Was ist Freiheit? Versuch einer Definition.

Schon Lord Acton, den ich mehrmals heranziehen werde, sagte:

Es gibt viele Definitionen der Freiheit, die zeigen, wie unterschiedlich die Vorstellungen der Menschen darüber sind. Es geht von Anziehung bis hin zu Abscheu.

Freiheit beschäftigt mich seit vielen Jahren. Ich sehe mich schließlich als Liberalen. Doch was verstehe ich eigentlich darunter? Das möchte ich in diesem etwas philosophischeren Artikel darlegen. Denn ein jeder sollte sich die Freiheit nehmen, Freiheit für sich selbst zu definieren und zu interpretieren statt nur dumpfen Parolen zu folgen.

Das mag in Anklang an bewährte Konzepte geschehen, denn über kaum einen Begriff der Menschheitsgeschichte werden erbittertere Diskussionen geführt, die sich meist an den von Isaiah Berlin ausgearbeiteten Grenzen der Positiven und Negativen Freiheit entlanghangeln – übrigens eine unglückliche Begriffsformulierung, wird dadurch die positivere Negative Freiheit erniedrigt, die negativere Positive Freiheit hingegen erhöht.

Die Anhänger einer Positiven Freiheit, einer Freiheit „zu“ etwas, finden sich unter allen unseren Mitbürger*Innen, die in Anspruchsrechten denken. Jeder hat nicht nur ein Recht auf Leben, sondern auch auf Wohnung, Arbeit, Sozialleistungen und so weiter…

Die Anhänger der Negativen Freiheit sind deutlich in der Minderheit. Nur unter Klassich Liberalen und was darüber hinausgeht konnte sich so eine Definition noch einigermaßen halten: eine Freiheit „von“ etwas. So formulierte Friedrich August von Hayek Freiheit als Abwesenheit vom Zwang, was man durchaus kritisieren kann. Zum einen ist Zwang in vieler Hinsicht definierbar – für unsere linken Mitbürger*Innen ist z.B auch der Kapitalismus Zwang – zum anderen ist eine Freiheit trotz Abwesenheit recht verstandenen Zwanges – das heißt illegitimierte Eingriffe in die Rechte anderer, ob Leben, Eigentum oder Handeln – eine sehr leere Freiheit, auch wenn man in ihr alles machen kann, was nicht in die Rechte anderer eingreift.
Ich bevorzuge daher eine von mir interpretierte Freiheitsaufassung des klassisch liberalen britischen Katholiken und Historiker Lord Acton:

Freedom is the harmony between the will and the law.

Er sieht Freiheit als Harmonie zwischen dem Willen und dem Recht.

Ich übersetze das im Englischen doppeldeutige „law“ bewusst mit „Recht“ statt mit „Gesetz“ und liege damit sicher im Sinne Lord Actons. Denn nicht alles was Recht ist, ist Gesetz, und umgekehrt.

Einerseits gibt es Recht, dassich in tausenden von Jahren in einem spontanen Ordnungsprozess herauskristallisiert hat. Das britische „Common Law“ folgte dieser Tradition.

Andererseits gibt es Recht, das durch positive Setzung zum Gesetz wurde. Dieses Recht ist nicht spontan entstanden, sondern wurde von der Tyrannei der Mehrheit einer Minderheit aufoktroyiert. Diesem „Recht“ müssen wir in der heutigen Staatenwelt folgen, wollen wir uns nicht strafbar machen. Dieses „Recht“ wird beliebig vermehrt und zurückgefahren, der menschliche Konstruktivismus kennt nichts, was er nicht zum Gesetz machen könnte.

Aus diesem Grund sehe ich die Übersetzung von „law“ zu einem willkürlich entstandenen „Gesetz“ kritisch und benutze lieber den Begriff „Recht“.

Recht ist, wie schon erwähnt, das was schon immer Recht war im Umgang der Menschen miteiander. Die 10 Gebote, die Moses von Gott empfing, liefern einen Grundkanon dieses „Rechts“, bei dem man gerechtfertigt streiten kann, ob es sich nicht vielleicht doch eher um „Gesetze“ handelte.

Während man heute Ehebruch, Lüge und Neid toleriert – was sie keinesfalls in ein besseres Licht stellen soll – ist Diebstahl und Mord seit jeher und bis heute ein Verbrechen.

Allerdings kann in gewisser Hinsicht auch eine Übersetzung als „Gesetz“ zielführend sein. Unterliegen wir doch alle den Naturgesetzen und anderen Regelmäßigkeiten des menschlichen Handels, denen wir nicht entkommen können. In dieser Hinsicht ist die Doppeldeutigkeit des englischen „law“ also sehr sinnig.

