StuPa-Wahlen: Vielfalt statt Einfalt

Die letzten Tage habe ich mich mit den morgen beginnenden Uni-Wahlen zum Studierendenparlament beschäftigt, die antretenden Hochschulgruppen vorgestellt und selbst einen umfassenderen Blick auf Hochschulpolitik bekommen, die  – da hat ein Umdenken stattgefunden – doch garnicht so langweilig ist , wie viele glauben mögen.

Zeit also, jetzt ein Fazit zu ziehen und dies mit einem Wahlaufruf zu verbinden. Niemand ist verpflichtet zu wählen, aber jeder sollte diese Chance nutzen, seinen studentischen Interessen ein Sprachrohr zu geben. Um es mit einem abgewandelten Zitat des  französischen Diplomaten und Philosophen Gegenaufklärer Joseph Marie Graf von Maistre zu sagen:

„Jede Studierendenschaft hat das Studierendenparlament, die es verdient“.

Also nutzt Eure Stimmen weise. 14 an der Zahl sind es, aufzuteilen auf insgesamt 8 verschiedene Listen, bei maximal 2 Stimmen je Kandidat pro Liste.

Ich selbst habe mich schon entschieden, wie ich wähle: das Motto der Jusos – Vielfalt statt Einfalt – fand ich so schön, dass ich es in die Überschrift gestellt habe. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach essentiell, dass gerade unter Studierenden die großtmöglichste Diversität bei der Entscheidungsfindung herrschen soll. Nicht unbedingt mit dem Ziel eines Konsens – letztlich entscheidet ohnehin die Tyrannei der Mehrheit Demokratie   sondern auch mit diametralen Meinungen, die jedoch fair geregelt ausgetragen werden. Wir sind als Studierende keine Feinde, weil wir politisch andere Ansichten haben, sondern politische Gegner, die  bei aller Schwierigkeit miteinander konstruktiv zusammenarbeiten sollten, um das Beste für alle, nicht für kleine Minderheiten zu erreichen. Dazu gehört, dass die Mehrheit ihre Macht nicht mißbraucht, um möglich sinnvolle Anträge von Minderheiten ohne Argumente einfach so abzuschmettern. Dazu gehört aber auch, dass die Vertreter von Minderheiten – ich meine hier auch ganz explizit die LHG – sich aktiv in das Studierendenparlament einbringen, Anträge schreiben, konstruktiv mitarbeiten und auch ungeliebte Aufgaben wie Präsenz-Zeiten übernehmen.

Ungeachtet des grundsätzlichen Streits über die Legitimation von Zwangsbeiträgen zur Stützung einer Verfassten Studierendenschaft – der konsensual wegen völlig unterschiedlicher Mentalitäten nicht lösbar ist – bietet diese Modell doch eine Chance, positive Veränderungen im Sinne aller Studierenden zu treffen und sollte dementsprechend genutzt werden – gerade z.B. auch in Hinsicht auf mehr Basisdemokratie aller Studierender.

Wie wähle ich also am morgigen Tage? Ich wähle Vielfalt statt Einfalt.

Jede antretende Hochschulgruppe wird mindestens eine Stimme erhalten. Es gibt auf (fast) jeder Liste Personen, die nicht engstirnig durch die Welt gehen, sondern auch offen für andere Ansichten sind. Die können mit meiner Stimme rechnen. Der Rest mag geheim sein – mich selbst wählen werde ich ganz randianisch aber natürlich auch. Ich hoffe, es sind nicht die einzigen Stimmen!

Wie das Ergebnis auch ausfallen mag – die Arbeit des StuPas im nächsten Semesters werde ich kritisch begleiten und kommunizieren, was möglicherweise unkommuniziert bleibt, wenn kein Umdenken einsetzt, was nicht zu wünschen, aber zu erwarten ist. Strukturen ändern sich eben  nur langsam und scheitern meist am Unwillen der Mehrheiten, die sich so gemütlich in ihrer Scheinwelt eingerichtet haben. Dieses im Grunde konservative Denken stammt jedoch vom entgegengesetztem politischen Spektrum (oder um es fairer zu sagen: dort macht es sich wegen der vorherrschenden Konstellationen eher bemerkbar) . Statt Machtverhältnisse zu konfigurieren und echte Mitbestimmung zu schaffen soll alles beim Alten bleiben. Es nützt einem ja. Egomarxismus pur. Antonio Gramsci, einer der wenigen marxistischen Intellektuellen, die ich sehr schätze,  würde sich im Grabe umdrehen!

