Bildungspflicht statt Schulzwang!

Ein kontroverses Thema, das selbst unter Liberalen zu erbitterten Diskussionen führen kann, ist der staatliche Schulzwang. Weil Bildung ja so wichtig ist, sei der Staat der Einzige, der für diese Bildung garantieren kann. Dieser Dogmatik jedenfalls hängt man in Deutschland noch an, das nebem dem totalitären Nanny-Staat Schweden das einzige europäische Land ist, in dem unschuldige Kinder –  koste, was es wolle –  mit Zwangsgewalt in Schulanstalten eingepfercht werden.

Homeschooling – das Unterrichten von Kindern zuhause – ist demnach verboten- übrigens erst seit der Machtergreifung Hitlers .Aber es ist absolut verständlich. dass so ein autoritäres, elementare Freiheitsrechte einschränkendes Gesetz in einem demokratischen Land noch Bestand hat und sogar aktiv von links wie rechts verteidigt wird. Denn wer die Macht über die Bildung hat, hat die Macht über die Zukunft. Der deutsche Nachwuchs wird herangezüchtet, wie es sich die Elite vorstellt – zum gehorsamen Staatsbürger, der brav arbeitet und die Hälfte seines Lohnes an seinen Teilhaber abgibt, obwohl er ihm nicht den Gesellschaftsertrag unterzeichnet hat.

Nun ist dies ein höchst respektabler Lebensentwurf, der von Millionen von Menschen gelebt wird. Ohne Bildung wäre ein funktionstüchtiges Gemeinwesen nicht möglich. Bedenklich ist auch nicht, was gelehrt und wie es vermittelt wird, sondern das der Staat sich anmaßt, entscheiden zu dürfen, was gut und richtig ist. Denn Schüler, die zu Hause unterrichtet werden, würden erst einmal weitgehend das gleiche lernen. Sie haben zudem die Chance, ihre Interessen und Fähigkeiten wesentlich früher zu vertiefen und entsprechend gefördert zu werden. In sensiblen Fächern wie Politik und Religion können sie lernen, ohne von intoleranten Lehrern in ihrer Meinung beschränkt und mit schlechten Noten bestraft zu werden.

Denn die Leistungstrimmung auf Noten ist zwar sicher keine schlechte Sache, aber anfällig für Manipulation: wer nicht die Meinung des Lehrers teilt, wird – das ist leider oft so – entsprechende Sanktionen zu erwarten haben. Und es ist leider auch so: an der schulischen Note hängt im extremen Ausmaße der Aufstieg in unserer Gesellschaft ab, da etwaige Unternehmungen durch die deutsche Überbürokratisierung ebenfalls eine gewisse Bildung benötigen. Statt schlechter Noten lässt man sich dann meist also doch lieber indoktrinieren, zumal die wenigsten Schüler schon die Reife besitzen, dagegen vozugehen. Der Lehrer ist eben eine Autoritätsperson, auch wenn das Verhalten vieler Schüler mittlerweile anderes aussagt.

Dieses Verhalten ist aber nicht nur von den Lehrern abhängig, die – ihr ganzes Leben in stetiger Betreuung durch den Staat (Kindergarten, Schule, Studium, Refendariat, Beruf) – natürlich auch ein entsprechendes Weltbild vermitteln.  Nicht aus Bösartigkeit, sondern weil sie nie aus ihrem System ausbrechen konnten und nichts anderes kennen. Mittlerweile hat sich durch das Internet glücklicherweise einiges geändert in dieser Hinsicht.

Was spricht nun gegen das Homeschooling – dem Unterricht von Kindern zu Hause?

Ein Argument, das man sehr oft zu hören bekommt, ist die soziale Isolation. Dieses Argument finde ich aber schwach. Auch Kinder, die zuhause unterrichtet werden, werden Freunde haben, schon alleine, weil sie mehr Zeit und vermutlich auch Motivation haben, in Vereinen, Sportgruppen und Co. zu partizipieren. Zumal es höchst fraglich ist, ob der tägliche Psycho-Terror auf dem Pausenhof der Entwicklung mancher Schüler sehr förderlich ist. Sie als Opfer würden von Homeschooling überaus profitieren: Bildung wäre nicht mehr täglicher Horror, sondern würde tatsächlich Spass machen.

