Ein Lebenszeichen aus Spanien

Hola,

ich lebe noch und mir geht es ausgesprochen gut. Auch wenn sich der Internetzugang auf max. 5 Minuten pro Tag in der Schule beschraenkt 😉

Jetzt musste aber mal ein Intnetcafe sein, um ein wenig mehr zu klaeren. Viel habe ich schon gesehen und muss sagen: es war eine exzellente Idee einen Sprachurlaub in Granada zu verbringen. Nicht nur die spanische Sprache beherrsche ich ich immer besser – ich denke sogar schon Spanisch – sondern auch viele andere schoene Sachen gibt es hier zu machen. Die Alhambra ist schon besucht, ich war in Cordoba, Bden in Nerja am Mittelmeer (das gefuehlt kaelter ist als der Bodensee!) und fast jeden Abend in Granada unterwegs, gestern z.B. im Freiluftkino im Zigeunerviertel Sacromonte, heute ebenda fuer eine Flamenco-Auffuehrung. Ansonsten laesst es sich in dieser touristischen, aber auch sehr jungen Stadt (80.000 Studenten auf 230.000 Einwohner) trefflich ausgehen – und sehr billig, aber gut speisen. Hier in Granda als einziger Stadt Spaniens bekommt man naemlich noch zu jedem Getraenk durchaus ueppige Tapas gratis dazu  serviert. 2 schoene Rotweine – 4€ – und das Abendbrot ist schon inklusive.

Viele nette Leute aus aller Welt in der Sprachschule, auch wenn es wieder den Anschein hat, dass die Deutschen Granada kolonialisieren. Ich wohne mit 3 deutschen Maedchen zusammen, was nicht so toll fuers Spanisch lernen ist, aber ich bekomme trotzdem genug Uebung im spanischen Kommunizieren. Die Lehrer der Sprachschule sind jedenfalls alle sehr motiviert und bringen de Sprache sehr verstaendlich rueber.

Hier ist es natuerlich sehr heiss (40 Grad tagsueber), abends aber angenehm kuehl (so um die 20-25). Schnell habe ich mich integriert und mache nach der Schule zwischen 2 und 4 eine Siesta. Danach dann eine Privatstunde, in der man massig lernt, ehe man den Abend mit einer Vielzahl an Aktivitaeten ausklingen laesst. Mehr sei beizeiten erzaehlt. Ich habe bereits schon wieder knapp 800 Fotos gemacht, die ich nach Rueckkehr in Deutschland als Belohnung fuer die lange Wartezeit auf einenArtikel schrittweise veroeffentlichen werde.

Bis dahin ist aber ja noch Zeit. Heute ist erst Halbzeit in Granada, und dann habe ich immernoch 5 Tage, die ich durch Anadalusien reise: Alles mitnehmen ist die Devise: Sevilla, Huelva, Cadiz, Tarifa, Gibraltar, Malage und vielleicht sogar ein Tag nach Afrika (Ceuta, die spanische Enklave; oder Tanger in Marokko). Am Wochenende steht noch eine Erkundungstour der Sierra Nevada an (Trevelez) und die Besichtigung der Stadt Almeria oestlich von Granada am Mittelmeer.

Mit meiner Hausarbeit komme ich gut voran und hatte noch einige schoene Gedanken. Mal sehen, wie dem Dozenten diese doch sehr demokratiekritsche Hausarbeit gefaellt. Auch ein Essaz muss noch abgeschlossen werden – da kommt man eher weniger zu, aber noch liege ich in der Zeit.

Wollen wir es mal hierbei belassen. Selten hat sich jedenfalls eine Entscheidung so ausgezahlt wie diese, einige Wochen in Granada zu verbringen. Und ich kann hier sogar mein Auslandssemester machen. Die Frage ist nur, ob ich nicht doch leber eine andere Stadt dann kennenlerne, uch wenn es mir hier super gefaellt. Spanien soll es aber auf jeden Fall werden!

Der naechste Blog-Artikel folgt bestimmt, spaetestens Mitte September. Bis dahin noch einen frohen Sommer in Deutschland )der wohl nicht so froh ist, wie ich das mitbekomme ;))

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Zwangspause

So schnell kann es gehen. Mittlerweile bin ich ein Jahr älter und fliege morgen schon nach Spanien – mit Ryanair: das Absturzrisiko aufgrund von Treibstoffmangel ist also ziemlich hoch. Zum Glück habe ich einen Platz am Notausgang…

Der Flug geht nach Málaga, Ziel ist aber dann noch per Bus Granada, wo ich die nächsten 3 Wochen die spanische Sprache (wieder)-erlernen möchte. Danach noch 5 Tage zur freien Verfügung, die ich aber wohl eher weniger am Strand, sondern eher in Erkundung Andalusiens investieren werde. Gibraltar, vielleicht sogar eine Überfahrt auf den afrikanischen Kontinent.

