StuPa-Wahlen: die Grauen

Nachdem mir in den letzten Stunden extrem viele Lichter aufgegangen sind (Statistik lässt grüßen) nun zur Entspannung mein Beitrag über die Hochschulgruppe „Die Grauen“, die nächste Woche bei den Wahlen zum Studentenparlament der Uni Konstanz antritt.

Die Grauen sind nach eigener Aussage keine Spaßpartei, verstehen es aber, wenn man sie als solche versteht. Was soll man auch anderes denken, wenn man ihre schlichten, aber einprägsamen Plakate überall hängen sieht, die mit Slogans wie „Bingo-Abend statt Jura-Vorlesung“ oder „Für mehr Treppenlifte“ werben.

Ihr Ziel ist es jedoch vor allem, auf  die Wahlen zum Studierendenparlament überhaupt aufmerksam zu machen – und das geht vor allem mit solchen Aktionen. Ein Vertreter meinte, er sei selbst erschrocken, bei einem Info-Stand den Großteil der Studenten erklären zu müssen wann und vor allem warum man nächste Woche wählen soll.

Aber wie soll das auch anders sein? Das bisherige StuPa ist intransparent, die Wahlbeteiligung pendelt seit Jahren um die 20%, weil solch Wahlen auch nicht vernünftig beworben werden. Eine Mail zur Ankündigung ist schön und gut, durch Wahlplakate, -flyer und -stände sollte tendenziell jeder Studierende sowas auch mitkriegen, doch trotzdem kann man da noch einiges verbessern. Vorschläge haben teils die anderen schon vorgestellten Hochschulgruppen gegeben, teils werden sie in den Antworten der „Grauen“ noch genannt, die ich jetzt vorstellen möchte:

 

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?

Zunächst ist der Fakt, dass unserer Universität der Status als Elite-Uni erhalten bleibt, sicherlich positiv für die Qualität der Forschung und damit den guten Ruf, den unsere Universität deutschlandweit genießt.

Dass die Millionen an der Lehre vorbeigehen, ist sicherlich nicht optimal. Nichtsdestotrotz ist die Exzellenzinitiative eben ein Konzept zur Förderung der Forschung und nicht der Lehre. Hier gilt es einen sinnvollen Kompromiss zu finden; wobei wir der Meinung sind, dass dies ein strukturelles Problem der Exzellenzinitiative ist und keins welches von Konstanz aus schnell gelöst werden könnte.

 

Mal eine etwas differenziertere Antwort. Laut der Uni Konstanz profitiert die Lehre allerdings sehr wohl ordentlich von der Exzellenzinitative:  http://www.aktuelles.uni-konstanz.de/presseinformationen/2012/105/

Vor allem dürfte das aber nur forschungsorientierten Master-Studenten etwas bringen.

 

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit

Studenten: Forschung hin, Forschung her: Ohne Studenten keine Uni!

AStA: Hier muss was getan werden. Die Studierendenvertretung braucht eine bessere Publicity.

Forschungsfreiheit: Ein hohes Gut an deutschen Universitäten seit dem 19. Jahrhundert.

Bio-Essen in der Mensa: Es ist in unser aller Interesse, dass es endlich nur noch qualitativ hochwertiges Essen in unserer Mensa gibt; auch wenn es dann teurer wird.

Uni-Kater: Sammy ist ein Teil der Uni und ist im Vergleich zu einem Bierautomat kostenlos.

Professoren: Es muss mehr Wert darauf gelegt werden, dass „große Namen“ der Professorenriege nicht nur exzellent forschen, sondern auch wieder mehr exzellent lehren.

Mittelbau und Verwaltung: Natürlich ein unverzichtbarer Teil der Universität, allerdings weniger im studentischen Interesse.

Bierautomat: Wenn am Ende noch Geld übrig ist, kann man für die Biergarten-freie Zeit auch einen Automat anschaffen.

