ESFL-Konferenz in München

Dieses Wochenende bin ich in München. Hier fand nämlich am gestrigen Samstag die Münchener Konferenz der European Students for Liberty statt, um die es im folgenden Beitrag gehen soll. München habe ich mir auch ein wenig angeschaut und viel Spaß mit vielen Leuten, insbesondere beim Wiedersehen mit den Teilnehmern der „Woche der Freiheit“ gehabt, die natürlich auch bei der Konferenz waren.

Die European Students for Liberty als Unterchapter der „Students for Liberty“ wollen die Ideen der Freiheit fördern und als Dachorganisation dezentral aufsprießenden klassisch liberalen bis libertären Studentenkriesen die Ressourcen für erfolgreichen Aktivismus bieten. In den 2 Jahren, die sie erst in Europa existieren, ist ihnen das schon merklich gelungen. So fanden neben München bereits regionale Konferenzen in 5 anderen Ländern statt. Und 2013, vom 8. März bis zum 10. März findet eine große 3-tägigie Veranstaltung im belgischen Leuven statt. Darauf freue ich mich schon jetzt!

Nun aber zur Konferenz in München: in den Konferenzräumen des Hotels  Holiday Inn stattfindend, nachdem die Münchener TU aus ungeklärten Gründen kurz vorher den Raum verweigert hatte, war eine angemessene Räumlichkeit vorhanden, in denen sich zu Hochzeiten 170 hoffnungsmachende Individuuen drängten – die wohl größte Ansammlung mindesntens klassisch  liberaler junger Mensche auf einen Haufen auf deutschen Boden.An Schüler und Studenten war die Veranstaltung gerichtet, ein paar ältere Teilnehmer durften aber natürlich auch nicht fehlen. Die Ideen der Freiheit sind schließlich generationenübergreifend.

Die aus fremden Augen vielleicht ideologisch anmutende Konferenz sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine breite Vielfalt von Meinungenfür sehr viel Heterogenität sorgte.  Vom wertkonservativen Wirtschaftsliberalen mit CDU-Wurzeln über klassich liberale Minimalstaatler reichte das Feld bis zu Anarcho-Kapitalisten, mit einer Vielfalt von Abstufungen innerhalb. Auch die jüngeren Parteimitglieder der Partei der Vernunft waren zahlreich vertreten.

Sie alle hörten verschiedensten Vorträgen zu. Eingeleitet wurde die Konferenz nach kurzen Begrüßungen durch einen inhaltlich nicht ganz überzeugenden Vortrag von Prinz Michael von Liechtenstein zur Euro-Krise, der im Anschluss unter Moderation von Michael Wohlgemuth mit den Unternehmern Theo Müller und Hendrik Heinze und dem Publikum über die Rolle des Unternehmers und was ihn auszeichnet diskutierte.

So seien neben Ehrgeiz, Beharrlichkeit, Kreativität und, wie Theo Müller anmerkte, einer gewissen Intuition (Marktforschung bringt nix!), auch ein noch junges Alter gewißermaßen eine Erfolgsvoraussetzung, schaue man sich jedenfalls die heutigen Milliardäre an, die alle zwischen 17 und 21 angefangen hätten. Da bin ich wohl schon zu spät dran…

Nach einem Mittagessen berichteten mehrere Studenten über die Führung ihrer liberalen Hochschulgruppen, ehe ein vermummter Krypto-Anarchist, den ich anfangs noch für einen Linksautonomen hielt, für extremen Datenschutz plädoyierte. Auch wenn meine individuelle Einstellung eher gegenteilig Richtung Post-Privavy geht, so war es doch ein augenöffnender Vortrag, aus dem man sehr viel ziehen kann. Das Gesicht des Vortragenden bekamen wir jedoch nie zu sehen. Er möchte unerkannt bleiben.

Eine sehr spannende Rede zum Thema „Lässt sich Freiheit planen“ hielt der Präsident des Liberalen Instituts Zürich, Robert Nef, mit dem ich mich am Abend noch lange über die Schweiz unterhielt. Wichtig für die Freiheit, so beendete er seine Rede, sei auch die Reproduktion, womit er deutlichen Applaus auslöste, auch unter den ab und an durchaus anwensenden weiblichen Geschlecht.