Aber auch Täter – diejenigen Schüler, die mit Vorliebe ihre Mitschüler terrorisierien – könnte geholfen werden. Ihr Verhalten liegt in der großen Mehrzahl der Fälle nicht an ihrer böswilligen Natur, sondern daran, dass sie sich  in einem Umfeld aufhalten müssen, das für sie nicht reizvoll, schlicht langweilig ist. Gesellschaftlicher Aufstieg ist ihnen nicht wichtig, weshalb sie sich Lehrern gegenüber verhalten, wie sie wollen. Sie haben keine Motivation zu Bildung, weil dasm was ihnen aufgezwungen wird, nicht ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht. Es ist nicht verkehrt, wenn Migranten, die in Deutschland leben wollen, auch ein Mindestmaß an deutschen Sprachfertigkeiten besitzen. Statt ihnen jedoch lediglich diese in einem gutem Fremdsprachenunterricht zu vermitteln, müssen sie wie die Muttersprachler interpretieren, was sie viel besser in ihrer Muttersprache machen könnten und auch wollen. Das trifft dann auch auf jedes andere Fach zu. Deutschkenntnisse sind der Schlüssel, den viele nicht haben. Verbesserte Förderung kann hier einiges, aber auch nicht alles erreichen. Und da die Ressourcen von Schulen begrenzt sind, lernt man zu Hause in seiner Sprache, die man am besten beherrscht, eben deutlich einfacher und schneller mit viel mehr Spaß.

Homeschooling heisst außerdem nicht, dass Kinder einzeln unterrichtet werden. Wie in den in Deutschland ebenfalls maßlos überregulierten Privatschulen können mehrere Kinder zusammen unterrichtet werden – bloß eben in Gruppen, die jedem individuellen Leistungsniveau besser entsprechen. Stärkere Schüler lernen dann deutlich mehr und können ihre Begabungen fördern, während schlechtere Schüler entsprechend aktiv gefördert werden.

Ein weiteres Argument gegen Homeschooling ist, dass das Kind der Indoktrination der Eltern ausgeliefert sei. Es könnten ja Kreationisten, Scientologen oder gar Libertäre sein. Davon abgesehen, dass die staatliche Indoktrination auch nicht besser ist, wollen Eltern in der Regel, dass ihre Kinder eine Zukunft haben und sie entsprechend gut ausbilden. Wenn die Eltern ihr Kind kreatonistisch aufziehen, kann auch die Schule in der Regel nichts ausrichten. Und selbst wenn liegt es noch immer in der Entscheidung des Kindes selbst, was es glauben möchte – nicht an irgendwelchen Vorstellungen bestimmter Gesellschaftsgruppen. Auch das Argument unfähiger Eltern ist nicht valide. So sie denn überhaupt selbst unterrichten und niemanden privat einstellen. Schließlich heisst Homeschooling nicht, dass nicht mehr unterrichtet wird. Natürlich gibt es auch für Homeschooler Prüfungen, in der ihre Bildung abgefragt wird. Wer offensichtlich zu Hause nicht genug Bildung bekommt, muss dann eben doch eine Schule besuchen. Solch eine Bildungspflicht mit staatlicher Kontrolle mag aus libertärer Sicht zwar inkonsequent sein, so lange der Staat besteht ist es aber sinnvoll. Die vorgegebenen Lernziele sollten gleichwohl nie inhaltlich, sondern immer nur technischer Natur sein. Naturwissenschaftliche Fächer sind meist keine Probleme, nur in Fächern wie Politik und Religion könnte man Probleme ausmachen. Aber auch hier gilt: es ist unbestreitlich, dass das politische System in Deutschland existiert wie es existiert. Wissen darüber würde dem Schüler auch mehr helfen als Al Gores Klimapropaganda „Eine unbequeme Wahrheit“ zu hören und nach unkritischer Beschäftigung in der Schule damit darüber geprüft zu werden. Überhaupt scheint Bildung durch die Eltern, ob wir nach Amerika oder sonsthin schauen, nun wirklich kein gesellschaftliches Problem zu sein – ganz im Gegenteil.

