Tetouan und Tanger

Heute war ein langer Tag, der uns Marokko näher brachte. So besuchten wir Tetouan, eine der ältesten Städte Marokkos, und Tanger, welches mit ca. 1,5 Mio. Einwohner an der Grenze von Mittelmeer und Atlantik gelegen, ein eher jugendliches Flair hat.

Während mir gestern Abend Marokko im Laternenlicht auffällig modern schien, hat sich dieser Eindruck heute nicht weiter bestätigt. Unser Besuch in Tetouan ging los mit einem Besuch beim Geldwechsler. Hier kann man zwar fast ueberall mit Euro bezahlen, ein paar Dirham – so heisst de Währung – in der Tasche schaden aber auch nicht.

Danach ging es durch Tetouan, erst durch die neuere Stadt, vorbei am Königspalast, wo vor einigen Tagen noch der König von Marokko residierte und hinein in das mittelalterliche Stadtviertel Medina – ein Labyrinth an engen Gässchen, in dem man sich ohne Führer gewiss verlaufen hätte. Aber nicht nur ein Führer, sondern auch ein örtlicher Iman und zwei Undercover-Polizisten begleiteten uns. Ganz so sicher kann das also nicht gewesen sein. Bei der auffällig, nicht grade den marokannischen Sitten entsprechenden Kleidung mancher Teilnehmerinnen nicht verwunderlich (auch wenn der Islam hier nicht sonderlich streng praktiziert wird – Kopftuch ist schon eigentlich Standard). Dieses Labyrinth – die Medina – ist ein einzig großer Marktplatz und hat ein gewisses Flair, ist für Deutsche, die noch nicht in Drittweltländern waren, aber sicher eine interessante Erfahrung. Neben dem vielen Obst und Gemüse – Marokko ist nämlich, kaum zu glauben, komplett autark und importiert keine Nahrungsmittel – angenehm duftenden Gewuerzen und vielem anderen Zeugs lagen auch Haifische mit abgetrennten Flossen auf der Straße rum, waren Massen an Hühnern in enge Käfige gefercht und wurden frisch unter aller Augen geschlachtet und wurden Esel mit dem Tragen abnormaler Lasten gequält. Nichtsdestotrotz sehr interessant, sowas einmal gesehen zu haben. Wir besuchten einen Teppichhändler, der uns viele schöne Teppiche zeigte, und uns anzudrehen versuchte. Da konnte ich natuerlich nicht widerstehen. Der arabischen Kultur des Feilschens folgend handelte ich den Preis um 80€ runter und bin nun stolzer Besitzer eins kleinen, aber feinen marokkanischen Teppichs.

Mittags gab es typisch marokkanisches Essen in einem Restaurant – Gemüsesuppe, Couscous mit Hühnchen und dazu Fleischspiesse, Tee, Honigmelone und süßes Gebäck danach. Hat mir doch ganz gut geschmeckt. Begleitet wurde unser Essen von Trommelwirbel, Gitarrenspiel und einem Artisten, der Teelichter auf einem Tablett auf seinem Kopf balancierte.

Nach dem Essen strebten wir dann auch zu unserem Bus, verfolgt von aufdringlichen Straßenverkäufern, die einem mit rudimentärstem Englisch allerhand Zeugs andrehen wollen. Ueberhaupt ist es mit der Sprache ein wenig schwer hier in Marokko.

Französisch und Arabisch werden von den meisten gesprochen und verstanden, hier im Norden Marokkos auch noch oft Spanisch. Englisch hingegen ist eher weniger verbreitet. Auch wenn ich Französisch fast alles vergessen hatte und von meinem Arabischkurs auch nicht viel hängen blieb, so kann man sich hier doch durchschlagen. Alleine hätte ich aber Respekt in Marokko und würde es mir zweimal überlegen, wo ich hingehe und wie ich mich kleide – eine kollektive Reise ist zwar manchmal nervig, aber doch ganz gut in diesem Fall, beim ersten Mal in Nordafrika.

