Wahlergebnis Urabstimmung Uni Konstanz zur Satzung

Nach meinem letzten Artikel über die Studierendenvertretung jetzt die Auflösung der Urabstimmung. Selbst ich habe noch zu hoch geschätzt. Wahnsinnige 6,45% betrug die Wahlbeteiligung. Haben die restlichen StudentInnnen mit ihrem Fernbleiben ihre Ablehung verkündet? Oder nur ihre Gleichgültigkeit? Oder gar ihre stillschweigende Zustimmung? Und was davon ist eigentlich schlimmer…?

Hier das Endergebnis aus meiner Quelle – eine offizielle Verkündung schien wohl noch nicht möglich.

Zahl der Wahlberechtigten: 10691
Anzahl der gültigen Stimmen: 684
Anzahl der ungültigen Stimmen:6
Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen: 690
Abstimmungsbeteiligung: 6,454%
Anzahl der Ja-Stimmen:563
Anzahl der Nein-Stimmen: 121

Ergebnis ist, dass die Satzung angenommen wurde und sich die Konstanzer Studierendenvertretung nun als Verfasste Studierendenschaft konstituieren kann. Das 1%-Quorum wurde nämlich offenbar erreicht. Kein Kommentar mehr dazu, außer das Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Aber das ist ja nichts Neues…

Gedanken zur Konstanzer Studierendenvertretung – Urabstimmung zur Satzung

Heute und morgen darf die Konstanzer Studierendenschaft noch zur Wahlurne treten. Geschätzte 10% werden dies auch sicher tun und für die Einführung einer Zweikammerparlaments stimmen, das der jetzigen Struktur weitgehend ähnelt. Begünstigt durch das neue grün-rote Landeshochschulgesetz wird qua Annahme der vorgeschlagenen Satzung dann eine Zwangsumlage für alle Studierende fällig, obwohl 90% der Studierenden durch ihre Nichtteilnahme (quod erat demonstrandum)  an der Wahl ihre offensichtliche Ablehnung zum Ausdruck geben. Auf uns zu kommen soll nur ein verschmerzbarer Betrag von 5-10 Euro. Summiert mit der Erhöhung der Beiträge des mißwirtschaftenden Studentenwerkes und durch die bereits bei der letzten Urabstimmung beschlossene Zwangsfinanzierung des Studi-Tickets über die Stadt Konstanz hinaus muss man aber einen Batzen mehr Geld bezahlen als noch zu Studienbeginn, obwohl die Gegenleistung der Studierendenvertretung eher als gering anzusehen ist (gegen das Studentenwerk möchte ich als ihr Mieter mal nichts sagen…). Von der Studiengebühr konnte man sich wenigstens noch befreien lassen (3-Kinder-Regelung), hier ist das hingegen nicht möglich. Das Land Sachsen hat es vorgemacht und plant eine Austrittsregelung in das Landeshochschulgesetz auzunehmen, durch die Studenten ab dem 2. Semester aus der Verfassten Studierendenschaft austreten können.

Nur gerecht wäre es dann natürlich, mögliche Trittbrettfahrer auszuschliessen von den Leistungen der Studierendenvertretung. Die Umsetzung gleichwohl könnte sich als schwieriger erweisen. Ich glaube jedoch kaum, dass all zu viele Studenten von ihrem Recht auf Austritt Gebrauch machen würden. Erstens bekommen sie es kaum mit, zweitens ist es mit Aufwand verbunden und drittens ist der Betrag meist noch recht klein. Da zahlt man gerne aus freiwilliger Solidarität und im Glauben, dass die Studierendenvertretung ab und an doch für ein gutes Angebot sorgt, das zweifellos existiert.

Ich würde jedenfalls nicht austreten. Genauso wenig möchte ich aber, dass mir meine Entscheidungsfreiheit genommen wird, ob ich in solch einer „Schicksalsgemeinschaft“ integriert sein möchte. Gewissermaßen ein „Libertarian Paternalism“, der in diesem Fall zur Anwendung kommt: Mitgliedschaft Standard, aber Austritt möglich.

Auch wenn ich nicht an viele Austritte glauben würde, liegen die natürlich im Bereich des Möglichen. Eine wahre Austrittswelle würde ohnehin dafür sprechen, dass die Studierendenvertretung und ihre Angebote nicht als hilfreich gesehen werden. Wenige Austritte würden dafür sorgen, dass das Budget von studentischen Geldern kleiner wird, die Studierendenvertretung also sparsamer wirtschaften muss (was tatsächlich mal ein Anfang wäre). Oder sie erhöhen in Gefahr das es zu mehr Austritten kommt, die nunmehr freiwillige Umlage.

Gerade die Gefahr, dass StudentInnen austreten können, wird die Studierendenvertretung zu Aktivitäten veranlassen, die den StudentInnen auch tatsächlich nützen. Die Selbstbedienungsmentalität wird so effektiv ausgehebelt. Die möchte ich keinem engagierten Konstanzer Studierendenvertreter unterstellen, auch wenn die durch die Studierendenvertretung vergebenen Stellen bald wohl merklich zunehmen werden und Referenten, sofern sie noch nicht tun (ich weiß es nicht), eine Aufwandsentschädigung erhalten. Zumindest eine halbe Sekretariatsstelle wurde meines Wissens schon beschlossen. Ob die tatsächlich notwendig ist kann ich nicht beurteilen. Wenn man allerdings von aktuellen Vertretern des Konstanzer StuPa Worte hört wie sinngemäß „Geld hat ja eh keinen Wert, deshalb können wir alles verschwenden“, so scheint mir, auch wenn die Analyse durchaus wahr ist,  ein effektiver Mechanismus zur finanziellen Kontrolle des Studentenparlamentes nicht verkehrt zu sein.

Überhaupt fehlt es an Kontrolle der Studierendenvertretung. Sie geben sich zwar mittlerweile Mühe und geben regelmässig eine umfassende Information heraus, die in den Mensen ausliegt (auch wenn sie Zukünftiges wie kommende Zwangsgebühren dabei lieber ausklammern), doch auf ihrem Internetauftritt sind die Informationen doch recht dürftig, auch wenn mittlerweile die Protokolle der StuPa-Sitzungen regelmässig aktualisiert werden (durchaus interessant zu lesen). Bleibt zu hoffen, dass dies der Noch-Nicht-Verfasstheit geschuldet ist und sich in Zukunft ändert (Manpower und so, die man ja bezahlen muss)…

Kontrolle jedoch nicht so sehr institutionell, sondern durch kritische Öffentlichkeit. Ich scheine der Einzige zu sein, der hin und wieder die Motivation findet, darüber zu berichten. Viel Lust und Zeit habe ich aber auch nicht, außerdem fehlt mir sicher die Kompetenz 😉 Wenn allerdings aus ideologischen Gründen der einzige Bewerber eines Referats kurz vor Abstimmung noch einen Notfall-Gegenkandidaten bekommt, so besteht durchaus berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit daran. Welche Öffentlichkeit mag man fragen? Aber wenn man Studenten das Interesse an den Machenschaften der Studierendenvertretung abspricht, sollte man sich auch fragen, warum man sich einbildet, die Studierenden würden von den eigenen Angeboten profitieren.

Vielleicht lohnt es sich  auch über eine andere Idee nachzudenken: Zwangsgebühren werden zwar eingeführt, aber StudentInnen können auf Antrag selbst über die Verwendung ihrer Gelder entscheiden (teils-teils wäre für den Anfang auch eine Option). Dies würde schätzungsweise Kultur & Co. nützen, während ideologische Partikularinteressen wohl eher weniger unterstützt werden. Vielen wäre dies vermutlich auch egal – es gäbe also immer noch einen großen Topf zur Verteilung durch die Nachwuchsfunktionäre.

Ich könnte jedenfalls weitaus ruhiger schlafen, müsste ich nicht ständig drüber nachdenken, ob mit meinen Cents gerade die Gender-Ideologie oder ein Trommelkreis unterstützt wird. Ein Angebot der Studierendenvertretung, das er unterstützen möchte, wird schätzungsweise jeder Student haben. Wenn nicht könnte man es in eine Art Fonds geben, aus der einmal jährlich durch demokratische Urwahl aller Studierenden bestimmte Projekte finanziert werden. Dies könnte man leicht an die jährlichen Wahlen zum Studentenparlament koppeln.

Noch optimaler wäre natürlich direkte demokratische Mitbestimmung über das Internet. Die Studierendenvertretung fürchtet sich aber scheinbar davor und sieht es aufgrund von Sicherheitslücken als nicht umsetzbar an. Wer so schnell aufgibt, dem scheint echte Mitbestimmung tatsächlich nicht allzu sehr zu Herzen liegen.

Wenn Mitbestimmung nicht möglich ist, hätte manch StudentIn aber gerne Selbstbestimmung. Die allerdings wird an deutschen Universitäten, bis vielleicht auf Sachsen, erst einmal Träumerei sein. Die Studierendenvertretung schränkt sie auch vergleichsweise wenig ein – staatlich verkrustete Strukturen in unserem Bildungssystem aufzubrechen ist die wichtigere Aufgabe. Wie dem auch sei: wie ich heute bei Urwahl zur Satzung der Verfassten Studierendenschaft gewählt habe, kann sich jeder denken. Ein Wahlerfolg gleichwohl wird mir nicht zuteil werden…

AStA, StuPa, VS – aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz – II: Reaktion und Gegenreaktion

Mein gestriger Artikel schlug hohe Wellen. So katapultierte sich mein Blog nun auch auf eine Besucherzahl von 20000! Eigentlich wollte ich diesen Anlass feierlich begehen, mache dies aber nun ein anderes Mal. Statt nämlich die ausführliche Reaktion eines Mitglieds der Studierendenvertretung im Kommentarbereich versanden zu lassen, stelle ich sie lieber hier heraus – genauso wie meine Antwort, für die ich mir immerhin über 2 Stunden nun Zeit genommen habe. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren! Möge sich der Leser selbst eine Meinung bilden.

Lieber XXX
eigentlich ist mir meine Zeit zu schade, um sie auf die Kommentierung dieses Artikels zu verwenden.
Viele deiner Kritikpunkte an der Studierendendenvertretung kommen daraus zustande, dass du die Strukturen nicht kennst, und trotzdem in Unkenntnis der Tatsachen die Arbeit verleumdest. Dies wird vielen engagierten Leuten nicht gerecht!

