Hans-Hermann Hoppe über die Privatrechtsgesellschaft im Modelhof

Gestern hatte ich das Vergnügen, einen Vortrag von Hans Hermann Hoppe im Schweizer Modelhof zu lauschen. Letzterer liegt in Müllhausen in der Schweiz und ist ein monumentales, der Quadratur des Kreises folgendes Gebäude, das doch sehr an ein Schloss erinnert. So gab es nach der Veraanstaltung noch ein einfaches, aber leckeres Mahl im Festsaal.

Das Gebäude verschwendet viel Platz – gerade das finde ich gut. Unter hohen Decken fühlt man sich sogleich freier. Und auch die weitgehend symmetrischen Räume schaffen, gehalten in verschiedenen Farben, ein wohltuendes Raumklima. Der Saal, in dem Hans-Hermann Hoppe referierte, trug teilweise ein helles Grün – passend zu seiner Krawatte.

Die Veranstaltung wsr gut besucht, die Stühle reichten anfangs nicht aus. Geschätzte 80 Leute drängten sich in dem kleinen Saal, darunter auch einige bekannte Gesichter. Hans-Hermann Hoppe in Aktion zu erleben – er lebt in der Türkei – ist wohl eher selten. Schon garnicht in Deutschland. Denn seine Thesen dürften den wenigsten gefallen.

Sein Vortrag hatte den Titel „Die Privatrechtsgesellschaft als Alternative zum Staat“. Gemeint ist damit ein anarchokapitalistisches Gesellschaftsmodell, das Hoppe wegen der alleinigen Gültigkeit vom Privatrecht Privatrechtsgesellschaft nennt, weil sowohl der Begriff Anarchie wie auch Kapitalismus im heutigen Sprachgebrauch sehr negativ konnotiert seien.

Sein Vortrag folgte in großen Teilen dem, was man aus seinen Büchern ohnehin gewohnt ist – Titel wie „Demokratie. Der Gott, der keiner ist.“ oder  „Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft“ lassen schon vermuten, welchen Ton Hoppe in seinem Vortrag anschlägt.

Der fiel jedoch gewißermassen harmlos aus – wie mir andere bestätigten wäre er früher schon einmal deutlich schärfer gewesen. So bezeichnete er den Staat doch sehr harmlos als „rechtsbrechender Rechtsschützer“ und „enteignender Eigentumsschützer“, um auf die Kontradiktion dessen aufmerksam zu machen, dass der Staat in der Sphäre des Öffentlichen Rechtes legitim allen Handlungen nachgehen kann, die dem Individuum in der Sphäre des Privatrechtes verboten sind. Der Staat dürfe zum Beispiel seine Bürger bestehlen sprich besteuern.

Über die Tiefen einer Privatrechtsgesellschaft in diesem Artikel einzugehen wäre vermessen. Für einen Einstieg in die Thematik empfehlen sich auch nicht allzusehr die Bücher von Hoppe, sondern eher zwei im Internet, wenn auch auf Englisch, leicht auffindbare. Einmal For a new Liberty von Murray Rothbard, der Hoppes Schüler war und die naturrechtliche Begründung vertritt (und dank Stefan Blankertz passend zu Weihnachten auch auf Deutsch erhältlich ist), und einmal The machinery of Freedom von David Friedman, dem Sohne des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, der eine Art Privatrechtsgesellschaft auf utilitaristischen Gründen als erstrebenswert erachtet.

Wer dies als Einstiegslektüre verdaut hat, wird die ersten Einwände, die in Diskussionen immer fallen, vermutlich beseitigt haben. Das heisst aber nicht, dass es keine gibt. So gab auch Hoppe zu, dass seine Idee kein „überirdisches Nirvana“ sei, sondern lediglich eine bessere Gesellschaftsform, die  im Zuge des Scheitern des Wohlfahrtsstaates und massiven Sezessionsbewegungen innerhalb der nächsten 20  Jahre durchaus erreichbar wäre.

