3 Tage wach – GrünInnen beantworten Eure Fragen (oder auch eher nicht)

Den überaus spannenden heutigen Tag schloss ich in den vergangenen Stunden mit viel Spaß ab. Grund ist eine Aktion der Grünen Jugend, die jedes Mal vor diversen Wahlen – am Wochenende also in Niedersachsen – eine Veranstaltung names 3 Tage wach organisieren. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Lied von „Lützenkirchen“, sondern um die Möglichkeit Fragen an die GrünInnen zu stellen, die politisch korrekt gegendert grundsätzlich auch alle beantwortet werden. Dass keine Zensur stattfindet, ist also höchst lobenswert. Weniger jedoch, dass die Beantwortung der Fragen sich argumentativ auf sehr dünnem Eis bewegt wird und allzu oft nicht auf die Kernfrage eingegangen wird. An grüner Logik soll die Welt genesen! Nebenbei läuft übrigens ein Livestream, den ich mir die meiste Zeit nicht angehört – und geschaut habe. Nach den Erfahrungen der letzten Minuten muss das aber auch nicht sein. Das ist der Kindergarten der Piratenpartei deutlich interessanter. Eine gelungene Aktion trotzdem, die sich andere Parteien zu Herzen nehmen sollten.

Im Folgenden möchte ich einen Auszug an Fragen und Antworten präsentieren, die mir veröffentlichenswert scheinen. Einige Fragen habe ich gestellt, die meisten sind jedoch von der allgemeinen Öffentlichkeit gestellt und vom munter tippenden Team der GrünInnen, das ihre Frauenquote wohl selber nicht so ernst nimmt, beantwortet. Bis Sonntag könnt auch Ihr noch hier Eure Fragen stellen! Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich Begrüßungs- und Schlussformeln gestrichen.

Für Rassismus sind wohl auch Grüne empfänglich. Etwas mehr Sensibilisierung hätte ich mir bei ihnen erwartet. Nicht nur Röslers Herkunft, sondern auch die Benutzung des Spitznamens lassen unschöne Assoziationen aufkommen:

Hallo Grüni, das Dschungelcamp ist dann wohl doch eher etwas für Fipsi Rösler oder „I´m a Mac“Allister. Ab Sonntag werden sie dafür auch hoffentlich die Zeit haben! Mit besten Grüßen vom 3tw-Team

Weiter geht es mit dem Waffenrecht. Konsequent sind sie immerhin, die GrünInnen. Auch Autos töten schließlich Menschen. Oder waren es doch Menschen, die Autos fahren?

Werden die Grünen im Falle einer Regierungsbeteiligung auf die Einführung noch schärferer Kontrollen bei Waffenbesitzern hinwirken und hierfür Kontrollgebühren einführen? Ich benötige meine Jagdwaffe, um die unzähligen Rehe in meinem Wald zu dezimieren!

Ja Für die Kontrolle bei Waffenbesitzern muss selbstverständlich eine kostendeckende Gebühr erhoben werden. Warum sollen Nichtwaffenbesitzer für diese Kosten aufkommen? Die Hauptuntersuchung seines PKW muss jeder Autobesitzer auch selber zahlen

Angesprochen auf die Möglichkeit mit 3-D-Druckern Waffen selbst herzustellen heucheln die Grünen, nicht technologiefeindlich zu sein. Mit Sicherheit  Überwachung nehmen sie es ja ohnehin nicht so Ernst.

wir Grünen sind keine technologiefeindliche Partei – die Verbreitung von 3D-Druckern wird uns aber zweifellos vor ganz neue moralische Fragen stellen. Hier gilt es in den nächsten Jahren zwischen Sicherheit und Freiheitsrechten abzuwägen.

Die Aussage zum Homeschooling verstehe ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich die Staatserziehung nicht so annehme wie angedacht und sie hinterfrage.

Bildung ist eine gesellschaftliche Aufgabe und keine private! Die Äußerungen klingen ziemlich unglaubwürdig (darf meine Familie nicht sehen usw.), aber grundsätzlich halte ich eine elterliche Beschulung für einen Weg, der keine kritische Distanz zur eigenen Werte- und Normenorietierung und Sozialisation zulässt.

Bei Eigentumsrechten von Wirten in bezug auf das Rauchen tritt ein interessantes Konzept von Mündigkeit zutage. Offensichtlich sind Arbeitnehmer*(I)nnen für GrünInnen nicht mündig genug.

Das Problem hierbei ist nicht etwa die Frage, ob der Wirt und die Gäste das entscheiden können, sondern dass der Schutz der Arbeitnehmer_Innen gewährleisten muss und unserer Meinung nach soll, dass es mindestens einen rauchfreien Raum in der Kneipe gibt. Zudem darf es inhabergeführte Eckraucherkneipen geben, in denen es kein Essen gibt. Das ist doch eine Form der Mündigkeit.

Wer die GrünInnen noch als bürgerlich betrachtet, sollte wissen, dass die junge Generation eher wieder auf Trittins Maoismus abfährt:

Die Grüne Jugend Niedersachsen strebt die Überwindung des Kapitalismus an

Internationalistisch ist in dieser Hinsicht das Codewort. Wobei man hier in Baden-Württemberg wohl eher rechts der Mitte sagen muss.

Die Grünen sind eine Partei der linken Mitte bezogen auf Sozial- und Gesellschaftspolitik. Die von Ihnen vorgeschlagenen Kategorien passen dazu nur bedingt. Die Grünen sind auch eine internationalistische Partei.

Recht und Gesetz ist für sie trotzdem das höchste aller Gefühle. Weil Gesetze gelten, ist kein Funke Widerspruch möglich. Auch wenn in eigentlich elementare Rechte wie die Vertragsfreiheit massiv eingegriffen wird:

UnternehmerInnen dürfen grundsätzlich selbst entscheiden, mit wem sie arbeiten wollen, müssen diese Entscheidung aber diskriminierungsfrei treffen. Diskriminierungen verstoßen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie gegen das Deutsche Grundgesetz (GG). Da wir wir für die Einhaltung von Recht und Gesetz eintreten, lehnen wir Diskriminierungen auch durch UnternehmerInnen ab.

Im krassen Widerspruch steht dazu ihre Freiheitsdefinition. Die GrünInnen als reinste Hayekianer?

