Robert Nefs Vortrag zu „Regionale Integration – Ende der Nationalstaaten?“

Am Donnerstag, den 31. Januar, veranstaltete der Hayek Club Konstanz seine zweite Veranstaltung. Eingeladen nach Konstanz war der liberale Schweizer Intellektuelle Robert Nef, der im Nachbarland seit Jahrzehnten für mehr Freiheit streitet. Als Gründer des Liberalen Instituts Zürich, ehemaliger Herausgeber der „Schweizer Monatshefte“ und aktiver Redner und Publizist hat er den Klassichen Liberalismus in der Schweiz gefördert wie kein Zweiter. Umso mehr war der Hayek Club Konstanz erfreut, dass er sich die Zeit nahm, gut 20 Zuhörern in privaten Räumlichkeiten seine Thesen vorzustellen.

Seinen Vortrag – „Regionale Integration – Ende der Nationalstaaten?“ hielt er in ähnlicher Form bereits anlässlich der Tagung der Mont Pelerin Society 2012 in Prag. In etwa 50 Minuten nahm er Stellung zum Nationalstaat und legte eine klares Bekenntnis zum Non-Zentralismus ab. Kleine Staaten seien in seinen Augen zwar auch nicht perfekt, aber mit weniger Nachteilen behaftet als große Zentralstaaten. Er machte dies an den 3 Begriffen der Souveränität, Solidarität und Subsidiarität fest, denen er sich etymologisch näherte.

Souveränität, vom Lateinischen „superare“ kommend, bedeute vor allem, dass niemand über einen stehe. Natürlich würde ein Mensch nicht isoliert aufwachsen können, entgegnete er auf eine entsprechende Diskussionsfrage. Doch seien alle Menschen gleich und niemand solle den anderen in irgendeiner Hinsicht von Natur aus übergeordnet sein.

Solidarität sei unter anthropologischen Gesichtspunkten auf kleinere Kreise begrenzt und solle freiwillig erfolgen. Man dürfen den gewöhnlichen Menschen nicht zwingen, jemanden zu helfen, der einer ganz anderen Kultur und Sprache angehöre, da ihn dies überfordere. Er betonte jedoch auch, dass diese Grenzen in einer zunehmend globalisierten Welt gerade für Jüngere langsam verschwinden. Er sei – wie auch dem Hayek Club irrtümlich vorgeworfen –  kein Gegner, sondern ein glühender Verfechter von Solidarität, sofern sie freiwillig erfolge.

Subsidiarität sei etwas, was gehörig in die falsche Richtung laufe. Robert Nef forderte eine Schranke gegen Weitergabe von Befugnissen nach oben. Subsidiarität müsse die Möglichkeit sein, auf kleinster Ebene soviel lösen zu können wie möglich. Probleme einfach an eine übergeordnete Instanz abzugeben, bis es keine mehr gibt, führe zu nichts als noch schlechteren Entscheidungen.

Anschließend an seinen Vortrag gab es noch ausreichend Zeit für eine kritische Diskussion. Der Bundestagskandidat der Linkspartei im Kreis Konstanz, Marco Radojevic, versuchte Robert Nef aus der Reserve zu locken.Wieder einmal wurde deutlich, dass Marxismus und Liberalismus in der Analyse nahe beieianderliegen, aber bei den Lösungsansätzen ähnlich weit entfernt sind. Robert Nef antworte geduldig auf viele aufkommende Fragen und Diskussionsbeiträge, ehe die Veranstaltung um 22 Uhr endete.

Danach bestand noch die Möglichkeit sich privat mit Robert Nef zu unterhalten oder einer der vielen ausliegenden liberalen Werke zu begutachten und mitzunehmen. Darunter auch das Buch „After the Welfare State“ unseres Kooperationspartners, den European Students for Liberty, in dessen Netzwerk wir aufgenommen wurden.

Für den Hayek Club Konstanz war es eine gelungene zweite Veranstaltung. „Mit nunmehr 30 Interessierten ist der Start des Clubs überaus gelungen„, so der Club-Leiter Christoph Heuermann auf Anfrage des auch an dieser Veranstaltung teilnehmenden Südkuriers. Ende Februar steht ein privates Treffen der Interessierten zum gegenseitigen Austausch an.  Am 5. Juni freuen wir uns dann auf den Vortrag des Wirtschaftsweisen Prof. Lars Feld. Schon vorher soll noch ein anderer Referent sprechen. Vorschläge sind immer gerne gesehen!

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