Der PoWalter und das (Un)Politische

Heute fand eine von der Fachschaft PoWalter (herzlichen Dank für die Organisation!) organisiertes Event zu unserem Studiengang statt, das den Titel „Powalter2013 – zwischen Idealismus und Pragmatismus“ trug. Es ging um die Politisierung des Politik-Studenten und die Frage, wie man das Politik-Studium am besten gestalte. Auslöser war der Artikel von Frau Florin in der ZEIT, der im gleichen Blatt von Julian Kirchherr kritisch beleuchtet wurde. Da ich niemanden so wirklich zustimme, schrieb ich damals selbst meinen im Nachinein eher peinlich-satristischen Senf zu ihr und ihm.

8 Monate später hat sich gleichwohl viel verändert. Ich werde daher noch mal meinen Senf dazu schreiben, nachdem ich die Debatte mit meiner unqualifizert-subjektiven Extrempositionsminderheitenmeinung nicht stören wollte. Denn klar ist: jeder Mensch ist anders und nimmt z.B die Arbeitsbelastung des Studiums auch völlig anders wahr. Manche müssen für ihren Lebensunterhalt komplett selbst aufkommen, während es andere einfacher haben. Und auch die Erwartungen an ein Studium und den damit verbundenen Zukunftsoptionen differiert stark.

Angefangen mit einer Podiumsdiskussion aus Professor, Studienberater, studentischem Vertreter und beruflich tätigen Alumni des Fachbereiches wurden diverse Statements gemacht, die dann teilweise aber einen doch beachtlichen ideologischen Unterbau hatten. Mit Kollektivlogik und Moralkeule aus dem Mund eines Was-Wohl sollten die Student*Innen des Fachbereiches zu mehr Engagement ermuntert werden – freilich in der Hochschulpolitik, die völlig zu Recht den meisten total gleichgültig ist oder in politischen Parteien, in denen man , falls man denn tatsächlich noch eine  genehme Partei findet, ordentlich Sitzfleisch und Laberlust mitbringen sollte. Ausgeklammert werden hingegen andere Formen des Engagements, die gerade von PoWaltern durchexerziert werden. Kaum eine Hochschulgruppe – ist mein Eindruck – könnte längerfristig überleben ohne engagierte Politik-Studenten, die sich massiv in ihnen einsetzen. Auch darüber hinaus: Engagement für Kultur und in Vereinen stärkt die Zivilgesellschaft deutlich mehr als sie durch Interventionszwangsträumerereien zu schwächen.

Der Vorwurf fehlenden Engagements kann man den meisten also kaum machen. Und selbst wenn, liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen nach seiner Facon glücklich zu werden. Wenn das darin besteht, bereits 4 Wochen vor der Klausur zu lernen, dann ist das eben so. Die Ausrede des Zeitmangels kann man allerdings nun wirklich nicht gelten lassen. PoWalter sein heißt eigentlich, dass jeder Tag ein Sonntag ist – um 12 Uhr aufstehen, sich 2 Stunden geistig betätigen und chillen (tatsächlich sieht er dann natürlich – freiwillig – doch anders aus). Ausgenommen die engere Klausurenphase und mögliche Referatsvorbereitungen. Kommt natürlich auch darauf an, wie ernst man sein Studium nimmt. Ich kann mir vorstellen, dass wenn man alle Vorlesungen besucht (50% wird dieses Semester knapp bei mir), alle Tutorate mitnimmt (mittlerweile gehe ich in gar keins mehr), brav alle Texte mit nicht gerade hoher Lesegeschwindigkeit liest (die Conclusions reichen mir meist) und die Veranstaltungen während des Semesters auch noch nachbereitet (?), das dann tatsächlich Zeitprobleme auftreten. Dann liegt man vielleicht tatsächlich mit seinen ECTS-Anforderungen in Einklang. Die ECTS-Diktatur, die mir vorschreiben möchte, wie viel ich für eine Veranstaltung zu lernen habe, ist ohnehin die größte Lachnummer. Statt 42 im letzen Semester hätte ich danach  wohl nicht mal die Hälfte bekommen (1 ECTS sollen 25-30 Arbeitsstunden sein, 1 Semester bringt im Normalfall ca. 30 ECTS).

Wie sich so ein nachlässiges Studium auf den Klausurerfolg auswirkt steht natürlich noch in den Sternen. Aber ich bin da ganz optimistisch nach den Erfahrungen der ersten beiden Semester. Jedenfalls kann ich Zeitmangel niemanden abnehmen, der nicht etliche Stunden pro Woche arbeiten muss. Vor allem wenn ich sehe, wie andere Studiengänge schuften müssen (Konstanz war da echt eine gute Wahl!). Woran liegt es also dann, dass die PoWalter so herrlich unpolitisch sind?

Vielleicht ist es tatsächlich Zeitmangel in anderer Hinsicht. PoWalter sind meist recht zielstrebig und wollen größtenteils auch ins Ausland. Hinzu kommt, dass das Praxissemester die Studenten aus Konstanz herausdrängt – im Vergleich zur Deutschen Botschaft in Timbuktu ist der Südkurier eben nicht mehr so sexy. Und sehr viel mehr Möglichkeiten gibt es ja auch kaum. Man ist also vielleicht 3 Semester vor Ort – anfangs meist auch ortfremd , aus ganz anderen Ecken Deutschlands stammend, mit ganz anderer Mentalität. Und jetzt kommunalpolitisch sich engagieren oder für die Hochschulpolitik? Erst braucht es Zeit sich einzuleben und respektiert zu werden, dann ist die Zeit meist schon vorbei. Und für politische Sachen wie Kommunalpolitik ist eine Zeitspanne von eineinhalb Jahren einfach viel zu kurz – wenn man gewählt wird ist man 4 Jahre an Konstanz gebunden. Kein Wunder, dass kein Student im Stadtrat sitzt. Auch das Studentenparlament, das sich an PoWalter-Mangel nun wirklich nicht beklagen muss (Pseudo-Bundestag), hat ein ähnliches Problem, obwohl hier die Amtszeit nur ein Jahr ist. Ein PoWalter, der sein Studium in der Regelstudienzeit mit Ausland durchziehen möchte, hat schlichtweg nicht die Möglichkeit, sich dort zu engagieren und darüber hinaus vermutlich auch wenig Lust, wenn er weiß, dass er vermutlich eh nicht zurückkommt.

Nun kann man natürlich sein Praxissemester verlegen, die Regelstudienzeit überschreiten (was bei uns anscheinend normal ist) und  so weiter. Das ist ja auch völlig legitim, wenn es 2-3 Semester sind. Wer mehr braucht sollte sich aber schon fragen, ob das Studium bzw. Studieren an sich denn das Richtige für ihn ist. Meist sind diese Leute die, die am lautesten nach staatlicher Alimentierung schreien und auf das Recht auf ein kostenloses Studium pochen.

Wer schnell studieren möchte, sollte aber doch nich bestraft werden. Wenn ich mein Studiun in 6 statt in 8 Semestern vollende, so habe ich eben noch die Möglichkeit einen zusätzlichen Master in einem für mich interessanten Themengebiet zu erwerben – oder ich fange halt früher an zu arbeiten – was auch immer. Das es überhaupt so etwas wie eine Regelstudienzeit gibt ist Humbug. Wer das Studium in 4 Semestern durchziehen möchte sollte das genau so machen können wie die Person, die es mit 8 Semestern etwas ruhiger angehen lassen möchte. Das hier gerne gebrachte Persönlichkeisentwicklungsargument halte ich für Unsinn. Gerade wer schnell studiert hat im viel stärkeren Maße Selbstorganisation, Zeitmanagement und Co. unter Beweis gestellt. Auch ist er  im Regelfall 2 Jahre früher in der Praxis, was der Persönlichkeit vermutlich besser tut als Party.

Aber ich schweife ab in die Unzulänglichkeiten des staatlichen Bildungssystems – daher zurück zum Thema: Idealismus und Pragmatismus waren dabei zwei Schlagworte. Aber warum sie gegensätzlich auffassen? Kann man nicht auch idealistisch und pragmatisch zugleich handeln? Ich zumindest bin der Ansicht, dass man das wunderbar verbinden kann. Eben aber nicht in der Hinsicht seinen Lebenslauf durch „künstliches“ Engagement zu pimpen, sondern eben weil man gerade durch sein Engagement seine Netzwerke aufbaut, viel über sich lernt und vor allem schnell rausbekommt, wohin die eigene Reise gehen sollte und wohin eher nicht. Ausprobieren war meine Devise und das Ergebnis ist, dass mich ziemlich viele Sachen mittlerweile ziemlich wenig reizen. Eine unproduktive Tätigkeit bei der EU (gut, der Gesetzes-Output ist schon sagenhaft) war zu Studienanfang mein Zukunftstraum. Zum Glück hat sich das erledigt.

