Irrelevant Subjektives zum Jahresabschluss

Der wirklich letzte Beitrag im Jahre 2012. Womit beschäftigen wir uns? Über die Anstalt, der wir den öffentlichen Rundfunk verdanken, für den wir im kommenden Jahr tief in die Tasche greifen müssen, schreibe ich lieber nichts. Mir ist zu Ohren gekommen, dass man aus den Zwangsgebühren finanziert selbst verklagt wird, wenn man das falsche, nicht einmal abwertende, Wort für diese Institution benutzt.

Gute Filme bringt ohnehin eher das Privatfernsehen. So habe ich gestern so ziemlich das einzige Mal in diesem Jahr noch bewusst Fernsehen konsumiert, indem ich die glorreiche Zeichentrick-Verfilmung des „Herrn-der-Ringe“ sah. Gut ist der natürlich nicht gerade, aber ein Mittelerdler kann sich das nicht entgehen lassen. Aufmerksam wurde ich dabei auf eine interessante Analogie zwischen den Herr-der-Ringe-Verfilmungen und „Star Wars“. Es scheint, dass sowohl die Zeichner des Zeichentrickfilms als auch Peter Jackson von George Lucas abgekupfert haben. So sind die Orks im Zeichentrick bessere Tusken-Räuber mit Hörnern, während im neuen Hobbit-Film der Oberork aus dem Nebelgebirge gravierende Ähnlichkeit mit Jabba the Hutt aufweist. Zufall oder Schicksal?

Mit diesem Gedanken – höchst subjektiv und irrelevant – möchte ich dieses objektiv betrachtet für mich hoch relevante Jahr denn auch abschließen und freue mich, wenn es am Ende des nächsten Jahres nicht mehr 21000, sondern 50000 Besucher meines Blogs geworden sind. Einen guten Rutsch wünsche ich jedenfalls!

Die Lektüre des Jahres – 7 wichtige Werke

Heute möchte ich die Lektüre meines Jahres mitteilen. Viel wurde gelesen, viel hat es mir gebracht. Ich will mich allerdings auf das beschränken, was ich aus Interesse ausserhalb des Studiums geschrieben habe. Nicht, dass die Studienlektüre nicht interessant wäre, aber das würde hier den Rahmen sprengen. So sind die 1000 Seiten VWL-Lehrbuch des rechten Keynesianers Gregory Mankiw durchaus erkenntnisreich (wenn auch neoklassisch), das ich mir gerade nach dem täglichen Ski-Tag zu Gemüte führe.

Die Bücher des Jahres waren aber andere. 7 seien mit ein paar Sätzen vorgestellt.

Atlas Shrugged, Ayn Rand

Das Werk „Atlas Shrugged“, das mittlerweile in der deutsche Übersetzung als „Der Streik“ vorliegt, ist in den USA nach der Bibel das meistverkaufteste Buch. Die Autorin Ayn Rand, die mit ihrer jüdisch-russischen Abstammung latent antikommunistisch eingestellt war, beschreibt den Zusammenbruch eines der letzten Staaten, die in einer sozialistischen Welt noch ein wenig Marktwirtschaft haben. Die Frage „Who is John Galt“ durchzieht das über 1000-seitige Werk und wird erst nach über 800 teils schwer zu lesenden Seiten beantwortet. Stilistisch ist Rands Werk nämlich nicht sonderlich gelungen. Insbesondere in Galts 160 Seiten einnehmenden Abschlussrede breitet Rand ihre objektivistische Philosophie aus, die ich nur in Grundzügen teilen kann. Trotzdem – ich schrieb im Frühjahr bereits einen positiveren Artikel über ihr Buch – ist es inhaltlich hochspannend und hochaktuell – man schaue sich den Exodus mancher Franzosen aus ihrem Land an. Ich kann es jedem nur empfehlen, auch wenn man mit ihrem Objektivismus nicht viel anfangen kann.

Human Action, Ludwig von Mises

In etwa genauso lang und da wissenschaftlich trotz des guten Stils von Mises ein harter Brocken, ist „Human Action“ das Kompendium der österreichischen Schule der Nationalökonomie, in dem Ludwig von Mises die wirtschaftliche Lehre der Praxeologie diskutiert. Wirtschaft sei an keine abstrakte Mathematisierungsmodelle gebunden, sondern die Lehre vom menschlichen Handeln, der man aprioristisch-deduktiv auf den Grund gehen kann. Vom Mainstream weitgehend unrezipiert sollte sich jeder ernsthaft an Ökonomie Interessierte jedoch mit seinem Meisterwerk auseinandersetzen, um ganz neue Blickwinkel eröffnet zu kriegen. Beim Erstanlauf im Frühjahr habe ich nicht viel verstanden, weshalb ich mittlerweile mit einer eigens bestellten Ausgabe selbst in die Welt der österreichischen Schule eintauche. Pflicht für jeden!

Democracy in America, Alexis de Tocqueville

tudiumslektüre mag man einwenden. Sicher habe ich es für meine Hausarbeit über die Tyrannei der Mehrheit verwendet, doch bietet Tocquevilles in 2 Bände gefasstes Werk viel mehr – nicht nur eine akurrate Beschreibung der amerikanischen Verhältnisse um 1830. Auh auf die heutige Zeit lässt sich vieles anwenden. Tocqueville ist nicht ohne Grund einer der angesehensten klassischen Liberalen – die 1000 Seiten vergehen hier wie im Fluge. Leider wurde von seinen Landsmännern so ziemlich das Gegenteil seiner Beobachtungen umgesetzt. Totalitaristen wie Rousseau mag man in Frankreich deutlich lieber.

For a new Liberty, Murray Rothbard

Neben David Friedmans utilitaristischer Begründung des Anarcho-Kapitalismus mit „Machinery of Freedom“ ist Rothbards naturrechtliche Begründung in seinem libertären Manifest ein Muss. Überzeugend legt er dar, wie man sämtliche Staatsfunktionen privat ersetzen kann. Als Schüler von Ludwig von Mises ist er ausserdem ein begnadeter Ökonom, der eloquent für die Vorteile eines freien Marktes eintritt. Nach Lektüre dieses Buchs werden viele Gehirne anders denken als zuvor. Erhältlich ist es übrigens wie viele andere bedeutende Werke frei im Internet unter: http://mises.org/books

Anarchy, State and the Utopia, Robert Nozick

In Kontrast zu Rothbard eine sehr philosophische Auseinandersetzung des Harvard-Professors mit John Rawls Gerechtigkeitstheorie. Er versucht zu beweisen, warum nur ein Minimalstaat gerechtfertigt ist. Anarchismus wie Rothbard lehnt er ab. Philosophisches Vorwissen sollte man mitbringen, ich fand die Lektüre schwierig, aber anregend und werde sie mir in Zukunft nochmals genauer vorknöpfen. Später distanzierte sich der 2004 verstorbene Nozick vom Libertarismus und hing den ja gerade in Harvard gut vertretenen Kommunitarismus an. Weniger ideologisches Werk jedenfalls, als man denken mag.

Markets not Capitalism, Gary Chartier und Charles W. Johnson

Eine eher linkslibertär orientierte Essay-Sammlung berühmter Anarchisten wie Benjamin Tucker als auch zeitgenössischen Autoren, die eloquent für freie Märkte und soziale Gerechtigkeit eintreten, die auch ohne staatlichen Zwang erreichbar sei. Letzteres ist schliesslich leider ein von Libertären vernachlässigtes Thema, das hier die gebotene Aufmerksamkeit kommt. Freie oder in ihrem Terminus befreite Märkte werden vom koproratistischen Marktwirtschaftssystem abgegrenzt, der Begriff „Kapitalismus“ nicht mehr benutzt, weil er für solche Systeme diene. „The only fair is laissez-faire“ ist die Ansicht der Autoren, die sie durchaus plausibel begründen. Nicht der Markt, sondern der Staat schafft Ungerechtigkeit.

Kopf oder Kapital, Günter Faltin

 

Der FU-Professor und Gründer mehrerer Startups wie der „Teekampagne“, mittlerweile Deutschlands grösster Importeur von Darjeeling-Tee, möchte Gründen als Volkssport etablieren. Man brauche schliesslich keine BWL-Kenntnisse mehr, sondern nur gute Ideen – eine Erkenntnis , die in Politik und Gründerberatung noch nicht anzukommen scheint wie auch mein Gründerplanspiel zeigte, das, obgleich sehr spannend, viel zu viel Wert auf Kennzahlen legte. Heute könne man alles, was man nicht könne oder zuviel Aufwand mache, outsourcen und als Entrepreneur sich rein auf die Idee konzentrieren. Darauf käme es heute an. Das macht Mut, es einfach mal zu versuchen. Ein überragendes Weihnachtsgeschenk, das mich weiter bestärkt.

Das war natürlich nicht alles an Lektüre, da mein neues Tablet beim Bloggen aber latente Probleme hat und immer wieder Geschriebenes löscht, mache ich mit diesen 7 Empfehlungen nun Schluss. Für den durchschnittlichen Leser dürfte das für das nächste Jahr auch genug sein. Vielleicht gefällt es Euch ja wie mir.