Für den Blog heisst dies erstmal eine lange Zwangspause, da ich zum Glück in meinem Apartment kein Internet haben werde. Meine Hausarbeit ist auch noch nicht ganz fertig – da ist die Zeit besser investiert. Über den ein oder anderen Bericht kann man sich trotzdem freuen – mit vielen tollen Bildern bestimmt!

 

 

 

Konstanzer Schildkröte Rheini geklaut!

Das Sommerloch macht sich nicht nur in der Medienlandschaft, sondern auch auf diesen Blog bemerkbar, indem ich mich mit einer Provinzposse aus Konstanz beschäftige.

Hauptakteur ist eine Schildkröte namens Rheini, die auf einem kleinen Floß beim Rheinstrandbad in Konstanz lebt. Nachdem sein Floß bereits entwendet wurde (http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Unbekannte-stehlen-Floss-von-Schildkroete-Rheini;art372448,5615450), wurde nach dessen Wiederherstellung nun auch die Schildkröte Rheini selbst geklaut (http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/meinung/Mann-stiehlt-Schildkroete-aus-Konstanzer-Bad;art1014417,5642782), die bereits im vergangenen Jahr am Konstanzer Rheinstrandbad auftauchte und den strengen Winter überlebt zu haben schien.

Rheini war Besuchermagnet des Strandbades, das ich selbst noch nie besucht habe. Rheini auf seinen Floss habe ich trotzdem mal gesehen.

Erschreckend ist nicht nur die verkommene Moral, solch eine Schildkröte einfach zu klauen, sondern auch, dass laut Südkurier es niemand geschafft haben will, den unbekannten Kidnapper in seiner Geiselnahme aufzuhalten. Den Unmensch gleichwohl sollte man erkannt haben, weshalb ein Fahndungserfolg nicht unwahrscheinlich ist – wenn es denn dazu käme. Rheini gehört schließlich niemanden, nur sich selbst. Oder ist Rheini gar ausgebüxt und wurde nun 2 Jahre später von seinem rechtmäßigen Besitzer abgeholt?

Da ist es doch wahrscheinlicher, dass ein übereifriger Grüner die Schildkröte aus angeblicher Tierliebe erlöst hat. Das erhöht immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass Rheini nicht in der Suppe landet!

Denn Rheini ist schließlich nicht im Rhein endemisch, sondern stammt aus dem Süden der USA. Hier mit Artenschutz zu argumentieren ist aber höchst fahrlässig. Wenn Schildkröten sich auch in deutschen Gewässern durchsetzen, sollte uns das freuen – denn schädlich sind sie im Gegensatz zu manch anderen eingeschleppten Tieren eher weniger. Das ist Evolution. Und wenn Rheini seine Nische gefunden hat und strengen Bedingungen widersteht, gebührt das höchste Anerkennung für diese Leistung.

Nun wird Rheini seiner individuellen Freiheit beraubt, und läuft Gefahr Rest seines Lebens, wenn nicht im Suppentopf, dann doch im Terrarium zu enden. Dank dem  Sozialingeningenieur, der Rheini aus dem Rhein klaute – aus welchen Gründen auch immer.

Es bleibt nur zu hoffen, dass man Rheini findet, befreit und ihm wieder Selbstbestimmung auf seinem Floß im Rhein ermöglicht, auf dass er noch viele Jahre für glückliche Kinderaugen sorgt!

Ich kann den Dieb nur bitten, Rheini zurückzugeben. Wer Hinweise auf den Verbleib der gekdinappten Schildkröte hat, kann sich an konstanz.redaktion@suedkurier.de wenden.

Wie die Geschichte auch ausgehen wird – sie wäre filmreif. Vielleicht sorgt der Film über die Schildkröte Rheini in ein paar Jahren ebenfalls für glückliche Kinderaugen – er muss nur noch gedreht werden.

Die Piratenpartei Konstanz übrigens scheint sich zurückzuhalten. Statt in dieser Angelegenheit mal Flagge zu zeigen, scheint man das Kidnapping einer Schildkröte nicht für einen relevanten politischen Inhalt zu halten. Schade eigentlich diese verpasste Gelegenheit, da man an Inhalten ja sonst nicht viel zu bieten hat…

Über Fleisch, Subventionen und zwei Typen von Vegetariern

Gestern abend vertrieb ich mir den Abend mit zwei interessanten Filmen auf youtube – das Filmportal, das für mich ansonsten noch nie einen besonderen Reiz hatte.

Der erste deckte die Verschwendung von Subventionen aus den Bürokratiebunkern Brüssels auf – ein wahrer Sumpf, den man mal trockenlegen müsste: http://www.youtube.com/watch?v=nQsUnopnDJQ

Zweiter Film beschäftigte mich aber mehr: Thema: industrielle Fleischproduktion


Vegetarier fühlen sich nach Anschauen dieses Films sicher sehr bestätigt – aber wird man als Fleischesser zum Vegetarier oder gar Veganer?
In meinen Fall zumindest kann ich das verneinen.