Ich sammel mal ein paar Punkte:
– Alle Arbeit in der Studivertretung läuft ehrenamtlich. Du beschwerst dich nun einerseits darüber, dass die Informationsstrukturen nicht proffessionell sind (das ist in der Tat der Fall), andererseits wetterst du gegen eine “Zwangsbeitrag”. Aber wie sollen wir proffessionelle Arbeit machen, ohne die Mittel dazu zu haben? Wir können niemanden dazu zwingen freiwillig eine super Homepage zu basteln und täglich die Mensa zu flyern!
– Onlineabstimmungen und Liquid Feedback haben ein sehr großes demokratisches Defizit: Sie sind fälschbar! Und der Betrug kann nicht unbedingt nachvollzogen werden! Wir haben nach der Online-Urabstimmung von einem Informatiker die Rückmeldung bekommen, dass er ohne Probleme diese Urabstimmung hätte fälschen können. Ist dies deine Grundlage für echte Basisdemokratie?
– Der Arbeitskreis Verfasste Studierendenschaft (AK VS) hat versucht mit großtmöglicher Rücksprache eine Organisationssatzung zu verfassen. Wir haben zwei Vollversammlungen zur Rücksprache abgehalten, sind in alle Fachschaften gegangen, haben Rückmeldungen aus den politischen Hochschulgruppen erfragt und haben allen Studierenden die Möglichkeit gegeben die Satzung zu kommentieren. Alle diese Instrumente wurde genutzt und haben auch Auswirkung auf die Formulierung der Satzung gehabt. Ich sage dir: Wir hätten es uns auch sehr viel einfacher machen können und einfach eine Satzung schreiben! Denn jedeR hätte es selber machen können.
Im letzten Schritt wird über diese Satzung in einer gesetzlich vorgesehenen Urabstimmung abgestimmt.
– Die Studierendenschaft geht momentan sehr sorgsam mit ihrem Geld um. Es gab in den letzten Jahrzehnten an sehr wenigen der sehr vielen Hochschulen Entfremdung von Geldern. Aber dies sind Einzelfälle und es werden seid Jahren die selben Fälle zitiert. Es ist aber ungerechtfertigt aufgrund von Einzelfällen die Studierendenvertretungen pauschal zu verurteilen. Das Geld was wir momentan zur Verfügung haben wurde zu über 60% durch Partys und andere Veranstaltungen selber erwirtschaftet! Mit dem Budget, das einzelnen Gruppen zugeordnet wird, geben wir ihnen die Möglichkeit Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Dies geschieht aber mit einer Kontrolle über das StuPa und den Finanzreferenten. Niemand bekommt pauschal für irgendetwas Geld.
– Es gibt sicherlich Leute in der Studierendenvertretung, die sich wählen (in das StuPa) lassen, um sich dies in den Lebenslauf zu schreiben und nicht aktiv mitarbeiten. Dies waren im letzten Jahr die LHG (und einige wenige Jusos) und dieses Jahr der RCDS. Dies sind jedoch Einzelfälle. Das Gros der Aktiven macht sehr viel ehrenamtliche Arbeit und bekommt dafür sehr wenig Anerkennung! Für meinen Lebenslauf wäre es beispielsweise deutlich förderlicher, wenn ich jede Semesterferien ein Praktikum machen würde, ein Erasmus-Semester hingelegt hätte und bessere Noten schreiben würden. Mir ist dieses Engagement für andere jedoch so wichtig, dass ich eigene Interessen vernachlässige. Die Leute in der Studierendenvertretung sind deswegen keine Jung-Politiker oder Karrieristen, die sich gerne ein bisschen profilieren wollen um ein bissschen Pseudodemokratie zu spielen, sondern Menschen, die sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen!
– Nun noch einmal sehr grundsätzliche Fragen: Wäre es dir lieber wenn es keine Studierendenvertretung gäbe? Ist es deine Ansicht, dass die Studierenden nicht mitreden sollten? Soll das Rektorat alles selber entscheiden?
Ist es dir egal, dass ein Studiticket gibt, dass eine kostenlose Rechtsberatung angeboten wird, dass wir Materialverleihen um den Gruppen Waffelstände und ähnliches ermöglichen, dass wir Vorträge und Veranstaltungen organisieren, um den kritischen Blick der Studierenden zu stärken (Mainstreamveranstaltungen brauchen wir nicht mehr organisieren..), dass wir bei Prüfungsordnungen und bei Berufungen von Proffessuren auf den Stellenwert des Studiums hinzuwirken, das die Angebote von Seezeit im Sinne der Studis sind?
Wenn du alle diese Fragen mit “Ja” beantwortest, dann mach weiter mit deiner Polemik. Dann ruf weiter zu Wahlboykott auf und werf den Organen und den Mitwirkenden vor, dass sie nichts sinnvolles machen würden.
Wenn nicht, dann überlege dir wie man die Situation weiter verbessern kann. Es gibt sicherlich sehr viel was vernachlässigt wird und noch nicht optimal läuft. Ein ganz großer Punkt dabei ist sicher auch unsere Informationspolitik. An diesem Punkt möchte ich dir ein Lob aussprechen, dass du die Arbeit der Studierendenvertretung thematisierst, jedoch das “wie” sehr scharf kritisieren.
Eine Art zu berichten ist zutiefst undemokratisch, da du Halbwissen mit deiner eigenen Meinung vermischst. Dadurch ermöglichst du den LeserInnen keine freie Meinungsbildung.

Wir können uns gerne mal treffen, einige Punkte auszusprechen. Wenn dir aber etwas an Demokratie gelegen ist, dann würde ich dir raten mit dieser Art des “Journalismus” aufzuhören.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Stoll
(seit anderthalb Jahren stud. Senatsmitglied, u.A. für das erweiterte Studiticket, zwei AStA-Partys, die eingereichte Organisationssatzung der VS, den Betrieb des Biergarten und die Einrichtung eine Fahrradverleis und diverse Kommunikation zwischen Studis und Unileitung (mit-)verantwortlich)

Lieber Patrick,

freut mich sehr, dass Du dir die Zeit genommen hast. Deshalb möchte ich es in den kommenden 2 Stunden auch tun.
Zuerst einmal möchte ich aber klarstellen, dass ich nicht den geringsten Anspruch habe objektiven „Journalismus“ zu betreiben. Das ist ein privater Blog, keine staatliche Rundfunkanstalt. Ergo gibt es auch subjektive Meinung pur statt subjektive Meinung verpackt im objektiven Journalismus. Dem Leser meines Blogs traue ich zu, dies zu erkennen. Daher erschliesst sich mir nicht, was daran undemokratisch sein soll. Ist es nicht gerade die Vielfalt an Meinungen, die Demokratie ausmacht? Ich leiste meinen Beitrag dazu und Du hast grad deinen geleistet – Glückwunsch! Denn was ist dein Kommentar anderes als subjektive Meinung, auch wenn du vielleicht meinst als studentischer Vertreter objektiv sein zu können. Gerade indem man seine Meinung ständig mit anderen Meinungen überpruft, bildet sich eine freie Meinung. Wer nur Nachrichten konsumieren will, soll sich eine andere Seite suchen. Wer hier liest kann das mit dem Anspruch tun, sich selbst zu informieren und meine Meinung kritisch mit Fakten wie seiner eigenen Meinung zu überprüfen – so wie du es getan hast. Deine scharfe Kritik weise ich allerdings bis auf wenige Punkte als unbegründet zurück, zumal du offensichtlich nicht gründlich genug gelesen hast.

Ich schrieb anfangs, dass ich hohen Respekt vor dem Engagement der Studierendenvertretung habe. Nicht so sehr des StuPas, aber umso mehr die der Referate. Genauso wie du mich für diesen Artikel lobst, aber das „Wie“ kritisierst, genauso lobe ich das Engagement einzelner Individuuen, die viel Zeit für das Wohl aller opfern, dritisiere aber das „Wie“. Mir ein Halbwissen zu unterstellen mag aus deiner Perspektive zwar richtig sein, doch zeigt die Informationspolitik der Studierendenvertretung offensichtlich, dass man, ist man kein Insider, nichts mehr als Halbwissen haben kann.

Deine angesprochenen Punkte chronologisch angesprochen:
1. Für mich sind professionalisierte Informationsstrukturen nun wirklich unabhängig von finanziellen Mitteln. Du hast zwar durchaus Recht, was eure Manpower betrifft, siehst aber als einzigen Ausweg Geld. Dem kann ich so nicht zustimmen. Wenn die Studierendenvertretung ihre Arbeit professionell kommuniziert, so werden sich allein schon deswegen viele Studierende viel eher vorstellen können sich zu engagieren. Auch scheint es offensichtlich ja derzeit der Fall zu sein, wie du selbst weiter unten erwähnst, dass finanzielle Mittel reichlich vorhanden sind. Warum dann noch Zwangsbeiträge nötig sind erschliesst sich mir nicht. Tatsächlich glaube ich auch, dass sehr wohl Leute dazu bereit sind, unentgeltlich Flyer zu verteilen oder eine Homepage zu warten. Möglichkeiten gibt es da genug. Man muss sie nur schaffen. Was man alles machen könnten, können wir gerne natürlich mal diskutieren.

Damit verbunden auf die Zwangsbeiträge eingegangen. Wenn die Studierenden Eure Arbeit tatsächlich als sinnvoll ansehen – warum lasst Ihr sie nicht einfach spenden? Oder zieht das Geld von ihnen zwar ein, behaltet Ihnen aber ausdrücklich eine Widerspruchsklausel vor, wenn sie nicht zahlen möchten, weil die Studierendenvertretung Ihnen keinen Mehrwert bietet. Da dies eurem Demokratieverständnis aber offenbar diametral widerspricht, lassen wir das mal dabei bewenden. Trittbrettfahrerproblem und so könnte man ja auch einwenden.

2. Das mag ja sein, dass Eure bisherige Urwahlen fälschbar sind. Das liegt offensichtlich dann aber an eurem System und nicht an der Idee an sich. Wenn Euch ein Informatiker schon sagt, dass man betrügen kann, warun kann er Euch nicht sagen, wie Ihr Euch vor dem Betrug schützen könnt?
Oder andere? Da darf man auch durchaus dann mal einen Batzen Geld reinstecken. Nur weil es Arbeit, Aufwand und Kosten verursacht ist eine gute Idee keine schlechte Idee. Und da Du offensichtlich an echter Basisdemokratie interessiert bist, wundern mich diese Ausflüchte.

3. Dem ist nichts hinzuzufügen. Den Prozess hatte ich auch garnicht kritisiert. Ich habe sogar geschrieben, dass ich mich selbst nicht an diesem Prozess beteiligt habe und daher kein Recht habe, rumzumeckern. Das die Satzung tatsächlich jeder schreiben kann, ist mir allerdings erst seit gestern bekannt. Wenn so etwas an mir vorbeigeht – kann ich wohl behaupten, dass es auch an einer Vielzahl anderer Studierender vorbei geht. Keine Angst – ich werde keine konkurrierende Satzung erstellen. Ich finde es im Gegensatz sehr gut, dass ihr versucht habt, alle Studierenden mit einzubeziehen, auch wenn es in dieser Hinsicht noch erhebliches Optimierungspotenzial gibt. Aber das ist ja letztlich auch eure Aufgabe als demokratische Studierendenvertretung. Diktatoren möchte niemand an der Universität.

4. Einzelfälle diskreditieren nicht die arbeit einzelner Studierendenvertretungen an sich, sind aber eine sinnvolle Warnung genau hinzuschauen. Nichts anderes habe ich gemacht. Und das was ich mir mal so angeschaut habe – die Ausgaben letzten Jahres wie die Kalkulation mancher Veranstaltungen – ist für meine Verhältnisse Geldverschwendung. Wenn ihr anderer Ansicht seid – bitte! Dass das Geld selbst erwirtschaftet ist, ist lobenswert, weshalb Ihr damit auch machen könnt, was Ihr beliebt. Wenn jedoch Zwangsbeiträge erhoben werden, steht Ihr in Verantwortung gegenüber den Studierenden, die diese zahlen müssen. Und die dürfen zurecht auch eine Gegenleistung erwarten.

5. Wie anfangs schon geschrieben. Bewunderung wäre übertrieben, aber ich schätze Eure Arbeit an sich sehr, nur nicht, was dabei rauskommt. Wenn mein Hang zur Polemik verletzend wirkt, dann tut mir das Leid, abstellen werde ich es aber nicht. Anerkennung kriegen leider die wenigsten, die am härtesten arbeiten. Aber so lange man sich freiwillig zu etwas entschieden hat und sich selbst in diese Richtung verwirklicht, muss dies ja nicht das Ziel sein, auch wenn es die Motivation sicherlich stärkt. Wenn Deine Präferenz darin liegt einen wie auch immer gearteten studentischen „Gemeinwohl“ zu dienen (ich habe große Probleme mit diesem Begriff), ist das sehr ehrenwert. Meine Präferenzen sind aber anders. Wer Kollektivismus will, muss auch mit seinen Nachteilen leben.

Das Lebenslaufargument, wie Du es benutzst, war übrigens nicht so gemeint. Natürlich ist mir bewusst, dass eine vernünftige, harte Arbeit im Studierendenparlament wie Du und viele andere sie täglich leisten lebenslauftechnisch nicht so honoriert wird wie all die anderen Aktivitäten, denen man in dieser Zeit hätte nachgehen können. Was ich ansprach waren die Leute, die dies nicht tun. Die haben deshalb auch trotzdem Zeit gute Noten zu schreiben und ihr Erasmus-Semester zu machen.