Ein politischer Wunsch für das Neue Jahr

Zwischen Weihnachten und Neujahr ist für Libertäre Wunschzeit. Die weihnachtliche Honorarkraft hat materielle Bedürfnisse befriedigt und man ist nach dem alltäglichen Weltschmerz, den man wenigstens zu Weihnachten entfliehen mag, gut erholt, um sich nicht nur Vorsätze für das Neue Jahr zu machen, sondern sich auch etwas zu wünschen, was die weihnachtliche Honororarkraft nicht liefern kann.

Actons Erbe (actonsheir.wordpress.com) hat es bereits vorgemacht und sich 3 Politiken gewünscht, die sogar Rot-Grün umsetzen könnte bzw. sogar eher würde als Schwarz-Gelb. Theoretisch jedenfalls. Praktisch leiden auch die als links geltenden Parteien an zuviel Staatsgläubigkeit. Protektionismus, Drogenkrieg und dichte Grenzen werden wir also auch in Zukunft ertragen müssen.

Ich gehe noch weiter: vor offenen Grenzen sollte erst der staatliche Abschiebefaschismus gestoppt werden. Der Zustand der deutschen Asylpolitik ist seit Jahrzehnten äusserst verstörend. Arbeitsverbote und Reisebeschränkungen sind einem angeblich so fortschrittlichen Land wie Deutschland unwürdig.

Der Drogenkrieg ist sicher ein internationaleres Thema. Aber auch in Deutschland werden Drogen bekämpft. Ohne logischen Grund, nur mit moralischem Zeigefinger. Keinem Menschen wird mehr zugetraut, selbst seine Entscheidungen zu treffen. Man argumentiert, er würde ja sonst den Sozialsystemen zu Last fallen. Das ist allerdings kein Problem schlechter Entscheidungen, sondern des Sozialsystems an sich, dass systematisch schlechte Entscheidungen belohnt. Hier ein Umdenken wäre ein sehnlicher, aber unrealistischer Wunsch.

Das alles hat natürlich auch mit Protektionismus zu tun – vielleicht auf eine andere Art und Weise: Bevormundung. Wir werden bevomundet und entmündigt. Immer weiter, immer mehr. Das ist vielleicht ein bescheidener Wunsch für das nächste Jahr. Mehr Selbstbestimmung!

Ich hoffe, aber glaube nicht, dass er sich erfüllen wird. Stattdessen wird, wie Hayek schrieb, der „Weg zur Knechtschaft“ immer weiter eingeschlagen. Aber noch besteht Hoffnung und das Neue Jahr wird einiges dieser Hoffnung kulminieren. Was sind Eure bescheidenen Wünsche für das Neue Jahr? Ich wünsche jedenfalls noch einen guten Rutsch!

Weihnachtsgrüße

20.665 Besucher konnte der Blog bisher verzeichnen. Das ist nicht der Weltuntergang, sondern im Gegenteil sehr nett für subjektives spätabendliches Geschreibsel eines ideologisierten Studenten. Mag nicht demokratisch sein, wie ein kritischer Kommentar anmerkte, doch wird jeder Leser sicher selbst durchschauen, welcher Manipulation er ausgesetzt ist. Wird er ja schließlich ohnehin tagein tagaus.

In den Semesterferien stagnierte mein Blog, das wird jetzt auch bis zum Neuen Jahr so sein. Dort warten dann neue Herausforderungen in halb Europa. Wien, Berlin und Madrid wie nahe gelegene Metropolen gilt es zu erkunden und den eingeschlagenen Weg zur Freiheit weiter zu vertiefen. Es war ein tolles Jahr, dass das vorige trotz Neuseeland nochmals gesteigert hat. Das nächste kann also nur perfekt werden!

Meinen Lesern wünsche ich jedenfalls Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Der womöglich letzte Blog-Artikel vor dem Weltuntergang !?

Morgen soll ja angeblich die Welt untergehen. Deshalb möchte ich kurz meinen letzten Blogpost schreiben, sollte dies tatsächlich eintreten.

Irgendwie fühlt es sich ja schon komisch an, dass der letzte Tag der Menschheit gekommen sein soll. Ich fühle mich aber nicht anders als sonst. Morgen allerdings werde ich es. Die Welt wird nicht untergehen, aber sie wird untergehen, wie ich sie kenne.

Ich habe damals in Neuseeland ein Buch über den Maya-Kalender gelesen. Auch das sagte, wir würden nicht untergehen, sondern unser menschliches Bewusstsein würde in eine höhere Sphäre katapultiert werden. Auch nicht das aller, sondern nur mancher Menschen. Ob ich zu den Glücklichen gehöre wird man dann ja morgen sehen.

Überhaupt ist fraglich, wann der Weltuntergang eigentlich ist. Erlebe ich noch den Morgen, wenn ich heute Abend ins Bett gehe? Darf ich noch morgen Zeit auf dem Weihnachtsmarkt verbringen? Darf ich morgen Abend noch in die Schweiz fahren? Oder darf ich gar Samstag doch noch nach Österreich fahren?

Da heisst es wohl nur: Bangen und Hoffen! Ich bin mir jedenfalls sicher, dass morgen etwas Großartiges passieren wird. Die meisten Menschen werden es bloss nicht mitbekommen. Vor allem nicht jene, die sich in irgendwelche Bunker flüchten…

Klimawandel – eine Stimme der Vernunft an der Uni Konstanz

Der Weltuntergang ist nicht mehr fern. Laut dem Maya-Kalender jedenfalls.

Weltuntergangsszenarien gibt es aber nicht nur dieser Tage. Über das Geschäft mit der Angst sprach am gestrigen Tag der Konstanzer Physikprofessor Gerd Ganteför, der den fachfremden Studierenden das Fachbereiches Politik- und Verwaltungswissenschaften Tatsachen und Übertreibungen bezüglich des Klimawandels näher brachte.

Es war ein erfrischender, lustiger Vortrag einer Stimme der Vernunft in der überhitzten Klima-Debatte. So gäbe es in Regelmässigkeit apokalpytische Szenarien, die sich jedoch nie bewahrheitet hätten. Am berühmtesten ist wohl die vom Club of Rome forcierte Studie „Die Grenzen des Wachstums“, nach der wir bereits heute längst in einer Welt ohne die wichtigsten Rohstoffe leben müssten. Aber auch Bilder, wie sie in deutschen Zeitschriften wie dem Spiegel gezeigt werden, bei denen der Kölner Dom unter Wasser steht, wären Übertreibungen ohne wissenschaftliche Grundlage.

Zwar ist Ganteför der Ansicht, dass der Klimawandel menschengemacht ist, sieht ihn aber als längst nicht so bedrohlich an wie von manchen Gesellschaftsklempnern suggeriert wird. Das Meer würde durch Abschmelzen der Polkappen zwar schon steigen, eine 80m-Erhöhung, die den Kölner Dom unter Wasser bringen würden, dauere aber 26000 Jahre. Und in dieser Zeit könnne sich genug Unvorhergesehens ereignen – wie es auch in den letzten 26000 Jahren passiert ist. Ein starker Vulkanausbruch würde z.B zu einer weltweiten Abkühlung führen, vor der die Erde ohnehin steht. Die menschengemachte Klima-Erwärmung sei sogar teilweise eine Art Segen. So würde die Wüste Sahara – wie vor 2500 Jahren, wieder zu einer grünen Savannenlandschaft mit Flüssen und Seen werden.

Niedriggelegene und gleichzeitig überbevölkerte Länder wie Bangladesch hätten zwar zunehmend Probleme wegem den ansteigenden Meeresspiegel (3mm im Jahr), die sich aber durch Deichbau lösen liessen. Überhaupt sei das viel gravierende Problem die menschliche Überbevölkerung der Erde, die in deutschen Debatten oft außen vor liege. So verliert Bangladesch, flächenmässig halb so groß wie Deutschland, bevölkerungsmässig aber eineinhalb mal so groß, nach 10 Jahren durch Überbevölkerung die gleiche Fläche wie in 100 Jahren durch Ansteigen des Meeresspiegels.

Die Konsequenzen wären also auch nicht den CO2-Ausstoss zu begrenzen, sondern die Überbevölkerung zu stoppen. Das gehe nur mit wirtschaftlichem Wachstum, was zwangsläufig den Schadstoffausstoss in die Höhe treiben würde. Letztlich müsse man sich – auch wenn Ganteför sich möglicher Gefahren bewusst ist – ernsthafte Gedanken um das sogenannte Climate Engineering machen, bei dem z.B Aerosole in die Luft gesprüht werden, um sie abzukühlen (ähnlich dem, was nach einem Vulkanausbruch passiert). Ob das jedoch die richtige Lösung ist erscheint fragwürdig. Menschlicher Interventionismus geht immer böse aus.

Auch würde die globale Erwärmung nicht die Wahrscheinlichkeit von Wirbelstürmen oder anderen Naturkatastrophen vergrößern. Tatsächlich würden sie wohl eher geringer werden. Überhaupt seien die ganzen Modellrechnungen teilweise fraglich, da man mit den richtigen Grundfaktoren jedes Ergebnis erstellen könnte. Und was die Medien aufgreifen, das sei eben immer das apokalyptischste Szenario einzelner Wissenschaftler, die bekannt werden wollen. Die meisten Wissenschaftler wären, wie es sich gehört, an der wissenschaftlichen Erkenntnis interessiert und würden sich von der Politik fernhalten, auch wenn nach Worten Ganteförs eine wertfreie Wissenschaft nicht möglich scheint und auch er eine Meinung besitze.