Natürlich sind die Bilder aus den Mastbetrieben und Schlachthöfen nicht so leicht zu verdauen wie ein zartes Lammfilet. Da sind Abertausende von Hühnern gedrängt in riesigen Hallen, die über den Aas ihrer diesen Bedingungen erlegenen Artgenossen trampeln (nicht gerade sehr hygienisch), ehe sie als mit Antibiotika vollgepumpte Chicken McNuggets kleine Kinder zusammen mit einem Spielzeug ihrer Wahl im Happy Meal glücklich machen. Da sind kleine süße Küken, die in industrieller Massentötung geschreddert oder vergast werden (http://www.youtube.com/watch?v=JJ–faib7to)

Da sind betäubte Schweine, die kopfüber an den Beinen aufgehängt durch die Schlachthalle transportiert werden, dabei aufwachen und wie wild herumzappeln. Da sind nicht so glückliche Rinder, die bei lebendigem Leibe verbluten, nachdem sie geschächtet wurden.

Es sind zweifellos krasse Bilder, die in einer Welt, wo Blutvergießen für Kindergartenkinder schon Standard ist, trotzdem nur wenige Menschen mit schwachen Nerven zuviel werden – wenn sie denn gesehen werden.

Wenn man Vegetarier fragt, was sie zu ihrer fleischlosen Ernährung getrieben hat, sind solche tierunwürdige Lebens- und Tötungsbedingungen eines der Hauptargumente. Dies isz zweifellos ein moralisches Argument mit der Grundfrage der Tierrechte, mit denen wir uns jetzt nicht näher beschäftigen wollen.

Viele Menschen wissen jedoch nicht von diesen Praktiken und machen sich auch gar keine Gedanken darüber, woher das Spiegelei in der Pfanne, das Hühnchen im Ofen oder das Steak auf dem Grill eigentlich stammen. In Schulen werden diese Themen nicht behandelt. Für die Politik ist denn bevormundender Verbraucherschutz auch angenehmer als Verbrauchereigenverantwortung. Warum nicht schon Grundschüler die Prozesse in einer Schlachterei näher bringen? Sorgt das für Traumata? Blut fliesst in der heutigen Medienwelt doch ohnehin genug – sichtbar für jeden 6-Jährigen.

Man sollte niemanden dem Fleischkonsum verbieten, ja nicht mal ansatzweise versuchen, ihn bevormundend einzuschränken, wie die Grüne Liste in Konstanz dies letztens mit der Forderung eines fleischlosen Tags in öffentlichen Einrichtungen (also auch der Uni-Mensa) tat. Abgesehen von Tierrechten mag Fleischkonsum zwar durchaus Auswirkungen auf die Gesundheit (ein für mich eher fragwürdiges Argument) und die Umwelt haben (in puncto Klimawandel sehr fraglich, in puncto Wassermangel teilweise gerechtfertigt), doch letztlich sollte Fleischkonsum eine individuelle Entscheidung bleiben, die jedoch durchaus kosten sollte.

Denn Fleisch ist heutzutage günstig wie nie – weil es, um den Bogen zum ersten Video zu schlagen, massiv subventioniert wird. Zirka die Hälfte des EU-Haushaltes wird für Agrarsubventionen verschwendet, die insbesondere Ländern der Dritten Welt massiv schaden.  Eine erste Abschaffung der Subventionen würde den Fleischkonsum wohl bereits etwas einschränken. Mehr als ein Sonntagsbraten wird trotzdem noch für jeden drin sein.

Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich trotz dieser Bilder im Kopf problemlos weiter Fleisch essen kann. Geniesse ich Lamm, so rufe ich mir gerne süße, kleine Lämmer in die Augen, esse ich Schwein, so erscheint vor meinem geistigen Auge „Schnitzel“ (das von mir so benannte Hausschwein in Neuseeland ;)), das ich oft einfangen und in seinen von mir gebauten Stall treiben musste.

Aber das verdirbt mir keineswegs den Appetit. Ich nehme es als gegebenes Schicksal  hin, dass diese Tiere eben jetzt auf meinem Teller liegen. Ist das unmenschlich? Nein – es ist im Gegenteil sehr menschlich. Schon in der Steinzeit war es nicht anders – das Fleisch nur deutlich schwerer zu bekommen. Fleischkonsum ist nicht unmenschlich wie manche ÖkologInnen das gerne propagieren – zumindest sollte dies der individuellen Bewertung eines jeden Einzelnen überlassen werden, der danach seine Konsumentscheidung ausrichtet.

Es mag Menschen geben, denen solche Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen und vielleicht tatsächlich ihre fleischige Ernährung reduzieren oder gar ganz aufgeben. Das sollte man respektieren. Vegetarier sind keine bösen Menschen, sondern haben andere moralische Maßstäbe, andere gesundheitliche Idealvorstellungen oder sind sonstwie beeinflusst. Ich nenne sie individuelle Vegetarier. Böse Menschen sind nur Vegetarier, die anderen ihre Entscheidung aufoktroyieren wollen. Ich nenne sie kollektive Vegetarier.  Und davon gibt es – ein Blick auf die GrünInnen genügt – leider eine ganze Menge.