Es folgte der einzige englisch-sprachige Vortrag des Nachmittags, gehalten vom Mitglied des amerikanischen Cato-Institutes, Trevor Burrus, der über die Unterschiede zwischen Civil Law und Common Law referierte, Unterschiede die ich bereits in einer meiner letzten Artikel zu meiner Freiheitsdefinition anriss.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Dr. Thorsten Polleit, der an der Frankfurt School of Finance and Management lehrt und einer der profiliertesten deutschen Geldtheoretiker ist. In einer ungewöhnlich scharfen Rede, in der sich als Anarcho-Kapitalist zu outen schien, griff er auch den Großteil der anwesenden Teilnehmer an, weil Sie als Klassich Liberale dem Staat noch eine Existenzberechtigung zusprechen würden, was Unsinn sei. Seine hoppeanisch geprägte Argumentation wies hingegen jedoch ebenfalls einige Mängel auf. Der Anarchokapitalismus ist zwar hochspannend und intellektuell anregend, aber eher als theoretische Vision denn dogmatische Ideologie. Hans-Hermann Hoppe, sein bekanntester lebender Vertreter, wird darüber am kommenden Freitag im Schweizer Modelhof sprechen – für alle im Raum Konstanz (der Modelhof ist nur 20km hinter der Grenze) sicher lohnenswert, auch wenn man Hoppes Ansichten nicht teilt. Ich werde anwesend sein und auch über diese Veranstaltung berichten.

Über die Veranstaltung in München gibt es jedoch nicht mehr viel zu berichten. Abends gab es noch einen geselligen Ausklang mit vielen netten Gesprächen, mit Bekannten und neuen Gesichtern, die zeigen, dass auch liberale Gedanken weiter in Deutschland Fuß fassen werden. Das ist, schaut man sich die aktuelle Politik an, auch dringend notwendig. Doch zuerst muss man die ideellen Grundlagen schaffen: die European Students for Liberty Conference war dafür bestens geeignet! Einen großen Dank an die Organisatoren, die trotz mancher Widrigkeit eine großartige Veranstaltung auf die Beine gestellt haben! Jetzt freue ich umso mehr auf die kommende Veranstaltung im März in Leuven!

Bis dahin steht aber auch noch einiges anderes an!

Hier noch ein Foto der Teilnehmer:

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Der passive Wahlkampf Ron Pauls

Heute werfen mir mal einen Blick über den großen Teich – in die USA.

SPIEGEL online verkündet nämlich groß, dass Mitt Romney seinen Vize-Präsidenten sucht ((http://www.youtube.com/watch?v=UEHqcHRGnUY)).

Dabei steht noch gar nicht fest, dass Mitt Romney überhaupt Präsidentschaftskanditat wird. In dieser Hinsicht kann man den deutschen Medien neben mangelnden Englisch-Kenntnissen und fehlender Fähigkeit zur Recherche auch wohlbewusstes Verschweigen von Tatsachen vorwerfen.

Statt von seiner Kanditatur zurückzutreten, hatte der einzig verbliebene Konkurrent Romneys – Ron Paul – lediglich erklärt, keinen aktiven Wahlkampf mehr treiben zu wollen, da er an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit gelangt wäre. Im Gegensatz zum Multimillionär-Romney, gesponsort durch am Bestand des bestehenden Neoliberalismus interessierten Unternehmen, kam der Großteil von Ron Pauls Einnahmen durch Millionen kleiner Einzelspenden von wenigen Dollar durch an Freiheit interessierten mündigen Individuuen zustande.

