Kreisverband Konstanz der Piratenpartei löst sich auf…

In den letzten Tagen gab es einigen Wirbel um den Hayek Club Konstanz. Während der Südkurier einigermaßen realitätsnah berichtete, gleitet ein selbsternannter Lebensberater, der noch keine 27 Lenze gesehen hat, in Fantastereien ab, die jeglicher Grundlage entbehren. Getroffene Hunde bellen – lassen wir sie weiter jaulen…

In diesem Trubel soll jedoch nicht ein Ereignis untergehen, das mir das Wochenende ähnlich versüsst hat wie dieser fanatische Fantastismus heute: die Piratenpartei Konstanz hat sich nämlich aufgelöst.

Dieser Schritt war schon längst überfällig – ich wundere mich fast, warum es so lange gedauert hat. Aber die fehlende Organisationfähigkeit sprach ich ja bereits früher an. Jetzt muss man nichts mehr organisieren – das macht der Bezirksverband, mit dem der Konstanzer Kreisverband aber offensichtlich im Clinch liegt. Ob diese Kapazitäten in sinnvolle programmatische Arbeit einfliessen, ist die andere Frage.

Der Abstieg der Piratenpartei war vorauszusehen. Obgleich noch immer stark und mit guten Positionen in den Bereichen Bürgerrechten, schaffte man es nicht, inhaltlich Akzente zu setzen. Kein Wunder, dass viele Wähler mit den GrünInnnen, der SPD oder gleich der Linkspartei die ideologisch besseren Vertreter wählen statt eine Mogelpackung, die zentrale Aspekte ihrer Gründung preisgab. Statt die Abschaffung Geistigen Eigentums konsequent durchzuexerzieren, soll es jetzt nur noch ansatzweise Reformen geben. Auch in vielen anderen Politikbereichen zeigen die Piraten keine klare Linie, sondern torkeln wild durcheinander. Kapitän Schlömer gelingt es gleichwohl nicht, seine Crew in den Griff zu kriegen. Wo der Zentralismus beginnt, so ja seine Forderung, ist eine hoffnungsvoll gestartete Partei wie die Piratenpartei ohnehin im Sinken begriffen.

Gewissermaßen ist die Auflösung des Kreisverbandes der Schritt in die richtige Richtung. Man hat erkannt, dass Dezentralität sich mehr auszahlt in einer heterogenen Partei, die in den vergangenen Monaten durch teils heftige Lagerkämpfe gezeichnet war. Kommunalpolitische Positionierung abseits von Copy & Paste fand seit Gründung nicht statt. Dabei liegen die Themen nur so auf der Straße herum und warten auf Positionierung.

Dass dies nicht klappt, ist vor allem menschliches Versagen. Alle wollen etwas, aber die wenigsten machen etwas. Gerade die lautesten Schreihälse sorgen meist am Wenigsten für den Output, während einige sehr respektable PiratInnen sich die Finger schmutzig machen. Allzu lange wird die Motivation dazu aber wohl auch nicht mehr anhalten. Spätestens nach der Bundestagswahl, wo die Piraten den Einzug nicht schaffen werden. In Konstanz rechne ich jedenfalls nicht mit mehr als 2% für sie.

Schade, eigentlich. Vielleicht erkennen die Piraten aus ihrem Scheitern ihre Anmaßung von Wissen . Wer es noch nicht einmal schafft, sich selbst zu organisieren, meint, man könne den Staat nach seinem Gusto organisieren. Dass man das nicht kann, sehen wir bereits täglich. Liebe Piraten, setzt Eure Kreativität doch lieber produktiv ein. Der Staat kann keine Arbeitsplätze schaffen, Ihr schon…

 

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Unternehmensplanspiel Exist-Prime Cup in Konstanz

Ein langes, erlebnisreiches Wochenende ist vorbei – 2 Tage Unternehmensplanspiel, Ski fahren und abends jeweils einen Herr der Ringe Film. Jetzt – einen Tag nach jenem Planspiel zur Unternehmensgründung, möchte ich noch gerne darüber etwas berichten.

Beim diesjährigen Exist-Prime-Cup trafen sich etwa 25 Studierende von Uni und HWTG in einem Hörsaal der HTWG (mein erstes Mal dort) und simulierten unter Anleitung von Prof. Kröner, der an der HTWG Gründungsseminare anbietet, und Prof. Wittenzellner, der den PrimeCup konzeptiert hat und seit Jahren durchführt, eine Unternehmensgründung im Fahrradsektor.

Aufgeteilt in 5 Teams wurden Business-Pläne erstellt, Bankgespräche geführt, das Tagesgeschäft über mehrere Perioden simuliert und in einer Abschlusspräsentation potentielle Investoren von der eigenen Geschäftsidee überzeugt. Die vielfältige Zusammensetzung der Teams sorgte für eine hohe Interdiszziplinarität. So bildetet sich mein Team aus einem Betriebswirtschaftler, einen mathematischen Finanzökonom, einen Maschinenbauer, einer Philosophin und mir Politikwissenschaftler, womit sich auch gut alle relevanten Aufgabenbereiche abdecken liess.

Zwar war wegen unterschiedlicher Sichtweisen Konflikt vorprogrammiert, doch war dieser sehr produktiv und sorgte dafür, dass qualitativ hochwertigere Entscheidungen getroffen wurden. So musste anfangs ein Business-Plan anhand unzähliger Parameter in einer Excel-Tabelle über 6 Perioden erstellt werden, von denen später 4 simuliert wurden. Da Plan und Realität meist leider nicht übereinstimmen, gab es nach jeder Periode die Möglichkeit sein Unternehmen an das veränderte Marktumfeld anzupassen.

Jenes war ein völlig neuer Markt für Fahrräder im Raum Cottbus, in dem zeitgleich eben 5 Unternehmen mit verschiedenen Strategien einstiegen. Zwar kann solch eine Simulation die Realität nur verzerrt wiederspiegeln – insbesondere kreative Ideen und Strategien fallen völlig unter den Tisch – doch war es für mich als Nicht-Betriebswirtschaftler auch sehr gut zu sehen, auf welche technischen Details man achten muss. Schliesslich musste man Maschinen kaufen, Produktionsmaterial kaufen und lagern, Mitarbeiter einstellen, Werbung betreiben, in die Forschung investieren und bei Bedarf Kredite aufnehmen.

Für unser Team lief es nach holprigen Start letztlich sehr gut. Unsere Strategie eines hochpreisigen, individualiserten Bambus-Bikes für den urbanen Öko-Bürger ging weitgehend auf. So schlossen wir nach 4 simulierten Perioden, in denen jeweils unterschiedliche Ereignisse mit Marktauswirkung stattfanden (mit der Folge, dass irgendwas teurer oder günstiger im Einkauf wird) mit einem Gewinn von 26060€ ab. lediglich ein anderes Unternehmen, welches noch extremer die hochpreisige Schiene fuhr, hatte ein besseres Ergebnis (die Billig-Strategie hingegen führte zur Fast-Insolvenz). Da unser Team in der letzten simulierten Periode allerdings entschied, nicht auf kurzfristigen Gewinn zu setzen, indem man alle unnötigen Ausgaben streicht und sein ganzes Lager zusätzlich verkauft, können wir trotzdem hochzufrieden sein. Als ökologisches Unternehmen setzten wir auf nachhaltiges Wachstum, was sich in der folgenden Periode auch sicher fortgesetzt hätte.

Nun bin ich selbst wahrlich nicht der Öko, fand es aber mal ganz lustig, in die Rolle des Feindbildes zu schlüpfen. So zeigte ich mich in meiner Vorstellung denn auch als ehemaliger grüner Europaabgeordneter, der nach erfolgreicher Regulierung des Fahrradmarkts in seinem Sinne ein Unternehmen hochzieht und mittels politischer Lobby-Arbeit seine Mitbewerber vom Markt zu drängen versucht. Die typische grüne Politiker-Karriere eben ein bisschen karikiert.

Das Planspiel jedenfalls hat in insgesamt 15 Stunden sehr viel Spaß bereitet. Auch wenn vieles neu und unverständlich war, konnte man viel mitnehmen. Die Zahlenfixierung war für mich und die Philosophin eher ungewohnt, durch die anderen daran gewohnten Team-Mitglieder konnte man sich aber wunderbar ergänzen. Jetzt weiß auch ich, was ein Periodenüberschuss ist, Desinvestition heisst und Eigenkapitalrendite bedeutet – natürlich auch noch viel mehr. Auch weiß ich, dass ein Unternehmen eine Rechtsform braucht: wir – die Individual Bike GmbH – hatten als Einzige dran gedacht und mussten uns daher nicht mit einer lästigen Abmahnung rumschlagen.

Dafür wäre eine anfangs nicht funktionsfähige PowerPoint-Präsentation bei der Abschlussvorstellung in der Realität der sichere Tod gewesen. Irgendwas geht eben immer schief. Aber immer ist es sehr lehrreich.

Durch unser gutes Abschneiden sind wir natürlich auch weitergekommen – die nächste Runde findet bereits auf Landesebene in einem größeren Unternehmen statt – es wird ein wenig anspruchsvoller und geht nicht mehr um die Gründung, sondern die Führung eines bereits vorhandenen Unternehmens. Leider werde ich ob meines Praxissemesters dort dann aber nicht teilnehmen können.