6. Zum Grundsätzlichen:
Wäre es Dir lieber, wenn es keine Studierendenvertretung gäbe?
Es wäre mir nicht lieber, aber ich schätze, ich würde es garnicht merken, wenn es keine Studierendenvertretung gäbe. Vielleicht ist das eine Fehleinschätzung, auch an die fehlende Kommunizierung eurer Arbeit gebunden. Das Studi-Ticket ist eines der wenigen Punkte, in der ich eure Arbeit bestätigt sehe, da hinter der Studierendenvertretung per Definition eine gewisse Legitmation steckt, die man bei Verhandlungen mit den Stadtwerken spielen lassen kann. Ob sich die studentischen Interessen in bezug auf ein günstiges Semester-Ticket jedoch auch ohne studentische Vertretung lösen lassen, möchte ich nicht verneinen. Ich denke daher, dass sich eine ähnliche Lösung auf jeden Fall spontan herausbilden wird.
Auch die Rechtsberatung, gleichwohl ich sie nie genutzt habe, scheint meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll zu sein. Doch auch hier könnte ich mir vorstellen, dass sowas ohne eine Studierendenvertretung entstehen kann.
Materialverleih ist natürlich hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig, ähnlich verhält es sich mit dem Rest der angesprochenen Punkte. Wenn Seezeit eine so schlechte Arbeit macht, werden sie es wegen fehlender Nachfrage merken. Nur wegen einzelner Partikularinteressen wie Veganismus braucht man keine Studierendenvertretung. Wenn veganes Essen den Veganern in der Mensa so wichtig ist, sollen sie sich zusammenschliessen und auf Seezeit einwirken, dass sie veganes Essen anbieten. Und höchst bedenkliche Aktionen wie „Veggie Days“ wünschen sich die Vielzahl der Studierenden schon garnicht, insbesondere wenn das aufgrund Unfähigkeit von Seezeit dazu führt, dass es Spaghetti mit Tomatensauce statt kreative und leckere vegetarische Gerichte gibt.
Ein letzter Punkt sind noch Berufen und Prüfungsordnungen. Ich glaube, in dieser Hinsicht leisten alle Fachschaften bereits hervorragende Arbeit. Die Fachschaften sind es auch, die viele der anderen Aspekte, die momentan die Studierendenvertretung noch abdeckt, übernehmen können.

Ist es deine Ansicht, dass die Studierenden nicht mitreden sollten?
Wie Du meinem Artikel entnehmen konntest, ist es sehr wohl meine Ansicht, die Studierenden mitreden zu lassen. Aber bitte richtig mit Direkter Demokratie. Und wenn schon in suboptimalen Strukturen wie derzeit dann bindet doch bitte die Studierenden ein.
Ich habe, seitdem ich an der Uni bin, eigentlich noch nie einen Stand der Studierendenvertretung im Foyer gesehen, wo Ihr über eure Arbeit informiert habt. Warum nicht? Jetzt komm mir nicht mit fehlender Manpower oder erhöhtem Zeitaufwand. Einfach mal ein paar Sitzungen und nutzlose Diskussionen zusammenstreichen, dann ist auch Zeit für sowas.
Es gibt außerdemabseits des zurecht verschrienen AStA-Cafes keine leicht zugängliche Ecke in der Uni, wo der AStA über seine Arbeit informiert und auch den Studierenden ermöglicht, vielleicht auf einer Stellwand seine Wünsche aufzuschreiben. So etwas wie die derzeitige Aktion der Bibliothek auf K5 könnte auch die Studierendenvertretung gut gebrauchen. Da gibt es noch Hunderte andere Stellschrauben, aber dabei möchte ich es mal belassen.
Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass man nicht mitreden kann. Und ich glaube kaum, dass ich da der Einzige bin.

Soll der Rektor alles entscheiden?
Gott behüte! Die Uni Konstanz hat zwar sehr viel Glück mit ihrem Rektor, aber eine Diktatur ist ja nun wirklich nicht erstrebenswert. Zumal der Rektor staatlich beeinflusst ist. Da ist mir das kleinere, gleichaltrige Kollektiv wesentlich lieber.

Noch ein letztes Wort zu Euren Vorträgen und Veranstaltungen. Hier lohnt sich zwar keine Diskussion, weil wir Beide im jeweiligen anderen den Mainstream sehen, aber ich werde nicht müde zu betonen, dass eine breitere Konzeption der Veranstaltungen deutlicheren Mehrwert bietet. Gerade das schärft den kritischen Blick statt ideologischem Einerlei.

Nun zum Schluss: deine Fragen habe ich offensichtlich nicht bejaht, mit der Polemik werde ich aber gewiss trotzdem weitermachen. Denn der Großteil dessen, was Du schriebst, sind für mich Ausflüchte. Und ich hasse nichts mehr als das – etwas zu verneinen, weil es nicht als möglich erscheint. Deine Kritik sehe ich denn auch mehr als Ansporn: wie man so schön sagt – getroffene Hunde bellen. Scheinbar muss ich, wie mir heute schon persönlich gesagt wurde, mit manchen Dingen ins Schwarze getroffen haben und habe daher solch eine Reaktion provoziert. Nichts anderes war auch meine Absicht. Ein gewisses Nachdenken über sich selbst hat noch niemanden geschadet und ich möchte Dir ausdrücklich dafür danken, dass Du diesen Prozess auch bei mir angestossen hast. Nun hoffe ich, dass sich das auch in konkreten Ergebnissen manifestiert. Immerhin die Protokolle habt ihr ja schnell hochgestellt. Dies so zu verkaufen als wären sie schon vorher da gewesen zeigt aber eine gewisse uneinsichtige Haltung. Der Website ist ganz unten klar das Änderungsdatum zu entnehmen: Letzte Änderung: Mittwoch, 12.12.2012 – 09:32 –
Warum dieser Fehler des Fehlens der Protokolle nicht einfach zugegeben wird, verstehe ich nicht. Wurde behoben und nun hat es sich. Mir im Gegenzug zu unterstellen, ich hätte die Verfügbarkeit der Protokolle bewusst oder unbewusst unterschlagen ist nicht so die feine Art. Und wenn, dann macht es bitte nicht so dilettantisch 😉

Einer gemeinsamen Aussprache stehe ich immer sehr offen gegenüber. Aufgrund meiner ausgesprochenen Abneigung gegenüber Kollektiven aber bitte im kleineren Kreis. Dann können wir gemeinsam überlegen, wie wir die Studierendenvertretung zu einer Vertretung von und für alle Studierende machen können.

Um diese lange Antwort nun noch kontrovers abzuschliessen: Demokratie ist mir tatsächlich nicht sehr wichtig. Freiheit und Rechtsstaat würde ich immer dem Vorzug geben. Denn Demokratie ist Herrschaft. Und die Herrschaft von Vielen – oder im Fall der Hochschulpolitik von Wenigen – hat genauso die gleiche Legitimation wie die Herrschaft eines Einzelnen – nämlich keine!

Noch eine frohe Vorweihnachtszeit wünsche ich,
Christoph

AStA, StuPa, VS – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz

Lange habe ich nicht mehr über die Konstanzer Hochschulpolitik geschrieben. Das möchte ich nun mehr nachholen. Allerdings ist die Informationslage dünn. Nachdem ihre Website mehrere Monate nicht zugänglich war – und manch Vertreter sich gegen eine schnelle Lösung sperrte – gibt es nun immerhin ein Provisorium, das aber gar keinen so guten Eindruck gemacht. Es wundert mich im Übrigen, dass sie dort schreiben, der Ausfall sei durch Viren bedingt. Meines Wissens befallen Viren den PC oder Server und machen keine Webseiten kaputt. Allenfalls die Programme zu ihrem Management, was jedoch nicht gerade für die Fachkenntnis der Betreiber spricht, wenn Sie sich Viren einfangen und keine Sicherungen haben.

Meine Informationen ziehe ich daher aus dem, was man so mitkriegt – von meiner Hochschulgruppe wie auch der Anwesenheit auf ein paar Mail-Verteilern. Protokolle nämlich, die es eigentlich geben muss, stellt die Studierendenvertretung nicht zur Verfügung. Ein Schelm wer dabei Böses denkt, stehen doch sehr wichtige Entscheidungen für die Zukunft an. Statt sich über mangelnde Beteiligung der Studierenden zu beschweren, sollte man ihnen die Beteiligung vielleicht erst einmal ermöglichen. Das geht nur über Information – und zwar nicht jene quälende Anwesenheit in den Sitzungen, sondern ein auf dem Punkt gebrachtes Protokoll, aus dem man in wenigen Minuten alle relevanten Informationen entnehmen kann.

Beteiligung ist überhaupt so ein Punkt. Natürlich lebt eine Studierendenvertretung in erster Hand von denen, die sich in ihr engagieren. Dieses Engagement gebührt grundsätzlich Respekt. Vor allem jene in den Referaten, auch wenn ich viele von ihnen unnütz halte. Ambivalent ist jedoch das Engagement mancher Studierenden im Studierendenparlament. Wer mit großmundigen Versprechungen bei den StuPa-Wahlen antritt, sollte wenigstens bei den Sitzungen anwesend sein und seine Pflichtzeiten im AStA-Büro wahrnehmen. Oft scheint aber nur der Lebenslauf eine Rolle zu spielen. Man lässt sich wählen, erscheint zur konstituierenden Sitzung und kümmert sich dann garnicht mehr. Insbesondere manch Vertreter des RCDS scheint hiermit aufzufallen, das teils schwache Engagement zieht sich aber durch fast alle Gruppen.

Für mich ist das Studierendenparlament nichts anderes als ein Pseudo-Bundestag, in dem sich angehende Jungpolitiker fernab der Realität austoben können. Frühe Geldverschwendung dank der bald kommenden Zwangsbeiträge inklusive. Ständige Argumentation für das Gemeinwohl aller Studierenden, obwohl lediglich Partikularinteressen bedient werden. Und eine fragwürdige Demokratie, in der konstruktive Mitarbeit oppositioneller Kräfte oft durch Tricks mit der Geschäftsordnung verhindert wird. Ich bin wirklich froh, nach meinem unüberlegten Antritt nicht gewählt worden zu sein.

Im Moment beschäftigt sich das StuPa vor allem mit der VS – der Verfassten Studierendenschaft, deren verschiedenen Modelle in einem Arbeitskreis ausgearbeitet wurden. Nötig ist dies durch die Neufassung des Landeshochschulgesetzes durch die grün-rote Landesregierung, die die Verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg als letztem Land neben Bayern noch einführt und damit angeblich die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Studierenden stärkt. Das ist grundsätzlich unterstützenswert, wenn eine Verfasste Studierendenschaft gut ausgearbeitet wird. In der Praxis jedoch werden unüberschaubare bürokratische Apparate geschaffen, die die Gelder aller Studierenden im Sinne einer kleinen Anzahl Zeit habender in fragwürdige Projekte umverteilen.

So stehen in Konstanz 3 Modelle zur Debatte: das Mischparlament, das Zwei-Kammern-Modell und ein Modell mit starker Ausrichtung auf die Vollversammlung. Diese Modelle möchte ich hier nicht weiter erläutern, ich verweise auch auf den aktuellen Satzungsentwurf.

Was ich mich nur frage ist: warum wird hier die historische Chance auf echte Partizipation aller Studierenden verspielt? Nun mag man einwenden, ich hätte mich ja im Arbeitskreis engagieren können, aber das halte ich für wenig zielführend. Denn wer die Hochschul-Demokratie preist, tut dies nur unter Vorwand des Eigeninteresses, in einer parlamentarischen Demokratie, die mit knapp über 10% der Stimmen aller Studierenden nicht ansatzweise irgendwelche Legitimation besitzt, seine Sonderinteressen durchzusetzen. Daher ist erklärbar, dass Direkte Demokratie nie eine Rolle in den diskutierten Ansätzen gespielt hat. Dabei wären die Möglichkeiten Direkter Demokratie gerade an einer kleinen Universität in Konstanz sehr vielversprechend.

Mit Direkter Demokratie sind gleichwohl keine Vollversammlungen gemeint. Vollversammlungen sind eine pseudo-demokratische Instiution der ganz linken Hochschulgruppen, die meist nur von ihresgleichen besucht werden. Dazu bei trägt ihre immer sehr ungünstige Terminierung, die mir den Besuch der letzten beiden VVs verwehrte. Die Vollversammlung hat bei ca. 1% Beteiligung der Studierendenschaft zum Glück kein Recht auf allgemein verbindliche Entscheidungen und das ist gut so. Selbst die nötigen 10%, die im ausgesuchten Hörsaal übrigens garnicht zu realisieren wären, hätten eine höchst zweifelhafte Legitimation. Tatsächlich ist es auch nicht sonderlich spannend, solch eine Vollversammlung zu besuchen. Das tut ohehin nur der, der sich für Hochschulpolitik ansatzweise interessiert. Die 99% der anderen Studierenden zeigen mit ihrer Abwesenheit ganz deutlich, was sie von der akktuellen Hochschulpolitik halten: nichts! Diese Erkenntnis scheint jedoch bei den wenigsten Studierendenvertretern schon angekommen zu sein.

Das mangelnde Interesse ist aber nicht nur durch das ach so harte Studium begründet, sondern liegt auch an den Institutionen. Um wirklich Hochschulpolitik gestalten zu können, ist ein hoher Zeitaufwand erforderlich, den die wenigsten Studierenden erfüllen können und wollen. So offen sich Studierendenparlament, Referate und Co. für Neue geben und bestimmt auch sind – ihre im Kern intransparente und antipartizipative Arbeit schreckt viele zurecht davor ab.