Während individuelle Vegetarier den Fleischkonsum anderer respektieren und mit ihrer individuellen Konsumentscheidung dazu beitragen, die Bedingungen von Tieren in ihrem Sinne vielleicht ein wenig besser zu machen, sind kollektive VegetarierInnen darauf aus, allen Menschen den Fleischgenuss zu verbieten. Das geschieht natürlich nur schleichend. Ein fleischloser Tag in öffentlichen Einrichtungen ist aber schnell auf die ganze Stadt ausgeweitet. Wir werden diese Zustände in einigen Jahren wohl leider noch erleben…

Der individuelle Vegetarier kocht gerne und gut zauberhaftes Kaninchenfutter, während es kollektiven VegetarierInnen eher an der täglichen Zwangsration Spaghetti mit Tomatensauce  für alle gelegen ist (wer historisch bewandert ist, wird hier eine erschreckende Analogie feststellen).

Der individuelle Vegetarier versucht Fleischfresser zu überzeugen, aber nicht zu überreden. Er argumentiert fair und selten moralisch.Der kollektive Vegetarier beißt hingegen herzhaft in die gutmenschliche Moralkeule – welch Kannibalismus!

Der individuelle Vegetarier hat seinen Frieden mit der nach Fleisch gierenden Außenwelt geschlossen, während der kollektive Vegetarier ständig Kriege gegen diese anzettelt. Nicht das, wonach er so heimlich lechzt, soll allen Willigen zur Verfügung stehen, sondern niemanden. Lieber Gleichheit in Armut statt Pluralismus im Wohlstand ist die Devise.

Der individuelle Vegetarier ist Vegetarier, weil er es selbst als richtige Entscheidung erachtet. Der kollektive Vegetarier hingegen geht nach dem Zeitgeist – er isst kein Fleisch aus Überzeugung, sondern aus einem latenten Gefühl, dass sich aus moralischen Überlegenheitsdenken und sporadischen Halbwissen speist.
Für den individuellen Vegetarier ist seine Konsumentscheidung eine Philosophie, nach der er bewusst lebt, für den kollektiven Vegetarier ist es eine Religion, die mit blindem missionarischen Eifer verfolgt den ketzerischen Fleischfressern die Erlösung bringen soll.

Der individuelle Vegetarier also ist ein guter Mensch, der kollektive Vegetarier hingegen ein Gutmensch.

Ich bin kein Vegetarier und werde auch keiner werden. Zu lecker war einfach der Döner, den ich gerade verspeist habe. Trotzdem wünsche ich mir, dass solche Bedingungen, wie sie in dem erschreckenden Video gezeigt werden, verhindert werden. Ein unlösbares Dilemma?

Klar ist jedenfalls, dass hier noch stärkere  Regulierung nicht weiterhilft. Denn das führt nur dazu, dass die Kosten, die durch Regulierung in einem Bereich entstehen, auf noch schlechtere Bedingungen in einem anderen Bereich abgewälzt werden. Lieber sollte man Subventionen streichen und die Preise dem Markt überlassen. Dann kann sich auch wieder Qualität statt Quantität – nicht nur für ökoschwäbische Bionade-Biedermeier aus dem Prenzlauer Berg (mein neues Feindbild ;)), sondern für alle –  durchsetzen. Aber das ist laut kollektiven VegetarierInnen ja sozial ungerecht!

Wieder da.

Nach einer Woche selbstbestimmter Internet-Abstinenz, die mal mehr sehr gut getan hat, bin ich nun wieder in Ostwestfalen.

Die Woche der Freiheit war ein wahnsinniges Erlebnis, auf das ich aufgrund der Wissensanmassung und den vielen Aktivitäten kaum wiederzugeben wage. Viel gelernt, insbesondere nun fit in ökonomischen Zusammenhängen und gestärkt durch ein praktisches Debattentraining, wird auch dieser Blog sich zugunsten der Freiheit vielleicht verändern.

Eines der Highlights war zweiffelos der Besuch des Bundestages und ein langes Gespräch mit Frank Schäffler, der sich trotz Sommerpause extra Zeit für uns genommen hatte. Er schien so begeistertet von uns, dass er eine Pressemitteilung darüber brachte: http://www.frank-schaeffler.de/presse/bundestag/2044

Die Gruppe – 20 Teilnehmer – diskutierte auch auf unglaublich hohen Niveau, sorgte, durchsetzt sowohl mit einigen FDP-als auch auch CDU-Mitgliedern wie auch der pdv und mich Piraten aber auch für kontroverse Diskussionen beim Feierabendbier, besipielsweise über so Fragen wie Drogenlegalisierung. Unterstützt durch hochmotivierte Dozenten, die sich wie selbstverständlich an den allnächtlichen  Diskussionsrunden beteiligten, gibt es an der Woche der Freiheit kaum etwas auszusetzen. Es war sehr intensiv, aber auch sehr abwechslungsreich und noch lehrreicher. Mehr möchte ich dazu auch garnicht sagen – das würde der Woche, die auf jeden Fall widerholt werden soll,  nicht gerecht werden. Der Pfad zur Freiheit kann jetzt jedenfalls beschritten werden – und das wird er – von vielen selbstbestimmten Individuuen, die in den kommenden schweren Zeiten die Rückbesinnung auf Nationalismus und Kommunismus verhindern müssen und werden.