Homeschooling, so heißt es, würde außerdem die Kinder begünstigen, deren Eltern sich Privatlehrer leisten können oder sich vom Beruf zurückziehen können, oder aber diejenigen aus unteren Gesellschaftsschichten, die arbeitslos sind und ihren Kindern das nötige Wissen nur unschwer vermitteln können. Nun sollte es eigentlich Konsens sein, dass jedes Kind gemäss seinen individuellen Begabungen optimal gefördert wird, auch wenn das derzeitige Bildunsdogma eher auf extreme Angleichung setzt. Wenn Schüler also besser zu Hause auf ihre Zukunft vorbereitet werden als in der Schule ist das ein Versagen des staatlichen Schulsystems. Das soll ja auch garnicht abgeschafft werden. Wer sich Homeschooling aus welchen Gründen auch immer nicht leisten mag oder es gar nicht erstrebenswert findet, kann sein Kind ja weiterhin in die staatliche Anstalt stecken. Und wer nicht für die essentielle Bildung sorgen kann hat die Pflicht, sein Kind eine Schule besuchen zu lassen, das ihm die Bildung vermittelt. Letztlich mag die dann auch staatlich sein.

In Deutschland werden Eltern derzeit noch massiv verfolgt, wenn sie ihre Kinder zu Hause unterrichten. Meist bleibt da nur die Flucht in ein Nachbarland, ehe das Kind mit 18 Jahren von der Schulpflicht befreit wird. Eine deutsche Familie stellte gar Antrag auf politisches Asyl in den USA, dem auch statgegeben wurde. Denn staatliche Zwangsaktionen gegen Schulverweigerer machen auch vor Sorgerechtsentzügen, polizeilichen Zwangszuführungen und massiven Geldbußen nicht halt. Für ein Land, das sich demokratisch heißt, ist dies unwürdig.

Damit sich diese menschenverachtende  Praxis in Deutschland ändert kämpfen diverse Initiativen für das Homeschooling. Auf deren Webseiten kann man auch noch viel mehr Interessantes erfahren. Hier eine kleine, nicht abschließende Übersicht:

http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/

http://www.bvnl.de/

http://www.hausunterricht.org/

http://www.homeschooling.de/

http://www.leben-ohne-schule.de/

Mir bleibt jedenfalls schleierhaft, wie man den staatlichen Schulzwang in Deutschland noch aufrechterhalten kann. Denn Homeschooling (und auch Privatschulen) helfen gerade denjenigen, die es bitter benötigen: die Kinder in unserer Gesellschaft, denen es nicht so gut geht. Ob Armut in der Familie, Migranten oder mit Verhaltensstörungen – das staatliche Schulsystem ist extrem schädlich für diese. Vielleicht setzt sich ja bald diese Erkenntnis auch durch.

Ich habe jedenfalls noch ein ziemliches Trauma von der Schule. Lediglich etwas Glück mit den Lehrern in der Oberstufe und die dort stattfindende Spezialisierung bereitete mir dann wieder etwas Spaß an der Bildung. Weitere Details möchte ich den Lesern ersparen und hoffe auf Auseinandersetzung mit diesem Thema.

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Gedanken zur Bildung in Konstanz

Nach einem geschäftigen Tag beenden wir diesen nun mit einem Blog-Artikel. Zurück in Konstanz muss jedoch erst einmal gesagt werden, dass mein glorreiches Netbook seinen Geist aufgegeben hat. Bevor ich 40€ für eine Diagnose zahle und dann defacto genötigt bin, mögliche Reparaturen durchzuführen, möchte ich die 40€ nicht umsonst ausgegeben haben. Daher – Weihnachten naht – ist nach 3 Jahren auch durchaus ein neues drin. Die Frage bloss ist: Netbook oder Tablet? Ich tendiere zu letzterem. Und dort die Frage: Apple oder nicht? Und LTE – ja oder nein? (LTE ist der neue ganz ganz schnelle Funkstandard, aber noch nicht sonderlich breitflächig verfügbar im Moment).

