Nachbetrachtung der OB-Wahl & Ausblick

Das Ergebnis steht fest: Konstanz hat einen neuen Oberbürgermeister!

In diesem Satz verbirgt sich schon das Ergebnis: eine einer Figur aus Harry Potter anmutenden Dame und eine GrünIn sind Konstanz erspart geblieben.

Die grüne Hegemonie in Konstanz wurde durch den schwarz-(CDU)-gelb (FDP)-blau (Freie Wähler) teilunterstützten Uli Burchardt gebrochen, der jedoch auch grün (Nachhaltigkeitsstreben) und rot („attac“-Mitgliedschaft“ ) in sich vereint. Statt grüner Monotonie also nun ein buntes Konstanz?

Uli Burchardt war mein Favorit, ehe ihm die „attac“-Geschichte dazwischenfunkte. Erstens verstehe ich nicht, wie ein pro-marktwirtschaftlicher Kandidat, der Burchardt nach anderen Aussagen ist, solch Ziele wie „attac“ sie teilweise verfolgt, teilt, zweitens hat er mich damit enttäuscht, dass sein Engagement dort nur vorgetäuscht war.

Er hat deshalb nicht meine Stimme bekommen – mit ihm leben kann ich nun trotzdem gut. Konstanz ist von Bürokraten verschont geblieben und hat genau bekommen, was es braucht: einen tatkräftigen Unternehmer, dem zuzutrauen ist, die Konstanzer Wirtschaft anzukurbeln. Einen authentischen Oberbürgermeister, der Konstanz dienen und nicht an der Stadt verdienen möchte. Er trat einmal an – seinen Aussagen nach wäre es das einzige Mal geblieben – und gewann. Das hatte ein Forschungsteam meines Fachbereiches wohl schon vorausgesehen (Südkurier):

Burchardt gewinnt offenbar die frei gewordenen Stimmen der Bewerber, die nach dem ersten Jahrgang ausgestiegen sind. Das hatten Uni-Foscher übrigens vorab vermutet. Unterstützer von Reiser und Seeliger im Ratssaal wirken bestürzt.

Mit meiner Prognose lag ich gleichwohl ordentlich daneben. Mykola Neumann kann mit seinen 0,6% nicht zufrieden sein. Uli Burchardt mit seinen 39,1% Prozent aber eigentlich auch nicht. Das sind zwar 7,2% Stimmen mehr als Sabine Reiser (31,9%) und gar 11,5% mehr als Sabine Seeliger (27,6%), doch entspricht dieser Stimmenanteil bei einer absolut traurigen Wahlbeteiligung von  44,5% gerade einmal 10801 Stimmen.

Das heißt also, dass – auch die Nicht-Wahlberechtigten eingerechnet, gerade mal so ein Achtel (12,5% !!!) der Konstanzer Bürger ihren Oberbürgermeister demokratisch legitimiert haben.

Woran liegt diese Politikverdrossenheit? Ich weiß es nicht. Das Wetter war zwar ähnlich schlecht wie beim ersten Wahlgang, wo die Wahlbeteiligung nur minimal schlechter war, aber kann dies doch kein Grund sein. Ist es die Erschöpfung und Genervtheit nach langen Wochen Wahlkampf und die Abrechnung für die Konstanz verschmutzenden Plakate, die hoffentlich schnell abgehängt werden? Oder spielt der Oberbürgermeister – auch wegen seiner gar nicht so übermäßigen Macht – einfach keine Rolle?                                               Fragen, denen Konstanzer Politikwissenschaftler mal nachgehen sollten.

Es scheint also so, dass sich Uli Burchardt sein Vertrauen erst noch erarbeiten muss. Meines bekommt er erst mit einem Austritt aus „attac“ zurück.

Nachhaltigkeit ist unterstützenswert, insbesondere da Herr Burchardt auch die fiskalische und ökonomischen Aspekte von Nachhaltigkeit betont. Es bleibt nur zu hoffen, dass er auch auf sie besteht und keine überteuerten Prestige-Objekte mit auf den Weg bringt.

Doch wie Konstanz sich entwickeln wird, ist nicht vorauszusehen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Konstanz eine relativ gute Wahl getroffen hat und gratuliere Uli Burchardt nochmals sehr herzlich zu seinem Wahlsieg!

Nun kann ich mich beruhigt meinen Klausuren widmen, die morgen früh beginnen. Positiv attribuierte Zielvorstellung: Statistik „4 gewinnt“ und die restlichen 3 Klausuren insgesamt addiert  nicht schlechter. Ich bin gespannt – auch wie es ist, mal zu einer absolut mörderischen Zeit von 8 Uhr früh erstmals in diesem Semester in der Uni zu sein…

Erfolgreich, wie ich trotz wahren Wolkenbrüchen und überfluteten Tennisplätzen dieses Wochenende auch beim Schach-Tennis-Turnier in Baden-Baden war (16ter von 23 als auf 23 gesetzter^^), kann ja nichts mehr schief gehen. Bald jährt sich dann auch der Tag meiner Wiederankunft in Deutschland – Zeit also für einen kleinen philosophischen Rückblick.

Für den Blog heißt es jetzt erstmal eine Neuorientierung: diese Möchtegern-investigativen Artikel machen mir Spaß und werden punktuell fortgesetzt. Fragenkataloge sind schließlich schnell verschickt und haben auch relativ hohes Erfolgspotential. Über Themenvorschläge würde ich mich gleichwohl freuen. Genauso über eine gleichbleibende oder gar steigende Besucherzahl, die hoffentlich nicht nur den OB- und StuPa-Wahlen geschuldet war!

 

 

 

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Wahlaufruf OB-Wahl Konstanz

Kurze Erinnerung aus Baden-Baden (übrigens wie Konstanz auch ein schönes Städtchen – noch etwas mondäner) : in ein paar Stunden beginnen die Wahlen zum Oberbürgermeister von Konstanz. Geht alle wählen – 43,8%  war zwar deutlich besser als die 13% für das StuPa an der Uni, ist aber ziemlich lächerlich.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich gemäß dem Vanhanen-Index zur Demokratiemessung Konstanz morgen einen hohen Demokratiegrad bescheinigen kann. Dafür muss die Wahlbeteiligung sehr hoch und das Ergebnis des besten Kandidaten möglichst niedrig sein. Ich schätze, um die 30-35% wird sich der Wahlsieger bewegen.

Da ich sonst ja immer soviel Glück habe, wette ich mal das Ergebnis. Ich glaube, es wird sehr knapp…

Sabine Seeliger: 32%

Sabine Reiser: 31%

Uli Burchardt: 28%

Mykola Neumann: 7%

Klaus Springer: < 1%

Roman Urban: <1%

Sonstige: <1%

Auf jeden Fall gibt es morgen Abend einen strahlenden Gewinner, der 8 Jahre lang Konstanzs Geschicke leiten darf. Es gibt viel zu bewegen: und man kann viel falsch machen!

Die Herausforderungen sind immens – die Frage ist, ob und wie sie angepackt werden. Bleibt Konstanz Rentnersruhesitzstadt oder verwandelt es sich tatsächlich in eine wirkliche Studentenstadt (Thema: Sperrstunde), bleibt es Touristen- und Einzelparadies und/oder wird es zu einem starken, ausdifferenzierten Wirtschaftsstandort. Die Uni ist exzellent geworden – mal schauen, obs Konstanz auch hinbekommt.

Also: Wählen gehen – ein wenig Propaganda muss sein! Ich bin gespannt.

Der OB-Wahlk(r)ampf aus Kandidatensicht

Während manch Konstanzer Student (ich natürlich auch) verzweifelt auf die Ergebnisse der Wahlen zum Studierendenparlament wartet (die Verzögerung hängt wohl mit der massiven Wahlbeteiligung zusammen…), war ich heute Abend mal wieder Gast bei einem Stammtisch der Piratenpartei.

Dort sprachen nämlich die mittlerweile ausgestiegenen Kandidaten Benno Buchczyk und Sylvia Großmann über ihre Erfahrungen im Wahlkampf.

Teilweise ist es sehr hart, was sie berichteten und wirft auf manch Kandidat kein gutes Licht. Manche Vorwürfe wurden gestern schon kurz vorgestellt – einige mehr befinden sich jetzt  in meinem Bewusstsein. Und jeder sollte das Recht haben, mittels dieser Informationen aus besagter Quelle seine eigene Meinung dazu zu bilden. Wobei ich aufpassen muss: anscheinend sind schon Konstanzer Gemeinderäte auf meinen Blog aufmerksam geworden 😉

Zuerst sprach Benno Buchczyk aber über sich selbst und die Beweggründe seiner Kandidatur, die recht spontan 7 Tage vor Abgabe der Unterschriftenlisten getroffen wurde (mit gleichwohl sehr viel längerer Bedenkzeit davor). Er betonte: „Wir sind eine Partei, kein Computerclub“. Und Parteien müssen eben an Wahlen teilnehmen – die FDP z.B hätte dies nicht getan – eine Meinung, die ich nur bedingt teile, da sie ja den Uli Burchardt unterstützt. Eine Stimme für  Benno Buchczyk ist nach ihm denn auch kein – wie ich schrieb – „Wasted Vote“ gewesen, sondern seine Kandidatur hätte vor allem dem Zweck der Werbung gehabt.

Ihre Erfahrungen mit den anderen Kandidaten haben mich in meiner gestrigen Einschätzung bestätigt. Sabine Seeliger scheint doch nicht die „Kampfgrüne“ zu sein wie anfangs angenommen, sondern „lernfähig“ zu sein. Was ich gestern aus Unwissenheit nicht schrieb: sie akzeptiert den Konstanzer Wunsch nach dem Ausbau der B33 und wird im Gegenzug von den ehemaligen OB-Kandidaten Henning Tartsch, Andreas Kaltenbach und Martin Luithle mittels einer Wahlempfehlung unterstützt (ihr persönliches Stuttgart 21).Man könne jedoch auch von ihr lernen: sie hätte jeden Tag Pressemitteilungen verschickt, bis irgendwann selbst der Südkurier ein schlechtes Gewissen bekam und sie auch mal abdruckte. Die Vorwürfe gegen den Südkurier als Monopolisten in der Region spare ich mir mal, da sie nicht belegbar sind. Eine „Bezahlschranke“ mag moralisch verwerflich sein, ist abser völlig legal und legitim. Und wer viel inseriert, kann sich wohl auch auf mehr Berichterstattung freuen. Letztlich sei es laut den beiden Kandidaten so, dass „mit Geld alles“ gehe.