Freiheit ist für uns der Zustand, in dem alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten, solange sie keine Anderen damit schädigen.

Sie wollen auch keine Zeitungen retten, obwohl doch jeder zweite Journalist grün ist. Zum Glück gibt es ja das Internet – und entlarvt grüne Rhetorik als das, was es ist.

Meinungsfreiheit hat nicht notwendigerweise etwas mit einer möglichst großen Vielfalt an Zeitungen zu tun, wenngleich Zeitungen zweifellos eine wichtige Rolle spielen. Das Internet spielt jedoch längst eine ebenso große Rolle. Politische Parteien oder gar Regierungen können und sollten nicht den Versuch unternehmen, Zeitungen zu retten, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht (mehr) am Markt behaupten können. Das wäre nicht zuletzt der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit abträglich, denn der Einfluss der Politik auf die Medien würde sich erhöhen.

Wo sie allerdings keine Argumente liefern können, verzichten Sie darauf. Wie bei folgender, von mir durchaus ernst gemeinten Frage:

Habt ihr das Huhn auf eurem Plakat gefragt, ob es fotografiert werden darf? Oder haben Tiere keine Rechte? Denn wenn Tiere Rechte hätten, müsstet ihr ja konsequenterweise alle Tiere bestrafen, die die Rechte anderer Tiere verletzen. Plant ihr die Installation von solchen Strafgerichten für Raubtiere in Niedersachsen?

Immerhin wollen sie in Niedersachsen die Studiengebühren abschaffen. Hier in BaWü allerdings wollte man sie dann doch behalten. Die SPD kann hier ob ihrer Durchsetzung belobigt werden. Oder auch nicht. Rein subjektiv hat sich meine Studiensituation bereits verschlechtert.

Da es sich um ein Gesetzesverfahren handelt, wird es wohl bis 2014 dauern, Studiengebühren endgültig abzuschaffen. Ein Nachtragshaushalt wird die gesetzlich notwendigen Schritte nicht aufheben können.

Auch Cannabis wollen sie legalisieren. Gras ist schließlich grün. Und bei der Jugend lassen sich damit ordentlich Stimmen einfahren. Um die deutlichen Vorteile einer Legalisierung kann es ihnen schließlich nicht gehen. Dann müsste man auch ganz viel anderes legalisieren, was die GrünInnen sonst am liebsten verbieten.

wir sind uns bewußt, dass Cannabis als Droge natürlich nicht harmlos ist. Das ist für die Legalität jedoch irrelevant. Entscheidend ist, wie wir die Schäden für das Individuum und die Gesellschaft am besten minimieren können. Das Cannabisverbot schafft einen gefährlichen Schwarzmarkt, in dem Jugendschutz nicht möglich ist und die Droge mit gefährlichen Streckmitteln versetzt wird, während Kriminelle die Gewinne aus dem Drogenhandel behalten. Diese Probleme können wir mit einer Legalisierung lösen und eine ehrliche Prävention an Stelle der Bevormundung setzen. Eine Kausalrelation zwischen Cannabiskonsum und Psychosen wurde wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Das gemeinsame Auftreten von Konsum und Psychosen könnten auch ein Anzeichen für die „Selbstmedikation“ sein. Allerdings ist es richtig, dass vorhandene Psychosen durch Cannabiskonsum verstärkt werden können. Dieses Risiko besteht aber noch stärker auf einem Schwarzmarkt, da der Wirkstoffgehalt der Produkte nicht bekannt ist. Hier kann durch eine Legalisierung Transparenz geschaffen werden, die einen mündigen Konsum fördert. Außerdem müssen Menschen, die eine Therapie suchen, nicht mehr mit Strafverfolgung rechnen. Dadurch werden Präventionsangebote niedrigschwelliger.

Nichts gegen Beamte. Ich bin durch meinen Studiengang ja drauf und dran, selbst sowas zu werden . Beamte sind in einem Staat, gerade in einem minimalen Staat sehr wichtig. Wie man Ihnen Unabhängigkeit zusprechen kann, verstehe ich aber nicht ganz:

in vielen Bereichen der Verwaltung sind Beamte unabdingbar, aufgrund ihrer Unabhängigkeit. Viele Beamte arbeiten hart und sehr viel. Sicherlich gibt es auch hier einige schwarze Schafe, aber auf Beamte können wir nicht in allen Bereichen verzichten.

Schließen möchte Ich mit einer Antwort, die uns noch einmal die Essenz grünen Denkens vor Augen führt:

Gegenfrage von der Nanny: warum bist du noch wach?

Diese Frage stelle ich mir mittlerweile auch. Ich werde daher schließen und ermuntere jeden noch massig andere durchaus interessante Fragen und Antworten bei den GrünInnen aus Niedersachsen nachzulesen. Am besten ein paar Screenshots machen: Bündnis90/Die Grünen wird, wie wir es aus BaWü kennen, das Wenigste umsetzen, was sie versprechen. Ist auch gut so. Sonst werden sie gar noch in Zukunft wiedergewählt…

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Über Fleisch, Subventionen und zwei Typen von Vegetariern

Gestern abend vertrieb ich mir den Abend mit zwei interessanten Filmen auf youtube – das Filmportal, das für mich ansonsten noch nie einen besonderen Reiz hatte.

Der erste deckte die Verschwendung von Subventionen aus den Bürokratiebunkern Brüssels auf – ein wahrer Sumpf, den man mal trockenlegen müsste: http://www.youtube.com/watch?v=nQsUnopnDJQ

Zweiter Film beschäftigte mich aber mehr: Thema: industrielle Fleischproduktion


Vegetarier fühlen sich nach Anschauen dieses Films sicher sehr bestätigt – aber wird man als Fleischesser zum Vegetarier oder gar Veganer?
In meinen Fall zumindest kann ich das verneinen.

Natürlich sind die Bilder aus den Mastbetrieben und Schlachthöfen nicht so leicht zu verdauen wie ein zartes Lammfilet. Da sind Abertausende von Hühnern gedrängt in riesigen Hallen, die über den Aas ihrer diesen Bedingungen erlegenen Artgenossen trampeln (nicht gerade sehr hygienisch), ehe sie als mit Antibiotika vollgepumpte Chicken McNuggets kleine Kinder zusammen mit einem Spielzeug ihrer Wahl im Happy Meal glücklich machen. Da sind kleine süße Küken, die in industrieller Massentötung geschreddert oder vergast werden (http://www.youtube.com/watch?v=JJ–faib7to)

Da sind betäubte Schweine, die kopfüber an den Beinen aufgehängt durch die Schlachthalle transportiert werden, dabei aufwachen und wie wild herumzappeln. Da sind nicht so glückliche Rinder, die bei lebendigem Leibe verbluten, nachdem sie geschächtet wurden.