Wie dem auch sei: nun tippe ich meinen ersten Blog-Beitrag auf meinem alten PC. Das geht genauso bequem. Überhaupt bin ich hier 3-mal so effektiv und schnell wie am Netbook. Auf Dauer gewöhnt man sich dort auf teilweise lange Wartezeiten beim Laden von Programmen – hier ist das nicht der Fall. Nach 3 Jahren Quasi-Stillstand freut sich mein bis dato ständig heissgelaufener PC aber wohl auch mal wieder an etwas Aktivität.

So zocke ich denn tatsächlich auch mal wieder was. Abgesehen von gelegentlichen FIFA-Sessions woanders bot ein Netbook nur Vergnügungen wie Schach, Poker und kleinere Internet- und Browserspiele. Damit kann man zwar auch Stunden verbringen, mal wieder einen alten Klassiker wie Trackmania zu spielen – auch wenn er sich massiv verändert hat – tut aber mal der Seele gut. Man muss es ja nicht übertreiben und wieder die Weltrangliste dominieren – Studium und andere Aufgaben warten…

Das Studium gleichwohl – 7 Wochen sind schon vorbei – scheint noch gar nicht wirklich angefangen zu sein. Es ist nicht so, dass man nichts zu tun hat. Im Gegenteil – manche scheinen unter der Belastung zu ächzen. Aber das Schöne am Studium ist ja: man kann sich seine Zeit selbst einteilen – so ganz ohne Anwesenheitspflichten,  wie man will. So kann ich wie jetzt um 3 noch meinen Blog beschreiben, obwohl um 8 Uhr morgens – sprich in 5 Stunden – bereits eine Vorlesung beginnt. Die sind zwar wirklich nicht schlecht, als Autodidakt ist es für mich aber eine Herausforderung solch Monologen sonderlich lange zu folgen, zumal ich Sie in Eigenregie 10-mal so schnell nachholen kann. In dieser Hinsicht freilich wiegt der Verlust des Netbooks als Ablenkungsobjekt in den Vorlesungen schwer.

Nach 3 Semestern weiß man auch genug Bescheid, wie man sich seinen Stoff einteilt. Powalter haben den Vorteil, dass sie zwar relativ viel zu  lesen (kontrolliert wird das natürlich allenfalls durch die Klausur), aber bis auf die obligatorische Seminar-Hausarbeit am Semesterende wenig zu schreiben haben. Mitschriften habe ich mir noch nie gemacht, Protokolle gibt es nicht, für ein Tutorium, so man denn überhaupt hingeht,  muss man allenfalls mal ein Exzerpt verfassen. Da blickt manch Naturwissenschaftler ganz neidisch!

Inhaltlich ist es durchaus noch spannend. So ganz kann ich als Libertärer der Politikwissenschaft die Existenzberechtigung nicht absprechen. Und auch wenn viele Berufsrichtungen nicht mehr in Frage kommen, so schadet es doch nicht, gewissermassen das Denken des politischen Gegners zu verstehen zu lernen (auch wenn das oft Horror ist).

Auch wenn ich für mein derzeitiges Hauptinteresse – Politische Theorie – eindeutig am falschen Fachbereich bin, so kann man trotz der empirisch-quantitativen Ausrichtung dank der umfassenden Wahlmöglichkeiten sein Studium in die gewünschte Richtung lenken – auch wenn das Angebot vielleicht begrenzt ist. Dank problemloser Anerkennung des Auslandsstudiums kann man aber auch dem Abhilfe tun. Mich zieht es wohl nach Madrid – aber noch ist nichts entschieden.

Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz bleibt jedenfalls – ohne mich jetzt weiter auf die vielen positiven als auch die sehr viel weniger negativen Aspekte einzulassen – ein empfehlenswerter Studiengang, den ich so nochmals wählen würde. Denn man hat das, was von Studenten heutzutage so oft bemängelt wird: Zeit!

