Nachbetrachtung der OB-Wahl & Ausblick

Das Ergebnis steht fest: Konstanz hat einen neuen Oberbürgermeister!

In diesem Satz verbirgt sich schon das Ergebnis: eine einer Figur aus Harry Potter anmutenden Dame und eine GrünIn sind Konstanz erspart geblieben.

Die grüne Hegemonie in Konstanz wurde durch den schwarz-(CDU)-gelb (FDP)-blau (Freie Wähler) teilunterstützten Uli Burchardt gebrochen, der jedoch auch grün (Nachhaltigkeitsstreben) und rot („attac“-Mitgliedschaft“ ) in sich vereint. Statt grüner Monotonie also nun ein buntes Konstanz?

Uli Burchardt war mein Favorit, ehe ihm die „attac“-Geschichte dazwischenfunkte. Erstens verstehe ich nicht, wie ein pro-marktwirtschaftlicher Kandidat, der Burchardt nach anderen Aussagen ist, solch Ziele wie „attac“ sie teilweise verfolgt, teilt, zweitens hat er mich damit enttäuscht, dass sein Engagement dort nur vorgetäuscht war.

Er hat deshalb nicht meine Stimme bekommen – mit ihm leben kann ich nun trotzdem gut. Konstanz ist von Bürokraten verschont geblieben und hat genau bekommen, was es braucht: einen tatkräftigen Unternehmer, dem zuzutrauen ist, die Konstanzer Wirtschaft anzukurbeln. Einen authentischen Oberbürgermeister, der Konstanz dienen und nicht an der Stadt verdienen möchte. Er trat einmal an – seinen Aussagen nach wäre es das einzige Mal geblieben – und gewann. Das hatte ein Forschungsteam meines Fachbereiches wohl schon vorausgesehen (Südkurier):

Burchardt gewinnt offenbar die frei gewordenen Stimmen der Bewerber, die nach dem ersten Jahrgang ausgestiegen sind. Das hatten Uni-Foscher übrigens vorab vermutet. Unterstützer von Reiser und Seeliger im Ratssaal wirken bestürzt.

Mit meiner Prognose lag ich gleichwohl ordentlich daneben. Mykola Neumann kann mit seinen 0,6% nicht zufrieden sein. Uli Burchardt mit seinen 39,1% Prozent aber eigentlich auch nicht. Das sind zwar 7,2% Stimmen mehr als Sabine Reiser (31,9%) und gar 11,5% mehr als Sabine Seeliger (27,6%), doch entspricht dieser Stimmenanteil bei einer absolut traurigen Wahlbeteiligung von  44,5% gerade einmal 10801 Stimmen.

Das heißt also, dass – auch die Nicht-Wahlberechtigten eingerechnet, gerade mal so ein Achtel (12,5% !!!) der Konstanzer Bürger ihren Oberbürgermeister demokratisch legitimiert haben.

Woran liegt diese Politikverdrossenheit? Ich weiß es nicht. Das Wetter war zwar ähnlich schlecht wie beim ersten Wahlgang, wo die Wahlbeteiligung nur minimal schlechter war, aber kann dies doch kein Grund sein. Ist es die Erschöpfung und Genervtheit nach langen Wochen Wahlkampf und die Abrechnung für die Konstanz verschmutzenden Plakate, die hoffentlich schnell abgehängt werden? Oder spielt der Oberbürgermeister – auch wegen seiner gar nicht so übermäßigen Macht – einfach keine Rolle?                                               Fragen, denen Konstanzer Politikwissenschaftler mal nachgehen sollten.

Es scheint also so, dass sich Uli Burchardt sein Vertrauen erst noch erarbeiten muss. Meines bekommt er erst mit einem Austritt aus „attac“ zurück.

Nachhaltigkeit ist unterstützenswert, insbesondere da Herr Burchardt auch die fiskalische und ökonomischen Aspekte von Nachhaltigkeit betont. Es bleibt nur zu hoffen, dass er auch auf sie besteht und keine überteuerten Prestige-Objekte mit auf den Weg bringt.

Doch wie Konstanz sich entwickeln wird, ist nicht vorauszusehen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Konstanz eine relativ gute Wahl getroffen hat und gratuliere Uli Burchardt nochmals sehr herzlich zu seinem Wahlsieg!

Nun kann ich mich beruhigt meinen Klausuren widmen, die morgen früh beginnen. Positiv attribuierte Zielvorstellung: Statistik „4 gewinnt“ und die restlichen 3 Klausuren insgesamt addiert  nicht schlechter. Ich bin gespannt – auch wie es ist, mal zu einer absolut mörderischen Zeit von 8 Uhr früh erstmals in diesem Semester in der Uni zu sein…

Erfolgreich, wie ich trotz wahren Wolkenbrüchen und überfluteten Tennisplätzen dieses Wochenende auch beim Schach-Tennis-Turnier in Baden-Baden war (16ter von 23 als auf 23 gesetzter^^), kann ja nichts mehr schief gehen. Bald jährt sich dann auch der Tag meiner Wiederankunft in Deutschland – Zeit also für einen kleinen philosophischen Rückblick.

Für den Blog heißt es jetzt erstmal eine Neuorientierung: diese Möchtegern-investigativen Artikel machen mir Spaß und werden punktuell fortgesetzt. Fragenkataloge sind schließlich schnell verschickt und haben auch relativ hohes Erfolgspotential. Über Themenvorschläge würde ich mich gleichwohl freuen. Genauso über eine gleichbleibende oder gar steigende Besucherzahl, die hoffentlich nicht nur den OB- und StuPa-Wahlen geschuldet war!

 

 

 

Wahlaufruf OB-Wahl Konstanz

Kurze Erinnerung aus Baden-Baden (übrigens wie Konstanz auch ein schönes Städtchen – noch etwas mondäner) : in ein paar Stunden beginnen die Wahlen zum Oberbürgermeister von Konstanz. Geht alle wählen – 43,8%  war zwar deutlich besser als die 13% für das StuPa an der Uni, ist aber ziemlich lächerlich.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich gemäß dem Vanhanen-Index zur Demokratiemessung Konstanz morgen einen hohen Demokratiegrad bescheinigen kann. Dafür muss die Wahlbeteiligung sehr hoch und das Ergebnis des besten Kandidaten möglichst niedrig sein. Ich schätze, um die 30-35% wird sich der Wahlsieger bewegen.

Da ich sonst ja immer soviel Glück habe, wette ich mal das Ergebnis. Ich glaube, es wird sehr knapp…

Sabine Seeliger: 32%

Sabine Reiser: 31%

Uli Burchardt: 28%

Mykola Neumann: 7%

Klaus Springer: < 1%

Roman Urban: <1%

Sonstige: <1%

Auf jeden Fall gibt es morgen Abend einen strahlenden Gewinner, der 8 Jahre lang Konstanzs Geschicke leiten darf. Es gibt viel zu bewegen: und man kann viel falsch machen!

Die Herausforderungen sind immens – die Frage ist, ob und wie sie angepackt werden. Bleibt Konstanz Rentnersruhesitzstadt oder verwandelt es sich tatsächlich in eine wirkliche Studentenstadt (Thema: Sperrstunde), bleibt es Touristen- und Einzelparadies und/oder wird es zu einem starken, ausdifferenzierten Wirtschaftsstandort. Die Uni ist exzellent geworden – mal schauen, obs Konstanz auch hinbekommt.

Also: Wählen gehen – ein wenig Propaganda muss sein! Ich bin gespannt.

Der OB-Wahlk(r)ampf aus Kandidatensicht

Während manch Konstanzer Student (ich natürlich auch) verzweifelt auf die Ergebnisse der Wahlen zum Studierendenparlament wartet (die Verzögerung hängt wohl mit der massiven Wahlbeteiligung zusammen…), war ich heute Abend mal wieder Gast bei einem Stammtisch der Piratenpartei.

Dort sprachen nämlich die mittlerweile ausgestiegenen Kandidaten Benno Buchczyk und Sylvia Großmann über ihre Erfahrungen im Wahlkampf.

Teilweise ist es sehr hart, was sie berichteten und wirft auf manch Kandidat kein gutes Licht. Manche Vorwürfe wurden gestern schon kurz vorgestellt – einige mehr befinden sich jetzt  in meinem Bewusstsein. Und jeder sollte das Recht haben, mittels dieser Informationen aus besagter Quelle seine eigene Meinung dazu zu bilden. Wobei ich aufpassen muss: anscheinend sind schon Konstanzer Gemeinderäte auf meinen Blog aufmerksam geworden 😉

Zuerst sprach Benno Buchczyk aber über sich selbst und die Beweggründe seiner Kandidatur, die recht spontan 7 Tage vor Abgabe der Unterschriftenlisten getroffen wurde (mit gleichwohl sehr viel längerer Bedenkzeit davor). Er betonte: „Wir sind eine Partei, kein Computerclub“. Und Parteien müssen eben an Wahlen teilnehmen – die FDP z.B hätte dies nicht getan – eine Meinung, die ich nur bedingt teile, da sie ja den Uli Burchardt unterstützt. Eine Stimme für  Benno Buchczyk ist nach ihm denn auch kein – wie ich schrieb – „Wasted Vote“ gewesen, sondern seine Kandidatur hätte vor allem dem Zweck der Werbung gehabt.