Nicht vergessen sollte man aber auch letztlich, dass kein politisches oder sonstiges Engagement auch automatisch kein politisches Interesse bedeutet. Viele Studenten sehen die Politikwissenschaft eben auch als Wissenschaft (ich gehöre nicht dazu), die sie wertneutral (das geht eh nicht) betreiben wollen. Vielleicht wollen sie auch in die Wissenschaft oder andere Berufe und sich, wie ein Teilnehmer annmerkte, stigmatisieren lassen, was bei politischen Engagement automatisch erfolge. Manch einer hat da vielleicht Angst um seine Karriere….

Wissenschaft und Politik könne man trennen, sagte Herr Professor und führte mit Paul Krugman (aus meiner Sicht das perfekte Gegenbeispiel…) einen solchen Vertreter an. Tatsächlich sind Politik und Wissenschaft  viel zu sehr getrennt in anderer Hinsicht. Politiker fragen selten Politikwissenschaftler um Rat, vermutlich weil sie keine Zahlen in unrealistische Modelle stecken und noch unrealistischere Ergebnisse erhalten. Vielleicht ist das aber auch besser so: sonst würde die ohnehin überhand nehmende Quantifizierung der Politikwissenschaft noch schneller voranschreiten. Möglicherweise ein anderer Grund: Regressionsanalysen aufzustellen macht manchen Politikwissenschaftlern vielleicht mehr Spaß als die Frage, wofür man das eigentlich tut.

Jetzt fallen mir keine weiteren Erklärungen mehr ein, warum der normativ politisch sein sollende PoWalter positiv so unpositiv unpolitisch ist. Außer vielleicht, dass der Studiengang der Politik- und Verwaltungswissenschaften von vielen tatsächlich als BWL-light-Studium ohne Mathe (das täuscht) gesehen wird, mit dem man später ganz viel verdienen kann (meist fahren diese Leute hinterher Taxi). Und wenn die Karriereambitionen tatsächlich mit den geistigen Fähigkeiten übereinstimmen sollten, so geht es meist Richtung Wirtschaft. Das stiftet der Gesellschaft dann auch tatsächlich einen Nutzen.

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Gedanken zur Bildung in Konstanz

Nach einem geschäftigen Tag beenden wir diesen nun mit einem Blog-Artikel. Zurück in Konstanz muss jedoch erst einmal gesagt werden, dass mein glorreiches Netbook seinen Geist aufgegeben hat. Bevor ich 40€ für eine Diagnose zahle und dann defacto genötigt bin, mögliche Reparaturen durchzuführen, möchte ich die 40€ nicht umsonst ausgegeben haben. Daher – Weihnachten naht – ist nach 3 Jahren auch durchaus ein neues drin. Die Frage bloss ist: Netbook oder Tablet? Ich tendiere zu letzterem. Und dort die Frage: Apple oder nicht? Und LTE – ja oder nein? (LTE ist der neue ganz ganz schnelle Funkstandard, aber noch nicht sonderlich breitflächig verfügbar im Moment).

Wie dem auch sei: nun tippe ich meinen ersten Blog-Beitrag auf meinem alten PC. Das geht genauso bequem. Überhaupt bin ich hier 3-mal so effektiv und schnell wie am Netbook. Auf Dauer gewöhnt man sich dort auf teilweise lange Wartezeiten beim Laden von Programmen – hier ist das nicht der Fall. Nach 3 Jahren Quasi-Stillstand freut sich mein bis dato ständig heissgelaufener PC aber wohl auch mal wieder an etwas Aktivität.

So zocke ich denn tatsächlich auch mal wieder was. Abgesehen von gelegentlichen FIFA-Sessions woanders bot ein Netbook nur Vergnügungen wie Schach, Poker und kleinere Internet- und Browserspiele. Damit kann man zwar auch Stunden verbringen, mal wieder einen alten Klassiker wie Trackmania zu spielen – auch wenn er sich massiv verändert hat – tut aber mal der Seele gut. Man muss es ja nicht übertreiben und wieder die Weltrangliste dominieren – Studium und andere Aufgaben warten…

Das Studium gleichwohl – 7 Wochen sind schon vorbei – scheint noch gar nicht wirklich angefangen zu sein. Es ist nicht so, dass man nichts zu tun hat. Im Gegenteil – manche scheinen unter der Belastung zu ächzen. Aber das Schöne am Studium ist ja: man kann sich seine Zeit selbst einteilen – so ganz ohne Anwesenheitspflichten,  wie man will. So kann ich wie jetzt um 3 noch meinen Blog beschreiben, obwohl um 8 Uhr morgens – sprich in 5 Stunden – bereits eine Vorlesung beginnt. Die sind zwar wirklich nicht schlecht, als Autodidakt ist es für mich aber eine Herausforderung solch Monologen sonderlich lange zu folgen, zumal ich Sie in Eigenregie 10-mal so schnell nachholen kann. In dieser Hinsicht freilich wiegt der Verlust des Netbooks als Ablenkungsobjekt in den Vorlesungen schwer.

Nach 3 Semestern weiß man auch genug Bescheid, wie man sich seinen Stoff einteilt. Powalter haben den Vorteil, dass sie zwar relativ viel zu  lesen (kontrolliert wird das natürlich allenfalls durch die Klausur), aber bis auf die obligatorische Seminar-Hausarbeit am Semesterende wenig zu schreiben haben. Mitschriften habe ich mir noch nie gemacht, Protokolle gibt es nicht, für ein Tutorium, so man denn überhaupt hingeht,  muss man allenfalls mal ein Exzerpt verfassen. Da blickt manch Naturwissenschaftler ganz neidisch!

Inhaltlich ist es durchaus noch spannend. So ganz kann ich als Libertärer der Politikwissenschaft die Existenzberechtigung nicht absprechen. Und auch wenn viele Berufsrichtungen nicht mehr in Frage kommen, so schadet es doch nicht, gewissermassen das Denken des politischen Gegners zu verstehen zu lernen (auch wenn das oft Horror ist).

Auch wenn ich für mein derzeitiges Hauptinteresse – Politische Theorie – eindeutig am falschen Fachbereich bin, so kann man trotz der empirisch-quantitativen Ausrichtung dank der umfassenden Wahlmöglichkeiten sein Studium in die gewünschte Richtung lenken – auch wenn das Angebot vielleicht begrenzt ist. Dank problemloser Anerkennung des Auslandsstudiums kann man aber auch dem Abhilfe tun. Mich zieht es wohl nach Madrid – aber noch ist nichts entschieden.

Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz bleibt jedenfalls – ohne mich jetzt weiter auf die vielen positiven als auch die sehr viel weniger negativen Aspekte einzulassen – ein empfehlenswerter Studiengang, den ich so nochmals wählen würde. Denn man hat das, was von Studenten heutzutage so oft bemängelt wird: Zeit!

Wie man sie nutzt, ist einem jeden selbst überlassen. Ob auf Partys, am See, im AStA-Cafe oder engagiert bei vielen tollen Studenteninitiativen – Möglichkeiten gibt es genug. Gerade in den Politikwissenschaften – und viel wichtiger in diversen Nebendisziplinen kann man diese Zeit unter anderem  auch nutzen, um sich einen Überblick über Anderes zu verschaffen. Wenn so oft von der Wichtigkeit von Bildung gesprochen wird, kann ich das nicht verneinen – ganz im Gegenteil. Aber Bildung ist mehr als Zwangsanwesenheit in schulischen Anstalten wider der Natur vieler Kinder noch der mehr oder minder freiwillige Universitätsbetrieb, in der im Gegensatz zur Schule wenigstens noch Eigenverantwortung und Nonkonformismus ohne Disziplinierung durch Staatsdiener möglich sind. Zur Bildung als lebenslangen Prozess gehört natürlich nicht nur Wissen, sondern viel mehr andere Fähigkeiten.

Wicht ig aber ist: gut verstandene Bildung ist selbstbestimmt. Was heutzutage als Bildung deklariert wird, sollte man eher als Formung bezeichnen. Im Gusseisen des gehorsamen Staatsbürgers werden die Individuuen gepresst, um von der Politik bestimmt und von der Wirtschaft benutzt zu werden. Das ist nicht mein Verständnis einer freien Gesellschaft, in der wir angeblich leben. Bildung sollte bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel Recht/Gesetze) nicht vermitteln WAS, sondern WIE man denkt und die nötigen Ressourcen zur Vervollkommnung dieses Ziels bereitstellen. Wenn eine gewisse Anzahl von Studenten ein Seminar über Karl Max haben möchte, dann sollten Sie das auch bekommen – ob es Ihnen nützt sei dahingestellt. Doch dieses Thema möchte ich hier auch nicht abschliessend behandeln. Das würde auch in eine Diskussion über staatliche Universitäten bzw. privaten Konkurrenten allgemein ausufern, auf die ich beizeiten noch zu sprechen komme.

