Multiple Choice reconsidered

Über die Tücken des universitären Prüfungssystems hatte ich bereits im letzten Semester einen Artikel verfasst: https://konstranzparency.wordpress.com/2011/11/01/die-qual-der-wahl/

Aus aktuellem Anlass möchte ich dies nun fortführen, nachdem ich gerade erstmalig in diesem Semester beim Lernen in der Bibliothek mein Gewissen beruhigt und die latente Demotivierung besiegt habe.

Heute schrieb ich bekanntlich eine Klausur – und bekam sie bereits nach 5 Stunden zurück. Scheint bei 235 Prüflingen eine Meisterleistung zu sein, die man fast nur mit Würfeln hinbekommen könnte. Zum Glück der Professoren und Leidwesen der Studierenden gibt es jedoch noch eine andere Möglichkeit: Multiple Choice – die Qual der Wahl.

Im Rückblick auf oben genannten Artikel kann ich die dort gemachten Aussagen nach meinen jetzigen Erfahrungen nur bestätigen. Ich schrieb:

Folien werden auswendig gelernt, Lektüre exzerpiert, die Klausur geschrieben und (hoffentlich) bestanden – und schwupps vergisst man alles, weil es im nächsten Semester ja  wieder von vorne losgeht.

Das ist tatsächlich so. Zusammenhänge merkt man sich noch ganz gut, aber an den konkreten Wortlaut irgendeiner Folie erinner ich mich in keinem Fach mehr, obwohl ich das doch alles so schön auswendig gelernt hatte.

Bisher hat meine hocheffektive Lernmethode – das ständige Wiederholen und blind ein paar Mal vor sich hermurmeln von rein digitalen Folien- bestens geklappt und viel Papier, Druckertinte und Zeit gespart.

Eigentlich war ich mir sicher, dass es auch bei der heutigen Klausur geklappt hätte. Der Lernstoff quoll mir schon förmlich aus den Ohren – eigentlich ein Zeichen des Könnens – und alles ergab ein plausibel zusammenhängendes Gesamtbild.

Bloß  wurde- kommen wir nun zum Thema des Multiple Choice – in unserer doch recht harten Klausur (Rechtfertigungslegende ;)) nun sehr viel Wert auf den exakten Wortlaut gelegt, weniger auf Zusammenhänge. Natürlich lernt man den auch, bei ca. 300 Folien hat man aber natürlich auch „Mut zur Lücke“, wie unser Professor uns sogar noch riet. War wohl Mut zur falschen Lücke.

Transferleistungen mussten zwar durchaus erbracht werden, doch viele Fragen erschöpften sich in doch sehr unorigellen Antworten wie „Ja“ , „Nein“, „Vielleicht“, „Beides“, „Keines“ und so weiter.

Ein Problem bei MC-Fragen ist auch die mangelhafte Einschätzbarkeit. Ich war mir ziemlich sicher, dass bei aller Schwierigkeit die Klausur gut gelaufen ist, wurde aber enttäuscht und warte nun gespannt auf die Klausureinsicht.

Aber das ist eben so: vielleicht übersieht man eine Verneinung, vielleicht – besonders fies – ist eine Antwort eigentlich richtig, aber eine andere ist noch richtiger (ja, sowas gibts), vielleicht hat man das richtige Konzept getroffen , aber den falschen Autor bzw. die falsche Jahreszahl (= alles falsch), vielleicht verwechselt man tendenziös vertauschte Wörter in Schachtelsätzen.

Man kann nicht sagen, die Aufgabensteller hätten sich keine Gedanken gemacht. Aber man kann sagen, dass sie schnell und effektiv diese Klausurenlast von sich haben wollten und deshalb wohl auf diese Form einer MC-Klausur zurückgegriffen haben (falls unklar: 45 Fragen, je 4 Antworten, je eine richtig). Löblicher ist da doch der Aufwand einer  Textklausur in der kommenden Woche.