Ich kann jedenfalls jedem nur empfehlen, bei sowas mal mitzumachen. Man mag nicht gerne um 9 Uhr samstags morgens in die Hochschule gehen, in diesem Fall hat es sich aber definitiv gelohnt. Denn die Welt braucht keine Eurokraten, sondern mehr Unternehmer…

Gedanken zur Bildung in Konstanz

Nach einem geschäftigen Tag beenden wir diesen nun mit einem Blog-Artikel. Zurück in Konstanz muss jedoch erst einmal gesagt werden, dass mein glorreiches Netbook seinen Geist aufgegeben hat. Bevor ich 40€ für eine Diagnose zahle und dann defacto genötigt bin, mögliche Reparaturen durchzuführen, möchte ich die 40€ nicht umsonst ausgegeben haben. Daher – Weihnachten naht – ist nach 3 Jahren auch durchaus ein neues drin. Die Frage bloss ist: Netbook oder Tablet? Ich tendiere zu letzterem. Und dort die Frage: Apple oder nicht? Und LTE – ja oder nein? (LTE ist der neue ganz ganz schnelle Funkstandard, aber noch nicht sonderlich breitflächig verfügbar im Moment).

Wie dem auch sei: nun tippe ich meinen ersten Blog-Beitrag auf meinem alten PC. Das geht genauso bequem. Überhaupt bin ich hier 3-mal so effektiv und schnell wie am Netbook. Auf Dauer gewöhnt man sich dort auf teilweise lange Wartezeiten beim Laden von Programmen – hier ist das nicht der Fall. Nach 3 Jahren Quasi-Stillstand freut sich mein bis dato ständig heissgelaufener PC aber wohl auch mal wieder an etwas Aktivität.

So zocke ich denn tatsächlich auch mal wieder was. Abgesehen von gelegentlichen FIFA-Sessions woanders bot ein Netbook nur Vergnügungen wie Schach, Poker und kleinere Internet- und Browserspiele. Damit kann man zwar auch Stunden verbringen, mal wieder einen alten Klassiker wie Trackmania zu spielen – auch wenn er sich massiv verändert hat – tut aber mal der Seele gut. Man muss es ja nicht übertreiben und wieder die Weltrangliste dominieren – Studium und andere Aufgaben warten…

Das Studium gleichwohl – 7 Wochen sind schon vorbei – scheint noch gar nicht wirklich angefangen zu sein. Es ist nicht so, dass man nichts zu tun hat. Im Gegenteil – manche scheinen unter der Belastung zu ächzen. Aber das Schöne am Studium ist ja: man kann sich seine Zeit selbst einteilen – so ganz ohne Anwesenheitspflichten,  wie man will. So kann ich wie jetzt um 3 noch meinen Blog beschreiben, obwohl um 8 Uhr morgens – sprich in 5 Stunden – bereits eine Vorlesung beginnt. Die sind zwar wirklich nicht schlecht, als Autodidakt ist es für mich aber eine Herausforderung solch Monologen sonderlich lange zu folgen, zumal ich Sie in Eigenregie 10-mal so schnell nachholen kann. In dieser Hinsicht freilich wiegt der Verlust des Netbooks als Ablenkungsobjekt in den Vorlesungen schwer.

Nach 3 Semestern weiß man auch genug Bescheid, wie man sich seinen Stoff einteilt. Powalter haben den Vorteil, dass sie zwar relativ viel zu  lesen (kontrolliert wird das natürlich allenfalls durch die Klausur), aber bis auf die obligatorische Seminar-Hausarbeit am Semesterende wenig zu schreiben haben. Mitschriften habe ich mir noch nie gemacht, Protokolle gibt es nicht, für ein Tutorium, so man denn überhaupt hingeht,  muss man allenfalls mal ein Exzerpt verfassen. Da blickt manch Naturwissenschaftler ganz neidisch!

Inhaltlich ist es durchaus noch spannend. So ganz kann ich als Libertärer der Politikwissenschaft die Existenzberechtigung nicht absprechen. Und auch wenn viele Berufsrichtungen nicht mehr in Frage kommen, so schadet es doch nicht, gewissermassen das Denken des politischen Gegners zu verstehen zu lernen (auch wenn das oft Horror ist).

Auch wenn ich für mein derzeitiges Hauptinteresse – Politische Theorie – eindeutig am falschen Fachbereich bin, so kann man trotz der empirisch-quantitativen Ausrichtung dank der umfassenden Wahlmöglichkeiten sein Studium in die gewünschte Richtung lenken – auch wenn das Angebot vielleicht begrenzt ist. Dank problemloser Anerkennung des Auslandsstudiums kann man aber auch dem Abhilfe tun. Mich zieht es wohl nach Madrid – aber noch ist nichts entschieden.

Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz bleibt jedenfalls – ohne mich jetzt weiter auf die vielen positiven als auch die sehr viel weniger negativen Aspekte einzulassen – ein empfehlenswerter Studiengang, den ich so nochmals wählen würde. Denn man hat das, was von Studenten heutzutage so oft bemängelt wird: Zeit!

Wie man sie nutzt, ist einem jeden selbst überlassen. Ob auf Partys, am See, im AStA-Cafe oder engagiert bei vielen tollen Studenteninitiativen – Möglichkeiten gibt es genug. Gerade in den Politikwissenschaften – und viel wichtiger in diversen Nebendisziplinen kann man diese Zeit unter anderem  auch nutzen, um sich einen Überblick über Anderes zu verschaffen. Wenn so oft von der Wichtigkeit von Bildung gesprochen wird, kann ich das nicht verneinen – ganz im Gegenteil. Aber Bildung ist mehr als Zwangsanwesenheit in schulischen Anstalten wider der Natur vieler Kinder noch der mehr oder minder freiwillige Universitätsbetrieb, in der im Gegensatz zur Schule wenigstens noch Eigenverantwortung und Nonkonformismus ohne Disziplinierung durch Staatsdiener möglich sind. Zur Bildung als lebenslangen Prozess gehört natürlich nicht nur Wissen, sondern viel mehr andere Fähigkeiten.

Wicht ig aber ist: gut verstandene Bildung ist selbstbestimmt. Was heutzutage als Bildung deklariert wird, sollte man eher als Formung bezeichnen. Im Gusseisen des gehorsamen Staatsbürgers werden die Individuuen gepresst, um von der Politik bestimmt und von der Wirtschaft benutzt zu werden. Das ist nicht mein Verständnis einer freien Gesellschaft, in der wir angeblich leben. Bildung sollte bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel Recht/Gesetze) nicht vermitteln WAS, sondern WIE man denkt und die nötigen Ressourcen zur Vervollkommnung dieses Ziels bereitstellen. Wenn eine gewisse Anzahl von Studenten ein Seminar über Karl Max haben möchte, dann sollten Sie das auch bekommen – ob es Ihnen nützt sei dahingestellt. Doch dieses Thema möchte ich hier auch nicht abschliessend behandeln. Das würde auch in eine Diskussion über staatliche Universitäten bzw. privaten Konkurrenten allgemein ausufern, auf die ich beizeiten noch zu sprechen komme.

Ich halte fest: PoWalter in Konstanz zu studieren heisst weitgehend selbstbestimmt zu studieren – dazu in einer zu jeder Jahreszeit wunderschönen Umgebung. Hier hat man auch noch ein Studentenleben – nur 1 Woche vor den Klausuren muss man sich dann schon in der Bibliothek einschließen. Dann reicht es auch für die Klausuren: keine exzellenten, aber doch gute Noten. Erstere sind bei dem Glücksspiel namens Multiple-Choice – ein Thema, das ich bereits mehrfach ansprach – aber ohnehin nur mit einigem an Lerneifer über das gesamte Semester hinweg zu erreichen. So kann man sein Studium natürlich auch verbringen. Leistungswille sollte man respektieren, schätzen und fördern. Noten allerdings sind nicht der einzige Indikator dafür! Genauso wenig wie die Studiendauer und anderes. Wichtig ist nicht, wie man seine Zeit nutzt, sondern was am Ende dabei herauskommt. Die spontane Ordnung, würde ich jetzt sagen, wird das schon richten. Und, um letztlich den Bogen zum Anfang zu schlagen: auch Zocken ist Bildung! Eine sehr bedeutende sogar, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann…

(K)Ein(e)Stimmung auf Weihnachten!

Als ich heute einen Freund in der tatsächlich existenten Stadt Bielefeld besuchte, fuhren wir in die Innenstadt um ein Geschenk zu kaufen (nicht für Weihnachten!) und gingen über den dortigen Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmärkte haben nämlich tatsächlich schon geöffnet. Erst gestern war ich kurz auf dem Herforder Weihnachtsmarkt. Und der Konstanzer wird bald mit Regelmässigkeit folgen. Dabei ist erst der 1. Dezember – aufgrund der fortgeschritten späten Stunde meinetwegen auch schon der 1. Advent!

In Weihnachtsstimmung bin ich aber so garnicht. Und in 3 Wochen wird das kaum anders aussehen. Da können Lichterketten die dunklen Gassen erleuchten, Schneeflocken rieseln und Glühwein verkauft werden – man mag sich drüber freuen, aber nicht über Weihnachten.