Eine Anekdote, die bei den anwesenden Piraten für Erheiterung sorgte, war jedoch Seeligers Aussage zur Online-Partizipation. Nach einer Diskussion kam sie auf Benno Buchczyk zu und meinte sinngemäß, das sei „ihre Idee; er hätte das von ihr geklaut.“ Guter Witz, dies gegenüber einen Piraten zu behaupten!

Über Uli Burchardt wurden nicht allzu viele Worte verloren: er sei vor allem sehr authentisch und ob als Kandidat oder privat die gleiche Person.

Über Sabine Reiser fielen deutlich schärfere Worte.

Zuerst einmal sei die Frau eine „Hochstaplerin“. Ich würde nicht soweit gehen, dies zu behaupten, doch den Fakten nach übertreibt sie doch merklich bzw. stellt sie falsch dar.  Sie nennt sich Referatsleiterin für Städtebauförderung, obwohl sie „nur“ Referatsleiterin für Stadtsanierung ist. Das hört sich garnicht mehr so sexy an (http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1147360/index.html). Fairerweise muss man allerdings sagen, dass die Abwicklung der Städtebauförderungsprogramme zu ihren Hauptaufgaben zählt.

Stuttgart mag ganz Baden-Württemberg suggieren, tatsächlich gibt es solche Referate aber auch noch in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen. Es handelt sich also um die Referatsleitung eines Regierungsbezirkes.

Das nur am Rande: ein Vorwurf ihr gegenüber war, dass sie bei einer Infoveranstaltung im Vorfeld der in Konstanz durchgeführten „Unter-18-Wahl“ Werbematerial an Grundschüler in öffentlichen Gebäuden verteilt hätte. Ersteres mag wieder moralisch verwerflich sein, zweiteres ist jedoch dem Gesetz nach verboten: keine Wahlwerbung in den zwei Wochen vor der Wahl in öffentlichen Gebäuden.

Dort machte sie wohl auch das Versprechen, jeden Konstanzer Schüler kostenfrei mit einem Ipad auszustatten. Nicht nur illusorisch, ein Oberbürgermeister hat garnicht die Macht darüber zu entscheiden (mag höchstens Kontakte zur Finanzierung nutzen – Apple wird sich freuen). Andere Kandidaten seien aber auch nicht sehr viel realistischer gewesen: sie versprachen den Kindern mehr Taschengeld!

Das Verhältnis unter den Kandidaten sei generell gut gewesen, lediglich Frau Reiser sonderte sich oft etwas ab, kam zu spät und schien dies sichtlich zu genießen, was allerdings dann oft mit einem schlechten Platz bestraft wurde. Als einzige Kandidierende in der Bücklein-Show (OB-Kandidaten-Vorstellung eines Komikers) hätte sie sich auch geweigert, öffentlich etwas darzubieten, während die anderen Kandidaten gesungen, Gitarre gespielt oder etwas vorgetragen haben. Das ist natürlich ihr gutes Recht – wenn sie sich so nicht zeigen möchte sollte man das respektieren.

Auf die Geschichte mit dem E1NS-Magazin wies ich gestern hin, kritische Kommentare auf ihrer Facebook-Seite dazu werden scheinbar gelöscht. Uli Burchardt hätte wohl auch kritische Kommentare genug, ließe sie jedoch stehen.

Hoch her ging letztlich noch die Diskussion, wie viel Frau Reiser denn für ihren Wahlkampf ausgebe und wer ihn finanzierte. An Spekulationen mag ich mich nicht beteiligen, Fakt ist aber, dass bei den vielen Plakaten und Anzeigen, den mittlerweile 3ten Flyer von ihr im Briefkasten, einem anscheinend 20-köpfigen, teils bezahlten Team und sonstiger hoher Professionalität ein Haufen an Geld zusammenkommt. Eins muss man ihr lassen: sie scheint diesen Job als Konstanzer Oberbürgermeisterin wirklich zu wollen. Und jetzt, im 3. Anlauf, nach dem es beim letzten Mal auf der anderen Bodenseeseite in Überlingen nicht geklappt hat, hat sie beste Chancen.

Unterstützt wird sie dabei übrigens – ich erwähnte es noch nicht – von der Redakteurin von „See Online“, die dies in ihrem „Magazin“ ja immerhin auch zugab. Deren Artikel sind also – wie meine – mit Vorsicht zu geniessen!

Nun bleibt mir noch wenig anderes zu berichten (ist alles eh nur ein Ausschnitt). Es gab an die ausgestiegenen Kandidaten wohl Anrufe höherer Stellen, doch bitte eine Wahlempfehlung für die oder die Person abzugeben. 1% der Stimmen mögen nicht viel sein – doch summiert sich dies bei 10 Personen rasch auf wahlentscheidende Prozente auf. Ein Mitarbeiter am Telefon, der ausgestiegene Kandidaten eine Wahlempfehlung abringen möchte, kann daher durchaus Gold wert sein.

Wie sich dies in Stimmen bemerkbar macht, werden wir am Sonntag Abend sehen.

Jetzt sind übrigens gerade die Stimmen der StuPa-Wahlen bekanntgegeben worden und wir können uns richtig freuen! Die Liberale Hochschulgruppe zieht mit starken 8,7% – noch vor der Offenen Linken Liste und dem RCDS – mit 2 Personen ins Studierendenparlament ein. Herzlichen Glückwunsch!

Die vorläufigen Ergebnisse im Überblick:

Fachschaften: 16,5% (PATRICK, Felix, Clarc, Stephan)
GHG: 28,4% (MAX , DAVID, Marie, Judith, Bernhard, Melina, Stephan)
Jusos: 24,0% (FABIAN, Esra, Nicolas, Muriel, Phillip)
RCDS: 7,2% (Caroline, Johannes)
LHG: 8,7% (Sven, Phillip)
Offenen Linke: 8,3% (Marco, Fedo)
Grau: 1,9% (nichts)
Grün & Schnitzel: 4,9 % (Philipp)

Jetzt hoffe ich nur noch, dass zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit die Prozente aufgedröselt werden. Man wird sehen.

Die nächsten Tage wird möglicherweise kein Blogartikel kommen, da ich ja bei der Deutschen Meisterschaft in Baden-Baden partizipiere. Aber es ist nun auch alles geschrieben worden, was geschrieben werden musste. Ich hoffe jeder Konstanzer Bürger entscheidet wohlüberlegt!

 

OB-Wahlen in Konstanz: die Qual der Wahl

Während heute und morgen die Wahlen an der Uni laufen, bereitet sich ganz Konstanz auf die ungleich wichtigere Oberbürgermeister- Wahl am Sonntag vor, in der noch 6 verbliebene Kandidaten, davon mit ernsthaften Chancen nur noch 3, um Stimmen ringen.

Ich selbst bin das Wochenende garnicht in Konstanz, sondern nehme an der Deutschen Meisterschaft im Schachtennis teil, die in Baden-Baden stattfindet. Schach und Tennis kombiniert – da reicht es sogar gleich das Ticket zur Deutschen Meisterschaft zu lösen, wo ich aber sicher sang- und klanglos untergehen werde. Gerade schwang ich den Tennisschläger zum ersten Mal seit 20 Monaten wieder, was doch erstaunlicherweise gut ging: falls ein Konstanzer Leser dieses Blogs das Gefühl verspürt – ich habe jetzt richtig Lust regelmässig mal zu spielen!

Und während am Sonntag Abend die Freude über den Wahlsieg bei einer Person ganz groß sein dürfte, ist ein Mitfeiern meinerseits suboptimal, da ich bereits am Montag zur verbrecherischen Zeit von 8 Uhr morgens die erste Klausur schreiben darf. Thema: Analyse und Vergleich politischer Systeme

Un -Analyse und Vergleich, geschickt zur Überleitung genutzt, soll es nun auch in der Essenz dieses Artikels gehen. Wegen meiner beschriebenen Abwesenheit habe ich nämlich heute neben den Uni-Wahlen bereits meinen OB-Wunschkandidaten per Briefwahl gewählt.

Für mich war die richtige Wahl eine Qual – eine Qual der Wahl. Fernab jeglichen empirischen Anspruches und mit normativem Touch möchte ich nun versuchen darzulegen, welche Faktoren bei so einer Wahl bei mir eine Rolle spielen und wie die noch chancenreichen Kandidaten dort in meinen Augen abschneiden. Soviel sei schon verraten: ich halte niemanden der 6 Kandidaten für bedenklos wählbar und habe mich daher entschieden, die sehr sinnvolle Möglichkeit zu wählen, einen Wunschkandidaten vorzuschlagen. Der ist Sozialdemokrat, wohnt an der Seestraße, mag gern Monster-Trucks und strotzt mit Verwaltungskompetenz. Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der ihn wählt – auch wenn er in meinem folgenden Raster auch nicht unbedingt besser abschneiden würde.

Noch einmal kurz zu den Kandidaten der zweiten Runde der OB-Wahl: mit Chancen im Rennen sind noch Sabine Seeliger (grün), Sabine Reiser („unabhängig“, CDU-Mitglied) und Uli Burchardt (teilweise von CDU, FDP und FW unterstützt). Wer mit diesen nicht zufrieden ist und noch einen seriösen Kandidaten sucht, wird ihn mit den sicher chancenlosen Mykola Neumann  finden, der sein Ergebnis von 1% beim ersten Wahlgang nun deutlich verbessern dürfte. Verbleiben tun auch noch Klaus Springer und Roman Urban, deren Unwählbarkeit ich aber von vornherein annehme. Diese Beiden werde ich daher auch ausblenden.

Nun – wie wählt der Bürger? Wie wähle ich?

