Multiple Choice reconsidered

Über die Tücken des universitären Prüfungssystems hatte ich bereits im letzten Semester einen Artikel verfasst: https://konstranzparency.wordpress.com/2011/11/01/die-qual-der-wahl/

Aus aktuellem Anlass möchte ich dies nun fortführen, nachdem ich gerade erstmalig in diesem Semester beim Lernen in der Bibliothek mein Gewissen beruhigt und die latente Demotivierung besiegt habe.

Heute schrieb ich bekanntlich eine Klausur – und bekam sie bereits nach 5 Stunden zurück. Scheint bei 235 Prüflingen eine Meisterleistung zu sein, die man fast nur mit Würfeln hinbekommen könnte. Zum Glück der Professoren und Leidwesen der Studierenden gibt es jedoch noch eine andere Möglichkeit: Multiple Choice – die Qual der Wahl.

Im Rückblick auf oben genannten Artikel kann ich die dort gemachten Aussagen nach meinen jetzigen Erfahrungen nur bestätigen. Ich schrieb:

Folien werden auswendig gelernt, Lektüre exzerpiert, die Klausur geschrieben und (hoffentlich) bestanden – und schwupps vergisst man alles, weil es im nächsten Semester ja  wieder von vorne losgeht.

Das ist tatsächlich so. Zusammenhänge merkt man sich noch ganz gut, aber an den konkreten Wortlaut irgendeiner Folie erinner ich mich in keinem Fach mehr, obwohl ich das doch alles so schön auswendig gelernt hatte.

Bisher hat meine hocheffektive Lernmethode – das ständige Wiederholen und blind ein paar Mal vor sich hermurmeln von rein digitalen Folien- bestens geklappt und viel Papier, Druckertinte und Zeit gespart.

Eigentlich war ich mir sicher, dass es auch bei der heutigen Klausur geklappt hätte. Der Lernstoff quoll mir schon förmlich aus den Ohren – eigentlich ein Zeichen des Könnens – und alles ergab ein plausibel zusammenhängendes Gesamtbild.

Bloß  wurde- kommen wir nun zum Thema des Multiple Choice – in unserer doch recht harten Klausur (Rechtfertigungslegende ;)) nun sehr viel Wert auf den exakten Wortlaut gelegt, weniger auf Zusammenhänge. Natürlich lernt man den auch, bei ca. 300 Folien hat man aber natürlich auch „Mut zur Lücke“, wie unser Professor uns sogar noch riet. War wohl Mut zur falschen Lücke.

Transferleistungen mussten zwar durchaus erbracht werden, doch viele Fragen erschöpften sich in doch sehr unorigellen Antworten wie „Ja“ , „Nein“, „Vielleicht“, „Beides“, „Keines“ und so weiter.

Ein Problem bei MC-Fragen ist auch die mangelhafte Einschätzbarkeit. Ich war mir ziemlich sicher, dass bei aller Schwierigkeit die Klausur gut gelaufen ist, wurde aber enttäuscht und warte nun gespannt auf die Klausureinsicht.

Aber das ist eben so: vielleicht übersieht man eine Verneinung, vielleicht – besonders fies – ist eine Antwort eigentlich richtig, aber eine andere ist noch richtiger (ja, sowas gibts), vielleicht hat man das richtige Konzept getroffen , aber den falschen Autor bzw. die falsche Jahreszahl (= alles falsch), vielleicht verwechselt man tendenziös vertauschte Wörter in Schachtelsätzen.

Man kann nicht sagen, die Aufgabensteller hätten sich keine Gedanken gemacht. Aber man kann sagen, dass sie schnell und effektiv diese Klausurenlast von sich haben wollten und deshalb wohl auf diese Form einer MC-Klausur zurückgegriffen haben (falls unklar: 45 Fragen, je 4 Antworten, je eine richtig). Löblicher ist da doch der Aufwand einer  Textklausur in der kommenden Woche.

Um mich nochmals zu zitieren:

Nicht die Wissensanwendung wird hier abgefragt, sondern die Wissensspeicherung. In Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten, das die Universität eigentlich vermitteln soll, ist das kontraproduktiv, passt aber in eine Zeit, wo die Universitäten bessere Fachhochschulen mit dem reinen Ziel der Berufsvorbereitung werden, das sie aber nicht erfüllen können.