Heute in Bielefeld merkte ich, was mir bereits 3 Wochen vorher an Weihnachten so missfällt. Dicht liess das drängende Kollektiv die Bielefelder Innenstadt pulsieren, das entlang der kommerziellen Buden hetzte, die man auf jeder Dorfkirmes findet. Kunsthandwerk, das zumindest noch ein gewisses Flair versrprüht, konnte ich nicht ausmachen (hatte aber auch nie den Eindruck, dass damit sonderlich hohe Gewinne möglich gewesen seien).

Als wir das Geschenk kauften dichtes Gedränge. Über der Kasse hing ein Spruch Voltaires, der das, was mir an Weihnachten missfällt, sehr treffend auf dem Punkt brachte.

Das Überflüssige ist das Notwendige

Für Voltaire in Versailles war das sicher der Lebensalltag. Das die grelle Werbeindustrie das auch so sieht, können wir tagtäglich beobachten. Wie schrecklich es doch ist, zu Hause von ständig laufenden Fernsehern umgeben zu sein und die Werbung ertragen zu müssen die dem Niveau der meisten Sendungen gleicht…

Man könnte meinen, John Maynard Keynes hätte Weihnachten zur Konjunkturbelebung erfunden. Tatsächlich zahlen Unternehmen ein extra Weihnachtsgeld, das dann meist munter verkonsumiert wird.

Aber weihnachtliche Konsumkritik ist ja schon ein alter Stiefel, der mir zwar stinkt, aber nicht sehr gewaltig. Anders sieht es da schon eher mit den grünen Moralapostel*Innen einer veganen Hochschulgruppe aus, die ein fleischfreies Weihnachtsfest propagierten. Wenn es ihnen schmeckt, können sie ja gern ihren Tofu mümmeln, ich freue mich jedenfalls auf ganz viel Fleisch.

Ebenfalls einen Stand hatten Drückerkolonnen freundliche junge Menschen, die auf ein Hilfsprojekt aufmerksam gemacht haben. Weihnachtszeit ist schließlich Spendenzeit. Barmherzig konnte ich mich aber nicht zeigen, ich hatte lediglich Interesse an der mir zuvor unbekannten Organisation namens Helpage, die mit lustigen Programm-Namen wie „Jede Oma zählt“ Großeltern in Ostafrika finanziell unterstützen, wenn Sie ihre Enkel  in die Schule bringen und noch ein paar andere Dinge tun. Für nur 10€ im Monat ist damit das Überleben gesichert. Sicher gut investiertes Geld für eine sinnvolle Sache, aber ohne vorherige Zusatzrecherche unterschreibe ich nichts mehr.

Wer sich vorgenommen hat mit dem Rauchen im nächsten Jahr aufzuhören wäre ein Engagement das Richtige: die 10€ hat man dann locker im Geldbeutel und man rettet nicht nur sein, sondern auch andere Leben…

An dieser Stelle zu vorigen Thema vielleicht noch eine geschmacklosere Bemerkung, würde sie nicht von einer alten Dame selbst stammen. Erstaunt darüber, das Omas in Afrika geholfen wird, meinte sie:

In 10 Jahren bekommt Ihr hier eine Prämie, wenn Ihr uns überfahrt.

Schaut man sich die Demografie und den immer weiter ausgebauten Anreizfetischismus an, so erscheint dies gar nicht so abwegig.

Konsum, Moral und Spendenappelle sind  aber noch längst nicht das Einzige. Trotz allheiligabendlichen Kirchgang (als einziges Mal im Jahr) herrscht breite Unkenntnis über den Ursprung und Sinn des Festes.

Ich bin bei weitem kein Christ (wenn auch in meiner Jugend dadurch sehr geprägt), sondern sehr kirchenkritisch. Mein noch am ehesten pandeistisch akzentuierter Gott-Tod-Glaube (frei nach Nietzsche)  kann jedoch auch die Existenz Jesu nicht leugnen, dessen Geburt in der heutigen Zeit vielen als Ursprung des Weihnachtsfestes dient. Ob dem tatsächlich so ist, dessen möchte ich an dieser Stelle keine Worte verlieren. Fakt ist jedoch, dass das, was Weihnachten als einer der wenigen Tage im Jahr ausmacht, immer mehr zu schwinden scheint: Besinnung!

Besinnung ist subjektiv und ich möchte daher nicht ausschließen, dass Geschenke kaufen am Nachmittag von Heiligabend für viele Leute sehr besinnlich ist. Für mich wäre es sehr streßig.

Ich freue mich daher auf Weihnachten im (hoffentlich) tief verschneiten Filzmoos. Beim Ski fahren durch Natur und frische Luft bei weißer Winterpracht kann man sich trotz oder gerade wegen sportlicher Aktivität besinnen, hinterher auf einer Wärmeliege entspannen und liberale Klassiker lesen, abens im Kreis der erweiterten Familie vorzüglich tafeln und auf weichen Hotelkissen bestens schlafen. Der Alpenhof in Neuberg ist immer eine Reise wert – und Weihnachten ganz stressfrei. Das macht Besinnung für mich aus.

Abgesehen davon geht es, zugegeben auch das einzige Mal dieses Jahr, wieder in die Kirche. Oder eher gesagt: eine kleine katholische Kapelle eines österreichischen Dorfes, bei dessen Mitternachtsmesse man auch ganz unchristlich seinen (Un)Glauben geniessen und endlich mal zur Besinnung kommen kann.

Auf Geschenke und den üblichen Weihnachtskitsch – manche nennen es auch Tradition – möchte ich trotzdem nicht verzichten. Im Maßen statt in Massen ist es doch auch mal ganz schön. Dafür ist der Mensch eben konditioniert. Wie eine ehemalige Mitschülerin der Zeugen Jehovas es ohne ausgehalten hat, war mir damals ein Rätsel. Mittlerweile glaube ich, dass das geht. Aber man möchte ja nicht jedem das Weihnachtsfest vermiesen! Daher kam der Artikel heute – jetzt sind noch 3 Wochen Zeit ihn zu vergeßen 😉

 

Hayek-Club in Konstanz

Heute möchte ich auf meine aktuelle Initiative hinweisen. Interessierte Leser sind herzlich eingeladen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Natürlich auch, wenn sie bisher garnichts mit liberalen Ideen am Hut hatten und gerne mehr erfahren möchten…

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Freiheit,

ich möchte Sie auf den gerade in Gründung befindlichen Hayek-Club in Konstanz aufmerksam machen. Als regionaler Club der Hayek-Gesellschaft (www.hayek.de), von denen es mittlerweile über 40 in ganz Deutschland gibt, wollen wir einen Anlaufpunkt für all jene bieten, die sich fern von Parteipolitik zum Zwecke der Verbreitung klassisch liberaler Ideen engagieren möchten oder auch einfach nur interessiert sind, an unseren Veranstaltungen teilzunehmen.

Benannt nach dem Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek beschäftigen wir uns mit der ganzen Breite liberalen Denkens – sowohl ökonomisch als auch gesellschaftspolitisch. Uns liegen liberale Ideen und ihre Verbreitung im Raum Konstanz und der nahen Schweiz am Herzen, keine konkreten Policies. Ob die liberale Ideengeschichte, die Österreichische Schule der Nationalökonomie oder vieles mehr – wir wollen Aufklärung leisten in einer Welt, wo liberale Ideen bis ins Gegensätzliche verfälscht werden.
Wir veranstalten zu diesem Zwecke Vortragsabende mit hochkarätigen Rednern, Lesekreise über liberale Autoren  Diskussionsrunden unter Gleichgesinnten und andere Aktivitäten.

Am 29. November begrüßen wir Prof. Gerd Habermann, Initiator der Hayek-Gesellschaft, hier an seinem Promotionsort in Konstanz, um unsere Gründung offiziell zu feiern. Bis dahin fehlen jedoch noch engagierte Leute, die sich vorstellen können, aktiv bei der Etablierung des Hayek-Clubs in Konstanz mitzuwirken oder uns finanziell zu unterstützen.
Als Student der Politik- und Verwaltungswissenschaften im 3. Semester freue ich mich über jede Mitwirkung!

Ob Sie sich aktiv einbringen möchten oder einfach nur auf dem Laufenden bezüglich Veranstaltungen bleiben wollen:

Melden Sie sich bei: hayekclubkonstanz@gmx.de
Informieren Sie sich auf: www.hayekclubkonstanz.wordpress.com
Folgen Sie uns auf Facebook: https://www.facebook.com/HayekClubKonstanz?ref=hl

Ich freue mich sehr auf ihre Nachrichten und stehe für Rückfragen jederzeit zur Verfügung!

Mit freundlichen Grüßen
Christoph Heuermann

Konstanzer Schildkröte Rheini geklaut!

Das Sommerloch macht sich nicht nur in der Medienlandschaft, sondern auch auf diesen Blog bemerkbar, indem ich mich mit einer Provinzposse aus Konstanz beschäftige.