Theorien, die ich schon lernen durfte, sind z.B. das Medianwählermodell von Anthony Downs, das davon ausgeht, dass Wähler rein rational die Partei wählen, die ihnen am meisten Nutzen verspricht. Die Annahmen (Zweiparteiensystem, jeder geht zur Wahl, keine inhärenten Parteipräferenzen) lassen sich aber nur schwer mit dieser Oberbürgermeisterwahl in Einklang bringen. Ähnlich sieht es mit der Theorie von Wählerklienteln aus, die vielleicht bei Bundestagswahlen einen Wahrheitsgehalt haben mag, auf Persönlichkeitswahlen wie es Oberbürgermeister-Wahlen sind jedoch geringen Einfluss haben.

Doch was hat Einfluss? Für mich spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle in meiner Wahlentscheidung.

1. Ideologie

Von Ideologie bin auch ich nicht verschont: sie spielt eine wichtige Rolle bei jeder Wahl. Gehört der Kandidat zur In-Group meiner Ideologie, so ist er deutlich eher wählbar als wenn er es nicht ist. Bedauernswerter Weise aber erwartbar ist dies bei keinem der Kandidaten der Fall. Sabine Seeliger ist meiner Ansicht nach recht typisch linksgrün, Frau Reiser betont bürgerlich- modern, aber konservativ, und Uli Burchardt ebenfalls bürgerlich-modern und konservativ, aber mit liberalerem und auch linksgrünen Touch (er wirbt mit einer attac-Mitgliedschaft). Mykola Neumann können wir eine gewisse Nähe zur Piratenpartei zusprechen, die ja nach Selbsteinschätzung ideologielose Politik machen möchte, was ihr jedoch zunehmend seltener gelingt.

 

 

2. Inhalte

Eng verknüpft mit der Ideologie sind auch immer die Inhalte, mit dem ein politischer Kandidat um Stimmen wirbt. Nach der Ideologie richten sich meist auch die politischen Positionen aus. Und manch auf dem ersten Auge gleiche Position zweier Kandidaten beruht auf völlig unterschiedlichen Ideologien und damit auch Gründen. Inhalte sollte man also nicht isoliert betrachten, sondern immer im größeren Kontext. Die Glaubwürdigkeit soll in dieser Dimension jedoch keine Rolle spielen.

Was konkret die Inhalte der OB-Kandidaten angeht, reicht dies von „geht garnicht“ bis „ganz passabel“. Sabine Seeliger disqualifiziert sich durch Forderung einer City-Maut und als Gegnerin des B33-Ausbaus als Autobahn, auch wenn sich in ihrer studentenfreundlichen Politi viel Unterstützenswertes findet. Nicht anders sieht es bei den 3 anderen Kandidaten aus: man wird immer etwas finden, das einem gut, und was einem schlecht gefällt. Und jeder Wähler muss dies für sich selbst entscheiden…

 

3. Persönliche Integrität

Diese Dimension finde ich am Wichtigsten. Was nützen alle Versprechungen, wenn es nur leere Worte sind?Persönliche Integrität heißt für mich, dass Werte und Worte von Kandidaten im Einklang mit ihrem tatsächlichen Handeln stehen. Es wird immer mal unvorhergesehene Ereignisse geben, durch die gemachte Versprechungen nicht gehalten werden können. Wesentlich ist dann, wie damit umgegangen wird.

Bei den OB-Kandidaten ist diese Frage subjektiv schwer zu beurteilen, da sie auf politischer Ebene noch nicht groß in Erscheinung getreten sind. Da hat man es auf bundespolitischer Ebene deutlich einfacher (und wird überall enttäuscht). Trotzdem ein paar Worte zu den Kandidaten:

Sabine Seeliger habe ich in dieser Beziehung nichts vorzuwerfen. Ganz im Geggenteil finde ich, dass ihre finanzielle Unterstützung der Klage gegen das Glasverbot am Seerhein genau diese persönliche Integrität zeigt. Einsatz für eigene Werte und politische Glaubensvorstellungen auch über die Politik hinaus. Ins gleiche Horn stößt auch ihr Einsatz für Bio und erneuerbare Energien. Auch wenn ich das nicht unterstützenswert finde, so imponiert doch eine gewisse Kohärenz zwischen Ideologie und Handeln.

Bei Sabine Reiser sieht es anders aus. Ihre Integrität scheint darauf hinauszulaufen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln endlich gewählt zu werden. Mit allen Mitteln bedeutet auch zu vielleicht eher unlauterer Werbung zu greifen: sie schaltete eine ganzseitige Anzeige auf der Titelseite des Konstanzer E1NS-Magazin, der von diesem jedoch als objektiver Artikel verkauft wird, indem sie extreme, teils lächerliche Selbstdarstellung betreibt. Ein Konstanzer Blogger weiß hier Näheres zu berichten – ein Klick lohnt sich: http://crashsource.de/1102-ob-wahlkrampf-in-konstanz-sabine-reiser/

Auch Uli Burchardt mag man vorwerfen, die Wähler täuschen zu wollen. Er kokettierte mit seinem Engagement bei den Globalisierungskritikern von „attac“, das sich laut Konstanzer Aktivisten  jedoch allenfalls auf eine schnell im Internet erworbene Mitgliedschaft beschränkt: http://www.koch.ro/blog/index.php?/archives/157-Uli-Burchardt-und-ATTAC.html

Auch sein „Engagement“ in anderen Vereinen scheint eher gering auszufallen. Um jedoch auf „attac“ zurückzukommen: warum meint Herr Burchardt das eine „attac“-Mitgliedschaft so toll ist? Für mich disqualifiziert ihn nicht nur diese Falschaussage, sondern schon die Idee einer „attac“-Mitgliedschaft an sich. Bei seiner Nachhaltigkeitsausrichtung ist es zumindest nachvollziehbar. Herr Burchardt scheint auch den gewissen Typus eines Selbstdarstellers einzunehmen, der als Marketing-Fachmann sich damit ja bestens auskennend, manchmal so wirkt, den Wahlkampf als Plattform benutzend eher sein Buch „Das Manufactum-Prinzip“ zu bewerben statt sich um die Belange von Konstanz zu kümmern.

Über Mykola Neumann kann ich an dieser Stelle nichts Schlechtes schreiben, da mir nichts bekannt ist. Ihn schätze ich aber – er ist schließlich Rechtsanwalt – in dieser Beziehung aber als sehr solide ein.

 

4. Bürgernähe

Ein entscheidender Faktor für mich ist die Bürgernähe. Und zwar nicht nur die Anschein erweckende während des Wahlkampfes, sondern die dann tatsächliche als Oberbürgermeister. Alle Kandidaten reden schließlich von mehr Partizipation – die Frage ist ob sie es auch umsetzen.

Während des Wahlkampfes kann man fehlende Bürgernähe gleichwohl niemanden absprechen: gerade Sabine Reiser zeigt sich da sehr bemüht – heute lag wieder Wahlwerbung im Briefkasten – wirkt dabei jedoch im Gegensatz zu Sabine Seeliger nicht wirklich authentisch, sondern sehr gekünstelt. Mit perfekt einstudiertem Lächeln vermag sie mich nicht zu vereinnahmen. Wie wichtig Bürgernähe ist, sieht man auch an der Tatsache, dass sie nach der Podiumsdiskussion an der Uni Gespräche plötzlich abbrach, weil „wichtige“ Personen gerade in der Nähe waren, denen sie sich widmen wollte. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

In der Beantwortung von Anfragen zeigte sie sich jedoch immer sehr rasant- gleichwohl sicher ein großes Team dahinter steht. Ähnlich bei Sabine Seeliger. Uli Burchardt hat sicher auch ein großes Team, die Anfragen werden hier aber längst nicht so zügig bis garnicht beantwortet. Mykola Neumann muss man hier in Schutz nehmen -als Einzelkämpfer, der dazu noch weiter seinem Beruf nachgeht, hat er es nicht gerade leicht. Vielmehr ist sein Engagement zu bewundern.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob man den zukünftigen Oberbürgermeister auch einmal unter „normalen“ Konstanzern sieht oder nur in der High-Society.

 

5. Charakter und Sympathie

Ist schon fast sowas wie ein Gesamteindruck und je nach Mensch unterschiedlich. Aber wohl immer sehr bedeutend. Für wen ich Sympathie hege und für wen eher nicht ist sicher schon deutlich geworden.

 

6. Rationales

Als gnadenloser Kosten-Nutzen-Maximierer wägt man bei seiner Wahlentscheidung sicherlich auch die Vor- und Nachteile des Kandidaten für sich ab. Frau Seeligers glaubwürdiger Einsatz gegen das Glasverbot und eine zeitliche Ausweitung der Sperrstunde sind für einen Studenten sicherlich positiv zu beurteilen. Allerdings sollte man nicht nur an sich denken – gerade wenn man ohnehin in Konstanz nur für kurze Zeit seinen Lebensmittelpunkt hat. Ein Oberbürgermeister, der mich nur ein Jahr „regiert“ und der auf mein unmittelbares Leben ohnehin kaum Einfluss hat, führt dazu, dass einem eigentlich egal sein kann, wer Oberbürgermeister wird. Man kann dies dann so oder so sehen: Verantwortung übernehmen und das Wählen, von dem man sich das Beste für alle erhofft. Oder man entzieht sich der Verantwortung – meiner Meinung in diesem Fall durchaus legitim – und lässt die dauerhaft hier lebenden Konstanzer entscheiden, während man selbst nicht zur Wahl schreitet oder aber den Stimmzettel ungültig macht/ einen Wunschkkandidaten vorschlägt, um zumindest die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Daran nämlich könnte es auch liegen, dass die Wahlbeteiligung, gerade unter Studierenden, aber auch in der Forschung, eher gering ist. Es macht da einen Unterschied, ob man noch 4 Jahre in Konstanz vor sich hat, weil man gerade mit dem Jura-Studium angefangen hat oder aber in meinen Fall weiß, im nächsten Jahr um diese Zeit Konstanz bereits verlassen zu haben und auch nur noch für eine kurze Periode zurückzukommen.