Es sind zweifellos krasse Bilder, die in einer Welt, wo Blutvergießen für Kindergartenkinder schon Standard ist, trotzdem nur wenige Menschen mit schwachen Nerven zuviel werden – wenn sie denn gesehen werden.

Wenn man Vegetarier fragt, was sie zu ihrer fleischlosen Ernährung getrieben hat, sind solche tierunwürdige Lebens- und Tötungsbedingungen eines der Hauptargumente. Dies isz zweifellos ein moralisches Argument mit der Grundfrage der Tierrechte, mit denen wir uns jetzt nicht näher beschäftigen wollen.

Viele Menschen wissen jedoch nicht von diesen Praktiken und machen sich auch gar keine Gedanken darüber, woher das Spiegelei in der Pfanne, das Hühnchen im Ofen oder das Steak auf dem Grill eigentlich stammen. In Schulen werden diese Themen nicht behandelt. Für die Politik ist denn bevormundender Verbraucherschutz auch angenehmer als Verbrauchereigenverantwortung. Warum nicht schon Grundschüler die Prozesse in einer Schlachterei näher bringen? Sorgt das für Traumata? Blut fliesst in der heutigen Medienwelt doch ohnehin genug – sichtbar für jeden 6-Jährigen.

Man sollte niemanden dem Fleischkonsum verbieten, ja nicht mal ansatzweise versuchen, ihn bevormundend einzuschränken, wie die Grüne Liste in Konstanz dies letztens mit der Forderung eines fleischlosen Tags in öffentlichen Einrichtungen (also auch der Uni-Mensa) tat. Abgesehen von Tierrechten mag Fleischkonsum zwar durchaus Auswirkungen auf die Gesundheit (ein für mich eher fragwürdiges Argument) und die Umwelt haben (in puncto Klimawandel sehr fraglich, in puncto Wassermangel teilweise gerechtfertigt), doch letztlich sollte Fleischkonsum eine individuelle Entscheidung bleiben, die jedoch durchaus kosten sollte.

Denn Fleisch ist heutzutage günstig wie nie – weil es, um den Bogen zum ersten Video zu schlagen, massiv subventioniert wird. Zirka die Hälfte des EU-Haushaltes wird für Agrarsubventionen verschwendet, die insbesondere Ländern der Dritten Welt massiv schaden.  Eine erste Abschaffung der Subventionen würde den Fleischkonsum wohl bereits etwas einschränken. Mehr als ein Sonntagsbraten wird trotzdem noch für jeden drin sein.

Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich trotz dieser Bilder im Kopf problemlos weiter Fleisch essen kann. Geniesse ich Lamm, so rufe ich mir gerne süße, kleine Lämmer in die Augen, esse ich Schwein, so erscheint vor meinem geistigen Auge „Schnitzel“ (das von mir so benannte Hausschwein in Neuseeland ;)), das ich oft einfangen und in seinen von mir gebauten Stall treiben musste.

Aber das verdirbt mir keineswegs den Appetit. Ich nehme es als gegebenes Schicksal  hin, dass diese Tiere eben jetzt auf meinem Teller liegen. Ist das unmenschlich? Nein – es ist im Gegenteil sehr menschlich. Schon in der Steinzeit war es nicht anders – das Fleisch nur deutlich schwerer zu bekommen. Fleischkonsum ist nicht unmenschlich wie manche ÖkologInnen das gerne propagieren – zumindest sollte dies der individuellen Bewertung eines jeden Einzelnen überlassen werden, der danach seine Konsumentscheidung ausrichtet.

Es mag Menschen geben, denen solche Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen und vielleicht tatsächlich ihre fleischige Ernährung reduzieren oder gar ganz aufgeben. Das sollte man respektieren. Vegetarier sind keine bösen Menschen, sondern haben andere moralische Maßstäbe, andere gesundheitliche Idealvorstellungen oder sind sonstwie beeinflusst. Ich nenne sie individuelle Vegetarier. Böse Menschen sind nur Vegetarier, die anderen ihre Entscheidung aufoktroyieren wollen. Ich nenne sie kollektive Vegetarier.  Und davon gibt es – ein Blick auf die GrünInnen genügt – leider eine ganze Menge.

Während individuelle Vegetarier den Fleischkonsum anderer respektieren und mit ihrer individuellen Konsumentscheidung dazu beitragen, die Bedingungen von Tieren in ihrem Sinne vielleicht ein wenig besser zu machen, sind kollektive VegetarierInnen darauf aus, allen Menschen den Fleischgenuss zu verbieten. Das geschieht natürlich nur schleichend. Ein fleischloser Tag in öffentlichen Einrichtungen ist aber schnell auf die ganze Stadt ausgeweitet. Wir werden diese Zustände in einigen Jahren wohl leider noch erleben…

Der individuelle Vegetarier kocht gerne und gut zauberhaftes Kaninchenfutter, während es kollektiven VegetarierInnen eher an der täglichen Zwangsration Spaghetti mit Tomatensauce  für alle gelegen ist (wer historisch bewandert ist, wird hier eine erschreckende Analogie feststellen).

Der individuelle Vegetarier versucht Fleischfresser zu überzeugen, aber nicht zu überreden. Er argumentiert fair und selten moralisch.Der kollektive Vegetarier beißt hingegen herzhaft in die gutmenschliche Moralkeule – welch Kannibalismus!

Der individuelle Vegetarier hat seinen Frieden mit der nach Fleisch gierenden Außenwelt geschlossen, während der kollektive Vegetarier ständig Kriege gegen diese anzettelt. Nicht das, wonach er so heimlich lechzt, soll allen Willigen zur Verfügung stehen, sondern niemanden. Lieber Gleichheit in Armut statt Pluralismus im Wohlstand ist die Devise.

