(K)Ein(e)Stimmung auf Weihnachten!

Als ich heute einen Freund in der tatsächlich existenten Stadt Bielefeld besuchte, fuhren wir in die Innenstadt um ein Geschenk zu kaufen (nicht für Weihnachten!) und gingen über den dortigen Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmärkte haben nämlich tatsächlich schon geöffnet. Erst gestern war ich kurz auf dem Herforder Weihnachtsmarkt. Und der Konstanzer wird bald mit Regelmässigkeit folgen. Dabei ist erst der 1. Dezember – aufgrund der fortgeschritten späten Stunde meinetwegen auch schon der 1. Advent!

In Weihnachtsstimmung bin ich aber so garnicht. Und in 3 Wochen wird das kaum anders aussehen. Da können Lichterketten die dunklen Gassen erleuchten, Schneeflocken rieseln und Glühwein verkauft werden – man mag sich drüber freuen, aber nicht über Weihnachten.

Heute in Bielefeld merkte ich, was mir bereits 3 Wochen vorher an Weihnachten so missfällt. Dicht liess das drängende Kollektiv die Bielefelder Innenstadt pulsieren, das entlang der kommerziellen Buden hetzte, die man auf jeder Dorfkirmes findet. Kunsthandwerk, das zumindest noch ein gewisses Flair versrprüht, konnte ich nicht ausmachen (hatte aber auch nie den Eindruck, dass damit sonderlich hohe Gewinne möglich gewesen seien).

Als wir das Geschenk kauften dichtes Gedränge. Über der Kasse hing ein Spruch Voltaires, der das, was mir an Weihnachten missfällt, sehr treffend auf dem Punkt brachte.

Das Überflüssige ist das Notwendige

Für Voltaire in Versailles war das sicher der Lebensalltag. Das die grelle Werbeindustrie das auch so sieht, können wir tagtäglich beobachten. Wie schrecklich es doch ist, zu Hause von ständig laufenden Fernsehern umgeben zu sein und die Werbung ertragen zu müssen die dem Niveau der meisten Sendungen gleicht…

Man könnte meinen, John Maynard Keynes hätte Weihnachten zur Konjunkturbelebung erfunden. Tatsächlich zahlen Unternehmen ein extra Weihnachtsgeld, das dann meist munter verkonsumiert wird.

Aber weihnachtliche Konsumkritik ist ja schon ein alter Stiefel, der mir zwar stinkt, aber nicht sehr gewaltig. Anders sieht es da schon eher mit den grünen Moralapostel*Innen einer veganen Hochschulgruppe aus, die ein fleischfreies Weihnachtsfest propagierten. Wenn es ihnen schmeckt, können sie ja gern ihren Tofu mümmeln, ich freue mich jedenfalls auf ganz viel Fleisch.

Ebenfalls einen Stand hatten Drückerkolonnen freundliche junge Menschen, die auf ein Hilfsprojekt aufmerksam gemacht haben. Weihnachtszeit ist schließlich Spendenzeit. Barmherzig konnte ich mich aber nicht zeigen, ich hatte lediglich Interesse an der mir zuvor unbekannten Organisation namens Helpage, die mit lustigen Programm-Namen wie „Jede Oma zählt“ Großeltern in Ostafrika finanziell unterstützen, wenn Sie ihre Enkel  in die Schule bringen und noch ein paar andere Dinge tun. Für nur 10€ im Monat ist damit das Überleben gesichert. Sicher gut investiertes Geld für eine sinnvolle Sache, aber ohne vorherige Zusatzrecherche unterschreibe ich nichts mehr.

Wer sich vorgenommen hat mit dem Rauchen im nächsten Jahr aufzuhören wäre ein Engagement das Richtige: die 10€ hat man dann locker im Geldbeutel und man rettet nicht nur sein, sondern auch andere Leben…

An dieser Stelle zu vorigen Thema vielleicht noch eine geschmacklosere Bemerkung, würde sie nicht von einer alten Dame selbst stammen. Erstaunt darüber, das Omas in Afrika geholfen wird, meinte sie:

In 10 Jahren bekommt Ihr hier eine Prämie, wenn Ihr uns überfahrt.

Schaut man sich die Demografie und den immer weiter ausgebauten Anreizfetischismus an, so erscheint dies gar nicht so abwegig.

Konsum, Moral und Spendenappelle sind  aber noch längst nicht das Einzige. Trotz allheiligabendlichen Kirchgang (als einziges Mal im Jahr) herrscht breite Unkenntnis über den Ursprung und Sinn des Festes.

Ich bin bei weitem kein Christ (wenn auch in meiner Jugend dadurch sehr geprägt), sondern sehr kirchenkritisch. Mein noch am ehesten pandeistisch akzentuierter Gott-Tod-Glaube (frei nach Nietzsche)  kann jedoch auch die Existenz Jesu nicht leugnen, dessen Geburt in der heutigen Zeit vielen als Ursprung des Weihnachtsfestes dient. Ob dem tatsächlich so ist, dessen möchte ich an dieser Stelle keine Worte verlieren. Fakt ist jedoch, dass das, was Weihnachten als einer der wenigen Tage im Jahr ausmacht, immer mehr zu schwinden scheint: Besinnung!

Besinnung ist subjektiv und ich möchte daher nicht ausschließen, dass Geschenke kaufen am Nachmittag von Heiligabend für viele Leute sehr besinnlich ist. Für mich wäre es sehr streßig.

Ich freue mich daher auf Weihnachten im (hoffentlich) tief verschneiten Filzmoos. Beim Ski fahren durch Natur und frische Luft bei weißer Winterpracht kann man sich trotz oder gerade wegen sportlicher Aktivität besinnen, hinterher auf einer Wärmeliege entspannen und liberale Klassiker lesen, abens im Kreis der erweiterten Familie vorzüglich tafeln und auf weichen Hotelkissen bestens schlafen. Der Alpenhof in Neuberg ist immer eine Reise wert – und Weihnachten ganz stressfrei. Das macht Besinnung für mich aus.

Abgesehen davon geht es, zugegeben auch das einzige Mal dieses Jahr, wieder in die Kirche. Oder eher gesagt: eine kleine katholische Kapelle eines österreichischen Dorfes, bei dessen Mitternachtsmesse man auch ganz unchristlich seinen (Un)Glauben geniessen und endlich mal zur Besinnung kommen kann.

Auf Geschenke und den üblichen Weihnachtskitsch – manche nennen es auch Tradition – möchte ich trotzdem nicht verzichten. Im Maßen statt in Massen ist es doch auch mal ganz schön. Dafür ist der Mensch eben konditioniert. Wie eine ehemalige Mitschülerin der Zeugen Jehovas es ohne ausgehalten hat, war mir damals ein Rätsel. Mittlerweile glaube ich, dass das geht. Aber man möchte ja nicht jedem das Weihnachtsfest vermiesen! Daher kam der Artikel heute – jetzt sind noch 3 Wochen Zeit ihn zu vergeßen 😉

 

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