 

 

Das war es dann auch eigentlich schon, was mich merklich in meiner Wahlentscheidung beeinflusst. Die ganzen Dimensionen werden vermixt, ihr Anteil ist jedoch immer dynamisch, die Gesamtentscheidung spiegelt das Ganze nur so ungefähr wieder. In Bundestagswahlen sind die Dimensionen noch etwas umfangreicher, in Oberbürgermeister-Wahlen müssen sie ausreichen. Es ist ja auch auch nicht so, dass ich das jetzt haargenau so durchgehe, sondern ein Versuch selbst einmal niederzuschreiben, wie man eigentlich zu einer Wahlentscheidung kommt.

Meine ist nun so, keiner dieser Spitzenkandidaten zu wählen. Am ehesten würde mir momentan tatsächlich noch Sabine Seeliger zusagen. Mit meinem Gewissen kann ich es aber absolut nicht vereinbaren, eine linksgrüne Kandidatin zu wählen. Da ist die Ideologie doch stärker, die Emotion siegt über die Rationalität!

Wie auch immer: am Sonntag Abend wissen wir alle mehr. Für Konstanz wird das Ergebnis einschneidend sein. Mittlerweile sehe ich einen Farbwechsel nicht mehr sehr euphorisch entgegen – vielleicht sollte Konstanz tatsächlich grün bleiben. Bei den Inhalten der Kandidaten wird es das aber ohnehin. Wer sich übrigens noch einmal einen Eindruck von den Kandidaten verschaffen möchte: am Freitag von 11-15 Uhr ist ein offenes Forum an der Universität, wo man noch einmal mit allen ins Gespräch kommen kann – so ist jedenfalls der Anspruch dieser Veranstaltung…

Auch hier wieder der Aufruf: geht am Sonntag wählen, auch wenn es Euch nicht anzugehen scheint! Notfalls macht tatsächlich vom Vorschlagsrecht Gebrauch und wünscht Euch Harry Potter herbei…

Vor den Wahlergebnissen am Sonntag freue ich mich jedoch erst einmal auf die morgen. Ein Sitz, besser zwei, sollten für die Liberale Hochschulgruppe wohl drin sein. Wer noch nicht gewählt hat, sei auch dies ans Herze gelegt, dies morgen noch zu tun!

 

 

 

 

OB-Wahl in Konstanz 2012 – Analyse

Während die Kandidaten heute um den Einzug ins Konstanzer Rathaus kämpften, schlug ich mich mit Wind und Wellen auf Bodensee und Rhein herum. Dazu mehr und vor allem viele Bilder morgen. Soviel sei gesagt: es war keine Tour, sondern eine Tortur, aber doch ein Abenteuer ganz nach meinen Geschmack, dass aufgrund der Wetterlage nicht in Schaffhausen, sondern leider bereits 10km vorher in Gailingen am Hochrhein endete. Doch morgen mehr…

Die Kandidaten haben gekämpft – manche haben gewonnen, die meisten wohl verloren. Die Ergebnisse im Überblick (http://www.konstanz.de/ergebnisse_wahlen/ob2012.htm): Sabine Reiser 26,8%, Uli Burchardt 25,9%, Sabine Seeliger 20,1%, Sven Zylla 14,3%, Henning Tartsch 4,6%, Andreas Kaltenbach 2,2%, Martin Luithle 1,9%, Benno Buchczyk 1,1%, Mykola Neumann 1,0%, Roman Urban 0,5%, Sylvia Großmann 0,5%, Thomas Linz 0,4%, Klaus Springer 0,1%, Sonstige 0.6%. Wer unter Sonstige zählt würde mich mal interessieren…

Die Wahlbeteiligung war mit 42% sehr gering. Das mag einerseits am Regenwetter gelegen haben, andererseits aber auch vor allem im Bewusstsein, dass es ohnehin eine Stichwahl geben würde. Die Hoffnung ist also groß, dass es in 2 Wochen besser aussieht. Von der Stichwahl hatte ich selbst eine völlig falsche Vorstellung. Ich dachte, es wäre ein Stechen zwischen den zwei besten Kandidaten. Tatsächlich ist es aber eine Wahl wie heute auch, wo man allerdings nur noch die relative Mehrheit der Stimmen benötigt. Kandidaten können jetzt zurückziehen, theoretisch können sogar noch neue Kandidaten ins Rennen einsteigen, wenn sie sehr schnell neue Unterschriften sammeln. Vielleicht steht ja schon wer bereit…

Wer Statements von den OB-Kandidaten hören möchte – der Südkurier hat ein Video gedreht, auf das man sogar ohne Bezahlschranke zugreifen kann. Gehört wohl zum Informationsauftrag.

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Video-Das-sagen-OB-Kandidaten-zum-Wahlergebnis;art372448,5575216

Interessant ist es übrigens, mal die einzelnen Wahlbezirke und die dortige Stimmenverteilung anzusehen. Im Wahlbezirk Königsbau Wahlort Uni-Laborgebäude V, zu dem diverse Studentenwohnheime gehören, erreichte Sabine Seeliger  mit 32,4% ein deutlich besseres Ergebnis. Ähnlich sieht es in manch Gegenden der Altstadt aus – ebenfalls Terrain eher junger Leute. In Konstanzs „sozialem Brennpunkt“ Berchengebiet schneidet Frau Sabine Seeliger hingegen vergleichsweise schlecht ab. Wen interessiert da auch Öko? Auf hohe Werte kommt dort Sabine Reiser. Vielleicht durchschauen die Wähler dort Sabine Reiser einfach nicht !? Unter vielen Studis, wenn auch nicht nur, (Uni-Laborgebäude V) erreicht sie gerade mal 13,5%.

Ich möchte die Analyse nicht überreizen – die Dinge fielen mir nur spontan auf. Die Kandidaten werden sicherlich näher damit beschäftigen, um, sofern sie denn weiterhin antreten, in Wahlkreisen, wo sie eher schlecht abschnitten, verstärkt Werbung zu machen. Auch natürlich, um die mickrige Wahlbeteiligung anzukurbeln. Es kann also nur besser werden…

Meine Stimme war tatsächlich ein „Wasted Vote“, in der Stichwahl werde ich sie dann überlegter einsetzen. Sven Zylla überlegt noch, ob er weiter kandidiert, das Rennen dürften Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sabine Seeliger unter sich aus machen. Gut möglich, dass Frau Seeliger als lachende Dritte aus diesem Rennen hervorgeht, während die bürgerlich-konservativen Uli Burchardt und Sabine Reiser sich gegenseitig die Stimmen klauen. Ich hoffe es nicht – ich möchte einen Farbwechsel.

Orange wird sicher nicht die Farbe sein. Der Kandidat im Vertrauen der Piratenpartei, Benno Buchczyk ist grandios gescheitert und weiß (siehe Südkurier-Video) selbst nicht, wie er das jetzt einschätzen soll. Aber nicht schlecht, dass manche Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, die maßlos überschätzend einem Kandidaten der Piratenpartei gute Chancen einräumten. Die habe ich nie geteilt, wie vielleicht schon deutlich geworden ist. Sicherlich bitter für ihn und sein engagiertes Wahlkampfteam – aber so ist die Realität. Ich bin gespannt, ob Benno Buchczyk auch in der Stichwahl antritt…

2 Wochen heißt es also noch warten, dann hat Konstanz einen neuen Oberbürgermeister für 8 Jahre. Eine wegweisende Entscheidung, die Konstanz hoffentlich nicht zurück in die Steinzeit katapultiert. Manche KandidatInnen scheinen da ja ganz heiß drauf zu sein…

Ich werde die ganze Angelegenheiten jedenfalls weiterhin beleuchten und freue mich über das große Interesse. 450 Besucher dieses Blogs am heutigen Tag – nicht schlecht!

OB-Kandidaten-Vorstellung: Uli Burchardt

Manchmal verlaufen Abende anders als geplant. Aber nicht unbedingt schlechter. Organisatorisches wurde auf Sonntag verschoben, es stand kurzfristiger Konsum von Spaß statt, unter anderem im Form des schönen Spiels „Werwolf“, wo ich endlich mal wieder brillieren konnte. Anyway: ich halt mich jetzt kurz, weil der Rucksack noch gepackt werden muss und es in knapp 6 Stunden bereits aufs Kanu geht. Selbst mir ausreichend Schlaf, den ich nun nicht mehr kriege, wäre es ein harter Tag. Naja, schaun wir mal…

Uli Burchardt werde ich nicht gesondert vorstellen, das Ganze aber vielleicht nachholen, da er mit Sicherheit in die Stichwahl kommt. Ich habe ihn heute per Briefwahl nicht gewählt, er ist aber nach wie vor in meinem engeren Kreis. Hätte ich seine Antworten vor meiner Wahl bekommen, hätte ich mich möglicherweise anders entschieden.  Meinen „Wasted Vote“ verbuche ich mal unter Wahlgeheimnis.

Hier jetzt noch seine Antworten auf meine Fragen – die 7. hat er galant ausgeklammert. Kommentieren tue ich aus oben genannten Gründen nicht mehr. Der Blog soll mir schließlich nicht mein Leben diktieren, doch aus Gründen der Fairness gegenüber den OB-Kandidaten sehe ich es als notwendig an, alle Antworten rechtzeitig zu veröffentlichen. Und das ist nun nunmal die letzte Gelegenheit…

 

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessen Geld Ihren Wahlkampf?

Da ich als unabhängiger Kandidat antrete, erhalte ich keine Unterstützung aus irgendeiner Parteikasse. Meinen Wahlkampf finanziere ich zu einem Teil aus Spenden. Die Freien Wähler haben dazu freundlicherweise ein Spendenkonto eingerichtet. Über die Identität der Spender werde ich jedoch nicht informiert und das ist gut so, denn so entstehen keine Abhängigkeiten. Was nicht durch Spenden abgedeckt ist, finanziere ich aus der eigenen Tasche.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3

Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Es gibt weit mehr als drei Dinge, die ich an unseren Nachbarn schätze: Zunächst fasziniert mich ihre demokratische Tradition und ihre republikanische Gesinnung, die sie in ihrem politischen Alltag immer wieder unter Beweis stellen. Dann bewundere ich die Geradlinigkeit mit der sie Projekte in ihrem Gemeinwesen anstoßen, planen und umsetzen. Was sie anpacken, hat meistens Hand und Fuß, auch wenn es mal ein paar Franken mehr kostet. Schließlich schätze ich ihre Verbundenheit mit ihrer natürlichen alpinen und voralpinen Umwelt, die Sie gerne auch Heimatliebe nennen dürfen.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?

Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil einer Gesellschaft, die sich durch solidarisches Miteinander immer wieder selber hervorbringt und neu entwirft. Als jemand, der bei DLRG und Freiwilliger Feuerwehr, später als Studentensprecher und heute im Wirtschaftsrat, viele Jahre aktiv war und ist, weiß ich, dass dem Ehrenamt oft nicht die öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird, die es verdient. Deswegen hatte ich angekündigt, zu entscheiden, ob eine Stabsstelle für ehrenamtliches Engagement eingerichtet werden soll und ich habe mich festgelegt: Ich werde mich dafür einsetzen, eine solche Stelle zu schaffen, die Bürgerengagement fördert und koordiniert.

Zur konkreten Frage: Derzeit kostet das Zeugnis 13 Euro, Personen, denen dies nicht zuzumuten ist, können davon ausgenommen werden. Sollte die Beschlusslage der Gemeinde inzwischen eine andere sein, wird es Aufgabe des Inhaber oder der Inhaberin einer künftigen Ehrenamtsstelle sein, dies zu überprüfen und gegebenenfalls an die Erfordernisse der ehrenamtlich Tätigen ebenso wie an die der Stadt anzupassen. Mehr kann ein OB-Bewerber nicht versprechen, ohne schon vor der Wahl als Verwaltungsmonarch zu gelten, der nicht alle Beteiligten rechtzeitig anhört.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen

Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):

1- Studenten

Klar, dass ich als Dozent an der HTWG die Studierenden besonders schätze. Sie machen rund ein Fünftel der Konstanzer Bevölkerung aus. Viele Konstanzerinnen und Konstanzer waren früher selbst an einer unserer Hochschulen eingeschrieben. Studierende kommen zuhauf aus anderen Städten und beleben und bereichern unser Gemeinwesen. Durch sie und ihre Hochschulen werden jährlich dreistellige Millionenbeträge in den lokalen und regionalen Wirtschaftskreislauf eingebracht. Die meisten von Ihnen sind Mitbürger auf Zeit, und wenn sie Konstanz wieder verlassen, sind sie im Idealfall positive Botschafter für unsere Stadt und unsere Region.

2- Schweizer

Vielfach werden unsere Nachbarn auf ihre Kaufkraft reduziert. Das wird aber nicht der Tatsache gerecht, dass wir eine jahrhundertelange  gemeinsame Vergangenheit haben. Noch weniger wird es der Tatsache gerecht, dass wir mit den Schweizern über eine EU-Außengrenze hinweg tagtäglich grenzüberschreitendes Miteinander praktizieren, was uns so selbstverständlich ist, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Das ist ein gutes Zeichen. Ein Beispiel: In meiner Jugend waren Schweizer Guggenmusiken in Konstanz eher eine Ausnahme. Heute sind sie selbstverständlicher Bestandteil unserer Straßenfasnacht, auf deren liberale Offenheit wir zu Recht stolz sind. Unsere Nachbarn fordern und fördern unsere Offenheit und Toleranz und das wiegt mehr als die vermeintlichen Kulturunterschiede, die bei genauer Betrachtung übrigens gar nicht so groß sind, wie sie gerne dargestellt werden.

3-Touristen

Auch Touristen möchte ich nicht auf ihren Geldbeutel reduzieren. Es sind immer noch Individuen und Familien die zu uns kommen und nicht nur Zahlesel. Ich möchte, dass sie sich als Gäste hier wohlfühlen und gerne wiederkommen. Aber es geht nicht um Massentourismus, sondern um Qualität. Das bedeutet Kultur- und Thementourismus, der den Gästen nachhaltig mehr anbietet, als ein wenig Straßenmusik und Gaukler auf der Marktstätte. Dazu gehört auch, dass sie vom Hafen oder Bahnhof kommend orientiert werden und daran hapert es immer wieder. Hier gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf, den ich in einer kombinierten Stadtmarketingorganisation mit Tourismus, Wirtschaftsförderung und Standortmarketing aus einem Guss ansiedeln will.

4-Solaranlagenbauer

Sie repräsentieren einen wesentlichen, der Nachhaltigkeit verpflichteten Wirtschaftszweig in unserer Stadt. Ich will, dass Konstanz auch zukünftig Solarstadt bleibt und dafür gibt es sehr gute Ansätze. Insbesondere in der Forschung und Entwicklung haben wir mit den zwei Hochschulen erstklassige Standortbedingungen. Nun gilt es, sich auch im Land und beim Bund dafür einzusetzen, dass die deutsche Solarbranche weiterhin stabile Zukunftsaussichten bekommt. Gleichzeitig aber setze ich mich dafür ein, dass die Konstanzer Wirtschaftdurch Vielfalt und Diversität geprägt ist und nicht durch ein Branchenmonopol.

5- Papst

Der Papst ist als Oberhaupt der katholischen Kirche für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger eine außerordentlich wichtige Persönlichkeit in ihrem ganz privaten Glaubensleben. Dies gilt es zu respektieren, denn dieser Respekt ist die Grundlage für eine Gesellschaft der Freiheit und Toleranz. Natürlich gilt dies im Gegenzug auch für diejenigen, die sich aus ganz persönlichen Gründen anders entscheiden.

In der Stadtgeschichte hatten Päpste auch schon mal eine wichtigere Rolle gespielt als heute, vor allem während des Konstanzer Konzils, als gleich drei von ihnen hier um das Vorrecht stritten der einzig wahre Papst zu sein. Bekanntermaßen wurde 1417 in einem Kaufhaus am See anders entschieden. Ohne dieses Weltereignis wären wir zweifellos um einen großen Teil unseres historischen Erbes ärmer geblieben.

6- Bodenseefelchen

Der Versuchung das symbolträchtige Tier ganz nach oben zu ranken, habe ich nurschwer widerstanden. Aber der Bodenseefelchen steht glücklicherweise nicht auf der Liste bedrohter Arten, dafür aber auf den Speisekarten der Region. Dies wiederum ist Wirtschaftsgrundlage vieler Zuchtanstalten rund um den Bodensee. Dass sich am Felchen Begriffe wie Gewässerschutz, Überfischung, Wirtschaftswandel und grenzüberschreitende Fischereiregeln festmachen, versteht sich von selbst, auch wenn diese hier auszuführen kein Raum ist.

7- Oberbürgermeister.

Ich würde nicht kandidieren, wenn ich das Amt des Oberbürgermeisters gering schätzen würde. Zu meinem Verständnis von Amtsführung gehört neben Fachkompetenz und Führungserfahrung aber auch die Qualität der Demut vor der großen Aufgabe. Und dazu gehört eben auch, sich nicht immer in die erste Reihe zu drängeln.

 

 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesenhaben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf

dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“

Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Der Bodensee leidet sicher nicht an einem Mangel an Schiffahrt. Wo diese ausgeweitet werden soll, bedarf es einer sorgfältigen Prüfung der Wirtschaftlichkeit, vor allem aber auch der Umweltverträglichkeit.  Die Zurechnung eines Kreuzfahrtschiffes allein zur älteren Generation, wie dies im Gesamtdokument geschieht, finde ich zudem recht kurzsichtig und wenig charmant. Die Idee eines kombinierten Tagungs- und Kreuzfahrtschiffes finde ich dagegen interessanter.  Nachhaltigkeit heißt ja nicht, nur mit Senioren zu planen, sondern Generationen zusammenzuführen, anstatt sie zu dividieren. Wie auch immer man aber entscheidet, muss eins solches Schiff in seinen Dimensionen zum Bedarf,zur restlichen Schifffahrt und vor allem zur Landschaft passen.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.

Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit bedeutet für mich die immer wiederkehrende konstruktive und inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ansprüchen anderer. Sie bedeutet dann auch, dass ich ungezwungen und frei die Konsequenzen aus dieser Auseinandersetzung ziehen und diese frei und offen kommunizieren kann.  Dies geschieht natürlich im gegenseitigen Zugeständnis der gleichen Freiheitsrechte und im Rahmen jener Rechtsordnung, die in dem Verfahren entstanden ist, das sie nun beschützt – im freien Austausch von Ideen und Argumenten.

 

Hört sich doch ganz gut an. Bei meinem nächsten Blogpost wissen wir schon mehr, nämlich wer die Stichwahl erreicht. Ich bin gespannt und freue mich aufs Ergebnis, jetzt aber erstmal auf mein Bett und dann die Kanutour nach Schaffhausen 😉



OB-Kandidaten-Vorstellung: Mykola Neumann

Da gabs heute doch noch 2 Antworten im Postfach: Mykola Neumann und Uli Burchardt. Erstere kommt jetzt auch zuerst, letzterer in 2-3h noch, samt einem kleinen Ausblick.

Ich bin in Eile, deshalb schnell: Mykola Neumann ist Anwalt, wohnt seit seinem Jura-Studium in Konstanz, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Weitere Infos hier: http://www.mykola-neumann.info/standpunkte.html

Kommen wir gleich zu den Antworten:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

Niemand, ich zahle alles selbst. Das sind ziemlich genau 2.000 € (Twizy Mobil, Flyer- und Plakatdruck, Webspace).
Alles andere wird selbst gemacht (Fotos, Flyerlayout, Plakatlayout, Webseitenprogrammierung).

 

Immerhin 2000€ Eigenbudget.

 

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

Politisch ihre direkte Demokratie und menschlich ihre Freundlichkeit.
Kulturell ihre Schokolade und die herrlichen Berge.

Auch endlich mal jemand, der die Berge liebt.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
- gerade auch von Studenten. Diese brauchen - gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten - völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Die Kosten muss die Stadt weiter übernehmen. Wer ehrenamtlich arbeitet darf nicht auch noch dafür zahlen müssen.
Ich bin für eine Einrichtung einer Koordinationsstelle (wenigstens Halbtags) für ehrenamtliche Tätigkeit. Das würde auf Dauer sicher der Stadt mehr einsparen, als es kostet. Wir werden noch viel mehr Ehrenamt aufgrund der demographischen Entwicklung brauchen.