Wie man sie nutzt, ist einem jeden selbst überlassen. Ob auf Partys, am See, im AStA-Cafe oder engagiert bei vielen tollen Studenteninitiativen – Möglichkeiten gibt es genug. Gerade in den Politikwissenschaften – und viel wichtiger in diversen Nebendisziplinen kann man diese Zeit unter anderem  auch nutzen, um sich einen Überblick über Anderes zu verschaffen. Wenn so oft von der Wichtigkeit von Bildung gesprochen wird, kann ich das nicht verneinen – ganz im Gegenteil. Aber Bildung ist mehr als Zwangsanwesenheit in schulischen Anstalten wider der Natur vieler Kinder noch der mehr oder minder freiwillige Universitätsbetrieb, in der im Gegensatz zur Schule wenigstens noch Eigenverantwortung und Nonkonformismus ohne Disziplinierung durch Staatsdiener möglich sind. Zur Bildung als lebenslangen Prozess gehört natürlich nicht nur Wissen, sondern viel mehr andere Fähigkeiten.

Wicht ig aber ist: gut verstandene Bildung ist selbstbestimmt. Was heutzutage als Bildung deklariert wird, sollte man eher als Formung bezeichnen. Im Gusseisen des gehorsamen Staatsbürgers werden die Individuuen gepresst, um von der Politik bestimmt und von der Wirtschaft benutzt zu werden. Das ist nicht mein Verständnis einer freien Gesellschaft, in der wir angeblich leben. Bildung sollte bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel Recht/Gesetze) nicht vermitteln WAS, sondern WIE man denkt und die nötigen Ressourcen zur Vervollkommnung dieses Ziels bereitstellen. Wenn eine gewisse Anzahl von Studenten ein Seminar über Karl Max haben möchte, dann sollten Sie das auch bekommen – ob es Ihnen nützt sei dahingestellt. Doch dieses Thema möchte ich hier auch nicht abschliessend behandeln. Das würde auch in eine Diskussion über staatliche Universitäten bzw. privaten Konkurrenten allgemein ausufern, auf die ich beizeiten noch zu sprechen komme.

Ich halte fest: PoWalter in Konstanz zu studieren heisst weitgehend selbstbestimmt zu studieren – dazu in einer zu jeder Jahreszeit wunderschönen Umgebung. Hier hat man auch noch ein Studentenleben – nur 1 Woche vor den Klausuren muss man sich dann schon in der Bibliothek einschließen. Dann reicht es auch für die Klausuren: keine exzellenten, aber doch gute Noten. Erstere sind bei dem Glücksspiel namens Multiple-Choice – ein Thema, das ich bereits mehrfach ansprach – aber ohnehin nur mit einigem an Lerneifer über das gesamte Semester hinweg zu erreichen. So kann man sein Studium natürlich auch verbringen. Leistungswille sollte man respektieren, schätzen und fördern. Noten allerdings sind nicht der einzige Indikator dafür! Genauso wenig wie die Studiendauer und anderes. Wichtig ist nicht, wie man seine Zeit nutzt, sondern was am Ende dabei herauskommt. Die spontane Ordnung, würde ich jetzt sagen, wird das schon richten. Und, um letztlich den Bogen zum Anfang zu schlagen: auch Zocken ist Bildung! Eine sehr bedeutende sogar, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann…

Die Tyrannei des Fernsehens und informationelle Selbstbestimmung

Wer schon immer mal sehen wollte, wie unser Privatfernsehen mit seinen Darstellern umgeht, sei folgender kritischer Blogartikel ans Herz gelegt, den mir mir ein Kommilitone empfahl: http://fernsehkritik.tv/blog/2012/07/machen-sie-sich-das-ganze-bild/

Schon die Handlungsbeschreibung ist es wert zu lesen, noch viel interessanter sind aber die Vertragsbedingungen. Insbesondere Paragraph 5, Absatz 1, macht aus dem offenen Geheimnis ein schriftlich fixiertes: Ich zitiere:

Der Vertragspartner erteilt seine Einwilligung in die Verbreitung seiner Bildnisse und Tonaufnahmen in dem Bewusstsein, dass sein Allgemeines Persönlichkeitsrecht betroffen ist.

Skandal? Bestimmt nicht. Dass sogenanntes Reality-TV die Realität nur vorgaukelt sollte jedem halbwegs kritischen Menschen klar sein – sicher aber nicht allen.

Das Produktionsfirmen solcher Serien darauf aus sind, ihre Vertragspartner, sprich Darsteller, ins Lächerliche zu ziehen, um die Quote zu erhöhen, dürfte ein offenes Geheimnis sein.