Der individuelle Vegetarier ist Vegetarier, weil er es selbst als richtige Entscheidung erachtet. Der kollektive Vegetarier hingegen geht nach dem Zeitgeist – er isst kein Fleisch aus Überzeugung, sondern aus einem latenten Gefühl, dass sich aus moralischen Überlegenheitsdenken und sporadischen Halbwissen speist.
Für den individuellen Vegetarier ist seine Konsumentscheidung eine Philosophie, nach der er bewusst lebt, für den kollektiven Vegetarier ist es eine Religion, die mit blindem missionarischen Eifer verfolgt den ketzerischen Fleischfressern die Erlösung bringen soll.

Der individuelle Vegetarier also ist ein guter Mensch, der kollektive Vegetarier hingegen ein Gutmensch.

Ich bin kein Vegetarier und werde auch keiner werden. Zu lecker war einfach der Döner, den ich gerade verspeist habe. Trotzdem wünsche ich mir, dass solche Bedingungen, wie sie in dem erschreckenden Video gezeigt werden, verhindert werden. Ein unlösbares Dilemma?

Klar ist jedenfalls, dass hier noch stärkere  Regulierung nicht weiterhilft. Denn das führt nur dazu, dass die Kosten, die durch Regulierung in einem Bereich entstehen, auf noch schlechtere Bedingungen in einem anderen Bereich abgewälzt werden. Lieber sollte man Subventionen streichen und die Preise dem Markt überlassen. Dann kann sich auch wieder Qualität statt Quantität – nicht nur für ökoschwäbische Bionade-Biedermeier aus dem Prenzlauer Berg (mein neues Feindbild ;)), sondern für alle –  durchsetzen. Aber das ist laut kollektiven VegetarierInnen ja sozial ungerecht!

Bundestagskandidatur Piratenpartei: Sylvia Großmann

So langsam kriechen sie alle aus ihren Löchern. Man frage sich, warum so kurzfristig: Kandidat Nr. 6 gibt sich als philosophischer Überflieger – ich bin gespannt, ob er die Fragen noch kurzfristig beantwortet.

Kandidatin Nr. 5 hat dies ohne Aufforderung getan – es handelt sich hierbei um die Ex-Ob-Kandidatin Sylvia Großmann, die ihr OB-Wahl-Ergebnis wohl gerne vergessen möchte und bei der morgigen Aufstellungsversammlung der Piratenpartei Konstanz zur Bundestagswahl 2013 ein paar mehr Prozente abgreifen will.

Ich halte mich kurz und verweise auf ihre Vorstellung vor knapp einem Monat: https://konstranzparency.wordpress.com/2012/06/28/ob-kandidaten-vorstellung-sylvia-grosmann/

Sie scheint mittlerweile Piratin geworden zu sein  – ihre Begründung für ihre Wählbarkeit und weitere Informationen gibt sie hier:  http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:SylviaG

Nun zu ihren Antworten:

 

1. In der Piratenpartei brennt seit längerem eine Debatte um Diskriminierung von Frauen.
Wie stehst Du dazu und welchen der folgenden Ausdrücke würdest Du verwenden: der Pirat, Piratinnen und Piraten, Pirat/innen, PiratInnen, das Pirat, Eichhörnchen, was anderes (bitte spezifizieren).

Frau Müller ist eine Piratin, Herr Schmidt ein Pirat, schreiben tu ich „der/die PiratIn“ und im Eifer des Gesprächs sage ich aber auch mal nur „die Piraten“. Ich bin nicht so konsequent wie die „Schweizerinnen und Schweizer an den Radiogeräten und -gerätinnen“ und kenne keine Mitgliederinnen, aber ich achte schon sehr auf eine nichtdiskriminierende Grammatik. So viel Zeit sollte sein. Leider fällt mir auf, dass sehr viele Frauen nicht auf eine geschlechtergerechte Grammatik achten (z.B. Frau vor Frauengruppe: „Jeder/Einer von euch…“). Hier mische ich mich oft ein und weise darauf hin.
Okay. Wusste ich ja garnicht, dass die SchweizerInnen so krass drauf sind 😉
 2. Ordne die Parteien nach ihrer Wählbarkeit für Dich: Piratenpartei, Linkspartei, CDU/CSU, Grüne, FDP, SPD, Die Violetten, REP, Partei der Vernunft, DIE PARTEI
Piraten/Grüne – SPD – Linkspartei – ……………………………………….. – FDP – CDU/CSU – restliche. Nicht wählbar: REP.
Auch jemand aus der grünen Ecke. Früher war sie mal SPD. Das REP nicht wählbar ist, hat sie immerhin erkannt.
 3. Wähle aus, was dir wichtiger ist:
Basis oder Vorstand  Basis
Liquid Feedback oder Volksabstimmung  Liquid Feedback
Schlömer oder Nerz  Weder noch
Staat oder Markt  soziale Marktwirtschaft
Marx oder Hayek  Keynes
Klinikfusion oder -privatisierung  Fusion
Konstanz oder Bundestag  Konstanzerin im Bundestag!
Datenschutz oder Transparenz  Privat: Datenschutz, öffentlich: Transparenz
Nur soviel: Keynes? Passt zur früheren SPD-Mitgliedschaft. In der Hinsicht sei ein hörenswerter Rap-Battle zwischen Hayek und Keynes empfohlen, den uns sogar unser Professor in der Vorlesung über Staats- und Demokratietheorie zeigte: http://www.youtube.com/watch?v=GTQnarzmTOc
Über den Keynesianismus müsste man auch mal noch einen Artikel schreiben – die Botschaft des Videos ist jedoch eindeutig: Hayek gewinnt, aber Keynes wird zum Sieger erklärt…
 
4. Auch wenn bei den Piraten angeblich die Basis entscheidet, so hast Du sicher eine persönliche Meinung zu folgenden politischen Fragen (eine kurze Begründung wäre nett):