Ihre Erfahrungen mit den anderen Kandidaten haben mich in meiner gestrigen Einschätzung bestätigt. Sabine Seeliger scheint doch nicht die „Kampfgrüne“ zu sein wie anfangs angenommen, sondern „lernfähig“ zu sein. Was ich gestern aus Unwissenheit nicht schrieb: sie akzeptiert den Konstanzer Wunsch nach dem Ausbau der B33 und wird im Gegenzug von den ehemaligen OB-Kandidaten Henning Tartsch, Andreas Kaltenbach und Martin Luithle mittels einer Wahlempfehlung unterstützt (ihr persönliches Stuttgart 21).Man könne jedoch auch von ihr lernen: sie hätte jeden Tag Pressemitteilungen verschickt, bis irgendwann selbst der Südkurier ein schlechtes Gewissen bekam und sie auch mal abdruckte. Die Vorwürfe gegen den Südkurier als Monopolisten in der Region spare ich mir mal, da sie nicht belegbar sind. Eine „Bezahlschranke“ mag moralisch verwerflich sein, ist abser völlig legal und legitim. Und wer viel inseriert, kann sich wohl auch auf mehr Berichterstattung freuen. Letztlich sei es laut den beiden Kandidaten so, dass „mit Geld alles“ gehe.

Eine Anekdote, die bei den anwesenden Piraten für Erheiterung sorgte, war jedoch Seeligers Aussage zur Online-Partizipation. Nach einer Diskussion kam sie auf Benno Buchczyk zu und meinte sinngemäß, das sei „ihre Idee; er hätte das von ihr geklaut.“ Guter Witz, dies gegenüber einen Piraten zu behaupten!

Über Uli Burchardt wurden nicht allzu viele Worte verloren: er sei vor allem sehr authentisch und ob als Kandidat oder privat die gleiche Person.

Über Sabine Reiser fielen deutlich schärfere Worte.

Zuerst einmal sei die Frau eine „Hochstaplerin“. Ich würde nicht soweit gehen, dies zu behaupten, doch den Fakten nach übertreibt sie doch merklich bzw. stellt sie falsch dar.  Sie nennt sich Referatsleiterin für Städtebauförderung, obwohl sie „nur“ Referatsleiterin für Stadtsanierung ist. Das hört sich garnicht mehr so sexy an (http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1147360/index.html). Fairerweise muss man allerdings sagen, dass die Abwicklung der Städtebauförderungsprogramme zu ihren Hauptaufgaben zählt.

Stuttgart mag ganz Baden-Württemberg suggieren, tatsächlich gibt es solche Referate aber auch noch in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen. Es handelt sich also um die Referatsleitung eines Regierungsbezirkes.

Das nur am Rande: ein Vorwurf ihr gegenüber war, dass sie bei einer Infoveranstaltung im Vorfeld der in Konstanz durchgeführten „Unter-18-Wahl“ Werbematerial an Grundschüler in öffentlichen Gebäuden verteilt hätte. Ersteres mag wieder moralisch verwerflich sein, zweiteres ist jedoch dem Gesetz nach verboten: keine Wahlwerbung in den zwei Wochen vor der Wahl in öffentlichen Gebäuden.

Dort machte sie wohl auch das Versprechen, jeden Konstanzer Schüler kostenfrei mit einem Ipad auszustatten. Nicht nur illusorisch, ein Oberbürgermeister hat garnicht die Macht darüber zu entscheiden (mag höchstens Kontakte zur Finanzierung nutzen – Apple wird sich freuen). Andere Kandidaten seien aber auch nicht sehr viel realistischer gewesen: sie versprachen den Kindern mehr Taschengeld!

Das Verhältnis unter den Kandidaten sei generell gut gewesen, lediglich Frau Reiser sonderte sich oft etwas ab, kam zu spät und schien dies sichtlich zu genießen, was allerdings dann oft mit einem schlechten Platz bestraft wurde. Als einzige Kandidierende in der Bücklein-Show (OB-Kandidaten-Vorstellung eines Komikers) hätte sie sich auch geweigert, öffentlich etwas darzubieten, während die anderen Kandidaten gesungen, Gitarre gespielt oder etwas vorgetragen haben. Das ist natürlich ihr gutes Recht – wenn sie sich so nicht zeigen möchte sollte man das respektieren.

Auf die Geschichte mit dem E1NS-Magazin wies ich gestern hin, kritische Kommentare auf ihrer Facebook-Seite dazu werden scheinbar gelöscht. Uli Burchardt hätte wohl auch kritische Kommentare genug, ließe sie jedoch stehen.

Hoch her ging letztlich noch die Diskussion, wie viel Frau Reiser denn für ihren Wahlkampf ausgebe und wer ihn finanzierte. An Spekulationen mag ich mich nicht beteiligen, Fakt ist aber, dass bei den vielen Plakaten und Anzeigen, den mittlerweile 3ten Flyer von ihr im Briefkasten, einem anscheinend 20-köpfigen, teils bezahlten Team und sonstiger hoher Professionalität ein Haufen an Geld zusammenkommt. Eins muss man ihr lassen: sie scheint diesen Job als Konstanzer Oberbürgermeisterin wirklich zu wollen. Und jetzt, im 3. Anlauf, nach dem es beim letzten Mal auf der anderen Bodenseeseite in Überlingen nicht geklappt hat, hat sie beste Chancen.

Unterstützt wird sie dabei übrigens – ich erwähnte es noch nicht – von der Redakteurin von „See Online“, die dies in ihrem „Magazin“ ja immerhin auch zugab. Deren Artikel sind also – wie meine – mit Vorsicht zu geniessen!

Nun bleibt mir noch wenig anderes zu berichten (ist alles eh nur ein Ausschnitt). Es gab an die ausgestiegenen Kandidaten wohl Anrufe höherer Stellen, doch bitte eine Wahlempfehlung für die oder die Person abzugeben. 1% der Stimmen mögen nicht viel sein – doch summiert sich dies bei 10 Personen rasch auf wahlentscheidende Prozente auf. Ein Mitarbeiter am Telefon, der ausgestiegene Kandidaten eine Wahlempfehlung abringen möchte, kann daher durchaus Gold wert sein.

Wie sich dies in Stimmen bemerkbar macht, werden wir am Sonntag Abend sehen.

Jetzt sind übrigens gerade die Stimmen der StuPa-Wahlen bekanntgegeben worden und wir können uns richtig freuen! Die Liberale Hochschulgruppe zieht mit starken 8,7% – noch vor der Offenen Linken Liste und dem RCDS – mit 2 Personen ins Studierendenparlament ein. Herzlichen Glückwunsch!

Die vorläufigen Ergebnisse im Überblick:

Fachschaften: 16,5% (PATRICK, Felix, Clarc, Stephan)
GHG: 28,4% (MAX , DAVID, Marie, Judith, Bernhard, Melina, Stephan)
Jusos: 24,0% (FABIAN, Esra, Nicolas, Muriel, Phillip)
RCDS: 7,2% (Caroline, Johannes)
LHG: 8,7% (Sven, Phillip)
Offenen Linke: 8,3% (Marco, Fedo)
Grau: 1,9% (nichts)
Grün & Schnitzel: 4,9 % (Philipp)

Jetzt hoffe ich nur noch, dass zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit die Prozente aufgedröselt werden. Man wird sehen.

Die nächsten Tage wird möglicherweise kein Blogartikel kommen, da ich ja bei der Deutschen Meisterschaft in Baden-Baden partizipiere. Aber es ist nun auch alles geschrieben worden, was geschrieben werden musste. Ich hoffe jeder Konstanzer Bürger entscheidet wohlüberlegt!

 

OB-Wahlen in Konstanz: die Qual der Wahl

Während heute und morgen die Wahlen an der Uni laufen, bereitet sich ganz Konstanz auf die ungleich wichtigere Oberbürgermeister- Wahl am Sonntag vor, in der noch 6 verbliebene Kandidaten, davon mit ernsthaften Chancen nur noch 3, um Stimmen ringen.

Ich selbst bin das Wochenende garnicht in Konstanz, sondern nehme an der Deutschen Meisterschaft im Schachtennis teil, die in Baden-Baden stattfindet. Schach und Tennis kombiniert – da reicht es sogar gleich das Ticket zur Deutschen Meisterschaft zu lösen, wo ich aber sicher sang- und klanglos untergehen werde. Gerade schwang ich den Tennisschläger zum ersten Mal seit 20 Monaten wieder, was doch erstaunlicherweise gut ging: falls ein Konstanzer Leser dieses Blogs das Gefühl verspürt – ich habe jetzt richtig Lust regelmässig mal zu spielen!

Und während am Sonntag Abend die Freude über den Wahlsieg bei einer Person ganz groß sein dürfte, ist ein Mitfeiern meinerseits suboptimal, da ich bereits am Montag zur verbrecherischen Zeit von 8 Uhr morgens die erste Klausur schreiben darf. Thema: Analyse und Vergleich politischer Systeme

Un -Analyse und Vergleich, geschickt zur Überleitung genutzt, soll es nun auch in der Essenz dieses Artikels gehen. Wegen meiner beschriebenen Abwesenheit habe ich nämlich heute neben den Uni-Wahlen bereits meinen OB-Wunschkandidaten per Briefwahl gewählt.