Auch meine breiten Piraten-Kenntnisse habe ich sehr gerne vermittelt. Die schienen mir manchen noch ein echtes Mysterium zu sein. Sind sie mir auch immer mehr. Direktes Feedback auf mein letzten Blogeintrag kam mit einer Ausnahme, die ich erwartet hatte, gar nicht. Spricht wohl dafür, dass ich damit Recht hatte.

Der Kreisvorstandhat nämlich immerhin reagiert und den Bezirksvorstand einen netten offenen Brief  über die Thematik geschrieben. So lobe ich mir das!

Damit ist für mich die Angelegenheit auch erledigt. Zuviel ist in den nächsten Tagen zu tun, der geistige Despotismus der Demokratie muss gebändigt und in 15 Seiten meiner Hausarbeit gepresst werden, während mein 21. Lebensjahr schwindet und Spanien näher fliegt.

Den ein oder anderen Blog-Artikel darf man aber in den nächsten Tagen erwarten. Zu groß war der Input, als ihn unberücksichtigt zu lassen. Was leider nicht gesagt wurde, muss nun geschrieben werden. Schade eigentlich – ich hatte mir mehr vorgenommen, aber es war nichtsdestotrotz eine spannende Erfahrung und nicht die neoliberale Weltverschwörung, die man hätte erwarten können 😉

 

 

 

 

Piratiges Demokratieverständnis und empörende Enthüllungen

In der Piratenpartei scheinen Skandälchen an der Tagesordnung. Man nennt sowas dann „XYZ“-Gate, ein Shitstorm genährt durch Internetgezwitscher zieht auf und verfliegt meist ebenso schnell. Oft sind Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen – manchmal entsprechen sie aber auch den Tatsachen.

Unangenehm für die Partei wird es vor allem dann, wenn innerparteiliche Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit gelangen – man erinnere sich an jene Verleumdungskampagne im Berliner Landesverband, dessen Abgeordneter Oliver Höfinghoff erst vor wenigen Tagen für Schlagzeilen sorgte, weil er dem FDP-Fraktionsvorsitzendem Rainer Brüderle Antisemitismus unterstellte, indem er dessen Begriff „Hochfinanz“ mit „Weltjudentum“ gleichsetzte. Von Antifanten – Oliver Höffinghof ist sogenannter Pirantifant kann man auch nicht viel anderes erwarten: er ist zwar nicht der Typ im Blaumann mit Palästinenser-Kopftuch, aber ein wenig Fairness, sprich sachliche Auseinandersetzung statt polemischem hetzendemGeschwurbel , sollte er sich vielleicht zu Herzen nehmen. Das kann man von der gesamten Berliner Piratenfraktion sagen, die sich doch als erhebliche Enttäuchung herausgestellt hat.

Es soll jedoch nicht um laue Piraten aus Berlin gehen, sondern um teils primatig-primitive Freibeuter aus Konstanz, und Umgebung, die mich schon vor Wochen an der Piratenpartei haben zweifeln lassen, was denn letztlich auch mit zu meinem Rücktritt vom Schatzmeisteramt führte.

Es gibt soviele Machtspielchen und Intrigen, das einem speiübel wird. That is life, that is politics! Und das gibt’s in anderen Parteien sicher genauso – nur dort gelangt es vielleicht nicht an die Öffentlichkeit. Zu groß ist der Wille an den eigenen Aufstieg ausgeprägt, zu intransparent überhaupt ist die Mentalität und die Strukturen verschleiern vieles. Auch die Piratenpartei nähert sich in dieser Hinsicht dem Establishment an.

Nach dieser länger als geplanten Einleitung möchte ich mich der Sache widmen, die ich gesterrn bereits angekündigt hatte und die in mir immer noch große Empörung auslöst. Ich tingel gerade im Zug durch den Schwarzwald – habe also alle Zeit der Welt!

Wir fangen am besten so an: es ist kein Geheimnis, dass es in einer heterogenen Partei wie der Piratenpartei verschiedene Lager gibt, die in bestimmter Hinsicht konkurrieren. Da gibt es scharf linke Antifanten genauso wie eher marktwirtschaftlich orientierte Liberale – dazwischen eine Menge an Abstufungen. Dies ist sicher auch im Kreisverband Konstanz der Fall – man merkt e sogar besonders deutlich. Es ist piratenintern eigentlich ein offenes Geheimnis, dass der Konstanzer Kreisverband heillos zerstritten ist – die vielen Vorstandsneuwahlen in den vergangenen 12 Monaten machen dies besonders deutlich.