Hauptakteur ist eine Schildkröte namens Rheini, die auf einem kleinen Floß beim Rheinstrandbad in Konstanz lebt. Nachdem sein Floß bereits entwendet wurde (http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Unbekannte-stehlen-Floss-von-Schildkroete-Rheini;art372448,5615450), wurde nach dessen Wiederherstellung nun auch die Schildkröte Rheini selbst geklaut (http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/meinung/Mann-stiehlt-Schildkroete-aus-Konstanzer-Bad;art1014417,5642782), die bereits im vergangenen Jahr am Konstanzer Rheinstrandbad auftauchte und den strengen Winter überlebt zu haben schien.

Rheini war Besuchermagnet des Strandbades, das ich selbst noch nie besucht habe. Rheini auf seinen Floss habe ich trotzdem mal gesehen.

Erschreckend ist nicht nur die verkommene Moral, solch eine Schildkröte einfach zu klauen, sondern auch, dass laut Südkurier es niemand geschafft haben will, den unbekannten Kidnapper in seiner Geiselnahme aufzuhalten. Den Unmensch gleichwohl sollte man erkannt haben, weshalb ein Fahndungserfolg nicht unwahrscheinlich ist – wenn es denn dazu käme. Rheini gehört schließlich niemanden, nur sich selbst. Oder ist Rheini gar ausgebüxt und wurde nun 2 Jahre später von seinem rechtmäßigen Besitzer abgeholt?

Da ist es doch wahrscheinlicher, dass ein übereifriger Grüner die Schildkröte aus angeblicher Tierliebe erlöst hat. Das erhöht immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass Rheini nicht in der Suppe landet!

Denn Rheini ist schließlich nicht im Rhein endemisch, sondern stammt aus dem Süden der USA. Hier mit Artenschutz zu argumentieren ist aber höchst fahrlässig. Wenn Schildkröten sich auch in deutschen Gewässern durchsetzen, sollte uns das freuen – denn schädlich sind sie im Gegensatz zu manch anderen eingeschleppten Tieren eher weniger. Das ist Evolution. Und wenn Rheini seine Nische gefunden hat und strengen Bedingungen widersteht, gebührt das höchste Anerkennung für diese Leistung.

Nun wird Rheini seiner individuellen Freiheit beraubt, und läuft Gefahr Rest seines Lebens, wenn nicht im Suppentopf, dann doch im Terrarium zu enden. Dank dem  Sozialingeningenieur, der Rheini aus dem Rhein klaute – aus welchen Gründen auch immer.

Es bleibt nur zu hoffen, dass man Rheini findet, befreit und ihm wieder Selbstbestimmung auf seinem Floß im Rhein ermöglicht, auf dass er noch viele Jahre für glückliche Kinderaugen sorgt!

Ich kann den Dieb nur bitten, Rheini zurückzugeben. Wer Hinweise auf den Verbleib der gekdinappten Schildkröte hat, kann sich an konstanz.redaktion@suedkurier.de wenden.

Wie die Geschichte auch ausgehen wird – sie wäre filmreif. Vielleicht sorgt der Film über die Schildkröte Rheini in ein paar Jahren ebenfalls für glückliche Kinderaugen – er muss nur noch gedreht werden.

Die Piratenpartei Konstanz übrigens scheint sich zurückzuhalten. Statt in dieser Angelegenheit mal Flagge zu zeigen, scheint man das Kidnapping einer Schildkröte nicht für einen relevanten politischen Inhalt zu halten. Schade eigentlich diese verpasste Gelegenheit, da man an Inhalten ja sonst nicht viel zu bieten hat…

Goodbye Konstanz – ein Schlusstrich unterm 2. Semester.

Manchmal ist man so schockiert, dass einem die Worte fehlen. Dabei klang der letzte Tag in Konstanz so schön in der Strandbar mit ein paar Cocktails aus.

Totalitäre Tendenzen scheinen sich innerhalb der Piratenpartei immer weiter auszubreiten – statt Transparenz wird geschwiegen. Das sollte man sich nicht gefallen lassen. Daher könnte es morgen einige unschöne Enthüllungen geben…
Heute jedoch werde ich noch ein Schlusstrich unter dieses Semester ziehen, welches noch nicht ganz vorbei ist – Hausarbeit und Essay müssen noch geschrieben, abgegeben und benotet werden – jedoch im Sinne der Klausuren schon. 4 Stück waren es – man hielt sie für leicht, was rauskam, war nicht der Brüller. Wenn alle Klausurendurchschnitte im 3er-Bereich (EDIT: gut, nicht ganz richtig geschätzt, aber fast…) lagen und die Durchfallquote jeweils den Modus bildete, liegt der Eindruck nahe, man wolle hier Kapazitäten für das nächste Semester schaffen, in dem die PoWalter-Schar wohl leider verkleinert sein wird. Der Hauptschuldige dafür scheint schon ausgemacht: er heißt „Multiple Choice“ – oder ist es die dritte Nachkommastelle?

Ich selbst, weiß nicht, ob ich zufrieden sein soll. Alles auf Anhieb bestanden, überdurchschnittliche Noten – eine richtig gut – was will man mehr? Doch irgendwie ist man auch ernüchtert, obwohl man das ganze Semester gechillt hat.

Tatsächlich ist der Studiengang Politik- und Verwaltungswissenschaften zeitlich nicht gerade aufwändig. Es reicht aus, sich eine Woche vor und während der Klausurenphase ordentlich Stoff zu geben, um mit guter Leistung durchweg bestehen zu können, nachdem man im Vorfeld rein garnichts gemacht hat. Kommt natürlich immer auf die Ansprüche an, die man an sich selbst hat. Bei mir wäre das, einen vernünftigen Masterplatz zu bekommen – da bin ich weiterhin auf dem besten Wege. Wenn man bedenkt, dass das Grundstudium, sprich die ersten 3 Semester nur 30%, das 4. Semester garnicht und das 5./6. Semester gar 70% der Endnote ausmacht, ist es momentan eigentlich lächerlich über seine Noten einen großen Kopf zu machen. Da reicht es völlig aus, wenn das Mathezeugs wie Statistik knapp bestanden ist, da man ohnehin nicht viel verstanden hat und von dieser Zahlenverdreherei auch nicht unbedingt viel verstehen will (ohne hier jemanden zu nahe treten zu wollen…). Es hat jedenfalls seine Existenzberechtigung und ist sicher in vielen Fällen hilfreich, was man vom Fach Politikwissenschaft im allgemeinen ja nicht unbedingt sagen kann…

Notenphilosophische Überlegungen mal außen vor gelassen kann ich trotzdem sagen, dass ich mit meinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften überwiegend sehr zufrieden sind – mit dem Ort ohnehin. Lediglich der Fachbereich ist arg quantitativ und politische Theorie bzw. Philosophie sehr stiefmütterlich behandelt. Ärgerlich, wenn die zwei besten Noten aus diesem Bereich kommen und der einen ohnehin am meisten interessiert. In diesem Sinne wäre es vielleicht tatsächlich besser gewesen, Politik und Geschichte oder Philosophie oder ähnliche Kombinationen zu studieren. Aber in meiner letztjährigen eher pragmatischen Studienentscheidung lockten noch die Träume über die Bürokratiebunker Brüssels, denen ich mittlerweile nicht mehr viel abgewinnen kann – auch wenn ich das Streben vieler Kommilitonnen danach bestens nachvollziehen kann: http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-beamte-muessen-auch-in-der-schuldenkrise-nicht-sparen-a-847459.html

Politische Theorie ist brotlose Kunst – aber das mag auch nur ein aktueller Gedankensprung sein. Noch studiere ich ja ein paar Jährchen und insbesondere die Ökonomie gewinnt zunehmend an Reiz.

Konstanz jedenfalls ist eine atemberaubende Stadt, die dieses Jahr leider nicht den Sommer hatte, wie ich ihn mir vorgestellt habe. So blieb das Baden im Bodensee auf ein paar wenige Male beschränkt.

Nichtsdestotrotz kann man hier gut sein Studium verbringen – natürlich sehr subjektiv alles – aber mir ist eine gute Auswahl an Eissorten wichtiger als eine gute Auswahl an Tanztempeln. Letztere sind hier in Konstanz nämlich nicht sonderlich pralle…

Auch wenn das Semester wie erwähnt noch nicht ganz abgeschlossen ist, freue ich mich jetzt trotzdem auf 2 Monate Auszeit von Konstanz, in der ich nicht viel Zeit zur Muße haben werde. Hausarbeiten und Essays müssen geschrieben werden, Bewerbungen für Praxissemester auf den Weg gebracht werden, Literatur muss gelesen werden und Pläne müssen geschmiedet werden. Nebenbei winkt die bald endlich beginnende Woche der Freiheit, der Spanisch-Kurs in Granada und eine Reise nach New York. Geburtstag habe ich auch noch! Das werden wahrhaft spannende Zeiten!

In diesem Sinne Goodbye Konstanz – morgen (heute in 7 Stunden) fahre ich mit dem bisher schnellsten Zug, den ich gefunden habe (nur 7 1/2 Stunden),  nach Herford ich bin erst im Oktober wieder hier im Ländle!

Bundestagskandidatur Piratenpartei: Sylvia Großmann

So langsam kriechen sie alle aus ihren Löchern. Man frage sich, warum so kurzfristig: Kandidat Nr. 6 gibt sich als philosophischer Überflieger – ich bin gespannt, ob er die Fragen noch kurzfristig beantwortet.