Ich halte fest: PoWalter in Konstanz zu studieren heisst weitgehend selbstbestimmt zu studieren – dazu in einer zu jeder Jahreszeit wunderschönen Umgebung. Hier hat man auch noch ein Studentenleben – nur 1 Woche vor den Klausuren muss man sich dann schon in der Bibliothek einschließen. Dann reicht es auch für die Klausuren: keine exzellenten, aber doch gute Noten. Erstere sind bei dem Glücksspiel namens Multiple-Choice – ein Thema, das ich bereits mehrfach ansprach – aber ohnehin nur mit einigem an Lerneifer über das gesamte Semester hinweg zu erreichen. So kann man sein Studium natürlich auch verbringen. Leistungswille sollte man respektieren, schätzen und fördern. Noten allerdings sind nicht der einzige Indikator dafür! Genauso wenig wie die Studiendauer und anderes. Wichtig ist nicht, wie man seine Zeit nutzt, sondern was am Ende dabei herauskommt. Die spontane Ordnung, würde ich jetzt sagen, wird das schon richten. Und, um letztlich den Bogen zum Anfang zu schlagen: auch Zocken ist Bildung! Eine sehr bedeutende sogar, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann…

Goodbye Konstanz – ein Schlusstrich unterm 2. Semester.

Manchmal ist man so schockiert, dass einem die Worte fehlen. Dabei klang der letzte Tag in Konstanz so schön in der Strandbar mit ein paar Cocktails aus.

Totalitäre Tendenzen scheinen sich innerhalb der Piratenpartei immer weiter auszubreiten – statt Transparenz wird geschwiegen. Das sollte man sich nicht gefallen lassen. Daher könnte es morgen einige unschöne Enthüllungen geben…
Heute jedoch werde ich noch ein Schlusstrich unter dieses Semester ziehen, welches noch nicht ganz vorbei ist – Hausarbeit und Essay müssen noch geschrieben, abgegeben und benotet werden – jedoch im Sinne der Klausuren schon. 4 Stück waren es – man hielt sie für leicht, was rauskam, war nicht der Brüller. Wenn alle Klausurendurchschnitte im 3er-Bereich (EDIT: gut, nicht ganz richtig geschätzt, aber fast…) lagen und die Durchfallquote jeweils den Modus bildete, liegt der Eindruck nahe, man wolle hier Kapazitäten für das nächste Semester schaffen, in dem die PoWalter-Schar wohl leider verkleinert sein wird. Der Hauptschuldige dafür scheint schon ausgemacht: er heißt „Multiple Choice“ – oder ist es die dritte Nachkommastelle?

Ich selbst, weiß nicht, ob ich zufrieden sein soll. Alles auf Anhieb bestanden, überdurchschnittliche Noten – eine richtig gut – was will man mehr? Doch irgendwie ist man auch ernüchtert, obwohl man das ganze Semester gechillt hat.

Tatsächlich ist der Studiengang Politik- und Verwaltungswissenschaften zeitlich nicht gerade aufwändig. Es reicht aus, sich eine Woche vor und während der Klausurenphase ordentlich Stoff zu geben, um mit guter Leistung durchweg bestehen zu können, nachdem man im Vorfeld rein garnichts gemacht hat. Kommt natürlich immer auf die Ansprüche an, die man an sich selbst hat. Bei mir wäre das, einen vernünftigen Masterplatz zu bekommen – da bin ich weiterhin auf dem besten Wege. Wenn man bedenkt, dass das Grundstudium, sprich die ersten 3 Semester nur 30%, das 4. Semester garnicht und das 5./6. Semester gar 70% der Endnote ausmacht, ist es momentan eigentlich lächerlich über seine Noten einen großen Kopf zu machen. Da reicht es völlig aus, wenn das Mathezeugs wie Statistik knapp bestanden ist, da man ohnehin nicht viel verstanden hat und von dieser Zahlenverdreherei auch nicht unbedingt viel verstehen will (ohne hier jemanden zu nahe treten zu wollen…). Es hat jedenfalls seine Existenzberechtigung und ist sicher in vielen Fällen hilfreich, was man vom Fach Politikwissenschaft im allgemeinen ja nicht unbedingt sagen kann…

Notenphilosophische Überlegungen mal außen vor gelassen kann ich trotzdem sagen, dass ich mit meinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften überwiegend sehr zufrieden sind – mit dem Ort ohnehin. Lediglich der Fachbereich ist arg quantitativ und politische Theorie bzw. Philosophie sehr stiefmütterlich behandelt. Ärgerlich, wenn die zwei besten Noten aus diesem Bereich kommen und der einen ohnehin am meisten interessiert. In diesem Sinne wäre es vielleicht tatsächlich besser gewesen, Politik und Geschichte oder Philosophie oder ähnliche Kombinationen zu studieren. Aber in meiner letztjährigen eher pragmatischen Studienentscheidung lockten noch die Träume über die Bürokratiebunker Brüssels, denen ich mittlerweile nicht mehr viel abgewinnen kann – auch wenn ich das Streben vieler Kommilitonnen danach bestens nachvollziehen kann: http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-beamte-muessen-auch-in-der-schuldenkrise-nicht-sparen-a-847459.html

Politische Theorie ist brotlose Kunst – aber das mag auch nur ein aktueller Gedankensprung sein. Noch studiere ich ja ein paar Jährchen und insbesondere die Ökonomie gewinnt zunehmend an Reiz.

Konstanz jedenfalls ist eine atemberaubende Stadt, die dieses Jahr leider nicht den Sommer hatte, wie ich ihn mir vorgestellt habe. So blieb das Baden im Bodensee auf ein paar wenige Male beschränkt.

Nichtsdestotrotz kann man hier gut sein Studium verbringen – natürlich sehr subjektiv alles – aber mir ist eine gute Auswahl an Eissorten wichtiger als eine gute Auswahl an Tanztempeln. Letztere sind hier in Konstanz nämlich nicht sonderlich pralle…

Auch wenn das Semester wie erwähnt noch nicht ganz abgeschlossen ist, freue ich mich jetzt trotzdem auf 2 Monate Auszeit von Konstanz, in der ich nicht viel Zeit zur Muße haben werde. Hausarbeiten und Essays müssen geschrieben werden, Bewerbungen für Praxissemester auf den Weg gebracht werden, Literatur muss gelesen werden und Pläne müssen geschmiedet werden. Nebenbei winkt die bald endlich beginnende Woche der Freiheit, der Spanisch-Kurs in Granada und eine Reise nach New York. Geburtstag habe ich auch noch! Das werden wahrhaft spannende Zeiten!

In diesem Sinne Goodbye Konstanz – morgen (heute in 7 Stunden) fahre ich mit dem bisher schnellsten Zug, den ich gefunden habe (nur 7 1/2 Stunden),  nach Herford ich bin erst im Oktober wieder hier im Ländle!

Nachbetrachtung der OB-Wahl & Ausblick

Das Ergebnis steht fest: Konstanz hat einen neuen Oberbürgermeister!

In diesem Satz verbirgt sich schon das Ergebnis: eine einer Figur aus Harry Potter anmutenden Dame und eine GrünIn sind Konstanz erspart geblieben.

Die grüne Hegemonie in Konstanz wurde durch den schwarz-(CDU)-gelb (FDP)-blau (Freie Wähler) teilunterstützten Uli Burchardt gebrochen, der jedoch auch grün (Nachhaltigkeitsstreben) und rot („attac“-Mitgliedschaft“ ) in sich vereint. Statt grüner Monotonie also nun ein buntes Konstanz?

Uli Burchardt war mein Favorit, ehe ihm die „attac“-Geschichte dazwischenfunkte. Erstens verstehe ich nicht, wie ein pro-marktwirtschaftlicher Kandidat, der Burchardt nach anderen Aussagen ist, solch Ziele wie „attac“ sie teilweise verfolgt, teilt, zweitens hat er mich damit enttäuscht, dass sein Engagement dort nur vorgetäuscht war.

Er hat deshalb nicht meine Stimme bekommen – mit ihm leben kann ich nun trotzdem gut. Konstanz ist von Bürokraten verschont geblieben und hat genau bekommen, was es braucht: einen tatkräftigen Unternehmer, dem zuzutrauen ist, die Konstanzer Wirtschaft anzukurbeln. Einen authentischen Oberbürgermeister, der Konstanz dienen und nicht an der Stadt verdienen möchte. Er trat einmal an – seinen Aussagen nach wäre es das einzige Mal geblieben – und gewann. Das hatte ein Forschungsteam meines Fachbereiches wohl schon vorausgesehen (Südkurier):

Burchardt gewinnt offenbar die frei gewordenen Stimmen der Bewerber, die nach dem ersten Jahrgang ausgestiegen sind. Das hatten Uni-Foscher übrigens vorab vermutet. Unterstützer von Reiser und Seeliger im Ratssaal wirken bestürzt.

Mit meiner Prognose lag ich gleichwohl ordentlich daneben. Mykola Neumann kann mit seinen 0,6% nicht zufrieden sein. Uli Burchardt mit seinen 39,1% Prozent aber eigentlich auch nicht. Das sind zwar 7,2% Stimmen mehr als Sabine Reiser (31,9%) und gar 11,5% mehr als Sabine Seeliger (27,6%), doch entspricht dieser Stimmenanteil bei einer absolut traurigen Wahlbeteiligung von  44,5% gerade einmal 10801 Stimmen.