Um mich nochmals zu zitieren:

Nicht die Wissensanwendung wird hier abgefragt, sondern die Wissensspeicherung. In Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten, das die Universität eigentlich vermitteln soll, ist das kontraproduktiv, passt aber in eine Zeit, wo die Universitäten bessere Fachhochschulen mit dem reinen Ziel der Berufsvorbereitung werden, das sie aber nicht erfüllen können.

Die Verwertungslehre nimmt nun auch an den Universitäten schon überhand – das ist ein ganz anderes Thema! Es läuft aber darauf hinaus, stumpf seinen Abschluss zu bekommen, um dann als Zahnrad  im Getriebe der so nach „Fachkräften“ lechzenden Wirtschaft unterzukommen. Fachkräfte brauchen zu ihrer Legitimation natürlich einen formalen Fachabschluss. Und in einer Gesellschaft, wo das Abitur so inflationär vergeben wird wie der Dozent meiner bisher einzigen Nicht-MC-Klausur Einsen (Öffentliches Recht!)vergibt, muss eben nun bereits ein Universitätsabschluss herhalten. Hochschulen werden auf Effizienz getrimmt, der viel beschworene Blick über den Tellerrand wird Mittel zum Zweck. Freiräume werden systematisch entzogen (Beispiel: die vollkommene Schließung der Uni ab 22 Uhr), obwohl die Uni als von Steuergeldern finanzierte Einrichtung der Öffentlichkeit frei zugänglich sein sollte und nicht wie eine Privatuni von ihrem legitimen Recht auf beliebigen Umgang mit ihrem Privateigentum Gebrauch  machen darf. Klar, dass in solch einer Umgebung Bildung uminterpretiert wird. Nicht mehr die ewige Suche nach Erkenntnis und das tiefe Eintauchen in alle Aspekte eines Faches steht im Vordergrund, sondern der schnelle Abschluss (was keinesfalls verwerflich ist) ohne Lerneffekt, bei dem man die Massen über den Arbeitsaufwand klagender Bachelor-Studenten durch Klausuren im Format eines Multiple-Choice zum Bulimie-Lernen zwingt, sodass es quasi so aussieht, als ob sie etwas lernen würden – sie verbringen ja schließlich massig Zeit mit ihrem Studium. Nachhaltig ist das sicherlich nicht – und die Effekte für unsere Gesellschaft werden existenzgefährdend. Bedauerlich, dass ich das noch erleben muss…

Konstanz ist von der Ökonomisierung der Bildung (hiermit ist die Verwertungsmaschinerie gemeint; privat(isierte)  Universitäten sind etwas ganz anderes und unterstützenswert)  nicht verschont, gleichwohl es mir dünkt, dass es uns hier noch vergleichsweise sehr gut geht. Nur hinsichtlich der Klausuren vielleicht nicht so, welche aber auch nur das Problem der ersten 3 Semester (Grundstudium) sind. Insbesondere, weil man hier keine bestandenen Prüfungen zwecks Notenverbesserung wiederholen darf.              MC hat aber dann doch noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: man kann sich recht sicher sein, dass man nicht der Willkür seines Dozenten ausgeliefert ist.

Letztlich kann ich aber eigentlich auch  ganz zufrieden sein: ohne jeglichen Besuch eines Tutorats, mit Fehlen bei der Hälfte der Vorlesungen und anderweitiger Beschäftigung in der anderen Hälfte der Vorlesungen, mit Nicht-Lesen der Literatur , Nicht-Mitschreiben der Vorlesungen  und eher verhaltenen Lernen kann ich – um es auch noch zu verraten – mit einer überdurchschnittlichen 2,3 eigentlich noch ganz zufrieden sein und bin es nach dem ersten auf den Boden der Tatsachen zurückholenden Schock mittlerweile auch. Statt zu positiv zu attribuieren, sollte man das ganze realistisch betrachten, und statt sich zu versteifen, wie ein Kommilitone auf den Grundtenor der abgrundtiefen Frustration  meinte, lieber das „schöne Wetter“ geniessen. Man studiert schließlich nicht für andere, die nur auf den Abschluss achten mögen, sondern für sich selbst! Für viele vielleicht eine Utopie, für mich die Essenz. Da mag es morgen mit einer MC-Klausur weitergehen – doch zum Glück darf man auch noch forschen und schreiben im Rahmen einer Hausarbeit…