In jenem Zitat wird es aber nochmal schriftlich deutlich – das Ganze wirkt schon fast wie ein gönnerhafter Hinweis, dass man ordentlich lächerlich gemacht wird. Kann jedenfalls  niemand der Produktionsfirma vorwerfen, davon nichts gewusst zu haben.

Durch den Vertrag wird allerdings ein Grundrecht der Betroffenen, das an ihrer eigenen Persönlichkeit, ausgehebelt: http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitsrecht_%28Deutschland%29#Allgemeines_Pers.C3.B6nlichkeitsrecht

Sie treten im Vorhinein alle Rechte ab – den Produktionsfirmen steht frei alles nach Belieben zu verwerten. Da werden aus harmlosen Szenen schnell sehr unangenehme für den Darsteller, der sich im Nachinein dagegen nicht mehr wehren kann. Man kennt das ja nur zu gut von den Castings von „Deutschland sucht den Superstar“ oder ähnlichen Schmarrn.

Was ich mich schon immer gefragt habe: wie kann man ernsthaft bei solchen Zuständen in der Unterhaltungsbranche arbeiten wollen? Und wie kann man ernsthaft einen solchen Vertrag unterschreiben?

Ist es das schnelle Geld, eine Bekanntheitssteigerung, Narzissmus-Befriedigung oder einfach nur schlichtweg Naivität und fehlendes Wissen um die Vertragsbedingungen?

In unserer heutigen Zeit scheint der Datenschutz einerseits für viele zunehmend wichtiger zu werden, andererseits – ich bin da keine Ausnahme – versucht man sich durch neue und „soziale“ Medien dauerhaft ins beste Licht zu stellen bzw. in das, als das man gesehen werde möchte. Für die einen ist es Datenschutz, für andere Post-Privacy. Da wiegt es auch nicht so schwer, wenn einem sowas als Makel ein ganzes Leben anhängt – wie mir meine Blogposts.

Aber eben diese Entscheidung sollte meine Entscheidung sein: in meine informationelle Selbstbestimmung möchte ich mir weder vom Staat  hereinregulieren noch vom Markt betrügen lassen.

Informationelle Selbstbestimmung setzt aber Wissen um Chancen und Folgen heraus – schlechtweg Bildung. Und Bildung in solchen Themen wird in der Schule weitgehend ausgeklammert. Das ist schade, gefährlich und sollte dringend angepackt werden. Bildung als Befähigung zur Eigenverantwortung, nicht als Bevormundung in Sinne von immer stärkeren Datenschutzregelungen durch den Staat. Aber das spannt den Bogen nun zu weit vom Thema weg.

Die Grundfrage ist eine moralische – der Vertrag rechtlich nämlich einwandfrei. Ich mag es nicht moralisch zu argumentieren, aber auch ich habe Moral. Und die sagt mir, dass man keine solchen Serien auf dem Rücken persönlicher Grundrechte von Darstellern führen sollte, die sich über die langfristigen Folgen ihres Drehs für sich selbst nicht bewusst sind. Solche Serien sagen denn nämlich auch  deutlich mehr über die Produzenten und die Verwerter aus als über die Darsteller als Opfer.

Ich könnte in so einer Branche nicht glücklichwerden – aber das mögen viele anders sehen. Zum Glück bin ich von ihr auch weitgehend verschont:  ohne Fernseher lebt es sich doch deutlich besser. Manche mögen Freude an Berieselung finden, ich finde es langweilig  und gefährlich – und vor allem als Synonym für all die Probleme, die momentan an der Tagesordnung sind. Aber das werde ich nicht heute diskutieren.

Es sei an Giovanni Sartori erinnert – den italienischen Politikwissenschaftler, der genau vor dieser Gefahr warnte. Der „homo videns“ entwickle sich anthropologisch durch den Verlust von Abstraktionsähigkeit und Verarmung des Denkens zurück – Grund sei das Fernsehen.  Durchaus Recht hat er da, der Giovanni, dessen anderer Ansatz der „Video power“  ebenfalls einer näheren Betrachtung lohnt, auf die ich die Tage eingehen werde.

In diesem Sinne wende ich mich von der Tyrannei des Fernsehens ab und nun wieder meiner Hausarbeit zur Tyrannei der Mehrheit zu!