Das heißt also, dass – auch die Nicht-Wahlberechtigten eingerechnet, gerade mal so ein Achtel (12,5% !!!) der Konstanzer Bürger ihren Oberbürgermeister demokratisch legitimiert haben.

Woran liegt diese Politikverdrossenheit? Ich weiß es nicht. Das Wetter war zwar ähnlich schlecht wie beim ersten Wahlgang, wo die Wahlbeteiligung nur minimal schlechter war, aber kann dies doch kein Grund sein. Ist es die Erschöpfung und Genervtheit nach langen Wochen Wahlkampf und die Abrechnung für die Konstanz verschmutzenden Plakate, die hoffentlich schnell abgehängt werden? Oder spielt der Oberbürgermeister – auch wegen seiner gar nicht so übermäßigen Macht – einfach keine Rolle?                                               Fragen, denen Konstanzer Politikwissenschaftler mal nachgehen sollten.

Es scheint also so, dass sich Uli Burchardt sein Vertrauen erst noch erarbeiten muss. Meines bekommt er erst mit einem Austritt aus „attac“ zurück.

Nachhaltigkeit ist unterstützenswert, insbesondere da Herr Burchardt auch die fiskalische und ökonomischen Aspekte von Nachhaltigkeit betont. Es bleibt nur zu hoffen, dass er auch auf sie besteht und keine überteuerten Prestige-Objekte mit auf den Weg bringt.

Doch wie Konstanz sich entwickeln wird, ist nicht vorauszusehen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Konstanz eine relativ gute Wahl getroffen hat und gratuliere Uli Burchardt nochmals sehr herzlich zu seinem Wahlsieg!

Nun kann ich mich beruhigt meinen Klausuren widmen, die morgen früh beginnen. Positiv attribuierte Zielvorstellung: Statistik „4 gewinnt“ und die restlichen 3 Klausuren insgesamt addiert  nicht schlechter. Ich bin gespannt – auch wie es ist, mal zu einer absolut mörderischen Zeit von 8 Uhr früh erstmals in diesem Semester in der Uni zu sein…

Erfolgreich, wie ich trotz wahren Wolkenbrüchen und überfluteten Tennisplätzen dieses Wochenende auch beim Schach-Tennis-Turnier in Baden-Baden war (16ter von 23 als auf 23 gesetzter^^), kann ja nichts mehr schief gehen. Bald jährt sich dann auch der Tag meiner Wiederankunft in Deutschland – Zeit also für einen kleinen philosophischen Rückblick.

Für den Blog heißt es jetzt erstmal eine Neuorientierung: diese Möchtegern-investigativen Artikel machen mir Spaß und werden punktuell fortgesetzt. Fragenkataloge sind schließlich schnell verschickt und haben auch relativ hohes Erfolgspotential. Über Themenvorschläge würde ich mich gleichwohl freuen. Genauso über eine gleichbleibende oder gar steigende Besucherzahl, die hoffentlich nicht nur den OB- und StuPa-Wahlen geschuldet war!

 

 

 

Die ZEIT und eine Debatte über Politikwissenschaft – Teil 1

Heute möchte ich noch 2 Artikel kommentieren, die jüngst bei ZEIT online erschienen. Der eine ist ein Weckruf einer Politik-Dozentin an die neue Studentengeneration (http://www.zeit.de/2012/21/P-Politikwissenschaft), das andere die Replik eines Studenten auf diesen Artikel (http://www.zeit.de/studium/hochschule/2012-05/Politikwissenschaft-Kritik/seite-1).

Zuerst wende ich mich ersterem zu und kaue genüsslich Satz für Satz ab, zweiteren gibt es im nächsten Artikel.  Ganz wichtig: alles rein meine Position, meine Erfahrung, meine Beobachtungen.    Ich spreche gewiß nicht für wie auch über alle Politikstudenten, vermutlich nichtmal für die kleinste Minderheit. Pauschale Beurteilungen versuche ich zu vermeiden, wird aber wohl darauf hinauslaufen. Wenn ich vom „Politikstudenten“ spreche meine ich also nicht den allgemeinen, den es nicht geben kann, sondern dient dies lediglich der Vereinfachung. Und Vorsicht – es ist allerhand zu lesen!

Also gut – los gehts – Zitate von ZEIT online (http://www.zeit.de/2012/21/P-Politikwissenschaft)

Das Erste, was ich von euch sah, waren diese großen Wasserflaschen aus Plastik.

Wasser? Plastik? groß? Nicht bei mir. Sieht man in Konstanz auch eher seltener.

Während einer Doppelstunde Regierungslehre schafften viele von euch locker einen Liter.

Was ist denn Regierungslehre? Kann man das trinken? In 90 Minuten kann man jedenfalls noch deutlich mehr machen als einen Liter zu trinken.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zu meiner Studienzeit während eines Seminars auch nur einer zur Flasche gegriffen hätte. Das hätte wertvolle Redezeit gekostet.

Redezeit wofür? Seminare sind ja eigentlich ganz nett, gerade in Konstanz, wo unsere Proseminare auf 15 Personen beschränkt sind. Da sind noch echte Diskussionen gut möglich, auch wenn letztlich meist die Zeit fehlt. Man hat ja nicht mal Zeit für Referate. Statt sich mal etwas eingehender mit der Thematik zu befassen, soll man nur den Pflichttext einigermaßen verständlich reproduzieren. Nicht ganz einfach, wie ich selbst gemerkt habe, aber das erinnert mich doch sehr an Schule und Texte markieren (was ich zum Glück nie gemacht habe). Besonders wenn man dann noch seine Note für mündliche Beteiligung erhält und man unter Druck ist, irgendwas zu reproduzieren und dabei letztlich nicht allzu viel Sinnvolles rauskommt…

Oder, wie man auch zwanzig Jahre nach 68 noch sagte: Zeit, um alles kritisch zu hinterfragen.

Hinterfragen ist tatsächlich außer Mode gekommen. Besonders sich selbst. Und den Zeitgeist. Und überhaupt alles. Könnte ja der Karriere schaden…

Ihr aber trinkt über alle autoritären und totalitären Regime, über alle parlamentarischen, semipräsidentiellen und präsidentiellen Systeme hinweg. Auch große Worte großer Menschen, sagen wir von Max Weber und Theodor W. Adorno, stillen euren Durst nicht.

Was von Max Weber zu halten ist, legte ich in meinen satiristischen, vom „powalter“ zensierten Artikel bereits da. Viel halte ich nicht von ihm. Kommt einem ja auch das Grauen, diese Texte zu lesen, auch wenn einige Ideen dem Idealtypus sicher nahe kommen. Vor Adorno habe ich hingegen größten Respekt. Und wo sie totalitäres Regime sagt: wir sollten noch trinken, solange wir es noch dürfen. Könnte uns gerade in Baden-Würtemmberg (bewusst falschgeschrieben ;)) ja bald auch verboten werden wie in Hamburg das Rauchen…

Woher der kommt? Vom Diskutieren jedenfalls nicht. Ich hätte fordern können, in Deutschland einen Wächterrat nach iranischem Vorbild einzuführen. Ihr hättet trotzdem weitergenuckelt. Ihr unterwerft euch einem 3-Liter-Wasser-am-Tag-Diktatürchen, war ich versucht zu sagen. Aber ich schluckte es hinunter.

3 Liter schaffe ich gerade mal an 3 Tagen. Ja ich weiß, das ist ungesund. Und gegen die Forderung nach einem Wächterrat kann man nun echt nicht viel aussetzen – so Gesinnungswächter gibt es ja schon allerhand…

 

Das klingt gemein. Dabei bin ich gar nicht euch böse, sondern mir selbst. Als ich vor gut zehn Jahren einen Lehrauftrag in Politikwissenschaft annahm, glaubte ich, euch zu kennen. Ich dachte, ihr interessiert euch für Macht.

Macht. Macht Politik aus. Politikwissenschaft ist die Wissenschaft der Macht. Politik ist das Streben nach Machterhalt. Ist mittlerweile auch bei der Piratenpartei schon angekommen…

Denn Macht ist der Sauerstoff eines politischen Systems, sie entsteht aus dem Zusammenwirken von Menschen und Ideen. Ein Politikwissenschaftler kann Machtverhältnisse nicht so exakt messen wie ein Naturwissenschaftler seine Stoffmengen. Trotzdem dürfen Politologen so vermessen sein, die Verhältnisse ändern zu wollen.

Manch Politikwissenschaftler wollen wirklich alles messen. Nicht nur Macht, sondern z.B. auch Demokratie. Bei den tollen Indizes kommt dann raus, dass Griechenland eine absolute Vorzeigedemokratie ist – weil der Index nämlich z.B. mit  der Anzahl der Parteien im Parlament bzw. deren Prozentualabstand untereinander berechnet wird – in Griechenland ja mittlerweile nicht mehr allzu groß (ganz sicher bin ich mir nicht, eine Wiederholung des Stoffes wär mal anzustreben…).

