontrovers diskutierte Themen wie „Bedingungsloses Grundeinkommen“ und einiges anderes abfragen. Die bisherigen Antworten, unter anderem von Roman Urban,  findet man hier: http://www.occupykonstanz.de/

Auch Frau Großmann hat dort schon geantwortet. Die 53-jährige studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin  ist derzeit Besitzerin eines Geschäfts in den Konstanzer Innenstadt, hat in ihrem Leben aber schon viel anderes gesehen. Vor allem engagierte sie sich als Unternehmensberaterin und  im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Südamerika, ehe sie Konstanz wieder  für sich entdeckte, wo sie seit Jahren nun auch Stadtführerin ist. Sie kennt sich also aus! Weitere Infos hier: http://www.sylvia-grossmann.de/index.html

Kommen wir auch gleich zu ihren Antworten – die schlechte bzw. andere Formatierung bitte ich zu entschuldigen, irgenwas klappt heute nicht, wie es sollte.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich 
mit wessem Geld Ihren Wahlkampf? 
Ich selbst mit meinem Geld. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Ich will keine Verpflichtungen eingehen, aus denen die Geldgeber 
nachher Forderungen an mich bzw. mein Amt ableiten.

Konsequent und eigentlich auch richtig:
Erfolg hat man damit jedoch kaum.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. 
Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn? 
Die direkte Demokratie, 
das Sich-Behaupten-können im EU-Raum und 
den Unwillen, Hochdeutsch zu sprechen.

Gefällt mir auch gut. 
3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich 
in Konstanz - gerade auch von Studenten. Diese brauchen - 
gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten - 
völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. 
Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan 
noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. 
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte 
Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos 
bleiben? 
Selbstverständlich. Freiwilliges Engagement 
finanziell zu bestrafen, 
ist nicht akzeptabel.

 Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt? 
Die Stadt sollte wenigstens eine Halbtagsstelle für das 
Bürgerschaftliche Engagement einrichten.
Dies hat der Gemeinderat bisher leider verhindert.

Der Gemeinderat verhindert noch ganz andere Dinge. 
Bleibt zu wünschen, dass die Piraten und vor allem mal Studenten
jeglicher Couleur ihn aufmischen.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv 
empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):
1. Touristen:
 bringen Devisen und tragen die Bedeutung der Stadt in die Welt
2. Schweizer: bringen ebenfalls Devisen, sind aber sehr sparsam 
(eben Schwaben)
3. Studenten: beleben die Stadt und tragen ihre Bedeutung in die 
(wissenschaftliche) Welt 
4. Solaranlagenbauer: gehen nach China
5. Bodenseefelchen: kommen aus Japan
6. Oberbürgermeister: kommt hoffentlich aus Konstanz
7. der Staub unter meinem Bett: seit gestern Geschichte!
8. das Unkraut auf den Bahngleisen: juckt niemanden
9. Papst: wer oder was ist das, und wenn ja: welcher?

Nach Unkraut und Staub hatte ich nicht gefragt: aber jetzt sind 
wir alle schlauer. Ansonsten eine doch sehr treffende Analyse: 
wusste garnicht, dass die "Bodenseefelchen" nicht frisch gefangen
 sind, sondern tatsächlich aus Japan stammen sollen. Meine kurze 
Recherche findet aber nichts drüber: für mich bleiben 
Bodenseefelchen also Bodenseefische. Solaranlangenbauer nach 
China hat sie aber gut erkannt. Als Stadtführerin misst sie den 
Touristen die größte Bedeutung zu, den Papst scheint sie nicht so
 zu mögen. 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 
2020" gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee 
eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: 
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein 
Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse 
verleihen würde." Würden Sie diese Idee unterstützen - 
gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit? 
Das war ursprünglich und schon vor Jahren meine Idee...
Aber bitte nicht mit Dieselmotor, sondern mit Solarantrieb.

Ist das so? Dann glauben wir ihr das mal. 

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große 
Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde 
machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. 
Was ist ihre persönliche Definition von "Freiheit"? 
Die Freiheit jedes einzelnen hört immer da auf, wo die des 
anderen anfängt. 
Auch kategorischer Imperativ genannt.

Frei nach Kant. Warum nicht. Trifft meinen Geschmack.  

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten 
würden Sie am ehesten wählen und warum?
Nicht wählen würde ich Sabine Reiser und noch ein, zwei andere. 
Sonst könnte ich mir jede/n im Amt vorstellen. 
Man wächst mit seinen Aufgaben,
das gilt für das Amt der Bundeskanzlerin (siehe Angela von vor 10 Jahren)
und muss auch für die/den Konstanzer OB gelten.

Wer sind die ein zwei anderen? Ich habe da so eine Vermutung... 

Blöe Formatierung, die sich nicht ändern lässt. Frau Großmann ist 
abzunehmen, sich für die Belange der Konstanzer einzusetzen, 
teilt im Wahlkampf aber auch  gern mal aus. 
Wir dürfen gespannt sein, wieviel Prozente sie bekommt.

Morgen folgt nochmals eine kurze Vorstellung der übrigen Kandidaten und
ein Ausblick auf Sonntag. 
Ich mach jetzt Schluss, weil mich diese Formatierung voll frustriert 
und jeder Änderungsversuch nicht klappen möchte...

OB-Kandidaten-Vorstellung: Roman Urban

Die Mail von Thomas Linz kam bisher nicht, weshalb ich mich heute mit dem OB-Kandidaten Roman Urban fasse, obwohl mir von diesem garkeine Antworten vorliegen. Das ist aber auch garnicht nötig, gleichwohl es sicher amüsant wäre.

Eigentlich möchte ich Herrn Urban mit seinen Thesen ja keine Plattform bieten – aber ich bin ja ein pluralistischer Demokrat. Hatte nach der Podiumsdiskussion an der Universität ein nettes Gespräch mit ihm, was ich hier statt der Fragen & Antworten in Auszügen ausbreiten werde.