Nach diesem Exkurs über die Bedeutung des Rechts und Gesetzes beschäftigen wir uns nun mit dem Begriff des „Willen“, der noch deutlich komplizierter ist. Zuerst gehen wir von der Prämisse eines zumindest teilweise  „freien Willens“ aus, ohne den die gesamte Diskussion obsolet wäre.

Was ist der „Wille“ aber noch?  Der Wille ist untrennbar mit einem jeden Individuum verbunden. Es kann seinen Willen folgen oder wider seinen Willen zu etwas gezwungen werden. Wir können die Bedeutung des Willens als Auswahl von Handllungspräferenzen hier festhalten. Die wichtigste Handlungspräferenz des Menschen ist dabei: „überleben“ (Ausnahmen bestätigen die Regel!)

„Wille“ ist aber nicht nur aktives Handeln, sondern kann auch passiv sein, z.B „einen starken Willen haben“. Er schließt nicht nur die aktive Auswahl von Handlungspräferenzen ein, sondern auch sämtliche andere Werte und Befindlichkeiten, die das Individuum für sich beansprucht. Dieser Wille kann je nach charakterlicher Stärke natürlich auch gebrochen werden. Beeinflusst wird er ohnehin.

Ich halte fest: Wille ist das, was dem lebenden Menschen eine Orientierung hin zum Leben verschafft. Es ist daher kein Wunder, dass willenslose Menschen oft nicht mehr menschlich erscheinen.
Im Zusammenhang mit Freiheit bietet der Wille die Möglichkeit, eigenverantwortlich und erst einmal grenzenlos zu handeln, wie es begehrt wird – im Rahmen der Naturgesetze und eigenen Möglichkeiten. Wille bedeutet nämlich nicht, zu wollen, was nicht möglich ist. Und Wille bedeutet auch nicht, die Ausgangsvoraussetzungen zu haben, um zu erreichen, was theoretisch möglich wäre.

Eng verbunden mit dem Willen ist das Gewissen. Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass das Gewissen ein Teil des Willens ist, das diesen prägt. Mit dem Gewissen kommt eine überaus wichtige moralische Komponente ins Spiel. Willen ist nicht nur das, was man will, sondern auch das was moralisch geboten ist.

Freiheit bedeutet nicht die Macht, das zu tun, was wir wollen, sondern das Recht, das zu tun, was uns aufgegeben ist.

Freiheit ist also nicht zu tun, was man will, sondern zu tun, was man soll. „Soll“ im Sinne dessen, was das Gewissen einem vorschreibt. Zum Beispiel benachteiligten Individuuen zu helfen, wenn sie um Hilfe bitten. Andererseits könnte dies dem  Gewissen schaden. Und dieser Prozess ständiger Schädigung des Gewissens verstößt gegen die elementare Natur des Menschen. Der Mensch entmenschlicht sich, wenn er nicht reines Gewissens ist. Und ein entmenschlichter Mensch scheint – wie schon geschrieben – oft willenslos, wie fremdgesteuert. Er ist jeder Verantwortung entzogen – für sich selbst und für andere – er ist eine reine Maschine, die nur noch Befehlen folgt.

Nachdem wir uns nun an einer Definition von „law“ und „will“ versucht haben, kommen wir zur „harmony“. Harmonie soll nichts weiter bedeuten als „Einklang“, „Gleichgewicht“.

„will“ und „law“ sollen sich also in Harmonie befinden. Denn wenn der Wille stärker ist als das Recht, kommt es zu Verbrechen. Stärker als die Naturgesetze kann der Wille hingegen nicht sein – er muss sich immer in ihren Grenzen orientieren.

Wenn das Recht jedoch stärker ist als der Wille, so stört dies auch die Harmonie. Das Individuum wird folglich aktiv zu etwas gezwungen anhand eines Gesetzes, das seinem Willen widerspricht. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen aktiv und passiv: in Harmonie ist der Wille passiv immer dem Recht unterworfen, während er aktiv dem Recht überlegen sein sollte. Anders gesagt: das Recht darf den Willen zu Passivität zwingen, jedoch nicht zu Aktivität. Das Recht darf dem Willen zwingen, andere Menschen nicht zu ermorden. Das Recht darf  den Willen jedoch nicht zwingen, im zwangsweisen Auftrag des Vaterlandes andere zu ermorden.