Manch Politikwissenschaftlern mag man ihre Mathematisierungsideologie noch nachsehen, den Politikern, die Begriffe wie „Glück“ messen wollen jedoch nicht. Wer wie in Bhutan von einem „Bruttosozialglück“ spricht, maßt sich an, Bescheid zu wissen, was jedes Individuum als Glück empfindet. Glück ist eine, wohl die zentralst individuelle Präferenz eines jeden Menschen, deren Fremdbestimmung unweigerlich ein totalitäres System bedeutet. Manch einer wird das aber wohl nie begreifen…

Karl Popper, einer der wichtigsten Ideengeber des Fachs, sagte einmal, jede Hypothese sei so lange haltbar, bis sie falsifiziert sei. Ich merkte rasch: Die Wissenschaft wusste nichts über euch. Nirgends stand geschrieben, dass ihr euch weniger um die Belüftung des politischen Prozesses als um den Flüssigkeitshaushalt eures Körpers sorgt. Der Wasserbedarf ist natürlich ein oberflächliches Kriterium, das Karl Popper niemals akzeptiert hätte.

Der kritische Rationalist Karl Popper hat die Essenz der Wissenschaft erkannt. Und in seinem großartigen Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ schonungslos mit Glückserzwingern wie Platon, Hegel und Marx abgerechnet. Das wird ob seiner Bedeutung für die Wissenschaftstheori leider oft unter den Tisch fallen gelassen.

Doch unter der Oberfläche hat sich etwas Substanzielles verschoben. Der Wissenspegel veränderte sich. Kulturpessimistische Dozenten behaupteten, er sei gesunken. Die Kanzler in die richtige Reihenfolge zu bringen und dabei Ludwig Erhard nicht zu vergessen, den historischen vom dialektischen Materialismus zu unterscheiden, die drei Gewalten zu benennen – Fehlanzeige.

Kein Kommentar. Nur soviel: in Zeit von Smartphones und Google hat man dieses Wissen in 10 Sekunden. Abgefragtes Wissen, wie es der Autorin anscheinend vorschwebt, ist tatsächlich irrelevant, wichtig ist es das Wissen mit anderem Wissen zu verknüpfen – das wird keine Maschine je so leisten können wie das menschliche Gehirn.

Mir erschienen auch andere Themen spannender als die Kanzler in chronologischer Reihenfolge. In der Schröder-Ära zum Beispiel wurde es in der Politikwissenschaft modern, von einer Amerikanisierung des deutschen Regierungssystems zu sprechen. Personalisierung, Inszenierung, Emotionalisierung – das waren die Politologen-Modewörter. Ich habe darüber gesprochen, ihr habt mitgeschrieben. Emotionslos. Über Misstrauensvoten, Rücktritte, Skandale und Untersuchungsausschüsse habt ihr mit einer Leidenschaft referiert, als ginge es um den 32. Änderungsantrag der Abwasserverordnung für die ländlichen Gebiete Sachsen-Anhalts.

Ich schreibe nicht mit. Aber natürlich bin ich emotionslos. Soll ich Tränen weinen, wenn ich erfahre, dass Sokrates den Schierlingsbecher getrunken hat oder in die Hände klatschen, weil Obama erster schwarzer farbiger (???) Präsident der USA wurde? Von Gefühlen in der Wissenschaft sollte man sich fernhalten, wie Gerard Bökenkamp heute in einem sehr lesenswerten Artikel schrieb: http://ef-magazin.de/2012/05/25/3537-meinungsvielfalt-ein-hoch-auf-den-andersdenkenden

Brav habt ihr die Lehrbuch-Kapitel gelesen, die ich euch vor einer Klausur empfahl. Wenn ich die Seiten 21 bis 76 nannte, konnte ich sicher sein, dass niemand Seite 20 oder 77 anschauen würde. Ein paar von euch, mit den Jahren weniger, lesen regelmäßig Zeitung, kaum einer schaut täglich Nachrichten. Ihr liebt klare Ansagen, aber nicht die Tagesschau-Sprecherin.

In Konstanz wird glücklicherweise weitgehend auf Lehrbücher verzichtet und Primärliteratur gelesen. Durchaus Mengen, die man auch mit erhöhter Lesegeschwindigkeit oft nicht wirklich bändigen mag. Gelesen wird, was relevant ist – oder interessant. Max Weber würde ich freiwillig nicht lesen.

Zeitung lese ich auch nicht. Gleichwohl ich mir wohl jetzt den englischen „The Economist“ abonnieren werde – das kann man noch qualitativ hochwertige anspruchsvollere Berichterstattung nennen. In Zeiten des Internets kann man sich seine Informationen immerhin, wenn auch mühsam, selbst zusammenklauben. Wie schon gesagt: kritisches Hinterfragen ist aus der Mode gekommen. Das gilt auch für die Medien, ob nun Print oder auch die Tagesschau: neutrale Berichterstattung schön und gut, aber man muss sich nur mal anschauen, wer in den Rundfunkräten sitzt. Und man sollte bedenken: die Konsumgewohnheiten wandeln sich. Viele Studenten – wie ich – besitzen gar keinen Fernseher und können folglich auch keine Tagesschau sehen, wenn sie es nicht streamen wollen/können – so einfach ist das. Selbstrecherche ist jedenfalls besser als Dauerberieselung – das könnte sich der ein oder andere Dozent auch durchaus mal zu Herzen nehmen. Einfach mal die „klausurrelevante“ Aufgabe stellen, gewisse, eher schwer zugängliche Informationen zu recherchieren. Da lernt man gleich, wie man gute Hausarbeiten schreibt…

Warum studiert ihr eigentlich dieses Fach, wenn ihr euch gar nicht für Politik interessiert?

In Konstanz mit Verwaltungswissenschaften ist das ja quasi ein „BWL-light“-Studium ohne viel Mathe – die Statistik-Durchfallquoten holen die meisten aber immerhin auf den Boden der Tatsachen zurück. Monetäre Anreize können es ja eigentlich kaum sein: klar, als Politiker lässt sich  auf anderer Kosten viel Geld verdienen – als promovierter Taxifahrer verdient man dieses Geld. Aber diese Debatte möchte ich mir jetzt mal schenken.

Das fragte ich vor einigen Jahren zuerst mich, dann euch. Da habt ihr Flasche und Notebook kurz zur Seite gelegt. War mein Referat nicht gut?, haben einige gefragt. Kriege ich keinen Schein?, wollten andere wissen. Doch, doch, die Referate sind okay, habe ich euch getröstet. Das ist ja gerade das Problem. Die meisten haben geschwiegen. Das ist das noch viel größere Problem.

Bei benoteten Referaten würde ich auch lieber schweigen. Seltsamerweise finden die meisten das anscheinend ziemlich toll und hassen hingegen Hausarbeiten. Aber das ist wohl reine Typsache…

Aus meinem Proseminar hat der Bologna-Prozess ein Optionalmodul gemacht. Das Wort passt zu einer Generation, der die Soziologen so viele Optionen attestieren wie keiner Jugend zuvor. Ein paar Module später ist meine Hypothese falsifiziert: Ihr Um-die-20-Jährigen interessiert euch doch für Politik, aber wir von der alten Schule würden das nicht so nennen. Nein, ich bin nicht kulturpessimistisch. Wir Beobachtungsexperten haben zu wenig hingeschaut. Wir müssen lernen, nicht nur ihr.

Nicht schlecht. Proseminar heißt hier immernoch Proseminar. Und es ist Pflicht, gleichwohl eine wegen auslastungsbedingter Auslosung eher zweifelhafte Auswahlmöglichkeit besteht.

Es langweilt euch, Menschen und Ideen beim Mächtigwerden zuzusehen. Politik begreift ihr als ständige Selbstbeobachtung. Ihr lest nicht das Interview mit der Bundesfamilienministerin, sondern die Neon-Titelgeschichte »Wann möchtest du ein Kind?«

Das wäre jetzt sehr pauschal dem zuzustimmen oder nicht. Ich für meinen Fall weiß garnicht, was Neon ist. Ich Kulturbanause! Ein Interview mit der derzeitigen Bundesfamilienministerin würde ich allerdings nicht unbedingt gerade vorziehen – auch wenn Vorschläge wie das Betreuungsgeld mir immer wieder ein seltenes Lächeln auf die Lippen zaubern.

Ihr geht nicht zur Gewerkschaftskundgebung für den Mindestlohn, aber vielleicht zum Flashmob »Stürmt die nächste McDonald’s-Filiale«.

Weder noch. Die Autorin vergißt, dass nicht jeder Student automatisch gleich links ist und sich der Lehrmeinung unbedingt anschließt. Zum Hinterfragen braucht man nicht die Vorlesung mit Monologen aufhalten…

Ihr wolltet nicht wissen, ob Christian Wulff mit seinen Urlauben für lau das Amt des Bundespräsidenten beschädigt hat, ihr habt euch auf der Seite »Übernachte bei Bettina Schausten« getummelt.

Diese rein moralische Frage erübrigt sich doch eigentlich.