Nun führt Ron Paul tatsächlich keinen aktiven, wohl aber noch einen passiven Wahlkampf. Weitgehend unbemerkt macht er sich die Eigenheiten des US-amerikanischen Wahlrechts zunutze und sammelt auch nach den Wahlen – den „Primaries“ bzw. „Caucus“ – im Hintergrund Delegierte für seine Nominierung für die Präsidentschaft am Parteitag der Republikaner im August in Tampa, Florida und ist dabei überaus erfolgreich: so hat er mittlerweile die meisten Delegierten aus Nevada, Maine, Iowa, Lousianna,Minnesota und Michigan hinter sich – letzteres für den dort gebürtigen Mitt Romney besonders ärgerlich. Viele Vorwahlen stehen dazu auch immernoch aus.

Ich möchte mich jetzt nicht im Kleinklein des dortigen Wahlrechtes verlieren, durch seine geänderte Taktik mag Ron Paul aber durchaus noch Chancen haben, zumal laut einem Präzedenzfall in der Vergangenheit wohl ohnehin kein Delegierter an sein Mandat gebunden ist.

Natürlich hat dies demokratietheoretisch gesehen einen faden Beigeschmack – sieht man sich die bereits erfolgten offensichtlichen Manipulationen bei den US-Vorwahlen der Republikaner aber genauer an, so scheint solch eine Gegenoffensive nur gerechtfertigt.

Es mag an Naivität grenzen, Ron Paul noch Chancen einzuräumen. Ob der fehlenden bzw. verfälschten Berichterstattung der deutschen Medien, halte ich es aber für angebracht, darüber aufzuklären. Es könnte sein, dass sich im August einige sehr verwundert die Augen reiben werden und sich dann gezwungen sehen müssen sich objektiv mit dem „Spinner aus Texas“ auseinanderzusetzen – oder mit den „Spinnern“, die ihn unterstüzen. Bei knapp einer Million „Likes“ auf Facebook fällt es es aber schwer, dies nur als Randerscheinung abzutun. In dieser Hinsicht gibt es erstaunliche Parallellen zum Aufstieg der Piraten in Deutschland – bloß dass diese durch die spezifisch deutsche Mentalität sehr viel stärker auf den Staat und Sozialleistungen setzen.

Während Mitt Romney seine Unterstützung bei den eher älteren Weißen, den christlichen Flügeln (gleichwohl er als Mormone da nicht so gern gesehen ist) den großen Konzernen und der Finanzindustrie hat, zieht-Ron Paul auch eine große Anzahl an Unabhängigen und eigentlichen Demokraten-Wählern an – vor allem jungen Leuten – was ihn zu einer sehr viel ernsthafteren Gefahr für Obama macht als Mitt Romney.

Zu seinen politischen Positionen wie auch zur sonstigen Person Ron Paul, die mit meiner Agenda nicht vollkommen, aber zu einem großen Teil im Einklang sind, werde ich mich heute nicht äußern.

Fakt ist, dass Amerika mit Mitt Romney und Barack Obama die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Da wäre Obama noch eher zu verschmerzen, obgleich er Bürgerrechte massiv beschneidet und weitere Freiheiten einschränkt.

Wer jetzt meint, ich rede nur Stuss – mit ein wenig Englisch kann man all dies mit wenigen Klicks schnell verifizieren. Ich verabschiede mich nun ins Kino – „Der Diktator“ – als Gegensatz zum absoluten Anti-Diktator, über den ich gerade geschrieben habe…

Buchtipp: The Libertarian Reader

Heute mal wieder eine Buchempfehlung über ein Buch, mit dem ich mich neben dem Studium die letzten 4 Wochen beschäftigt habe.

Denn nach der Hayek-Lektüre in den Weihnachtsferien und intensiver Beschäftigung mit ihm in meiner Hausarbeit, nach dem kolossalen Ayn Rand-Epos „Atlas Shrugged“, nach Werken in den Semesterferien wie „Anarchy, State and the Utopia“ von Robert Nozick und „Ethik der Freiheit“ von Murray Rothbard“, neben vielen andere, -schien mir nun das Verlangen groß, tiefer in die libertäre Ideengeschichte zu blicken.