Direkte Demokratie in der Hochschulpolitik lässt sich aber nicht nur durch Vollversammlungen sondern auch direkten Wahlen erreichen. Während persönlich durchgeführte Wahlen auf Dauer sicherlich zeitlich und finanziell zu aufwändig sind, so bietet das Internet doch neue ungeahnte Möglichkeiten direktdemokratischer Beteiligung. Programme wie Liquid Feedback der Piratenpartei oder New Democracy der Liberalen Basis, obwohl noch mit diversen Mängeln, ermöglichen eine Partizipation auf einer ganz neuen Stufe. Auch wenn sich dies auf Universitätsebene sicher realisieren liesse, kann man auch einen Schritt tiefer schon zu guten Ergebnissen kommen.

Im letzten Jahr fand eine Urwahl über das Bus-Ticket statt. Die Abstimmung ergab, dass ein erweitertes Busticket über dier Stadt Konstanz hinaus mit einem Solidaritätszuschlag finanziert wird. Im Gegensatz zu Hochschulwahlen mit knapp 10% und Vollversammlungen mit knapp 1% hatte man hier eine Beteiligung von annähernd 25%. Das ist zwar auch wenig, mit der richtigen Werbung und Information liesse sich dieser Anteil im Laufe der Zeit aber schnell steigern. Denn wenn die Studierenden erkennen, dass demokratische Mitbestimmung innerhalb einer Minute möglich ist, indem man auf den Link in einer Mail klickt und gemäss seinen Wünschen abstimmt, so werden sie dies auch zunehmend tun. Urwahlen über das Internet sind also eine gute Möglichkeit, die Studierenden an der Hochschulgestaltung partizipieren zu lassen. Dazu gehört natürlich eine ansprechende begleitende Informationsaufbereitung, um den Studierenden bei ihrer Entscheidung behilflich zu sein.

Leider scheinen Urwahlen unter den Vertretern im StuPa nicht sonderlich populär zu sein. Lediglich bei der kommenden Entscheidung über die endgültige Ausgestaltung des Verfassten Studierendenschaft sieht man sich wohl verpflichtet, allen Studenten die Möglichkeit einer Entscheidungsmitwirkung einzuräumen. Warum nicht auch bei kleineren, aber nicht minder wichtigen Entscheidungen riss ich bereits an. Die Kosten- wie Zeitfrage ist meines Erachtens kein Argument dagegen. Technisch ist es offensichtlich möglich. Wer die Studierenden mit Zwangsgewalt der Drohung einer Exmatrikulation mit Zwangsbeitägen enteignet, muss sich nicht über Kosten auslassen. Zumal die Geldverschwendung der deutschen Studierendenvertretungen schier unermesslich ist. Wenn schon Zwangsgebühren, bin mir sicher, dass alle Studierenden auch gerne 3-4€ mehr abdrücken, wenn sich dafür ihre demokratischen Mitbestimmungsrechte erhalten statt den Versprechungen jährlich gewählter Nachwuchsfunktionäre ausgeliefert zu sein. Auch zeitlich kann es meiner Einschätzung nicht viel aufwendiger sein als eine Vollversammlung zu organisieren – es ist bloß wesentlich effektiver. Im Notfall stellt man eben einige studentische Hilfskräfte ein, die sich um die Durchführung regelmässiger Urwahlen kümmern.

Abstimmen kann man in diesen Wahlen im Prinzip alles. Das Studentenparlament wird faktisch unnötig. Soweit muss man es ja garnicht treiben. Wer Politiker spielen möchte, soll das weiterhin tun, wenn es ihm Spaß macht. Das Studentenparlament kann die Vorarbeit leisten und das Tagesgeschäft meistern – entscheiden sollten alle Studierenden.

Natürlich bleibt dies eine Utopie in der Hochschulpolitik, da jede Hochschulgruppe naturgemäss ihren eigenen Einflussbereich ausbauen möchte. Das ist nicht Bösartigkeit, das ist eben so. Sie mögen alle die besten Absichten haben, richten sich aber nur nach ihren Ansichten. Die Absicht des Gemeinwohls wird nicht von der Gemeinde der Studierenden, sondern von der kleinen Gemeinschaft meist parteipolitisch  ideologisierter Nachwuchsfunktionären benutzt.

 

Nachdem dieser Artikel im Schreibprozess nun ungewollt in ein Plädoyer für Direkte Demokratie an Hochschulen ausartete, seien noch ein paar andere Aspekte der Arbeit der Studierendenvertretung angesprochen.

Einerseits gibt es die Veranstaltungen, die von gewissen Referaten regelmässig organisiert werden. Grundsätzlich sind Vortragsreihen gegen Rassismus, über Gender-Aspekte und Co. eine gute Sache. Leider sind sie oft so einseitig ideologisiert, dass Studierende in Erwartung dessen was auf sie zukommt, zu solchen Veranstaltungen gar nicht erscheinen. Ohne es zu wissen schätze ich die Teilnehmerzahl jedenfalls als sehr gering ein.

Im Januar soll es eine Veranstaltungsreihe zur Euro-Krise geben. Eingeladen wurden 3 lupenreine Keynesianer. Nun soll diese an den Universitäten mittlerweile (glücklicherweise) vernachlässigte Perspektive durchaus ein Forum geboten werden, andere unterdrückte Ansätze wie die Österreichische Schule der Ökonomie oder ordnungspolitische Ansätze werden jedoch ausgeklammert, weil sie nicht in die politische Ideologie der Veranstalter passen. Mein Vorschlag der Einbringung anderer Perspektiven im Zuge einer ausgewogenen Veranstaltung an die Organisatoren wurde denn auch tatsächlich mit so einer Begründung abgewiesen. Tatsächlich zeigten die Organisatoren eine breite Unkenntnis über mein Anliegen – aber was will man machen. Die ergänzende Veranstaltung wird kommen – ob mit oder ohne Unterstützung der Studierendenvertretung.

Denn die lässt sich das ordentlich was kosten. 2000€ sollen für 3 Vorträge ausgegeben werden können. Das davon 1000€ die sozialistische Kaderschmiede der Rosa-Luxemburg-Stiftung übernimmt, zeigt in welche Richtung die Vorträge weisen. Die Kalkulation jedenfalls ist wahnsinnig hoch. Ich habe sie gesehen und sowohl Anreise,- wie auch Honorarkosten stehen in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung. Der Verdacht erhärtet sich immer mehr in mir, dass gewisse Vortragende durch die Bundesrepublik pilgern und vom Geld der Studierendenvertretungen ein nettes Zusatzgeschäft machen. Mit Geld umgehen können diese Vertretungen jedenfalls nicht, wie zahlreiche Beispiele aus anderen Bundesländern belegen. So lernen sie schon an der Uni, was sich in ihrer Politiker-Karriere später fortsetzt: ständige Verschwendung fremden Geldes.

Letztens wurde gerade erst der neue Haushalt des AStA an der Uni Konstanz verabschiedet. Da es ja keine Protokolle gibt, muss ich mich auf meine Erinnerung verlassen. Meines Wissens ist das aktuelle Budget, das noch ohne Zwangsgebühren auskommt, bei 70000€, wovon 40000€ ausgegeben werden sollen. Hört sich jetzt nicht nach Verschwendung an. Wenn jedoch Referate wie das Gleichstellungsreferat 7000€ zur freien Verfügung bekommen, sollte man sich das genauer ansehen. Statt das Geld in irgendwelchen Vorträgen im eigenen ideologischen Zirkel umzuverteilen, könnte man damit wenigstens tatsächliche Gleichstellung fördern. Gerade was die Inklusion körperlich behinderter Menschen an der Universität Konstanz betrifft gibt es noch einiges an Nachholbedarf. Hier wären finanzielle Mittel deutlich besser aufgehoben als bei Vorträgen der Pseudo-Wissenschaft namens Gender Studies, die für ihre Verfechter schon längst zur hochlukrativen Industrie geworden ist. Man kann ja gerne über Geschlechterverhältnisse nachdenken, aber dann doch bitte im Rahmen der Soziologie, Anthropologie oder verwandter Fächer.

 

Natürlich ist dies längst nicht alles, was die Konstanzer Studierendenvertretung so treibt. Ich sehe meine Zeit denn auch deutlich besser aufgehoben, mich nicht damit zu beschäftigen. Denn letztlich ist das, was die Studierendenvertretungen vorgeben zu sein – eine demokratische Mitbestimmungsmöglichkeit – eine pure Farce. Lässt man sie doch einfach machen. Das was sie gut machen und an sinnvollen Angeboten anbieten gleicht sich mit dem negativen aus, wenn man es an sich vorbeilaufen lässt und sich auf sein Studium konzentriert. Für mich persönlich macht ihre Existenz keinen Unterschied aus. Denn was bringt angebliche Mitbestimmung, wenn man nicht mitbestimmen kann, sondern die eigene Stimme zur Legitmation der Fremdbestimmung über sich selbst führt? Ich kann, bis bei den Studierendenvertretern ein grundsätzliches Umdenken einsetzt, daher nur raten, was der Großteil der Kommilitonen ohnehin macht: die jährlichen StuPa-Wahlen zu boykottieren oder wenn, dann seine Stimmzettel zumindest ungültig zu machen. Auch wenn das keine Lösung ist und die Unis den sich selbst bereichernden Kräften noch auf Jahrzehnte ausgeliefert sein werden.

Mit der Hochschulpolitik verhält es sich eben wie mit der realen Politik. Alles kann man eins zu eins anwenden. Nur der Herrschaftsanspruch ist begrenzter. Dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr. Für heute möchte ich es bei dieser kleinen subjektiven Information über AStA, StuPa und Co – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz – belassen.

Studentische Leerversammlung

Heute tagte mal wieder eine studentische VollLeerversammlung an der Universität Konstanz, die ich nun erstmals besuchen konnte – im Raum R711, der 3 Stunden zuvor während meiner Klausur deutlich besser gefüllt war.

Dem Namen nach eine „Vollversammlung“ war sie nämlich keineswegs voll, sondern ziemlich leer, sie  präsentierte lediglich knapp 50 von über 10000 Studierenden – eine armselige Quote. Selbst die Beschlussfähigkeit dieses Organs – mit 99 Anwesenden lächerlich gering – wurde nicht erreicht. Wie man da von irgendeiner Legitimation sprechen kann bleibt mir schleierhaft.

Viel hatte die Leerversammlung dann auch nicht zu bieten: die ins Studierendenparlament gewählten Vertreter – hauptsächlich, wie ein „undogmatischer Linker“ anmerkte, „PoWalter-Brut“ –  stellten sich kurz vor, wobei die meisten, bis auf die der LHG, mit Abwesenheit glänzten, was natürlich durch vielfältige andere Verpflichtungen und der Klausurenphase erklärbar ist. Das Studierendenparlament wird sich im übrigen morgen Abend um 19.30 Uhr im Raum D522 konstituieren – ein wenig Öffentlichkeit wäre vielleicht gar nicht so schlecht (ich bin nicht da).

Während es bei anderen „“Vollversammlungen“, wie ich hörte, schon hoch her ging, blieb diese weitgehend friedlich. Vertreter des AK Wohnen, des AK Studi-Ticket und des AK Verfasste Studierendenschaft stellten ihre Arbeit vor, über die dann noch kurz diskutiert wurde.

Insbesondere die Diskussion um das erweiterte Studi-Ticket, wo es ein wenig Contra gab,  wurde von linken VertreterInnen mittels eines Antrages abgewürgt, da dies ja ohnehin schon beschlossen wurde. Nicht sehr demokratisch – die Tyrannei der Mehrheit (sprich vtl. 40 Studierende) stimmten für den Antrag auf Schließung der Debatte.

Viel neues hat man gleichwohl nicht erfahren: beim Kauf es erweiterten Studi-Tickets muss man wohl angeblich ein Formular mit sensiblen Daten ausfüllen, das Rückschlüsse auf die Effektivität des Semestertickets zulassen soll. Datenschutzrechtlich könnte man hier durchaus Bedenken anmelden, gleichwohl beteuert wurde, dass es anonym sei und nicht rückverfolgt werden könne.