Die arabische Revolution hat euch elektrisiert, weil die Bilder dieses Mädchen mit dem blauen BH um die Welt gingen. Sie war so alt wie ihr, und der BH hätte von H&M sein können.

Politik hautnah. Mit aus Kinderarbeit finanzierter Kleidung. Zugegeben – ich kauf da aber auch…

Ihr wollt nichts von Emotionalisierung und Personalisierung hören. Ihr wollt fühlen. Ihr trinkt dauernd fürs Körperfeeling. Und auch Politik muss so süffig sein, dass sie euren emotionalen Durst stillt. Politik ist das, was ihr dazu macht, weil es euch persönlich angeht. Ihr seid der Star, nicht der Minister, der EU-Kommissar, nicht einmal die Kanzlerin. Ihr wollt nicht die Macht verstehen, ihr wollt euch verstanden wissen. Damit seid ihr rebellischer als all die Jugendstudien behaupten, die euch zur unpolitischen Generation erklären.

Unpolitische Generation? Es wächst eine extremst politische Generation heran, allerdings ist es nur eine Viertelgeneration. Drei Viertel sind dem – frei nach Marx – Konsum fürs Volk zugewandt, während das verbliebene Viertel mit aller Macht versucht, Veränderungen zu erreichen. Ob nun die Piratenpartei in Deutschland, die hauptsächlich von jungen Menschen begonnenen Proteste im „Arabischen Frühling“ oder die Unterstützung Ron Pauls in Amerika zeigen, wohin der Wind in Zukunft weht.

Als Parteienforscher noch von der Amerikanisierung der Wahlkämpfe schwadronierten, habt ihr eine neue Partei zu Wasser gelassen, deren Spitzenkandidaten nicht zu Pop-Hymnen in den Saal einziehen. Eine Partei, die sich durch Nicht-Inszenierung inszeniert, die einfach nur da ist. Eure Piraten machen uns ratlos, auch wenn wir dauernd als Experten bei Phoenix auftreten.

Der Wind weht jedenfalls nicht ins Segel der Piratenpartei – die Politikwissenschaftler sorgen schon dafür. Nach ein paar Monaten werden die Analysen mal etwas genauer, die Piratenpartei aber immernoch mißverstanden. Als angebliche Raubkopierer haben sie ja auch eine gefährliche Nähe zu Plagiatoren wie Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, der die Uni Konstanz nach langem Rechtsstreit nun endlich die Doktorwürde aberkennen konnte.

Vor einigen Wochen habe ich im Optionalmodul über die Barschel-Affäre und das journalistische Selbstverständnis referiert. Zur PowerPoint-Präsentation gehörte auch der stern-Titel mit dem Foto des toten Politikers in der Badewanne. Ich habe euch angeschaut. In meinem Blick lag jene Frage, die früher nur Sportreporter stellten. »Und, wie fühlt ihr euch jetzt?« Ihr habt tatsächlich auf die Leinwand mit dem Barschel-Bild geblickt. Einer von euch sagte: »Ich fühle mich an die Hinrichtung Saddam Husseins erinnert. An solche Titelbilder habe ich mich gewöhnt.

Barschel-Affäre? Da tut sich ja eine echte Wissenslücke auf. Aber jetzt weiß ich, was da war. Ein Seminar drüber fände ich aber wohl leicht langweilig. In den heutigen Vorlesungen kriegt man ja auch mehr geboten als tote Männer in Badewannen. Da gibt es dann heiße Erotikszenen, ordentliches Geballer und mafiöse Sprüche zu sehen – die Vorlieben sind individuell unterschiedlich…

Das klang kalt, aber mir wurde warm ums Herz. Wahrscheinlich müssen wir Lehrenden uns verabschieden von den Kanzlern in der richtigen Reihenfolge. Von den großen Polit-Affären und den noch größeren Ismen der politischen Ideengeschichte. Von all dem, was noch in der Studienordnung steht und in den Politikteilen der Zeitungen. Das einzige Standardwerk zur Regierungslehre, das ihr lesen würdet, müsste heißen: »Ich. Und das Regierungssystem der Bundesrepublik«.

Ist doch langweilig. Heute macht doch eh jeder „Internationale Beziehungen“. Damit kann man sich ja das Gewand des kosmopolitischen Weltbürgers anziehen. Einen Blick in die Studienordnung könnte ich all diesen zukünftigen Weltbürgern aber mal tatsächlich wärmstens ans Herz legen. Manch Studienberater ist sicher froh, seine Zeit sinnvoller zu investieren…

Soll ich Widerstand leisten oder vor euch kapitulieren? Ich werde versuchen, doch noch etwas für die Kanzler zu kämpfen. Ich werde euch erzählen, was tief in mir vorging, damals im Oktober 1982, als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. Dann werdet ihr spüren, was ein konstruktives Misstrauensvotum ist.

Emotionen gehören in die Politik, nicht in deren Wissenschaft. Allenfalls zur Wahlforschung. Da hängt ja immer Fukushima, Genmais und CO2-Ablasshandel als moral-emotionales Anhängsel immer mit drin.

Frau Florin wünsche ich jedenfalls viel Erfolg bei ihren Umerziehungsversuchen. Sie wird damit heutzutage bloß keinen Erfolg mehr haben – auch an einer recht konservativen Uni wie Bonn nicht.

 

Den zweiten Teil gibts demnächst – schon in 6 Stunden ist höchste Konzentration beim Schachturnier gefordert – dabei möchte man ja nicht einschlafen…

Abrechnung Part II: Fachbereich Politik- und Verwaltung

Servus,

soeben habe ich meine Hausarbeit verschickt. Schaun wir mal – ich hab zwar keinen roten Faden – also das wichtigste – sonst ist es aber ein Meisterwerk geworden, was ich zu gegebener Zeit hier publizieren werde.Eine Mikro- und Makroebene auf die Freiheit zu beziehen – wie innovativ von mir. Wahrscheinlich zu innovativ für den Konstanzer Fachbereich.

Über den möchte ich heute schreiben, ehe ich morgen 7 Stunden über die Autobahn nach Herford düse. Ich hatte ja meine Abrechnung mit der Uni bereits – jetzt muss es so langsam mal weitergehen: heute also der Fachbereich!

Erst einmal: ich bin sehr zufrieden. Politik- und Verwaltungswissenschaften ist hinsichtlich der Inhalte genau das Richtige für mich. Hinsichtlich der späteren Berufsfelder schätzungsweise eher weniger – ich weiß schon viel, was ich nicht mehr machen möchte  (anderes Thema). Man kann sich ja zum Glück recht breit bilden, sowohl in Politik als auch in BWL und weiteren verwandten Fächern.

Der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften hat ganze 16 Lehrstühle – das ist schon ganz ordentlich, zumal es garnicht so viele Studierende sind. 210 in meinem Jahrgang, nach diesen ersten Semester vermutlich ein paar weniger…

Der Fachbereich ist politisch – meiner Einschätzung nach – ziemlich grünrot. Wie mittlerweile auf Landesebene in der Regierung. Da passt die ganze Sozialpolitiks- und Wohlfahrtsstaatenforschung ja auch blendend rein in diesen politischen Bereich. Der Fachbereich ist vor allem führend in Policy-Analyse  und sowas – für Laien: Policy = Politikfeld. Eigentlich ganz positiv, da es mich sehr interessiert, die Schwerpunkte (Sozialpolitik eben) aber leider so garnicht.

Außerdem wird hier in Konstanz eben sehr viel Wert auf die Methodik und Statistik gelegt. Ich möchte mich nicht überlegen fühlen – aber was ich so höre, lernen wir hier deutlich mehr als an anderen Unis. Wobei man nie weiß, ob denn auch alles sogut vermittelt wurde, die Durchfallquoten in diesen Vorlesungen sind immer unnormal hoch. Ich hab immerhin bestanden 😉

Politische Theorie wird in Konstanz eher vernachlässigt. Einerseits schade, andererseits kann man sich das meiner Meinung sowieso viel besser im Selbststudium aneignen – man muss halt viel lesen. Diskussionen sind natürlich noch besser – wie z.B in den Seminaren möglich.

Für die muss man den Konstanzer Fachbereich echt loben. Bereits jetzt am Anfang sind die Teilnehmer auf maximal 15 begrenzt – also keine 80 Leute wie es an anderen Unis Gang und Gäbe zu sein scheint. Nicht nur das – im nächsten Semester – verwundert mich schon ein wenig – geben ein paar Professoren die Proseminare des Grundstudiums. Darunter ein Seminar, das sich mit Netzpolitik beschäftigt, vielleicht auch über die Piratenpartei: unglücklicherweise kann ich das nicht mehr belegen, weil ich mein Politikseminar bereits im ersten Semester jetzt hatte. Aber vielleicht freiwillig…

Was gibt es sonst noch zu sagen? Wir haben 2 großartige Studiengangsberater, die auch tatsächlich was von ihrer Sache verstehen (ist leider eher selten wie ich bei meiner Recherche letztes Jahr erleben durfte), ein paar andere nette Mitarbeiter am Fachbereich und öfter auch mal spannende Vorträge – Kolloqium nennt sich das. Da war ich im letzten Semester immer, um einen Einblick in aktuelle Forschungsfragen zu gewinnen – leider wird das nicht so angenommen wie es wünschenswert wäre, grade von jüngeren Semestern.