Wer ist Roman Urban? Der Esoteriker ist 33 Jahre alt, Philosophiestudent im wohl hoch zweistelligen Semester, als Beruf gab er wohl „Avurjeda“-Berater an und wohnt auf der Insel Reichenau. Weitere Infos mag man auf seiner Website finden (www.1hal.de), dazu viele Videos, die durchaus spannend anzusehen sind und die Realität aus Roman Urbans Sicht wiederspiegeln.

Roman Urban wird vorgeworfen, ein brauner Antisemit zu sein. Ohne ihn verteidigen zu wollen – er ist sicher kein Nazi! Aber ein sogenannter „Truther“ und Esoteriker, dessen Anti-Zionismus sich aus seinen Verschwörungstheorien speist. Für einen Vorgeschmack einfach mal seine Videos anschauen – bitte mit der nötigen kritischen Distanz. Von der heutigen Südkurier-Podiumsdiskussion im Konzil wurde er denn auch ausgeladen – verbreitete aber wohl vor dem Hause seine esoterischen Ansichten…

Truther breiten sich in Deutschland immer mehr aus, Blogs gibts genug von denen. Mit dem KOPP-Verlag sogar ein Publikationsorgan. Jetzt auch einen OB-Kandidaten, der den Konstanzern die Wahrheit näher bringen möchte.

Leider ist es so, dass auch libertäre Kreise oft von solchen Verschwörungstheoretikern unterwandert werden. Als ich mit jungen Ron Paul-Anhängern mal skypte, wandte ich mich nach ein paar Minuten mit Grausen ab. Esoterik ist zweiffellos interessant, aber man sollte es nicht übertreiben…

Sicherlich gibt es das ein oder andere, was verzerrt dargestellt wird oder schlicht unwahr ist: dafür  gibt auch plausible, wissenschaftlich abgesicherte Belege . Truther hingegen verstricken sich in ihren pseudowissenschafftlichen Verschwörungstheorien schnell in Widersprüche und diskreditieren so gleich alle ähnlichen Positionen mit.

Aber zurück zu Roman Urban, dessen Wahlprogramm aufgrund seiner Länge und Aussagekraft, welche fast mit dem der Piratenpartei zu vergleichen ist (;)), ich hier ausnahmsweise mal abspulen möchte.

Erstens fordert er im Namen der „Freiheit“  einen Hektar Land zur freien Verfügung für jede Familie. Da muss der Bodensee wohl zubetoniert werden, damit das klappt. Haus und Garten sind selbstverständlich auch dabei…

Zweitens Steuerbefreiung und Grundeinkommen für alle. Eigentlich recht realistisch. Einfach mal die Notenpresse noch ein bisschen mehr laufen lassen…

Weiterhin möchte er „aufklären“, also seine Wahrheiten verbreiten. Das gelingt ihm auch minder gut. Wir wissen ja alle, wie verstrahlt wir sind…

Regionale Selbstversorgung solls schließlich richten. Selbst nimmt er es damit aber nicht so genau: die nach der Podiumsdiskussion an der Universität verschenkten Erdbeeren waren nicht nur klein, gespritzt und undelikat, sondern wie er auch offen zugab weder regional noch selbst angebaut. Hätte mich auch gewundert…

Ansonsten war es ganz amüsant, der Wahrheit zuzuhören. Einer seiner Tipps für die Hobbygärtner unter meinen Lesern: nehmt Samen unter die Zunge 5 Minuten lang und denkt an sein Wachsen. Das wird in dem dann einprogrammiert und der Samen wird nur so sprießen. Obs klappt? Versuch macht kluch!

Mein förmliches „Sie“ schien ihm zu missfallen: „kannst mich ruhig duzen“! Machte ich natürlich gerne und probierte ihn zu verstehen, was nicht gerade einfach ist. Aber was ist an Wahrheit schon einfach?

In der Podiumsdiskussion sorgte er nicht nur bei mir für einen wahren Lachflash: seine charismatische Aura zog mich sofort in einen Bann und lockerte die sonst so ernste Anspannung etwas auf. Schade, dass seine Redezeit so begrenzt war…

Von den anderen Kandidaten wurde er höflich ignoriert: ausgerechnet der bürgerliche Kandidat Uli Burchardt zeigte sein demokratisches Verständnis und verabschiedete sich als Einziger per Handschlag von ihm. Meine 7 Fragen wollte er beantworten – gekommen ist noch nichts. Nützt wohl nichts auf dem Weg zur Wahrheit!

Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass man ihm seine Stimme besser nicht geben sollte. Das Schlimme ist: er ist kein Spaß-Kandidat, sondern sehr von seiner Agenda überzeugt! Aber absolut harmlos.  Seine Positionen stammen aus dem ganzen politischen Spektrum: mal liberal, mal sozialistisch, mal ökologisch und eigentlich auch recht spießig-konservativ.

Ich bin jedenfalls gespannt, wieviel Prozente er bekommen wird. In einer Studentenstadt weiß man ja nie. Protestwähler haben aber wahrlich genug andere Kandidaten zur Auswahl.

Morgen geht es dann hoffentlich wieder mit einen ernsthafteren Kandidaten weiter. Übrigens: heute ein neuer Rekord bei den Besucherzahlen (256). Freut mich, dass das Ganze hier auf so regen Anklang stößt…

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sven Zylla

Ich hätte es nicht gedacht, aber auch die OB-Kandidaten sind Nachtmenschen. So kam eben noch eine Mail von Sven Zylla hereingeflattert, der um Entschuldigung für die späte Antwort bittet. Sei ihm gewährt – die „unsichtbare Hand“ regelt den Beantwortungsprozess nämlich richtig gut. Thomas Linz hat mir in einer Mail angekündigt, nach der morgigen „letzten“ Podiumsdiskussion eine Antwort auf Frage 7 zu wissen und mir dann alles zu schicken.

Wie dem auch sei: heute beschäftigen wir uns mit Herrn Zylla.