Freiheit im Sinne von „harmony between the will and the law“ besagt also letztlich, dass wir innerhalb eines Rahmens von spontan entstandenen Recht und innerhalb der Naturgesetze und anderer Regelmäßigkeiten freien Willens handeln können. Nur in einer solchen Harmonie ist Freiheit möglich. So sagt denn Lord Acton auch in einem anderen Zitat:

Freiheit entsteht durch den Widerstreit verschiedener Mächte. Sie ist durch das Gleichgewicht dieser Mächte abgesichert.

Die Empirie zeigt uns, dass wir offensichtlich nicht frei sind. Die Harmonie hat sich sehr stark zugunsten des „law“ verschoben. Nicht unserem Willen, unserem Gewissen, sondern konstruierten Gesetzen wird vertraut. Kein Wunder deshalb, dass es mit der Harmonie in der Welt schon lange vorüber ist.

Freiheit als „harmony between the will and the law“ schließt die negative Konzeption einer Freiheit – die Abwesenheit vom Zwang – letztlich mit ein. Gleichzeitig ist sie aber auch mehr: der Wille geht eine Synthese mit dem Recht ein, das was moralisch geboten ist wird mit dem Recht abgeglichen. Und das, was bei diesen Abgleich nicht harmonisch ist, sollte verändert werden. Nicht jedoch durch das Recht, sondern durch den Willen. Um noch einmal Lord Acton sprechen zu lassen:

Freiheit ist die Herrschaft des Gewissens […].

Freiheit ist kein isolierter Wert, sondern bedarf immer einer moralischen Färbung, um nicht ein sinnentleerter Begriff zu bleiben. Freiheit bedarf z.B Verantwortung. Verantwortung für sein eigenes Leben, aber auch für das seiner Mitmenschen. Verantwortung kommt jedoch aus dem Willen, sich verantwortlich zu zeigen, nicht aus dem Gesetz, sich zur Verantwortlichkeit zwingen zu lassen. Freiheit gehört in die Sphäre des Gewissens, nicht in die des Gesetzes.

Kommen wir nun zum Schluss und fassen alles noch einmal kurz zusammen. Freiheit bedeutet für mich eine Harmonie zwischen dem Willen/Gewissen und dem Recht/Gesetz. Freiheit ist kein isolierter Wert, sondern bedarf einer moralischen Aufladung, um einen Sinn zu haben. Diese erfolgt durch das Gewissen, es ist ein individueller selbstbestimmter Vorgang. Freiheit im Sinne von Abwesenheit von Zwang kann nur in einem positiven Zugang Zukunft haben. Nicht positiv im Sinne von materiellen Grundlagen zur Ausübung der Freiheit, sondern positiv im Sinne einer Freiheit „zur“ Moral. Durch diese kann dann gleichwohl das, was heutzutage unter „positiver Freiheit“ verstanden wird, durchaus Wirklichkeit werden.

Der Liberalismus hat es leider versäumt, seine moralischen Grundlagen überzeugend darzustellen und sich vor allem auf die Ökonomie konzentriert. Aus Staatsnihilismus wurde dann  oft auch Moralnihilismus. Doch das kann geändert werden. Nicht Linke, sondern Liberale haben die Freiheit erkämpft, die wir zumindest in gesellschaftspolitischer Hinsicht heute als selbstverständlich wahrnehmen. Und Liberale sollten sich zunehmend den politischen Aspekten widmen, die heutzutage den Linken überlassen werden. Früher waren Liberale die Anwälte des kleinen Mannes, heute scheint sich das weitgehend ins Gegenteil verkehrt zu haben. Schuld ist nicht Inhalt des Liberalismus, sondern seine Kommunikation. Der Manchester-Kapitalismus steht dafür sinnbildlich: aus einer Bewegung armer Bauern zur Abschaffung der englischen „Corn Laws“ gegen die Großgrundbesitzer entstand diese Spielform des Liberalismus. Das sollte man sich vor Augen führen statt den Begriff polemisierend in Kasino-Kapitalismus umzudeuten. Die Umdefinierung von Begriffen ist ohnehin der größte Feind der Freiheit, soll hier aber nicht mehr besprochen werden. Auch wenn ich mir die Freiheit nahm, Freiheit selbst zu definieren. Aber ich gebe auch die Freiheit, anderen ihre Freiheit definieren zu lassen.

Was ist Freiheit für Euch?

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Über Fleisch, Subventionen und zwei Typen von Vegetariern

Gestern abend vertrieb ich mir den Abend mit zwei interessanten Filmen auf youtube – das Filmportal, das für mich ansonsten noch nie einen besonderen Reiz hatte.

