Und dann der Regen

Heute Abend war ich mal im Kino. Der Film hieß „Und dann der Regen“ , auch wenn ich mich an keine Stelle im Film erinnere, wo es geregnet hat.

Regen bedeutet aber Wasser – und Wasser, ob wir es nun spanisch „agua“ oder in Quechua „yaku“ nennen, ist für viele Menschen ein knappes und kostbares Gut.

Das scheint vielen Leuten hier in Deutschland nicht klar zu sein, die Unmengen des kostbaren Nasses verschwenden. Zugegeben, ich bin auch so ein Übeltäter. Vielleicht gerade deshalb, weil wenige Meter entfernt Deutschlands grösstes Wasserreservoir liegt – der Bodensee, der halb Baden-Würtemmberg versorgt und daher das Bewusstsein klein ist, dass Wasser Mangelware ist. Regnen tut es obendrein ja auch noch genügend.

In manchen Gegenden der Erde regnet es aber eher selten – nicht nur in Sahara, Gobi und anderen Wüsten, sondern auch im Hochland von Bolivien in Südamerika. Dort fanden im Jahr 2000 die Wasseraufstände von Cochabamba statt, um die sich der Film dreht (nur auf Englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/Cochabamba_protests_of_2000)

Eigentlich dreht  sich der Film um einen Regisseur, der auch einen Film dreht, nämlich über Kolumbus und die Versklavung der Indios. Statt an der Küste zu drehen, wich der Regisseur ins Inland, zu den Quechua in den Anden aus – ist ja schließlich kostengünstiger, diese als Statisten zu beschäftigen. Zum Inhalt des Films möchte ich garnichts sagen – das kann man selbst nachlesen oder noch besser ansehen.

Der Film hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Ein Film im Film zeigt erstaunliche und natürlich beabsichtigte Parallen zum eigentlichen Film. Die bösen Spanier versklaven die Indios im Film im Film, im Film sind es die bösen internationalen Konzerne (Stichwort Globalisierung), die der einheimischen Bevölkerung quasi den Wasserhahn zudrehen, indem sie die Preise kurzerhand verdreifachen und der Bevölkerung gar untersagen, Regenwasser aufzufangen. Das ganze mündet natürlich in Protesten – genauso wie die Indios sich gegen ihre Versklavung zu wehren versuchen.

Eigentlich befürworte ich ja Privatisierungen. Wasser gehört jedoch allen Menschen – niemand sollte sich daran bereichern, auch wenn die Realität ganz anders aussieht. Spekulanten spekulieren schon jetzt mit Wasser  .                         Ein gescheiterter Versuch eines Amerikanes sah vor, Wasser-Futures einzuführen. Er wollte standardisierte Terminkontrakte auf die Höhe des Wasserspiegels der fünf großen Seen in Nordamerika kreieren , die den Grundwasserspiegel bestimmen, und damit auch die Ernten in Illinois und Iowa.

Wasser ist kein Produkt des Menschen, der Mensch aber ist ein Produkt des Wassers, ohne das er nicht überleben kann. Dass Konzerne die Natur ausbeuten ist hinlänglich bekannt – doch so schön Gold auch glitzert und Diamanten auch funkeln, sie sind nicht lebensnotwendig. Wasser hingegen schon – ob man nun verdurstet oder bei Protesten erschossen wird ist da zweitrangig.

Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, aber ich höre jetzt auf, da ich momentan keine vernünftige Antwort auf die Frage finde, wie man die Wasserversorgung global so organisieren kann, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ohne dass eine staatliche oder globale Stelle feste Quoten vorgibt, was ich sehr bedenklich finde und ideologisch mit meinen Idealen natürlich nicht vereinbar ist.  Ein Menschenrecht auf Wasser, wie es die UN im Juli 2010 beschloss und damit rein theoretisch in allen 192 UN-Staaten gilt, ist da nur bedingt hilfreich. Selbst Deutschland ratifizierte noch nicht einmal ein Zusatzprotokoll, womit das Menschenrecht auf Wasser auch wirklich für seine Bürger gilt – dies taten weltweit erst 3 Staaten…

 

 

 

Das Globalisierungsparadox

Nachdem im alten Jahr das außeruniversitäre Buch lesen zu kurz gekommen ist, lautete einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr, dies zu ändern. Bücher haben sich genug angesammelt – eines davon ist „Das Globalisierungsparadox“ von Dani Rodrik, einem türkischen Ökonomen und Harvard-Professor. Gestern abend erst angefangen, war ich heute Nachmittag bereits mit den gut 350 Seiten fertig – das ganze liest sich schnell, flüssig und ist auch für Nicht-Ökonomen gut verständlich.

Dani Rodrik zeichnet ganz ideologiefrei die Geschichte der Globalisierung nach, gibt viele anschauliche Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte  und stellt Lösungsansätze heraus. Er kritisiert viele Ökonomen, die den „Mythos“ des freien Marktes predigen und versucht zu belegen, dass Freihandel und vollständig deregulierter Kapitalmarkt längst nicht solche Garanten für Wirtschaftswachstum sind, als für die sie gesehen werden. Der spannenden Frage, ob man Wirtschaftswachstum nicht generell überdenken sollte, geht er leider aber  nicht mal ansatzweise nach. Da ist und bleibt er typischer Ökonom…

Ein wichtiger Punkt des Buches ist, wie er es nennt, das „politische Trilemma der Weltwirtschaft“.

Dieses ist ein Zielkonflikt zwischen Hyperglobalisierung, Nationalstaat und Demokratie. Rodrik ist der Ansicht, dass man auf Dauer nur 2 dieser Wahlmöglichkeiten unter einen Hut bringen kann. So gäbe es die „goldene Zwangsjacke“, die Nationalstaatlichkeit und Hyperglobalisierung vereint, aber ohne Demokratie auskommen muss. Die utopische Vision einer Globalregierung vereint Demokratie und Hyperglobalisierung ohne Nationalstaatlichkeit. So nett diese Idee auch klingen mag – die Realisierbarkeit ganz außen vor – so würde Dani Rodrik doch am liebsten Nationalstaatlichkeit und Demokratie vereinen und ohne Hyperglobalisierung auskommen. Das ist nach ihm mit dem „Kompromiss von Bretton Woods“ möglich. Bretton Woods (benannt nach dem gleichnamigen Ort in New Hampshire, USA, wo das Abkommen beschlossen wurde) bezeichnet ein internationales Währungssystem von festenWechselkursen mit goldhinterlegtem Dollar als Leitwährung. Es wurde nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, erschuf die Institutionen IWF (Internationaler Währungsfond) und Weltbank und wich Mitte der 70er Jahre schließlich anderen Währungssystemen, wie wir sie heute kennen. Einfach mal selbst informieren!

Wie genau sein Reformansatz und der ganze große Rest des Buches, der hier unerwähnt bleibt, jetzt genau aussieht, sollte jeder Interessierte selbst nachlesen. Ich kann das Buch durchaus empfehlen, auch wenn ich vielen Aussagen darin nicht unbedingt zustimme. Wenn man sich wie ich gerade intensiv mit Hayek und der Österreichischen Schule beschäftigt, mag das leicht verständlich sein.

Für Globaliserungskritiker, Sozialisten, Piraten und solche, die es werden wollen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen – dem Rest schadet es sicher auch nicht!