Er stammt ursprünglich aus dem hohen Norden (Hamburg), wohin es ihn im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit (Verwaltung in Schleswig Holstein; Regierungsdirektor in Mecklenburg-Vorpommern) auch lange Zeit wieder verschlagen hat. Aufgewachsen ist er jedoch unweit in Gailingen am Hochrhein und studierte meinen Vorgängerstudiengang Diplom-Verwaltungswissenschaften, was ihn zweifellos als OB qualifiziert. Er ist SPD-Parteimitglied und setzt sich nicht nur als Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung für Juden in Deutschland ein. Weitere Infos wie immer hier:

http://sven-zylla.de/?page_id=160

https://twitter.com/#!/SvenZylla

Über sein Wahlprogramm lasse ich wie immer nicht aus, sondern widme mich gleich seinen recht ausführlichen Antworten:

1.

Das Wahlkampfbudget setzt sich etwa je hälftig aus Zuschüssen der SPD und aus Spenden zusammen. Die SPD hat in den vergangenen Jahren aus den Mitgliedsbeiträgen Rücklagen für die Unterstützung des OB-Wahlkampfes gebildet.

Etwas vage, da keine Zahlen. Sven Zylla ist SPD-Kandidat und sollte auch als solcher verstanden werden. Einer der wenigen Partei-Kandidaten, die sich auch dazu bekennen und nicht um jeden Preis meinen „unabhängig“ zu sein.

2.

Als Gemeinderat in Gailingen habe ich viel mit den Vertretern in unserer Schweizer Nachbargemeinde Dissenhofen zu tun gehabt. Mir gefällt an unseren Nachbarn, dass die persönliche Ebene sehr wichtig ist, also aus guter Zusammenarbeit auch schnell Freundschaften entstehen und dann Kontroversen auch leichter ausgetragen werden können. Ich schätze sowohl die demokratische und die pazifistische Tradition der Schweiz, manchmal auch ihren eigenwilligen Trotz.

Sven Zylla ist Pazifist. Die SPD bekanntlich ja nicht. Macht ihn sympathisch. Die Wertschätzung demokratischer Tradition und sogar des Trotzes auch.

3.

Vieles, was ich heute kann und bin, verdanke ich dem Ehrenamt. Ich war zwei Jahrzehnte in der DLRG-Jugend von der Orts- bis zur Bundesebene aktiv. Wir haben mit den Rettungsdiensten und der Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag geleistet, aber ich habe persönlich auch viel gelernt und mitgenommen: Freundschaften, gemeinsames Erleben und Kämpfen für die gemeinsamen Ziele, Auftritte vor 1.500 Menschen – das prägt und hilft.

Zu der konkreten Frage nach dem Führungszeugnis: Die Förderung der Jugendarbeit sollte die Kosten für Führungszeugnisse, die in einem Verein anfallen, mit abdecken.

Meine Worte. Kann ich alles voll unterschreiben!

4.

Solaranlagenbauer – die breite Aufstellung der Konstanzer Wirtschaft ist ihre Stärke, dafür steht auch der Handwerker, der Solaranlagen auf das Dach bringt.

Oberbürgermeister – Alle – jung und alt, Menschen mit und ohne Behinderung, Alteingesessene und neu Dazugezogene, arm und reich – alle haben ein Recht darauf, sich in Konstanz wohlzufühlen. Als Oberbürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass sie alle zu diesem Recht kommen. Als Kopf der Verwaltung und Mitglied des Gemeinderates kann ich meine langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von Politik und Verwaltung hierfür einsetzen.

Studenten – Die Hochschulen prägen die Stadt kulturell und wirtschaftlich und sind ein Pfund, mit dem wir weiter wuchern sollten.

Touristen – ein weiteres wichtiges Standbein der Wirtschaft in der Bodenseeregion, nur mit einer gemeinsamen Vermarktung der Region können wir weiter gewinnen.

Schweizer – Die Zusammenarbeit mit allen unseren Nachbarn, auch denen in der Schweiz, ist auf allen Politikfeldern wichtig, wie man zum Beispiel auch an dem grenzüberschreitenden Programm des Theaters in der kommenden Spielzeit sieht. Ich habe mich bereits mit Stadtammann Netzle getroffen, genauso wie mit den auf deutscher Seite benachbarten Städten und Gemeinden Kontakt aufgenommen. Die Basis für gute Nachbarschaft ist der regelmäßige persönliche Kontakt.

Papst – Für einige Konstanzerinnen und Konstanzer mit Sicherheit am Wichtigsten. Für evangelische Christen wie mich, für Muslime wie meine Frau, für Atheisten, Juden, Hindus, Buddhisten und Menschen mit anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen spielt der Papst im Gegensatz zum Martinstag 1417 nur noch eine untergeordnete Rolle, wenn es um das tägliche Leben in Konstanz geht.

Bodenseefelchen – Konstanz ist nicht nur Hochschulstandort mit Blick in die weite Welt, sondern wegen seiner Bodenständigkeit sehr liebenswürdig. Stadt und Region haben viele kulinarische Köstlichkeiten zu bieten, Bodenseefelchen gehören mit dazu.

Die Frage scheint echt gut zu sein, da die Antworten allesamt differieren. Sven Zylla gibt sich mit der Wertschätzung der Solaranlagenbauer einen grüneren Anstrich als Frau Seeliger, gleichwohl ich die Sicht einer breiten Aufstellung der Konstanzer Wirtschaft nicht teilen würde. Auch dem Oberbürgermeister kommt eine herausragende Stellung zu bei ihm: er ist halt Verwaltungsprofi und weiß um seine potenzielle zukünftige Bedeutung! Studenten, Touristen und Schweizer folgen, der Papst ist für ihn nicht, gleichwohl aber sicher für andere wichtig, wie er betont. Bodenseefelchen als Sinnbild für die Konstanzer Bodenständigkeit trotz universitäter Internationalität  ist auch eine nette Metapher.

5.