Für mich war die richtige Wahl eine Qual – eine Qual der Wahl. Fernab jeglichen empirischen Anspruches und mit normativem Touch möchte ich nun versuchen darzulegen, welche Faktoren bei so einer Wahl bei mir eine Rolle spielen und wie die noch chancenreichen Kandidaten dort in meinen Augen abschneiden. Soviel sei schon verraten: ich halte niemanden der 6 Kandidaten für bedenklos wählbar und habe mich daher entschieden, die sehr sinnvolle Möglichkeit zu wählen, einen Wunschkandidaten vorzuschlagen. Der ist Sozialdemokrat, wohnt an der Seestraße, mag gern Monster-Trucks und strotzt mit Verwaltungskompetenz. Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der ihn wählt – auch wenn er in meinem folgenden Raster auch nicht unbedingt besser abschneiden würde.

Noch einmal kurz zu den Kandidaten der zweiten Runde der OB-Wahl: mit Chancen im Rennen sind noch Sabine Seeliger (grün), Sabine Reiser („unabhängig“, CDU-Mitglied) und Uli Burchardt (teilweise von CDU, FDP und FW unterstützt). Wer mit diesen nicht zufrieden ist und noch einen seriösen Kandidaten sucht, wird ihn mit den sicher chancenlosen Mykola Neumann  finden, der sein Ergebnis von 1% beim ersten Wahlgang nun deutlich verbessern dürfte. Verbleiben tun auch noch Klaus Springer und Roman Urban, deren Unwählbarkeit ich aber von vornherein annehme. Diese Beiden werde ich daher auch ausblenden.

Nun – wie wählt der Bürger? Wie wähle ich?

Theorien, die ich schon lernen durfte, sind z.B. das Medianwählermodell von Anthony Downs, das davon ausgeht, dass Wähler rein rational die Partei wählen, die ihnen am meisten Nutzen verspricht. Die Annahmen (Zweiparteiensystem, jeder geht zur Wahl, keine inhärenten Parteipräferenzen) lassen sich aber nur schwer mit dieser Oberbürgermeisterwahl in Einklang bringen. Ähnlich sieht es mit der Theorie von Wählerklienteln aus, die vielleicht bei Bundestagswahlen einen Wahrheitsgehalt haben mag, auf Persönlichkeitswahlen wie es Oberbürgermeister-Wahlen sind jedoch geringen Einfluss haben.

Doch was hat Einfluss? Für mich spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle in meiner Wahlentscheidung.

1. Ideologie

Von Ideologie bin auch ich nicht verschont: sie spielt eine wichtige Rolle bei jeder Wahl. Gehört der Kandidat zur In-Group meiner Ideologie, so ist er deutlich eher wählbar als wenn er es nicht ist. Bedauernswerter Weise aber erwartbar ist dies bei keinem der Kandidaten der Fall. Sabine Seeliger ist meiner Ansicht nach recht typisch linksgrün, Frau Reiser betont bürgerlich- modern, aber konservativ, und Uli Burchardt ebenfalls bürgerlich-modern und konservativ, aber mit liberalerem und auch linksgrünen Touch (er wirbt mit einer attac-Mitgliedschaft). Mykola Neumann können wir eine gewisse Nähe zur Piratenpartei zusprechen, die ja nach Selbsteinschätzung ideologielose Politik machen möchte, was ihr jedoch zunehmend seltener gelingt.

 

 

2. Inhalte

Eng verknüpft mit der Ideologie sind auch immer die Inhalte, mit dem ein politischer Kandidat um Stimmen wirbt. Nach der Ideologie richten sich meist auch die politischen Positionen aus. Und manch auf dem ersten Auge gleiche Position zweier Kandidaten beruht auf völlig unterschiedlichen Ideologien und damit auch Gründen. Inhalte sollte man also nicht isoliert betrachten, sondern immer im größeren Kontext. Die Glaubwürdigkeit soll in dieser Dimension jedoch keine Rolle spielen.

Was konkret die Inhalte der OB-Kandidaten angeht, reicht dies von „geht garnicht“ bis „ganz passabel“. Sabine Seeliger disqualifiziert sich durch Forderung einer City-Maut und als Gegnerin des B33-Ausbaus als Autobahn, auch wenn sich in ihrer studentenfreundlichen Politi viel Unterstützenswertes findet. Nicht anders sieht es bei den 3 anderen Kandidaten aus: man wird immer etwas finden, das einem gut, und was einem schlecht gefällt. Und jeder Wähler muss dies für sich selbst entscheiden…

 

3. Persönliche Integrität

Diese Dimension finde ich am Wichtigsten. Was nützen alle Versprechungen, wenn es nur leere Worte sind?Persönliche Integrität heißt für mich, dass Werte und Worte von Kandidaten im Einklang mit ihrem tatsächlichen Handeln stehen. Es wird immer mal unvorhergesehene Ereignisse geben, durch die gemachte Versprechungen nicht gehalten werden können. Wesentlich ist dann, wie damit umgegangen wird.

Bei den OB-Kandidaten ist diese Frage subjektiv schwer zu beurteilen, da sie auf politischer Ebene noch nicht groß in Erscheinung getreten sind. Da hat man es auf bundespolitischer Ebene deutlich einfacher (und wird überall enttäuscht). Trotzdem ein paar Worte zu den Kandidaten:

Sabine Seeliger habe ich in dieser Beziehung nichts vorzuwerfen. Ganz im Geggenteil finde ich, dass ihre finanzielle Unterstützung der Klage gegen das Glasverbot am Seerhein genau diese persönliche Integrität zeigt. Einsatz für eigene Werte und politische Glaubensvorstellungen auch über die Politik hinaus. Ins gleiche Horn stößt auch ihr Einsatz für Bio und erneuerbare Energien. Auch wenn ich das nicht unterstützenswert finde, so imponiert doch eine gewisse Kohärenz zwischen Ideologie und Handeln.

Bei Sabine Reiser sieht es anders aus. Ihre Integrität scheint darauf hinauszulaufen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln endlich gewählt zu werden. Mit allen Mitteln bedeutet auch zu vielleicht eher unlauterer Werbung zu greifen: sie schaltete eine ganzseitige Anzeige auf der Titelseite des Konstanzer E1NS-Magazin, der von diesem jedoch als objektiver Artikel verkauft wird, indem sie extreme, teils lächerliche Selbstdarstellung betreibt. Ein Konstanzer Blogger weiß hier Näheres zu berichten – ein Klick lohnt sich: http://crashsource.de/1102-ob-wahlkrampf-in-konstanz-sabine-reiser/

Auch Uli Burchardt mag man vorwerfen, die Wähler täuschen zu wollen. Er kokettierte mit seinem Engagement bei den Globalisierungskritikern von „attac“, das sich laut Konstanzer Aktivisten  jedoch allenfalls auf eine schnell im Internet erworbene Mitgliedschaft beschränkt: http://www.koch.ro/blog/index.php?/archives/157-Uli-Burchardt-und-ATTAC.html

Auch sein „Engagement“ in anderen Vereinen scheint eher gering auszufallen. Um jedoch auf „attac“ zurückzukommen: warum meint Herr Burchardt das eine „attac“-Mitgliedschaft so toll ist? Für mich disqualifiziert ihn nicht nur diese Falschaussage, sondern schon die Idee einer „attac“-Mitgliedschaft an sich. Bei seiner Nachhaltigkeitsausrichtung ist es zumindest nachvollziehbar. Herr Burchardt scheint auch den gewissen Typus eines Selbstdarstellers einzunehmen, der als Marketing-Fachmann sich damit ja bestens auskennend, manchmal so wirkt, den Wahlkampf als Plattform benutzend eher sein Buch „Das Manufactum-Prinzip“ zu bewerben statt sich um die Belange von Konstanz zu kümmern.

Über Mykola Neumann kann ich an dieser Stelle nichts Schlechtes schreiben, da mir nichts bekannt ist. Ihn schätze ich aber – er ist schließlich Rechtsanwalt – in dieser Beziehung aber als sehr solide ein.

 

4. Bürgernähe

Ein entscheidender Faktor für mich ist die Bürgernähe. Und zwar nicht nur die Anschein erweckende während des Wahlkampfes, sondern die dann tatsächliche als Oberbürgermeister. Alle Kandidaten reden schließlich von mehr Partizipation – die Frage ist ob sie es auch umsetzen.