Das erweiterte Studi-Ticket – bekanntlich durch alle Studenten zwangssubventioniert – kommt laut Schätzung des AK Studi-Ticket auf gerade einmal 800 potenzielle Nutzer – sprich außerhalb Konstanz Wohnende, die aus Daten der Universität rekonstruiert wurden. Da fallen schätzungsweise aber noch einige raus, die widerrechtlich nicht in Konstanz gemeldet sind, hier aber wohnen sowie die, die mit dem Auto zur Universität pendeln. Ob dies nun tatsächlich so solidarisch ist, Studenten von außerhalb, die zweifellos geringere Mieten als in Konstanz zahlen (und als gern genommenes Gegenargument in ihrer Freizeitgestaltung total benachteiligt sind) , nun ihr Studi-Ticket weitgehend zu zahlen, möge jeder für sich selbst entscheiden. Die VBB (Verkehrsbetriebe Bodensee) werden sich über die Subventionen freuen, auch wenn der derzeitige, von einer konservativen Schätzung der Nutzerzahl ausgehende Vertrag als Erfolg für die Verhandlungen der Studenten gefeiert wurde – was sich bei näherer Betrachtung als Illusion erweisen könnte. Die Argumentation nämlich, dass eine höherere Zahl von Nutzern des erweiterten Studi-Tickets die Kosten für dieses Ticket erhöht, scheint mir nur auf dem ersten Blick plausibel, nämlich in der Form, dass die Kapazitätsauslastung der Busse und Bahnen dann zunimmt. Allerdings hat der typische Student nicht unbedingt ein Stoßzeit-Pendel-Verhalten, wegen dem zusätzliche Busse und Bahnen eingesetzt werden müssen, sondern pendelt vor allem zu Zeiten, in denen die Kapazitätsauslastung ohehin gering ist. Es entstehen der VBB also keine zusätzlichen Kosten, sie werden ganz im Gegenteil noch für Leistungen subventioniert, die sie gar nicht erbringen.

Nicht so spannend waren dann da die Berichte des AK Wohnens, der aber sicher gute Arbeit leistet und den Studierenden der studentischen Wohnheime (also auch mir) bei ihrem „Kampf gegen seezeit“ beisteht. Gleichwohl ich viele Klagen als selbst Betroffener übertrieben finde, gehen manche Sachen wie unbefugtes Eindringen in die Wohnungen durch die  Hausmeister mal gar nicht. Mit der derzeitigen Wahl von Wohnheimsprechern und – man merkt deutlich wie das Studentenwerk plötzlich spurt – bereits verbesserter Kommunikation werden die Probleme bald hoffentlich geringer – und das Internet schneller 😉

Letztlich wurde noch aufgerufen, sich im AK Verfasste Studierendenschaft zu beteiligen, um einen breiten Konsens zu finden. Für Zwangsbeiträge gibt es allerdings sicher keinen Konsens: aber ich schätze, sie werden ohnehin kommen. Nichtsdestotrotz werde ich das Ganze mal näher beobachten, denn grundsätzlich ist die Verfasste Studierendenschaft keine schlechte Sache – es kommt ganz auf die Ausgestaltung an, die in diesem Arbeitskreis dann diskutiert wird und letztlich in einer studentischen Urwahl abgestimmt werden wird.

Damit endete die Leerversammlung dann auch quasi schon. War eigentlich mal ganz interessant, daran teilgenommen zu haben. Jetzt bleibt noch zu hoffen, dass die Studierendenvertretung ihre Arbeit besser kommuniziert und ich das nicht übernehmen muss – ihre Homepage ist – seit über eine Woche schon – immer noch nicht erreichbar, und selbst wenn würde man wohl kaum erfahren, worum es eigentlich ging.

Wie dem auch sei: die nächste Leerversammlung kommt bestimmt. Trotzdem sei denen großer Dank geschuldet, die sich für die Belange der Studierenden einsetzen – jedem Recht machen kann man es schließlich eh nicht!

StuPa-Wahlen: die Juso-HSG

Gerade erreichte mich eine Mail der von mir als Spaßpartei bezeichneten „Grauen“ mit dem Wunsch, doch ebenfalls meine Fragen beantworten zu dürfen (EDIT: mittlerweile sind schon die Antworten da und ich kann nur sagen, dass ich die Grundintention und das Ziel der „Grauen“ voll unterstütze – mehr dazu noch dieses Wochenende). Dem komme ich natürlich gerne nach und freue mich auf eine Antwort. Dass ich sie nicht anschrieb beruht auf dem einfachen Grund eines fehlenden Ansprechpartners bis heute Mittag. Dann las ich nämlich einen Wahlaufruf der Universität mit einem Link auf ein Dokument mit allen zur Wahl stehenden (auch außerhalb des StuPas), den  ich hier mal veröffentliche: https://depot.uni-konstanz.de/cgi-bin/exchange.pl?g=pbvs6f9uck

Einen Ansprechpartner hatte ich jedoch bei den Jusos, deren Kreissprecher mir heute ebenfalls eine Mail zukommen liess. Dabei äußerte er sich verwundert über die These, die „Jungen Sozialisten“ in Konstanz würden eine Initative zur Umwandlung des Namens in „Junge Sozialdemokraten“ befürworten. Laut ihm sei dies nicht der Fall: wie das in einer Partei so ist, ist der eine dafür, der andere nicht – aber von einer Initiative habe er noch nie gehört.

Als ich gestern darüber schrieb war, wie ich hoffentlich deutlich machte, mir selbst nicht klar, ob dies nun der Wahrheit entspricht oder eine sogenannte „Urban Legend“ ist. Läuft wohl auf letzteres hinaus.

Wir widmen uns nun also der Hochschulgruppe der „Jungen Sozialisten“ zu, die statt sozialisistisch aber wohl eher sozialdemokratisch agieren.

Eigentlich eine ganz nette Truppe, wie ich vor ein paar Wochen erfuhr, als ich in einer Diskussionsrunde über die Piratenpartei aus dem Nähkästchen plauderte. Sie hatten ein schönes Handout über die Piratenpartei erstellt, das im Gegensatz zu verzerrenden Medienberichten tatsächlich die Wahrheit sehr nah getroffen hat. Fähigkeit zur politischen Analyse kann man der Juso-Hochschulgruppe also nicht absprechen. Auch ihre Diskussionskultur ist um einiges gesitteter als bei den Freibeutern.

Wie ich schon erwähnte kann man die Jusos in Konstanz aber wohl eher als „rechter orientiert“ bezeichnen (da kam auch keine Wiederrede). Ihre Forderungen in den Hochschulpolitik machen dies auch durchaus deutlich. Rechts ist aber sicherlich die falsche Bezeichnung, sie sind bloß offen für andere Konzepte als sozialistische. Vor allem betonen sie „Vielfalt statt Einfalt“ und wollen nicht die Meinungspolizei spielen. Da bin ich bei meinem kommenden Projekt nächstes Semester ja mal gespannt ;).  Viele Kandidaten stellen sie zur Wahl – auch hier sind einige sicherlich der Überlegung einer Stimme wert.

Die Juso-Hochschulgruppe hat  auch eine ansprechende Website, wo man gleich weiß, wen man wählt und was eigentlich : http://www.juso-hsg-konstanz.de/

Über das Wahlprogramm abseits der jetzt kommenden Antworten mag sich jeder selbst ein Bild machen:

 

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?

Lehre und Forschung sollten im ganzen Land exzellent sein – Akademiker zweiter Klasse kann und sollte sich unsere Gesellschaft nicht leisten. Zudem ist auch trotz aller Exzellenz von einer Verbesserung der Studiensituation bei Studierenden nicht viel angekommen – die Kurse und Vorlesungen bleiben überfüllt, die Relation zwischen Lehrenden und Studierenden ist mies, die Raumlage katastrophal. Wir bleiben dabei: Wir brauchen eine Bildungsoffensive – die wenigen vorhandenen Mittel zusammenzustreichen und auf ein paar Unis zu verteilen, ist unserem Bildungssystem unwürdig.

 

Schon oft gehört und nicht zu leugnen. Auch wenn man selbst von profitiert. Zumindest vom Renomee, sonst hat man herzlich wenig davon, wie richtig angesprochen.

 

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit

1. Studenten (Überraschung!)

2. AStA

3. Forschungsfreiheit

4. Professoren

5. „Mittelbau“ und Verwaltung (wobei uns nicht klar ist, warum das eine gemeinsame Gruppe sein soll)

6. Bio-Essen in der Mensa

7. Bierautomat

8. Uni-Kater Sammy

9. Trommelkreise

 

Naja, „Mittelbau und Verwaltung“ sind aus Platzgründen in der gleichen Gruppe und beide für die Universität überlebenswichtig, was aber selten honoriert wird. Bei den Jusos nimmt der AStA wieder eine recht starke Rolle ein, auch die Forschungsfreiheit scheint ihnen wichtig zu sein. Uni-Kater Sammy ist wohl kein junger Sozialist – Bio-Essen und Bier wird ihm vorgezogen. Trommelkreise scheinen tatsächlich auch nicht mehr en vogue zu sein. Schade eigentlich – ich wollt das schon immer gern mal machen.

 

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?

Wir denken, das dies drei Gründe hat:

1. Die Einflussmöglichkeit der Studierendenvertretung wird von den meisten unterschätzt. Doch selbst ohne die Verfasste Studierendenschaft (VS) hat man im Senat und vor allem durch den „direkten Draht“ zur Unileitung deutlich mehr Einfluss als man denkt.

2. Viele Studierende denken: „Bis sich durch meine Wahlentscheidung was ändert, bin ich eh schon wieder weg“. Erfahrungsgemäß wählen viele im ersten Studienjahr nicht. Und aufgrund des Bachelors ist die nächste Wahl am Ende des vierten Semesters dann quasi schon wieder fast am Ende des Studiums. Unipolitik bewegt aber sehr schnell etwas – z.B. bei den Prüfungsordnungen. Zum anderen gehört es sich im Sinne der Solidarität auch, dass man an nachfolgende Jahrgänge denkt.

3. Im Allgemeinen wäre es auch besser, wenn die Studierendenvertretung weniger um Grundsatzfragen (die „Welt retten“) sondern um ihren Hauptauftrag („Studienbedingungen verbessern“) kreisen würde (siehe auch unsere Antwort unten). Wer die Hochschulpolitik in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß aber, dass wir in der Studierendenvertretung immer ein Garant dafür waren, dass konkrete Fragen zu den Studienbedingungen an der Uni diskutiert und angegangen wurden.

 

Zu 1: Wer soviele Vertreter dort drin hat, muss es ja wissen. Viel von diesem Einfluss merkt man aber nicht.

Zu 2: Ich bescheinigte den Jusos ja schon Analysefähigkeit. Hört sich plausibel an. Wenn sich die Uni jedoch – und das tut sie zweifelsfrei – so schnellebig entwickelt – warum nicht gleich jedes Semester wählen? Meiner Meinung nach würde das die Wahlbeteiligung eher noch steigen denn zurückgehen lassen. Außerdem wäre dann manch einer viel motivierter zu kandidieren und sich 1 Semester voll reinzuhängen. Dürfte der Studienplanung vieler (auch mir) nützen, die Praxis-Semester und Auslandssemester in ihr Studium integrieren möchten ohne als Langzeit-Studenten zu enden. Eine gewisse Personalrotation ist meiner Meinung nach gerade im StuPa ebenfalls zu befürworten. Wozu Berufspolitik führt sieht man ja auf höherer Ebene…

Zu 3: Da geben sich die Jusos ja sehr pragmatisch – vielleicht ein besserer Begriff als „rechts“. Ich kann das nicht verifizieren, glaube ihnen das aber mal.

 

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?

Ja, wie an den anderen Unis Deutschlandweit soll es auch bei uns einen geringen Beitrag geben, den alle Studierenden bezahlen müssen (wie auch der Seezeit-Beitrag). Der AStA bietet viele studentisch selbstverwaltete Serviceeinrichtungen an (z.B. Kostenlose Rechtsberatung, AStA-Café, AStA-Biergarten, Materialverleih) und unterstützt auch einige andere Studentische Initiativen (Hochschulgruppen und AStA-Arbeitskreise). Die sehr geringen Finanzmittel, die wir von der Universität erhalten, reichen kaum zur Aufrechterhaltung all dieser Angebote aus. Hätten wir nicht die AStA-Party zu Beginn des Semesters, wäre dies auf keinen Fall möglich. Jedoch sind die Party-Einnahmen einerseits sehr unvorhersehbar und andererseits halten wir „Saufen für die Rechtsberatung“ nicht für das richtige Konzept.