Ist er nicht der einzige.

 

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

 

Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):

1. Schweizer: bringen Geld und Leben in die Stadt, wichtig, sind unsere freundlichen Nachbarn
2. Touristen: bringen Geld und Leben in die Stadt, auch sehr wichtig, sind auch freundlich, aber regelmäßig nicht unsere Nachbarn
3. Studenten: Machen die Stadt jung und halten sie lebendig (war selber mal einer hier).
4. Solaranlagenbauer: Bringen hoffentlich noch lange Geld in die Stadtkasse. 
5. Bodenseefelchen: Mmmh,lecker, gibt´s bei uns am Bodensee. 
6. Papst: Hat für Millionen gläubige Katholiken eine zentrale Bedeutung, wohnt aber nicht in Konstanz.
7. Oberbürgermeister: Steht hier an letzter Stelle, ein guter Schluss ziert alles ;-)



5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 2020"
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee derRegion nachhaltig Impulse verleihen würde."
Würden Sie diese Idee unterstützen - gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Grundsätzlich ja. Jede Idee in dieser Richtung sollte gedacht werden. Attraktionen ziehen Gäste an. Ich frage mich nur, wie groß so ein Schiff sein muss oder darf, damit es ein Kreuzfahrtschiff ist, welchen Tiefgang es überhaupt haben darf. Und ich würde mir wünschen, dass die Attraktion darin besteht, dass es dicht mit Solarzellen bedeckt ist und Brennstoffzellen an Bord hat, also elektrisch fährt. (Klar doch, Solarzellen reichen da nicht,  aber es wäre ein Symbol und das Schiff müsste halt Ökostrom tanken.)

Das Nachhaltigkeitsdenken scheint „in“ zu sein.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von "Freiheit"?

Nur die Gedanken sind wirklich frei, Freiheit ist für mich ein Gefühl, z.B. wenn ich auf einem hohen Berg sitze und bei Sonnenschein und klarer Luft über die Alpengipfel schaue, oder wenn ich hoch am Wind bei herrlichem Wetter am Ruder eines Segelboots stehe und genieße.

Doch folgende Zitate sind mir im Hinblick auf unsere Freiheit wichtig:

Artikel 2 Grundgesetz

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

und

Die Fähigkeit, das Wort „Nein“ auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.

(Nicolas Chamfort)

und da wäre

noch dieser Liedtext

Die Freiheit

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo,
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh.
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn,
da ging ich hin, um mir das näher anzusehn.

„Nicht füttern“ stand auf einem großen Schild
und „bitte auch nicht reizen, da sehr wild!“
Erwachsene und Kinder schauten dumm,
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm.

Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit!“ sagte er zu mir,
„die gibt es jetzt so selten auf der Welt,
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“

Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr!
Ich seh ja nichts, der Käfig ist doch leer!“
„Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag!
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr.
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein,
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

G. Danzer / G. Danzer

Erst dachte ich: der typische Jurist. Jetzt denke ich: er ist auch ein Poet 😉

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?

Sehr schwierige Frage, weil jeder der Kandidaten etwas besonderes ist. Die menschliche / freundliche Art und / oder die beruflichen Fähigkeiten sind da zu nennen. Oder die Art sich zu präsentieren. Ich würde wohl Benno Buchczyk als Pirat wählen, weil er ein sehr guter Redner ist und die Bürgerbeteiligung und Transparenz in seiner Partei ganz oben steht, und er als Verwaltungswissenschaftler gute fachliche Grundlagen mitbringt.

Die beiden kennen sich ja auch durch Stammtische der Piratenpartei.

Dort habe ich auch mal mit Mykola Neumann geredet. Er ist ein sympathischer Kandidat, dem ich aber nicht meine Stimme gegeben habe. Die Konkurrenz ist einfach zu groß 😉

Dabei will ich es auch belassen: bis später, mit Uli Burchardt…

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sylvia Großmann

Deutschland hat verloren, doch die Traurigkeit hält sich in Grenzen. So richtige EM-Stimmung kam ohnehin bei mir wenig auf.

Widmen wir uns nun der Kandidatin Sylvia Großmann, der aktuell letzten Person, die mir meine Fragen beantwortet hat. Von Uli Burchardt ist nichts zu hören – dem nimmt der Sükurier ja auch seine Arbeit ab…

Apropros Fragen: die kann man sich leider nicht patentieren lassen, weshalb einige andere auch auf den Zug aufgesprungen sind, wobei doch durchaus interessante Antworten herauskamen.

http://www.see-online.info/category/obwahlkn2012/ ist auf die 5 chancenreichsten Kandidaten beschränkt.Sehr fair…

Deutlicheren Mehrwert hat da die Website der Bewegung „Occupy Konstanz“, die doch recht kontrovers diskutierte Themen wie „Bedingungsloses Grundeinkommen“ und einiges anderes abfragen. Die bisherigen Antworten, unter anderem von Roman Urban,  findet man hier: http://www.occupykonstanz.de/

Auch Frau Großmann hat dort schon geantwortet. Die 53-jährige studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin  ist derzeit Besitzerin eines Geschäfts in den Konstanzer Innenstadt, hat in ihrem Leben aber schon viel anderes gesehen. Vor allem engagierte sie sich als Unternehmensberaterin und  im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Südamerika, ehe sie Konstanz wieder  für sich entdeckte, wo sie seit Jahren nun auch Stadtführerin ist. Sie kennt sich also aus! Weitere Infos hier: http://www.sylvia-grossmann.de/index.html

Kommen wir auch gleich zu ihren Antworten – die schlechte bzw. andere Formatierung bitte ich zu entschuldigen, irgenwas klappt heute nicht, wie es sollte.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich 
mit wessem Geld Ihren Wahlkampf? 
Ich selbst mit meinem Geld. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Ich will keine Verpflichtungen eingehen, aus denen die Geldgeber 
nachher Forderungen an mich bzw. mein Amt ableiten.

Konsequent und eigentlich auch richtig:
Erfolg hat man damit jedoch kaum.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. 
Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn? 
Die direkte Demokratie, 
das Sich-Behaupten-können im EU-Raum und 
den Unwillen, Hochdeutsch zu sprechen.

Gefällt mir auch gut. 
3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich 
in Konstanz - gerade auch von Studenten. Diese brauchen - 
gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten - 
völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. 
Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan 
noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. 
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte 
Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos 
bleiben? 
Selbstverständlich. Freiwilliges Engagement 
finanziell zu bestrafen, 
ist nicht akzeptabel.

 Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt? 
Die Stadt sollte wenigstens eine Halbtagsstelle für das 
Bürgerschaftliche Engagement einrichten.
Dies hat der Gemeinderat bisher leider verhindert.

Der Gemeinderat verhindert noch ganz andere Dinge. 
Bleibt zu wünschen, dass die Piraten und vor allem mal Studenten
jeglicher Couleur ihn aufmischen.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv 
empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!):
1. Touristen:
 bringen Devisen und tragen die Bedeutung der Stadt in die Welt
2. Schweizer: bringen ebenfalls Devisen, sind aber sehr sparsam 
(eben Schwaben)
3. Studenten: beleben die Stadt und tragen ihre Bedeutung in die 
(wissenschaftliche) Welt 
4. Solaranlagenbauer: gehen nach China
5. Bodenseefelchen: kommen aus Japan
6. Oberbürgermeister: kommt hoffentlich aus Konstanz
7. der Staub unter meinem Bett: seit gestern Geschichte!
8. das Unkraut auf den Bahngleisen: juckt niemanden
9. Papst: wer oder was ist das, und wenn ja: welcher?

Nach Unkraut und Staub hatte ich nicht gefragt: aber jetzt sind 
wir alle schlauer. Ansonsten eine doch sehr treffende Analyse: 
wusste garnicht, dass die "Bodenseefelchen" nicht frisch gefangen
 sind, sondern tatsächlich aus Japan stammen sollen. Meine kurze 
Recherche findet aber nichts drüber: für mich bleiben 
Bodenseefelchen also Bodenseefische. Solaranlangenbauer nach 
China hat sie aber gut erkannt. Als Stadtführerin misst sie den 
Touristen die größte Bedeutung zu, den Papst scheint sie nicht so
 zu mögen. 

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 
2020" gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee 
eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: 
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein 
Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse 
verleihen würde." Würden Sie diese Idee unterstützen - 
gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit? 
Das war ursprünglich und schon vor Jahren meine Idee...
Aber bitte nicht mit Dieselmotor, sondern mit Solarantrieb.

Ist das so? Dann glauben wir ihr das mal. 

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große 
Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde 
machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. 
Was ist ihre persönliche Definition von "Freiheit"? 
Die Freiheit jedes einzelnen hört immer da auf, wo die des 
anderen anfängt. 
Auch kategorischer Imperativ genannt.

Frei nach Kant. Warum nicht. Trifft meinen Geschmack.  

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten 
würden Sie am ehesten wählen und warum?
Nicht wählen würde ich Sabine Reiser und noch ein, zwei andere. 
Sonst könnte ich mir jede/n im Amt vorstellen. 
Man wächst mit seinen Aufgaben,
das gilt für das Amt der Bundeskanzlerin (siehe Angela von vor 10 Jahren)
und muss auch für die/den Konstanzer OB gelten.

Wer sind die ein zwei anderen? Ich habe da so eine Vermutung... 

Blöe Formatierung, die sich nicht ändern lässt. Frau Großmann ist 
abzunehmen, sich für die Belange der Konstanzer einzusetzen, 
teilt im Wahlkampf aber auch  gern mal aus. 
Wir dürfen gespannt sein, wieviel Prozente sie bekommt.

Morgen folgt nochmals eine kurze Vorstellung der übrigen Kandidaten und
ein Ausblick auf Sonntag. 
Ich mach jetzt Schluss, weil mich diese Formatierung voll frustriert 
und jeder Änderungsversuch nicht klappen möchte...