Diesem Lagerdenken möchte ich die Hauptrolle in der folgenden Begebenheit zusprechen, deren Hauptvertreter auf Anstifterseite mich – nicht zum ersten Mal – schwer enttäuscht haben. Dass solche Personen möglicherweise bald politische Ämter in unserem Staate bekleiden oder dies bereits vorhatten macht die Sache nicht besser – sie finden sich dann aber immerhin in guter Gesellschaft.

Ich glaube, das ständige Schweigen um den Frieden innerhalb der Partei nicht zu gefährden, erreicht genau das Gegenteil. Es ist nicht gerecht – was ist schon gerecht? – was sich hier zugetragen hat, weshalb man darüber sprechen sollte statt die Geschichte unter die Tische zu kehren. Damit mag ich viele vergrätzen, die mich auf ihrer Seite wähnten – aber meine Seite ist nur die Wahrheit bzw. das, was ich als sie empfinde.

Ich möchte garnicht behaupten, dass das Ganze eine durchgeplante Kampagne war – das ist ja das Schlimme. Die Leute werden denken, dass sie völlig im Recht sind – im ursprünglichen Sinne mag dies sogar so gewesen sein – doch daraus eine auf Lügen basierende Kampagne anzuzetteln, weil einem das Wahlergebnis offensichtlich nicht passt, ist nichts anderes als arm.

Ich werde im Folgenden keine expliziten Namen, sondern Pseudonyme verwenden, die sich dem ein oder anderen aber erschliessen dürften und ohne großen Aufwand ergoogelbar sind. Auf Anfrage werde ich auch gerne mehr mitteilen.

Die Protagonisten: das Opfer ist ein 16-jähriger Schüler, ein enthusiastischer Pirat, dessen Begeisterung für die Piratenpartei scheinbar schändlich ausgenutzt wird. Ich nenne ihn Karsten.

Indirektes Opfer der Kampagne – ist der am Sonntag gewählte Direktandidat der Konstanzer Piraten zur Bundestagswahl – wir nennen ihn mal Olaf.

Auf Anstifterseite haben wir auf Kreisebene einen Papuga samt Genossen, auf Bezirksebene – genauer gesagt im Bezirksvorstand (BZV steht für Bezirksvorstand)- einen Hans samt Genossen.

Alle diese Protagonisten waren wie ich am vergangenen Sonntag bei der Aufstellungsversammlung zur Bundestagswahl 2013 der Piratenpartei Konstanz anwesend.

Spannungskurve nun hoch genug? Es wird Zeit, sich auf das Wesentlich zu konzentrieren. Wie ich in meinem Blogartikel vor einer Woche schrieb, „würde ich mich freuen, wenn die Aufstellungsversammlung“ platzen würde. Das war eher ironisch gemeint, traf nicht ein, hat aufgrund der Vorfälle jetzt aber einen bitteren Nachgeschmack. Und selbst ohne diese Vorfällewar die Aufstellungsversammlung nicht sonderlich gut geplant. Ein viel zu kleiner Raum, ständige Störungen und noch viele andere Dinge, die einer zielorientierten Entscheidungsfindung im Wege standen.

Bei dem Wahlgängen jedenfalls gab es Unregelmässigkeiten. Papuga – der auf die Vorfälle vom Sonntag einen piratenkritischen Blog gründete, stellt die Ereignisse denn bis in einer entscheidenden Sache auch völlig richtig da EDIT: hier der Link: http://1-0-1-0-1-0.blogspot.de/2012/08/demokratieverstandnis.html

* Da war einerseits der Vorfall, als im 2. Wahlgang die Stimmzettel falsch beschriftet waren. Ja, eine Lappalie, ist den meisten auch nicht aufgefallen. Es stand auf dem Stimmzettel für den 2. Wahlgang „1. Wahlgang“ drauf. Als der Wahlleiter die bereits ausgegebenen Stimmzettel wieder einsammelte, regte sich Unmut, warum das gemacht wird, ist doch egal, und man wisse … und es dauert Zeit … usw.

Es ist für mich, der diese Veranstaltung als Zeuge beobachtet hat ein Armutszeugnis einiger Piraten, die Demokratie und ihre Regeln so auslegen, wie es ihnen am besten passt.

Da hat der Papuga durchaus Recht. Vielleicht sei aber an ihn die Rückfrage gestellt, was er unter Demokratie verstehe, wenn er ihre Umsetzung so streng auslegt. Wochenlang anonyme Mails unter verschiedenen Pseudonymen verschicken, um Unruhe zu stiften?