Von Tetouan fuhren wir 1 Stunde nach Tanger – vorbei an einer Landschaft, die – von wegen nur Wüste – deutlich grüner ist als Andalusien und durchzogen von hohen Bergen – Ausläufern des Atlas-Gebirges, das etwas weiter südlich bei Marrakesch ja bis in die 4500er in den Himmel ragt. Dort liegt dann auch entsprechend Schnee und die Gegend ist sehr fruchtbar. Die richtige Wüste, die Sahara, beginnt erst südlich des Atlas-Gebirges.

Tanger ist, wie schon geschrieben, eine große moderne Stadt mit langem Sandstrand, lässt aber seinen historischen Charakter vermissen. Nach einer kleinen Panoramafahrt durch die Stadt ging es für ein kleines Bakschischzum Kamel reiten. Hatte ich noch nie vorher gemacht – aber jetzt saß ich auch mal auf einem Kaml. Ist ganz nett – insbesondere wenn sich das Kamel aufrichtet bzw. hinsetzt. Festhalten empfohlen!Zur Erholung  wurden wir zu  einem schönen Cafe an der Atlantikküste gefahren, idyllisch neben einem Leuchtturm an einer Steilküste gelegen, umsäumt von einem Grün, das ich von Marokko nicht erwartet hatte. Eher was für die High-Society Marokkos, auf dem Parkplatz davor warteten Dutzende Händler auf zahlungsfreudige Kundschaft. Die Strände in der Umgebung luden durchaus zum Baden ein und wurden längst nicht nur von Ganzkörperbikini-Trägerinnen bevölkert. Auch wenn der Muezzin ständig ruft, so kriegt man sonst vom Islam hier wenig mit. Die Scharia gilt hier in Marokko auch nur um Familienrecht – der König als oberster Iman ist relativ tolerant verglichen mit anderen arabischen Staaten.

Später ging es noch in die Stadt Tanger, wo wir eine Stunde Aufenthalt zur freien Verfügung hatten, die wir in nur in einer Einkaufsstraße verbringen sollten. Aber das war etwas langweilig und so erkundete ich zusammen mit einer Tschechin noch ein wenig mehr. Man fühlt sich schon ein wenig fremd, ständig sind all die Blicke auf einen gerichtet, ständig wird man von Händlern angequatscht. Unangenehme Erfahrungen waren es aber noch nicht. Man fühlt sich jedenfalls nicht unsicher. Ueberall sind Polizisten, auch wenn die hier gerne mal ein Bakschisch wollen.

Viel mehr gibt es nicht zu berichten aus Tanger- eben waren wir hier nahe unserem Hotel noch in einem riesigen arabischen Supermarkt, in dem es wider Erwarten sogar Alkohol gab – und zwar in Massen zu in etwa deutschen Preisen. Verglichen mit der Kaufkraft der Marokkaner natürlich sehr teuer. Allerdings gibt es eine Extrakasse für Alkoholkäufe, die Käufer werden irgendwie registriert und müssen den Supermarkt durch die Hintertür verlassen. Auch ansonsten ist der Supermarkt interessant – nicht groß anders, aber leicht – z.B die vielen offenen Gewürze, die man sich in seine Tüten löffelt.

Morgen geht es bereits wieder zurück nach Spanien – oder in meinem Fall nach Gr0ßbritannien, genauer gesagt Gibraltar. Erst einmal wird jedoch noch die Stadt Chefchaouen besucht, die bekannt für ihre blauen Häuser ist. Ich bin gespannt – bisher gefällt mir Marokko schon ganz gut. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Besuch von Marrakesch und Casablanca in einigen Monaten durchaus schön sein könnte. Aber schauen wir mal, was sich morgen noch ereignet…

Die Internetverbindung ist schlecht – Bilder werden daher noch nachgereicht…

 

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