Die Verwertungslehre nimmt nun auch an den Universitäten schon überhand – das ist ein ganz anderes Thema! Es läuft aber darauf hinaus, stumpf seinen Abschluss zu bekommen, um dann als Zahnrad  im Getriebe der so nach „Fachkräften“ lechzenden Wirtschaft unterzukommen. Fachkräfte brauchen zu ihrer Legitimation natürlich einen formalen Fachabschluss. Und in einer Gesellschaft, wo das Abitur so inflationär vergeben wird wie der Dozent meiner bisher einzigen Nicht-MC-Klausur Einsen (Öffentliches Recht!)vergibt, muss eben nun bereits ein Universitätsabschluss herhalten. Hochschulen werden auf Effizienz getrimmt, der viel beschworene Blick über den Tellerrand wird Mittel zum Zweck. Freiräume werden systematisch entzogen (Beispiel: die vollkommene Schließung der Uni ab 22 Uhr), obwohl die Uni als von Steuergeldern finanzierte Einrichtung der Öffentlichkeit frei zugänglich sein sollte und nicht wie eine Privatuni von ihrem legitimen Recht auf beliebigen Umgang mit ihrem Privateigentum Gebrauch  machen darf. Klar, dass in solch einer Umgebung Bildung uminterpretiert wird. Nicht mehr die ewige Suche nach Erkenntnis und das tiefe Eintauchen in alle Aspekte eines Faches steht im Vordergrund, sondern der schnelle Abschluss (was keinesfalls verwerflich ist) ohne Lerneffekt, bei dem man die Massen über den Arbeitsaufwand klagender Bachelor-Studenten durch Klausuren im Format eines Multiple-Choice zum Bulimie-Lernen zwingt, sodass es quasi so aussieht, als ob sie etwas lernen würden – sie verbringen ja schließlich massig Zeit mit ihrem Studium. Nachhaltig ist das sicherlich nicht – und die Effekte für unsere Gesellschaft werden existenzgefährdend. Bedauerlich, dass ich das noch erleben muss…

Konstanz ist von der Ökonomisierung der Bildung (hiermit ist die Verwertungsmaschinerie gemeint; privat(isierte)  Universitäten sind etwas ganz anderes und unterstützenswert)  nicht verschont, gleichwohl es mir dünkt, dass es uns hier noch vergleichsweise sehr gut geht. Nur hinsichtlich der Klausuren vielleicht nicht so, welche aber auch nur das Problem der ersten 3 Semester (Grundstudium) sind. Insbesondere, weil man hier keine bestandenen Prüfungen zwecks Notenverbesserung wiederholen darf.              MC hat aber dann doch noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: man kann sich recht sicher sein, dass man nicht der Willkür seines Dozenten ausgeliefert ist.

Letztlich kann ich aber eigentlich auch  ganz zufrieden sein: ohne jeglichen Besuch eines Tutorats, mit Fehlen bei der Hälfte der Vorlesungen und anderweitiger Beschäftigung in der anderen Hälfte der Vorlesungen, mit Nicht-Lesen der Literatur , Nicht-Mitschreiben der Vorlesungen  und eher verhaltenen Lernen kann ich – um es auch noch zu verraten – mit einer überdurchschnittlichen 2,3 eigentlich noch ganz zufrieden sein und bin es nach dem ersten auf den Boden der Tatsachen zurückholenden Schock mittlerweile auch. Statt zu positiv zu attribuieren, sollte man das ganze realistisch betrachten, und statt sich zu versteifen, wie ein Kommilitone auf den Grundtenor der abgrundtiefen Frustration  meinte, lieber das „schöne Wetter“ geniessen. Man studiert schließlich nicht für andere, die nur auf den Abschluss achten mögen, sondern für sich selbst! Für viele vielleicht eine Utopie, für mich die Essenz. Da mag es morgen mit einer MC-Klausur weitergehen – doch zum Glück darf man auch noch forschen und schreiben im Rahmen einer Hausarbeit…

Um mit dem Worten des Soziologen Georg Simmel abzuschliessen:

Bildung „ist weder das bloße Haben von Wissensinhalten, noch das bloße Sein als eine inhaltslose Verfassung der Seele. Gebildet ist vielmehr derjenige, dessen objektives Wissen eingegangen ist in die Lebendigkeit seiner subjektiven Entwicklung und Existenz, und dessen geistige Energie andererseits mit einem möglichst weiten und immer wachsenden Umfang von an sich wertvollen Inhalten erfüllt ist“

Werbeanzeigen

Nachbetrachtung der OB-Wahl & Ausblick

Das Ergebnis steht fest: Konstanz hat einen neuen Oberbürgermeister!