Während des Wahlkampfes kann man fehlende Bürgernähe gleichwohl niemanden absprechen: gerade Sabine Reiser zeigt sich da sehr bemüht – heute lag wieder Wahlwerbung im Briefkasten – wirkt dabei jedoch im Gegensatz zu Sabine Seeliger nicht wirklich authentisch, sondern sehr gekünstelt. Mit perfekt einstudiertem Lächeln vermag sie mich nicht zu vereinnahmen. Wie wichtig Bürgernähe ist, sieht man auch an der Tatsache, dass sie nach der Podiumsdiskussion an der Uni Gespräche plötzlich abbrach, weil „wichtige“ Personen gerade in der Nähe waren, denen sie sich widmen wollte. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

In der Beantwortung von Anfragen zeigte sie sich jedoch immer sehr rasant- gleichwohl sicher ein großes Team dahinter steht. Ähnlich bei Sabine Seeliger. Uli Burchardt hat sicher auch ein großes Team, die Anfragen werden hier aber längst nicht so zügig bis garnicht beantwortet. Mykola Neumann muss man hier in Schutz nehmen -als Einzelkämpfer, der dazu noch weiter seinem Beruf nachgeht, hat er es nicht gerade leicht. Vielmehr ist sein Engagement zu bewundern.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob man den zukünftigen Oberbürgermeister auch einmal unter „normalen“ Konstanzern sieht oder nur in der High-Society.

 

5. Charakter und Sympathie

Ist schon fast sowas wie ein Gesamteindruck und je nach Mensch unterschiedlich. Aber wohl immer sehr bedeutend. Für wen ich Sympathie hege und für wen eher nicht ist sicher schon deutlich geworden.

 

6. Rationales

Als gnadenloser Kosten-Nutzen-Maximierer wägt man bei seiner Wahlentscheidung sicherlich auch die Vor- und Nachteile des Kandidaten für sich ab. Frau Seeligers glaubwürdiger Einsatz gegen das Glasverbot und eine zeitliche Ausweitung der Sperrstunde sind für einen Studenten sicherlich positiv zu beurteilen. Allerdings sollte man nicht nur an sich denken – gerade wenn man ohnehin in Konstanz nur für kurze Zeit seinen Lebensmittelpunkt hat. Ein Oberbürgermeister, der mich nur ein Jahr „regiert“ und der auf mein unmittelbares Leben ohnehin kaum Einfluss hat, führt dazu, dass einem eigentlich egal sein kann, wer Oberbürgermeister wird. Man kann dies dann so oder so sehen: Verantwortung übernehmen und das Wählen, von dem man sich das Beste für alle erhofft. Oder man entzieht sich der Verantwortung – meiner Meinung in diesem Fall durchaus legitim – und lässt die dauerhaft hier lebenden Konstanzer entscheiden, während man selbst nicht zur Wahl schreitet oder aber den Stimmzettel ungültig macht/ einen Wunschkkandidaten vorschlägt, um zumindest die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Daran nämlich könnte es auch liegen, dass die Wahlbeteiligung, gerade unter Studierenden, aber auch in der Forschung, eher gering ist. Es macht da einen Unterschied, ob man noch 4 Jahre in Konstanz vor sich hat, weil man gerade mit dem Jura-Studium angefangen hat oder aber in meinen Fall weiß, im nächsten Jahr um diese Zeit Konstanz bereits verlassen zu haben und auch nur noch für eine kurze Periode zurückzukommen.

 

 

Das war es dann auch eigentlich schon, was mich merklich in meiner Wahlentscheidung beeinflusst. Die ganzen Dimensionen werden vermixt, ihr Anteil ist jedoch immer dynamisch, die Gesamtentscheidung spiegelt das Ganze nur so ungefähr wieder. In Bundestagswahlen sind die Dimensionen noch etwas umfangreicher, in Oberbürgermeister-Wahlen müssen sie ausreichen. Es ist ja auch auch nicht so, dass ich das jetzt haargenau so durchgehe, sondern ein Versuch selbst einmal niederzuschreiben, wie man eigentlich zu einer Wahlentscheidung kommt.

Meine ist nun so, keiner dieser Spitzenkandidaten zu wählen. Am ehesten würde mir momentan tatsächlich noch Sabine Seeliger zusagen. Mit meinem Gewissen kann ich es aber absolut nicht vereinbaren, eine linksgrüne Kandidatin zu wählen. Da ist die Ideologie doch stärker, die Emotion siegt über die Rationalität!

Wie auch immer: am Sonntag Abend wissen wir alle mehr. Für Konstanz wird das Ergebnis einschneidend sein. Mittlerweile sehe ich einen Farbwechsel nicht mehr sehr euphorisch entgegen – vielleicht sollte Konstanz tatsächlich grün bleiben. Bei den Inhalten der Kandidaten wird es das aber ohnehin. Wer sich übrigens noch einmal einen Eindruck von den Kandidaten verschaffen möchte: am Freitag von 11-15 Uhr ist ein offenes Forum an der Universität, wo man noch einmal mit allen ins Gespräch kommen kann – so ist jedenfalls der Anspruch dieser Veranstaltung…

Auch hier wieder der Aufruf: geht am Sonntag wählen, auch wenn es Euch nicht anzugehen scheint! Notfalls macht tatsächlich vom Vorschlagsrecht Gebrauch und wünscht Euch Harry Potter herbei…

Vor den Wahlergebnissen am Sonntag freue ich mich jedoch erst einmal auf die morgen. Ein Sitz, besser zwei, sollten für die Liberale Hochschulgruppe wohl drin sein. Wer noch nicht gewählt hat, sei auch dies ans Herze gelegt, dies morgen noch zu tun!

 

 

 

 

OB-Wahl in Konstanz 2012 – Analyse

Während die Kandidaten heute um den Einzug ins Konstanzer Rathaus kämpften, schlug ich mich mit Wind und Wellen auf Bodensee und Rhein herum. Dazu mehr und vor allem viele Bilder morgen. Soviel sei gesagt: es war keine Tour, sondern eine Tortur, aber doch ein Abenteuer ganz nach meinen Geschmack, dass aufgrund der Wetterlage nicht in Schaffhausen, sondern leider bereits 10km vorher in Gailingen am Hochrhein endete. Doch morgen mehr…

Die Kandidaten haben gekämpft – manche haben gewonnen, die meisten wohl verloren. Die Ergebnisse im Überblick (http://www.konstanz.de/ergebnisse_wahlen/ob2012.htm): Sabine Reiser 26,8%, Uli Burchardt 25,9%, Sabine Seeliger 20,1%, Sven Zylla 14,3%, Henning Tartsch 4,6%, Andreas Kaltenbach 2,2%, Martin Luithle 1,9%, Benno Buchczyk 1,1%, Mykola Neumann 1,0%, Roman Urban 0,5%, Sylvia Großmann 0,5%, Thomas Linz 0,4%, Klaus Springer 0,1%, Sonstige 0.6%. Wer unter Sonstige zählt würde mich mal interessieren…

Die Wahlbeteiligung war mit 42% sehr gering. Das mag einerseits am Regenwetter gelegen haben, andererseits aber auch vor allem im Bewusstsein, dass es ohnehin eine Stichwahl geben würde. Die Hoffnung ist also groß, dass es in 2 Wochen besser aussieht. Von der Stichwahl hatte ich selbst eine völlig falsche Vorstellung. Ich dachte, es wäre ein Stechen zwischen den zwei besten Kandidaten. Tatsächlich ist es aber eine Wahl wie heute auch, wo man allerdings nur noch die relative Mehrheit der Stimmen benötigt. Kandidaten können jetzt zurückziehen, theoretisch können sogar noch neue Kandidaten ins Rennen einsteigen, wenn sie sehr schnell neue Unterschriften sammeln. Vielleicht steht ja schon wer bereit…

Wer Statements von den OB-Kandidaten hören möchte – der Südkurier hat ein Video gedreht, auf das man sogar ohne Bezahlschranke zugreifen kann. Gehört wohl zum Informationsauftrag.

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Video-Das-sagen-OB-Kandidaten-zum-Wahlergebnis;art372448,5575216

Interessant ist es übrigens, mal die einzelnen Wahlbezirke und die dortige Stimmenverteilung anzusehen. Im Wahlbezirk Königsbau Wahlort Uni-Laborgebäude V, zu dem diverse Studentenwohnheime gehören, erreichte Sabine Seeliger  mit 32,4% ein deutlich besseres Ergebnis. Ähnlich sieht es in manch Gegenden der Altstadt aus – ebenfalls Terrain eher junger Leute. In Konstanzs „sozialem Brennpunkt“ Berchengebiet schneidet Frau Sabine Seeliger hingegen vergleichsweise schlecht ab. Wen interessiert da auch Öko? Auf hohe Werte kommt dort Sabine Reiser. Vielleicht durchschauen die Wähler dort Sabine Reiser einfach nicht !? Unter vielen Studis, wenn auch nicht nur, (Uni-Laborgebäude V) erreicht sie gerade mal 13,5%.

Ich möchte die Analyse nicht überreizen – die Dinge fielen mir nur spontan auf. Die Kandidaten werden sicherlich näher damit beschäftigen, um, sofern sie denn weiterhin antreten, in Wahlkreisen, wo sie eher schlecht abschnitten, verstärkt Werbung zu machen. Auch natürlich, um die mickrige Wahlbeteiligung anzukurbeln. Es kann also nur besser werden…

Meine Stimme war tatsächlich ein „Wasted Vote“, in der Stichwahl werde ich sie dann überlegter einsetzen. Sven Zylla überlegt noch, ob er weiter kandidiert, das Rennen dürften Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sabine Seeliger unter sich aus machen. Gut möglich, dass Frau Seeliger als lachende Dritte aus diesem Rennen hervorgeht, während die bürgerlich-konservativen Uli Burchardt und Sabine Reiser sich gegenseitig die Stimmen klauen. Ich hoffe es nicht – ich möchte einen Farbwechsel.