Es gibt genug Einwände und genug Unerklärtes – das macht die Privatrechtsgesellschaft intellektuell hochspannend. Zu oft bleibt leider der Eindruck eines „Wilden Westens“,  eine blutige Gesellschaft mit andauernden Auseinandersetzungen und dem Recht des Stärkeren. Empirisch untersucht war der Wilde Westen allerdings eine sehr friedvolle Zeit – die Macht der Bilder in Western-Filmen hat eben nur ein ganz anderes Bild vermittelt. Genauso ist der Glaube an den Staat der Glaube an ein übernatürliches, mystisches Wesen, an das man nicht nicht glauben kann, weshalb sich die wenigstens auf eine Beschäftigung mit der Privatrechtsgesellschaft einlassen und ihren alten Denkmustern anhängen.

Nicht verschweigen sollte man allerdings, dass Hans-Hermann Hoppe manche Aspekte seiner Privatrechtsgesellschaft recht dogmatisch überideologisiert. Verbunden mit seiner kulturkonservativen Einstellung führt das zu im Kern selbst die Freiheit gefährdenden Ansichten. Nichtsdestotrotz bleibt er ein brillanter Analytiker des Status Quo, auch wenn ich weder viele seiner Ansichten teile noch die Idee einer Privatrechtsgellschaft als erstrebenswert erachte.  Die Gründe  werden vielleicht mal in einem anderen Artikel behandelt.. Auf der „Achse des Guten“ gibt es einen langen Artikel an Kritik, mit der ich weitgehend übereinstimmen würde, die aber auch noch längst nicht alles aufgreift.

Zurück aber zum Vortrag, der nach einer Stunde in eine offene Fragerunde endete, die leider abgebrochen wurde, bevor ich meine Frage über außenpolitische Gefährdungen der Privatrechtsgesellschaft  stellen konnte. Wie schon angemerkt folgte ein geselliges Festmahl mit einer schmackhaften Suppe, da es, wie der Unternehmer Daniel Model in seiner Eröffnungsrede vermerkte, das erste Event anlässlich der Akademie des Modelhofs gewesen sei. Diese Akademie widmet sich der Suche nach der Gesellschaftsform der Zukunft und findet regelmässig freitag im Modelhof statt, beginnend mit dem 30. November. Im kleinen Kreis soll dort gedacht und diskutiert werden. Dem werde ich mich mal anschließen – mit dem Auto, das ich bald zur Verfügung habe, sind es nur etwa 20 Minuten zum Modelhof.

Letztlich bleibt festzuhalten, dass es ein gelungener Abend war. Obwohl mit der Privatrechtsgesellschaft schon einigermaßen vertraut, konnte mir der Vortrag doch noch einige neue Aspekte und Argumente an die Hand liefern, falls man mal wieder das Bedürfnis verspürt dafür im Freundeskreis zu argumentieren, auch wenn man eigentlich gar kein Anhänger ist. Und wegen der geografischen Nähe zu Konstanz, konnte ich auch noch das ein oder andere Mitglied für den Hayek Club gewinnen.

Dessen Eröffnungsveranstaltung findet jetzt übrigens am 10. Januar statt. Hayek allerdings ist laut Hoppe ein ganz schlimmer Sozialist! In diesem Sinne muss ich wohl als Sozialist diesen Blogartikel beenden und freue mich auf Interessierte.

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Ein Kommentar

  1. „For a new Liberty“ von Murray N. Rothbard gibt es jetzt auch dankenswerterweise wieder auf deutsch: „Für eine neue Freiheit“ in 2 Bänden neu editiert von Stefan Blankertz!

    http://www.buchausgabe.de/public_articles/weihnachten-kann-kommen-fur-eine-neue-freiheit-von-murray-rothbard-ist-endlich-in-einer-deutschen-ubersetzung-erhaltlich

    Antwort

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