In diesem Satz verbirgt sich schon das Ergebnis: eine einer Figur aus Harry Potter anmutenden Dame und eine GrünIn sind Konstanz erspart geblieben.

Die grüne Hegemonie in Konstanz wurde durch den schwarz-(CDU)-gelb (FDP)-blau (Freie Wähler) teilunterstützten Uli Burchardt gebrochen, der jedoch auch grün (Nachhaltigkeitsstreben) und rot („attac“-Mitgliedschaft“ ) in sich vereint. Statt grüner Monotonie also nun ein buntes Konstanz?

Uli Burchardt war mein Favorit, ehe ihm die „attac“-Geschichte dazwischenfunkte. Erstens verstehe ich nicht, wie ein pro-marktwirtschaftlicher Kandidat, der Burchardt nach anderen Aussagen ist, solch Ziele wie „attac“ sie teilweise verfolgt, teilt, zweitens hat er mich damit enttäuscht, dass sein Engagement dort nur vorgetäuscht war.

Er hat deshalb nicht meine Stimme bekommen – mit ihm leben kann ich nun trotzdem gut. Konstanz ist von Bürokraten verschont geblieben und hat genau bekommen, was es braucht: einen tatkräftigen Unternehmer, dem zuzutrauen ist, die Konstanzer Wirtschaft anzukurbeln. Einen authentischen Oberbürgermeister, der Konstanz dienen und nicht an der Stadt verdienen möchte. Er trat einmal an – seinen Aussagen nach wäre es das einzige Mal geblieben – und gewann. Das hatte ein Forschungsteam meines Fachbereiches wohl schon vorausgesehen (Südkurier):

Burchardt gewinnt offenbar die frei gewordenen Stimmen der Bewerber, die nach dem ersten Jahrgang ausgestiegen sind. Das hatten Uni-Foscher übrigens vorab vermutet. Unterstützer von Reiser und Seeliger im Ratssaal wirken bestürzt.

Mit meiner Prognose lag ich gleichwohl ordentlich daneben. Mykola Neumann kann mit seinen 0,6% nicht zufrieden sein. Uli Burchardt mit seinen 39,1% Prozent aber eigentlich auch nicht. Das sind zwar 7,2% Stimmen mehr als Sabine Reiser (31,9%) und gar 11,5% mehr als Sabine Seeliger (27,6%), doch entspricht dieser Stimmenanteil bei einer absolut traurigen Wahlbeteiligung von  44,5% gerade einmal 10801 Stimmen.

Das heißt also, dass – auch die Nicht-Wahlberechtigten eingerechnet, gerade mal so ein Achtel (12,5% !!!) der Konstanzer Bürger ihren Oberbürgermeister demokratisch legitimiert haben.

Woran liegt diese Politikverdrossenheit? Ich weiß es nicht. Das Wetter war zwar ähnlich schlecht wie beim ersten Wahlgang, wo die Wahlbeteiligung nur minimal schlechter war, aber kann dies doch kein Grund sein. Ist es die Erschöpfung und Genervtheit nach langen Wochen Wahlkampf und die Abrechnung für die Konstanz verschmutzenden Plakate, die hoffentlich schnell abgehängt werden? Oder spielt der Oberbürgermeister – auch wegen seiner gar nicht so übermäßigen Macht – einfach keine Rolle?                                               Fragen, denen Konstanzer Politikwissenschaftler mal nachgehen sollten.

Es scheint also so, dass sich Uli Burchardt sein Vertrauen erst noch erarbeiten muss. Meines bekommt er erst mit einem Austritt aus „attac“ zurück.

Nachhaltigkeit ist unterstützenswert, insbesondere da Herr Burchardt auch die fiskalische und ökonomischen Aspekte von Nachhaltigkeit betont. Es bleibt nur zu hoffen, dass er auch auf sie besteht und keine überteuerten Prestige-Objekte mit auf den Weg bringt.

Doch wie Konstanz sich entwickeln wird, ist nicht vorauszusehen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Konstanz eine relativ gute Wahl getroffen hat und gratuliere Uli Burchardt nochmals sehr herzlich zu seinem Wahlsieg!

