Die Lektüre des Jahres – 7 wichtige Werke

Heute möchte ich die Lektüre meines Jahres mitteilen. Viel wurde gelesen, viel hat es mir gebracht. Ich will mich allerdings auf das beschränken, was ich aus Interesse ausserhalb des Studiums geschrieben habe. Nicht, dass die Studienlektüre nicht interessant wäre, aber das würde hier den Rahmen sprengen. So sind die 1000 Seiten VWL-Lehrbuch des rechten Keynesianers Gregory Mankiw durchaus erkenntnisreich (wenn auch neoklassisch), das ich mir gerade nach dem täglichen Ski-Tag zu Gemüte führe.

Die Bücher des Jahres waren aber andere. 7 seien mit ein paar Sätzen vorgestellt.

Atlas Shrugged, Ayn Rand

Das Werk „Atlas Shrugged“, das mittlerweile in der deutsche Übersetzung als „Der Streik“ vorliegt, ist in den USA nach der Bibel das meistverkaufteste Buch. Die Autorin Ayn Rand, die mit ihrer jüdisch-russischen Abstammung latent antikommunistisch eingestellt war, beschreibt den Zusammenbruch eines der letzten Staaten, die in einer sozialistischen Welt noch ein wenig Marktwirtschaft haben. Die Frage „Who is John Galt“ durchzieht das über 1000-seitige Werk und wird erst nach über 800 teils schwer zu lesenden Seiten beantwortet. Stilistisch ist Rands Werk nämlich nicht sonderlich gelungen. Insbesondere in Galts 160 Seiten einnehmenden Abschlussrede breitet Rand ihre objektivistische Philosophie aus, die ich nur in Grundzügen teilen kann. Trotzdem – ich schrieb im Frühjahr bereits einen positiveren Artikel über ihr Buch – ist es inhaltlich hochspannend und hochaktuell – man schaue sich den Exodus mancher Franzosen aus ihrem Land an. Ich kann es jedem nur empfehlen, auch wenn man mit ihrem Objektivismus nicht viel anfangen kann.

Human Action, Ludwig von Mises

In etwa genauso lang und da wissenschaftlich trotz des guten Stils von Mises ein harter Brocken, ist „Human Action“ das Kompendium der österreichischen Schule der Nationalökonomie, in dem Ludwig von Mises die wirtschaftliche Lehre der Praxeologie diskutiert. Wirtschaft sei an keine abstrakte Mathematisierungsmodelle gebunden, sondern die Lehre vom menschlichen Handeln, der man aprioristisch-deduktiv auf den Grund gehen kann. Vom Mainstream weitgehend unrezipiert sollte sich jeder ernsthaft an Ökonomie Interessierte jedoch mit seinem Meisterwerk auseinandersetzen, um ganz neue Blickwinkel eröffnet zu kriegen. Beim Erstanlauf im Frühjahr habe ich nicht viel verstanden, weshalb ich mittlerweile mit einer eigens bestellten Ausgabe selbst in die Welt der österreichischen Schule eintauche. Pflicht für jeden!

Democracy in America, Alexis de Tocqueville

tudiumslektüre mag man einwenden. Sicher habe ich es für meine Hausarbeit über die Tyrannei der Mehrheit verwendet, doch bietet Tocquevilles in 2 Bände gefasstes Werk viel mehr – nicht nur eine akurrate Beschreibung der amerikanischen Verhältnisse um 1830. Auh auf die heutige Zeit lässt sich vieles anwenden. Tocqueville ist nicht ohne Grund einer der angesehensten klassischen Liberalen – die 1000 Seiten vergehen hier wie im Fluge. Leider wurde von seinen Landsmännern so ziemlich das Gegenteil seiner Beobachtungen umgesetzt. Totalitaristen wie Rousseau mag man in Frankreich deutlich lieber.

For a new Liberty, Murray Rothbard

Neben David Friedmans utilitaristischer Begründung des Anarcho-Kapitalismus mit „Machinery of Freedom“ ist Rothbards naturrechtliche Begründung in seinem libertären Manifest ein Muss. Überzeugend legt er dar, wie man sämtliche Staatsfunktionen privat ersetzen kann. Als Schüler von Ludwig von Mises ist er ausserdem ein begnadeter Ökonom, der eloquent für die Vorteile eines freien Marktes eintritt. Nach Lektüre dieses Buchs werden viele Gehirne anders denken als zuvor. Erhältlich ist es übrigens wie viele andere bedeutende Werke frei im Internet unter: http://mises.org/books

Anarchy, State and the Utopia, Robert Nozick

In Kontrast zu Rothbard eine sehr philosophische Auseinandersetzung des Harvard-Professors mit John Rawls Gerechtigkeitstheorie. Er versucht zu beweisen, warum nur ein Minimalstaat gerechtfertigt ist. Anarchismus wie Rothbard lehnt er ab. Philosophisches Vorwissen sollte man mitbringen, ich fand die Lektüre schwierig, aber anregend und werde sie mir in Zukunft nochmals genauer vorknöpfen. Später distanzierte sich der 2004 verstorbene Nozick vom Libertarismus und hing den ja gerade in Harvard gut vertretenen Kommunitarismus an. Weniger ideologisches Werk jedenfalls, als man denken mag.