Als langjähriger Bürger der Hafenstadt Kiel denke ich bei Kreuzfahrtschiffen zunächst an Dimensionen, die ich mir auf dem Bodensee nicht vorstellen kann…

Endlich mal jemand, der die Frage so beantwortet, wie ich es wollte. Die Kieler Kreuzfahrtschiffe wären tatsächlich etwas überdimensioniert.

6.

Freiheit ist ein zentraler Grundwert, denn ohne Freiheit kann der Mensch sich nicht entfalten, das heißt als Bürgerin und Bürger aktiv in der Gesellschaft teilhaben und demokratisch mitbestimmen. Das wissen insbesondere diejenigen, die in undemokratischen Staaten gelebt haben. Und für mich gilt auch der Grundsatz, die eigene Freiheit so zu nutzen, dass sie nicht die Freiheit der anderen unangemessen einschränkt. Die Freiheit der Berufswahl beispielsweise ist erst dann erreicht, wenn die Herkunft eines Kindes nicht mehr darüber entscheiden, ob es in der Schule und darüberhinaus Erfolg hat.

Zum Glasverbot ist zu sagen, dass die Verantwortungslosigkeit von ganz wenigen nicht die Einschränkung der Freiheit aller rechtfertigt, wenn andere Wege offen stehen. Die sehe ich in dem Engagement der Nachtwanderer, im Dialog zwischen Jugendlichen und Anwohnern, und letztlich auch in der konsequenten Durchsetzung der bereits ohne Glasverbot geltenden Regeln.

Für einen SPD-Mann gefällt mir diese ausführlichere Definition von Freiheit mit leichter Einschränkung durch den letzten Satz des ersten Absatzes doch sehr gut.

7.

Andreas Kaltenbach. Er ist derjenige meiner Mitbewerberinnen und Mitbewerber, der das Soziale Miteinander in der Stadt ebenfalls besonders hervorhebt.

Klare Worte von Sven Zylla. Andreas Kaltenbach ist, übrigens ja schon mehrfach von anderen Kandidaten genannt, sicher keine verkehrte Wahl!

Sven Zylla, den ich als SPDler eigentlich erst kategorisch ausschloss, jedoch auch nicht. Seine Antworten klingen intelligent und sympathisch, seine Vita und Taten sprechen für ihn und er kam auch bei der Podiumsdiskussion gut für mich rüber. Ein weiterer Anwärter für meine Stimme also – bald muss ich mich schon entscheiden, so schwierig hatte ich es aber noch nie.

Morgen geht es dann wohl weiter mit dem studentischen Kandidaten Thomas Linz.

OB-Kandidaten-Vorstellung: Benno Buchczyk

Heute stelle ich Benno Buchczyk und seine Antworten auf meine Fragen nochmals vor: leider habe ich von den anderen Kandidaten bisher noch keine Rückmeldung bekommen – ich hoffe also, da passiert noch was…

Benno Buchcyzk, 41 Jahre alt, wurde in Schlesien geboren, seine Familie floh 1971 nach Deutschland und er wuchs in verschiedensten Städten in Baden-Würtemmberg auf, absolvierte nach dem A bitur Zivildienst in den Neckartalwerkstätten der Caritas Stuttgart und zog dann zum Verwaltungswissenschaften-Studium nach Konstanz. Momentan arbeitet er bei einem Finanzdienstleister in Singen. Weitere Informationen wie immer z.B hier:

http://www.oderbenno.de

https://twitter.com/oderBenno/status/

https://www.facebook.com/oderbenno

 

Benno Buchczyk ist Mitglied der Piratenpartei und war zur Zeit meines Eintrittes dort Vorsitzender. Ich erlebte ihn als engagiert, Neuen gegenüber aufgeschlossen und um sachliche Diskussionen unter Einbindung aller Beteiligten bemüht. Kurzum Fähigkeiten, die auch einen Oberbürgermeister meiner Meinung nach auszeichnen. In letzter Zeit zog er sich, wie ich, auch bedingt durch seinen Umzug nach Singen etwas zurück, wird aber mit 56% Zustimmung der Mitglieder von der Piratenpartei Konstanz bei seiner Kandidatur unterstützt. Benno Buchczyk vertritt meinem Empfinden nach stark Ideale der Piratenpartei wie Partizipation und Transparenz, ist andererseits aber eher bürgerlich-liberal und setzt auf Leistung statt Bevormundung.

Ein neutraleres Bild mögen freilich seine Antworten auf meine Fragen liefern:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Ich mit meinem.
Kurz und knackig. Sein Budget ist nicht gerade hoch, weshalb ihm das abzunehmen ist.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Ich gehe davon aus, dass es nicht DEN Schweizer gibt.
Mein Freund, den ich seit mehr als 20 Jahren kenne, ist Schweizer.
Ich schätze ihn so, dass die Nationalität keine Rolle spielt.
Der erste, der er sagt. Nein, es gibt nicht DEN „Schweizer“ – das denke auch ich nicht. Antworten hätte ich trotzdem gut gefunden.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Zum erweiterten Führungszeugnis: nach meinen Recherchen betragen die Kosten in Konstanz 13,00€. Diese Summe halte ich für vertretbar.
Generell Ehrenamt: ehrenamtliche Arbeit, bürgerschaftliches Engagement sind eine wichtige Säule unserer Gesellschaft. Dieses Engagement muss vom Staat gefördert werden. Allerdings dürfen staatliche Aufgaben nicht auf ehrenamtliche Tätigkeiten abgeschoben werden.
Auf die momentane Situation mag dies zutreffen. Danach habe ich aber nicht gefragt. Letzten Satz finde ich eher befremlich, da genau das doch im Augenblick und schon seit Jahren passiert. Was allerdings garnicht so schlimm, da meilenweit effektiver ist…