Kandidatin Nr. 5 hat dies ohne Aufforderung getan – es handelt sich hierbei um die Ex-Ob-Kandidatin Sylvia Großmann, die ihr OB-Wahl-Ergebnis wohl gerne vergessen möchte und bei der morgigen Aufstellungsversammlung der Piratenpartei Konstanz zur Bundestagswahl 2013 ein paar mehr Prozente abgreifen will.

Ich halte mich kurz und verweise auf ihre Vorstellung vor knapp einem Monat: https://konstranzparency.wordpress.com/2012/06/28/ob-kandidaten-vorstellung-sylvia-grosmann/

Sie scheint mittlerweile Piratin geworden zu sein  – ihre Begründung für ihre Wählbarkeit und weitere Informationen gibt sie hier:  http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:SylviaG

Nun zu ihren Antworten:

 

1. In der Piratenpartei brennt seit längerem eine Debatte um Diskriminierung von Frauen.
Wie stehst Du dazu und welchen der folgenden Ausdrücke würdest Du verwenden: der Pirat, Piratinnen und Piraten, Pirat/innen, PiratInnen, das Pirat, Eichhörnchen, was anderes (bitte spezifizieren).

Frau Müller ist eine Piratin, Herr Schmidt ein Pirat, schreiben tu ich „der/die PiratIn“ und im Eifer des Gesprächs sage ich aber auch mal nur „die Piraten“. Ich bin nicht so konsequent wie die „Schweizerinnen und Schweizer an den Radiogeräten und -gerätinnen“ und kenne keine Mitgliederinnen, aber ich achte schon sehr auf eine nichtdiskriminierende Grammatik. So viel Zeit sollte sein. Leider fällt mir auf, dass sehr viele Frauen nicht auf eine geschlechtergerechte Grammatik achten (z.B. Frau vor Frauengruppe: „Jeder/Einer von euch…“). Hier mische ich mich oft ein und weise darauf hin.
Okay. Wusste ich ja garnicht, dass die SchweizerInnen so krass drauf sind 😉
 2. Ordne die Parteien nach ihrer Wählbarkeit für Dich: Piratenpartei, Linkspartei, CDU/CSU, Grüne, FDP, SPD, Die Violetten, REP, Partei der Vernunft, DIE PARTEI
Piraten/Grüne – SPD – Linkspartei – ……………………………………….. – FDP – CDU/CSU – restliche. Nicht wählbar: REP.
Auch jemand aus der grünen Ecke. Früher war sie mal SPD. Das REP nicht wählbar ist, hat sie immerhin erkannt.
 3. Wähle aus, was dir wichtiger ist:
Basis oder Vorstand  Basis
Liquid Feedback oder Volksabstimmung  Liquid Feedback
Schlömer oder Nerz  Weder noch
Staat oder Markt  soziale Marktwirtschaft
Marx oder Hayek  Keynes
Klinikfusion oder -privatisierung  Fusion
Konstanz oder Bundestag  Konstanzerin im Bundestag!
Datenschutz oder Transparenz  Privat: Datenschutz, öffentlich: Transparenz
Nur soviel: Keynes? Passt zur früheren SPD-Mitgliedschaft. In der Hinsicht sei ein hörenswerter Rap-Battle zwischen Hayek und Keynes empfohlen, den uns sogar unser Professor in der Vorlesung über Staats- und Demokratietheorie zeigte: http://www.youtube.com/watch?v=GTQnarzmTOc
Über den Keynesianismus müsste man auch mal noch einen Artikel schreiben – die Botschaft des Videos ist jedoch eindeutig: Hayek gewinnt, aber Keynes wird zum Sieger erklärt…
 
4. Auch wenn bei den Piraten angeblich die Basis entscheidet, so hast Du sicher eine persönliche Meinung zu folgenden politischen Fragen (eine kurze Begründung wäre nett):

– Sollte man das Meldewesen abschaffen?
Nein, weder im kommunalen noch im Bankenbereich. Wir brauchen Statistiken (ich bin Soziologin), sonst sin keine verlässlichen Planungen möglich.
Wofür brauchen wir Statistiken? Für Planungen? Gesellschaft ist nicht planbar.
– Sollte man politische Mandate zeitlich beschränken (nicht mehr als 4 Jahre pro Person z.B.) ?
Die 4 Jahre für die Landtage und den Bundestag sind genau richtig. 8 Jahre für (Ober)BürgermeisterInnen sind zu lang. Hier wären m.E. 5 Jahre ausreichend.
Der Verzicht auf die Möglichkeit einer Wiederwahl, wie etwa in Lateinamerika praktiziert, ist nicht vorteilhaft, da die Präsidenten ihre meist 6jährige Amtszeit gerne dazu missbrauchen, ihre Schäfchen in Sicherheit zu bringen, denn für die Wiederwahl brauchen sie sich ja persönlich nicht wieder zu qualifizieren.
Ein interessantes Argument, das man so oder so sehen kann.
 – Ist die Ruhe des Verfassungsgerichtes in der derzeitig angespannten Lage zu kritisieren?
Nein, denn das Verfassungsgericht ist eine behutsame Behörde. Hitzige Schnellschüsse wären nicht angebracht.
Das Verfassungsgericht ist eine Behörde? Voller Bürokraten? Got behüte uns.
 Ist das Glasverbot in Konstanz gerechtfertigt?
Nein, und das sieht wohl auch der mit dem Problem beschäftigte Richter so.
Da war das Glasverbot wohl schon aufgehoben.
 
– Ist das Bedingungslose Grundeinkommen utopisch?
Beim Start zumindest nicht von der Finanzierung her, denn wenn das Geld zum Bankenretten reicht, dann reicht es wohl auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Frage ist, wie der Umgang damit sein würde. Würden nicht viele einfach aufhören zu arbeiten? Entspricht es überhaupt der Würde der Menschen, das Geld für den Lebensunterhalt geschenkt zu bekommen? Wäre es längerfristig finanzierbar? Und wie wirkt es sich auf die Inflation aus?
Besser als ein bedingungsloses Grundeinkommen ist die Sicherung würdiger Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne, damit auch geringqualifiziert Beschäftigte von ihrer Arbeit leben können.
Dann doch lieber BGE als Mindestlohn. Aber sie stellt die richtigen Fragen – insbesondere die nach der Inflation.
 
5. Ziehst Du in Erwägung, auch für einen Platz auf der Landesliste der Piratenpartei zu kandidieren? Ja oder Nein?
Ich denke ja.
Ist das ein Ja? Scheint noch offen zu sein…
 
6. Angenommen, du wärst Diktator : was würdest Du tun, um Deutschland in deinem Sinne positiv zu verändern ?
Energiewirtschaft schnellstens auf alternative Energiequellen umrüsten, Lobbyisten in ihrem Einfluss beschneiden, Umweltvergehen stärker bestrafen (inklusive achtlos weggeworfener Zigarettenkippen und Kaugummis), in der Welt herumreisen und anderen Diktatoren ohne jegliche Diplomatie die Leviten lesen… und nach meiner Rückkehr schnellstens die Demokratie einführen.
 
Ich dachte gerade erst, sie wollte nicht zur Demokratie zurückkehren, aber der letzte Satz hats dann ja noch rausgerißen. Ich sehe mich bestätigt: grüne Politik unter orangener Flagge.
7. Dein Lieblingsbuch. Dein intellektuelles Vorbild. Deine Lieblingsmusik ODER -film. Dein favorisiertes Politikfeld.
Lieblingsbücher: Krimis und lateinamerikanische Literatur (kein bestimmter Titel, aber am liebsten von Mario Vargas Llosa, nur im Original).
Intellektuelles Vorbild: für ihre Unerschrockenheit: Flora Tristán, für seine Entdeckungen: Albert Einstein, für seine Erkenntnis: Martin Luther und noch einige mehr.
Lieblingsmusik: Jazz, klassische Salsa (Fania, Puente), Joni Mitchell, Stones, Led Zeppelin und noch einige mehr.

Politikfeld: Grünliberallinksmitte (themenabhängig und parteienmief-frei).

 

Uhh, Mario Vargas Llosa ist einer meiner Lieblings-Autoren – sehr zu empfehlen. Nur bei Martin Luther und Erkenntnis frage ich mich, welche sie meint.

Politikfeld ist übriges nicht die politische Einstellung, sondern das spezialisierte Themengebiet: ich tippe auf Umweltpolitik, das passt ja bestens zu „grünliberallinksmitte“.

Naja – mehr Worte muss ich über Sylvia Großmann wohl nicht verlieren. Möge jeder selber anhand ihrer Antworten einschätzen, ob er sie morgen wählen möchte oder eher nicht…

Bundestagskandidatur Piratenpartei: Thomas Buck

Nach einem edlen Tropfen Wein beim trotz Sommergewitter sehr gut besuchten Konstanzer Weinfest werde ich nun noch den Kandidaten der Piratenpartei zur Bundestagswahl 2013 Nr.3 – nämlich Thomas Buck – vorstellen.