Zu diesem Zweck benutzte ich das Angebot der Universitätsbibliothek Bücher vorzuschlagen und war ganz verwundert, dass mein Vorschlag angenommen und nach 3 Wochen das gewünschte Buch bereits von der Bibliothek gekauft wurde. Das Argument, es seien sehr viele, akademisch durchaus verwertbare Texte verschiedener Autoren, hat wohl gezogen.

Worum geht es denn jetzt eigentlich? Um „The Libertarian Reader“ von David Boaz mit dem verheißungsvollen Untertitel „Classic & Contemporary Writing from Lao-Tzu to Milton Friedman“,

David Boaz ist Vizepräsident des amerikanischen Think-Tanks Cato Institute (www.cato.org), die wohl einflussreichste libertäre Denkfabrik, bei der ich versuchen werde, einen Teil meines Praxissemesters nächstes Jahr zu absolvieren.

Nun zum Buch: es ist eine Aufsatzsammlung verschiedenster Autoren aus allen Epochen, die mit einer libertären Haltung publiziert haben. Die Texte sind in 7 verschiedene Themenschwerpunkte gegliedert,in „Skeptizismus über Macht“, „Individualismus und Zivilgesellschaft“, „Individuelle Rechte“, „Freie Märkte und spontane Ordnung“, „Frieden und internationale Harmonie“ und „die Zukunft des Libertarismus“. Selbst linke Pazifisten und Piraten kommen hier also teilweise auf ihre Kosten 😉

Das Autorenspektrum reicht vom Alten Testament (Samuel), über den Chinesen Lao-Tzu zu John Locke und Thomas Paine, Gründervätern der USA wie  James Madison und  bekannten Abolitionisten (Gegnern der Sklaverei) und Kämpfern des Frauenwahlrechts zu neueren Autoren wie Ayn Rand, Michael Polanyi und John Perry Barlow wie in ökonomischer Hinsicht über Adam Smith und Frederic Bastiat zu F.A. von Hayek, Ludwig von Mises und Milton Friedman – um nur die Bekanntesten zu nennen.

Das Buch ist zwar nur auf Englisch erhältlich, die Texte aber gut zu verstehen. Mit 450 Seiten zwar nicht an einem Abend zu verschlingen, bietet es durch die vielen kurzen oder auch mal längeren Aufsätze (insgesamt sind es 69) aber beste Möglichkeiten als „Gute-Nacht“-Lektüre, auch wenn man danach vielleicht nicht so gut schlafen kann.

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einen Einblick zu wagen – ab Montag steht das Buch wieder in der Uni-Bibliothek Konstanz und wartet auf anspruchsvolle Leser…

Ich kann es nur empfehlen: gedanklich sehr stimulierend!

 

 

Aktuelles

Es ist nachts. 2.22 Uhr, Warum also nicht einen Blogeintrag schreiben?

Den frühen Abend verbrachte ich mit meinem großen Idol Maggie Thatcher. Naja, Idol ist übertrieben. Sie war schließlich eine Konservative. Gesellschaftspolitisch leider auf der völlig falschen Seite. Wirtschaftlich hat sie immerhin ein paar gute Akzente gesetzt, auch wenn solch Sachen wie Kopfsteuern totaler Irrsinn sind. Da ist mir der Reagan doch deutlich lieber 😉

„Die eiserne Lady“ heisst der Film über sie – er zeigt vor allem eine von Demenz geplagte alte Dame, die sich an die Hochzeiten ihrer Karriere erinnert, gespielt von einer wirklich guten Meryll Streep, die durchaus zu Recht dafür kürzlich einen Oscar erhalten hat.

Aber Personenkult soll heute nicht das Thema sein. Auch nicht die Hausarbeit, die ich so grundsätzlich heute abgeschlossen habe. Ich war wirklich innovativ und habe mir überlegt, den negativen Freiheitsbegriff in eine Mikro- und Makro-Ebene zu differenzieren und dort Friedrich von Hayek und John Stuart Mill einzuordnen. Eigentlich wollte ich zeigen, dass der  negative Freiheitsbegriff Hayeks radikaler als der von Mill ist – hat auch ganz gut hingehauen. Vieles gefällt mir trotzdem nicht – zum Glück habe ich ja noch 4 Tage Zeit zur Überarbeitung – danach ist nicht nur Abgabeschluss, ich verlasse Konstanz auch gen Heimat – nach Herford!