Um mit dem Worten des Soziologen Georg Simmel abzuschliessen:

Bildung „ist weder das bloße Haben von Wissensinhalten, noch das bloße Sein als eine inhaltslose Verfassung der Seele. Gebildet ist vielmehr derjenige, dessen objektives Wissen eingegangen ist in die Lebendigkeit seiner subjektiven Entwicklung und Existenz, und dessen geistige Energie andererseits mit einem möglichst weiten und immer wachsenden Umfang von an sich wertvollen Inhalten erfüllt ist“

Aktuelles

Eigentlich wollte ich ja nichts mehr schreiben heute, mache das aber doch, da mich mein Kurzheimaturlaub über Pfingsten ab morgen wohl ein paar Tage vom Bloggen fernhält.

Daher mal kurz ganz post-privacy ein paar Dinge, die jetzt so anstehen in den nächsten 2 Wochen: heute war ich erstmals wieder beim Stammtisch der Piratenpartei. Mehr gibts dazu auch nicht zu sagen. Ich muss ja meine Stimme noch klug bei den Neuwahlen einsetzen und kann dann abspringen…

Im heutigen Vertiefungseminar zur Postdemokratie ging es unter anderen auch um Hayek: leider wurde er etwas verfälscht dargestellt bzw. viele wichtigen Aspekte nicht berücksichtigt. Aber 20 Minuten für ein Referat, das über die geringe Pflichtliteratur hinausgeht, wäre auch schon fast knapp bemessen.

Die nächsten 2 Wochen darf ich mir jetzt ein Thema für meine neue Hausarbeit ausdenken und ein Exposé erstellen: irgendetwas mit „Demokratiekritik“ schwebt mir vor. Allerdings bin auch noch mit einem Referat dran: die französischen Neomarxisten Jacques Ranciere und Chantal Mouffé. Nicht gerade begeisternd, aber mal ganz interessant.

Um zurück zum Hayek zu kommen: heute bekam ich die Zusage samt Stipendium für die von der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft veranstalteteten Sommerakademie „Woche der Freiheit“ (www.wochederfreiheit.org). Ich werde zu gegebener Zeit mal noch einen extra Artikel drüber schreiben: freue mich schon total drauf!

Ansonsten kann ich mich wahrlich nicht über Langeweile beschweren. Die Abende sind alle verplant und das wird die nächsten 2 Wochen auch noch so weitergehen. Höhepunkt sicher ist nächste Woche Mittwoch, wo sich Konstanzer Professoren, darunter unser werter japanischer Methoden- und Statistikprof und einer der Internationalen Beziehungen, sich als DJ die Ehre geben werden um bei der Konstanzer Professorennacht für ordentlich Stimmung zu sorgen. Wer mal ein kurzes Interview mit den beiden hören möchte: http://soundcloud.com/luke_scrapwalker/interview-prof-dr-shikano-prof (dnach weiß man, was so auf uns zukommt). Gleich am Tag danach, Donnerstag 31.5  von meiner Coaching-Studi-Initiative die „ROCK YOUR LIFE“-Sommerparty in der Kantine, für die ich jetzt mal by the way Werbung machen möchte. Kommt alle vorbei, es dient einem guten Zweck 😛

Ddann direkt am Wochenende meine zweite MUN (UN-Simulation), von Konstanzern für Konstanzer, im Kleinformat, aber auf Englisch. Wird sicher ganz spannend – mein Land ist Kamerun, Thema sind Menschenrechte. Über die in Stuttgart hatte ich ja noch garnicht berichtet – die war aber bis auf die Altersstruktur doch sehr gut und spaßig.