Orange wird sicher nicht die Farbe sein. Der Kandidat im Vertrauen der Piratenpartei, Benno Buchczyk ist grandios gescheitert und weiß (siehe Südkurier-Video) selbst nicht, wie er das jetzt einschätzen soll. Aber nicht schlecht, dass manche Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, die maßlos überschätzend einem Kandidaten der Piratenpartei gute Chancen einräumten. Die habe ich nie geteilt, wie vielleicht schon deutlich geworden ist. Sicherlich bitter für ihn und sein engagiertes Wahlkampfteam – aber so ist die Realität. Ich bin gespannt, ob Benno Buchczyk auch in der Stichwahl antritt…

2 Wochen heißt es also noch warten, dann hat Konstanz einen neuen Oberbürgermeister für 8 Jahre. Eine wegweisende Entscheidung, die Konstanz hoffentlich nicht zurück in die Steinzeit katapultiert. Manche KandidatInnen scheinen da ja ganz heiß drauf zu sein…

Ich werde die ganze Angelegenheiten jedenfalls weiterhin beleuchten und freue mich über das große Interesse. 450 Besucher dieses Blogs am heutigen Tag – nicht schlecht!

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sylvia Großmann

Deutschland hat verloren, doch die Traurigkeit hält sich in Grenzen. So richtige EM-Stimmung kam ohnehin bei mir wenig auf.

Widmen wir uns nun der Kandidatin Sylvia Großmann, der aktuell letzten Person, die mir meine Fragen beantwortet hat. Von Uli Burchardt ist nichts zu hören – dem nimmt der Sükurier ja auch seine Arbeit ab…

Apropros Fragen: die kann man sich leider nicht patentieren lassen, weshalb einige andere auch auf den Zug aufgesprungen sind, wobei doch durchaus interessante Antworten herauskamen.

http://www.see-online.info/category/obwahlkn2012/ ist auf die 5 chancenreichsten Kandidaten beschränkt.Sehr fair…

Deutlicheren Mehrwert hat da die Website der Bewegung „Occupy Konstanz“, die doch recht kontrovers diskutierte Themen wie „Bedingungsloses Grundeinkommen“ und einiges anderes abfragen. Die bisherigen Antworten, unter anderem von Roman Urban,  findet man hier: http://www.occupykonstanz.de/

Auch Frau Großmann hat dort schon geantwortet. Die 53-jährige studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin  ist derzeit Besitzerin eines Geschäfts in den Konstanzer Innenstadt, hat in ihrem Leben aber schon viel anderes gesehen. Vor allem engagierte sie sich als Unternehmensberaterin und  im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Südamerika, ehe sie Konstanz wieder  für sich entdeckte, wo sie seit Jahren nun auch Stadtführerin ist. Sie kennt sich also aus! Weitere Infos hier: http://www.sylvia-grossmann.de/index.html

Kommen wir auch gleich zu ihren Antworten – die schlechte bzw. andere Formatierung bitte ich zu entschuldigen, irgenwas klappt heute nicht, wie es sollte.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich 
mit wessem Geld Ihren Wahlkampf? 
Ich selbst mit meinem Geld. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Ich will keine Verpflichtungen eingehen, aus denen die Geldgeber 
nachher Forderungen an mich bzw. mein Amt ableiten.

Konsequent und eigentlich auch richtig:
Erfolg hat man damit jedoch kaum.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. 
Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn? 
Die direkte Demokratie, 
das Sich-Behaupten-können im EU-Raum und 
den Unwillen, Hochdeutsch zu sprechen.

Gefällt mir auch gut. 
3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich 
in Konstanz - gerade auch von Studenten. Diese brauchen - 
gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten - 
völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. 
Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan 
noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. 
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte 
Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos 
bleiben? 
Selbstverständlich. Freiwilliges Engagement 
finanziell zu bestrafen, 
ist nicht akzeptabel.

 Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt? 
Die Stadt sollte wenigstens eine Halbtagsstelle für das 
Bürgerschaftliche Engagement einrichten.
Dies hat der Gemeinderat bisher leider verhindert.

Der Gemeinderat verhindert noch ganz andere Dinge. 
Bleibt zu wünschen, dass die Piraten und vor allem mal Studenten
jeglicher Couleur ihn aufmischen.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv 
empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):
1. Touristen:
 bringen Devisen und tragen die Bedeutung der Stadt in die Welt
2. Schweizer: bringen ebenfalls Devisen, sind aber sehr sparsam 
(eben Schwaben)
3. Studenten: beleben die Stadt und tragen ihre Bedeutung in die 
(wissenschaftliche) Welt 
4. Solaranlagenbauer: gehen nach China
5. Bodenseefelchen: kommen aus Japan
6. Oberbürgermeister: kommt hoffentlich aus Konstanz
7. der Staub unter meinem Bett: seit gestern Geschichte!
8. das Unkraut auf den Bahngleisen: juckt niemanden
9. Papst: wer oder was ist das, und wenn ja: welcher?

Nach Unkraut und Staub hatte ich nicht gefragt: aber jetzt sind 
wir alle schlauer. Ansonsten eine doch sehr treffende Analyse: 
wusste garnicht, dass die "Bodenseefelchen" nicht frisch gefangen
 sind, sondern tatsächlich aus Japan stammen sollen. Meine kurze 
Recherche findet aber nichts drüber: für mich bleiben 
Bodenseefelchen also Bodenseefische. Solaranlangenbauer nach 
China hat sie aber gut erkannt. Als Stadtführerin misst sie den 
Touristen die größte Bedeutung zu, den Papst scheint sie nicht so
 zu mögen. 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 
2020" gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee 
eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: 
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein 
Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse 
verleihen würde." Würden Sie diese Idee unterstützen - 
gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit? 
Das war ursprünglich und schon vor Jahren meine Idee...
Aber bitte nicht mit Dieselmotor, sondern mit Solarantrieb.

Ist das so? Dann glauben wir ihr das mal. 

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große 
Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde 
machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. 
Was ist ihre persönliche Definition von "Freiheit"? 
Die Freiheit jedes einzelnen hört immer da auf, wo die des 
anderen anfängt. 
Auch kategorischer Imperativ genannt.

Frei nach Kant. Warum nicht. Trifft meinen Geschmack.  

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten 
würden Sie am ehesten wählen und warum?
Nicht wählen würde ich Sabine Reiser und noch ein, zwei andere. 
Sonst könnte ich mir jede/n im Amt vorstellen. 
Man wächst mit seinen Aufgaben,
das gilt für das Amt der Bundeskanzlerin (siehe Angela von vor 10 Jahren)
und muss auch für die/den Konstanzer OB gelten.

Wer sind die ein zwei anderen? Ich habe da so eine Vermutung... 

Blöe Formatierung, die sich nicht ändern lässt. Frau Großmann ist 
abzunehmen, sich für die Belange der Konstanzer einzusetzen, 
teilt im Wahlkampf aber auch  gern mal aus. 
Wir dürfen gespannt sein, wieviel Prozente sie bekommt.

Morgen folgt nochmals eine kurze Vorstellung der übrigen Kandidaten und
ein Ausblick auf Sonntag. 
Ich mach jetzt Schluss, weil mich diese Formatierung voll frustriert 
und jeder Änderungsversuch nicht klappen möchte...

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Seeliger

Stellen wir heute eine weitere OB-Kandidatin vor: diesmal Sabine Seeliger. Sie durfte ich heute auch bei der Podiumsdiskussion erleben (wie alle Kandidaten), über die ich nochmal separat berichten werde. War teils sehr amüsant. Nicht nur der Anteil der Fragen, die an sie gestellt wurden, lässt den Schluss zu, dass sie ernsthafte Aussichten für das Amt des Oberbürgermeisters hat. Ihre Positionen haben mir teilweise zwar ganz gut gefallen, sind überwiegend jedoch nicht meinen Überzeugungen konform, weshalb sie nicht mit meiner Stimme rechnen kann. Trotzdem – das hat auch die Podiumsdiskussion gezeigt – ist sie eine sympathische Kandidatin, mit der Konstanz und auch ich gut leben könnte.

Das Leben dieser promovierten Biologin, die von der Freien Grünen Liste gesponsert wird, spare ich mal aus, weitere Informationen findet man u.a. hier:

http://sabine-seeliger.de/

https://www.facebook.com/seeliger.konstanz

ein Video ihrer 10-minütigen Vorstellung im Konzil Konstanz: http://www.youtube.com/watch?v=MrF8L-DlU00

Leiten wir auch gleich weiter über zu meinen 7 Fragen und ihren teils sehr pfiffigen und offenen Antworten darauf. An dieser Stelle noch eine positive Ankündigung: nach der heutigen Podiumsdiskussion habe ich mit manchem Kandidaten das Gespräch gesucht und kann nun verkünden, dass wohl alle 13 Kandidaten bei dieser Fragerunde mitmachen, sofern Sie sich an ihre Worte halten. Von Frau Reiser und Herrn Luithle erhielt ich sogar viel Lob für meinen Blog. Wer da wohl heimlich mitliest…

Nun aber zu den Antworten Frau Seeligers, die mich gerade etwas verägert hat, indem sie die Antworten in einer schreibgeschützten Word-Datei zukommen hat lassen. Aber ich habs hinbekommen….