Wir werden allerdings dafür sorgen, dass die Ausgaben für alle Kommilitoninnen und Kommilitonen transparent auf der Homepage dargestellt werden. Uns schwebt eine Unterseite auf der AStA-Homepage nach dem Vorbild von www.offenerhaushalt.de vor.

 

„Saufen für die Rechtsberatung“ wäre doch mal ein gutes Wahlkampf-Motto. Ich glaube kaum, dass die wenigsten Studenten etwas dagegen hätten, wenn es mehr ASta-Parties gäbe. Ist sicherlich ein Organisationsaufwand, sorgt aber für klingelnde Kassen, wenn man es richtig und nicht zu oft macht. Aber bitte an der Uni, und nicht im DancePalace!

Einen offenen Haushalt würde ich sehr befürworten, um näher dran zu sein. Generell muss das Studierendenparlament bzw. die Allgemeine Studierendenvertretung viel mehr ihre Arbeit kommunizieren, um auch wahrgenommen zu werden. Warum aber nicht gleich eine Art Bürgerhaushalt für Studenten, wo diese selbst mitgestalten können statt auf die gewählten Vertreter zu vertrauen? So kann man auch gleich der Verschwendung von Geldern entgegenwirken, was schon seit Jahren in der gesamten Bundesrepublik ein gewaltiges Problem ist – nicht nur bei Studierendenvertretungen…

 

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität?

Freiheit oder Zwang?

Studienbedingungen verbessern oder Welt retten?

Elite-Uni oder

Massen-Uni?

Marx oder Mill?

 

Solidarität.

Freiheit.

Studienbedingungen verbessern.

Weder Elite-Uni noch Massen-Uni.

Marx.

 

Der Marx kommt jetzt am Ende doch etwas überraschend. Da möchte man sich wohl auf seinen Namen als Sozialisten besinnen. Der Rest ist es weniger – was hätte man von einer SPD-nahen Nachwuchsorganisation auch anderes erwartet?

 

Das waren also die Jungen Sozialisten. Sicherlich eine wählbare Alternative, die wieder einige Plätze im Studentenparlament besetzen wird. Ihr Wahlkampf ist deutlich am professionellsten, vermutlich aber auch am teuersten. Ihre Plakate bilden die ersten drei Listenkandidaten ab – die übliche Tour, der man eigentlich so überdrüssig ist. Ihre Flyer sind aber gut gemacht und sehr menschlich. Sie zeigen auch Engagement – organisierten z.B. die Demonstration gegen „Rechtsextremismus“, auf der auch ich mitmarschierte.

Wenn ich eine Wahlempfehlung abgeben darf: wenn ihr schon Jusos wählt, dann wählt Listenplatz 12 – sonst lieber gleich mich. Wäre vermutlich noch transparenter 😉

Wie dem auch sei: morgen stelle ich „Die Grauen“ vor, deren Anliegen sehr zu unterstützen ist. Bis dahin komme ich hoffentlich auch mal zum Lernen!

 

StuPa-Wahl: Offene Linke Liste

Nach interessanten Einblicken in Interna des Fachbereichs beim Fachschaftsgrillen möchte ich nun das Jubiläum des 100. veröffentlichten Artikels auf diesen Blog zelebrieren. Auf diese Summe beläuft sich nämlich mittlerweile schon meine Schaffenskraft. Dabei dürften in Folge dieses Artikels auch  bereits 10.000 Besucher auf meinen Blog gewesen sein. Bei 100 Artikeln macht das immerhin 100 Leser pro Artikel. In den letzten Wochen war es natürlich deutlich mehr und ich hoffe, dass dies auch weiterhin so anhält.

Meinen 100sten Artikel möchte ich jedenfalls der Offenen Linken Liste widmen, deren Vertreter echten Einsatz für die Studierende zeigen und sicher nur das Beste wollen, sich dabei aber in meinen Augen falschen Methoden bedienen. Letztlich ist das Ziel von Sozialismen und Liberalismen ja das gleiche, nur der Weg ist ein anderer und sorgt für ständige Reibereien.

Die Offene Linke Liste ist, wie ich belehrt wurde, nicht der SdS (Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband), stellt aber einige Vertreter dieser hochschulpolitischen Gruppierung. Wie der Name schon sagt ist sie aber „offen“, weshalb auch andere Kandidaten dort kandidieren können. So ist mir von „eigentlich“-Jusos bekannt, dort zu kandidieren, weil sie die Konstanzer Juso Hochschulgruppe als zu rechts empfinden. Da werde ich, wenn ich die Jusos vorstelle, noch einmal drauf zu sprechen kommen, hat aber durchaus Wahrheitsgehalt: meines Wissens soll aus Konstanz maßgeblich die Initative gekommen sein, die „Jungen Sozialisten“ in „Junge Sozialdemokraten“ umzubennenen Auch die bisherige U-Liste scheint meines Wissens in dieser Offenen Linken Liste aufzugehen.

Damit dürfte die Liste gute Chancen haben, ordentlich Stimmen zu gewinnen und die Hochschulpolitik nach ihren Gunsten zu verändern. Die Themen, die sie anspricht, kann ich nicht aus dem Stegreif rezipieren, da eine Website fehlt – es dürften aber die üblichen linken Forderungen sein. Sich selbst bezeichnet sie auf Facebook als „undogmatisch“ – es bleibt zu hoffen, dass dies auch tatsächlich so ist.

Ihre Antworten auf meine Fragen fand ich eigentlich sehr gut (ist auch deutlich länger als gestern ), auch wenn ich nicht mit ihnen übereinstimme – aber seht selbst:

1. Wir lehnen jede Form von Elitenbildung ab. Die Exzellenzinitiative führt dazu, dass wir in Deutschland ein 2-Klassen Hochschulsystem haben. Dies führt dazu, dass Unis die bereits ausgelastet sind durch die angeblichen Vorteile der Exzellenz noch mehr Studierende anlocken. Die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt kann man sich ja denken und die Qualität der Lehre wird durch viele Studierende auch nicht befördert.

Ein Kriterium für die Exzellenzini ist unter anderem die Summe an Drittmitteln die eine Hochschule bekommt. Die Konsequenz daraus ist, dass an starken Wirtschaftsstandorten eher Exzellenzunis entstehen als an schwachen. Starke Länder profitieren und schwache Länder bleiben zurück. Dies kann nicht der Anspruch von einer freien, emanzipatorischen Bildung sind und auch aus der Sicht von modernen Liberalen wird hier das Prinzip der Chancengleichheit untergraben.

Dies kann man auch sehr gut an der Verteilung der Exzellenzunis Ost / West sehen.

Allgemein hat die Exzellenzini auf die Lehre negative Auswirkungen:

Professoren gehen öfter in Forschungssemester

Geld das eigentlich in die Lehre fließen soll, wird um im Exzellenzwettbewerb zu bestehen in die Forschung gesteckt.

Fachbereiche die für die Exzellenz nicht relevant sind werden zusammengekürzt (Siehe Romanistik an der Uni)

Eine durchaus treffende Analyse mit Seitenhieb auf mich Liberalen. Ich bin aber klassisch-liberal und nicht „modern“. Die These mit den Wirtschaftsstandort in Bezug auf Konstanz erscheint mir  eher Wunschdenken.

2.

Studierende: Die Universität gehört uns

Professoren: Müssen das humboldsche Ideal der Einheit von Forschung und Lehre pflegen ( auch wenn dies kaum gelingt)

Mittelbau und Verwaltung“: Die Verwaltung ist die Nervenbahn der Universität. Der Mittelbau ist die Zukunft der Wissenschaft.

Forschungsfreiheit: Forschungsfreiheit ist ein fundamental wichtiges Prinzip. Doch gerade durch den Einfluss von Unternehmen auf die Forschung, die durch Drittmittel ihre Macht ausüben, wird die Forschungsfreiheit untergraben. Doch für uns ist auch selbstverständlich, dass die Forschungsfreiheit ihre Grenzen beim Spiel mit menschlichem Leben hat. Wir wollen keine Rüstungsforschung an der Universität , dies läuft unseren humanistischen Idealen zu wider. Keine Forschung fürs Morden. Deshalb brauchen wir eine Zivilklausel!

AStA: Es braucht eine starke Interessenvertretung für die Studierende der Universität

Uni-Kater Sammy: Sammy ist ein Stück Leben an dieser Universität, welches wir nicht missen möchten

Bierautomat: Die Universität ist unser Lebensraum. Wir verbringen Tage und Wochen in ihr, deshalb sollte es möglich sein auch einmal nach den „Geschäftszeiten“ noch an ein kühles Bier zu kommen.

Bio-Essen in der Mensa: Ist auf lange Sicht natürlich erstrebenswert, wobei hier aber nicht arme Studierende die Leidtragenden sein dürfen. Eine Erhöhung der Qualität muss immer auch sozial Verträglich sein. Zumal es momentan für VeganerInnen überhaupt keine Mahlzeit gibt. Hier sehen wir zuerst Handlungsbedarf.

Trommelkreise: Natürlich muss die studentische Subkultur ihren Platz an der Universität haben, doch wir beim SDS bevorzugen dann doch lieber gute Rock und Bluesmusik

Trommelkreise so weit unten? Wenn das mal eine ehrliche Aussage ist, wäre ich froh. Der AStA spielt garnicht mal so eine große Rolle, die Professoren eine doch recht starke – der Seitenhieb darf auch hier nicht fehlen. Bio-Essen steht garnicht mal so auf der Agenda – wird ja auch zu teuer. Essen für Vegane ist eine durchaus unterstützenswere Forderung, damit die Wahlfreiheit gewährleistet wird. In puncto Fleisch sollte sie es allerdings dann auch bleiben.

3. Die Wahlbeteiligung ist natürlich ein Problem. Gerade die Umstellung auf Bachelor / Master hat erwiesenermaßen die Wahlbeteiligung bzw. das allgemeine politische Interesse an der Uni gesenkt.

Es gibt natürlich kein Patentrezept für eine höhere Wahlbeteiligung aber ein paar wären aus unserer Sicht angebracht:

Stärkung der VV:

Die VV ist unser höchstes Organ und fasst die wichtigsten Beschlüsse, leider ist seit der Einführung des StuPa die VV zu einer reinen Informationsveranstaltung verkommen, die defacto kaum noch Macht hat. Deshalb wollen wir das StuPa abschaffen, um die VV stärken zu können.

Abschaffung des StuPa:

Das StuPa ist momentan nichts anderes als eine Spielwiese für angehende Politiker. Das StuPa ist Selbstbeschäftigung in Reinform.

Gerade an einer Uni mit nur 10000 Studierenden sollte es mögliche sein, mit weniger repräsentativen Elementen die Hochschulpolitik zu gestalten. Deshalb Basisdemokratie statt Pseudobundestag

Auch wenn ich damit vermutlich andere Positionen vertrete als die LHG finde ich die Rede vom „Pseudobundestag“ durchaus zutreffend – der hohe PoWalter-Anteil dort ist selbsterklärend. Eine Abschaffung würden die meisten Studierenden vermutlich nicht mal merken. Die Schlußfolgerung der Offenen Linken Liste an der Uni Konstanz, die Vollversammlung zum mächtigsten Organ zu machen ist allerdings noch hirnrißiger. Es mag am Charakter einer reinen Informationsveranstaltung liegen: jedenfalls kommt bisher nur ihresgleichen dorthin. So kommt man leicht an die Mehrheit, die man im StuPa nicht hätte. Zugegeben, als höchstes Organ mit Entscheidungskraft wäre in der VV sicherlich dann mehr los. Leider liegt sie immer an sehr ungünstigen Terminen mitten am Tag, wo ich bisher immer Seminar hatte. Würde mich nämlich eigentlich echt mal interessieren, wie das da so abgeht…

Ob nun StuPa oder Vollversammlung – was ich nicht verstehe: warum keine digitale Basisdemokratie? Da mögen die letzten Piraten-Überbleibsel in mir sprechen, doch halte ich dies für eine sinnvolle Idee, sofern sie nicht zu inflationär genutzt wird. Die studentische Urwahl zum Studi-Ticket mit einfacher Stimmabgabe per Internet könnte man doch sicher auch auf andere Entscheidungen ausweiten. Das dürfte auch die Wahlbeteiligung ordentlich steigern. Sind schließlich quasi nur 3 Klicks zur Stimmabgabe (Mail öffnen, Link klicken, abstimmen). Ich weiß nicht, wie aufwändig das ist, glaube aber nicht sehr. Die Wahlbeteiligung war zwar auch bei der Studi-Ticket-Wahl schlecht – doch nach und nach, wenn die Studierenden wissen, dass sie innerhalb einer Minute sie betreffende Dinge mitentscheiden könnten – würde sie sicher steigen. Da braucht man weder keine nicht wirklich legitimierte Repräsentanten noch eine in meinen Augen noch weniger legitimierte Vollversammlung. Wie gesagt: keine zu inflationäre Nutzung, deshalb sollte ein Mischmodell mit womöglich einem sinnvoll ausgestalteten Studentenparlament kombiniert werden.