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

spontan und ohne Begründung:
Studenten
Bodenseefelchen
Oberbürgermeister
Schweizer
Touristen
Solaranlagenbauer
Papst
Bodenseefelchen an zweiter Stelle: ist das auch biologischer Sachverstand (vgl. Sabine Seeliger) oder nur Lust am kulinarisch zweifelhaften Genuss? Auch als Oberbürgermeister schätzt er sich für einen Piraten ungewöhnlich stark ein. Eine Begründung hätte mich da interessiert. Das Touristen so schlecht wegkommen, mag sie verägern, aber sie wählen ja eh nicht. Der Papst bildet, hinter der Solarbranche, mal wieder wie üblich das Schlusslicht. Schade, dass kein Hardcore-Katholik kandidiert…

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Ich habe diese Stelle nicht gefunden.
Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee? Nun ja, die Sonnenkönigin fand ich schon zu überdimensioniert.
Falsches Dokument genommen, dabei war ich doch eigentlich recht präzise. Aber die Überdimensioniertheit, die die Landschaft verschandelt, spricht er immerhin an.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Selbst Entscheidungen zu treffen.
Eine interessante Definition von Freiheit, nahe an der der Piratenpartei. Wie deren Programm aber nur sehr vage…

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Ich schätze das Wahlgeheimnis.
Ein echter Demokrat! Ich schätze aber, er würde am ehesten Uli Burchardt wählen, auch wenn man meinen mag, dass Piraten und das bürgerliche Lager nicht so recht zueinander passen. In Konstanz verschwimmen da aber ohnehin die Grenzen.
Jetzt widme ich mich lieber meinen Essay mit Abgabeschluss am Montag und rate Euch, sich mal wieder das Wahlprogramm anzuschauen, das Benno Buchczyk meiner Meinung nach glaubwürdug verkörpert und auch umsetzen kann. Er ist neben Uli Burchardt und Andreas Kaltenbach jedenfalls in meiner engeren Wahl – entschieden ist jedoch noch nichts.

 

OB-Kandidaten-Vorstellung: Andreas Kaltenbach

Jetzt bin ich wieder in Herford und kann die Konstanzer OB-Kandidaten nur beglückwünschen, sich für die Stadt am Bodensee entschieden zu haben. Hier oben ist es eisig kalt, es gibt keinen großen See, keine hohen Berge, keine schöne Stadt, aber immerhin Industrie! Aber es ist meine Heimat: Ostwestfalen ist ein schönes Fleckchen Land und hat auch seine schönen Seiten, besonders wenn mal die Sonne scheint!

Heute möchte ich aber nicht über Herford quatschen (wo der nächste Bürgermeisterwahlkampf noch auf sich warten lässt), sondern den nächsten Kandidaten vorstelleb: entgegen der gestrigen Ankündigung ist das heute Andreas Kaltenbach.

Mit ihm hatte ich gestern nach der Podiumsdiskussion noch kurz gesprochen, schickte ihm gestern Nacht noch die Fragen und hatte sie heute mittag – noch in Konstanz – bereits zurück.

Bereits gestern machte Herr Kaltenbach einen sehr guten Eindruck auf mich, was sich durch die Beantwortung meiner Fragen weiter gefestigt hat. Er ist jedenfalls im ganz engen Zirkel für meine Stimme.

Der 54-Jährige, der bei der AOK arbeitet, ist Ur-Konstanzer und besonders der Tradition der Fasnet sehr verbunden. So ist er Zunftmeister der Konstanzer „Blaetzlebuebe“. Aber Tradition heißt nicht konservativ: Kaltenbach ist bürgerlich, aber modern. Seine  Forderungen wie z.B nach „Bürgerforen“ zeigen dies. Die schaut man sich am besten mal selbst an. Z.B hier:

http://andreaskaltenbach.de/

Video: 10-minütige Vorstellung  im Konzil: http://www.youtube.com/watch?v=5hqpfjePh_o

 

Dann wollen wir jetzt auch gleich mal wieder zu den Fragen und Antworten kommen. Mich freut übrigens sehr, dass dies auf so breite Resonanz stößt. Allein heute weit mehr als 200 Aufrufe dieses Blogs!

 

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Ich finanziere meinen Wahlkampf ausschließlich selbst.

Ich habe einen Gastronomen als guten Bekannten, der sich aus Überzeugung beteiligt, aber mein Budget ist sehr klein.

Vom Plakate kleben bis zum Prospekte verteilen bin ich ständig selbst unterwegs !

Nimmt man ihn ab. Ein unabhängiger Kandidat, tief verwurzelt in Konstanz, aber ohne großes Budget, Woher auch?

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Verlässlichkeit

2. Den Schweizer Franken, denn damit halten sie die örtlich Wirtschaft am Laufen

3. Die „grundsätzliche Verwandtschaft im alemannischen Sprach und Wirtschaftsraum“ (dazu stehen die Ostschweizer auch)

Verlässlichkeit ist eine Tugend, die in Deutschland nicht mehr viel gilt. Ich hoffe, glaube aber auch, dass Andreas Kaltenbach diesen Anspruch an sich selbst erfüllt. Der Schweizer Franken ist natürlich auch eine schöne Währung: nicht nur das Giralgeld und die echtwertigen Münzen sid ästhetisch, sondern auch, was man mit ihr anstellen kann, wenn bald der Euro liquidiert ist. Die Betonung der Verwandtschaft – Fasnet wird schließlich auch in der Schweiz gefeiert – gefällt mir auch. Fehlt nur noch, dass der Kreis Konstanz neuer Kanton der Schweiz wird. Dann hätten wir gleich automatisch mehr Bürgerbeteiligung, bloß kaum noch Einzelhandel…

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Erste Frage: Unbeding „ja“

Zweite Frage: Ich engagiere mich selbst seit 21 Jahren im Ehrenamt. Ohne diese Menschen wäre die Stadt menschlich ärmer und – ich möchte betonen – wahrscheinlich nicht handlungsfähig.

Wir brauchen eine Koordinationsstelle dafür. Dafür setze ich mich ein !