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?

Die Freie Grüne Liste hat zugesagt, den Wahlkampf mit bis zu 20.000 € zu unterstützen bei einer Eigenbeteiligung der Kandidatin von mindestens 10.000 €. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Konstanz hat in einem Mitgliederbeschluss einen Wahlkampfkostenzuschuss von 2.000 € beschlossen und ihre Kandidatur einstimmig unterstützt. Außerdem haben bis 13.6.2012 insgesamt 16 Personen einen Betrag von insgesamt 8.896 € für die Wahlkampagne gespendet. Die höchste Einzelspende betrug 2.000 €, die kleinste 10 €.

Im Gegensatz zu Sabine Reiser sind die Informationen über ihre Wahlkampffinanzierung hier deutlich transparenter. Die Formulierung lässt allerdings den Schluss zu, dass sie es nicht selbst geschrieben oder aber nur kopiert hat von einer ähnlichen Frage.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Ihre Basisdemokratie, Volksentscheide.

2. Dass sie die Teilhabe eines viel höheren Anteils von Migrantinnen und Migranten leisten.

3. Dass sie Urtümliches und Avantgarde nebeneinander gelten lassen.

Antwort 1 finde ich sehr gut. Antwort 2 grundsätzlich auch. Antwort 3 ebenfalls. Mit  1 hatte ich auch gerechnet, die beiden anderen Antworten verwundern auch nicht wirklich.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben? Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ich werde mich für eine Stelle zur Koordinierung von Ehrenamtlichen, einer „Freiwilligen-Agentur“ einsetzen. Diese Stelle soll Vereine in mehrer Hinsicht unterstützen, z.B. durch Vermittlung von Freiwilligen, durch die Organisation von Dienstleistungen für die Vereine (Buchhaltung, Personalabrechnungen, Versicherungen), durch Beratung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Wissen und Erfahrung aus gelungenen Projekte wie das der „Sozialen Stadt“ soll diese Stelle auf weitere Quartiere übertragen.

Meine erste Frage beantwortet Frau Seeliger nicht. Den zweiten Teil führt sie aber gut aus und schafft meiner Meinung nach sehr sinnvolle Stellen. Ausnahmsweise also mal eine Befürwortung von Bürokratie meinerseits.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister. Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen > Studierende > Solaranlagenbauer > Touristen > Schweizer > Oberbürgermeister >>>>> Papst

Wenn es keine Bodenseefelchen mehr gäbe, hieße das, dass eine Katastrophe mit dem Trinkwasserspeicher Bodensee passiert sein muss. Gleiches gilt bei Studierenden und Uni, sowie bei Solaranlagenbauer und Solarbranche. Touristen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Schweizer Kundschaft in der Stadt auch, wobei letzteres mehr vom Frankenkurs abhängt als von der Stadtpolitik. Oberbürgermeister halte ich ebenfalls für sehr wichtig, mit sehr großem Abstand folgt dann Papst.

Wie angekündigt zeigt Dr. Seeliger hier ihren biologischen Sachverstand. Die Antwort finde ich sehr originell und hatte sie auch nicht auf dem Radar. Bodenseefelchen gehen also vor die Studierenden (sie gendert natürlich). Als Grüne ist sie natürlich auch für Solaranlagenbauer, die sie wichtiger als Touristen und Schweizer empfindet. Wenn das nicht mal ein Trugschluss ist. Die Erwähnung der „Stadtpolitik“ werte ich mal als bewussten Seitenhieb auf den Gemeinderat bzw. den auch  grünen Noch-Amtsinhaber Horst Frank. Sich selbst nimmt sie natürlich nicht so wichtig (wollen wir es hoffen), aber noch wichtiger als den Papst. Was hätte man anderes erwartet?

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“ Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ein Kreuzfahrtschiff zu initiieren steht nicht auf meiner Agenda.

Kurz und bündig, aber unter grünen Gesichtspunkten absolut verständlich. Ich bin in der Frage auch sehr zwiegespalten – verschandet ein etwas größeres Schiff die schöne Landschaft doch genauso wie die vielen Windkrafträder. Andererseits könnte das den Tourismus durchaus noch weiter ankurbeln und auch für zusätzliche Bettenkapazität sorgen – im Winter sogar für Studierende in Konstanz 😉

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit heißt Wahlmöglichkeit und Möglichkeit zur Teilhabe im Sinne von Freiheit von politischen, ökonomischen und kulturellen Abhängigkeiten. Beides, Wahlmöglichkeiten und Teilhabe ist in jedem Einzelfall von vielen Voraussetzungen abhängig.

Sie definiert Freiheit positiv – wie zu erwarten war. Ihre Position gegen Sperrstunde und Glasverbot lässt sich daraus ableiten. Diese Position macht sie für viele der Studenten auch sicher sehr attraktiv.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?.

Zylla oder Kaltenbach – beide wirken sympathisch und ungekünstelt.

Da wird sogar eine Kandidatin noch konkret: vorstellen kann sie sich Zylla (SPD) und Kaltenbach, den ich ebenfalls als eher sozialdemokratisch, aber liberaler, wahrnehme. Diese offenen Worte finde ich jedenfalls sehr sympathisch. In die Verlegenheit dies auch zu tun wird sie aber wohl nicht kommen: ich gehe stark davon aus, dass sie die Stichwahl erreichen wird.

Wie dem auch sei: ich rate wieder zu einer Beschäftigung mit dem Wahlprogramm, insbesondere da Frau Seeliger auch teils kontroverse Vorschläge wie eine City-Maut für die Innenstadt hat. In diesen verkehrspolitischen Fragen – sie ist z.B auch gegen den Ausbau der B33 als Autobahn bis Konstanz (wobei man fairerweise sagen muss, dass sie den Ausbau einer Landstraße mit Anbindung an die Gemeindem am Wegesrand möchte) – besteht ein gewisser Dissens zu meinen Ansichten, die es mir schwer machen, sie als Kandidatin in Erwägung zu ziehen. Letztlich ist sie auch einfach grün: und nach 16 Jahren grün hat das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz auch mal dringend einen Farbwechsel nötig. Am besten zu garkeiner Farbe!

Morgen folgt wohl die Vorstellung von Benno Buchczyk, sofern nicht noch weitere Kandidaten geantwortet haben. Dann aus Herford, wohin ich morgen wieder 9 Stunden mit dem Zug fahren darf, währenddessen ich einen Essay mit Abgabeschluss am kommenden Montag schreiben muss. Erst gibt es jedoch noch mein letztes Referat dieses Semester – über die Postmarxistin Chantal Mouffe – zu überstehen. Man wünsche mir Glück…

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Reiser

Heute möchte ich mit der Vorstellung der Oberbürgermeister-Kandidaten für Konstanz anfangen: vorgestellte OB-Kandidatin Nr. 1 ist Sabine Reiser, deren Konterfei auf massig Plakaten quer durch ganz Konstanz zu bewundern ist.

Nähere Informationen zur Kandidatin gibt es hier:

http://www.sabine-reiser-fuer-konstanz.de/

https://www.facebook.com/sabine.reiser.fuer.konstanz

https://twitter.com/sabinereiser

Deshalb möchte ich auch garnicht groß auf ihr Leben eingehen, sondern mich gleich ihren Antworten auf meine Fragen widmen. Tatsache ist jedoch, dass Frau Reiser einen hochprofessionellen Wahlkampf betreibt und daher gute Chancen hat, in die Stichwahl zu kommen, obwohl sie als unabhängig antretendes CDU-Mitglied von ihrer Partei nicht unterstützt wird (diese unterstützen vorwiegend Uli Burchardt).

Tatsache ist auch, dass Frau Reiser mit ihrer juristischen Aubildung und in ihrer Position als Referatsleiterin im Regierungspräsidium Stuttgart zweiffelos die für einen Oberbürgermeister nötigen Kompetenzen mitbringt – gleichwohl ich behaupten mag, dass dafür nicht unbedingt Verwaltungskenntnisse nötig sind. Als Referatsleiterin schwerpunktmässig beschäftigt mit Städtebauförderung und Ausbau betrieblicher und touristischer Infrastruktur hat sie sogar Erfahrung in einem für Konstanz sicher zentralen Feld.