Die machte er am Ende auch deutlich und wetterte gegen die Energie-Wende. Die Folgen werde man in wenigen Wochen schon spüren: für Arme wird Strom unbezahlbar, die Industrie leidet ebenfalls. Auch Stromausfälle seien zu erwarten. Ausgelöst durch Fukushima sei die Energiewende eine Hals-über-Kopf-Entscheidung gewesen, die man besser hätte durchdenken müssen. Grundsätzlich sei es kein Problem aus der Kernkraft auszusteigen, wenn man auf fossille Brennträger setzen könnte. Auf 5 deutsche Kohlekraftwerke kämen jährlich schließlich 100 chinesische. Und jene energiehungrige Wirtschaft bremsen zu können, erscheint Ganteför als Illusion, genauso wenig wie all die anderen aufstrebenden Drittweltländer.

Die sich am Klima-Schutz orientierende Energiewende sei zwar möglich, aber sie werde sehr teuer. Gerade Solartechnologie sieht Ganteför kritisch, während Onshore-Windkraft mittlerweile konkurrenzfähig zu anderen Energieträgern wäre.

Dies nur als kleinen Ausschnitt seines interessanten Vortrages, der durch eine Fragerunde abgeschlossen wurde. Dabei machte er z.B noch deutlich, dass sowohl die Sonnenflecken-Theorie als auch die Theorie des Versiegens des Golfstroms falsch seien (letzteres sei ein einfacher Messfehler von Physikern gewesen) und dass das auch im Bodenseeraum diskutierte sogenannte Fracking zur Gasförderung längst nicht so bedenklich sei wie z.B der Abbau von Ölsänden in Kanada.

Festzuhalten bleibt, dass die Wissenschaft noch tut, was sie tun muss. Erkenntnis suchen statt den Politikern Zahlen für ihre Gesellschaftsvisionen liefern. Fast beschämend ist es ja, dass im Weltklimarat nur Politfunktionäre, aber fast kein Wissenschaftler sitzt. Insbesondere die anwesenden GrünInnen, die die vertretenen Thesen so garnicht wahrhaben wollten, werden etwas gelernt haben. Das Wort Klimareligion nahm Ganteför zwar nicht in den Mund, doch sprach er von einem ideologischen Glauben, der mit Wissenschaft oft nichts zu tun habe.

Dies übrigens war nicht der einzige erfreuliche Vortrag am gestrigen Abend. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz stellte wie jedes Jahr vor Weihnachten das Jahresgutachten des Sachverständigenrates der Bundesregierung in Konstanz vor, was ihmn eine Verdienstmedaille der Uni Konstanz einbrachte, da er den Vortrag zum 15. und letzten Mal, da er bald emeritiert wird, hielt. Auch er sieht die Energiewende kritisch und spricht sich für mehr Marktwirtschaft statt Planwirtschaft dort aus. Ob dies mit dem vom Sachverständigenrat ausgedachten Grünstromzertifikaten-Handel funktioniert, bleibt jedoch abzuwarten. Auch sonst, obwol natürlich nahe an der Politik der Bundesregierung und daher im staatlichen Denken verwurzelt, machte Franz wichtige Sachen deutlich. Insbesondere dürfe es keine wie auch immer geartete Mindestlöhne, oder wie es neuerdings heisst, Lohnuntergrenzen geben, die insbesondere, das zeigen nicht nur seine ökonometrischen Studien, zu einem signifikanten Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit führen, bei der Deutschland nicht ohne Grund europaweit am wenigsten Probleme hat.

Bei diesen Informationen möchte ich es belassen. Ein Blick ins Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dürfte sich aber lohnen!

Gerard Depardieus Offener Brief an die französische Kleptokratie

Um mir das Schreiben zu ersparen heute nur ein Verweis auf den Offenen Brief des französischen Schauspielers Gerard Depardieu aka Obelix, der einen auf John Galt macht. Wollen wir hoffen, dass weitere Gallier mutig voranschreiten und sich nicht die Spinnereien des Obergalliers Hollandix weiter antun. Bei 85%er Besteuerung hilft nämlich auch kein Zaubertrank. Zumal man für den reinen Besitz solcher Substanzen schwer bestraft wird, während die wirklichen Übeltäter die Gesellschaft terrorisieren. Die nachfolgende Übersetzung stammt von WELT online.

Der französische Filmstar Gérard Depardieu will im Streit über seine Steuermoral seine Staatsbürgerschaft aufgeben. „Ich überreiche Ihnen meinen Pass und meine Sozialversicherungskarte“, schrieb der 63-Jährige in einem offenen Brief an Regierungschef Jean-Marc Ayrault. Ayrault hatte Depardieus Steuerflucht nach Belgien als „erbärmlich“ bezeichnet. Der Brief im Wortlaut:

Erbärmlich? Haben Sie „erbärmlich“ gesagt? Das finde ich erbärmlich. Ich wurde 1948 geboren, angefangen zu arbeiten habe ich mit 14 Jahren, als Drucker, als Verpacker, dann als Schauspieler. Ich habe immer meine Steuern und Abgaben bezahlt, egal zu welchem Satz, unter allen bisherigen Regierungen.

Zu keinem Moment bin ich meinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Die Historienfilme, an denen ich mitgewirkt habe, belegen meine Liebe für Frankreich und seine Geschichte.

„Ich könnte doch wenigstens respektiert werden“

Es gibt bekanntere Persönlichkeiten als mich, die ihre Staatsbürgerschaft abgelegt oder unser Land verlassen haben. Für mich gibt es hier leider nichts mehr zu tun, aber ich werde weiter die Franzosen lieben und dieses Publikum, mit dem ich so viele Emotionen geteilt habe! Ich verschwinde, weil Sie glauben, dass Erfolg, Kreativität, Talent, im Grunde jede Abweichung sanktioniert werden sollte.

Ich verlange gar nicht, dass ich Zustimmung bekomme, aber ich könnte doch wenigstens respektiert werden. Niemand von denen, die Frankreich verlassen haben, ist so beleidigt worden wie ich. Ich muss mich nicht rechtfertigen für die Gründe meiner Entscheidung, sie sind zahlreich und privater Natur.

„Ich bin ein wahrer Europäer, ein Weltbürger“

Ich verschwinde, nachdem ich für das zu Ende gehende Jahr 85 Prozent Steuern auf mein Einkommen gezahlt habe. Aber ich bewahre mir den Geist jenes Frankreich, das schön war und, wie ich hoffe, bleiben wird. Ich gebe Ihnen meinen Pass zurück und meine Sozialversicherungskarte, die ich nie in Anspruch genommen habe. Wir haben nicht mehr dasselbe Vaterland, ich bin ein wahrer Europäer, ein Weltbürger, so wie es mir mein Vater immer beigebracht hat.

Was ich erbärmlich finde, ist die Versessenheit der Justiz im Falle meines Sohnes Guillaume, den die Richter, obwohl noch ein junger Bengel, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt haben wegen zwei Gramm Heroin, während so viele andere einer Haft entgingen, obwohl sie schlimmere Sachen gemacht haben.

„Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“

Ich werfe keinen Stein auf all jene, die zu viel Cholesterin haben oder Bluthochdruck, die unter Diabetes leiden oder zu viel Alkohol trinken oder auf ihrem Moped einschlafen: Ich bin einer von ihnen, wie Ihre geliebten Medien so gerne wiederholen.

Ich habe niemanden umgebracht und mir meines Wissens nichts zuschulden kommen lassen, ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro an Steuern gezahlt, ich beschäftige 80 Mitarbeiter in Firmen, die ich für sie gegründet habe und die von ihnen geführt werden.

Ich bin weder zu bemitleiden noch zu rühmen, aber das Wort „erbärmlich“ lehne ich ab. Wer sind Sie, dass Sie so über mich urteilen, das frage ich Sie, Herr Ayrault, Premierminister von Herrn Hollande, ich frage Sie: Wer sind Sie? Trotz meiner Exzesse, meinem Appetit und meiner Liebe für das Leben bin ich ein freier Mensch, mein Herr, und ich werde höflich bleiben.

Der Hobbit – eine Rezension zur Premiere

Soeben war ich im Kino in der deutschen Premiere des Films  „Der kleine Hobbit“. Nachdem am vergangenen Wochenende jeden Abend zur Vorbereitung ein Herr-der-Ringe-Film geschaut wurde, war die Sapnnung und Vorfreude entsprechend hoch.  Das Nutzen der heutigen Vorlesungen zur Lektüre des Buches steigerten sie noch weiterhin. Leider wurden meine Erwartungen jedoch sehr enttäuscht.

Früher war ich eine Art Mittelerde-Freak. Selbst Elbisch konnte ich ansatzweise reden. Dies mag nicht mehr so sein, viel hängen geblieben ist trotzdem. Ich mag nicht mehr die 50 Generationen auf dem Stammbaum Aragorns aufzählen, die Karte von Mittelerde bleibt dennoch fest in meinem Kopf eingebrannt. Und die Handlung ohnehin, die ich mir heute ja auch nochmals im kleinsten Detail zu Gemute führte.

Das war vielleicht ein Fehler. Kein Zweifel – Peter Jacksons Verfilmung ist solides Popocorn-Kino für die Vorweihnachtszeit, an dem sich viele Leute sicher erfreuen werden. So waren denn auch die heute Mitschauenden recht begeistert. Mir hingegen bleibt nichts anders übrig, mal wieder zu flamen.