Nun kann ich mich beruhigt meinen Klausuren widmen, die morgen früh beginnen. Positiv attribuierte Zielvorstellung: Statistik „4 gewinnt“ und die restlichen 3 Klausuren insgesamt addiert  nicht schlechter. Ich bin gespannt – auch wie es ist, mal zu einer absolut mörderischen Zeit von 8 Uhr früh erstmals in diesem Semester in der Uni zu sein…

Erfolgreich, wie ich trotz wahren Wolkenbrüchen und überfluteten Tennisplätzen dieses Wochenende auch beim Schach-Tennis-Turnier in Baden-Baden war (16ter von 23 als auf 23 gesetzter^^), kann ja nichts mehr schief gehen. Bald jährt sich dann auch der Tag meiner Wiederankunft in Deutschland – Zeit also für einen kleinen philosophischen Rückblick.

Für den Blog heißt es jetzt erstmal eine Neuorientierung: diese Möchtegern-investigativen Artikel machen mir Spaß und werden punktuell fortgesetzt. Fragenkataloge sind schließlich schnell verschickt und haben auch relativ hohes Erfolgspotential. Über Themenvorschläge würde ich mich gleichwohl freuen. Genauso über eine gleichbleibende oder gar steigende Besucherzahl, die hoffentlich nicht nur den OB- und StuPa-Wahlen geschuldet war!

 

 

 

Was so los war…

Es sei mal wieder ein Blogbeitrag zu schreiben, dachte ich mir. Worüber bloß? Über die „shikanöse“ Klausur (welch Wortspiel sich da jemand hat einfalllen lassen) heute, die ich mit einer frequentistischen Wahrscheinlichkeit von 99% nicht bestehen werde? Da der Blog ja öffentlich ist, möchten wir das nicht auf die Spitze treiben 😉 (zu den Klausuren äußere ich mich noch am Wochenende, wenn alle vorbei sind – anzumerken ist aber, dass der Fachbereich wohl ordentlich aussortieren möchte :P)

Familiärer Besuch half mir immer, schnell darüber hinwegzukommen. Im Kino sahen wir den Film „Hugo Cabret“ (sehr empfehlenswert – auch wenn es wie ein Kinderfilm anmuten mag, ist er durchaus anspruchsvoll) und labten uns danach bei gut Speis und Trank in Konstanz Gastronomieszene, für die abgesehen von Dönerbuden und asiatischen Garküchen mein Geldbeutel sonst zu schmal ist.

Am Wochenende war ja das Südbadentreffen der Piratenpartei. Freitag hin, mit von mir aus unverschuldeter zweistündiger Unpünktlichkeit (man kann auch sagen, manch anderer Pirat hat kein Zeitgefühl) und sich dann im Schneegestöber im tiefsten Schwarzwald mehrmals verirrt, unter anderen über kleine Feldwege gefahren (und schön gedriftet), sich in einer Baustelle wiedergefunden (gesperrter Straßenabschnitt) und kurz vor einem Ziel auf einen Bauernhof gelandet (der Navi führt falsch), wo der Wachhund mein Auto attackierte. Richtiges Abenteuerfeeling quasi – da werden Erinnerungen an Neuseeland wach. Die engen Kurven und Steigungen des Schwarzwaldes (jetzt war ich auch mal da) taten ihr übriges, dass ich mich so richtig wieder sehne, auf Entdeckungstour durch Aotearoa zu gehen.

Sonst möchte ich nicht allzu viel vom Südbadentreffen berichten, dass in einer kleinen Hütte in der Nähe vom Örtchen Oppenau stattfand. Es gab Diskussionen,  ein paar spannende Vorträge (genauer gesagt 2, da ich am Samstag Nachmittag bereits wieder wegfuhr) – einmal über Softwarepatente, das andere ein Rhetorikkurs, wobei es weniger um Rhetorik im eigentlichen Sinne, als um generelle Kommunikation ging – wie verhält man sich am Infostand usw…
Die Vorträge werden auch auf den Seiten des Bezirksverbands Freiburg veröffentlicht, da könnte sich reinhören durchaus mal lohnen (wurde ja alles schön aufgenommen!)