Hört sich gut an. Besonders die Betonung der Handlungsfähigkeit der Stadt. Steuern allein schaffen keine Handlungsfähigkeit…

 

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

Touristen: Unsere größte Einnahmequelle und dazu sehr umweltverträglich.

Studenten: Halten die Stadt jung und offen für interessante Errungenschaften (einschließlich hochqualifizierte Jobs)

Schweizer: Siehe Punkt 1; allerdings das ganze Jahr über

Solaranlagenbauer: Es ist mehr die Forschung, aber leider abgerutscht und derzeit Patient mit (politisch gewollter ?) schlechter Prognose

Oberbürgermeister: Kann initiativ werden und hat damit  Verantwortung für unser aller Zukunft

Bodenseefelchen: Unverkennbar unsere Spezialität

Papst: Seit 1418 für die Stadt nicht mehr greifbar (außer das päpstliche Wappen am Hauptportal des Münsters)

Touristen sind umweltverträglich? Bei den Massen wird ganz schön viel CO2 ausgeatmet. Ein so deutliches Bekenntnis zu den Kurzzeit-Konstanzern gab es bisher nicht. Unmittelbar danach folgen dann auch schon die Mittelzeit-Konstanzer, während die Minimalzeit-Konstanzer aus dem befreundeten Ausland auch im Winter für klingelnde Kassen sorgen. Über den Rest muss man nicht viel sagen: immerhin erwähnt er wie intendiert das Konzil. Da kennt sich noch jemand mit der Konstanzer Historie aus!

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Nein ! Wenn, dann müsste dies ausschließlich durch Privatinitiative entstehen.

Das „Event-Schiff“ Sonnenkönigin hat diesen Hintergrund. Davon partizipiert aber die Stadt Konstanz nicht.

Den letzten Satz verstehe ich nicht, auch wenn ich weiß, was gemeint ist. Sollte wohl „profitiert“ heißen. Aber sehe ich ähnlich: also, ihr Entrepreneure der Zeppelin Uni in Friedrichshafen – zeigt was man an einer privaten Hochschule so lernt…

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Eigenverantwortliches Umgehen mit meinen Bedürfnissen und meinem Leben; allerdings immer im Rahmen der vorgegebenen Regeln, nach denen ich nur ein Teil des gesellschaftlichen Ganzen bin und die Bedürfnisse der Anderen respektieren muss.

Eigenverantwortung und geregelter Rahmen. Das ist leicht positiv und leicht negativ. Aber gefällt mir.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Uli Burchardt, weil er auch aus Konstanz kommt und am Ehesten meine Ideen trifft

Noch eine klare Aussage. Wie Kaltenbach ist auch Burchardt noch ein enger Favorit von mir. Verwundert nicht, denn die Ideen der beiden sind tatsächlich ähnlich. Ich habe Herrn Kaltenbach gestern vielleicht Unrecht getan, ihn als sozialdemokratisch angehaucht zu bezeichnen. Ich wüsste aber nicht, wie ich es sonst machen sollte. Ich bezeichne ihn daher als unabhängig, fortschrittlich und ehrlich an den Belangen der Konstanzer Bürger interessiert, zu denen er hoffentlich auch die Studenten zählt.

Viel mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein! Aber ich würde empfehlen, sich mit seinem Wahlprogramm auseinanderzusetzen und das Video seiner Vorstellung im Konzil anzuschauen! Er wird zwar wohl keine echte Chance haben, hätte es aber verdient.

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Seeliger

Stellen wir heute eine weitere OB-Kandidatin vor: diesmal Sabine Seeliger. Sie durfte ich heute auch bei der Podiumsdiskussion erleben (wie alle Kandidaten), über die ich nochmal separat berichten werde. War teils sehr amüsant. Nicht nur der Anteil der Fragen, die an sie gestellt wurden, lässt den Schluss zu, dass sie ernsthafte Aussichten für das Amt des Oberbürgermeisters hat. Ihre Positionen haben mir teilweise zwar ganz gut gefallen, sind überwiegend jedoch nicht meinen Überzeugungen konform, weshalb sie nicht mit meiner Stimme rechnen kann. Trotzdem – das hat auch die Podiumsdiskussion gezeigt – ist sie eine sympathische Kandidatin, mit der Konstanz und auch ich gut leben könnte.

Das Leben dieser promovierten Biologin, die von der Freien Grünen Liste gesponsert wird, spare ich mal aus, weitere Informationen findet man u.a. hier:

http://sabine-seeliger.de/

https://www.facebook.com/seeliger.konstanz

ein Video ihrer 10-minütigen Vorstellung im Konzil Konstanz: http://www.youtube.com/watch?v=MrF8L-DlU00

Leiten wir auch gleich weiter über zu meinen 7 Fragen und ihren teils sehr pfiffigen und offenen Antworten darauf. An dieser Stelle noch eine positive Ankündigung: nach der heutigen Podiumsdiskussion habe ich mit manchem Kandidaten das Gespräch gesucht und kann nun verkünden, dass wohl alle 13 Kandidaten bei dieser Fragerunde mitmachen, sofern Sie sich an ihre Worte halten. Von Frau Reiser und Herrn Luithle erhielt ich sogar viel Lob für meinen Blog. Wer da wohl heimlich mitliest…

Nun aber zu den Antworten Frau Seeligers, die mich gerade etwas verägert hat, indem sie die Antworten in einer schreibgeschützten Word-Datei zukommen hat lassen. Aber ich habs hinbekommen….

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?

Die Freie Grüne Liste hat zugesagt, den Wahlkampf mit bis zu 20.000 € zu unterstützen bei einer Eigenbeteiligung der Kandidatin von mindestens 10.000 €. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Konstanz hat in einem Mitgliederbeschluss einen Wahlkampfkostenzuschuss von 2.000 € beschlossen und ihre Kandidatur einstimmig unterstützt. Außerdem haben bis 13.6.2012 insgesamt 16 Personen einen Betrag von insgesamt 8.896 € für die Wahlkampagne gespendet. Die höchste Einzelspende betrug 2.000 €, die kleinste 10 €.