Der erste deckte die Verschwendung von Subventionen aus den Bürokratiebunkern Brüssels auf – ein wahrer Sumpf, den man mal trockenlegen müsste: http://www.youtube.com/watch?v=nQsUnopnDJQ

Zweiter Film beschäftigte mich aber mehr: Thema: industrielle Fleischproduktion


Vegetarier fühlen sich nach Anschauen dieses Films sicher sehr bestätigt – aber wird man als Fleischesser zum Vegetarier oder gar Veganer?
In meinen Fall zumindest kann ich das verneinen.

Natürlich sind die Bilder aus den Mastbetrieben und Schlachthöfen nicht so leicht zu verdauen wie ein zartes Lammfilet. Da sind Abertausende von Hühnern gedrängt in riesigen Hallen, die über den Aas ihrer diesen Bedingungen erlegenen Artgenossen trampeln (nicht gerade sehr hygienisch), ehe sie als mit Antibiotika vollgepumpte Chicken McNuggets kleine Kinder zusammen mit einem Spielzeug ihrer Wahl im Happy Meal glücklich machen. Da sind kleine süße Küken, die in industrieller Massentötung geschreddert oder vergast werden (http://www.youtube.com/watch?v=JJ–faib7to)

Da sind betäubte Schweine, die kopfüber an den Beinen aufgehängt durch die Schlachthalle transportiert werden, dabei aufwachen und wie wild herumzappeln. Da sind nicht so glückliche Rinder, die bei lebendigem Leibe verbluten, nachdem sie geschächtet wurden.

Es sind zweifellos krasse Bilder, die in einer Welt, wo Blutvergießen für Kindergartenkinder schon Standard ist, trotzdem nur wenige Menschen mit schwachen Nerven zuviel werden – wenn sie denn gesehen werden.

Wenn man Vegetarier fragt, was sie zu ihrer fleischlosen Ernährung getrieben hat, sind solche tierunwürdige Lebens- und Tötungsbedingungen eines der Hauptargumente. Dies isz zweifellos ein moralisches Argument mit der Grundfrage der Tierrechte, mit denen wir uns jetzt nicht näher beschäftigen wollen.

Viele Menschen wissen jedoch nicht von diesen Praktiken und machen sich auch gar keine Gedanken darüber, woher das Spiegelei in der Pfanne, das Hühnchen im Ofen oder das Steak auf dem Grill eigentlich stammen. In Schulen werden diese Themen nicht behandelt. Für die Politik ist denn bevormundender Verbraucherschutz auch angenehmer als Verbrauchereigenverantwortung. Warum nicht schon Grundschüler die Prozesse in einer Schlachterei näher bringen? Sorgt das für Traumata? Blut fliesst in der heutigen Medienwelt doch ohnehin genug – sichtbar für jeden 6-Jährigen.

Man sollte niemanden dem Fleischkonsum verbieten, ja nicht mal ansatzweise versuchen, ihn bevormundend einzuschränken, wie die Grüne Liste in Konstanz dies letztens mit der Forderung eines fleischlosen Tags in öffentlichen Einrichtungen (also auch der Uni-Mensa) tat. Abgesehen von Tierrechten mag Fleischkonsum zwar durchaus Auswirkungen auf die Gesundheit (ein für mich eher fragwürdiges Argument) und die Umwelt haben (in puncto Klimawandel sehr fraglich, in puncto Wassermangel teilweise gerechtfertigt), doch letztlich sollte Fleischkonsum eine individuelle Entscheidung bleiben, die jedoch durchaus kosten sollte.

Denn Fleisch ist heutzutage günstig wie nie – weil es, um den Bogen zum ersten Video zu schlagen, massiv subventioniert wird. Zirka die Hälfte des EU-Haushaltes wird für Agrarsubventionen verschwendet, die insbesondere Ländern der Dritten Welt massiv schaden.  Eine erste Abschaffung der Subventionen würde den Fleischkonsum wohl bereits etwas einschränken. Mehr als ein Sonntagsbraten wird trotzdem noch für jeden drin sein.

Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich trotz dieser Bilder im Kopf problemlos weiter Fleisch essen kann. Geniesse ich Lamm, so rufe ich mir gerne süße, kleine Lämmer in die Augen, esse ich Schwein, so erscheint vor meinem geistigen Auge „Schnitzel“ (das von mir so benannte Hausschwein in Neuseeland ;)), das ich oft einfangen und in seinen von mir gebauten Stall treiben musste.