Markets not Capitalism, Gary Chartier und Charles W. Johnson

Eine eher linkslibertär orientierte Essay-Sammlung berühmter Anarchisten wie Benjamin Tucker als auch zeitgenössischen Autoren, die eloquent für freie Märkte und soziale Gerechtigkeit eintreten, die auch ohne staatlichen Zwang erreichbar sei. Letzteres ist schliesslich leider ein von Libertären vernachlässigtes Thema, das hier die gebotene Aufmerksamkeit kommt. Freie oder in ihrem Terminus befreite Märkte werden vom koproratistischen Marktwirtschaftssystem abgegrenzt, der Begriff „Kapitalismus“ nicht mehr benutzt, weil er für solche Systeme diene. „The only fair is laissez-faire“ ist die Ansicht der Autoren, die sie durchaus plausibel begründen. Nicht der Markt, sondern der Staat schafft Ungerechtigkeit.

Kopf oder Kapital, Günter Faltin

 

Der FU-Professor und Gründer mehrerer Startups wie der „Teekampagne“, mittlerweile Deutschlands grösster Importeur von Darjeeling-Tee, möchte Gründen als Volkssport etablieren. Man brauche schliesslich keine BWL-Kenntnisse mehr, sondern nur gute Ideen – eine Erkenntnis , die in Politik und Gründerberatung noch nicht anzukommen scheint wie auch mein Gründerplanspiel zeigte, das, obgleich sehr spannend, viel zu viel Wert auf Kennzahlen legte. Heute könne man alles, was man nicht könne oder zuviel Aufwand mache, outsourcen und als Entrepreneur sich rein auf die Idee konzentrieren. Darauf käme es heute an. Das macht Mut, es einfach mal zu versuchen. Ein überragendes Weihnachtsgeschenk, das mich weiter bestärkt.

Das war natürlich nicht alles an Lektüre, da mein neues Tablet beim Bloggen aber latente Probleme hat und immer wieder Geschriebenes löscht, mache ich mit diesen 7 Empfehlungen nun Schluss. Für den durchschnittlichen Leser dürfte das für das nächste Jahr auch genug sein. Vielleicht gefällt es Euch ja wie mir.

Hans-Hermann Hoppe über die Privatrechtsgesellschaft im Modelhof

Gestern hatte ich das Vergnügen, einen Vortrag von Hans Hermann Hoppe im Schweizer Modelhof zu lauschen. Letzterer liegt in Müllhausen in der Schweiz und ist ein monumentales, der Quadratur des Kreises folgendes Gebäude, das doch sehr an ein Schloss erinnert. So gab es nach der Veraanstaltung noch ein einfaches, aber leckeres Mahl im Festsaal.

Das Gebäude verschwendet viel Platz – gerade das finde ich gut. Unter hohen Decken fühlt man sich sogleich freier. Und auch die weitgehend symmetrischen Räume schaffen, gehalten in verschiedenen Farben, ein wohltuendes Raumklima. Der Saal, in dem Hans-Hermann Hoppe referierte, trug teilweise ein helles Grün – passend zu seiner Krawatte.

Die Veranstaltung wsr gut besucht, die Stühle reichten anfangs nicht aus. Geschätzte 80 Leute drängten sich in dem kleinen Saal, darunter auch einige bekannte Gesichter. Hans-Hermann Hoppe in Aktion zu erleben – er lebt in der Türkei – ist wohl eher selten. Schon garnicht in Deutschland. Denn seine Thesen dürften den wenigsten gefallen.

Sein Vortrag hatte den Titel „Die Privatrechtsgesellschaft als Alternative zum Staat“. Gemeint ist damit ein anarchokapitalistisches Gesellschaftsmodell, das Hoppe wegen der alleinigen Gültigkeit vom Privatrecht Privatrechtsgesellschaft nennt, weil sowohl der Begriff Anarchie wie auch Kapitalismus im heutigen Sprachgebrauch sehr negativ konnotiert seien.

Sein Vortrag folgte in großen Teilen dem, was man aus seinen Büchern ohnehin gewohnt ist – Titel wie „Demokratie. Der Gott, der keiner ist.“ oder  „Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft“ lassen schon vermuten, welchen Ton Hoppe in seinem Vortrag anschlägt.