Im Gegensatz zu Sabine Reiser sind die Informationen über ihre Wahlkampffinanzierung hier deutlich transparenter. Die Formulierung lässt allerdings den Schluss zu, dass sie es nicht selbst geschrieben oder aber nur kopiert hat von einer ähnlichen Frage.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Ihre Basisdemokratie, Volksentscheide.

2. Dass sie die Teilhabe eines viel höheren Anteils von Migrantinnen und Migranten leisten.

3. Dass sie Urtümliches und Avantgarde nebeneinander gelten lassen.

Antwort 1 finde ich sehr gut. Antwort 2 grundsätzlich auch. Antwort 3 ebenfalls. Mit  1 hatte ich auch gerechnet, die beiden anderen Antworten verwundern auch nicht wirklich.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben? Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ich werde mich für eine Stelle zur Koordinierung von Ehrenamtlichen, einer „Freiwilligen-Agentur“ einsetzen. Diese Stelle soll Vereine in mehrer Hinsicht unterstützen, z.B. durch Vermittlung von Freiwilligen, durch die Organisation von Dienstleistungen für die Vereine (Buchhaltung, Personalabrechnungen, Versicherungen), durch Beratung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Wissen und Erfahrung aus gelungenen Projekte wie das der „Sozialen Stadt“ soll diese Stelle auf weitere Quartiere übertragen.

Meine erste Frage beantwortet Frau Seeliger nicht. Den zweiten Teil führt sie aber gut aus und schafft meiner Meinung nach sehr sinnvolle Stellen. Ausnahmsweise also mal eine Befürwortung von Bürokratie meinerseits.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister. Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen > Studierende > Solaranlagenbauer > Touristen > Schweizer > Oberbürgermeister >>>>> Papst

Wenn es keine Bodenseefelchen mehr gäbe, hieße das, dass eine Katastrophe mit dem Trinkwasserspeicher Bodensee passiert sein muss. Gleiches gilt bei Studierenden und Uni, sowie bei Solaranlagenbauer und Solarbranche. Touristen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Schweizer Kundschaft in der Stadt auch, wobei letzteres mehr vom Frankenkurs abhängt als von der Stadtpolitik. Oberbürgermeister halte ich ebenfalls für sehr wichtig, mit sehr großem Abstand folgt dann Papst.

Wie angekündigt zeigt Dr. Seeliger hier ihren biologischen Sachverstand. Die Antwort finde ich sehr originell und hatte sie auch nicht auf dem Radar. Bodenseefelchen gehen also vor die Studierenden (sie gendert natürlich). Als Grüne ist sie natürlich auch für Solaranlagenbauer, die sie wichtiger als Touristen und Schweizer empfindet. Wenn das nicht mal ein Trugschluss ist. Die Erwähnung der „Stadtpolitik“ werte ich mal als bewussten Seitenhieb auf den Gemeinderat bzw. den auch  grünen Noch-Amtsinhaber Horst Frank. Sich selbst nimmt sie natürlich nicht so wichtig (wollen wir es hoffen), aber noch wichtiger als den Papst. Was hätte man anderes erwartet?

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“ Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ein Kreuzfahrtschiff zu initiieren steht nicht auf meiner Agenda.

Kurz und bündig, aber unter grünen Gesichtspunkten absolut verständlich. Ich bin in der Frage auch sehr zwiegespalten – verschandet ein etwas größeres Schiff die schöne Landschaft doch genauso wie die vielen Windkrafträder. Andererseits könnte das den Tourismus durchaus noch weiter ankurbeln und auch für zusätzliche Bettenkapazität sorgen – im Winter sogar für Studierende in Konstanz 😉

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit heißt Wahlmöglichkeit und Möglichkeit zur Teilhabe im Sinne von Freiheit von politischen, ökonomischen und kulturellen Abhängigkeiten. Beides, Wahlmöglichkeiten und Teilhabe ist in jedem Einzelfall von vielen Voraussetzungen abhängig.

Sie definiert Freiheit positiv – wie zu erwarten war. Ihre Position gegen Sperrstunde und Glasverbot lässt sich daraus ableiten. Diese Position macht sie für viele der Studenten auch sicher sehr attraktiv.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?.

Zylla oder Kaltenbach – beide wirken sympathisch und ungekünstelt.

Da wird sogar eine Kandidatin noch konkret: vorstellen kann sie sich Zylla (SPD) und Kaltenbach, den ich ebenfalls als eher sozialdemokratisch, aber liberaler, wahrnehme. Diese offenen Worte finde ich jedenfalls sehr sympathisch. In die Verlegenheit dies auch zu tun wird sie aber wohl nicht kommen: ich gehe stark davon aus, dass sie die Stichwahl erreichen wird.

Wie dem auch sei: ich rate wieder zu einer Beschäftigung mit dem Wahlprogramm, insbesondere da Frau Seeliger auch teils kontroverse Vorschläge wie eine City-Maut für die Innenstadt hat. In diesen verkehrspolitischen Fragen – sie ist z.B auch gegen den Ausbau der B33 als Autobahn bis Konstanz (wobei man fairerweise sagen muss, dass sie den Ausbau einer Landstraße mit Anbindung an die Gemeindem am Wegesrand möchte) – besteht ein gewisser Dissens zu meinen Ansichten, die es mir schwer machen, sie als Kandidatin in Erwägung zu ziehen. Letztlich ist sie auch einfach grün: und nach 16 Jahren grün hat das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz auch mal dringend einen Farbwechsel nötig. Am besten zu garkeiner Farbe!