Damit mir dort nicht langweilig wird, habe ich eben eine Liste für mich interessanter Bücher aufgestellt, denen ich mich in den Semesterferien widmen möchte. In letzter Zeit wurde mein Interesse in wirtschaftliche Themen immer mehr geweckt – da möchte ich mich also etwas bilden. Natürlich nicht so ein neoklassischer Mainstream – mit einer Ausnahme (ich brauche noch ne Idee was), ich möchte ja schauen, ob das Ganze seine Daseinsberechtigung hat – sondern Werke von Autoren, die in der Wissenschaft ein Schattendasein fristen müssen, obwohl sie die – meiner Ansicht nach, aus dem was ich aus Grundlagen mir bereits erarbeitet habe – die deutlich  besseren Ansätze haben. Diese gilt es nun zu vertiefen! Neben wirtschaftlichen Themen gehen manche Bücher denn auch eher in die politphilosophische Richtung – da hat mir die Hausarbeit noch nicht genug von gegeben. Aber seht selbst, in welch anarchokapitalistische und libertären Ideen ich mich bilden will. Auf Marx und den anderen Schmarrn habe ich vorerst keine Lust – das hatte ich im Proseminar und werde es im nächsten Semester in der Vorlesung „Staats- und Demokratietheorie“ wohl nochmal behandeln.

The machinery of freedom, David Friedman

Ethik der Freiheit, Murray Rothbard

Wettbewerb und Unternehmertum, Israel Kirzner

Anarchy, state and the utopia, Robert Nozick

Human Action, Ludwig von Mises

Economics – über Wirtschaft und Mißwirtschaft, Henry Hazlitt

Demokratie: der Gott, der keiner ist; Monarchie, Deomkratie und natürliche Ordnung, Hans-Hermann Hoppe

Fehlt mir noch so ein neoklassisches VWL-Studenten-Buch. Kann mir jemand eins empfehlen?

Dann habe ich auch reichlich zu tun in den nächsten Wochen – nebenbei muss ich ja auch noch Arbeitspapiere für die MUN-Konferenz verfassen, die ICJA-Teamerschulung machen, das Kommunalprogramm der Piratenpartei Konstanz auf die Beine stellen, mich auf einen Kurztrip nach Weimar bilden und auch einfach mal die Zeit in der Heimat mit allem drum und dran genießen 😉

Gute Nacht!

Atlas Shrugged

Who is John Galt?

Dass ich im Moment so wenig publiziere, hat Gründe. Seit Ende der Klausuren letzten Freitag ist nämlich jeder Abend bisher gut gefüllt gewesen mit allerlei Aktivitäten. So sollte es auch sein!

Berichten möchte ich heute über das Buch, dass mich die letzten 5 Wochen fast täglich begleitete. 1169 Seiten dick ist es bisher das monumentalste Werk, das ich je lesen durfte, sogar mehr als der „Herr der Ringe“ bei deutlich voll gesdruckteren Seiten!

Über „Atlas Shrugged“ und „Herr der Ringe“ gibt es übrigens ein sehr schönes, treffendes Zitat vom Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman:

„There are two novels that can change a bookish fourteen-year old’s life: The Lord of the rings  and Atlas Shrugged. One is a childish fantasy that often engenders a lifelong obsession with its unbelievable heroes, leading to an emotionally stunted, socially crippled adulthood, unable to deal with the real world. The other, of course, involves orcs.

Das sagt schon fast alles. Tatsächlich gab es kaum einen Tag, an dem ich meist abends vor dem Schlafen gehen nicht ein paar Zeilen gelesen habe. Ab und an versüßte es mir auch langweilige Vorlesungen oder andere Wartezeiten.