Dann sind wir auch schon im Juni: wie die Zeit vergeht. Nächste Woche steht schon die erste Probeklausur an, die richtigen Klausuren sind schon in knapp 6 Wochen ! Wird Zeit, mal was für die Uni zu tun. Dieses Semester lasse ich schon arg schleifen habe ich das Gefühl…

Das Semester geht jedenfalls schnell zu Ende, und der „legendäre“ Konstanzer Sommer lässt leider noch auf sich warten. Soviel zur aktuellen Lage – jetzt wünscht mir Glück für mein erstes Schachturnier seit 2 Jahren am Samstag in Lünen bei Dortmund, wo ich mir Hoffnungen auf ein Preisgeld machen kann 🙂

Abrechnung Part II: Fachbereich Politik- und Verwaltung

Servus,

soeben habe ich meine Hausarbeit verschickt. Schaun wir mal – ich hab zwar keinen roten Faden – also das wichtigste – sonst ist es aber ein Meisterwerk geworden, was ich zu gegebener Zeit hier publizieren werde.Eine Mikro- und Makroebene auf die Freiheit zu beziehen – wie innovativ von mir. Wahrscheinlich zu innovativ für den Konstanzer Fachbereich.

Über den möchte ich heute schreiben, ehe ich morgen 7 Stunden über die Autobahn nach Herford düse. Ich hatte ja meine Abrechnung mit der Uni bereits – jetzt muss es so langsam mal weitergehen: heute also der Fachbereich!

Erst einmal: ich bin sehr zufrieden. Politik- und Verwaltungswissenschaften ist hinsichtlich der Inhalte genau das Richtige für mich. Hinsichtlich der späteren Berufsfelder schätzungsweise eher weniger – ich weiß schon viel, was ich nicht mehr machen möchte  (anderes Thema). Man kann sich ja zum Glück recht breit bilden, sowohl in Politik als auch in BWL und weiteren verwandten Fächern.

Der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften hat ganze 16 Lehrstühle – das ist schon ganz ordentlich, zumal es garnicht so viele Studierende sind. 210 in meinem Jahrgang, nach diesen ersten Semester vermutlich ein paar weniger…

Der Fachbereich ist politisch – meiner Einschätzung nach – ziemlich grünrot. Wie mittlerweile auf Landesebene in der Regierung. Da passt die ganze Sozialpolitiks- und Wohlfahrtsstaatenforschung ja auch blendend rein in diesen politischen Bereich. Der Fachbereich ist vor allem führend in Policy-Analyse  und sowas – für Laien: Policy = Politikfeld. Eigentlich ganz positiv, da es mich sehr interessiert, die Schwerpunkte (Sozialpolitik eben) aber leider so garnicht.

Außerdem wird hier in Konstanz eben sehr viel Wert auf die Methodik und Statistik gelegt. Ich möchte mich nicht überlegen fühlen – aber was ich so höre, lernen wir hier deutlich mehr als an anderen Unis. Wobei man nie weiß, ob denn auch alles sogut vermittelt wurde, die Durchfallquoten in diesen Vorlesungen sind immer unnormal hoch. Ich hab immerhin bestanden 😉

Politische Theorie wird in Konstanz eher vernachlässigt. Einerseits schade, andererseits kann man sich das meiner Meinung sowieso viel besser im Selbststudium aneignen – man muss halt viel lesen. Diskussionen sind natürlich noch besser – wie z.B in den Seminaren möglich.