Es ist nicht so die Technik, die missfällt. 48 Bilder pro Sekunde ist völlig neu und ergibt in Kombination von 3D eine doch sehr extreme Schärfe. Das sieht in manchen, eher stillen Situationen sehr gut aus und verleiht dem 3D eine neue Tiefe, ist ansonsten aber gewöhnungsbedürftig. Insbesondere da „Der Hobbit“ mit Fokus auf Bewegung und Kampf wenig stille Szenen zu bieten hat. Hier sorgt die neue Technik dafür, dass das Ganze manchmal eher wie ein kompletter Animationsfilm wirkt. Wie bei allen Neuerungen kann man sich daran aber sicher gewöhnen.

Schwerer wiegt da schon die inhaltliche Ausgestaltung des Films. Ich verstehe nicht, wie man Kritik üben kann, dass Peter Jackson sich zu nah am Buch orientiert hat. Die Abweichungen und Zusatzerfindungen sind doch sehr eklatant und verfälschen das Buch ungemein. Natürlich sind auch Szenen wortwörtlich aus dem Buch übernommen – und das ist auch gut so.

Achtung: Spoiler!!!

Insbesondere anfangs im Auenland hält sich Peter Jackson noch an die Buchvorlage. Doch spätestens nach Aufbruch der Reisegruppe gehen muntere Erfindungen los. Nicht, dass ich was gegen logische, ausgeschmückte Zusätze habe, die im Buch nur angedeutet werden. Mir ist auch völlig Recht, dass es 3 Filme gibt. Die nebenher laufende Geschichte ist ähnlich wichtig wie „Der Hobbit“ selbst und ein wunderbares Bindeglied zum Herrn der Ringe. Bei den historischen Tatsachen sollte man dann aber schon bleiben.

Es ist wichtig, dass in Balins Erinnerung kurz die Schlacht der Zwerge vor den Toren Morias angerissen wird. Der Oberork Azog, der im weiteren Verlauf des „Hobbits“ eine gewichtige Rolle spielt, wird dort allerdings bereits erschlagen und nicht nur verwundet. Das auch nicht wie im Film suggeriert durch Thorin, sondern durch seinen Vetter Dain Eisenfuss. Thorins Großvater Thrór wurde auch nicht in der Schlacht getötet, sondern indem er allein mit seinem Diener nach Moria zurückkehrte und ermordet wurde. Erst danach broch der Krieg aus. Hierüber liesse sich zumindest noch hinwegsehen.

Der eigentlich tote Azog allerdings verfolgt die Reisegruppe bereits westlich des Nebelgebirges. Mit seinen Wargen (Wölfen) greift er sie auch tatsächlich an – erst Elrond mit seinen Elben kann den Kampf letztlich gewinnen. Schon vorher war die Szene mit den Trollen unglücklich dargestellt. Der Film scheint mir deutlich zu kampfeslüstern und entfernt sich damit immer weitab von der Buchvorlage. Die Zwerge im Buch kämpfen nämlich  nicht gegen die Trolle, sondern werden eigentlich alle nach und nach gefangen genommen, ehe Gandalf durch Stimmenimitation die Trolle bis zum Sonnenaufgang hinhalten kann, wo sie dann zu Stein gefrieren.

Kampfeslüstern zeigt sich auch das Ende des Films. Thorin tritt gegen Azog an und verliert, Bilbo rettet ihm das Leben und tötet die Orks. Ganz martialisch findet die Szene auf einen Felsvorsprung vor dem Abgrund statt, mit wenigen Bäumen bewachsen, auf denen die Zwerge, Bilbo und Gandalf Zuflucht suchen. Die Adler allein- im Buch entdecken sie die Reisegruppe, im Film ruft Gandalf sie ähnlich wie auf Sarumans Turm in Herr der Ringe sie durch einen Schmetterling/Fledermaus – hätten auch ausgereicht.

Zwischendurch sei noch kurz auf die Nebelgebirgs-Geschichte eingegangen, die ebenfalls sehr frei interpretiert wurde. Insbesondere der Ork-Anführer ist doch sehr amüsant. Ich fühlte mich unweigerlich an Jabba the Hutt aus den Star-Wars-Filmen erinnert. Und auch der Ringfund geht doch auf sehr andere Art und Weise vonstatten als von Tolkien intentdiert.

Immerhin Gollum wurde einmal wieder meisterhaft von Andy Serkis gespielt, wozu auch die neue Technik beitrug, die die Mimik Gollums im noch größeren Maße sichtbar machte. Hier gelingt Jackson Gollums Schizophrenie zwischen dem bösen Gollum und dem lieben Smeagol – auch wenn es nicht erwähnt wird im Buch – bereits früh deutlich zu machen. Die Szene an sich enttäuscht aber. Die Höhle ist viel zu hell, jeglicher Gruselfaktor geht verloren. Für die Rätsel hätte man sich gerne mehr Zeit nehmen können, zumal hier Rätsel von Gollum einfach Bilbo zugeschrieben wurden und umgekehrt.

Viel mehr möchte ich auch nicht verraten, sind die wenigsten doch  ohnehin damit vertraut. Die Zusatzszenen zumindest, die im Buch angedeutet, von Jackson aber ausgeschmückt werden, sind hingegen nicht schlecht. So lernt man neben Saruman, der einen kurzen Gastauftritt hat auch den dritten Zauberer namens Radagast den Braunen kennen, der im Düsterwald lebend  sich vor allem für dessen tierische Bewohner interessiert und dem Nekromanten – dahinter verbirgt sic Sauron – im Düsterwald auf die Spur geht, auch wenn Gandalf dies tatsächlich getan hat. Radagasts Kaninchen-Schlitten jedenfalls, in dem er sich eine Verfolgungsjagd mit den Wargen lieferte, war ein nettes zusätzliches Gimmick, das den Sinn des Films nicht entstellt hat.

Mehr solcher Szenen wären zu wünschen gewesen statt die überaus abweichende Darstellung. Man muss sich ja nicht sklavisch am Buch orientieren, aber der Freak erwartet das eben so. Ich bin daher enttäuscht. Schließlich konnte der Film auch weder mit Herz noch Pathos berühren, wie die Herr-der-Ringe Trilogie dies über viele Ungereimtheiten hinwegtrösten konnte. Weglassungen wie Tom Bombadil oder Saruman im Auenland wiegen immer noch schwer, aber viele Szenen stimmten sehr nachdenklich, waren sehr traurig oder eben auch lustig. Zumindest hier muss ich die Hobbit-Verfilmung nicht verstecken. Einen gewissen Humor findet man hier zuhauf. Auch Anspielungen auf die Herr-der-Ringe Filme vermag man ständig zu entdecken. Wenn Gandalf „Ihr Narren“ sagt, Gimlis Vater Gloin sein aufbrausendes Verhalten gegenüber Elben zeigt und Gollum seine bekannten Selbstgespräche führt, fühlt man sich an das bisher bekannte Mittelerde zurück erinnert.

Das ist natürlich auch die Gefahr. Man hat ein Bild im Kopf, das Jackson auch soi nicht weiterverwendet. Die Gestaltung von Orks, aber auch der Zwerge und anderer Wesen, lässt eher einen anderen Stil erkennen (was vlt. nur an der neuen Bildrate liegt). Die schönsten Bilder produziert aber ohnehin der Kopf. Da kann auch so eine Verfilmung nichts ändern. Mir hat sie jedenfalls nur begrenzt gefallen. Und die Zukunft wird leider auch nicht besser, schließlich sind die Szenen fast alle schon unter Dach und Fach und dürften in eine ähnliche Richtung weisen.

Zwar war Peter Jackson gewißermassen auch gefordert, mit so hohen Produktionskosten die breite Masse anzusprechen, hätte dies mit einer detailgetreueren Vorlage aber ebenso schaffen können. So bleibt eine stark veränderte Geschichte, die vielleicht den Spannungsbogen höher hält und für mehr Gemetzel sorgt, jedoch viel von dem nimmt, was Tolkiens Welt auszeichnet: ihre Originalität.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie andere den Film kommentieren. Mehr als 4 von 10 Sternen kann ich ihm leider nicht geben.

 

 

AStA, StuPa, VS – aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz – II: Reaktion und Gegenreaktion

Mein gestriger Artikel schlug hohe Wellen. So katapultierte sich mein Blog nun auch auf eine Besucherzahl von 20000! Eigentlich wollte ich diesen Anlass feierlich begehen, mache dies aber nun ein anderes Mal. Statt nämlich die ausführliche Reaktion eines Mitglieds der Studierendenvertretung im Kommentarbereich versanden zu lassen, stelle ich sie lieber hier heraus – genauso wie meine Antwort, für die ich mir immerhin über 2 Stunden nun Zeit genommen habe. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren! Möge sich der Leser selbst eine Meinung bilden.

Lieber XXX
eigentlich ist mir meine Zeit zu schade, um sie auf die Kommentierung dieses Artikels zu verwenden.
Viele deiner Kritikpunkte an der Studierendendenvertretung kommen daraus zustande, dass du die Strukturen nicht kennst, und trotzdem in Unkenntnis der Tatsachen die Arbeit verleumdest. Dies wird vielen engagierten Leuten nicht gerecht!