– Sollte man das Meldewesen abschaffen?
Nein, weder im kommunalen noch im Bankenbereich. Wir brauchen Statistiken (ich bin Soziologin), sonst sin keine verlässlichen Planungen möglich.
Wofür brauchen wir Statistiken? Für Planungen? Gesellschaft ist nicht planbar.
– Sollte man politische Mandate zeitlich beschränken (nicht mehr als 4 Jahre pro Person z.B.) ?
Die 4 Jahre für die Landtage und den Bundestag sind genau richtig. 8 Jahre für (Ober)BürgermeisterInnen sind zu lang. Hier wären m.E. 5 Jahre ausreichend.
Der Verzicht auf die Möglichkeit einer Wiederwahl, wie etwa in Lateinamerika praktiziert, ist nicht vorteilhaft, da die Präsidenten ihre meist 6jährige Amtszeit gerne dazu missbrauchen, ihre Schäfchen in Sicherheit zu bringen, denn für die Wiederwahl brauchen sie sich ja persönlich nicht wieder zu qualifizieren.
Ein interessantes Argument, das man so oder so sehen kann.
 – Ist die Ruhe des Verfassungsgerichtes in der derzeitig angespannten Lage zu kritisieren?
Nein, denn das Verfassungsgericht ist eine behutsame Behörde. Hitzige Schnellschüsse wären nicht angebracht.
Das Verfassungsgericht ist eine Behörde? Voller Bürokraten? Got behüte uns.
 Ist das Glasverbot in Konstanz gerechtfertigt?
Nein, und das sieht wohl auch der mit dem Problem beschäftigte Richter so.
Da war das Glasverbot wohl schon aufgehoben.
 
– Ist das Bedingungslose Grundeinkommen utopisch?
Beim Start zumindest nicht von der Finanzierung her, denn wenn das Geld zum Bankenretten reicht, dann reicht es wohl auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Frage ist, wie der Umgang damit sein würde. Würden nicht viele einfach aufhören zu arbeiten? Entspricht es überhaupt der Würde der Menschen, das Geld für den Lebensunterhalt geschenkt zu bekommen? Wäre es längerfristig finanzierbar? Und wie wirkt es sich auf die Inflation aus?
Besser als ein bedingungsloses Grundeinkommen ist die Sicherung würdiger Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne, damit auch geringqualifiziert Beschäftigte von ihrer Arbeit leben können.
Dann doch lieber BGE als Mindestlohn. Aber sie stellt die richtigen Fragen – insbesondere die nach der Inflation.
 
5. Ziehst Du in Erwägung, auch für einen Platz auf der Landesliste der Piratenpartei zu kandidieren? Ja oder Nein?
Ich denke ja.
Ist das ein Ja? Scheint noch offen zu sein…
 
6. Angenommen, du wärst Diktator : was würdest Du tun, um Deutschland in deinem Sinne positiv zu verändern ?
Energiewirtschaft schnellstens auf alternative Energiequellen umrüsten, Lobbyisten in ihrem Einfluss beschneiden, Umweltvergehen stärker bestrafen (inklusive achtlos weggeworfener Zigarettenkippen und Kaugummis), in der Welt herumreisen und anderen Diktatoren ohne jegliche Diplomatie die Leviten lesen… und nach meiner Rückkehr schnellstens die Demokratie einführen.
 
Ich dachte gerade erst, sie wollte nicht zur Demokratie zurückkehren, aber der letzte Satz hats dann ja noch rausgerißen. Ich sehe mich bestätigt: grüne Politik unter orangener Flagge.
7. Dein Lieblingsbuch. Dein intellektuelles Vorbild. Deine Lieblingsmusik ODER -film. Dein favorisiertes Politikfeld.
Lieblingsbücher: Krimis und lateinamerikanische Literatur (kein bestimmter Titel, aber am liebsten von Mario Vargas Llosa, nur im Original).
Intellektuelles Vorbild: für ihre Unerschrockenheit: Flora Tristán, für seine Entdeckungen: Albert Einstein, für seine Erkenntnis: Martin Luther und noch einige mehr.
Lieblingsmusik: Jazz, klassische Salsa (Fania, Puente), Joni Mitchell, Stones, Led Zeppelin und noch einige mehr.

Politikfeld: Grünliberallinksmitte (themenabhängig und parteienmief-frei).

 

Uhh, Mario Vargas Llosa ist einer meiner Lieblings-Autoren – sehr zu empfehlen. Nur bei Martin Luther und Erkenntnis frage ich mich, welche sie meint.

Politikfeld ist übriges nicht die politische Einstellung, sondern das spezialisierte Themengebiet: ich tippe auf Umweltpolitik, das passt ja bestens zu „grünliberallinksmitte“.

Naja – mehr Worte muss ich über Sylvia Großmann wohl nicht verlieren. Möge jeder selber anhand ihrer Antworten einschätzen, ob er sie morgen wählen möchte oder eher nicht…

StuPa-Wahlen: die Grüne Hochschulgruppe

Heute ist die GHG  – die Grüne Hochschulgruppe dran, die bei den Wahlen zum Studentenparlament StudentInnen-Parlament am Dienstag/Mittwoch ihre bisherigen 8 Sitze zu verteidigen oder gar auszubauen versucht. Bei 28 KandidatInnen – mehr als überhaupt ins StuPa reinpassen – ist die Personalreserve gegeben.

Die sieht man auch beim professionell betriebenen Wahlkampf, der sich an PlakatInnen, die wohl nicht öko sind, vielen Flyern und einigen Info-Ständen zeigt, wo sogar Soja-Waffeln verkauft werden. Letztere schmeckten nach meiner Aussage interessant (echt garnicht so schlecht!), was den WaffelbäckerInnen jedoch eher einem Todesurteil gleichkam.

Ich lass das Gendern nun mal sein – man könnte noch denken ich mache mich lustig…

Lustig finde ich nur, dass einer ihrer Kandidaten für mehr Lässigkeit an der Uni antritt. Da frag ich mich doch, was das bedeuten soll. Ist ja nun nicht so, dass dort alle stocksteif mit Anzug rumlaufen. Konstanz ist ja nicht Mannheim (um mal Stereotype zu bedienen) , auch wenn die Verstrickungen und „Vetternwirtschaft“ gerade am Fachbereich Politik  das vermuten lassen könnten. Lustig auch , wie sie sich mit täuschend echt aussehenden 500€-Scheinen, die in der Mensa auslagen, damit brüsteten, die Studiengebühren abgeschafft zu haben. Dabei wollte gerade Frau Bauer, grüne Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg daran festhalten und liess sich nur vom kleineren Koalitionspartner SPD eines Besseren belehren. Am lustigsten ist aber der Facebook-imitierte „Gefällt mir“-Daumen auf ihren Plakaten. Damit haben sie sich nun wirklich keinen Gefallen getan.