Ihr Wahlprogramm werde ich wie bei den anderen Kandidaten auch grundsätzlich nicht kommentieren: da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Allerdings fordern die meisten Leute doch sehr ähnliches, reden von Partizipation, Transparenz und Nachhaltigkeit. Deshalb ist für mich ein zentraler Aspekt die Glaubwürdigkeit der Kandidaten. Wie glaubwürdig Sabine Reiser im Fall einer Amtsübernahme als  Oberbürgermeisterin zu werden scheint, kann man dann mit den 7 Fragen überprüfen, die sie mir, übrigens als erste, beantwortet hat. Ob sie dies persönlich oder ihr Team getan hat, kann ich nicht verifizieren und mag daher auch keine falschen Behauptungen aufstellen. Hier jedoch jetzt chronologisch die Fragen samt kurzen Kommentar meinerseits.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?
Ich rechne mit Wahlkampfkosten in Höhe von rund 60.000 Euro. Das wäre etwa ein Euro pro Wahlberechtigtem, manche sagen auch, es sei ein Euro pro Einwohner nötig. Zumindest sind das Erfahrungswerte anderer. Bisher habe ich 10.000 Euro selbst eingebracht. Da ich von keiner Partei nominiert bin und als unabhängige Bewerberin antrete, erhalte ich auch keine finanzielle Unterstützung von einer Partei. Ich hoffe auf viele private Spenden.

Die 10000€ Eigenkapital nimmt man ihr ohne Weiteres ab. Der höhere öffentliche Dienst ist ja schließlich doch eine wahre Goldgrube. Allerdings fehlt in ihrer Rechnung die Information, woher die weiteren 50000€ stammen bzw. noch stammen werden. Nur aus Privatspenden kann ich mir schwerlich vorstellen; und selbst die sollten ab einem gewissen Beitrag transparent sein.

2.      Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Ihre Freundlichkeit, ihre Kaufkraft und die Schweizer Schokolade

Schweizer sind freundlich. Das kann ich bestätigen! Noch freundlicher, wenn man nicht wie Steinbrück die Kavallerie auf sie hetzen möchte und ihr Bankgeheimnis angreift. Das wurde leider garnicht angesprochen. Kaufkraft haben sie natürlich auch, wer wochenends in Konstanz unterwegs ist hat dies sicher schon gemerkt. Die Vorliebe für Schweizer Schokolade teilt sie mit mir – ein richtiger Sympathiepunkt!

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?

Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Wir leben in einer Bürgergesellschaft. Der Staat könnte die Arbeit ehrenamtlich Engagierter niemals aus Steuergeld bezahlen. Ehrenamtlich Arbeitende leisten gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, bringen sich mit ihrer Freizeit ein und investieren oft auch noch eigenes Geld. Das Mindeste, was ihnen die Stadt zurückgeben kann, ist außer der Anerkennung die Freistellung von Gebühren für ein  erweitertes Führungszeugnis. Das käme Vereinen wie „Rock Your Life“ genauso zugute wie den vielen Sportvereinen, die Jugendarbeit leisten. Jeden Euro, den die Stadt in ehrenamtliche Arbeit investiert, bekommt sie mehrfach wieder zurück.

Wo sie „Rock your Life“ erwähnt, muss sie wohl ein bisschen auf meinem Blog gestöbert haben. Tatsächlich hatte ich angeregt, ein wenig Lobbying zu betreiben, das hat sich scheinbar gelohnt. Sehe ich sonst auch eigentlich genauso wie sie.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister.

Gerne auch mit Begründung!

Studenten (mutmaßlich Hauptzielgruppe des Blogbeitrags)

Touristen

Schweizer

Solaranlagenbauer

Oberbürgermeister

Papst

Bodenseefelchen

Meine fiese Frage wurde bisher höchst unterschiedlich beantwortet: wie angekündigt publiziere ich die Antworten ungekürzt. Wir sehen also, gewisse opportunistische Tendenzen. Wenn es natürlich tatsächlich so ist, so ist das umso besser. Dass sie Touristen den Schweizern vorzieht ist nachvollziehbar und sinnvoll. Erstere werden nicht fernbleiben, wenn der Schweizer Franken abwertet und die Mehrwertsteuerrückerstattung fällt. Momentan sind die einkaufenden Schweizer natürlich trotzdem der Motor für Konstanz‘ Wirtschaft, mehr jedenfalls als die Solaranlagenbauer, die momentan ja massiv zu kämpfen haben. Etwas Diversifizierung würde der Konstanzer Wirtschaft gut tun. Dass Frau Reiser sich selbst bedeutsamer als den Papst empfindet, ist für eine CDU-Frau ja beinahe anmaßend (sofern sie Katholikin wäre), aber zu verstehen. Papst nahm ich wegen der Konstanzer Historie ums Konzil von 1414-1418. Dass die Bodenseefelchen jedoch auf dem letzten Platz sind ist zwiespältig: als bekennender Fisch-Vegetarier gefällt mir das gut, nach Frau Seeligers Antwort auf diese Frage allerdings nicht mehr. Darauf dürft Ihr euch morgen freuen – verraten sei soviel, dass eine Biologin doch mehr Ahnung hat als man denkt…

 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)

besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“

Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ja, unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit aber nur, wenn es sich um eine Lädine oder eine Galere handeln würde und die Kreuzfahrer die Nächte auf einem Eco-Campingplätze verbringen würden.

Was ist eine Lädine? Wie ich gerade erfahren habe, ein historisch auf dem Bodensee gebräuchlicher Lastensegler. Man lernt stets dazu! Damit hätte der Vorschlag echt Reiz – Frau Reiser ist richtig kreativ. Eco-Campingplätze find ich aber unnötig.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Die persönliche Freiheit endet da, wo sie die Freiheit anderer beeinträchtigt.

Diese negative Freiheitskonzeption wollte ich hören. Geschmackssache – die bisherigen anderen Antworten waren positive Freiheitskonzeptionen…

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?

Schwierige Frage. Wie viele Bürgerinnen und Bürger, bin auch ich noch in der Entscheidungsfindung. Spontan würden ich drei Mitbewerber in die engere Wahl nehmen.

Ich bin auch noch in der Entscheidungsfindung. Klare Worte lässt sie hier vermissen, doch fragt man sich, wer denn diese Mitbewerber seien. Zumindest Uli Burchardt könnte ich mir vorstellen. Ich bin gespannt, wen Sie, sollte sie nicht in die Stichwahl kommen, unterstützen wird. Das könnte nämlich durchaus den Ausschlag geben…

 

Das wars auch schon soweit. Mein Eindruck aus den Fragen und der Kommunikation mit Frau Reiser: eine unabhängige Power-Frau mit viel Einsatz, sehr professionell, aber durchaus mit Sinn für Humor. Zu einer abschließenden Kandidatenbewertung möchte ich mich noch nicht hinreißen lassen (da wird vor allem die Podiumsdiskussion morgen ehr spannend), doch würde ich den Interessierten empfehlen, einen näheren Blick auf ihr Wahlprogramm zu werfen und vielleicht auch persönlich mit ihr in Kontakt zu treten. Sie bzw. ihr Wahlkampfteam haben bisher immer sehr zügig geantwortet.

Konstanz würde nach 16 Jahren ein Farb- und Geschlechtswechsel im Amt des Oberbürgermeisters durchaus gut tun. Ich denke, Frau Reiser hat auch durchaus die Qualitäten, Konstanz erfolgreich in die Zukunft zu führen und steht daher bei mir in der engeren Wahl. Allerdings bin ich gegen Staatsbedienstete und ihre Glaubwürdigkeit generell sehr skeptisch eingestellt, was das Bild etwas trübt. Nichtsdestotrotz – bildet Euch eure Meinung – ich hoffe, ich konnte mit meinen Fragen ein paar zusätzliche Aspekte aufwerfen!

Morgen geht es dann (vermutlich) weiter mit der nächsten Sabine: die nennt sich auch unabhängig, ist aber doch sehr grün und hat Ahnung vom Ökosystem Bodensee!

 

Die Piraten, Demokratie und der OB-Wahlkampf

Gestern bin ich nicht nur zum ersten Mal in den mit 17 Grad relativ kalten Bodensee gesprungen und habe mir einen Quasi-Ganzkörpersonnenbrand geholt, sondern nahm auch nochmals die Gelegenheit wahr, bei der Kreismitgliederversammlung der Piratenpartei zu partizipieren. Jetzt bin ich endlich meine Schatzmeister-Unterlagen los und kann das Kapitel nun weitgehend für mich beenden.

Bleibe ich Pirat? Ich glaube nicht. Die gestrige Veranstaltung grenzte teilweise an Realsatire. Der  neu gewählte Vorstand sieht aber passabel aus, sodass man hoffen kann, dass die Piraten jetzt den Kindergarten verlassen. Neuer Vorstandsvorsitzender ist der Radolfzeller Arzt Stefan Bushuven, sein Stellvertreter das einzige Ex-Vorstandsmitglied Andreas Bergholz, meine Nachfolgerin als Schatzmeisterin die als Betriebswirtin bestens qualifizerte Ulrike Trachternach und als Beisitzer die Herren Norbert Annabring und Heiko Stubenvoll. Ihnen alles Gute und eine erfolgreiche Amtszeit, die nicht schon nach 3 Monaten endet…

Mit der Demokratie, die sie vergöttern, scheinen es einige Piraten, auch neue Vorstandsmitglieder,  aber doch nicht so genau zu nehmen. Im Zuge der Frage, welchen OB-Kandidaten man unterstützen solle, lief seit einiger Zeit eine Online-Umfrage unter allen Mitgliedern des Kreisverbandes, bei der die OB-Kandidaten mittels Zustimmungswahl gewählt werden sollten. Sprich, all für den Abstimmenden geeigneten Kandidaten dürfen gewählt werden, der siegreiche Kandidat vereinzt die meisten Stimmen, aber min. 50% auf sich.  Bevor das bereits feststehende Ergebnis gestern verkündet wurde, entbrannte jedoch noch eine Satzungsänderungsschlacht. Zum Glück nicht die Mehrheit, aber eine große Minderheit der anwesenden Piraten wollte sich die Möglichkeit vorbehalten,  die eventuelle Wahrscheinlichkeit, dass kein Kandidat die 50% erreicht, auszuhebeln, indem die Anwesenden der Kreismitgliederversammlung sich über den Beschluss aller Parteimitglieder hinwegsetzen und vor Ort einen Kandidaten zu unterstützen, der vielleicht nur 45% der Stimmen hat.