Trommelkreise: Es muss natürlich einen Raum für studentische Aktionen geben. Unabhängig vom Beat…

 

Ja, die Studierendenvertretung braucht eine bessere Publicity. Ja, auch die Mensa sollte ein wenig mehr an Qualität zulegen. Die Sachen vom Grill sind  z.B. entsprechend teuer, schmecken aber auch deutlich besser. So teuer soll man es gleichwohl nicht machen. – ein normales Mittagessen sollte noch finanzierbar sein. Einen Bierautomaten gibt es übrigens schon – ganz versteckt in einer Fachschaft. Uni-Kater Sammy kommt noch vor den Professoren – eine gewagte Behauptung. Stimmt aber auch: meine Vorlesungen regen nicht gerade zum Zuhören an, was denn auch selten erfolgt. Mit löblichen Ausnahmen.

 

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?

Das Hauptproblem ist doch, dass zu viele nichts von den Wahlen und dem AStA wissen. Der erste Schritt das zu ändern ist unserer Meinung nach unsere Kandidatur. Natürlich erwecken Wahlslogans wie „Bingoabend statt Jura-Vorlesung“ oder „Für mehr Treppenlifte“ den Anschein einer Spaßpartei. Aber zumindest fallen solche Plakate (im Gegensatz zu monotonen und oberflächlichen Plakaten mancher Hochschulgruppen) auf und machen somit auch auf die anstehende Wahl aufmerksam. Ob man bei dieser nun uns wählt oder doch jemand anders, ist unserer Meinung nach sekundär. Mehr Studenten die wählen, bedeuten eine stärkere demokratische Legitimierung des StuPas. Nichtsdestotrotz finden wir, dass sich ein bisschen grau neben grün, rot, gelb, u-rot u.a. gut machen würde.

Der zweite Schritt wäre abseits der Wahlen das Interesse am StuPa zu wecken. Facebookseiten, gemeinsame Infostände aller im StuPa vertretenen Gruppierungen, regelmäßige StuPa-Partys würden auf dieses so wichtige Organ aufmerksam machen. Dafür wollen wir uns im StuPa einsetzen.

 

Wie schon angesprochen sehr unterstützenswert. Sie wollen vor allem die Wahlbeteiligung heben – ich hoffe, das gelingt auch. Eine Stimme ist trotzdem nicht verschenkt bei Ihnen – das StuPa braucht Leute, die dessen Arbeit besser kommunizieren und ich glaube, die Grauen wären geeignet dazu.

 

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?

Nein, dies sollte versucht werden zu verhindern. Die studentische Selbstverwaltung muss es schaffen, durch Argumente und (außergewöhnliche) Aktionen (z.B. einem Spendenlauf o.ä.) durch freiwillige Abgaben zu finanzieren. Uns ist bewusst, dass das nicht unbedingt einfach durchzusetzen ist, aber wir sollten es versuchen. Die Möglichkeit Zwangsbeiträge zu erheben bestünde dann immer noch.

 

Gefällt mir! Ein wenig Leistung sollten die Studierendenvertreter schon zeigen. Ich glaube, bei sinnvollen Aktionen und sinnvoller Arbeit, die gut kommuniziert wird, finanziert sich das Ganze von allein. Solidarität sollte man nicht erzwingen, sondern fördern.

 

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität? Freiheit oder Zwang? Studienbedingungen verbessern oder Welt retten? Elite-Uni oder Massen-Uni? Marx oder Mill?

Solidarität, wo Eigenverantwortung nicht möglich ist

Studienbedingungen verbessern, denn das ist der erste kleine Schritt zur Rettung der Welt

Elite-Uni für mehr als nur einen kleinen Teil

Marx und Mill

 

Ausgleichende Antworten mit einigem Wahrheitsgehalt. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

 

Mittlerweile muss ich hingegen sagen, dass 14 Stimmen, die man vergeben kann, ganz schön wenig sind. Ich finde, die Grauen haben mit ihren Anliegen eine Chance verdient, ins StuPa einzuziehen und es positiv zu verändern. Auch wenn man mit den „Grauen“ nicht unbedingt die positivsten Assoziationen verbindet. Ein anderer Name wäre vielleicht klüger gewesen – andererseits ist er auch ein wenig mysteriös, weil man nicht weiß, was sich dahinter verbirgt Ich hoffe, ich konnte dazu beitragen, dass Geheimnis ein wenig zu lüften.

