Konstanzer Direktkandidaten zur Bundestagswahl

Es gibt soviel zu schreiben, aber die Zeit wird immer knapper dazu. Nichtsdestotrotz schreibe ich heute über etwas, was erst in einiger Zeit ansteht. Genauer gesagt vermutlich am 22. September 2013. Dann vollzieht die Bundesrepublik Deutschland nämlich vermutlich ihre Bundestagswahl, was nach 4 ermüdenden Jahren auch so langsam mal wieder Zeit wird. Ich selbst bin dann zwar im Auslandssemester in Spanien, werde aber natürlich trotzdem gespannt nach Deutschland im Allgemeinen und Konstanz im Speziellen schauen. Denn wie bei der Oberbürgermeister-Wahl werde ich mich auch dem hiesigen Wahlkampf widmen, der teilweise schon angefangen zu haben scheint.

Seit gestern zumindest stehen alle Kandidaten der etablierteren Parteien offiziell fest. Zu ihnen möchte ich im Folgenden jeweils ein paar ganz kurze, zutiefst subjektive, lediglich überblicksartige  Zeilen schreiben, ehe ich sie rechtzeitig vor der Wahl sicher noch ausführlicher vorstellen und wieder mit ein paar Fragen löchern werde.

Andreas Jung, CDU

Andreas Jung ist der Kandidat der Christlich-Demokratischen Union. Bei einem Wahlergebnis von fast 98% für Angie, das eher an ihre DDR-Zeit anmutet, scheint von innerparteilicher Demokratie jedoch nicht mehr viel übrig zu sein. Vom Christlichen schon gar nicht – aber das ist ja eigentlich gut so. Andreas Jung jedenfalls sitzt bereits seit 2005 im Bundestag – seinen Namen habe ich aber selbst als Neu-Konstanzer nie gehört (passiert halt, wenn man nicht den Südkurier liest) . Er macht jedenfalls einen sympathischen Eindruck, könnte aber genauso gut Mitglied bei Bündnis 90/Die GrünInnen sein. So ist er durch seine kritische Haltung zur Kerneenergie sicher mitschuldig daran, wenn wir im Winter dank ausgefallener Heizungen ständig frieren müssen. Der 35-jährige hat laut Eigendarstellung aber auch eine Erbschaftssteuer für Bauern verhindert, was sehr lobenswert ist. Jedenfalls scheint er doch sehr öko und nachhaltig zu sein – das neue Dogma innerhalb der CDU um sich den Grünen anzubiedern. Nur so hat man in Konstanz aber auch eine Chance gewählt zu werden. Als Direktkandidat gehört Andreas Jung daher auch noch zu den respektableren Politikern, die sich für die Belange ihres Wahlkreises wirklich einsetzen zu können. Sein Zerwürfnis mit dem Verkehrsminister Ramsauer wegen des gescheiterten Fluglärmabkommens mit der Schweiz zeigt, dass er sich nicht alles gefallen lässt. Auch wenn als Rache Konstanz nun seine Straße nicht ausgebaut bekommt. Und das nennt man noch Politik – untereinander in einer angeblich christlichen Partei.

Tobias Volz, SPD

Tobias Volz sagt mir jetzt noch weniger. Er ist auch noch nicht offiziell gewählt, wird es aber wohl am 18. Dezember. Der Pflegedienstleister mit indischen Wurzeln kommt aus Allensbach, ist Pflegeunternehmer mit 43 Mitarbeitern und setzt sich daher vor allem auch für Pflege- und Gesundheitspolitik ein. Seine Anliegen wie Inklusion von  und mehr Rechte für Behinderten Entfähigte sind auch höchst unterstützenswert, andere klassisch sozialdemokratische Themen eher weniger. Es ist ja wunderbar, dass er laut Eigendarstellung seinen Mitarbeitern überdurchschnittliche Löhne zahlt, als Unternehmer weiß er hingegen wohl trotzdem nichts von den verheerenden Auswirkungen von Mindestlöhnen, die er so fordert. Auch ansonsten scheint das klassisch etatistische Denken – wie z.B in der Kinderbetreuung durchzuschimmern. Der Staat ist dein Freund und Helfer und tut alles für dich. Was er laut Tobias Volz bald noch so alles tun darf, wird man beizeiten erfahren.

Nese Erikli, Bündnis 90/Die Grünen

Nese Erikli ist von den GrünInnen. Die 31-jährige Jura-Studentin hat in ihrem Leben schon viel Durchsetzungskraft bewiesen und auch ihr persönliches Auftreten nötigt Respekt ab. Inhaltlich überwiegen die klassisch-grünen Themen: die planwirtschaftliche Energiewende ist nur ein Beispiel. Immerhin lehnt sie ein Bedingungsloses Grundeinkommen ab, wie es ja auch von manch GrünInnen vertreten wird. Inhaltliche Diskussionen mit ihr dürften spannend werden!