Apropos Grün: in einer Studentenstadt in idyllischer Natur, mit dem ersten grünen Oberbürgermeister Deutschlands und einem grünen Abgeordneten im  Bundestag Landtag bieten sich auch beste Vorraussetzungen für die Grüne Hochschulgruppe. Da muss man sich nichtmal eine ökologische Nische suchen.

Die GHG zeigt nichtsdestotrotz  sicher einiges an Engagement, Vertreter von ihr wirkten bei der Gesetzgebung zu den „Verfassten Studierendenschaften mit“ (ob das nun so gut ist ist eine andere Frage), sie organisierten eine Demo gegen ACTA (was ja nun endlich gekippt wurde) und sind auch sonst oft präsent. Weitere Infos auf ihrer informativen Website: http://cms.uni-konstanz.de/ghg/startseite/

Ein Bild mag man sich nun auch von ihren Antworten machen:

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?
Elite-Uni hört sich erstmal natürlich sehr gut an und es gibt einzelne Bereiche, die von diesem Titel profitieren. Trotzdem sehen wir die Exzellenzinitiative kritisch, da sie die Studierenden zu VerliererInnen macht. Gefördert wird vor allem direkt verwertbare Forschung und nicht die Lehre. Außerdem ist das Auswahlverfahren intransparent und ideologisch geprägt, ein Kriterium ist zum Beispiel ein möglichst hoher Drittmittelanteil. Dadurch erhöht sich der Einfuss der Wirtschaft auf die Hochschulen, was in der Konsequenz die Freiheit der Forschung gefährdet. Wir fordern stattdessen eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen, von der alle etwas haben – und nicht nur wenige Forschende an wenigen ausgewählten Unis. Hochschulen sollten kooperierende Bildungseinrichtungen und keine Unternehmen sein, deswegen sollte das zur Verfügung stehende Geld gerecht unter den Universitäten verteilt und die Universitäten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Dann werden unsere Universitäten nie an anglo-amerikanische Vorbilder heranreichen, vermutlich sogar im europäischen Vergleich weiter stagnieren. Ich bin kein wirklicher Fan der Exzellenzinitative, wie man gemerkt haben dürfte, doch einfach alle Gelder gerecht aufteilen kann auch nicht die Lösung sein. Man muss schon Anreize setzen – z.B den Drittmittelanteil.  Ob dies nun in die Forschungsfreiheit angreift ist eher eine ideologische Frage. In die Forschungsfreiheit greift man meiner Meinung eher ein, indem man gegen sowas mobil macht…

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit
Die Forschungsfreiheit ist ein unglaublich wichtiges Gut, das leider oft durch allzu enge Kooperation mit Unternehmen untergraben wird, denn durch wirtschaftliche Abhängigkeit ist keine Forschungsfreiheit mehr möglich. In diesem Sinne dürfte es z.B. keinen Rahmenkooperationsvertrag mit EADS oder einen rein extern besetzten Hochschulrat mit Entscheidungskompetenz geben.
Die Studierenden stellen die größte Gruppe an der Uni dar, dennoch sind sie bisher in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung unterrepräsentiert. Unter anderem in der Studierendenvertretung (AStA) setzen sich GHGlerInnen dafür ein, dass sich das ändert. ProfessorInnen, der Mittelbau und die MitarbeiterInnen der Verwaltung gehören aber natürlich auch zur Uni. Wir wünschen uns eine gute Zusammenarbeit und lebhaften Austausch zwischen allen Gruppen.
Das Mensaangebot richtet sich zur Zeit leider kaum an Kriterien wie gesunder Ernährung oder Nachhaltigkeit aus – obwohl es in weiten Teilen vom Land subventioniert wird! Um das zu ändern, engagieren sich GHGlerInnen zum Beispiel im Nachhaltigkeitsrat oder dem Essensreferat der Studierendenvertretung.
Bier trinken aber auch manche von uns gerne (wir haben uns für den Biergarten eingesetzt!), Trommelkreise sind sicher spaßig und Sammy ist sowas wie das Wahrzeichen der Uni.

Das mit dem extern besetzten Hochschulrat habe ich erst kürzlich in einem Gespräch mit dem Kandidaten der GHG erfahren. Die Mitglieder des Hochschulrates findet man hier: http://www.profil.uni-konstanz.de/die-universitaet/universitaetsrat/

Sicherlich kritisch, wenn dieser die Richtlinien der Konstanzer Uni-Strategie festlegt, sich es bei finanziell aufwändigen Treffen gut gehen lässt und die Mitglieder sich ansonsten mit ihrem so tollen ehrenamtlichen Engagement brüsten, das sich letztlich eben auf „Gut Essen & Trinken“ beschränkt.

Das mit EADS sehe ich anders,  wie schon angeklungen, wäre aber zu lang das auszubreiten. Gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit in der Mensa halte ich für zweitrangig: was ist schon gesund und nachhaltig? Wer das möchte, muss nicht in die Mensa gehen. Essen für Veganer – wenn man das gesund nennen mag – unterstütze ich aber durchaus. Trommelkreise sind auch sicher spaßig, insbesondere wenn sie aus versteckten Studiengebühren finanziert werden, die mit der Verfassten Studierendenschaft jetzt nach Willen der GHG kommen sollen.

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?
Wir können uns die niedrige Wahlbeteiligung nicht vollends erklären. Wir haben in der GHG länger über diese Frage gesprochen und haben kein „Patentrezept“. Wir setzen uns aber in der derzeitigen Studierendenvertretung (z.B. im Presse- und Öffentlichkeitsreferat) dafür ein, dass die Arbeit besser kommuniziert wird und wollen das auch in der kommenden Studierendenvertretung tun.
Außerdem sollten die vielen Referate weiterhin ihre gute Arbeit machen, um die Studienbedingungen in Konstanz weiter zu verbessern und die Studierenden damit von der sinnvollen Arbeit ihrer Vertretung zu überzeugen. So haben wir uns zum Beispiel für das erweiterte Studiticket eingesetzt und hierfür in der Urabstimmung bei einer ordentlichen Wahlbeteiligung von 28,1 % eine Zustimmung von 70,1% erreicht.
Letztlich muss jedeR wissen wie er/sie seine Zeit investiert und wenn sich jemand anders gesellschaftlich engagiert und dadurch weniger Möglichkeiten hat sich über die Studierendenvertretung zu informieren, so ist ihm/ihr kein Vorwurf zu machen.