Morgen ist dann die Grüne Hochschulgruppe dran – die ja schon so lange drauf warten muss. G.R.Ü.N & Schnitzel hat zurückgeschrieben – mit einer Antwort ist noch zu hoffen. Auch meine Liberalen werden natürlich noch vorgestellt – ehe es am 11./12. Juli um die Wurst geht. Ein paar Tage später dann auch für ganz Konstanz: die Oberbürgermeisterwahl habe ich nicht vergeßen und werde auch dazu noch einen Beitrag schreiben…

7 Fragen an die OB-Kandidaten

Da kein Interesse bestand, Fragen an die Oberbürgermeister-Kandidaten loszuwerden, musste ich eben selbst welche formulieren.

Eben habe ich es dann auch tatsächlich hinbekommen, sie an die interessierten Kandidaten zu schicken. Teilnehmen werden alle ernstzunehmenden Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt Konstanz – nämlich 10Leute.Um sie mal zu nennen: Sabine Reiser, Sabine Seeliger, Benno Buchczyk, Mykola Neumann, Thomas Linz, Uli Burchardt, Sven Zylla, Henning Tartsch, Klaus Springer und Sylvia Großmann.

Von den verbliebenen 3en kam keine Antwort – wobei man fairerweise sagen muss, dass es sich um in meinen Augen chancenlose Einzelkämpfer handelt, die wahrlich genug anderes zu tun haben. Die Fragen werde ich ihnen trotzdem nochmals schicken – man weiß ja nie… (EDIT: Frau Großmanns Mail hatte ich wohl übersehen – sie nimmt natürlich auch teil…)

Die Fragen, die ich mir ausgedacht habe, sind mal ernst, mal weniger, mal auch etwas fies. Sind aber auch nur 7. Sieben, weil 7 meine Glückszahl ist 😉 Jetzt hoffe ich, dass ich auch das Glück habe, dass die Kandidaten sich an ihre Zusagen halten und meine Fragen beantworten, die ihr jetzt nachlesen könnt:

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem
Geld Ihren Wahlkampf?

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3
Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz
- gerade auch von Studenten. Diese brauchen - gerade wenn sie mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten - völlig zu Recht ein erweitertes
Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden
momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll.
Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für
engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben?
Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen
Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen,
Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer,
Oberbürgermeister.
Gerne auch mit Begründung!

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm "Zukunft Konstanz 2020"
gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68)
besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat:
"Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf
dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde."
Würden Sie diese Idee unterstützen - gerade auch unter dem Aspekt der
Nachhaltigkeit?

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle.
Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich,
dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche
Definition von "Freiheit"?

7. und zum Abschluss:  Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden
Sie am ehesten wählen und warum?

Wie man sieht: ein breites Programm fernab der die öffentliche Debatte bestimmenden Probleme wie Wohnungsnot, Verkehr und Wirtschaft, die mich selbst eigentlich garnicht so wirklich interessieren. Insbesondere die Präferenzfrage 4 finde ich genial (Eigenlob stinkt!) – jetzt muss Sie nur noch so beantwortet werden wie intendiert.

Bleibt auch zu hoffen, dass die Antworten im Laufe der nächsten Woche eintrudeln. Ich weiß noch nicht, wie ich sie vorstelle: entweder jeden Kandidaten einzeln mit ihren Antworten oder antwortenbasiert alle Kandidaten vergleichend. Wünsche für sowas  gibt es hier ja eh nicht… Die OB-Wahl in Konstanz verspricht jedenfalls noch einiges an Spannung!

Mir bleibt nun nur noch übrig,  der Uni Konstanz exzellente Ausreden zu wünschen, wenn es morgen  zur Aberkennung des „Elite“-Status kommt. Ich hoffe es natürlich nicht, aber ich gehe davon aus. Elite ist auch was anderes…