Morgen folgt wohl die Vorstellung von Benno Buchczyk, sofern nicht noch weitere Kandidaten geantwortet haben. Dann aus Herford, wohin ich morgen wieder 9 Stunden mit dem Zug fahren darf, währenddessen ich einen Essay mit Abgabeschluss am kommenden Montag schreiben muss. Erst gibt es jedoch noch mein letztes Referat dieses Semester – über die Postmarxistin Chantal Mouffe – zu überstehen. Man wünsche mir Glück…

OB-Wahl in Konstanz und die lokalpolitische Medienwelt

Wir sind schon im Juni angekommen. Das heißt, bald steht die die OB-Wahl in Konstanz an, über die ich nun verstärkt berichten werde. Die UN-Simulation KONMUN 2012 dieses Wochenende, in der ich aus der Perspektive Kameruns partizipierte, ist schon wieder zu Ende, hat aber Spaß gemacht und brachte eine erfolgreich verabschiedete Resolution mit sich, mit der ich als Kameruner sehr gut leben konnte. Am Ende gabs dann noch den Trostpreis für den „idealistischsten“ Teilnehmer – stimmt ja irgendwie auch…

Aber das soll heute nicht das Thema sein: es ist Anfang Juni – und Ende Juni – genauer gesagt Anfang Juli heute in 4 Wochen finden bereits die Oberbürgermeister-Wahlen für die Stadt Konstanz statt – der erste Wahlgang jedenfalls, der sicher noch eine  Stichwahl 2 Wochen später nach sich ziehen wird.

Im Gegensatz zu anderen Städten, die händeringend nach Bewerbern suchen, haben die Konstanzer WählerInnen eher ein Luxusproblem: mittlerweile sind es voll und ganz 14 Kanditaten, wenn ich mich nicht täusche, die das schöne Konstanz für sich entdeckt haben bzw. ohnehin schon länger mit  Konstanz und der Bodenseeregion verbunden ist. Das Spektrum der Bewerber reicht von Bürokraten auf Landesebene über Anwälte bis zu einem Förster um nur einige zu nennen. Politisch sind fast alle sehr auf dem grünen Nachhaltigkeitstrip – kein Wunder, da Konstanz als erste Stadt mit grünem Oberbürgermeister Deutschlands, Horst Frank, der nach 16 Jahren Amtszeit sich nun vermutlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, geradezu prädestiniert dafür ist. Sie kommen aus allen Parteien bzw. sind bzw. sehen sich als unabhängig, selbst ein Pirat tritt an, dessen Person mir allzu gut bekannt ist; den ich aber aus Rücksicht auf einen möglichen Mißerfolg bei seiner  recht kurzfristigen Unterschriftensammlung (100 in 5 Tagen oder so) mal ganz intransparent noch nicht offenbare. Seine Piratenmitgliedschaft heißt übrigens längst noch nicht, dass ihn die Piraten auch unterstützen – Gründe dafür findet man unter anderem zwischen den Zeilen in meiner Rücktrittserklärung.

Trotz der vielen Kandidaten haben die Konstanzer aber ein Problem: der Zugang zu Informationen hinsichtlich der Bürgermeisterwahl ist beschränkt und gefiltert.

Der Südkurier, ein eher konservatives Blatt, hält seit Jahren in Konstanz das Monopol auf dem Printmarkt. Die ohnehin spärlichen Informationen auf der Website (www.südkurier.de) müssen hinsichtlich der OB-Wahl mittlerweile gar bezahlt werden. Das ist zwar das gute Recht des Südkuriers (und auch nicht sehr teuer), hindert denjenigen, der sich über die OB-Wahl informieren will, z.B den armen Studenten, dies zu tun. Denn ein Abo des Südkuriers haben wohl auch nur die Wenigsten.

Im Onlinebereich gibt es noch einige Alternativen, die aber allesamt wie natürlich auch mein Blog ideologisch gefärbt sind und hinsichtlich der OB-Wahl teilweise sehr einseitig Propaganda für ihren Wunschkanditaten machen.Die Auflistung konzentriert sich allein auf die Internetangebote, die auch regelmässig über die OB-Wahl berichten – es gibt natürlich noch einen Haufen mehr an vielen interessanten Blogs, insbesondere Foto-Blogs (einfach mal googlen).

Da gibt es einmal SeeOnline (www.see-online.info), betrieben von einer der SPD (und ab und an auch mal den Piraten) nahestehenden Redakteurin, die aus persönlichen Gründen allerdings die unabhängige CDU-Kandidatin Sabine Reiser zu unterstützen scheint, deren professioneller Wahlkampf und Fachkompetenz sie sicher zu den aussichtsreichsten Kandidaten macht. Über die Kandidaten möchte ich heute aber noch keine großen Worte verlieren.

Ein anderes Online-Magazin für Konstanz nennt sich SeeMoz (www.seemoz.de) und ist nicht nur wegen der Farbgebung als tiefrot zu bezeichnen.

Das dritte mir bekannte Online-Magazin bzw. eher Blog nennt sich „Dornröschen“ (http://www.tmw-kn.com/blog/) und ist spontan schwer einzuordnen.

Der vierte Blog ist dann also meiner – ich habe mich entschlossen, ein wenig über die OB-Wahl zu berichten, indem ich die beteiligten Kanditaten vorstelle, sie auch mit ein paar Fragen belästige und meinen Senf dazu gebe.

Dazu brauche ich die Hilfe von euch Lesern! Bis Mittwoch habt ihr Zeit, in den Kommentaren Fragen loszuwerden, die ich sofern sie nicht zu grob abschweifen, in einem Fragenkatalog den antretenden Kandidaten schicken werde. Bei ihrer so stark bekundeten Bürgernähe scheint mir eine Antwort auch sehr realistisch, zumal ich einen Haufen der Bewerber bereits kennengelernt habe bzw. auch persönlich schon näher kenne und einschätzen kann. Ich habe mir natürlich auch einige Fragen überlegt – falls es aber einige mehr werden umso besser! Würde mich freuen, wenn Ihr Eure Fragen hier loswerdet. Gerne durchaus sehr kritische ! Wie ihr wollt – mit Namensnennung, Pseudonym oder anonym!

Ein wenig Abwechslung in diesem Wahlkampf kann schließlich nicht schaden – die Plakate allerorten würde man am liebsten abreißen…