Für die muss man den Konstanzer Fachbereich echt loben. Bereits jetzt am Anfang sind die Teilnehmer auf maximal 15 begrenzt – also keine 80 Leute wie es an anderen Unis Gang und Gäbe zu sein scheint. Nicht nur das – im nächsten Semester – verwundert mich schon ein wenig – geben ein paar Professoren die Proseminare des Grundstudiums. Darunter ein Seminar, das sich mit Netzpolitik beschäftigt, vielleicht auch über die Piratenpartei: unglücklicherweise kann ich das nicht mehr belegen, weil ich mein Politikseminar bereits im ersten Semester jetzt hatte. Aber vielleicht freiwillig…

Was gibt es sonst noch zu sagen? Wir haben 2 großartige Studiengangsberater, die auch tatsächlich was von ihrer Sache verstehen (ist leider eher selten wie ich bei meiner Recherche letztes Jahr erleben durfte), ein paar andere nette Mitarbeiter am Fachbereich und öfter auch mal spannende Vorträge – Kolloqium nennt sich das. Da war ich im letzten Semester immer, um einen Einblick in aktuelle Forschungsfragen zu gewinnen – leider wird das nicht so angenommen wie es wünschenswert wäre, grade von jüngeren Semestern.

Was ich kritisieren möchte: unsere Prüfungsordnung ist vergleichsweise echt hart. Und die Klausuren zumindest dieses Jahr waren es gantz subjektiv auch. Wer zweimal nicht besteht – ist quasi weg vom Fenster und wird wahrscheinlich nirgendwo in Deutschland mehr Politik studieren dürfen. Sämtliche Noten zählen von Anfang an für die Endnote, wenn auch nicht sonderlich stark (meine Prüfungen zählen jetzt irgendwie 12%, und da ist schon was aus dem 3. Semester mit bei). Es gibt auch keine Wiederholungsmöglichkeiten von Prüfungen zwecks Notenverbesserung – mit meiner 3,7 in Methoden (damit lieg ich im Durchschnitt ;)) ziehe ich den Rest also schon rapide runter…

Trotzdem – ich bin erfolgreicher als noch in der Schule, das will schon was heißen. Im nächsten Semester werd ich – sofern mein Antrag bewilligt wird – auch Sachen aus dem 5. Semester schon besuchen. Der Fachbereich ist in dieser Hinsicht sehr flexibel und ganz kundenfreundlich 😉 Auslandskontakte sin exzellent (wär noch nen eigenen Artikel wert), gleiches gilt für Praktika – unser 4. Semester (in genau einem Jahr also schon) ist ja ein reines Praxissemester, wo der Fachbereich schon mit ein paar netten Institutionen kooperiert. Die sind zwar nicht unbedingt was für mich – mich zieht es eher zu Thinktanks in die USA – aber trotzdem ganz nett. Rennommiert ist der Fachbereich durchaus – noch ein I-Tüpfelchen auf dem Exzellenzstatus der Uni.

Ich fühle mich jedenfalls echt wohl hier am Fachbereich abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die ich hier nicht unbedingt ausführen möchte. Kann auch jedem nur empfehlen in Konstanz Politik zu studieren – Verwaltung braucht man in Form der Reifen, ohne die das Politik-Auto nicht fährt 😉

Naja, ist jetzt nicht der Artikel geworden, der es sein sollte, aber ich hab immerhin was geschrieben und zumindest ein wenig informiert.

Der nächste kommt dann bereits aus Herford!

 

 

 

 

 

Aktuelles

Es ist nachts. 2.22 Uhr, Warum also nicht einen Blogeintrag schreiben?

Den frühen Abend verbrachte ich mit meinem großen Idol Maggie Thatcher. Naja, Idol ist übertrieben. Sie war schließlich eine Konservative. Gesellschaftspolitisch leider auf der völlig falschen Seite. Wirtschaftlich hat sie immerhin ein paar gute Akzente gesetzt, auch wenn solch Sachen wie Kopfsteuern totaler Irrsinn sind. Da ist mir der Reagan doch deutlich lieber 😉

„Die eiserne Lady“ heisst der Film über sie – er zeigt vor allem eine von Demenz geplagte alte Dame, die sich an die Hochzeiten ihrer Karriere erinnert, gespielt von einer wirklich guten Meryll Streep, die durchaus zu Recht dafür kürzlich einen Oscar erhalten hat.