4.

Ja wir befürworten Pflichtbeiträge.

Hierdurch kann man viele wichtige Leistungen anbieten:

Rechtsberatung ausbauen

Bafög-Beratung Unabhängig von Seezeit. ( Es ist doch schon seltsam, dass die Beratung und Bewilligung aus einer Hand kommt)

Bin da selbst jetzt, da auch nicht der Fachmann drin. Bei weiterem Interesse, würde ich dich an  XXX verweisen. Er ist Sozialreferent des AStA und auch SDS-Mitglied. Er ist in der Thematik sehr bewandert.

Namen von Studierenden werde ich hier nicht nennen. Manch einer hat ja Angst vor bösen, spionierenden Personalern, die es zu respektieren gilt. Dass die Offene Linke Liste Pflichtbeiträge fordert, ist nicht verwunderlich. Noch verwunderlicher ist, dass sie keine Trommelkreise damit finanzieren möchte 😉

Apropos: Pflichtbeitrag statt Zwangbeitrag. Pflicht hört sich ja so solidarisch an, so als ob jeder Student der Studierendengemeinschaft verpflichtet wäre. Die Wortver(w)irrung, die schon Hayek anprangerte, ist doch ein gern genutztes Mittel.

Generell ist mehr Unabhängigkeit von Seezeit zu befürworten, gleichwohl man durchaus unterstellen mag, dass hier am Bedarf vorbei bezahlte Stellen für Fachleute aus den eigenen Reihen von Zwangsbeiträgen finanziert werden sollen .Aber da ich diese Angebote nicht brauche und den tatsächlichen Bedarf daran nicht kenne, kann ich das nicht beurteilen.

5.

Solidarität oder Subsidarität:

Hier will ich mich nicht entscheiden, da ich hier keinen Widerspruch sehe.

In einer offenen Gesellschaft ist es einerseits wichtig, dass jedem Teilhabe ermöglicht wird, dies kann nur über Solidarität gewährleistet werden, auf der anderen Seite sollten Entscheidungen auf der möglichst untersten Ebene getroffen werden, um gute und passende Entscheidungen zu treffen.

In bisherigen Sozialismen war das wohl anders.

Freiheit oder Zwang:

Eindeutig Freiheit.

Freiheit ist die Grundlage jeder offenen Gesellschaft. Unter Freiheit wird hier verstanden, dass jede/r die Chance hat sein Leben nach seinem Willen zu gestalten. Diese Freiheitsdefinition hat zwei Seiten. 1. Muss jedem Menschen überhaupt die Chance gegeben sein sein Leben nach seinem Willen zu gestalten, dies beinhaltet eine gesamtgesellschaftliche Perspektive: Die Gesellschaft ist dafür verantwortlich, jedem / jeder diese Chance zu ermöglichen, hier ist schließlich auch Solidarität gefragt. 2. Die individuelle Seite: Jeder Mensch sollte selbst für sich wählen können, was denn für ihn / sie der beste Weg ist. Natürlich unter der Bedingung, dass hierdurch die Chancen eines anderen nicht eingeschränkt werden.

Eine interessante Defintion aus linkem Munde.

Elite-Uni oder Massen-Uni.

Keines von beidem. Elite steht für Klassenunterschiede und Masse für Massenabfertigung. Die Universität muss jedem gewährleisten, seine Persönlichkeit frei entfalten zu können. Jeder Mensch ist einzigartig, daher muss eine Universität möglichst flexibel und emanzipatorisch gestaltet werden. Dies kann man weder in einer Massenuniversität noch in einer Eliteuni.

Wenn ich mich entscheiden müsste: Massenuni

Durchaus gut abgewogen. Das trifft generell auch meinen persönlichen Standpunkt. Allerdings würde ich mich dann doch eher für die Elite-Uni entscheiden.

Marx oder Mill:

Als moderne Sozialisten ist Freiheit genauso wie Gleichheit Grundlage unseres Handelns.

Unsere Vision eine sozialistischen Gesellschaft, ist eine offene Gesellschaft.

Wenn der Kapitalismus eine sozialistische Opposition ertragen kann, so muss auch der Sozialismus eine kapitalistische Opposition ertragen, alles andere wäre undemokratisch und nicht freiheitlich.

Dennoch ist Marx natürlich zumindest in seiner Analyse nach wie vor treffend und aktuell. Der Unmut in der Bevölkerung über Abbau von Demokratie und Sozialstaat ist groß. Die Reichen werden reicher und die armen Ärmer, insofern hat sich da in den letzten 150 Jahren nicht viel geändert.

Karl Popper propagierte sozialistische Vordenker noch als Feinde der offenen Gesellschaft. Wie sich die Zeiten bloß verändern – hier findet man sogar ein kleines Bekenntnis zur Existenzberechtigung des Kapitalismus. Eine wahrlich undogmatische Linke. Allerdings ist, um auf Hayek zurückzukommen, auch John Stuart Mill ein Sozialist gewesen…

Die These vom Abbau von Demokratie ist zu teilen, die vom Sozialstaat läuft eher in die andere kausale Richtung meiner Meinung. Die sich ständig ausweitende Schere zwischen Arm und Reich ist nicht zu leugnen, dürfte aber mit ganz anderen Gründen zusammenhängen, als von Linken gerne vereinfacht angenommen.

Bei dieser Offenen Linken Liste in Konstanz denke ich, dass sie ganz undogmatisch nicht vereinfachen und den Kapitalismus als böse und den Sozialismus als Himmelreich darstellen. Mir scheint gar, ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, bei dem netten Wahlsystem doch glatt mal einen Vertreter der Linken Liste zu wählen, von denen ich den ein oder anderen durchaus schätze und wo ich nicht annehme, dass die Uni Konstanz bald vor lauter Trommelkreisen heimgesucht wird…

Wie dem auch sei: das war meine kleine Vorstellung der Offenen Linken Liste, die am 11./12. Juli an der Universität Konstanz bei den Wahlen zum Studierendenparlament antreten wird. Es war auch mein 100. Artikel, der mir doch ganz gut gefällt. Morgen geht es dann weiter – entweder mit grüner oder mit roter Soße!


		

StuPa-Wahlen: der RCDS

Bevor ich näher auf die politische Hochschulgruppe RCDS eingehe, mag ich bekanntgeben, dass der Versicherungskonzern „Allianz“ einen spontan entstandenen poetischen Karriere-Tipp meinerseits so toll fand, dass ich mit Foto in einem Hochschulmagazin mit einer Auflage von immerhin 400.000 erscheinen darf – samt meinem Spruch, den ich versuche selbst zu leben – gerade mit diesem Blog.

Mit steter Ehrlichkeit

zu sich selbst und anderen

kommt man, ehrlich, weit!

Außerdem winkt mir für diese Poesie nun ein „individuelles Karriere-Training.“ Na, dann bin ich aber gespannt…

Bei meiner Fotogenität fiel es natürlich schwer, ein passendes Bild zu finden, und noch schwerer, das Ganze in das passende Format umzuwandeln. Woher soll ich denn wissen, was 300 dpi sind? Gemeint sind wohl ppi. Anyway: ich habe es noch geschafft, aber 2h Zeit vergeudet, die ich zum Lernen nutzen wollte und jetzt der Länge dieses Blog-Artikels zu Laste fallen.

Ehrlich muss ich auch noch gestehen, dass ich heute bei einem interessanten Kolloquien-Vortrag über „Politische Lügen“ war. Ob man die oder doch Ehrlichkeit bei den Antworten des RCDS findet, bleibt nun jedem selbst überlassen zu bewerten.

Erst noch kurz zum RCDS an sich: ausgeschrieben heißt das wohl Ring Christlich-Demokratischer-Studenten und vereinigt eher konservativ gesinnte, der CDU/CSU nahestehende Studenten. Eigentlich bildet der RCDS an deutschen Universitäten ein passables Gegengewicht zu den linken Kräften, umso mehr verwunderte es mich, dass es zur Zeit meines Studienstarts in Konstanz keinen RCDS gab – jedenfalls nicht aktiv im Studierendenparlament vertreten – und das in einemb is  ein Jahr vorher noch tiefschwarzen Bundesland.

Ein paar beherzte Kommilitonnen konnten sich aber wohl begeistern und den konservativen Touch der Elite-Uni Konstanz etwas aufpolieren, indem sie den RCDS wiederbelebten und nun zusammen mit „Unabhängigen“ bei den Wahlen zum Studentenparlament antreten wollen.

Was sie dabei wollen ist mir noch reichlich unklar: bei meiner 3-stündigen Plakatklebeaktion für die LHG  heute stach mir kein Plakat von ihnen ins Auge, es liegen keine Flyer aus, es gibt keine Website – ergo weiß ich auch nicht, wofür sie jetzt genau stehen, gleichwohl man eines weiß: gegen linke Hochschulpolitik.

Ein wenig schlauer machen ihre bestechend kurzen Antworten auf meine Fragen, die ich nun nicht länger vorenthalten möchte.

1. Der RCDS begrüßt grundsätzlich den Erfolg in der 
Exzellenzinitiative, fordert jedoch dass die Exzellenz auch in der 
Lehre umgesetzt wird und sich die Studiensituation allgemein durch 
den Geldsegen verbessert.

2. Studenten, AStA, Forschungsfreiheit, Verwaltung, Professoren, 
Uni-Kater, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Trommelkreise

3. Zur nächsten StuPa-Wahlen würden wir es begrüssen, wenn es vorab 
einen Gruppenübergreifenden Wahlaufruf gibt. Außerdem muss die 
Hochschulpolitik insgesamt transparenter und offener werden. 
Dies wird vor allem durch eine Zwangsmitgliedschaft wie bei der 
Verfassten Studierendenschaft nicht erreicht. Nur wenn die 
Hochschulpolitik attraktiv wird für Studenten, 
erhöht sich auch die Wahlbeteiligung. 
Langweilige und redundante Debatten über die bereits angesprochenen 
Trommelkreise schrecken da nur ab.

4. Der RCDS lehnt Zwangsbeiträge jeglicher Art ab und verweist auf 
sein alternatives Modell zur VS.

5. Subsidiarität, Freiheit, Studienbedingungen verbesser, Elite-Uni, 
Mill

 

Zu 1: Wer fordert nicht, dass die Exzellenz-Initiative der Lehre zugute kommen soll? Aber ein Bekenntnis zur Exzellenz-Initative ist ja nicht selbstverständlich – bleibt einer CDU-nahen Gruppierung aber auch nicht viel anderes übrig.

Zu 2: Das der RCDS den AStA soweit oben ansiedelt hat mich überrascht. Eine Erklärung hätte mich da gefreut. Vor allem, weil meines Wissens doch die wenigsten „Konservativen“ dort mitmischen. Professoren sind immerhin noch wichtiger als Uni-Kater Sammy, der aber immerhin den Bierautomaten vorgezogen wird. Wer hätte das gedacht – jaja, die Stereotypen! Aber besser ein Bier als Bio-Essen als Trommelkreise – das kommt nicht sonderlich überraschend. Wer übrigens nicht weiß, was Trommelkreise in dieser Präferenzfrage zu suchen haben: der „Trommelkreis“ ist eine gern genutzte Metapher für die Verschwendung studentischer Gelder durch zweifelhafte Aktionen. Glücklicherweise überwiegen die sinnvollen Aktionen und Angebote, doch ab und an fragt man sich bei diversen Veranstaltungen schon nach dem Sinn für die Studentenschaft.

Zu 3: Transparenz beim RCDS. Ein moderner Anstrich, den sie gerne gerecht werden dürfen. Den Rest der Aussage würde ich durchaus unterschreiben.