Es geht hier jedoch um den zweiten Vorfall:

  • Andrerseits war da ein Vorfall, bzw. mehrere Vorfälle bei der Auszählung der Stimmen. Der Wahlleiter wies die Teilnehmer auf Unregelmäßigkeiten hin, dass es den Anschein machte, dass die Ergebnisse der beiden Wahlgänge sofort nach der Auszählung verbreitet wurden, obwohl der Wahlleiter alle darauf hingewiesen hat, dass nur er das Ergebnis verkünden wird. Leider gibt es für diesen Vorfall nur Indizien, aber diese sprechen für sich.

    Aber auch hier scheint zu gelten: das ist doch nicht schlimm, die Stimmabgabe war doch korrekt, und ob ich es vorher erzähle oder nicht, ist doch egal.

Dieser Verdacht wurde vom Hans, der an jenem Abend Wahlleiter war, bereits in einer Kleingruppe, in der ich mich gerade befand, geäußert. Ich hatte aber keinen blassen Schimmer, wen er meinen könnte.

Zur Sache an sich: macht es wirklich einen Unterschied, ob jemand nun das Ergebnis weiß oder nicht? Jeder kann selbst hingehen und sich das Ergebnis anschauen – an jenem ändert sich ja nichts. Bei Bundestagswahlen kann ich auch ins Wahllokal gehen, die Auszahlung beobachten und dann die Tendenz twittern wenn ich lustig bin.

Der Vorfall an jenem Abend ist richtig dargestellt – es wird hier auch eingeschränkt nur von Indizien gesprochen, das Schlimme ist, was seitdem passiert ist.

An jenem Abend drangen diese Vorwürfe bereits an das Ohr der meisten Anwesenden. Wie man sich denken kann soll der angebliche Täter Karsten (Pseudonym!) gewesen sein, der für den Direktkandidaten Olaf in dessen Auftrag spioniert hätte. Denn Karsten war bei der Stimmenauszählung dabei, verschwand aber irgendwann wieder und ging zu Olaf, was bei den Anklägern wohl den Indizienverdacht erhärtete.

Dem waren sich die beiden auch bewusst – sie sprachen Hans direkt darauf an, ob er sie meinen könnte. Hans blockte aber ab und wollte dazu nichts sagen. Außerdem gab es danach Kommentare auf Twitter, deren Tweeter jedoch die Fragen und Kommentare Olafs dazu ignorierten, der gerne wissen wollte, worauf dies hinauslief.

Am nächsten Tag ging die Posse nämlich richtig los. Karsten wurde vom BZV vorgeladen, um im Mumble über seine Schandtaten zu sprechen. Gleichzeitig versuchte Olaf immer noch mit den Anstiftern Kontakt aufzunehmen und mit ihnen über den Vorfall zu sprechen, was diese aber ignorierten, indem sie ihn auf stumm stellten. So war Olaf im Mumble mit Hans, Papagua und Genossen, als auf einmal Karsten hereinkam. Das führte zur beidseitigen Frage, was der jeweils andere denn dort mache. Karsten stellte klar, er sei vom BZV vorgeladen worden, wüsste aber nicht worum es gehe. Es ging natürlich um den Vorfall des Vortages. In einem geheimen Raum, den Olaf nicht betreten konnte, fand die Verhandlung statt und Karsten der Spionage für schuldig befunden. Er als lediglich 16-jähriger sei der kleine, willenslose Spion, der als Marionette seines Meisters Olaf spioniert hätte. Das konnte Karsten natürlich nicht zugeben – entbehrt ja schließlich auch jeglicher Realität. Das zufällige Treffen von Olaf und Karsten im Mumble wurde als abgesprochener Täuschungsversuch dargestellt und Karsten kritisiert, dass er die angebliche Tatsache nicht zugebe. Es gebe schließlich Beweise. Mehrere Anwesende hätten dies wohl mitbekommen und könnten das bezeugen. Die totale Farce: der BZV weigert sich, seine Zeugen zu nennen und möchte aufgrund von erfundenen Aussagen dem Karsten nun einen Verweis erteilen. Ob die Sache damit dann gegessen ist bleibt aber fraglich – vielleicht wird hier auf Wiederholung der Aufstellungsversammlung spekuliert, um ein für die Anstifter besseres Ergebnis zu erreichen. Der ganze Vorfall soll denn auch geheim bleiben – Karsten sollte ja auf keinen Fall was sagen. Das hat er auch nicht: meine Informationen stammen aus anderer Quelle, wurden von ihm aber bestätigt. Ergänzend sei noch zu sagen, dass ihm nicht klar war, dass ein Wahlbeobachter die ganze Zeit bei der Auszählung dabei sein müsse. Muss er das? Ich glaube nicht.

Es scheint mir, dass seine Begeisterung für die Piratenpartei hier schamlos ausgenutzt wird. Für ihn – erst 16 Jahre jung ist die Situation sicher nicht einfach – es hat den Anschein, als sei er ein Undemokrat, kein richtiger Pirat, mit denen er sich doch so identifiziert.