Mein Auto sprang natürlich dann auch nicht an (Batterie leer), mein Handy hatte ich verloren (fand sich dann letztlich im Bettlaken wieder), bin mies im Schnee ausgerutscht – es war also kein wahnsinnig toller, aber wenigstens erfolgreicher ( Tag, der noch durch einen magischen Sonnenuntergang über den Schwarzwaldhügeln abgerundet wurde, den ich aus dem Auto bei der Rückfahrt beobachten durfte (nachdem ich freundlicherweise immerhin Starthilfe bekommen hatte). Der Navi führte mich bloß natürlich wieder falsch – statt in Rottweil auf die Autobahn nach Konstanz zu kommen kam ich 50m nördlich in Horb am Neckar raus. Wenn das so weiter geht, kenne ich bald ganz Baden-Württemberg 😉

Aber genug für heute. Die Klausur heute vergeßend muss ich mich auf die nächste Klausur (Personal&Organisation) am Mittwoch vorbereiten – und wollte den Rest der Nacht dazu nutzen, mit dem Lernen mal wenigstens anzufangen. Aber wie ich schon immer wusste und heute wieder gesehen habe: je mehr ich lerne, desto schlechter bin ich. Schätzungsweise. Vielleicht habe ich ja auch alles richtig erraten 😉

Ein japanischer Bonus

„Bei bisherigen Fragen können Sie maximal 100 Punkte erhalten. Wie hoch schätzen Sie
Ihre gesammelte Punktzahl ein? Bitte geben Sie Ihre Einschätzung ab. Falls die Differenz
zwischen Ihrer Einschätzung und den tatsächlich gesammelten Punkten gleich oder kleiner
als 5 beträgt, erhalten Sie noch als Bonus zusätzlich 5 Punkte.“

 

Dieses befremdliche Konstrukt schlug mir entgegen, als ich eben die 3 Jahre alte Methoden-Klausur überflog. Überflogen deshalb, weil ich erstmal nicht viel verstanden habe und Themen abgefragt wurden, für die ich noch nicht gelernt habe. Das Lustige daran ist, dass ich mir danach auch die Nachholklausur aus jenem Jahr angeschaut habe, die alle schreiben mussten, die die erste nicht bestanden hatten (das waren wohl einige). Lustig deshalb, weil ich auf Anhieb im Kopf fast alles lösen konnte. Wenn ich wüsste, dass es bei uns dieses Jahr auch so ungefähr werden würde, würde ich die erste Methodenklausur absichtlich verhauen, um in der Nachholklausur ordentlich zu punkten. Man kann nämlich bei uns (leider)  nicht etwa eine bestandene Klausur nochmals schreiben, um seine Note zu verbessern. Ein weiteres Problem: besteht man die Nachholklausur auch nicht, ist man weg vom Fenster (Exmatrikulation) und dürfte Probleme haben, jemals wieder in Deutschland Politikwissenschaften zu studieren.

Jenes Konstrukt da oben war auch nur in der ersten Klausur aufzufinden – mal schauen, ob es bei uns auch sowas geben wird. Finde ich eigentlich ganz nett: wenn ich weiß, es könnte knapp werden, gebe ich 50 Punkte an und kann mir dann 45 leisten, ohne durchzufallen. Natürlich kann man das ganze auch sonst ganz gut abschätzen, weil die zu gebenden Punkte ja bei den jeweiligen Fragen ersichtlich sind. Und 5 Punkte sollte man nicht unterschätzen, das macht einen ganzen Notensprung aus, den ich gut nutzen könnte. In Methoden lautet das Ziel im Gegensatz zu den anderen Klausuren nämlich einfach nur: bestehen!

Habt Ihr auch sowas schonmal gesehen – kam mir leicht spanisch japanisch vor 😉 ?

Die Qual der Wahl

Als Student kann man vieles wählen: verschiedenste Gerichte in der Mensa, die Art des Fortbewegungsmittels zur Uni, den Sitzpartner in den Vorlesungen (sofern man nicht zu spät kommt) und noch viel mehr. Früher konnte man sich sogar noch die Kurse weitgehend selbst auussuchen, die man besuchte, – eine Errungenschaft, die dem Fortschritt – der  Bologna-Reform – weitgehend zum Opfer fiel.

Heute hat man nicht mehr die Qual der Wahl zwischen den Kursen, die Kurse sind meist eine Qual und weniger eine Wahl. Das zeigen insbesondere auch die Abschlussklausuren am Ende eines jeden Kurses. Bei der Qual des Lösens derjenigen hat man auch wieder eine Wahl: nämlich verschiedene Antwortmöglichkeiten.