Natürlich habe ich dieses ganzen dystopischen „Roman“ auf Englisch gelesen, was der Lesegeschwindigkeit natürlich etwas geschadet hat – sonst brauch ich eigentlich nicht so lang. Dafür hat sich mein Wortschatz beträchtlich erweitert – und die Erkenntnisse, die ich aus dem Buch ziehen durfte, sind sehr bewegend.

Geschrieben bzw. veröffentlicht wurde „Atlas Shrugged“  bereits  1957 von Ayn Rand, einerAmerikanerin mit russischen Wurzeln und jüdischem Hintergrund. Andere Werke mit den Titeln wie „Capitalism: The Unknown Ideal“ oder „The Virtue of Selfishness“ lassen erahnen, wie Ayn Rand, bereits 1982 verstorben, drauf war.

In ihren Werken entwickelte sie eine eigenen philosophische Denkrichtung, den Objektivismus, die den Verstand über alles andere stellt. Wie auch in „Atlas Shrugged“ deutlich wird, vertritt sie einen strikten „Laissez-faire“-Kapitalismus. Am besten selbst mal informieren, bevor ich hier alles wiederkäue.

Zum Inhalt des Romans sei soviel gesagt: ich wollte grade nur einen extrem kleinen Überblick geben, was aber bereits ziemlich hart ist. Wikipedia muss euch also helfen 😉

Letztlich handelt es von wenig standhaften Unternehmern in einer kollektiv sozialistisch-planwirtschaftlichen USA, die sich erst gegen den Niedergang wehrend später spurlos verschwinden, in einen geheimen Tal für sich leben und warten, bis die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft endgültig zusammengebrochen ist, da niemand mehr die Fähigkeit hat, Innovationen zu schaffen und Unternehmen zu führen. Nach „The road to serfdom“ von F.A. von Hayek das zweite Werk, das eindrucksvoll die Gefahren des Sozialismus vor Augen führt. Das lustigste Gesetz, von dem nach und nach Hunderte verabschiedet werden, besagt, dass Schriftsteller nicht mehr als 10000 Bücher verkaufen dürfen, weil sie ja anderen Schriftstellern die Überlebenschancen nehmen. In der Art wird die gesamte Wirtschaft nach und nach von einigen wenigen „Gutmenschen“ eingeschränkt, die sich letztlich schamlos selbst am geraubten, enteigneten Eigentum anderer erfreuen. Die Haupthandlung ist eigentlich eine komplett andere, aber das ist eine andere Geschichte. Das Buch ist so reichhaltig, dass man es selbst lesen sollte. Ich hab es aus der Uni-Bibliothek, Amerikanistik.

„Atlas Shrugged“ gilt als eines der einflussreichsten politischen Bücher Amerikas, in vielen Ranglisten ist es laut Lesermeinung nach der Bibel das bedeutendste Buch. In Europa und Deutschland ist Ayn Rand und ihr Werk allerdings nahezu – unbekannt. Vielleicht auch besser so.

Die meisten Kritiker sprechen ihr höhere literarische Qualität ab, bezeichnen das ganze sogar als Kitsch (die Handlung ist streckenweise tatsächlich etwas kitschig und nicht immer sonderlich originell) und stören sich natürlich überhaupt an den Aussagen, die Ayn Rand in ihrem Buch trifft. Ihre Philosophie sei „fast perfekt in ihrer Unmoralität“ schreibt Gore Vidal.

Ich stimme auch nicht längst mit allem überein – sonst wäre ich wohl schneller aus der Piratenpartei raus, als mir lieb ist :P, betrachte es in Teilaspekten aber als sehr hilfreich für meinen weiteren Lebensweg.

Das war es auch schon. Ich möchte mich nicht weiter darin verzetteln, nur auf dieses wirklich lohnenswerte Buch aufmerksam machen. Lesen – es könnte euer Leben verändern! Oder sich zuwenigst drüber informieren und es danach hassen, und mich, weil ich es gelesen habe. Danach kann man dann drüber diskutieren – vorher nicht 😉

Ich schätze, 99% der Leser hier können damit nichts anfangen und würden es am liebsten verbrennen und verbieten !!!