Was ich kritisieren möchte: unsere Prüfungsordnung ist vergleichsweise echt hart. Und die Klausuren zumindest dieses Jahr waren es gantz subjektiv auch. Wer zweimal nicht besteht – ist quasi weg vom Fenster und wird wahrscheinlich nirgendwo in Deutschland mehr Politik studieren dürfen. Sämtliche Noten zählen von Anfang an für die Endnote, wenn auch nicht sonderlich stark (meine Prüfungen zählen jetzt irgendwie 12%, und da ist schon was aus dem 3. Semester mit bei). Es gibt auch keine Wiederholungsmöglichkeiten von Prüfungen zwecks Notenverbesserung – mit meiner 3,7 in Methoden (damit lieg ich im Durchschnitt ;)) ziehe ich den Rest also schon rapide runter…

Trotzdem – ich bin erfolgreicher als noch in der Schule, das will schon was heißen. Im nächsten Semester werd ich – sofern mein Antrag bewilligt wird – auch Sachen aus dem 5. Semester schon besuchen. Der Fachbereich ist in dieser Hinsicht sehr flexibel und ganz kundenfreundlich 😉 Auslandskontakte sin exzellent (wär noch nen eigenen Artikel wert), gleiches gilt für Praktika – unser 4. Semester (in genau einem Jahr also schon) ist ja ein reines Praxissemester, wo der Fachbereich schon mit ein paar netten Institutionen kooperiert. Die sind zwar nicht unbedingt was für mich – mich zieht es eher zu Thinktanks in die USA – aber trotzdem ganz nett. Rennommiert ist der Fachbereich durchaus – noch ein I-Tüpfelchen auf dem Exzellenzstatus der Uni.

Ich fühle mich jedenfalls echt wohl hier am Fachbereich abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die ich hier nicht unbedingt ausführen möchte. Kann auch jedem nur empfehlen in Konstanz Politik zu studieren – Verwaltung braucht man in Form der Reifen, ohne die das Politik-Auto nicht fährt 😉

Naja, ist jetzt nicht der Artikel geworden, der es sein sollte, aber ich hab immerhin was geschrieben und zumindest ein wenig informiert.

Der nächste kommt dann bereits aus Herford!

 

 

 

 

 

Theorie und Praxis

Bei aller Theorie im Studium, die ich in den vergangenen Wochen gelernt habe wie auch im Moment in mich einflüstere, fällt doch auf, dass Politik- und Verwaltungswissenschaften eigentlich doch  recht praxisnahes Studium ist.

Wer wollte sich nicht immer schon mal beim Bundesverfassungsgericht beschweren? Ich weiß jetzt ganz genau wie das geht und ob ich Aussicht auf Erfolg habe. Außerdem weiß ich auch noch einen Haufen mehr über öffentliches Recht – ab und an mag man das durchaus nutzen können – schließlich schränkt uns das Recht täglich in unserer Freiheit ein…

Deutlich praxisorientierter sind hingegen die Verwaltungswissenschaften. Ob nun der „bargaining“-Mechanismus, verschiedene Lernmodelle oder das „Garbage-Can-Model“ – vieles kann man auch auf die Realität anwenden, das „Garbage-Can-Model“ (Niskanen hats erfunden!) quasi auf alles! Ich weiß auch, wie die ganze Bürokratie tickt, was für Menschen Bürokraten sind und werden und warum überhaupt. Ich möchte klarstellen: nach all diesen Theorien und überhaupt als libertärer Mensch: eine Bürokratenkarriere, ja überhaupt eine vom Staat alimentierte Tätigkeit mag ich nicht mehr ansatzweise in Betracht ziehen. Ständig nur Budgets maximieren, mich mit engstirnigen Eiferen, Staatsmännern und Advokaten herumsschlagen, begrenzt rational zu handeln und überhaupt in einem „circulus vitiosus“ gefangen zu sein, klingt nicht sehr verlockend. Vielleicht folge ich dem Ratschlag unseren Professors und werde Förster. Der ist zwar auch beamtet, aber weitgehend autonom und muss sich nur mit Bäumen, Bären und Beeren herumschlagen. Oder ich lasse mich in den Aufsichtsrat von Schlecker kooptieren – die haben es ja nötig…

Methoden lerne ich hier auch im Studium. Das heisst, ich lerne wie man Zombies befragt, dass Frühaufsteher konservativ sind (kann ich bestätigen), was ein Schwedenschlüssel ist und dass es zwischen den USA und Gr0ßbritannien große Unterschiede bezüglich der Phasen der Beziehungsanbahnung gibt. Durchaus wissenswerte, nützliche Erkenntnisse, die mir in meinem Leben weiterhelfen werden. Im Ernst – man hört doch täglich von neuen Wahlprognosen, Umfragen etc. – jetzt kann ich das ganze viel besser einschätzen und viele Sachen als kompletten Murks abtun, der wohl nur da ist, die Bevölkerung zu täuschen 😉 Vertraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!

Am praxisnahesten ist aber wohl die Vorlesung „Personal & Organisation“. Die beiden Vorlesungen über „Persönlichkeit“ fassen ein ganzes Psychologiestudium zusammen – ich kann jetzt jeden Menschen ganz genau einschätzen – und mich selbst sowieso. Abgesehen von den Big 5 (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard) bin ich manchmal Typ A, manchmal Typ B, habe manchmal ein Machtmotiv, manchmal ein Beziehungsmotiv, manchmal ein Leistungsmotiv. Alles ziemlich wischiwaschi, wie man sieht. Auch kann ich mich jetzt selbst motivieren, sofern das denn nötig ist, denn meine Motivation scheint intrinsisch und sehr hoch zu sein. Da brauche ich auch garnichts Maslows Bedürfnispyramide, Herzbergs Hygienefaktoren oder Vrooms Valenztheorie – da reicht mir Deci und Ryans Selbstbestimmungstheorie und die Zieltheorie nach Locke und Latham. Es gibt eigentlich keinen Inhalt dieser Vorlesung, den man nicht aufs echte Leben anwenden könnte (und der nicht wischiwaschi ist…). Ob es nun mal wieder ums Lernen geht (meine Lernart ist noch garnicht theoretisch fundiert), um Gruppenverhalten (Teamarbeit ist ganz schlimm!) oder darum, dass Boni nicht motivieren (warum zahlen dann alle Unternehmen Boni?). Mittlerweile sind wir schon bei solch Sachen wie „Spaghettiorganisation“ angekommen – ich frage mich, ob das so lecker ist, wie es klingt…

Die Klassiker der politischen Theorie sind hingegen nicht so praktisch. Auch wenn man natürlich gerne mal hinter Rawls „Schleier des Nichtwissens“ verschwinden würde, dem Lebensstil Schumpeters frönend kreative Zerstörung anrichten wolle oder sich in der Tradition von Aristoteles die praktische Arbeit ganz einfach mal abnehmen lassen würde.

Letztlich bleiben noch die Kenntnisse des gesamten deutschen Politiksystem übrig: alles nicht sehr praktisch umsetzbar, aber sehr praktisch zu wissen. Die gesamten Verfassungen, das ganze Wahlrecht, die ganzen Parlamente, ja noch viel mehr, quasi alles, auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene – der ganze Mist, der sich Politik nennt – ist (bald hoffentlich) in meinem Kopf drinne. Ein Wunder, dass die meisten Leute nicht noch politikverdrossener sind…

 

Wie man sieht – mein Studium ist sehr praxisorientiert. Das alles war alles natürlich nur ein klitzekleiner Ausschnitt der jeweiligen Fachgebiete – und nicht immer ernst gemeint – manchmal hingegen schon….

 

 

Die Piratenpartei und Ich…

Am Samstag ist es soweit – der Kreisparteitag der Piratenpartei Konstanz wird stattfinden. Ich habe ja lange nichts über meine Parteiarbeit verlauten lassen – die ruhte aber auch seit Mitte Dezember.