Die Optimierung der Kommunikation anzugehen ist jedenfalls wichtig. Auch letzter Satz gefällt mir – hätte ich von GrünInnen garnicht erwartet.

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?
Wir freuen uns sehr über die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft (VS), da sie den Studierenden mehr Rechte beschert. So kann die Studierendenvertretung bald auch wieder legal Ihr tatsächliches Kerngeschäft – die Interessenvertretung der Studierenden wahrnehmen.
Konkret könnte die VS eine unabhängige BAFöG-Beratung anbieten, Projekte wie den Fahrradverleih tragen, sich für die Ausweitung des kulturellen Angebots einsetzen, die politische Bildung der Studierenden fördern, sich noch stärker für interdisziplinäre Lehre einsetzen und überregional die Vertretung der Interessen der Studierenden unterstützen. Außerdem kann die Arbeit der Studierendenvertretung durch hauptamtliche Unterstützung professionalisiert werden. Dass dabei Kosten entstehen, lässt sich nicht vermeiden. Diese Kosten werden laut gesetzlicher Grundlage von allen Studierenden durch Beiträge gegenfinanziert, was aus unserer Sicht für eine gute Interessenvertretung legitim ist. Übrigens regelt das entsprechende Gesetz sehr streng, wie über die Finanzmittel Aufsicht zu führen ist. Zudem fallen die sinnvollen Beiträge zur VS in Höhe von 5€-10€ gegenüber den Studiengebühren in Höhe von 500€, für deren Abschaffung wir gekämpft, haben kaum ins Gewicht.

Die Studierendenvertretung kann und sollte eigentlich auch jetzt schon die Interessen aller Studierenden wahrnehmen. Das sie nun dazu legitimiert ist, ist natürlich schön. Politische Bildung ist natürlich so eine Sache. Gebildet wird das eigene Weltbild für einen Bruchteil der Studierenden, während alle dafür zahlen. Gender-, Anti-Rassimus-, Friedens- und Nachhaltigkeitswochen sind sicherlich sinnvoll, sollten aber differenzierter ausfallen. Vielfalt statt Einfalt! Dazu gehört auch, Vortragende einzuladen, die nicht das eigene Weltbild vertreten…

Zu Studiengebühren und Zwangsbeiträgen ist noch zu sagen: für Studiengebühren gab es immerhin Gegenleistungen (Wunschvorstellung?), für Zwangsbeiträge scheint es nicht mehr zu geben als es ohnehin gibt.

Gerade auch die Notwendigkeit einer hauptamtliche Unterstützung sollte hinterfragt werden. Zur Optimierung der Kommunikation der Arbeit der Studierendenvertretung mag es vielleicht immerhin nützlich sein.

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität? Freiheit oder Zwang? Studienbedingungen verbessern oder Welt retten? Elite-Uni oder Massen-Uni? Marx oder Mill?
Es mag die Lesenden nicht überraschen, dass es auf dieses schwarz-weiße Fragen-Stakkato keine gute Antwort geben kann. Die Welt kann nicht in Extremen definieren werden. Die hier benannten Begriffe stehen nicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander, sondern müssen behutsam vermischt und abgewogen werden.

Was dann dabei rauskommt, ist zwangsläufig grüne Politik. Als einzige Hochschulgruppe scheint die GHG also auch Zwang zu befürworten. Immerhin geben sie es offen zu. Und solange sich der Zwang auf Zwangsbeiträge beschränkt, und nicht auf Zwangsengament in der Studierendenvertretung ist ja noch alles im grünen Bereich! 😉

Wie deutlich geworden sein mag, bin ich den Grünen nicht sonderlich wohlgesonnen – da sind mir aufrichtige Linke noch lieber. Ein paar Seitenhiebe konnte ich mir deshalb nicht verkneifen. Über eine Stimme von mir darf sich einer ihrer Kandidaten trotzdem freuen.

OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Seeliger

Stellen wir heute eine weitere OB-Kandidatin vor: diesmal Sabine Seeliger. Sie durfte ich heute auch bei der Podiumsdiskussion erleben (wie alle Kandidaten), über die ich nochmal separat berichten werde. War teils sehr amüsant. Nicht nur der Anteil der Fragen, die an sie gestellt wurden, lässt den Schluss zu, dass sie ernsthafte Aussichten für das Amt des Oberbürgermeisters hat. Ihre Positionen haben mir teilweise zwar ganz gut gefallen, sind überwiegend jedoch nicht meinen Überzeugungen konform, weshalb sie nicht mit meiner Stimme rechnen kann. Trotzdem – das hat auch die Podiumsdiskussion gezeigt – ist sie eine sympathische Kandidatin, mit der Konstanz und auch ich gut leben könnte.

Das Leben dieser promovierten Biologin, die von der Freien Grünen Liste gesponsert wird, spare ich mal aus, weitere Informationen findet man u.a. hier:

http://sabine-seeliger.de/

https://www.facebook.com/seeliger.konstanz

ein Video ihrer 10-minütigen Vorstellung im Konzil Konstanz: http://www.youtube.com/watch?v=MrF8L-DlU00

Leiten wir auch gleich weiter über zu meinen 7 Fragen und ihren teils sehr pfiffigen und offenen Antworten darauf. An dieser Stelle noch eine positive Ankündigung: nach der heutigen Podiumsdiskussion habe ich mit manchem Kandidaten das Gespräch gesucht und kann nun verkünden, dass wohl alle 13 Kandidaten bei dieser Fragerunde mitmachen, sofern Sie sich an ihre Worte halten. Von Frau Reiser und Herrn Luithle erhielt ich sogar viel Lob für meinen Blog. Wer da wohl heimlich mitliest…

Nun aber zu den Antworten Frau Seeligers, die mich gerade etwas verägert hat, indem sie die Antworten in einer schreibgeschützten Word-Datei zukommen hat lassen. Aber ich habs hinbekommen….

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?