Der fiel jedoch gewißermassen harmlos aus – wie mir andere bestätigten wäre er früher schon einmal deutlich schärfer gewesen. So bezeichnete er den Staat doch sehr harmlos als „rechtsbrechender Rechtsschützer“ und „enteignender Eigentumsschützer“, um auf die Kontradiktion dessen aufmerksam zu machen, dass der Staat in der Sphäre des Öffentlichen Rechtes legitim allen Handlungen nachgehen kann, die dem Individuum in der Sphäre des Privatrechtes verboten sind. Der Staat dürfe zum Beispiel seine Bürger bestehlen sprich besteuern.

Über die Tiefen einer Privatrechtsgesellschaft in diesem Artikel einzugehen wäre vermessen. Für einen Einstieg in die Thematik empfehlen sich auch nicht allzusehr die Bücher von Hoppe, sondern eher zwei im Internet, wenn auch auf Englisch, leicht auffindbare. Einmal For a new Liberty von Murray Rothbard, der Hoppes Schüler war und die naturrechtliche Begründung vertritt (und dank Stefan Blankertz passend zu Weihnachten auch auf Deutsch erhältlich ist), und einmal The machinery of Freedom von David Friedman, dem Sohne des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, der eine Art Privatrechtsgesellschaft auf utilitaristischen Gründen als erstrebenswert erachtet.

Wer dies als Einstiegslektüre verdaut hat, wird die ersten Einwände, die in Diskussionen immer fallen, vermutlich beseitigt haben. Das heisst aber nicht, dass es keine gibt. So gab auch Hoppe zu, dass seine Idee kein „überirdisches Nirvana“ sei, sondern lediglich eine bessere Gesellschaftsform, die  im Zuge des Scheitern des Wohlfahrtsstaates und massiven Sezessionsbewegungen innerhalb der nächsten 20  Jahre durchaus erreichbar wäre.

Es gibt genug Einwände und genug Unerklärtes – das macht die Privatrechtsgesellschaft intellektuell hochspannend. Zu oft bleibt leider der Eindruck eines „Wilden Westens“,  eine blutige Gesellschaft mit andauernden Auseinandersetzungen und dem Recht des Stärkeren. Empirisch untersucht war der Wilde Westen allerdings eine sehr friedvolle Zeit – die Macht der Bilder in Western-Filmen hat eben nur ein ganz anderes Bild vermittelt. Genauso ist der Glaube an den Staat der Glaube an ein übernatürliches, mystisches Wesen, an das man nicht nicht glauben kann, weshalb sich die wenigstens auf eine Beschäftigung mit der Privatrechtsgesellschaft einlassen und ihren alten Denkmustern anhängen.

Nicht verschweigen sollte man allerdings, dass Hans-Hermann Hoppe manche Aspekte seiner Privatrechtsgesellschaft recht dogmatisch überideologisiert. Verbunden mit seiner kulturkonservativen Einstellung führt das zu im Kern selbst die Freiheit gefährdenden Ansichten. Nichtsdestotrotz bleibt er ein brillanter Analytiker des Status Quo, auch wenn ich weder viele seiner Ansichten teile noch die Idee einer Privatrechtsgellschaft als erstrebenswert erachte.  Die Gründe  werden vielleicht mal in einem anderen Artikel behandelt.. Auf der „Achse des Guten“ gibt es einen langen Artikel an Kritik, mit der ich weitgehend übereinstimmen würde, die aber auch noch längst nicht alles aufgreift.

Zurück aber zum Vortrag, der nach einer Stunde in eine offene Fragerunde endete, die leider abgebrochen wurde, bevor ich meine Frage über außenpolitische Gefährdungen der Privatrechtsgesellschaft  stellen konnte. Wie schon angemerkt folgte ein geselliges Festmahl mit einer schmackhaften Suppe, da es, wie der Unternehmer Daniel Model in seiner Eröffnungsrede vermerkte, das erste Event anlässlich der Akademie des Modelhofs gewesen sei. Diese Akademie widmet sich der Suche nach der Gesellschaftsform der Zukunft und findet regelmässig freitag im Modelhof statt, beginnend mit dem 30. November. Im kleinen Kreis soll dort gedacht und diskutiert werden. Dem werde ich mich mal anschließen – mit dem Auto, das ich bald zur Verfügung habe, sind es nur etwa 20 Minuten zum Modelhof.

Letztlich bleibt festzuhalten, dass es ein gelungener Abend war. Obwohl mit der Privatrechtsgesellschaft schon einigermaßen vertraut, konnte mir der Vortrag doch noch einige neue Aspekte und Argumente an die Hand liefern, falls man mal wieder das Bedürfnis verspürt dafür im Freundeskreis zu argumentieren, auch wenn man eigentlich gar kein Anhänger ist. Und wegen der geografischen Nähe zu Konstanz, konnte ich auch noch das ein oder andere Mitglied für den Hayek Club gewinnen.

Dessen Eröffnungsveranstaltung findet jetzt übrigens am 10. Januar statt. Hayek allerdings ist laut Hoppe ein ganz schlimmer Sozialist! In diesem Sinne muss ich wohl als Sozialist diesen Blogartikel beenden und freue mich auf Interessierte.