Morgen geht es auch noch mal weiter: Sylvia Großmann hat die Initiative ergriffen, wie sie meinte „Morgenluft geschnuppert gewittert“, und mir die Antworten auf meine Fragen kurzerhand geschickt. Das lob ich mir – das gibt Pluspunkte…

Nun zu Thomas Buck:  der 40-Jährige  ist Diplomphysiker und arbeitet als Projektleiter in einem Solarforschungsinstitut in Konstanz. Weitere Informationen findet man hier: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:ThomBuckTu

Er ist zeitgleich mit zwei anderen „piratenaffinen Nicht-Piraten“ , die ich sehr schätze, Mitglied geworden – auch wenn ich das in der damaligen Situation nicht verstanden habe und auch immer noch nicht tue. Trotz seines kurzen Piraten-Daseins wirkte er bereits engagiert im Wahlkampfteam des Oberbürgermeisterkandidaten Benno Buchczyk mit und zeigt auch sonst Präsenz. Seine Überzeugungsversuche mich bei der Piratenpartei zu halten darf man aber wohl als gescheitert betrachten. Das Argument „sich einzubringen, um etwas zu verändern“ zieht bei mir nicht, da man als Einzelperson gerade in einer schwarmintelligenzfetischistischen Partei gewissen Dogmen hilflos ausgeliefert ist. Zwar haben Teilgliederungen der Piratenpartei durchaus die Zeichen der Zeit erkannt und sinnvolle wirtschaftspolitische Forderungen aufgestellt (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/klarmachen-zum-positionieren-die-piraten-versuchen-es-mit-der-wirtschaft/6918482.html), die man jedoch – solange an sowas wie dem BGE festgehalten wird – nicht allzu ernst nehmen sollte – zumal fraglich ist, ob sie auf Bundesebene eine Mehrheit finden. Der bayrische Landesverband zieht mittlerweile aber anscheinend dem Bedingungslosen Grundeinkommen eine Negative Einkommenssteuer vor (http://wiki.piratenpartei.de/BY:Landeswahlprogramm/P66). Kein optimaler Vorschlag, da das gleiche Grundproblem,  aber doch deutlich besser als ein BGE – insbesondere in Verbindung mit einem vernünftigen Steuersystem.

In einem hat Thomas Buck allerdings Recht: noch habe ich nicht ganz mit der Piratenpartei gebrochen. Schon allein aus Fast-Alternativlosigkeit –  um Angies Lieblingsworte zu bemühen.

 

Nun zu seinen Antworten:

 

1. In der Piratenpartei brennt seit längerem eine Debatte um Diskriminierung von Frauen.

Wie stehst Du dazu und welchen der folgenden Ausdrücke würdest Du
verwenden: der Pirat, Piratinnen und Piraten, Pirat/innen, PiratInnen,
das Pirat, Eichhörnchen, was anderes (bitte spezifizieren).
Ich bin der Ansicht, dass bei Bezeichnungen nicht zwingend die weibliche Form verwendet werden muss, um alle Personen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen und einzubeziehen.
So halte ich beispielsweise bei Berufsbezeichnungen den Satz: : „xy (weiblich) ist Schlosser“ für nicht ehrenrührig, weil ich die männliche Form für den gewachsenen und tradierten Oberbegriff bzw. die Bezeichnung des Berufes an sich halte. Dieser hat für meine Begriffe aber keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich nötig.
Wer diese Argumentation für nicht stichhaltig hält, dem schlage ich vor, dass zukünftig die geraden Jahre männliche und die ungeraden weibliche werden (oder anders herum), in denen dann jeweils die eine oder andere Form gebraucht wird (:-))
Dass die Debatte aus meiner Sicht haarscharf am Thema vorbei geht, möchte ich durch zwei Beispiele belegen: Weshalb wird keine Diskussion darüber geführt, dass  manche Worte (im Deutschen) männlich oder weiblich sind? Das wäre doch die konsequente Fortsetzung, oder ?
Letzlich wollen wir alle als wirklich gleichberechtigte Menschen  von unserer Umwelt wahrgenommen werden. Und da geht es nicht nur um männlich/weiblich sondern auch um Dinge wie religiös/atheistisch, homo/heterosexuell, Einheimischer/Ausländer etc. Wie soll man dem Rechnung tragen?  Was ich damit sagen möchte: Diskriminierung ist vielschichtiger.
Insofern halte ich persönlich die erste Variante für die beste. Als zweitbeste Lösung sehe ich dann tatsächlich DAS Pirat, weil dann weder Mann noch Frau das Gefühl hat, der Begriff wird durch eines der Geschlechter vereinnahmt.
Gefällt mir.  Dazu fällt mir noch ein Zitat des konservativen Focus-Chef vom Dienst Michael Klonovsky ein:  „“Sollten wir jemals auf Außerirdische stoßen, dürfte eine der ersten Reaktionen der Grünen darin bestehen, den Begriff “Menschheit” für latent rassistisch (bzw. speziesistisch) zu erklären“.

 

2. Ordne die Parteien nach ihrer Wählbarkeit für Dich: 
Piratenpartei,
Linkspartei, CDU/CSU, Grüne, FDP, SPD, Die Violetten, REP, Partei der
Vernunft, DIE PARTEI
Piratenpartei, Grüne,  SPD, CDU/CSU, DIE PARTEI, Linkspartei, Partei der
Vernunft,  FDP,

Anmerkung: von den Violetten höre ich heute zum ersten mal, deshalb habe ich sie raus gelassen (ich weiss nicht, wofür sie stehen und bin ihnen auch sonst in den Medien noch nie begegnet. . Dasselbe Schicksal ereilte die REP aus einem anderen Grund: ich halte sie ganz allgemein für unwählbar.

Er kennt nicht die Violetten – die Partei für mehr Spiritualität? Bildungslücke! http://die-violetten.de/
Wie man sieht und wie schonmal angemerkt, scheint er nicht zuletzt berufstechnisch aus der grünen Ecke zu kommen. Er möge mir also mein obiges Zitat verzeihen.
Das er die FDP nicht ausstehen kann war mir bereits bewusst. Kann ich mittlerweile auch nicht mehr sonderlich, aber doch noch mehr als der Rest. Dann doch eher die Partei der Vernunft – da steckt noch etwas mehr Liberalität drinne – über die ich beizeiten mal einen eigenen Artikel verfassen werde: http://www.parteidervernunft.de/

 

3. Wähle aus, was dir wichtiger ist:
Basis oder Vorstand,
Liquid Feedback oder Volksabstimmung,
Schlömer oder Nerz,
Staat oder Markt,
Marx oder Hayek,
Klinikfusion oder -privatisierung,
Konstanz oder Bundestag,
Datenschutz oder Transparenz
Die Frage halte ich für verkürzt gestellt, weil sich die Paare oft gegenseitig bedingen und deshalb von mir nicht als Gegensatzpaare wahrgenommen werden. Deshalb würde ich bei vielem von einem partiellen „sowohl als auch“ reden.
Da ich sehr viel von Balance halte, entscheide ich mich jetzt also dort, wo ich das für möglich halte, für das momentan vermeintlich unterrepräsentierte Element:
Basis vor Vorstand, Liquid Feedback vor Volksabstimmung*, Schlömer und Nerz, Staat vor Markt, Marx und Hayek, Klinikfusion vor Privatisierung, Konstanz vor Bundestag, Transparenz und Datenschutz (ja, das geht!)
*LQFB ist ein Tool das eine Volksabstimmung vereinfachen kann. Ein Tool über den Zweck zu stellen hinkt natürlich ein wenig.
 Ich denke, dass Volksabstimmungen durch LQFB sehr viel einfacher durchzuführen wären und somit auch besser angewandt werden könnten. Dafür muss es auf breiter Front beworben werden und die Software noch verbessert und benutzerfreundlicher gemacht werden.
Das muss sie wohl. Zum Kompromiß habe ich ja bereits alles im letzten Artikel gesagt. Man sieht aber auch hier eine eindeutige Richtung – gleich wie bei den beiden anderen Kandidaten…
4. Auch wenn bei den Piraten angeblich die Basis entscheidet ( Suggestiv-Frage, oder?), so hast Du
sicher eine persönliche Meinung zu folgenden politischen Fragen (eine
kurze Begründung wäre nett):
Nein,  das war nicht als Suggestivfrage gedacht.
– Sollte man das Meldewesen abschaffen?
Nein, weil es sinnvoll und notwendig ist, um ein funktionierendes Staatswesen zu organisieren (zumindest kenne ich keine andere Möglichkeit, um beispielsweise Wahlen vermünftig zu organisieren. Länder ohne Meldepflicht, wie etwa die USA haben eine de facto Führerschein-Meldepflicht. Ich lasse mich aber sehr gern auf Diskussionen zu dem Thema ein und bin auf die Gegenargumente neugierig.
Was gehört zu einem funktionierenden Staatswesen?