OB-Kandidaten-Vorstellung: Thomas Linz

Bevor ich mit Verspätung durch das Elfmeterschießen des Derby der Iberischen Halbinsel den OB-Kandidaten Thomas Linz vorstelle ein paar Informationen/Ankündigungen.

Die Podiumsdiskussion an der Universität kann man sich in voller Länge hier anschauen: http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/podiumsdiskussion-ob-kandidatinnen/

Die Antwortmail von Frau Sylvia Großmann hatte ich leider übersehen – die wird aber jetzt zuguterletzt noch morgen vorgestellt. Uli Burchardt ist nochmal nachgefragt, Henning Tartsch und Klaus Springer machten bereits beim ersten Mailverkehr deutlich, dass sie wohl eher kein Interesse an der Beantwortung haben…

Vorstellen werde ich sie aber noch kurz. Am Wochenende mache ich eine Kanutour von Konstanz zu den Rheinfällen in Schaffhausen (hoffentlich nicht hinunter), weshalb ich die Kandidaten bei Noch-Beantwortung notfalls in einen Artikel quetsche bzw. mehrere aufmache. Sonntag Abend stehen die Ergebnisse dann wohl fest, Deutschland ist aber (hoffentlich) in kollektiven Freudentaumel versunken – nein, nicht wegen eines neuen OB in Konstanz…

Auch wenn die ersten Klausuren nahen, mache ich natürlich noch begrenzt weiter mit der Berichterstattung über die Oberbürgermeisterwahl. Damit nicht genug: am 12. Juli finden Uni-Wahlen für das Studentenparlament statt. Mir schwant vor, den politischen Hochschulgruppen, die zur Wahl antreten, ebenfalls eine kurze Fragenliste zu schicken. Gerade jetzt, wo am heutigen Tag  die  „Verpasste Studierendenschaft“ von Grün-Rot arrogant durchgedrückt wurde. Das ist mir auch nochmal einen Extra-Artikel wert. Auf die Gefahr hin, mich noch unbeliebter zu machen… 😀

Noch bin ich ja auch Mitglied der Piratenpartei. Das Austrittsformular liegt schon unterschrieben hier, aber ich werde noch den 27. Juli abwarten. Dann ist nämlich Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl. Das weckt gerade bei der Piratenpartei natürlich Begehrlichkeiten, es dürften einige Kandidaten antreten. Die würde ich auch gern löchern – wenn ein Pirat mir nicht antwortet, ist er eh unwählbar 😉

Grund für das Ganze: sehr viele, sehr positive Rückmeldungen. Warum das Ganze also nicht noch ein wenig ausbauen und auf andere Felder ausweiten. Letztlich heißt der Blog ja auch „Konstranzparency“ – darum soll es ja auch gerade gehen: Politik in Konstanz inverschiedensten Facetten sichtbar machen. Nicht nur, aber auch. Falls jemand fiese Fragen hat, die ich stellen kann – nur her damit!

Jetzt kommen wir aber zu Thomas Linz, mit dem ich mich heute im „Ziegelhof“ in Petershausen auf eine Sprite (ich) bzw. ein Johannisbeersaft (er)  getroffen habe. Er bat mich um das Gespräch um seinen Ärger über den Südkurier Luft zu machen, dessen tendenziöse Berichterstattung Sachverhalte verfälscht darstellen würde. Ich könnte ja mit meinem Blog wenigstens dafür sorgen, einen Bruchteil der Konstanzer (vermutlich ohnehin kaum Südkurierleser) aufzuklären.

Zuerst aber zur Person: Thomas Linz stammt aus Rottweil, ist 38 Jahre alt und einer der letzten verbliebenen Magister-Studenten der Universität Konstanz mit den Fächern Soziologie, Literatur und Philosophie und weit über 20 Semestern. Diese Gattung ist ja leider von den Aussterben bedroht, umso mehr hat es mich gefreut, noch mal einen Aktiven zu treffen. Ich möchte nicht sagen, das früher alles besser war, aber ein Magister mit Politik, Geschichte und VWL hätte mich doch sehr gereizt. Ging bloß nicht mehr…

Im Moment macht er Pause, da er in Elternzeit ist, und arbeitet nebenbei in der Veranstaltungsbetreuung im Kulturzentrum am Münster. Informationen, auch zum Programm,  auf seiner Website: http://thomaslinzkn.wordpress.com/

Wir habens uns nett unterhalten und er zeigte mir ein wenig internen Schriftverkehr, der jedoch nicht veröffentlicht werden sollte. Bis auf das Schreiben, was ich heute Nachmittag veröffentlicht habe.

Sein Ärger über den Südkurier scheint sich aus mehreren Quellen zu speisen: einerseits bezichtigt er ihn, eine Kampagne für OB-Kandidaten Uli Burchardt zu fahren. Da ich ihn nicht lese, kann ich das nicht einschätzen. Ideologisch würde es aber passen. Bei einem Printmedium mit Monopolstellung ist das natürlich bedenklich…

Außerdem würde er in Artikeln des Südkuriers gar keine Erwähnung mehr finden. Auf Fragen hätte er zwar nicht geantwortet, im Gegensatz zu einem anderen Kandidaten, wo dies explizit stand, wurde er jedoch einfach weggelassen.

Bei der gestrigen Südkurier-Podiumsdiskussion im Konzil fehlte er nach bewusster Absage seinerseits, um Solidarität mit Roman Urban zu zeigen. Wie ich es schon tat prangert Herr Linz das scheinbar undemokratische Verhalten des Südkurier an, Roman Urban von der Diskussion auszuschließen. Er war dann wie dieser aber vor dem Konzil mit einem Wahlkampfstand vertreteten. Er bat mich folgenen Erklärung seinerseits  zu verlinken: http://thomaslinzkn.wordpress.com/2012/06/26/absage-meiner-teilnahme-bei/

Von der Pflicht nun zur Kür: seine Antworten auf meine Fragen.

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessen
Geld Ihren Wahlkampf?

In meinen Wahlkampf stecke kein Geld. Bis gestern zum 26.06.2012, dann kamen ca.50€ (25€ Sondernutzungserlaubnis, 18,80€ für laminierte Din A3 Plakate und Kleinigkeiten für den Infostand) hinzu.

Ich investiere nur meine Zeit, Nerven und etwas Druckertinte und -papier.

Leider habe ich mittlerweile festgestellt, dass, wenn man noch ein Leben neben dem Wahlkampf führen will und finanzieren muss, diese Zeit viel zu knapp ist, um alles allein zu managen. Auch fast alle meine Unterstützer haben, neben Arbeit, Familie, etc. und anderen Verpflichtungen, leider nicht allzu viel davon übrig.

Wenigstens ehrlich. Das schätze ich. Als Langzeitstudent hat man ja auch nicht viel Geld auf der hohen Kante.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

An unsern Schweizern Nachbarn schätze ich, durch meine persönlichen Erfahrungen bei der EM 2008 in Basel als Volunteer:

  • Ihre Freundlichkeit und Offenheit
  • Ihre gute Organisation und Pünktlichkeit
  • Ihre Bereitschaft zu helfen und zu unterstützen

Alle Kandidaten schätzen etwas Unterschiedliches, gleichwohl diese Punkte alle schonmal irgendwie aufgetaucht sind. Ich kenne garnicht viele Schweizer näher, eher fast keinen, weshalb ich das garnicht so bestätigen kann. Schade eigentlich…

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
– gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ja mit Sicherheit. Ehrenamtliche Tätigkeiten und Bürgerliches Engagement halte ich für die wichtigsten zu fördernden Aspekte unserer Gesellschaft.

Eine kleine Aufwandsentschädigung oder zumindest das genannte Übernehmen der ‚bürokratischen Kosten‘ von 50,-€ durch die Stadt Konstanz, halte ich für unbedingt erhaltenswert.

Bei der Ausübung eines Ehrenamtes kann man auf jeden Fall viele persönliche Erfahrungen in Bereichen sammeln, die man sonst im ’normalen Alltagsleben‘, nicht kennenlernen würde.

Wurde alles schon irgendwie gesagt: ich unterschreibe das!

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen

Studenten

Schweizern

Oberbürgermeister

Touristen

Papst

Solaranlagenbauer

Er spart sich die Begründung. Den Papst höher als Solaranlagenbauer einzuschätzen ist wohl auch eher schwer zu begründen, sondern eher eine Frage, welche Religion man vorzieht… Auch Touristen sind eher unwichtig, Bodenseefelchen hingegen sehr wichtig. Aber ohne Begründungen lohnt sich das Kommentieren hier nicht.

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
„Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“
Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

Ich bin kein Schifffahrtsexperte und kenne auch keinen, dennoch beantworte ich diese Frage einfach mal so ;-).

Auf dem Bodensee gibt es neben vielen privaten Segel- und Motorbooten, die Motorschiffe, Fähren und den Katamaran verschiedener Schifffahrtsunternehmen, die alle unter VSU (http://www.vsu-online.info/, 16.06.2012) der ‚Vereinigte Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein‘ zu finden sind.

Darunter befindet sich auch die ‚Sonnenkönigin‘ (https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenk%C3%B6nigin, 16.0612), welche zumindest von ihrer Größe her und den 1000 zugelassenen Passagieren, ziemlich meiner Vorstellung von einem ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ entsprechen könnte.

Ob so ein ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ sich finanziell rechnen würde und ökologisch sinnvoll ist, oder wie die Experten im STEP sagen: „[…] der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.[…]“ (Gesamtdokument, S.68), weiß ich heute ehrlich gesagt nicht wirklich und ich habe momentan keine Zeit in diese Richtung weiter zu recherchieren oder mich an Experten zu wenden.

Dennoch hat mich die Frage zu folgenden Gedankenexperiment verführt.

Angenommen, es gäbe bereits so ein ‚Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee‘ mit ca. 1000 Plätzen für Passagiere. Und es hätte sich herausgestellt (wie so oft), der Betrieb als ‚Kreuzfahrtschiff‘, welches von Hafen zu Hafen fährt, wäre nüchtern betrachtet nicht wirklich wirtschaftlich, zum Beispiel durch zu hohe Kosten für Treibstoff und den Fahrbetrieb mit Personal.