Die Freie Grüne Liste hat zugesagt, den Wahlkampf mit bis zu 20.000 € zu unterstützen bei einer Eigenbeteiligung der Kandidatin von mindestens 10.000 €. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Konstanz hat in einem Mitgliederbeschluss einen Wahlkampfkostenzuschuss von 2.000 € beschlossen und ihre Kandidatur einstimmig unterstützt. Außerdem haben bis 13.6.2012 insgesamt 16 Personen einen Betrag von insgesamt 8.896 € für die Wahlkampagne gespendet. Die höchste Einzelspende betrug 2.000 €, die kleinste 10 €.

Im Gegensatz zu Sabine Reiser sind die Informationen über ihre Wahlkampffinanzierung hier deutlich transparenter. Die Formulierung lässt allerdings den Schluss zu, dass sie es nicht selbst geschrieben oder aber nur kopiert hat von einer ähnlichen Frage.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Ihre Basisdemokratie, Volksentscheide.

2. Dass sie die Teilhabe eines viel höheren Anteils von Migrantinnen und Migranten leisten.

3. Dass sie Urtümliches und Avantgarde nebeneinander gelten lassen.

Antwort 1 finde ich sehr gut. Antwort 2 grundsätzlich auch. Antwort 3 ebenfalls. Mit  1 hatte ich auch gerechnet, die beiden anderen Antworten verwundern auch nicht wirklich.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben? Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ich werde mich für eine Stelle zur Koordinierung von Ehrenamtlichen, einer „Freiwilligen-Agentur“ einsetzen. Diese Stelle soll Vereine in mehrer Hinsicht unterstützen, z.B. durch Vermittlung von Freiwilligen, durch die Organisation von Dienstleistungen für die Vereine (Buchhaltung, Personalabrechnungen, Versicherungen), durch Beratung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Wissen und Erfahrung aus gelungenen Projekte wie das der „Sozialen Stadt“ soll diese Stelle auf weitere Quartiere übertragen.

Meine erste Frage beantwortet Frau Seeliger nicht. Den zweiten Teil führt sie aber gut aus und schafft meiner Meinung nach sehr sinnvolle Stellen. Ausnahmsweise also mal eine Befürwortung von Bürokratie meinerseits.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister. Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen > Studierende > Solaranlagenbauer > Touristen > Schweizer > Oberbürgermeister >>>>> Papst

Wenn es keine Bodenseefelchen mehr gäbe, hieße das, dass eine Katastrophe mit dem Trinkwasserspeicher Bodensee passiert sein muss. Gleiches gilt bei Studierenden und Uni, sowie bei Solaranlagenbauer und Solarbranche. Touristen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Schweizer Kundschaft in der Stadt auch, wobei letzteres mehr vom Frankenkurs abhängt als von der Stadtpolitik. Oberbürgermeister halte ich ebenfalls für sehr wichtig, mit sehr großem Abstand folgt dann Papst.

Wie angekündigt zeigt Dr. Seeliger hier ihren biologischen Sachverstand. Die Antwort finde ich sehr originell und hatte sie auch nicht auf dem Radar. Bodenseefelchen gehen also vor die Studierenden (sie gendert natürlich). Als Grüne ist sie natürlich auch für Solaranlagenbauer, die sie wichtiger als Touristen und Schweizer empfindet. Wenn das nicht mal ein Trugschluss ist. Die Erwähnung der „Stadtpolitik“ werte ich mal als bewussten Seitenhieb auf den Gemeinderat bzw. den auch  grünen Noch-Amtsinhaber Horst Frank. Sich selbst nimmt sie natürlich nicht so wichtig (wollen wir es hoffen), aber noch wichtiger als den Papst. Was hätte man anderes erwartet?

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“ Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ein Kreuzfahrtschiff zu initiieren steht nicht auf meiner Agenda.

Kurz und bündig, aber unter grünen Gesichtspunkten absolut verständlich. Ich bin in der Frage auch sehr zwiegespalten – verschandet ein etwas größeres Schiff die schöne Landschaft doch genauso wie die vielen Windkrafträder. Andererseits könnte das den Tourismus durchaus noch weiter ankurbeln und auch für zusätzliche Bettenkapazität sorgen – im Winter sogar für Studierende in Konstanz 😉

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit heißt Wahlmöglichkeit und Möglichkeit zur Teilhabe im Sinne von Freiheit von politischen, ökonomischen und kulturellen Abhängigkeiten. Beides, Wahlmöglichkeiten und Teilhabe ist in jedem Einzelfall von vielen Voraussetzungen abhängig.

Sie definiert Freiheit positiv – wie zu erwarten war. Ihre Position gegen Sperrstunde und Glasverbot lässt sich daraus ableiten. Diese Position macht sie für viele der Studenten auch sicher sehr attraktiv.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?.

Zylla oder Kaltenbach – beide wirken sympathisch und ungekünstelt.

Da wird sogar eine Kandidatin noch konkret: vorstellen kann sie sich Zylla (SPD) und Kaltenbach, den ich ebenfalls als eher sozialdemokratisch, aber liberaler, wahrnehme. Diese offenen Worte finde ich jedenfalls sehr sympathisch. In die Verlegenheit dies auch zu tun wird sie aber wohl nicht kommen: ich gehe stark davon aus, dass sie die Stichwahl erreichen wird.

Wie dem auch sei: ich rate wieder zu einer Beschäftigung mit dem Wahlprogramm, insbesondere da Frau Seeliger auch teils kontroverse Vorschläge wie eine City-Maut für die Innenstadt hat. In diesen verkehrspolitischen Fragen – sie ist z.B auch gegen den Ausbau der B33 als Autobahn bis Konstanz (wobei man fairerweise sagen muss, dass sie den Ausbau einer Landstraße mit Anbindung an die Gemeindem am Wegesrand möchte) – besteht ein gewisser Dissens zu meinen Ansichten, die es mir schwer machen, sie als Kandidatin in Erwägung zu ziehen. Letztlich ist sie auch einfach grün: und nach 16 Jahren grün hat das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz auch mal dringend einen Farbwechsel nötig. Am besten zu garkeiner Farbe!

Morgen folgt wohl die Vorstellung von Benno Buchczyk, sofern nicht noch weitere Kandidaten geantwortet haben. Dann aus Herford, wohin ich morgen wieder 9 Stunden mit dem Zug fahren darf, währenddessen ich einen Essay mit Abgabeschluss am kommenden Montag schreiben muss. Erst gibt es jedoch noch mein letztes Referat dieses Semester – über die Postmarxistin Chantal Mouffe – zu überstehen. Man wünsche mir Glück…