Aber Personenkult soll heute nicht das Thema sein. Auch nicht die Hausarbeit, die ich so grundsätzlich heute abgeschlossen habe. Ich war wirklich innovativ und habe mir überlegt, den negativen Freiheitsbegriff in eine Mikro- und Makro-Ebene zu differenzieren und dort Friedrich von Hayek und John Stuart Mill einzuordnen. Eigentlich wollte ich zeigen, dass der  negative Freiheitsbegriff Hayeks radikaler als der von Mill ist – hat auch ganz gut hingehauen. Vieles gefällt mir trotzdem nicht – zum Glück habe ich ja noch 4 Tage Zeit zur Überarbeitung – danach ist nicht nur Abgabeschluss, ich verlasse Konstanz auch gen Heimat – nach Herford!

Damit mir dort nicht langweilig wird, habe ich eben eine Liste für mich interessanter Bücher aufgestellt, denen ich mich in den Semesterferien widmen möchte. In letzter Zeit wurde mein Interesse in wirtschaftliche Themen immer mehr geweckt – da möchte ich mich also etwas bilden. Natürlich nicht so ein neoklassischer Mainstream – mit einer Ausnahme (ich brauche noch ne Idee was), ich möchte ja schauen, ob das Ganze seine Daseinsberechtigung hat – sondern Werke von Autoren, die in der Wissenschaft ein Schattendasein fristen müssen, obwohl sie die – meiner Ansicht nach, aus dem was ich aus Grundlagen mir bereits erarbeitet habe – die deutlich  besseren Ansätze haben. Diese gilt es nun zu vertiefen! Neben wirtschaftlichen Themen gehen manche Bücher denn auch eher in die politphilosophische Richtung – da hat mir die Hausarbeit noch nicht genug von gegeben. Aber seht selbst, in welch anarchokapitalistische und libertären Ideen ich mich bilden will. Auf Marx und den anderen Schmarrn habe ich vorerst keine Lust – das hatte ich im Proseminar und werde es im nächsten Semester in der Vorlesung „Staats- und Demokratietheorie“ wohl nochmal behandeln.

The machinery of freedom, David Friedman

Ethik der Freiheit, Murray Rothbard

Wettbewerb und Unternehmertum, Israel Kirzner

Anarchy, state and the utopia, Robert Nozick

Human Action, Ludwig von Mises

Economics – über Wirtschaft und Mißwirtschaft, Henry Hazlitt

Demokratie: der Gott, der keiner ist; Monarchie, Deomkratie und natürliche Ordnung, Hans-Hermann Hoppe

Fehlt mir noch so ein neoklassisches VWL-Studenten-Buch. Kann mir jemand eins empfehlen?

Dann habe ich auch reichlich zu tun in den nächsten Wochen – nebenbei muss ich ja auch noch Arbeitspapiere für die MUN-Konferenz verfassen, die ICJA-Teamerschulung machen, das Kommunalprogramm der Piratenpartei Konstanz auf die Beine stellen, mich auf einen Kurztrip nach Weimar bilden und auch einfach mal die Zeit in der Heimat mit allem drum und dran genießen 😉

Gute Nacht!

Produktivität und Prokrastination

Unglaublich, wie produktiv ein Tag noch verlaufen kann, wenn man bis 15 Uhr schläft. So produktiv, dass ich jetzt sogar zum Abchluss noch einen Blogartikel verfasse.