Dann könnten wir zumindest dieses ‚Kreuzfahrtschiff‘ im Hafen von Konstanz, wenn es dort wie die ‚Sonnenkönigin‘ anlegen kann, vorübergehend als billige Unterkunft für die steigende Zahl von Studenten nutzen ;-).

Solange bis die notwendigen ’neuen Plätze‘ in den Studentenwohnheimen entweder durch Neubau, wenn möglich eines oder mehrerer Hochhäuser oder zumindest der ‚Aufstockung der Gebäude‘, wie es zum Beispiel bei den Gruppenhäusern in Sonnenbühl OST sinnvoll gewesen wäre, entstanden sind.

So ausführlich wollte ich es doch garnicht haben. Aber die Recherche zeigt sein Engagement. Die Idee mit den Studentenwohnungen auf dem Kreuzfahrtschiff kam mir allerdings auch schon. Warum nicht auch mal über kleinere Hausboote nachdenken? Wär sicher stylisch.

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von „Freiheit“?

Freiheit“ ist für mich persönlich in allen Bereichen die Möglichkeit zu haben, ohne äußeren Zwang zwischen den verschiedensten Optionen auszuwählen oder eigene Optionen selbst zu erschaffen.

In Bezug auf unsere menschliche Gemeinschaft können hier natürlich, in meiner einfachen persönlichen Definition von “persönlicher Freiheit“, durch eine unterschiedliche freie Wahl von sich entgegen stehenden Optionen, leicht die oben gezeigten Konfliktsituationen entstehen.

Ich möchte hier jetzt nicht auf unterschiedliche philosophische oder soziologische Ansichten zur ‚Freiheit‘, als ‚Willens- oder Handlungsfreiheit‘, ‚persönliche, souveräne, bürgerliche, individuelle, kollektive, innere und äußere Freiheit‘, etc. eingehen.

Sondern nur die hier angesprochene ‚Verantwortung‘ mit der ‚persönlichen Freiheit‘ umzugehen, welche meiner Meinung nach eine wichtige Rolle spielt, erwähnen.

Sicherlich fällt es nicht leicht, seine ‚persönliche Freiheit‘ selbst einzugrenzen, sobald sie mit der ‚persönlichen Freiheit‘ anderer in Konflikt kommt. Dennoch ist diese ‚Verantwortung zur Rücksichtnahme‘ untereinander in einer ‚menschlichen Gemeinschaft‘ meist unvermeidbar.

Deshalb sollte jeder, der die Chance hat, in einer ‚menschlichen Gemeinschaft‘ zu leben, in der es ‚persönliche Freiheit‘ gibt, mit seiner ‚persönlichen Freiheit‘ verantwortungs- und rücksichtsvoll anderen gegenüber umgehen.

Da spricht der Soziologe und Philosoph. Hätte man auch kurzer sagen können, findet aber meinen Gefallen.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Herrn Martin Luithle, da er zumindest bislang als einziger Kandidat, immerhin von einer dauerhaften Bebauung des Döbele absieht. Ich bin zwar gegen jegliche Bebauung dort und er sieht dort die Möglichkeit ein ‚temporäres Parkhaus‘ zu errichten, aber vielleicht ist dies ja bei guter Verkehrsplanung und -konzept, dann doch nicht unbedingt notwendig, hoffe ich.

Der Döbele scheint ihm sehr wichtig zu sein. So wichtig, dass er danach wählt. Manch Konstanzer Wahlberechtigtem mag das ähnlich gehen – das sollte man nicht vergeßen…

Das soll jetzt auch schon reichen. Thomas Linz ist ein sympathischer, aber chancenloser Kandidat, der auf meine Frage hin selbst nicht weiß, mit wieviel Prozenten er rechnen kann. Jedenfalls mit wenigen – soviel ist klar. Bei Podiumsdiskussionen scheint er erleichtert zu sein, wenn seine Redebeiträge endlich vorbei sind. Gute Voraussetzungen also für mich, ebenfalls in ein paar Jährchen zu kandidieren. Wenn das besser klappt und ich noch nicht Bundeskanzler, Milliardär oder gescheiterte Existenz bin… 😉

Ein anonymes Kunstwerk aus dem OB-Wahlkampf

Bevor ich das Dilemma von Studium und Freizeit löse, indem ich mich zur Klausurvorberreitung ans Hörnle verabschiede, hier noch eine lesenswerte Mail an einen OB-Kandidaten.

Ich hatte nämlich eben auf dessen Wunsch hin ein Gespräch mit dem Kandidaten Thomas Linz, auf das ich heute Abend (eher heute Nacht) noch zurückkommen werde. Herr Linz wird dann auch vorgestellt und seine Antworten bekanntgeben.

Er gab mir auch folgende anonyme Mail zu lesen, die an einen Kandidaten (den Namen habe ich unkenntlich gemacht, aber man kanns erraten) adressiert war, der sie an alle anderen weitergeleitet hat. Thomas Linz meinte, es würde ohnehin vieles von der Öffentlichkeit unbemerkt laufen – kein Wunder. Einer Veörffentlichung dieses Zeilen stände aber nichts im Weg.

Nachfolgender Mail zu zitieren halte ich auch für unbedenklich, da der Absender anonym ist bzw. sich nach der Statue im Konstanzer Hafen bzw. dem historischen Vorbild einer Hure „Imperia“ nennt. Ergo kann er auch keine Rechte einfordern – könnte ja jeder behaupten: aber ich zitiere ja auch nur.  Herr Anonymous hat aber ein wahres literarisches Kunstwerk geschaffen, das ich der Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte – mit gemeinen Anspielungen auf (fast) alle OB-Kandidaten…

Der Inhalt dieser Mail spiegelt natürlich keinesfalls meine Ansichten wieder, aber ich finde es doch recht lesenswert. Also nun – geheime Mails aus dem OB-Wahlkampf. Da kommen Erinnerungen aus der Piratenpartei auf. Wer weiß, vielleicht sind die Absender ja ähnlicher als man denkt. Blöd gelaufen, wenn man sich selbst nicht mit Gemeinheiten übergiesst…

Lieber XXX,

täglich drehe ich mich im drei Minuten Takt und sehe die Geschicke meiner wunderschönen Stadt am Bodensee.

Die OB Wahl in diesem Jahr ist besonders interessant. Viele Menschen stehen unter mir, bewundern meine Kurven und erzählen aus dem Konzil, von den verschiedenen Veranstaltungen der OB-Kandidaten und heimlich belauschten Gesprächen aus den Hinterzimmern.

viel Gutes, viel Interessantes aber auch viele Gemeinheiten nehme ich auf. Gerade die Gemeinheiten sind es, die mich aufhorchen lassen und die mir Angst machen, was auf Konstanz zukommt, wenn bestimmte OB-Kandidaten gewählt werden sollten.

Da gibt es einen Narren, der wie ein kalter Bach in den See fließt und das Klima zum abkühlen bringt.  Der seelige Anblick eines außerirdischen kleinen grünen Männchens oder muss ich sagen Weibchens, dass mit biologischer Gelassenheit einem Sieg entgegengrinst. Eine in einem Wohnmobil, farblos wirkende Gestalt, die wie ein fränkisches Würstchen auf einem Grill liegt, und einfach nicht warm wird. Geschweige denn gebräunt und gar. Ein Mütterchen umsorgt von südamerikanischer Ideologie, pendelnd zwischen Stadtgeschichte und Näherinnen die sie scheinbar ausgebildet hat. Ein Guru aus der neuen Kommune eins der viel Liebe und Sex in den Gemeinderat bringen wird. Der unser Geld eintauscht in bunte Farben und glitzernde Sternchen. Damals wäre er was für mich gewesen! Frisch, Fromm, Fröhlich und Frei wirkt der Buchautor, der mehr über sein neues Buch redet, als über die Ziele einer Stadt, die am Verkehrskollaps zu sterben droht. Anwälte die mehr von Kunst und Theater verstehen, die auf übertrieben Prospekten mit grünen bunten und auch farblosen Bildern die Augen der Konstanzerinnen und Konstanzer blenden. Aber auch eher auf einem Steckbrief zu finden sein könnten als einer Stadtverwaltung vorzusitzen. Immer lächeln, die Behüterin und die neue Margaret Schreinemakers der Politik. Ja, ich habe Euch alle verstanden, ja ich liebe Euch alle, aber nur solange ich noch nicht gewählt bin. Danach werde ich soviel Geld verdienen, dass ich Euch nicht mehr lieben kann, nur diejenigen, die noch mehr haben als ich. Oh, ja und dann ist ER wieder da, ER, der zu Konstanz gehört, wie der japanische Kaiser nach China. Endlich zuhause! Aber wo denn eigentlich? Im Norden, Osten oder doch vielleicht im Südwesten? Er weiß es selber noch nicht. Ein Parteisoldat, der seine Rolle nicht finden wird.

Aber was ist mit Dir denn los, Du hast so stark begonnen. Hast im Kloster Energie getankt und bist stolz und mit Selbstbewusstsein in die Schlacht gezogen. Alle sind über Dich hinübergestiegen, haben Dich getreten und verletzt. Der schlimmste Gegner ein kleiner Schreiberling von eine örtlichen Zeitung, ein Mensch der nicht weiterkommt in seinem Leben, der nur die Gemeinheiten aus all den schönen Themen herauspickt, der in seinem Leben nichts mehr erreichen wird, weil er verbittert und bösartig im Strudel der Zeit untergegangen ist, gerade dieser bösartige, ohne Perspektiven seiende kleine Wurm, gerade der sticht noch einmal zu, obwohl Du längst auf dem Rücken liegst und um Luft ringst.

Er wird es nicht schaffen, denn Du bist stärker als er. Du wirst in eine neue Schlacht ziehen, Du wirst sie alle überleben und mit erhobenem Haupt der Sieger sein. Ob in dieser Welt oder in einer anderen Welt. Der Sieger über die Gemeinheiten dieses Wahlkampfes

Du bist wie ich. Wir drehen uns im Kreis und werden noch in 1000 Jahren die OB´s dieser Welt überleben, während der kleine erbärmliche Wurm von seinen Artgenossen gefressen wird.

Viel Glück und halte die Ohren steif

Deine Imperia