Wie dem auch sei: meine Hoffnung ist erst einmal überhaupt, dass viele Studierende ihr Kreuz machen – gleich bei wem. Eine zweistellige Wahlbeteiligung wäre nämlich schon wünschenswert. Alles über 20% kann vermutlich schon als Erfolg angesehen werden. Aber alles unter 50-60% erschafft meiner Meinung nach keine Legitimät.

Ich hoffe jedenfalls, ich konnte vielleicht den ein oder animieren zu wählen, am besten bunt, mich und liberale Mitstreiter 😉

Aktuelles

Eigentlich wollte ich ja nichts mehr schreiben heute, mache das aber doch, da mich mein Kurzheimaturlaub über Pfingsten ab morgen wohl ein paar Tage vom Bloggen fernhält.

Daher mal kurz ganz post-privacy ein paar Dinge, die jetzt so anstehen in den nächsten 2 Wochen: heute war ich erstmals wieder beim Stammtisch der Piratenpartei. Mehr gibts dazu auch nicht zu sagen. Ich muss ja meine Stimme noch klug bei den Neuwahlen einsetzen und kann dann abspringen…

Im heutigen Vertiefungseminar zur Postdemokratie ging es unter anderen auch um Hayek: leider wurde er etwas verfälscht dargestellt bzw. viele wichtigen Aspekte nicht berücksichtigt. Aber 20 Minuten für ein Referat, das über die geringe Pflichtliteratur hinausgeht, wäre auch schon fast knapp bemessen.

Die nächsten 2 Wochen darf ich mir jetzt ein Thema für meine neue Hausarbeit ausdenken und ein Exposé erstellen: irgendetwas mit „Demokratiekritik“ schwebt mir vor. Allerdings bin auch noch mit einem Referat dran: die französischen Neomarxisten Jacques Ranciere und Chantal Mouffé. Nicht gerade begeisternd, aber mal ganz interessant.

Um zurück zum Hayek zu kommen: heute bekam ich die Zusage samt Stipendium für die von der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft veranstalteteten Sommerakademie „Woche der Freiheit“ (www.wochederfreiheit.org). Ich werde zu gegebener Zeit mal noch einen extra Artikel drüber schreiben: freue mich schon total drauf!

Ansonsten kann ich mich wahrlich nicht über Langeweile beschweren. Die Abende sind alle verplant und das wird die nächsten 2 Wochen auch noch so weitergehen. Höhepunkt sicher ist nächste Woche Mittwoch, wo sich Konstanzer Professoren, darunter unser werter japanischer Methoden- und Statistikprof und einer der Internationalen Beziehungen, sich als DJ die Ehre geben werden um bei der Konstanzer Professorennacht für ordentlich Stimmung zu sorgen. Wer mal ein kurzes Interview mit den beiden hören möchte: http://soundcloud.com/luke_scrapwalker/interview-prof-dr-shikano-prof (dnach weiß man, was so auf uns zukommt). Gleich am Tag danach, Donnerstag 31.5  von meiner Coaching-Studi-Initiative die „ROCK YOUR LIFE“-Sommerparty in der Kantine, für die ich jetzt mal by the way Werbung machen möchte. Kommt alle vorbei, es dient einem guten Zweck 😛

Ddann direkt am Wochenende meine zweite MUN (UN-Simulation), von Konstanzern für Konstanzer, im Kleinformat, aber auf Englisch. Wird sicher ganz spannend – mein Land ist Kamerun, Thema sind Menschenrechte. Über die in Stuttgart hatte ich ja noch garnicht berichtet – die war aber bis auf die Altersstruktur doch sehr gut und spaßig.

Dann sind wir auch schon im Juni: wie die Zeit vergeht. Nächste Woche steht schon die erste Probeklausur an, die richtigen Klausuren sind schon in knapp 6 Wochen ! Wird Zeit, mal was für die Uni zu tun. Dieses Semester lasse ich schon arg schleifen habe ich das Gefühl…

Das Semester geht jedenfalls schnell zu Ende, und der „legendäre“ Konstanzer Sommer lässt leider noch auf sich warten. Soviel zur aktuellen Lage – jetzt wünscht mir Glück für mein erstes Schachturnier seit 2 Jahren am Samstag in Lünen bei Dortmund, wo ich mir Hoffnungen auf ein Preisgeld machen kann 🙂