Ich sammel mal ein paar Punkte:
– Alle Arbeit in der Studivertretung läuft ehrenamtlich. Du beschwerst dich nun einerseits darüber, dass die Informationsstrukturen nicht proffessionell sind (das ist in der Tat der Fall), andererseits wetterst du gegen eine “Zwangsbeitrag”. Aber wie sollen wir proffessionelle Arbeit machen, ohne die Mittel dazu zu haben? Wir können niemanden dazu zwingen freiwillig eine super Homepage zu basteln und täglich die Mensa zu flyern!
– Onlineabstimmungen und Liquid Feedback haben ein sehr großes demokratisches Defizit: Sie sind fälschbar! Und der Betrug kann nicht unbedingt nachvollzogen werden! Wir haben nach der Online-Urabstimmung von einem Informatiker die Rückmeldung bekommen, dass er ohne Probleme diese Urabstimmung hätte fälschen können. Ist dies deine Grundlage für echte Basisdemokratie?
– Der Arbeitskreis Verfasste Studierendenschaft (AK VS) hat versucht mit großtmöglicher Rücksprache eine Organisationssatzung zu verfassen. Wir haben zwei Vollversammlungen zur Rücksprache abgehalten, sind in alle Fachschaften gegangen, haben Rückmeldungen aus den politischen Hochschulgruppen erfragt und haben allen Studierenden die Möglichkeit gegeben die Satzung zu kommentieren. Alle diese Instrumente wurde genutzt und haben auch Auswirkung auf die Formulierung der Satzung gehabt. Ich sage dir: Wir hätten es uns auch sehr viel einfacher machen können und einfach eine Satzung schreiben! Denn jedeR hätte es selber machen können.
Im letzten Schritt wird über diese Satzung in einer gesetzlich vorgesehenen Urabstimmung abgestimmt.
– Die Studierendenschaft geht momentan sehr sorgsam mit ihrem Geld um. Es gab in den letzten Jahrzehnten an sehr wenigen der sehr vielen Hochschulen Entfremdung von Geldern. Aber dies sind Einzelfälle und es werden seid Jahren die selben Fälle zitiert. Es ist aber ungerechtfertigt aufgrund von Einzelfällen die Studierendenvertretungen pauschal zu verurteilen. Das Geld was wir momentan zur Verfügung haben wurde zu über 60% durch Partys und andere Veranstaltungen selber erwirtschaftet! Mit dem Budget, das einzelnen Gruppen zugeordnet wird, geben wir ihnen die Möglichkeit Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Dies geschieht aber mit einer Kontrolle über das StuPa und den Finanzreferenten. Niemand bekommt pauschal für irgendetwas Geld.
– Es gibt sicherlich Leute in der Studierendenvertretung, die sich wählen (in das StuPa) lassen, um sich dies in den Lebenslauf zu schreiben und nicht aktiv mitarbeiten. Dies waren im letzten Jahr die LHG (und einige wenige Jusos) und dieses Jahr der RCDS. Dies sind jedoch Einzelfälle. Das Gros der Aktiven macht sehr viel ehrenamtliche Arbeit und bekommt dafür sehr wenig Anerkennung! Für meinen Lebenslauf wäre es beispielsweise deutlich förderlicher, wenn ich jede Semesterferien ein Praktikum machen würde, ein Erasmus-Semester hingelegt hätte und bessere Noten schreiben würden. Mir ist dieses Engagement für andere jedoch so wichtig, dass ich eigene Interessen vernachlässige. Die Leute in der Studierendenvertretung sind deswegen keine Jung-Politiker oder Karrieristen, die sich gerne ein bisschen profilieren wollen um ein bissschen Pseudodemokratie zu spielen, sondern Menschen, die sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen!
– Nun noch einmal sehr grundsätzliche Fragen: Wäre es dir lieber wenn es keine Studierendenvertretung gäbe? Ist es deine Ansicht, dass die Studierenden nicht mitreden sollten? Soll das Rektorat alles selber entscheiden?
Ist es dir egal, dass ein Studiticket gibt, dass eine kostenlose Rechtsberatung angeboten wird, dass wir Materialverleihen um den Gruppen Waffelstände und ähnliches ermöglichen, dass wir Vorträge und Veranstaltungen organisieren, um den kritischen Blick der Studierenden zu stärken (Mainstreamveranstaltungen brauchen wir nicht mehr organisieren..), dass wir bei Prüfungsordnungen und bei Berufungen von Proffessuren auf den Stellenwert des Studiums hinzuwirken, das die Angebote von Seezeit im Sinne der Studis sind?
Wenn du alle diese Fragen mit “Ja” beantwortest, dann mach weiter mit deiner Polemik. Dann ruf weiter zu Wahlboykott auf und werf den Organen und den Mitwirkenden vor, dass sie nichts sinnvolles machen würden.
Wenn nicht, dann überlege dir wie man die Situation weiter verbessern kann. Es gibt sicherlich sehr viel was vernachlässigt wird und noch nicht optimal läuft. Ein ganz großer Punkt dabei ist sicher auch unsere Informationspolitik. An diesem Punkt möchte ich dir ein Lob aussprechen, dass du die Arbeit der Studierendenvertretung thematisierst, jedoch das “wie” sehr scharf kritisieren.
Eine Art zu berichten ist zutiefst undemokratisch, da du Halbwissen mit deiner eigenen Meinung vermischst. Dadurch ermöglichst du den LeserInnen keine freie Meinungsbildung.

Wir können uns gerne mal treffen, einige Punkte auszusprechen. Wenn dir aber etwas an Demokratie gelegen ist, dann würde ich dir raten mit dieser Art des “Journalismus” aufzuhören.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Stoll
(seit anderthalb Jahren stud. Senatsmitglied, u.A. für das erweiterte Studiticket, zwei AStA-Partys, die eingereichte Organisationssatzung der VS, den Betrieb des Biergarten und die Einrichtung eine Fahrradverleis und diverse Kommunikation zwischen Studis und Unileitung (mit-)verantwortlich)

Lieber Patrick,

freut mich sehr, dass Du dir die Zeit genommen hast. Deshalb möchte ich es in den kommenden 2 Stunden auch tun.
Zuerst einmal möchte ich aber klarstellen, dass ich nicht den geringsten Anspruch habe objektiven „Journalismus“ zu betreiben. Das ist ein privater Blog, keine staatliche Rundfunkanstalt. Ergo gibt es auch subjektive Meinung pur statt subjektive Meinung verpackt im objektiven Journalismus. Dem Leser meines Blogs traue ich zu, dies zu erkennen. Daher erschliesst sich mir nicht, was daran undemokratisch sein soll. Ist es nicht gerade die Vielfalt an Meinungen, die Demokratie ausmacht? Ich leiste meinen Beitrag dazu und Du hast grad deinen geleistet – Glückwunsch! Denn was ist dein Kommentar anderes als subjektive Meinung, auch wenn du vielleicht meinst als studentischer Vertreter objektiv sein zu können. Gerade indem man seine Meinung ständig mit anderen Meinungen überpruft, bildet sich eine freie Meinung. Wer nur Nachrichten konsumieren will, soll sich eine andere Seite suchen. Wer hier liest kann das mit dem Anspruch tun, sich selbst zu informieren und meine Meinung kritisch mit Fakten wie seiner eigenen Meinung zu überprüfen – so wie du es getan hast. Deine scharfe Kritik weise ich allerdings bis auf wenige Punkte als unbegründet zurück, zumal du offensichtlich nicht gründlich genug gelesen hast.

Ich schrieb anfangs, dass ich hohen Respekt vor dem Engagement der Studierendenvertretung habe. Nicht so sehr des StuPas, aber umso mehr die der Referate. Genauso wie du mich für diesen Artikel lobst, aber das „Wie“ kritisierst, genauso lobe ich das Engagement einzelner Individuuen, die viel Zeit für das Wohl aller opfern, dritisiere aber das „Wie“. Mir ein Halbwissen zu unterstellen mag aus deiner Perspektive zwar richtig sein, doch zeigt die Informationspolitik der Studierendenvertretung offensichtlich, dass man, ist man kein Insider, nichts mehr als Halbwissen haben kann.

Deine angesprochenen Punkte chronologisch angesprochen:
1. Für mich sind professionalisierte Informationsstrukturen nun wirklich unabhängig von finanziellen Mitteln. Du hast zwar durchaus Recht, was eure Manpower betrifft, siehst aber als einzigen Ausweg Geld. Dem kann ich so nicht zustimmen. Wenn die Studierendenvertretung ihre Arbeit professionell kommuniziert, so werden sich allein schon deswegen viele Studierende viel eher vorstellen können sich zu engagieren. Auch scheint es offensichtlich ja derzeit der Fall zu sein, wie du selbst weiter unten erwähnst, dass finanzielle Mittel reichlich vorhanden sind. Warum dann noch Zwangsbeiträge nötig sind erschliesst sich mir nicht. Tatsächlich glaube ich auch, dass sehr wohl Leute dazu bereit sind, unentgeltlich Flyer zu verteilen oder eine Homepage zu warten. Möglichkeiten gibt es da genug. Man muss sie nur schaffen. Was man alles machen könnten, können wir gerne natürlich mal diskutieren.