Birgit Homburger, FDP

Birgit Homburger ist Direktkandidatin der FDP und von all den Konstanzer Kandidaten wohl am bekanntesten. Obgleich sie durchaus großen Einsatz zeigt, könnte sie auch die 3 anderen bisher vorgestellten Parteien problemlos vertreten. Inhaltliche Unterschiede gibt es da schließlich nur in Nuancen. Ihre Vormachtstellung in Baden-Württemberg wurde erst kürzlich gebrochen: auf der Landesliste muss sie sich mit Platz 2 begnügen, nachdem Walter Döring in einer Kampfkandidatur gegen sie antrat. Dieser zog zwar zurück, doch Preis war der Verlust des Spitzenkandidaten-Status an Teppich-Niebel, der bekanntlich Minister des Entwicklungsministeriums ist, das er in gewohnter FDP-Manier mit Gefolgsleuten besetzte und noch weiter vergrößerte statt diesen Imperialismus als aufrichtiger Liberaler abzuschaffen. Birgit Homburger jedenfalls folgt seit jeher brav dem sozialliberalen Dogma der FDP und ist daher nicht wählbar.

Marco Radojevic, Linkspartei

Der Kandidat für die Linkspartei ist Marco Radojevic. Er studiert Politik- und Verwaltungswissenschaften in meinem Jahrgang, weshalb man durchaus etwas mehr über ihn berichten könnte. Vielleicht ein paar kontroverse Aussagen leaken 😉  Jedenfalls wird er den Wahlkampf in Konstanz ordentlich aufmischen, da bin nicht nur ich mir sicher. Für einen Linken ist er tatsächlich sehr kompetent und äußerst redegewandt, was sich insbesondere in ständigen Pöbeleien, vor allem gegenüber der SPD, niederschlägt. Als Linker wird man ebenso wie als Libertärer eben schnell zum Zyniker. Wäre seine normative Vorstellung von Politik und Wirtschaft genauso gut wie seine positive Analyse, könnte ich mir glatt vorstellen, ihn zu wählen. Dabei wird er vermutlich über die Landesliste ohnehin in den Bundestag einziehen. Sofern die Linke in den Bundestag einzieht, was ich tatsächlich hoffe. Ihre Gesellschaftsutopien können Sie ohnehin nicht verwirklichen – eine Koalition ist für Rot-Grün ja nicht denkbar  – und so klauen sich die 6 etatistischen Parteien gegenseitig die Stimmen. Bringt natürlich nur was wenn eine nicht etatistische Partei noch den Sprung schafft, was leider nicht zu erwarten ist.

Andreas Bergholz, Piratenpartei

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Direktkandidaten der Piratenpartei, Andreas Bergholz, zu dem ich ja auch schon ausführlicher geschrieben hatte. Jedenfalls scheint er gerade sehr im Clinch mit seiner Partei zu liegen. Diskussionen auf der Konstanzer Mailingliste offenbaren eine tiefe Spaltung zwischen ihm und den Bezirksverband, welcher infolge nur noch das allernötigste für die Konstanzer Piraten tun wird. Offensichtlich fühlt sich Andreas Bergholz auch allein in der Lage, den Bundestagswahlkampf in Konstanz zu führen. Seine jugendliche Unerfahrenheit und ein gewisses unüberlegtes Temperament dürfte sich dabei nicht unbedingt als Vorteil erweisen, bringt aber zusätzlichen Schwung in die mit diesem Kandidatenfeld sicher lustig werdenden Debatten. Inhalte sind – typisch piratig – natürlich Pustekuchen. Offensichtlich hat er sich Henry Hazlitts „Economics in one Lesson“ nicht gut genug durchgelesen. Oder er ignoriert besseren Wissens – wie fast jeder Politiker – die Realität und versucht in konstruktivistischer Anmaßung seine Existenzberechtigung mit immer absurderen Ideen zu festigen. Eine Zeitreise – wie unlängst von den Piraten gefordert, würde da mal gut tun.

Wie man den Zeilen vielleicht entnehmen konnte, ist dieses Kandidatenfeld nicht sonderlich wählbar. Wemm ich am ehesten einen Direktkandidaten der Linkspartei wählen würde – und zwar weder aus persönlicher Bekanntschaft noch Protest – soll das schon einiges heißen. Ich hoffe jedenfalls, dass noch der ein oder andere unabhängige Kandidat den Wahlkampf sucht, der zumindest leicht von den doch sehr ähnluchen 6 anderen Kandidaten abweicht. Etwas mehr Vielfalt hätte Konstanz dringend nötig. Und sei es Roman Urban!

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