Das Gespenst der Prokrastination hat in den letzten Monaten ohnehin (zum Glück) merklich nachgelassen, in der ein oder anderen Hinsicht aber immer mal wieder zugeschlagen. So habe ich mir für meine Positionspapiere für die UN-Simulation MUNBW 2012 gebührend Zeit gelassen und die Frist bereits knapp 2 Wochen überschritten, ehe ich heute Abend mich mal eben dazu motivieren konnte, alle 3 zu schreiben. Themen waren: Privatisierung der Kriegsführung, Herabsetzung der Einsatzbereitschaft von Kernwaffen und der Einsatz moderner Waffensysteme wie unbemannte Drohnen, Streubomben und Landminen. Alles aus der Sicht Chinas, denn ich werde mich zum Chinesen verwandeln und das Reich der Mitte im Hauptausschuss 1, dem Ausschuss für Abrüstung und internationale Sicherheit, vertreten. Bis dahin vergehen aber noch 2 Monate, ebenso muss ich noch 2 Arbeitspapiere erarbeiten, die etwa komplexer sein müssen und als Vorbereitung auf eine eventuelle Resolution dienen könnten.

Jetzt ist – wäre da nicht mein Umzug am Donnerstag – mein Kopf quasi völlig frei und ich kann mich auf die Hausarbeit konzentrieren. Im Gespräch mit meinem Betreuer habe ich das Ganze nun merklich eingegrenzt, eine gute Gliederung erstellt und werde jetzt morgen so richtig damit anfangen. Grob gesagt mache ich eine polit-theoretische Untersuchung über den Freiheitsbegrif und damit  verbunden die Menschenbilder und ähnliche Aspekte vergleichend bei J.S. Mill und F.A. von Hayek, die dem ein oder anderen sicher ein Begriff sein dürften. Die Bibliothek freut sich sicher, mich mal zu sehen.

Das war natürlich längst nicht alles – ich habe mir unter anderem schon mal mein neues Heim angeschaut, eingekauft, mich über den Konstanzer Hühnerhaufen der Piratenpartei geärgert, einen wahnsinnig tollen Sonnenuntergang über Konstanz erlebt (siehe unten) und seit meinem Einzug auf der Fensterbank stehende leere Bierflaschen und anderen Müll entsorgt 😉

In gewissen Hinsicht besteht also doch Prokrastination. Gerade in der Hausarbeit, (hoffentlich) nicht (auch) für die Hausarbeit!

Die Qual der Wahl

Als Student kann man vieles wählen: verschiedenste Gerichte in der Mensa, die Art des Fortbewegungsmittels zur Uni, den Sitzpartner in den Vorlesungen (sofern man nicht zu spät kommt) und noch viel mehr. Früher konnte man sich sogar noch die Kurse weitgehend selbst auussuchen, die man besuchte, – eine Errungenschaft, die dem Fortschritt – der  Bologna-Reform – weitgehend zum Opfer fiel.

Heute hat man nicht mehr die Qual der Wahl zwischen den Kursen, die Kurse sind meist eine Qual und weniger eine Wahl. Das zeigen insbesondere auch die Abschlussklausuren am Ende eines jeden Kurses. Bei der Qual des Lösens derjenigen hat man auch wieder eine Wahl: nämlich verschiedene Antwortmöglichkeiten.

Richtig gehört: es gibt eine Frage und es gibt Antwortmöglichkeiten. Multiple Choice nennt man das – oder die „Qual der Wahl“. Wer  jetzt  „Wer wird Millionär“ statt Universität assoziiert, dem sei verziehen. Tatsächlich würde man an einer so hohen Bildungseinrichtung wie einer Universität nicht erwarten, dass die gesamte geistige Essenz eines Studiums in stumpfen Klausuren in Multiple-Choice-Form abgefragt wird. Die Universität diene der Wissenschaft möchte man meinen. Da könne es ja nicht angehen, sich mit solch banalen Methoden zur Überprüfung des studentischen Wissens abzugeben.

