3 Mythen über Ostwestfalen

Über Konstanz habe ich lange nichts geschrieben und werde es auch heute nicht tun, aber bald. Da ich dieses Wochenende im heimatlichen Ostwestfalen bin, bin ich aber geneigt, einige Dinge aufzuklären.

1.  Herford liegt nicht im Ruhrgebiet!

Manche Bayern, die Zeit ihres Lebens noch nie aus ihrer Almhütte gekrochen sind, munkeln, dass Herford doch auch im „Pott“ liege. Das möchte ich hiermit abstreiten. Nichts gegen das Ruhrgebiet (auch wenn es mir zu kollektivistisch anmutet), durch das ich heute mal wieder mit dem Zug fahren durfte, aber Ostwestfalen bleibt Ostwestfalen. Dortmund ist schließlich 130km entfernt…

2. Bielefeld existiert tatsächlich!

Das wird mir niemand glauben – aber Bielefeld existiert tatsächlich. Ich war schon so oft in dieser Stadt, die nichts zu bieten hat (im Gegensatz zu Herford), außer einem drittklassigen Rekordabsteiger auf immerhin wieder aufsteigenden Ast, eine sogenannte Sparrenburg, Teutoburger Wald und eine Universität, deren äußerer Charakter mich vom Studieren dort abhielt.

Nun gut, man kann in Bielefeld auch durchaus hervorragend speisen, dem kulturellen Leben frönen, Ausgehen und auf sonstige Weise Spaß haben. Eine Existenzberechtigung kann man Bielefeld also durchaus zugestehen! Auch wenn unsere Bundeskanzlerin diese verneint…

Und der Mythos seiner Existenz hat sich für Bielefeld wohl als wahrer Segen erwiesen. Ich kenne keine deutsche Stadt, ja keine Stadt auf der Welt, die in Gesprächen so oft genannt wird wie Bielefeld. Der Name Bielefeld fällt öfter als New York, Shanghai oder London – eine bessere Werbung kann sich die Stadt gar nicht wünschen. Zumal doch jeder einmal in seinem Leben dem mysterlösen Touch Bielefelds erlegen sein möchte. Das erweist sich als wahre Goldgrube für die Bielefelder Behörde, deren monetäre Teilhabe sonst auf den Verkauf von Waschmaschinen und Pudding beschränkt zu sein scheint. Potentielle Touristen sei aber geraten, die größere Goldgrube (geschätzte 5 Mio. Euro pro Jahr) entlang der Autobahn am Bielefelder Berg zu beachten. Am besten vom Teuto runter ausrollen lassen und nach Herford kullern. Das MARTa braucht Euch!

3. Wir sprechen kein Hochdeutsch, sondern Ostwestfälisch.

Irgendwann kommt es immer zu Diskussionen über die Nuancen der deutschen Sprache. Gerade in einem kulturellen Schmelztiegel wie Konstanz, an dem Schwaben, Badenser, Franken, Berliner, Sachsen, Ostwestfalen und der ganze Rest friedlich zusammenleben.

Auch wenn unser Deutsch sicher höher ist als das der Schwaben (ich bin kein Sprachforscher!), ist es noch kein Hochdeutsch. Das spricht man nur in Bremen. Und die Stadt ist bekanntlich arm dran.

Auch wir in Ostwestfalen haben unsere sprachlichen Eigenarten. Besonders auffallenswert ist meist die etwas seltsame Benutzung eines – wenn ich in Latein richtig aufgepasst hab – Partizip Präsens Aktiv. Ostwestfalen sind nämlich immmerirgendwas „am machen“. Sie sind „am fahren“ (außer die Lipper, die das bekanntlich nicht können), „am essen“ (Pickert oder sowas) oder „am Umlaufen“ von Pinöckeln. Oder waren es Pömpel? Oder Pilonen? Jedenfalls diese Teile, die die chronisch klammen Schulen anstatt vernünftigen Torpfosten benutzen beim „am Fußballspielen“!

4. Ostwestfale ist eine Identität

Auch wenn ich mich eher kosmopolitisch veranlagt sehe, so kann ich doch betonen, dass ich im Allgemeinen gerne Ostwestfale und im Speziellen noch lieber Herforder bin. Der Landstrich hat seine ganz eigene Schönheit, die man im Gegensatz zu Konstanz aber auch mal länger suchen muss. Bevölkert von fleißigen und – was den Ostwestfalem oft nachgesagt wird – sturen Individuuen, konnte man sich 100 Jahre, nachdem die Bauern in der Senne Kerzenwachs essen mussten, einen bescheidenen Wohlstand erlangen, der von den rot-grünen Pleitegeiern im fernen Düsseldorf gleichwohl stetig auf die Probe gestellt wird. Aber Politiker wie Frank Schäffler, obgleich gebürtiger Schwabe, und einige andere machen da durchaus Mut. Ostwestfale zu sein ist nichts, was man verneinen muss. Unsere Küchen – um ausnahmsweise mal Kollektivist zu sein – stehen in aller Herren Länder und die Herren aller Länder tragen Anzüge made in Herford. Dessen Bier gibt es auch in Neuseeland und seine Diskothek ist top in Deutschland. Ein großes Erlebnisbad und Indoor-Spieleparadies für kleine und größere Kinder nicht zu vergeßen. Und noch viel mehr Sehenswertes.

Ich komme jedenfalls gerne ab und an nach Herford, ins Ostwestfälische, zurück.

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Ein Kommentar

  1. Ich bin Sauerländer. Von hier aus einen lieben Gruß nach Ostwestfalen. 🙂

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