Damit verbunden auf die Zwangsbeiträge eingegangen. Wenn die Studierenden Eure Arbeit tatsächlich als sinnvoll ansehen – warum lasst Ihr sie nicht einfach spenden? Oder zieht das Geld von ihnen zwar ein, behaltet Ihnen aber ausdrücklich eine Widerspruchsklausel vor, wenn sie nicht zahlen möchten, weil die Studierendenvertretung Ihnen keinen Mehrwert bietet. Da dies eurem Demokratieverständnis aber offenbar diametral widerspricht, lassen wir das mal dabei bewenden. Trittbrettfahrerproblem und so könnte man ja auch einwenden.

2. Das mag ja sein, dass Eure bisherige Urwahlen fälschbar sind. Das liegt offensichtlich dann aber an eurem System und nicht an der Idee an sich. Wenn Euch ein Informatiker schon sagt, dass man betrügen kann, warun kann er Euch nicht sagen, wie Ihr Euch vor dem Betrug schützen könnt?
Oder andere? Da darf man auch durchaus dann mal einen Batzen Geld reinstecken. Nur weil es Arbeit, Aufwand und Kosten verursacht ist eine gute Idee keine schlechte Idee. Und da Du offensichtlich an echter Basisdemokratie interessiert bist, wundern mich diese Ausflüchte.

3. Dem ist nichts hinzuzufügen. Den Prozess hatte ich auch garnicht kritisiert. Ich habe sogar geschrieben, dass ich mich selbst nicht an diesem Prozess beteiligt habe und daher kein Recht habe, rumzumeckern. Das die Satzung tatsächlich jeder schreiben kann, ist mir allerdings erst seit gestern bekannt. Wenn so etwas an mir vorbeigeht – kann ich wohl behaupten, dass es auch an einer Vielzahl anderer Studierender vorbei geht. Keine Angst – ich werde keine konkurrierende Satzung erstellen. Ich finde es im Gegensatz sehr gut, dass ihr versucht habt, alle Studierenden mit einzubeziehen, auch wenn es in dieser Hinsicht noch erhebliches Optimierungspotenzial gibt. Aber das ist ja letztlich auch eure Aufgabe als demokratische Studierendenvertretung. Diktatoren möchte niemand an der Universität.

4. Einzelfälle diskreditieren nicht die arbeit einzelner Studierendenvertretungen an sich, sind aber eine sinnvolle Warnung genau hinzuschauen. Nichts anderes habe ich gemacht. Und das was ich mir mal so angeschaut habe – die Ausgaben letzten Jahres wie die Kalkulation mancher Veranstaltungen – ist für meine Verhältnisse Geldverschwendung. Wenn ihr anderer Ansicht seid – bitte! Dass das Geld selbst erwirtschaftet ist, ist lobenswert, weshalb Ihr damit auch machen könnt, was Ihr beliebt. Wenn jedoch Zwangsbeiträge erhoben werden, steht Ihr in Verantwortung gegenüber den Studierenden, die diese zahlen müssen. Und die dürfen zurecht auch eine Gegenleistung erwarten.

5. Wie anfangs schon geschrieben. Bewunderung wäre übertrieben, aber ich schätze Eure Arbeit an sich sehr, nur nicht, was dabei rauskommt. Wenn mein Hang zur Polemik verletzend wirkt, dann tut mir das Leid, abstellen werde ich es aber nicht. Anerkennung kriegen leider die wenigsten, die am härtesten arbeiten. Aber so lange man sich freiwillig zu etwas entschieden hat und sich selbst in diese Richtung verwirklicht, muss dies ja nicht das Ziel sein, auch wenn es die Motivation sicherlich stärkt. Wenn Deine Präferenz darin liegt einen wie auch immer gearteten studentischen „Gemeinwohl“ zu dienen (ich habe große Probleme mit diesem Begriff), ist das sehr ehrenwert. Meine Präferenzen sind aber anders. Wer Kollektivismus will, muss auch mit seinen Nachteilen leben.

Das Lebenslaufargument, wie Du es benutzst, war übrigens nicht so gemeint. Natürlich ist mir bewusst, dass eine vernünftige, harte Arbeit im Studierendenparlament wie Du und viele andere sie täglich leisten lebenslauftechnisch nicht so honoriert wird wie all die anderen Aktivitäten, denen man in dieser Zeit hätte nachgehen können. Was ich ansprach waren die Leute, die dies nicht tun. Die haben deshalb auch trotzdem Zeit gute Noten zu schreiben und ihr Erasmus-Semester zu machen.

6. Zum Grundsätzlichen:
Wäre es Dir lieber, wenn es keine Studierendenvertretung gäbe?
Es wäre mir nicht lieber, aber ich schätze, ich würde es garnicht merken, wenn es keine Studierendenvertretung gäbe. Vielleicht ist das eine Fehleinschätzung, auch an die fehlende Kommunizierung eurer Arbeit gebunden. Das Studi-Ticket ist eines der wenigen Punkte, in der ich eure Arbeit bestätigt sehe, da hinter der Studierendenvertretung per Definition eine gewisse Legitmation steckt, die man bei Verhandlungen mit den Stadtwerken spielen lassen kann. Ob sich die studentischen Interessen in bezug auf ein günstiges Semester-Ticket jedoch auch ohne studentische Vertretung lösen lassen, möchte ich nicht verneinen. Ich denke daher, dass sich eine ähnliche Lösung auf jeden Fall spontan herausbilden wird.
Auch die Rechtsberatung, gleichwohl ich sie nie genutzt habe, scheint meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll zu sein. Doch auch hier könnte ich mir vorstellen, dass sowas ohne eine Studierendenvertretung entstehen kann.
Materialverleih ist natürlich hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig, ähnlich verhält es sich mit dem Rest der angesprochenen Punkte. Wenn Seezeit eine so schlechte Arbeit macht, werden sie es wegen fehlender Nachfrage merken. Nur wegen einzelner Partikularinteressen wie Veganismus braucht man keine Studierendenvertretung. Wenn veganes Essen den Veganern in der Mensa so wichtig ist, sollen sie sich zusammenschliessen und auf Seezeit einwirken, dass sie veganes Essen anbieten. Und höchst bedenkliche Aktionen wie „Veggie Days“ wünschen sich die Vielzahl der Studierenden schon garnicht, insbesondere wenn das aufgrund Unfähigkeit von Seezeit dazu führt, dass es Spaghetti mit Tomatensauce statt kreative und leckere vegetarische Gerichte gibt.
Ein letzter Punkt sind noch Berufen und Prüfungsordnungen. Ich glaube, in dieser Hinsicht leisten alle Fachschaften bereits hervorragende Arbeit. Die Fachschaften sind es auch, die viele der anderen Aspekte, die momentan die Studierendenvertretung noch abdeckt, übernehmen können.

Ist es deine Ansicht, dass die Studierenden nicht mitreden sollten?
Wie Du meinem Artikel entnehmen konntest, ist es sehr wohl meine Ansicht, die Studierenden mitreden zu lassen. Aber bitte richtig mit Direkter Demokratie. Und wenn schon in suboptimalen Strukturen wie derzeit dann bindet doch bitte die Studierenden ein.
Ich habe, seitdem ich an der Uni bin, eigentlich noch nie einen Stand der Studierendenvertretung im Foyer gesehen, wo Ihr über eure Arbeit informiert habt. Warum nicht? Jetzt komm mir nicht mit fehlender Manpower oder erhöhtem Zeitaufwand. Einfach mal ein paar Sitzungen und nutzlose Diskussionen zusammenstreichen, dann ist auch Zeit für sowas.
Es gibt außerdemabseits des zurecht verschrienen AStA-Cafes keine leicht zugängliche Ecke in der Uni, wo der AStA über seine Arbeit informiert und auch den Studierenden ermöglicht, vielleicht auf einer Stellwand seine Wünsche aufzuschreiben. So etwas wie die derzeitige Aktion der Bibliothek auf K5 könnte auch die Studierendenvertretung gut gebrauchen. Da gibt es noch Hunderte andere Stellschrauben, aber dabei möchte ich es mal belassen.
Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass man nicht mitreden kann. Und ich glaube kaum, dass ich da der Einzige bin.

Soll der Rektor alles entscheiden?
Gott behüte! Die Uni Konstanz hat zwar sehr viel Glück mit ihrem Rektor, aber eine Diktatur ist ja nun wirklich nicht erstrebenswert. Zumal der Rektor staatlich beeinflusst ist. Da ist mir das kleinere, gleichaltrige Kollektiv wesentlich lieber.

Noch ein letztes Wort zu Euren Vorträgen und Veranstaltungen. Hier lohnt sich zwar keine Diskussion, weil wir Beide im jeweiligen anderen den Mainstream sehen, aber ich werde nicht müde zu betonen, dass eine breitere Konzeption der Veranstaltungen deutlicheren Mehrwert bietet. Gerade das schärft den kritischen Blick statt ideologischem Einerlei.