Doch genau das tut man! Seminare – die Selbsterarbeitung des Stoffes in der Gruppe und mit der Prüfungsform der Hausarbeit, einer selbstständigen intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Thema – verschwinden zusehends aus den Curricula. In Konstanz gibt es noch Hoffnung: so kann man bereits im ersten Semester ein Seminar belegen, was die wenigsten jedoch tun. Sie haben lieber in Klausuren die Qual der Wahl – für diese reichen ja auch stumpf ins Gehirn geprügelte Wissen, dass man danach eh wieder vergisst, weitgehend aus. Folien werden auswendig gelernt, Lektüre exzerpiert, die Klausur geschrieben und (hoffentlich) bestanden – und schwupps vergisst man alles, weil es im nächsten Semester ja  wieder von vorne losgeht.

Man kann es den Dozenten jedoch nicht verdenken, wenn ihnen ausnahmsweise nicht die Qual der Wahl gegeben ist, wie sie ihre Studierenden prüfen wollen. Bei 200 Studierenden wäre es utopisch anzunehmen, sie hätten neben ihrer Lehrverpflichtung und Forschung noch die Zeit, viele Seiten beschriebenes Papier, mal leserlich, mal weniger, durchzulesen und zu bewerten. Da stellt man doch lieber ein paar fiese Fragen, gibt noch fiesere Antwortmöglichkeiten und korrigiert das ganze später im Minutentakt mit einer vorgefertigten Schablone.

Das Multiple-Choice-Fragen ganz schön fies sein können, erfuhr ich gestern im Tutorat:  mal schauen Antwortmöglichkeiten richtig aus, sind es aber nicht wegen kleiner Veränderungen (einen „nordrhein-westfälischen Frieden“ gab es nämlich nie – nur „westfälischer Frieden“ wäre hingegen richtig gewesen). Oder auf die Fragestellung treffen theoretisch mehrere Antworten zu – nur eine ist aber richtig – nämlich die, die mehr richtig ist als die anderen, die sozusagen Max Webers Idealtypus am nächsten kommt. Das kann manchmal ganz schön verwirren!

Dabei ist das Multiple-Choice-Format mit einer Frage und vier Antwortmöglichkeiten, von denen eine richtig ist,  noch die harmloseste Variante. Ich werde mich auch mit 5 Antwortmöglichkeiten, von denen mehrere richtig sind, herumschlagen müssen. Damit nicht genug – hier gibt es für jede falsche Antwort auch noch Minuspunkte. Andere Prüfer kommen hingegen auf die Idee statt Multiple-Choice mit Lückentexten zu prüfen – das genaue gelernte Wort muss in der Lücke stehen – sonst gibt es keine Punkte.

So oder so ähnlich werden die Klausuren sein, die auf mich zukommen. Hört sich einfach an, ist aber schwieriger. Nicht die Wissensanwendung wird hier abgefragt, sondern die Wissensspeicherung. In Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten, das die Universität eigentlich vermitteln soll, ist das kontraproduktiv, passt aber in eine Zeit, wo die Universitäten bessere Fachhochschulen mit dem reinen Ziel der Berufsvorbereitung werden, das sie aber nicht erfüllen können. Ich bin jedenfalls gespannt, wie ich mit Multiple-Choice klarkommen werde – nach intensiver gedanklicher Auseinandersetzung in den Klausuren der Oberstufe darf ich nun auswendig lernen und zumindest in der Klausur andere Antworten auch nicht hinterfragen und das argumentativ durchaus überzeugend begründen, wenn ich mir nicht die Note verderben will. Schade eigentlich – von der Schule zurück in den Kindergarten…

Abschließend sei noch gesagt, dass Multiple-Choice auch durchaus Vorteile haben kann: man erfährt nicht nur schneller sein Ergebnis, sondern ist auch vor Willkür des Korrektors geschützt. Gerade letzteres ist nach den Erlebnissen der Schulzeit als  ein nicht zu unterschätzender  Vorteil zu sehen.