Zu 4: zum alternativen Modell gehts hier, einen Kommentar spare ich mir: http://www.vs-ohne-mich.de/index.php?page=startseite

Zu 5: War so zu erwarten. Eine Begründung wäre schön (habe ich allerdings auch nicht klar gemacht), aber wir PoWalter ersticken im Moment ja auch in Arbeit an Klausurvorbereitung…

 

Deutlich längere und durchaus auch humorvolle  Antworten kommen in den nächsten Tagen – morgen wird als Gegensatz  zum RCDS die Offene Linke Liste vorgestellt, deren Antworten mir doch sehr gut gefallen. Tatsächlich denke ich sogar ernsthaft drüber nach, den ein oder anderen dieser Liste zu wählen – aber mehr dazu morgen…

 

 

StuPa-Wahl an der Uni Konstanz (12. Juli)

Wie angekündigt werde ich in den nächsten Tagen nicht nur über den weiteren Verlauf der OB-Wahl berichten, sondern auch über die Wahlen zum Studentenparlament an der Universität Konstanz, die am 12. Juli stattfinden werden – auch wenn man mir als für die LHG kandidierender fehlende Unabhängigkeit vorwerfen mag. Mit der Wahl zum Studentenparlament sind wohl auch noch Wahlen für andere Gremien in der Uni verbunden, denen ich mich aber nicht näher widmen möchte.

In bewährter Manier habe ich dazu einen kleinen Fragekatalog an die antretenden politischen Hochschulgruppen geschickt und bereits auch schon 2 Rückmeldungen – vom RCDS & Unabhängige und sds/offene Linke Liste – bekommen, die ich ab morgen veröffentlichen werde. Hier ein Überblick über die Fragen, die recht spontan entstanden sind. Mittlerweile sind mir bessere Ideen gekommen, aber zu spät:

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als
Hochschulgruppe dazu?

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für
Euch: Studenten, Professoren, "Mittelbau" und Verwaltung, 
Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy,
AStA, Forschungsfreiheit

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend
niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr
konkret dagegen tun?

4. Mit der Einführung der "Verfassten Studierendenschaft" wird die
studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure
Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn,
was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität? Freiheit oder Zwang?
Studienbedingungen verbessern oder Welt retten? Elite-Uni oder
Massen-Uni? Marx oder Mill?

Wie man sieht ein kleiner Rundumschlag, der bis auf die „Verfasste Studierendenschaft“ die im Wahlkampf propagierten Themen höchstens streift. Aber die ganze Leier mit Zivilklausel, Studi-Ticket, höheren Hiwi-Gehältern, Angleichung der Semesterzeiten an internationale Standards (wie es in Mannheim gemacht wird bzw. an den meisten FHs) zu wiederholen wäre sicher nicht sehr spannend. So habe ich wenigstens ein paar Aussagen schriftlich, an die ich die politischen Hochschulgruppen dann messen kann.

Die Wahlen zum Studierendenparlament finden, wie gesagt, am 12. Juli statt. Mir ist dabei unklar, wie das Ganze abläuft., da es ja auch meine erste Wahl ist Die Informationspolitik ist – siehe Frage 3 – sehr schlecht. Es hängen zwar überall lauter Wahlplakate, aber keiner informiert über die Wahl an sich. Auf der Website des AStA der Uni Konstanz (www.asta.uni-konstanz.de) finde ich z.B noch gar keine Informationen. Soweit ich weiß hat man mehrere Stimmen, die man recht beliebig, also auch auf verschiedene Listen, aufteilen kann (Kumulieren & Panaschieren). Ihr könnt mir also alle Eure Stimme geben, obwohl Ihr Liberale blöd findet und sonst schön linksgrün wählen 😉

Wer tritt eigentlich überhaupt an? Meines Wissens sind das:

Grüne Hochschulgruppe – GHG

Offene Linke Liste – sds  (mich erreichte eine Mail, dass das so nicht stimmt: also Streichung; gelöscht wird hier nix)

Liberale Hochschulgruppe – LHG

Ring Christlich-Demokratischer-Studenten – RCDS & Unabhängige

Juso Hochschulgruppe

U-Liste/ Fachschaftsliste

G.R.Ü.N. & Schnitzel (Spaßpartei)

Die Grauen (Spaßpartei)

Sie alle kämpfen um die anscheinend 23 Sitze im StuPa, das momentan von der Grünen und Juso Hochschulgruppe dominiert wird. Damit sich dieser für alle deutschen Universitäten typische Zustand mal ändert, kann ich jeden nur aufrufen, wählen zu gehen.

Die Wahlbeteiligung an den Wahlen zum Studetenparlament in Konstanz ist wohl vergleichsweise noch hoch, liegt aber noch weit unter den sehr traurigen 42% bei der Wahl des Oberbürgermeisters vergangenen Sonntag. Knapp über 20% meines Wissens insgesamt, bei den PoWaltern immerhin deutlich höher. Die bilden allerdings auch knapp die Hälfte des Studierendenparlaments.

Was die Gewählten dort tun ist aus den doch recht aussagekräftigen Protokollen zu entnehmen (http://www.asta.uni-konstanz.de/wp/?page_id=1451). Ich glaub, denen widme ich mich in Zukunft hier mal genauer. Auffällig im letzten Protokoll ist, das wohl auf indirektem Wege versucht wird, Studentenverbindungen den Status als Hochschulgruppe abzuerkennen, weil sie gewisse Zulassungsgrenzen haben und damit diskriminieren (keine Frauen aufnehmen  z.B). Ich bin wahrlich kein Freund von Studentenverbindungen, finde den dauernden Kleinkrieg gegen diese Tradition aber albern. (Edit: Grundsätzlich natürlich eine richtige demokratische Entscheidung, an der ich nichts auszusetzen habe. Aber wer Wasser predigt, soll kein Wein trinken…)

Immerhin besaßen die von knapp  20% der Studierenen legitimierten Vertreter noch die Einsicht, den Vorschlag eines Vertreters zu verwerfen, der Hochschulgruppen ihren Status aberkenenn möchte, die allgemein diskriminierend wirken. Die Intention in Ehren – aber entscheiden tut wahrscheinlich das StuPa drüber, was angeblich diskriminierend sein soll und kann so unliebsame Meinungen unter dem Vorwand einer angeblichen Diskriminierung entgegentreten und den doch mit einigen Vorteilen verbundenen Status als Hochschulgruppe entziehen.

Ansonsten hört man recht wenig vom StuPa – auch zusammenhängend mit der bisher fehlenden Macht, die durch die Einführung der Verfassten Studierendenschaft ja nun größer werden dürfte. Wen interessiert es aber auch – siehe Wahlbeteiligung? Eigentlich schade, denn die Entscheidungen, die dort getroffen werden, gehen alle an. Und sind vielleicht nicht im Sinne der meisten, sonder Minderheitenmeinungen mit Mehrheit im StuPa.

Wie dem auch sei: wenn ihr an der Uni Konstanz studiert, dann geht doch bitte am 12. Juli wählen und macht ein Kreuz wo es Euch richtig dünkt 😉

Morgen geht es dann los mit einer kleinen Vorstellung der kandidierenden Listen samt ihrer Beantwortung der Fragen.

Veggie-Day und LHG Konstanz

Erst einmal möchte ich noch einmal dazu auffordern, Fragen an die Oberbürgermeisterkanditaten in die Kommentare zu schreiben, sodass diese nicht alle an mir hängen bleiben. Ich habe alle Kandidaten gestern noch angeschrieben und von mehr als der Hälfte auch bereits positive Rückmeldung bekommen. Eure Fragen werden also auch beantwortet!

Schreiben tue ich heute aber nicht über die OB-Wahl, sondern über 2 Dinge.

Erst einmal war heute wohl international, oder national, oder auch nur in Konstanz – ich weiß es nicht – „Veggie Day“, sprich die Mensa hat nur Kaninchenfutter verkauft. Die Ironie an der Geschichte: ich zog es vor heute auszuschlafen, kam erst an die Uni, als die Mensa schon zuhatte, und ließ mir im Unwissen daran ausgerechnet heute zum ersten Mal überhaupt eine schöne Currywurst an der relativ neuen Seezeit-Imbißbude schmecken, die zwar auch arg nach Tofu aussah, aber doch wahrscheinlich Fleisch war. Ich will es jedenfalls hoffen und finde es sehr bedenklich, wenn die Studenten mittlerweile gezwungen werden, sich vegetarisch zu ernähren. Falls diese glorreiche Idee noch einmal stattfinden wird, wird die Empörung noch größer sein und Gegenaktionen sicher stattfinden, sofern man denn rechtzeitig vorher Bescheid weiß.

Heute Abend war ich dann erstmals bei der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz, die ganz dekadent im recht  neuen Restaurant Brigantinus am Seerhein tafelte, deren Pizzen zwar sehr lecker schmeckten, dessen Einrichtung jedoch arg an einem Abklatsch vom „Il Boccone“ erinnerte, bei deutlich schlechterem Service und ähnlich hohen Preisen.

Trotzdem war es ein sehr netter Abend, ich war angenehm überrascht. Im Gegensatz zu den Stammtischen der Piraten habe ich bei der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Es gibt tatsächlich noch liberal gesinnte Studenten!

Der „Veggie-Day“ stieß auf die gleiche Empörung und es wurde munter über liberale Hochschulpolitik diskutiert. Denn es stehen bald nicht nur OB-Wahlen, sondern auch die Wahlen zum Studentenparlament an. Ich trete übrigens auch an: auf Platz 9 der LHG-Liste, sodass ich keine Chanc habe gewählt zu werden, was ich ja auch garnicht möchte (es gibt 13 Plätze insgesamt, die LHG hat realistische Chancen auf 2, maximal 3)                       Die Liberalen, die bereits dort mitmischten, priesen mit wahrhaft zynischen Unterton den wahnsinnigen Spaß den sie immer im linksgrünen Studentenparlament hatten, das von Toleranz, Kompetenz und vor allem Einsatz für die Studierenden Studenten nur so zu strotzen scheint. Ich habe jedenfalls keine Lust, in einen von mal gerade einem Viertel der Studenten legitimierten Gremium meine Zeit totzuschlagen und endlosen Monologen von selbsternannten Weltverbesserern zu lauschen. Aber ich stehe dann wohl auf dem Wahlzettel – also wählt mich und die einzige hochschulpolitische Gruppierung, die die Bedingungen an der Universität zu verbessern versucht statt die Welt retten zu wollen…

Hauptthemen des Wahlkampfes werden noch gesammelt, vor allem geht es aber gegen den Zwangsbeitrag bei der Neueinführung der Verfassten Studierendenschaft in Konstanz. In diesem Zusammenhang: heute wurde übrigens das Ergebnis für das Studienticket veröffentlicht. Knapp drei Viertel der Stimmen dafür, ein Viertel dagegen bedeuten zwar nun einen 7€ Zwangsbeitrag, die lächerliche Wahlbeteiligung von ebenfalls knapp einem Viertel der Studenten zeigt aber, dass drei Viertel der Studenten letztlich nicht mal ein Viertel sind. Die Frage, ob die Konstanzer Studenten nur politikverdrossen oder aber diese niedrige Wahlbeteiligung durch bewusst passive Informationspolitk gewollt ist klammere ich mal aus…

Wie schlecht Hochschulgremien oft wirtschaften und wofür sie ihre Gelder ausgeben, erzählte ein StuPa-Mitglied der LHG. Das Kulturreferat der Studierendenvertretung (oder sonstwas) organisierte eine „Rotlicht-Lesung“ in der „Bar Balou“, mietete dafür eine Tänzerin und noch mehr Sachen. Und für solche „Kultur“  und endlos viele andere Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet müssen die Konstanzer Studenten bald womoöglich einen Zwangsbeitrag bezahlen. Studiengebühren für die Uni, die allen zugute kommen, sind nicht in Ordnung, Gebühren für die Studentenvertretung, die in der eigenen Verwaltung und fragwürdigen Veranstaltungen versickern, hingegen schon. Das nenne ich Logik und wundere mich, warum in ganz Deutschland Studierendenvertretungen in Mehrheit mit linksgrünen Vertretern besetzt sind.

Aber über hochschulpolitische Themen mag ich noch ein andermal schreiben. Fakt ist jedenfalls, dass es mir bei der LHG sehr gut gefallen hat und ich fast bedauere, nicht schon eher dort mal vorbeigeschaut zu haben. Mitglied konnte ich aber noch nicht werden – dazu muss ich erstmal bei den Piraten austreten – mein Geständnis nahm man mit Fassung 😉             Das werde ich bald wohl auch tun – nur die Neuwahlen und Wahl des OB-Favoriten der Piratenpartei möchte ich noch abwarten…

Das war es dann auch schon für heute!