Richtig gehört: es gibt eine Frage und es gibt Antwortmöglichkeiten. Multiple Choice nennt man das – oder die „Qual der Wahl“. Wer  jetzt  „Wer wird Millionär“ statt Universität assoziiert, dem sei verziehen. Tatsächlich würde man an einer so hohen Bildungseinrichtung wie einer Universität nicht erwarten, dass die gesamte geistige Essenz eines Studiums in stumpfen Klausuren in Multiple-Choice-Form abgefragt wird. Die Universität diene der Wissenschaft möchte man meinen. Da könne es ja nicht angehen, sich mit solch banalen Methoden zur Überprüfung des studentischen Wissens abzugeben.

Doch genau das tut man! Seminare – die Selbsterarbeitung des Stoffes in der Gruppe und mit der Prüfungsform der Hausarbeit, einer selbstständigen intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Thema – verschwinden zusehends aus den Curricula. In Konstanz gibt es noch Hoffnung: so kann man bereits im ersten Semester ein Seminar belegen, was die wenigsten jedoch tun. Sie haben lieber in Klausuren die Qual der Wahl – für diese reichen ja auch stumpf ins Gehirn geprügelte Wissen, dass man danach eh wieder vergisst, weitgehend aus. Folien werden auswendig gelernt, Lektüre exzerpiert, die Klausur geschrieben und (hoffentlich) bestanden – und schwupps vergisst man alles, weil es im nächsten Semester ja  wieder von vorne losgeht.

Man kann es den Dozenten jedoch nicht verdenken, wenn ihnen ausnahmsweise nicht die Qual der Wahl gegeben ist, wie sie ihre Studierenden prüfen wollen. Bei 200 Studierenden wäre es utopisch anzunehmen, sie hätten neben ihrer Lehrverpflichtung und Forschung noch die Zeit, viele Seiten beschriebenes Papier, mal leserlich, mal weniger, durchzulesen und zu bewerten. Da stellt man doch lieber ein paar fiese Fragen, gibt noch fiesere Antwortmöglichkeiten und korrigiert das ganze später im Minutentakt mit einer vorgefertigten Schablone.

Das Multiple-Choice-Fragen ganz schön fies sein können, erfuhr ich gestern im Tutorat:  mal schauen Antwortmöglichkeiten richtig aus, sind es aber nicht wegen kleiner Veränderungen (einen „nordrhein-westfälischen Frieden“ gab es nämlich nie – nur „westfälischer Frieden“ wäre hingegen richtig gewesen). Oder auf die Fragestellung treffen theoretisch mehrere Antworten zu – nur eine ist aber richtig – nämlich die, die mehr richtig ist als die anderen, die sozusagen Max Webers Idealtypus am nächsten kommt. Das kann manchmal ganz schön verwirren!

Dabei ist das Multiple-Choice-Format mit einer Frage und vier Antwortmöglichkeiten, von denen eine richtig ist,  noch die harmloseste Variante. Ich werde mich auch mit 5 Antwortmöglichkeiten, von denen mehrere richtig sind, herumschlagen müssen. Damit nicht genug – hier gibt es für jede falsche Antwort auch noch Minuspunkte. Andere Prüfer kommen hingegen auf die Idee statt Multiple-Choice mit Lückentexten zu prüfen – das genaue gelernte Wort muss in der Lücke stehen – sonst gibt es keine Punkte.

So oder so ähnlich werden die Klausuren sein, die auf mich zukommen. Hört sich einfach an, ist aber schwieriger. Nicht die Wissensanwendung wird hier abgefragt, sondern die Wissensspeicherung. In Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten, das die Universität eigentlich vermitteln soll, ist das kontraproduktiv, passt aber in eine Zeit, wo die Universitäten bessere Fachhochschulen mit dem reinen Ziel der Berufsvorbereitung werden, das sie aber nicht erfüllen können. Ich bin jedenfalls gespannt, wie ich mit Multiple-Choice klarkommen werde – nach intensiver gedanklicher Auseinandersetzung in den Klausuren der Oberstufe darf ich nun auswendig lernen und zumindest in der Klausur andere Antworten auch nicht hinterfragen und das argumentativ durchaus überzeugend begründen, wenn ich mir nicht die Note verderben will. Schade eigentlich – von der Schule zurück in den Kindergarten…

Abschließend sei noch gesagt, dass Multiple-Choice auch durchaus Vorteile haben kann: man erfährt nicht nur schneller sein Ergebnis, sondern ist auch vor Willkür des Korrektors geschützt. Gerade letzteres ist nach den Erlebnissen der Schulzeit als  ein nicht zu unterschätzender  Vorteil zu sehen.