Nun zum Schluss: deine Fragen habe ich offensichtlich nicht bejaht, mit der Polemik werde ich aber gewiss trotzdem weitermachen. Denn der Großteil dessen, was Du schriebst, sind für mich Ausflüchte. Und ich hasse nichts mehr als das – etwas zu verneinen, weil es nicht als möglich erscheint. Deine Kritik sehe ich denn auch mehr als Ansporn: wie man so schön sagt – getroffene Hunde bellen. Scheinbar muss ich, wie mir heute schon persönlich gesagt wurde, mit manchen Dingen ins Schwarze getroffen haben und habe daher solch eine Reaktion provoziert. Nichts anderes war auch meine Absicht. Ein gewisses Nachdenken über sich selbst hat noch niemanden geschadet und ich möchte Dir ausdrücklich dafür danken, dass Du diesen Prozess auch bei mir angestossen hast. Nun hoffe ich, dass sich das auch in konkreten Ergebnissen manifestiert. Immerhin die Protokolle habt ihr ja schnell hochgestellt. Dies so zu verkaufen als wären sie schon vorher da gewesen zeigt aber eine gewisse uneinsichtige Haltung. Der Website ist ganz unten klar das Änderungsdatum zu entnehmen: Letzte Änderung: Mittwoch, 12.12.2012 – 09:32 –
Warum dieser Fehler des Fehlens der Protokolle nicht einfach zugegeben wird, verstehe ich nicht. Wurde behoben und nun hat es sich. Mir im Gegenzug zu unterstellen, ich hätte die Verfügbarkeit der Protokolle bewusst oder unbewusst unterschlagen ist nicht so die feine Art. Und wenn, dann macht es bitte nicht so dilettantisch 😉

Einer gemeinsamen Aussprache stehe ich immer sehr offen gegenüber. Aufgrund meiner ausgesprochenen Abneigung gegenüber Kollektiven aber bitte im kleineren Kreis. Dann können wir gemeinsam überlegen, wie wir die Studierendenvertretung zu einer Vertretung von und für alle Studierende machen können.

Um diese lange Antwort nun noch kontrovers abzuschliessen: Demokratie ist mir tatsächlich nicht sehr wichtig. Freiheit und Rechtsstaat würde ich immer dem Vorzug geben. Denn Demokratie ist Herrschaft. Und die Herrschaft von Vielen – oder im Fall der Hochschulpolitik von Wenigen – hat genauso die gleiche Legitimation wie die Herrschaft eines Einzelnen – nämlich keine!

Noch eine frohe Vorweihnachtszeit wünsche ich,
Christoph

AStA, StuPa, VS – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz

Lange habe ich nicht mehr über die Konstanzer Hochschulpolitik geschrieben. Das möchte ich nun mehr nachholen. Allerdings ist die Informationslage dünn. Nachdem ihre Website mehrere Monate nicht zugänglich war – und manch Vertreter sich gegen eine schnelle Lösung sperrte – gibt es nun immerhin ein Provisorium, das aber gar keinen so guten Eindruck gemacht. Es wundert mich im Übrigen, dass sie dort schreiben, der Ausfall sei durch Viren bedingt. Meines Wissens befallen Viren den PC oder Server und machen keine Webseiten kaputt. Allenfalls die Programme zu ihrem Management, was jedoch nicht gerade für die Fachkenntnis der Betreiber spricht, wenn Sie sich Viren einfangen und keine Sicherungen haben.

Meine Informationen ziehe ich daher aus dem, was man so mitkriegt – von meiner Hochschulgruppe wie auch der Anwesenheit auf ein paar Mail-Verteilern. Protokolle nämlich, die es eigentlich geben muss, stellt die Studierendenvertretung nicht zur Verfügung. Ein Schelm wer dabei Böses denkt, stehen doch sehr wichtige Entscheidungen für die Zukunft an. Statt sich über mangelnde Beteiligung der Studierenden zu beschweren, sollte man ihnen die Beteiligung vielleicht erst einmal ermöglichen. Das geht nur über Information – und zwar nicht jene quälende Anwesenheit in den Sitzungen, sondern ein auf dem Punkt gebrachtes Protokoll, aus dem man in wenigen Minuten alle relevanten Informationen entnehmen kann.

Beteiligung ist überhaupt so ein Punkt. Natürlich lebt eine Studierendenvertretung in erster Hand von denen, die sich in ihr engagieren. Dieses Engagement gebührt grundsätzlich Respekt. Vor allem jene in den Referaten, auch wenn ich viele von ihnen unnütz halte. Ambivalent ist jedoch das Engagement mancher Studierenden im Studierendenparlament. Wer mit großmundigen Versprechungen bei den StuPa-Wahlen antritt, sollte wenigstens bei den Sitzungen anwesend sein und seine Pflichtzeiten im AStA-Büro wahrnehmen. Oft scheint aber nur der Lebenslauf eine Rolle zu spielen. Man lässt sich wählen, erscheint zur konstituierenden Sitzung und kümmert sich dann garnicht mehr. Insbesondere manch Vertreter des RCDS scheint hiermit aufzufallen, das teils schwache Engagement zieht sich aber durch fast alle Gruppen.

Für mich ist das Studierendenparlament nichts anderes als ein Pseudo-Bundestag, in dem sich angehende Jungpolitiker fernab der Realität austoben können. Frühe Geldverschwendung dank der bald kommenden Zwangsbeiträge inklusive. Ständige Argumentation für das Gemeinwohl aller Studierenden, obwohl lediglich Partikularinteressen bedient werden. Und eine fragwürdige Demokratie, in der konstruktive Mitarbeit oppositioneller Kräfte oft durch Tricks mit der Geschäftsordnung verhindert wird. Ich bin wirklich froh, nach meinem unüberlegten Antritt nicht gewählt worden zu sein.

Im Moment beschäftigt sich das StuPa vor allem mit der VS – der Verfassten Studierendenschaft, deren verschiedenen Modelle in einem Arbeitskreis ausgearbeitet wurden. Nötig ist dies durch die Neufassung des Landeshochschulgesetzes durch die grün-rote Landesregierung, die die Verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg als letztem Land neben Bayern noch einführt und damit angeblich die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Studierenden stärkt. Das ist grundsätzlich unterstützenswert, wenn eine Verfasste Studierendenschaft gut ausgearbeitet wird. In der Praxis jedoch werden unüberschaubare bürokratische Apparate geschaffen, die die Gelder aller Studierenden im Sinne einer kleinen Anzahl Zeit habender in fragwürdige Projekte umverteilen.

So stehen in Konstanz 3 Modelle zur Debatte: das Mischparlament, das Zwei-Kammern-Modell und ein Modell mit starker Ausrichtung auf die Vollversammlung. Diese Modelle möchte ich hier nicht weiter erläutern, ich verweise auch auf den aktuellen Satzungsentwurf.

Was ich mich nur frage ist: warum wird hier die historische Chance auf echte Partizipation aller Studierenden verspielt? Nun mag man einwenden, ich hätte mich ja im Arbeitskreis engagieren können, aber das halte ich für wenig zielführend. Denn wer die Hochschul-Demokratie preist, tut dies nur unter Vorwand des Eigeninteresses, in einer parlamentarischen Demokratie, die mit knapp über 10% der Stimmen aller Studierenden nicht ansatzweise irgendwelche Legitimation besitzt, seine Sonderinteressen durchzusetzen. Daher ist erklärbar, dass Direkte Demokratie nie eine Rolle in den diskutierten Ansätzen gespielt hat. Dabei wären die Möglichkeiten Direkter Demokratie gerade an einer kleinen Universität in Konstanz sehr vielversprechend.

Mit Direkter Demokratie sind gleichwohl keine Vollversammlungen gemeint. Vollversammlungen sind eine pseudo-demokratische Instiution der ganz linken Hochschulgruppen, die meist nur von ihresgleichen besucht werden. Dazu bei trägt ihre immer sehr ungünstige Terminierung, die mir den Besuch der letzten beiden VVs verwehrte. Die Vollversammlung hat bei ca. 1% Beteiligung der Studierendenschaft zum Glück kein Recht auf allgemein verbindliche Entscheidungen und das ist gut so. Selbst die nötigen 10%, die im ausgesuchten Hörsaal übrigens garnicht zu realisieren wären, hätten eine höchst zweifelhafte Legitimation. Tatsächlich ist es auch nicht sonderlich spannend, solch eine Vollversammlung zu besuchen. Das tut ohehin nur der, der sich für Hochschulpolitik ansatzweise interessiert. Die 99% der anderen Studierenden zeigen mit ihrer Abwesenheit ganz deutlich, was sie von der akktuellen Hochschulpolitik halten: nichts! Diese Erkenntnis scheint jedoch bei den wenigsten Studierendenvertretern schon angekommen zu sein.

Das mangelnde Interesse ist aber nicht nur durch das ach so harte Studium begründet, sondern liegt auch an den Institutionen. Um wirklich Hochschulpolitik gestalten zu können, ist ein hoher Zeitaufwand erforderlich, den die wenigsten Studierenden erfüllen können und wollen. So offen sich Studierendenparlament, Referate und Co. für Neue geben und bestimmt auch sind – ihre im Kern intransparente und antipartizipative Arbeit schreckt viele zurecht davor ab.

Direkte Demokratie in der Hochschulpolitik lässt sich aber nicht nur durch Vollversammlungen sondern auch direkten Wahlen erreichen. Während persönlich durchgeführte Wahlen auf Dauer sicherlich zeitlich und finanziell zu aufwändig sind, so bietet das Internet doch neue ungeahnte Möglichkeiten direktdemokratischer Beteiligung. Programme wie Liquid Feedback der Piratenpartei oder New Democracy der Liberalen Basis, obwohl noch mit diversen Mängeln, ermöglichen eine Partizipation auf einer ganz neuen Stufe. Auch wenn sich dies auf Universitätsebene sicher realisieren liesse, kann man auch einen Schritt tiefer schon zu guten Ergebnissen kommen.