Aber das verdirbt mir keineswegs den Appetit. Ich nehme es als gegebenes Schicksal  hin, dass diese Tiere eben jetzt auf meinem Teller liegen. Ist das unmenschlich? Nein – es ist im Gegenteil sehr menschlich. Schon in der Steinzeit war es nicht anders – das Fleisch nur deutlich schwerer zu bekommen. Fleischkonsum ist nicht unmenschlich wie manche ÖkologInnen das gerne propagieren – zumindest sollte dies der individuellen Bewertung eines jeden Einzelnen überlassen werden, der danach seine Konsumentscheidung ausrichtet.

Es mag Menschen geben, denen solche Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen und vielleicht tatsächlich ihre fleischige Ernährung reduzieren oder gar ganz aufgeben. Das sollte man respektieren. Vegetarier sind keine bösen Menschen, sondern haben andere moralische Maßstäbe, andere gesundheitliche Idealvorstellungen oder sind sonstwie beeinflusst. Ich nenne sie individuelle Vegetarier. Böse Menschen sind nur Vegetarier, die anderen ihre Entscheidung aufoktroyieren wollen. Ich nenne sie kollektive Vegetarier.  Und davon gibt es – ein Blick auf die GrünInnen genügt – leider eine ganze Menge.

Während individuelle Vegetarier den Fleischkonsum anderer respektieren und mit ihrer individuellen Konsumentscheidung dazu beitragen, die Bedingungen von Tieren in ihrem Sinne vielleicht ein wenig besser zu machen, sind kollektive VegetarierInnen darauf aus, allen Menschen den Fleischgenuss zu verbieten. Das geschieht natürlich nur schleichend. Ein fleischloser Tag in öffentlichen Einrichtungen ist aber schnell auf die ganze Stadt ausgeweitet. Wir werden diese Zustände in einigen Jahren wohl leider noch erleben…

Der individuelle Vegetarier kocht gerne und gut zauberhaftes Kaninchenfutter, während es kollektiven VegetarierInnen eher an der täglichen Zwangsration Spaghetti mit Tomatensauce  für alle gelegen ist (wer historisch bewandert ist, wird hier eine erschreckende Analogie feststellen).

Der individuelle Vegetarier versucht Fleischfresser zu überzeugen, aber nicht zu überreden. Er argumentiert fair und selten moralisch.Der kollektive Vegetarier beißt hingegen herzhaft in die gutmenschliche Moralkeule – welch Kannibalismus!

Der individuelle Vegetarier hat seinen Frieden mit der nach Fleisch gierenden Außenwelt geschlossen, während der kollektive Vegetarier ständig Kriege gegen diese anzettelt. Nicht das, wonach er so heimlich lechzt, soll allen Willigen zur Verfügung stehen, sondern niemanden. Lieber Gleichheit in Armut statt Pluralismus im Wohlstand ist die Devise.

Der individuelle Vegetarier ist Vegetarier, weil er es selbst als richtige Entscheidung erachtet. Der kollektive Vegetarier hingegen geht nach dem Zeitgeist – er isst kein Fleisch aus Überzeugung, sondern aus einem latenten Gefühl, dass sich aus moralischen Überlegenheitsdenken und sporadischen Halbwissen speist.
Für den individuellen Vegetarier ist seine Konsumentscheidung eine Philosophie, nach der er bewusst lebt, für den kollektiven Vegetarier ist es eine Religion, die mit blindem missionarischen Eifer verfolgt den ketzerischen Fleischfressern die Erlösung bringen soll.

Der individuelle Vegetarier also ist ein guter Mensch, der kollektive Vegetarier hingegen ein Gutmensch.

Ich bin kein Vegetarier und werde auch keiner werden. Zu lecker war einfach der Döner, den ich gerade verspeist habe. Trotzdem wünsche ich mir, dass solche Bedingungen, wie sie in dem erschreckenden Video gezeigt werden, verhindert werden. Ein unlösbares Dilemma?

Klar ist jedenfalls, dass hier noch stärkere  Regulierung nicht weiterhilft. Denn das führt nur dazu, dass die Kosten, die durch Regulierung in einem Bereich entstehen, auf noch schlechtere Bedingungen in einem anderen Bereich abgewälzt werden. Lieber sollte man Subventionen streichen und die Preise dem Markt überlassen. Dann kann sich auch wieder Qualität statt Quantität – nicht nur für ökoschwäbische Bionade-Biedermeier aus dem Prenzlauer Berg (mein neues Feindbild ;)), sondern für alle –  durchsetzen. Aber das ist laut kollektiven VegetarierInnen ja sozial ungerecht!