Zuallererst muss ich zugeben (tut mir Leid, Ihr Piraten, die das jetzt lesen müssen ;)), dass die große Euphorie verpufft ist und mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen ist. Erst die Querelen auf Landesebene in Berlin, dann die Enttäuschung mit dem beim  Bundesparteitag beschlossenen Programm und letztlich auch noch sich für Piraten nicht ziemende  interne Streitigkeiten auf Kreisebene, von denen ich allerdings persönlich nicht viel mitbekommen habe,

Dazu kommt, dass ich bei aller nach wie vorigen Überzeugung für mehr Demokratie, Transparenz und Bürgerrechte mich doch ideologisch gewißermaßen radikalisiert habe, nicht zuletzt durch die intensive Beschäftigung mit Friedrich August von Hayek, über den ich am Donnerstag mein erstes Uni-Referat halten und bald danach auch meine Hausarbeit schreiben werde. Über ihn bin ich auch auf andere intellektuell bereichernde Gedanken gestossen und habe einen riesigen Haufen an Literatur, den ich in den Semesterferien nach geschaffter Hausarbeit noch abackern möchte bzw. nebenbeijetzt  bereits tue (ist spannender, als in der Vorlesung zuzuhören).                                                                                                                                              Wie man sich jetzt  fast denken kann, fröne ich radikalliberalen bis libertären Gedanken im Sinne der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (ich bin allerdings kein Anarchokapitalist ;))

Somit als „neoliberaler“ Kapitalist abgestempelt (eine schlimme Beleidigung, nichts verachte ich mehr als den Neoliberalismus) habe ich es mutmaßlich schwer in einer Partei, die, habe ich fast das Gefühl, von Attac und anderen Organisationen übernommen wurde. So sehr ich auch die gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Piratenpartei teile, so wenig gefallen mir ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen, sofern sie denn überhaupt vorhanden sind. Aber es ist klar, in welche Richtung sich diese zukünftig entwickeln werden – das ist halt Basisdemokratie. Da reicht es eben auch nicht, wenn 49% (zugespitzt gesagt) vernünftige Vorstellungen haben…

Voller Euphorie bin ich, gleichwohl die Stammtische nicht sonderlich toll waren, in die Partei eingetreten, mittlerweile denke ich, es war wohl zu schnell. Nichtsdestotrotz werde ich Mitglied bleiben – sofern mich die das hier lesenden Piraten nicht rausekeln 😉 (was bleiben mir auch für Alternativen…)

Auf die parteiinternen Streitigkeiten möchte ich zurzeit nicht eingehen, Fakt ist aber, dass der Kreisparteitag am Samstag interessant werden dürfte und einige Ämter neu besetzt werden. Nicht zuletzt wegen meinem gerade erfolgten „Outing“ werde ich natürlich nicht für ein  Amt kandidieren, dafür fehlt mir momentan nicht nur die Überzeugung, sondern schlichtweg auch die Zeit, zudem ich es eh als höchst zweifelhaft erachte, dass mich irgendjemand wählen würde 😉 Auch wenn ich Politik- und Verwaltungswissenschaften studiere – die Piratenpartei ist für mich kein Zugpferd, um mich schnell in irgendwelche Positionen zu hieven, wie manch böse Zunge behauptet 😛

Aber von meinem Wahlrecht werde ich natürlich Gebrauch machen und auch versuchen mitzuhelfen, dass der Parteitag reibungslos über die Bühne läuft. Berichten  werde ich dann natürlich auch darüber – ganz transparent, wie es sich für Piraten gehört.

Ich habe ja immer noch die Hoffnung – und mittlerweile sehe ich eine gewisse Dynamik entstehen – dass bald wieder konstruktives und vor allem ergebnisorientiertes Arbeiten möglich sein wird – reine Diskussionsstammtische sind zwar ganz nett, bringen aber letztlich nicht viel. Meine Initiative eine Hochschulgruppe der Piraten zu gründen stieß leider auch nicht auf viel Interesse, was daran liegen mag, dass leider kaum Studenten hier in Konstanz Mitglieder sind. Und so ganz allein, wenn man nicht so dahinter steht und eh genug anderes zu tun hat – da ist man doch eher unmotiviert etwas zu tun.

Wie dem auch sei, jetzt wisst ihr, woran ich mit der Piratenpartei bin, und die weiß, woran sie mit mir ist…

 

der „powalter“ – Fachschaftsmagazin

Heute möchte ich Euch den „powalter “ vorstellen. So heisst das Fachschaftsmagazin des Fachbereichs Politik und Verwaltung hier in Konstanz. Das Magazin heißt nicht nur so, sondern auch der hiesige Politik-Student und -Absolvent wird liebevoll als „Powalter“ oder „Powaltraud“ betitelt. Das ganze ist schon zu einer regelrechten Marke ausgeartet, ganz Deutschland, ach nein, die ganze Welt reißt sich um uns „Powalter“, weil wir ja so tolle Methodenkenntnisse haben…

Aber ich möchte jetzt über das Fachschaftsmagazin sprechen, für das ich dieses Semester auch einen Artikel beisteuern werde. In dem geht es über  einen „großen Denker ganz privat“ – in jenem Fall Max Weber, den ich satiristisch in die Mangel nehmen werde (bzw. schon genommen habe). Außerdem werde ich viel korrigieren und bin momentan schon dabei, Anzeigen zu akquirieren.

Denn so ein Fachschaftsmagazin – unseres erscheint einmal im Semester – will ja finanziert werden, zumal es für die Studierenden, Professoren und Mitarbeiter des Fachbereichs wie auch andere Interessierte kostenlos ist. Zu diesem Zweck schreibe ich Unternehmen an, ob sie eine Anzeige in unser Magazin setzen wollen.

Vielleicht ist unter meinen Blog-Lesern ja jemand, der mit einer kleiner Anzeige gezielt den  freizeithedonistischen Top„-Studenten aus Konstanz ansprechen möchte – die Auflage des Magazins beträgt in etwa 700, womit man eine Vielzahl junger Menschen erreichen kann. Weitere, ausführliche Informationen gebe ich gerne auf Anfrage!

Den „powalter“ gibt es natürlich auch online zu lesen, nämlich hier (die vergangenen 6-7 Ausgaben jedenfalls): http://www.uni-konstanz.de/powalter/archiv.html

Schaut mal rein, es lohnt sich! Hat trotz viel Satire (oder grade wegen) meine Studienentscheidung für Konstanz nicht unerheblich beeinflusst. Natürlich gibt es auch ernste Artikel, Vorstellungen von Professoren, übrigen Mitarbeitern und Studierenden, Berichte aus dem Praktikum und Auslandssemestern, viele witzige Einfälle und noch viel mehr!

 

 

Einf. in die Verwaltungswissenschaft

Ich denke mir, einen kleinen Einblick in mein Studium würde den einen oder anderen interessieren. Politik- und Verwaltungswissenschaften ist schließlich nicht allzu bekannt – in dieser Form hier an der Uni Konstanz ja auch deutschlandweit einzigartig. Ich möchte heute nicht darauf eingehen, was das eigentlich ist, was man da alles macht und was man damit später machen kann, sondern werde beginnen ein Modul meines ersten Semestes vorzustellen – meine weiteren Module werden dann in den nächsten Tagen nach und nach folgen. Fangen wir an mit:

Einführung in die Verwaltungswissenschaften

In dieser Veranstaltung, einer Vorlesung samt freiwilligen Tutorat (in der Vorlesung besteht allerdings wie in keiner bei uns auch keine Anwesenheitspflicht) werden wir in einen quasi identitätsstiftenden Teil unseres Studiums eingeführt – in die Verwaltungswissenschaften. Das nimmt unser renommierter Professor Wolfgang Seibel vor, eine Koryphäe seines Faches zumindest deutschlandweit. Einfach mal googlen, er hat sogar einen recht ausführlichen Wikipedia-Artikel, was ja längst nicht selbstverständlich ist.

Er versucht uns nahezubringen, was Verwaltung eigentlich ist und wie sie funktioniert. Alles sehr theoretisch, was sich auch an der Lektüre bemerkbar macht. Ca. 100 Seiten zu jeder Vorlesung müssen wir lesen, meist trocken verfasste Fachliteratur, überwiegend auf Englisch. Die deutsche Verwaltungswissenschaft ist ja nämlich nicht sehr ausgeprägt, sieht man von Max Weber ab, der in der USA verehrt wird, während er, wie wir lernen durften, hier in Deutschland eher weniger Beachtung geniesst Themen der Vorlesungen waren bisher „Verwaltung als Werkzeug/Integrationsinstanz“  und „Verwaltungsautonomie/Verwaltungsresponsivität“. Morgen wird es wohl um „böse“ und „gute“ Verwaltungen gehen oder auch ethische Aspekte des Verwaltens. Herr Seibel hat nämlich ein Buch verfasst mit dem Titel „Macht und Moral. Die Endlösung der Judenfrage“, aus denen wir Ausschnitte lesen durften zur kommenden Vorlesung.  Überhaupt gibt er gerne Texte von sich selbst auf – man muss das aber positiv hervorhebend sagen, dass die vergleichsweise noch die am verständlichsten sind.

Alles in allem ist die Einführung in die Verwaltungswissenschaften bisher sehr interessant und überschneidet sich auch mit anderen Veranstaltungen, beispielsweise dem „Politischen System der BRD“ und „Personal & Organisation“. Im Hinblick auf letzteres kenne ich jetzt durch einen Verwaltungstext die „Stewardship-Agency“-Theorie – vermutlich habt Ihr von sowas noch nie gehört!

Es ist auf jeden Fall eine gewaltige Stoffmenge und sehr abstrakt – trotzdem komme ich momentan noch gut mit und das ganze bereitet mir durchaus Freude. Mal schauen, wie sich das ganze noch so entwickeln wird…