 

– Sollte man politische Mandate zeitlich beschränken (nicht mehr als 4
Jahre pro Person z.B.) ?
Ich bin generell gegen Verbote, wenn sie nicht zwingend notwendig sind, insofern nein.
In dem Dreieck Basis, Delegierte, Verwaltung herrscht derzeit ein enormes Ungleichgewicht, was die eingesetzten Resourcen angeht. In Konstanz steht beispielsweise einem Verwaltungsappart von ca. 1500 Personen eine Führung von 3 Bürgermeistern und 40 ehrenamtlichen Stadträten gegenüber. Wenn man von einer teilweisen Verselbständigung des Verwaltungsapparts ausgeht (das tue ich), wird man dem mit sich ständig wechselnden „Laien“ bzw. Neulingen  wohl nur schwer effektiv begegnen können. Allerdings neigen nach meiner Beobachtung Langzeit-Delegierte dazu, sich selbst als Teil der Verwaltung wahrzunehmen. Das Geschäftsmodell, auf Erwerbs-Lebenszeit Bürgervertreter zu sein, halte ich auch deshalb für sehr problematisch, weil sich dadurch die eigenen, persönlichen Ziele (Macht+Positionserhalt) vor die eigentlichen Aufgaben (Vertreten der Basis und deren Interessen) schieben können. Das ist leider nur allzu menschlich…Ich persönlich habe kein Interesse, Berufspolitiker auf Lebenszeit zu sein. Auch allein schon deshalb, weil ich noch viele andere Interessen habe, denen ich mich in meinem Leben widmen möchte.
Na, da nehm ich ihn im Fall des Falles mal beim Wort.
– Ist die Ruhe des Verfassungsgerichtes in der derzeitig angespannten
Lage zu kritisieren?
Nein. Denn es ist ein Gericht. Viel eher ist die Tendenz des Parlaments zu kritisieren, immer mehr kritische Fragen an die Judikative zu „delegieren“. Schliesslich entscheiden Gerichte ja nur auf Basis von Gesetzen, die das Parlament irgendwann einmal beschlossen hat. Da wird das Parlament meiner Meinung nach oft seiner Verantwortung nicht gerecht.
Ja. Durchaus. Wenn die Mitglieder des Parlaments aber nichtmal wissen, worüber sie eigentlich abstimmen, bin ich froh, dass das Verfassungsgericht die Sache etwas entschleunigt und sich drüber Gedanken macht…
– Ist das Glasverbot in Konstanz gerechtfertigt?
Nein, zumindest nicht, wenn es als Dauerlösung vorgesehen ist. Meiner Meinung nach ist das bereits im 2. Jahr ein hilfloser Versuch, einen offensichtlich bestehenden Missstand durch Bekämpfung der Symptome zu beheben. Allerdings um den Preis einer Gängelung und Bestrafung der grossen, verantwortungsvoll handelnden Mehrheit. Das Verbot ist insofern auch dürftig weil es überhaupt nicht mit vertretbarem Einsatz von Ressourcen konsequent durchgesetzt und überwacht werden kann.
Zuletzt halte ich die Regelung für unsozial, denn in der Regel sind es eher nicht die reichen oder wohlhabenden Bewohner, die anstatt im Biergarten im öffentlichen Raum mit selbst beschafften Getränken  eine gute Zeit haben wollen.
Es ist aber auch klar: Menschen, die diese gewährten Freiheiten im öffentlchen Raum ausnutzen und missbrauchen oder verantwortungslos damit umgehen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Meine Worte. Passt ja garnicht so zum Hedonismus der Piratenpartei.
– Ist das Bedingungslose Grundeinkommen utopisch?
Nein. Es ist sogar ein sehr spannendes Thema. Dass man sich aber allein schon durch die Debatte  mit unerbitterlicher Kritik und teils hochemotionalen Widerstand rechnen muss, ist für mich auch klar.
Die Bundesargentur für Arbeit hat beispielsweise 120000 (oft verbeamtete) Mitarbeiter, die bei einer möglichen Umsetzung dieser Idee zum überwiegenden Teil wohl nicht mehr für ihre bislang ausgeführten Tätigkeiten gebraucht würden.
Wenn man sieht, was für ein Politikum die 40000 Arbeitsplätze von Opel waren, so lässt sich erahnen, wie schwer eine konsequente Straffung  unserer „Umverteilungs-Industrie“ wohl werden könnte. Ich halte das Einspar-Potential durch diese Form eines vereinfachten Bürgergelds jedenfalls für riesig. Ob dadurch allerdings eine Nivellierung nach oben stattfindet und dadurch beispielsweise die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Deutschland so ansteigen, dass das Grundeinkommen wieder nicht zum Leben reicht, kann ich momentan noch nicht abschätzen. Dazu müsste ich zu dem Thema noch mehr diskutieren und mich intensiver informieren.
Er spricht eines der Pro-Argumente für das BGE an, das natürlich seinen Reiz hat. Aber natürlich ist das längst nicht alles – positiv wie negativ. Das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ist tatsächlich hochspannend – ich glaube, ich werde mich demnächst mal in einem Artikel hiermit beschäftigen.
5. Ziehst Du in Erwägung, auch für einen Platz auf der Landesliste der
Piratenpartei zu kandidieren?
Ja.  Alles andere wäre meiner Meinung nach ein Signal für eine lokale Statthalter- und Alibi-Kandidatur. Da man als nicht etablierte Partei sehr darum werben muss, um auf die relevanten Veranstaltungen auch eingeladen zu werden und so die Möglichkeit zu bekommen, seine Meinungen und Positionen „unters Volk“ zu bringen, wäre alles andere beinahe  Zeitverschwendung…Zu denken, man könnte als Pirat das Direktmandat im Wahlkreis Konstanz zu holen, halte ich für sehr ambitioniert. Aber Zweitstimmen kann man sehr wohl auch als Person in Form eines Direktkandidaten effektiv einwerben und  so zum Erfolg und zur Repräsentation unserer Ideen auch auf Bundesebene beitragen.
Jein. Aber immerhin eine klare Aussage. Thomas Buck ist meiner Einschätzung auch auf jeden Fall ein Kandidat, den man ernst nehmen kann.
6. Angenommen, du wärst Diktator : was würdest Du tun, um Deutschland in
deinem Sinne positiv zu verändern?

die Demokratie einführen und dem Bürger ein lebenslanges Recht auf politische Bildung einräumen, um den weit verbreiteten, politischen Analphabetismus den Kampf anzusagen.

 

Politischer Analphabetismus? Da sollte man tatsächlich etwas tun – solange es denn bitte neutral ist. Politische Bildung gibts allerdings schon überall massenweise – man muss sie nur wahrnehmen und sich vor allem seine eigene Meinung bei all den Umerziehungsprogrammen bilden.

 

7. Dein Lieblingsbuch. Dein intellektuelles Vorbild. Deine
Lieblingsmusik ODER -film. Dein favorisiertes Politikfeld.
Zwei Lieblingsbücher: „Anleitung zum Unglücklichsein“ (Paul Watzlawick)
„Kopf schlägt Kapital“ (Günter Faltin)
intellektuelles Vorbild: kill your idols, also keines bzw. punktuell viele
Musikalisch bin ich wohl eher Allrounder, deshalb mein Lieblingsfilm:
„Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ von Woody Allen
Politikfeld:
sozial kompatible Wirtschaftspolitik mit einem weiteren Schwerpunkt bei Energie- und Umweltpolitik
Er antwortet wenigstens auf meine Fragen. Pluspunkt, auch wenn mir das meiste nichts sagt. Sein Politikfeld hat sich ja bereits herauskristallisiert – so wie er es sagt, hätte ich ihn auch eingeschätzt.
Damit bin ich dann auch am Ende angekommen. Thomas Buck – ein Kandidat, der sich bei einem Parteiflügel gute Chancen ausrechnen darf und deshalb gute Chancen hat, am Sonntag die Aufstellungsversammlung der Piratenpartei Konstanz als Direktkandidat zur Bundestagswahl 2013 zu verlassen.

 

Bundestagskanditatur Piratenpartei: Andres Bergholz

Mittlerweile sind bereits 3 Antworten eingetrudelt, weshalb ich nun – immer noch rechtzeitig- mit der Vorstellung der Kandidaten der Piratenpartei zur Bundestagswahl 2013 anfangen kann.

Die Antworten lesen sich alle sehr interessant und differieren durchaus – sogar ein paar überraschende Aussagen sind nach meinem Geschmack dabei.

Heute fangen wir mit jüngsten Kandidaten an: Andreas Bergholz ist erst 19 Jahre alt, lässt in puncto Engagement aber alle anderen Piraten alt aussehen. Ständig am Ball hat er sich in der örtlichen Politik durch Besuch von Gemeinderatssitzungen, durch Verfassen von Leserbriefen, Kontakten zu anderen Parteien und vielfältigen weiteren Tätigkeiten bereits einen Namen gemacht.Gegenwärtig ist er weiterhin stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes der Konstanzer Piratenpartei und füllt dieses Amt – wie ich aus eigener Erfahrung als ehemaliger Schatzmeister weiß – sehr gut aus. Man merkt ihm deutlich an, wie sehr ihm die Sache der Piratenpartei am Herzen liegt, was sich dann auch mal heißblütig in überstürzten Aktionen äußert…

Viele weitere Informationeng  zu ihm und seiner politischen Ausrichtung findet man hier: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Dayo

Ansonsten nun zu seinen Antworten auf meine Fragen:

 

1. In der Piratenpartei brennt seit längerem eine Debatte um
Diskriminierung von Frauen.
Wie stehst Du dazu und welchen der folgenden Ausdrücke würdest Du
verwenden: der Pirat, Piratinnen und Piraten, Pirat/innen, PiratInnen,
das Pirat, Eichhörnchen, was anderes (bitte spezifizieren).