Die Intention mag nachvollziehbar sein, ich finde das aber bedenklich. Letztlich wäre es ohnehin nicht nötig gewesen: offiziell von der Piratenpartei unterstützt wird nun das Parteimitglied Benno Buchczyk mit 56%  Zustimmung. Der zeigte auch als Einziger (ich hielt mich vornehm zurück…) bereits während der Debatte, dass er zu demokratisch getroffenen Entscheidungen steht, sprach sich vehement gegen die Satzungsänderungen aus und ich nehme ihn ab, dass er, wenn er nur 45% Zustimmung erreicht hätte, die Abstimmung voll respektiert hätte.

Benno Buchczyk ist der letzte Bewerber mit der Glückszahl Nr. 13, als ehemaliger PoWalter bestens qualifiziert und wird den Wahlkampf sicher noch aufmischen. Trotz „offizieller “ Unterstützung der Piratenpartei darf er aber nicht allzu viel erwarten. Ich bin gespannt, ob es über moralische Unterstützung hinausgeht, abgesehen von den Piraten, die sich ohnehin in seinem Wahlkampfteam engagieren. Wirkliche Chancen räume ich ihm aber nicht ein. Wer sich über den Kandidaten Benno informieren möchte: http://www.oderbenno.de

Wem das jetzt nach zuviel Werbung klingt: es ist Werbung! Jedenfalls kann ich das Kreuz an seiner Stelle empfehlen. Das heißt aber weder, dass ich ihn wähle, noch, dass ich nicht auch andere Kandidaten für geeignet halte. Darüber werde ich in den nächsten Tagen informieren: von Sabine Seeliger, Sabine Reiser und eben Benno Buchczyk habe ich meinen Fragenkatalog bereits beantwortet bekommen. Zu wirklich klaren Aussagen kam aber niemand: am ehesten noch Frau Seeliger, die obwohl unabhängig, doch großzügig von den Grünen gesponsort wird, dies aber auch auf meine Frage hin transparent macht. Sie bewies auch ökologischen Sachverstand, nannte sogar ihren Favoriten für das Oberbürgermeister-Amt nach ihr und kam insgesamt am authentischsten rüber, auch wenn ich wahrlich kein Fan grüner Politik bin.

Das als kleiner Appetithappen für die kommende Woche: am Mittwoch ab 19.30 Uhr im Audimax der Universität Konstanz findet übrigens eine Podiumsdiskussion statt, die sehr interessant werden dürfte. Die Konstanzer Hochschulen bilden knapp 25% aller Wahlberechtigten – das dürfte eines der Höhepunkte des Wahlkampfes bilden. Ich bin gespannt – auch auf die hoffentlich noch eintrudelnden Antworten der anderen Kandidaten!

OB-Wahl in Konstanz und die lokalpolitische Medienwelt

Wir sind schon im Juni angekommen. Das heißt, bald steht die die OB-Wahl in Konstanz an, über die ich nun verstärkt berichten werde. Die UN-Simulation KONMUN 2012 dieses Wochenende, in der ich aus der Perspektive Kameruns partizipierte, ist schon wieder zu Ende, hat aber Spaß gemacht und brachte eine erfolgreich verabschiedete Resolution mit sich, mit der ich als Kameruner sehr gut leben konnte. Am Ende gabs dann noch den Trostpreis für den „idealistischsten“ Teilnehmer – stimmt ja irgendwie auch…

Aber das soll heute nicht das Thema sein: es ist Anfang Juni – und Ende Juni – genauer gesagt Anfang Juli heute in 4 Wochen finden bereits die Oberbürgermeister-Wahlen für die Stadt Konstanz statt – der erste Wahlgang jedenfalls, der sicher noch eine  Stichwahl 2 Wochen später nach sich ziehen wird.

Im Gegensatz zu anderen Städten, die händeringend nach Bewerbern suchen, haben die Konstanzer WählerInnen eher ein Luxusproblem: mittlerweile sind es voll und ganz 14 Kanditaten, wenn ich mich nicht täusche, die das schöne Konstanz für sich entdeckt haben bzw. ohnehin schon länger mit  Konstanz und der Bodenseeregion verbunden ist. Das Spektrum der Bewerber reicht von Bürokraten auf Landesebene über Anwälte bis zu einem Förster um nur einige zu nennen. Politisch sind fast alle sehr auf dem grünen Nachhaltigkeitstrip – kein Wunder, da Konstanz als erste Stadt mit grünem Oberbürgermeister Deutschlands, Horst Frank, der nach 16 Jahren Amtszeit sich nun vermutlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, geradezu prädestiniert dafür ist. Sie kommen aus allen Parteien bzw. sind bzw. sehen sich als unabhängig, selbst ein Pirat tritt an, dessen Person mir allzu gut bekannt ist; den ich aber aus Rücksicht auf einen möglichen Mißerfolg bei seiner  recht kurzfristigen Unterschriftensammlung (100 in 5 Tagen oder so) mal ganz intransparent noch nicht offenbare. Seine Piratenmitgliedschaft heißt übrigens längst noch nicht, dass ihn die Piraten auch unterstützen – Gründe dafür findet man unter anderem zwischen den Zeilen in meiner Rücktrittserklärung.

Trotz der vielen Kandidaten haben die Konstanzer aber ein Problem: der Zugang zu Informationen hinsichtlich der Bürgermeisterwahl ist beschränkt und gefiltert.

Der Südkurier, ein eher konservatives Blatt, hält seit Jahren in Konstanz das Monopol auf dem Printmarkt. Die ohnehin spärlichen Informationen auf der Website (www.südkurier.de) müssen hinsichtlich der OB-Wahl mittlerweile gar bezahlt werden. Das ist zwar das gute Recht des Südkuriers (und auch nicht sehr teuer), hindert denjenigen, der sich über die OB-Wahl informieren will, z.B den armen Studenten, dies zu tun. Denn ein Abo des Südkuriers haben wohl auch nur die Wenigsten.

Im Onlinebereich gibt es noch einige Alternativen, die aber allesamt wie natürlich auch mein Blog ideologisch gefärbt sind und hinsichtlich der OB-Wahl teilweise sehr einseitig Propaganda für ihren Wunschkanditaten machen.Die Auflistung konzentriert sich allein auf die Internetangebote, die auch regelmässig über die OB-Wahl berichten – es gibt natürlich noch einen Haufen mehr an vielen interessanten Blogs, insbesondere Foto-Blogs (einfach mal googlen).

Da gibt es einmal SeeOnline (www.see-online.info), betrieben von einer der SPD (und ab und an auch mal den Piraten) nahestehenden Redakteurin, die aus persönlichen Gründen allerdings die unabhängige CDU-Kandidatin Sabine Reiser zu unterstützen scheint, deren professioneller Wahlkampf und Fachkompetenz sie sicher zu den aussichtsreichsten Kandidaten macht. Über die Kandidaten möchte ich heute aber noch keine großen Worte verlieren.

Ein anderes Online-Magazin für Konstanz nennt sich SeeMoz (www.seemoz.de) und ist nicht nur wegen der Farbgebung als tiefrot zu bezeichnen.

Das dritte mir bekannte Online-Magazin bzw. eher Blog nennt sich „Dornröschen“ (http://www.tmw-kn.com/blog/) und ist spontan schwer einzuordnen.

Der vierte Blog ist dann also meiner – ich habe mich entschlossen, ein wenig über die OB-Wahl zu berichten, indem ich die beteiligten Kanditaten vorstelle, sie auch mit ein paar Fragen belästige und meinen Senf dazu gebe.

Dazu brauche ich die Hilfe von euch Lesern! Bis Mittwoch habt ihr Zeit, in den Kommentaren Fragen loszuwerden, die ich sofern sie nicht zu grob abschweifen, in einem Fragenkatalog den antretenden Kandidaten schicken werde. Bei ihrer so stark bekundeten Bürgernähe scheint mir eine Antwort auch sehr realistisch, zumal ich einen Haufen der Bewerber bereits kennengelernt habe bzw. auch persönlich schon näher kenne und einschätzen kann. Ich habe mir natürlich auch einige Fragen überlegt – falls es aber einige mehr werden umso besser! Würde mich freuen, wenn Ihr Eure Fragen hier loswerdet. Gerne durchaus sehr kritische ! Wie ihr wollt – mit Namensnennung, Pseudonym oder anonym!

Ein wenig Abwechslung in diesem Wahlkampf kann schließlich nicht schaden – die Plakate allerorten würde man am liebsten abreißen…