Im letzten Jahr fand eine Urwahl über das Bus-Ticket statt. Die Abstimmung ergab, dass ein erweitertes Busticket über dier Stadt Konstanz hinaus mit einem Solidaritätszuschlag finanziert wird. Im Gegensatz zu Hochschulwahlen mit knapp 10% und Vollversammlungen mit knapp 1% hatte man hier eine Beteiligung von annähernd 25%. Das ist zwar auch wenig, mit der richtigen Werbung und Information liesse sich dieser Anteil im Laufe der Zeit aber schnell steigern. Denn wenn die Studierenden erkennen, dass demokratische Mitbestimmung innerhalb einer Minute möglich ist, indem man auf den Link in einer Mail klickt und gemäss seinen Wünschen abstimmt, so werden sie dies auch zunehmend tun. Urwahlen über das Internet sind also eine gute Möglichkeit, die Studierenden an der Hochschulgestaltung partizipieren zu lassen. Dazu gehört natürlich eine ansprechende begleitende Informationsaufbereitung, um den Studierenden bei ihrer Entscheidung behilflich zu sein.

Leider scheinen Urwahlen unter den Vertretern im StuPa nicht sonderlich populär zu sein. Lediglich bei der kommenden Entscheidung über die endgültige Ausgestaltung des Verfassten Studierendenschaft sieht man sich wohl verpflichtet, allen Studenten die Möglichkeit einer Entscheidungsmitwirkung einzuräumen. Warum nicht auch bei kleineren, aber nicht minder wichtigen Entscheidungen riss ich bereits an. Die Kosten- wie Zeitfrage ist meines Erachtens kein Argument dagegen. Technisch ist es offensichtlich möglich. Wer die Studierenden mit Zwangsgewalt der Drohung einer Exmatrikulation mit Zwangsbeitägen enteignet, muss sich nicht über Kosten auslassen. Zumal die Geldverschwendung der deutschen Studierendenvertretungen schier unermesslich ist. Wenn schon Zwangsgebühren, bin mir sicher, dass alle Studierenden auch gerne 3-4€ mehr abdrücken, wenn sich dafür ihre demokratischen Mitbestimmungsrechte erhalten statt den Versprechungen jährlich gewählter Nachwuchsfunktionäre ausgeliefert zu sein. Auch zeitlich kann es meiner Einschätzung nicht viel aufwendiger sein als eine Vollversammlung zu organisieren – es ist bloß wesentlich effektiver. Im Notfall stellt man eben einige studentische Hilfskräfte ein, die sich um die Durchführung regelmässiger Urwahlen kümmern.

Abstimmen kann man in diesen Wahlen im Prinzip alles. Das Studentenparlament wird faktisch unnötig. Soweit muss man es ja garnicht treiben. Wer Politiker spielen möchte, soll das weiterhin tun, wenn es ihm Spaß macht. Das Studentenparlament kann die Vorarbeit leisten und das Tagesgeschäft meistern – entscheiden sollten alle Studierenden.

Natürlich bleibt dies eine Utopie in der Hochschulpolitik, da jede Hochschulgruppe naturgemäss ihren eigenen Einflussbereich ausbauen möchte. Das ist nicht Bösartigkeit, das ist eben so. Sie mögen alle die besten Absichten haben, richten sich aber nur nach ihren Ansichten. Die Absicht des Gemeinwohls wird nicht von der Gemeinde der Studierenden, sondern von der kleinen Gemeinschaft meist parteipolitisch  ideologisierter Nachwuchsfunktionären benutzt.

 

Nachdem dieser Artikel im Schreibprozess nun ungewollt in ein Plädoyer für Direkte Demokratie an Hochschulen ausartete, seien noch ein paar andere Aspekte der Arbeit der Studierendenvertretung angesprochen.

Einerseits gibt es die Veranstaltungen, die von gewissen Referaten regelmässig organisiert werden. Grundsätzlich sind Vortragsreihen gegen Rassismus, über Gender-Aspekte und Co. eine gute Sache. Leider sind sie oft so einseitig ideologisiert, dass Studierende in Erwartung dessen was auf sie zukommt, zu solchen Veranstaltungen gar nicht erscheinen. Ohne es zu wissen schätze ich die Teilnehmerzahl jedenfalls als sehr gering ein.

Im Januar soll es eine Veranstaltungsreihe zur Euro-Krise geben. Eingeladen wurden 3 lupenreine Keynesianer. Nun soll diese an den Universitäten mittlerweile (glücklicherweise) vernachlässigte Perspektive durchaus ein Forum geboten werden, andere unterdrückte Ansätze wie die Österreichische Schule der Ökonomie oder ordnungspolitische Ansätze werden jedoch ausgeklammert, weil sie nicht in die politische Ideologie der Veranstalter passen. Mein Vorschlag der Einbringung anderer Perspektiven im Zuge einer ausgewogenen Veranstaltung an die Organisatoren wurde denn auch tatsächlich mit so einer Begründung abgewiesen. Tatsächlich zeigten die Organisatoren eine breite Unkenntnis über mein Anliegen – aber was will man machen. Die ergänzende Veranstaltung wird kommen – ob mit oder ohne Unterstützung der Studierendenvertretung.

Denn die lässt sich das ordentlich was kosten. 2000€ sollen für 3 Vorträge ausgegeben werden können. Das davon 1000€ die sozialistische Kaderschmiede der Rosa-Luxemburg-Stiftung übernimmt, zeigt in welche Richtung die Vorträge weisen. Die Kalkulation jedenfalls ist wahnsinnig hoch. Ich habe sie gesehen und sowohl Anreise,- wie auch Honorarkosten stehen in keinem Verhältnis zur angebotenen Leistung. Der Verdacht erhärtet sich immer mehr in mir, dass gewisse Vortragende durch die Bundesrepublik pilgern und vom Geld der Studierendenvertretungen ein nettes Zusatzgeschäft machen. Mit Geld umgehen können diese Vertretungen jedenfalls nicht, wie zahlreiche Beispiele aus anderen Bundesländern belegen. So lernen sie schon an der Uni, was sich in ihrer Politiker-Karriere später fortsetzt: ständige Verschwendung fremden Geldes.

Letztens wurde gerade erst der neue Haushalt des AStA an der Uni Konstanz verabschiedet. Da es ja keine Protokolle gibt, muss ich mich auf meine Erinnerung verlassen. Meines Wissens ist das aktuelle Budget, das noch ohne Zwangsgebühren auskommt, bei 70000€, wovon 40000€ ausgegeben werden sollen. Hört sich jetzt nicht nach Verschwendung an. Wenn jedoch Referate wie das Gleichstellungsreferat 7000€ zur freien Verfügung bekommen, sollte man sich das genauer ansehen. Statt das Geld in irgendwelchen Vorträgen im eigenen ideologischen Zirkel umzuverteilen, könnte man damit wenigstens tatsächliche Gleichstellung fördern. Gerade was die Inklusion körperlich behinderter Menschen an der Universität Konstanz betrifft gibt es noch einiges an Nachholbedarf. Hier wären finanzielle Mittel deutlich besser aufgehoben als bei Vorträgen der Pseudo-Wissenschaft namens Gender Studies, die für ihre Verfechter schon längst zur hochlukrativen Industrie geworden ist. Man kann ja gerne über Geschlechterverhältnisse nachdenken, aber dann doch bitte im Rahmen der Soziologie, Anthropologie oder verwandter Fächer.

 

Natürlich ist dies längst nicht alles, was die Konstanzer Studierendenvertretung so treibt. Ich sehe meine Zeit denn auch deutlich besser aufgehoben, mich nicht damit zu beschäftigen. Denn letztlich ist das, was die Studierendenvertretungen vorgeben zu sein – eine demokratische Mitbestimmungsmöglichkeit – eine pure Farce. Lässt man sie doch einfach machen. Das was sie gut machen und an sinnvollen Angeboten anbieten gleicht sich mit dem negativen aus, wenn man es an sich vorbeilaufen lässt und sich auf sein Studium konzentriert. Für mich persönlich macht ihre Existenz keinen Unterschied aus. Denn was bringt angebliche Mitbestimmung, wenn man nicht mitbestimmen kann, sondern die eigene Stimme zur Legitmation der Fremdbestimmung über sich selbst führt? Ich kann, bis bei den Studierendenvertretern ein grundsätzliches Umdenken einsetzt, daher nur raten, was der Großteil der Kommilitonen ohnehin macht: die jährlichen StuPa-Wahlen zu boykottieren oder wenn, dann seine Stimmzettel zumindest ungültig zu machen. Auch wenn das keine Lösung ist und die Unis den sich selbst bereichernden Kräften noch auf Jahrzehnte ausgeliefert sein werden.

Mit der Hochschulpolitik verhält es sich eben wie mit der realen Politik. Alles kann man eins zu eins anwenden. Nur der Herrschaftsanspruch ist begrenzter. Dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr. Für heute möchte ich es bei dieser kleinen subjektiven Information über AStA, StuPa und Co – die aktuelle Hochschulpolitik an der Uni Konstanz – belassen.