Bisher bin ich in unserem KV noch nie auf irgendeine Art von Sexismus getroffen. Viele werden das sicher bestätigen können. Ich kann mir vorstellen, dass man auf BundesML´s eher auf Sexismus treffen kann. Ich denke aber, dass dies ein gesellschaftliches Problem ist. Wenn jemand am Stammtisch oder per ML zu Ulrike sagen würde: „Hey du bist nur Schatzmeister weil du einen Tittenbonus hast“, würde ich einen solchen Kommentar sicher nicht unkommentiert lassen. Im Gegenteil: Ich würde Person X erstmal um die Ohren hauen, dass solche Kommentare nichts bei uns zu suchen haben. Da wäre ich sicher auch nicht der Einzige, der das tun würde. Brauch ich dafür ein Positionspapier gegen Sexismus? Nein, brauche ich nicht. Es ist nicht unser Job unsere Mitglieder zu erziehen. Die einzige Art der Diskriminierung, auf die ich bisher getroffen bin, ist der Vorwurf ich sei zu Jung für sonst was. Will ich jetzt ein Positionspapier deswegen?

Nope.

Wenn ich schon an „Eichhörnchen“, als neutralen Begriff denke bekomme ich Kopfweh. Zu männlichen Piraten sage ich, Pirat, zu weiblichen, Piratin.

 

Was den Konstanzer Kreisverband betrifft, hat er damit wohl Recht. Mitgliedererziehung sehe ich wie er auch nicht als Aufgabe der Piratenpartei an – dafür gibts ja schon die GrünInnen. Sein Alter stößt natürlich bei vielen auf Widerwillen. Ihm mag eine gewisse Lebenserfahrung fehlen, allerdings sind für mich Glaubwürdigkeit und Leistung deutlich wichtigere Indikatoren als das Alter.

2. Ordne die Parteien nach ihrer Wählbarkeit für Dich: Piratenpartei,
Linkspartei, CDU/CSU, Grüne, FDP, SPD, Die Violetten, REP, Partei der
Vernunft, DIE PARTEI

1.Piratenpartei

2.FDP
3.SPD, Grüne

4.Linke

5.CDU/CSU

6.Die Violetten, REP, Partei der
Vernunft, DIE PARTEI [kenne die Programme nicht, DIE PARTEI ist reine Satire 🙂 ]

Im Prinzip sind Parteien 2-5 für mich alle nicht wählbar. Da du aber nach Wählbarkeit frägst habe ich trotzdem versucht alle einzuordnen.

 

Das ist ja interessant. Die FDP direkt nach den Piraten? Ich weiß, dass er sich als liberal ansieht. Aber wohl eher im amerikanischen Sinne a la Obama, wie noch folgende Antworten verlautbaren lassen. Partei 1 und 2 halte ich im übrigen auch für bedingt wählbar, die anderen eher nicht. Mit den Restparteien hätte ich mir eigentlich eine kurze Auseinandersetzung erhofft (aber das hat keiner der Kandidaten getan). Mehr muss man wohl nicht kommentieren.

3. Wähle aus, was dir wichtiger ist: Basis oder Vorstand, Liquid
Feedback oder Volksabstimmung, Schlömer oder Nerz, Staat oder Markt,
Marx oder Hayek, Klinikfusion oder -privatisierung, Konstanz oder
Bundestag, Datenschutz oder Transparenz

Basis

Volksabstimmung

Schlömer

Staat

Marx

Klinikfusion

Kreis Konstanz

Transparenz in der Politik

 

Klare Aussagen im Gegensatz zu den anderen Kandidaten. Die ersten 3 Antworten zeigen, dass er Pirat ist (und nicht viel auf LQFB gibt ;)), die nächsten 2 allerdings, dass er es mit der „FDP“ wohl doch nicht ganz so ernst meinte. Wobei die derzeitige FDP den beiden Begriffen ja erstaunlich nahe kommt. Den Rest hatte ich nicht anders erwartet, möchte ich jetzt aber auch nicht ausschlachten.

4. Auch wenn bei den Piraten angeblich die Basis entscheidet, so hast Du
sicher eine persönliche Meinung zu folgenden politischen Fragen (eine
kurze Begründung wäre nett):
– Sollte man das Meldewesen abschaffen?

Abschaffen sollte man es nicht. Aber man muss dafür sorgen, dass in Zukunft nicht die Daten von Bürgern an Dritte verkauft werden.

 

Dafür sollte man sorgen. Aber warum sollte man die Datensammelwut nicht komplett begrenzen? Konsequent scheint das aus piratiger Sicht nicht zu sein. Aber verständlich – die lückenlose Erfassung des Bürgers braucht man ja für piratige Pläne zur Rettung Deutschlands.

 

– Sollte man politische Mandate zeitlich beschränken (nicht mehr als 4
Jahre pro Person z.B.) ?

Oberbürgermeister werden auf eine lange Zeit gewählt (7-8 Jahre). Das ist gerechtfertigt, um die Geschicke der Stadt wirklich lenken zu können. Was aber in BaWü nicht möglich ist, ist es einen OB abzuwählen(Beispiel Duisburg). Das sollte man ändern.

Bei Bundestags- und Landtagsmandaten trifft die Basis oder bei anderen Parteien die Delegierten die Entscheidung, ob jemand erneut ins Rennen geht oder nicht. Hat jemand seine Arbeit gut gemacht und eignet sich von vielen Kandidaten am besten, so sehe ich keinen Grund in dazu zu zwingen nicht erneut anzutreten.

 

Ja, das sollte man ändern. Das zweite ist bedingt zutreffend beschrieben. Negativintellektueller Kapillareffekt könnte man eher meinen.

– Ist die Ruhe des Verfassungsgerichtes in der derzeitig angespannten
Lage zu kritisieren?

Nein. Es wird absolut richtig und im Sinne unserer Verfassung gehandelt.
Man muss nicht alles glauben, was Schäuble sagt. Die Welt wird auch noch im September heil sein. Verfassung geht vor.

 

Das solch kritische Worte aus Piratenmund noch vernehmbar sind. Dass die Welt im September noch heil sein wird, glaube ich allerdings nicht.

– Ist das Glasverbot in Konstanz gerechtfertigt?

Nein. Es werden normale Bürger kriminalisiert, die dafür haften müssen, dass irgendwelche Idioten Flaschen in den See werfen. Völlig überzogen. Wenn Leute es beim Feiern am See übertreiben, braucht man kein Glasverbot um dies zu unterbinden.

Was braucht man denn anstelle eines Glasverbotes? Ein Polizeieinsatz mit einer Fünftel-Mille Kosten?

– Ist das Bedingungslose Grundeinkommen utopisch?

Nein. Eine sozial faire Finanzierung ist möglich.

Da bin ich ja gespannt. „Sozial fair“ – fragt sich für wen…

 
5. Ziehst Du in Erwägung, auch für einen Platz auf der Landesliste der
Piratenpartei zu kandidieren? Ja oder Nein?

Ja.

 

Kurz und knackig. Eine klare Aussage.

6. Angenommen, du wärst Diktator : was würdest Du tun, um Deutschland in
deinem Sinne positiv zu verändern ?

Die Diktatur abschaffen und die Demokratie wieder einführen ;D

Bundesweit Mindestlohn/Lohnuntergrenze einführen.

Sanktionen gegen Bezieher von ALG II verbieten.

Begrenzung der Leiharbeit.

Abschaffung der Hauptschulen, Gemeinschaftsschulen einführen. (Gymnasien soll es trotzdem geben)

Den Zugang zu Studienkrediten erleichtern und das Budget für diese erhöhen.

Jedem Kind einen KITA Platz ermöglichen.

Etc.

 

Leider ist keiner der Kandidaten auf diese Frage drauf reingefallen. Andreas Bergholz ist allerdings der Einzige, dem nach Wiedereinführung der Demokratie doch noch nach jeder Menge Veränderung dürstet. Über die Vorschläge mag sich jeder selbst seinen Teil denken.

 

7. Dein Lieblingsbuch. Dein intellektuelles Vorbild. Deine
Lieblingsmusik ODER -film. Dein favorisiertes Politikfeld.

Buch: Little Brother

Vorbild: –

Film: The Ides of March

Politikfeld: Bildungspolitik/Sozialpolitik

 

Ich dachte, „Big Brother“ als Film. Dass es die Iden des März sind könnte sich metaphorisch als treffende Voraussage erweisen, die für ihn hoffentlich nicht eintrifft. Ein Vorbild scheint er (wie die anderen) nicht zu haben – die Frage hätte ich auch anders formulieren müssen (a la „Mit wem würdest Du mal gerne Essen gehen?“). Sein Politikfeld ist durch die vorherigen Antworten ja bereits deutlich geworden. Nur konsequent, dass er diese auch so angibt. Als junger Mensch ist er insbesondere von der Bildung ja auch direkt betroffen.

 

 

Dabei möchte ich auch belassen – morgen ruft nämlich Statistik! Und morgen dann auch der zweite der Kandidaten der Piratenpartei für die Bundestagswahl 2012, die am Sonntag bei der Aufstellungsversammlung gewählt werden.