Ihn aufgrund seines Alters als Marionette abzustempeln ist menschenverachtender Unsinn. Er – er hat einen durchdachten Blog mit sehr guten Artikeln – ist das beste Beispiel, dass ein Wahlrecht für 16.Jährige absolut tragbar wäre.

Soweit die Sachlage aus anderer Sicht – aufgrund meiner Anwesenheit bei der Aufstellungsversammlung kann ich abe noch meinen Senf dazu abgeben. Während der langen Auszählungszeit hatte ich erst was gegessen, war dann aber die meiste Zeit direkt neben Olaf, sah auch den Karsten wieder hereinkommen und hätte mit Sicherheit alles mitbekommen. Im Gegensatz zu angeblichen Zeugen, die nicht genannt werden, kann ich bezeugen, dass sich das Ganze nicht so zugetragen hat, wie von anderer Seite dargestellt. Es fand kein einziger Austausch über Wahlergebnisse statt. Was stattfand – im vorherigen Wahlgang fehlte immerhin schließlich nur eine Stimme für Olaf – war ein Austausch über andere Dinge, die auch durchaus seine Kandidatur anstreiften. Daraus abzuleiten, er hätte vom Ergebnis bereits gewusst, ist aber eine hanebüchene Annahme. Wie bereits gesagt hätte Olaf auch einfach selbst schauen können, hätte ihn es interessiert.

Gegen die Annahme, Olaf hätte bereits vor der Wahlbekanntmachung – vor der Hans übrigens diesen Verdacht anonym ebenfalls äußerte – von seinem Sieg gewusst, widersprechen auch einem anderen Fragment der Realität. Als das Wahlergebnis verkündet wurde – ich wusste schließlich, welche Stimme ihm fehlte – wurde sein Ergebnis als erstes genannt – er hatte gewonnen. Ich beobachtete die ganze Zeit sein Gesicht und man sah nur pure Anspannung, kein einziges noch so kleine Signal von Siegesfreude. Olaf hatte einfach nicht gepeilt, dass er zum Direktkandidaten des Landkreises Konstanz gewählt wurde – dies geschah erst nachdem das Ergebnis völlig verkündet und ihm – etwas halbherzig – vom Hans zum Wahlsieg gratuliert wurde.

So ein Pokerface, dass er sich nichts anmerken ließe, hat auch der Olaf nicht.

Jetzt bin ich aber erst einmal gespannt, wer denn die angeblichen Zeugen sind. Es kommen nur ein paar in Frage – aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Sicher bin ich mir jedoch in einer Sache: ich schlage eine eidesstattliche Versicherung der Glaubwürdigkeit der Aussagen vor. Wäre doch gelacht, wenn keiner drauf einginge.

Aber soweit wird es vermutlich gar nicht kommen. Letztlich ist der Vorfall an sich schlicht zu unwichtig, nur das Vorgehen absolut erschreckend.

Das einige Mitglieder des Kreisverbandes mit dem Wahlergebnis unzufrieden waren, erwähnte ich bereits am Sonntag. Es könnte sogar zu Austritten kommen. Papuga selbst, war Feuer und Flamme, als er ganz am Ende – es ist immer sehr vorteilhaft schweigend bis zum Schluss zu bleiben, da kiegt man immer das Interessanteste mit – über eine andere Unregelmäßigkeit bei der Akkreditierung erfuhr, die sich jedoch als nicht treffend herausstellte. Könnte ja alles ein möglicher Anfechtungsgrund für ein Ergebnis sein, das einem nicht in den Kram passt.

Papuga und Genossen geben sich liberal – haben sogar schon – ganz intransparent – einen Splitterstammtisch gegründet, der sich mehrfach getroffen hat,  was vielleicht bei dem ein oder anderen Piraten gewisse Empörung hervorrufen durfte. Dies erfuhr ich am Sonntag – beteiligen werde ich mich daran sicher nicht mehr.

Ich habe mich eigentlich die letzte Zeit mit der liberalen (Definitionssache) Gruppe – dem einen Lager – identifiziert – wenn das jedoch ein liberales Vorgehen ist, möchte ich nicht mehr liberal bezeichnet werden. Aber so läuft Politik – ob bei der FDP oder der Piratenpartei. Kein Wunder, dass sämtliche fähigen Leute lieber in die Wirtschaft gehen und zum Wohlstand beitragen statt ihn zu vernichten, statt ständig wie im Kindergarten „rumpimmeln“ zu müssen. Der ist auch längst nicht beschränkt auf dieses Lager auch von anderen Mitgliedern hat man schon genug fagwürdige Geschichten erlebt, die ich jetzt mal nicht weiter ausbreiten werde.

Ich habe jetzt jedenfalls erst einmal mehr als genug von Parteien für die nächsten paar Jahre.

Dazu trägt auch bei, dass Probleme nie angepackt, sondern ständig verschoben und veschwiegen werden. Es könnte ja ein schlechter Eindruck unter den vor allen nicht so aktiven Mitgliedern entstehen, auf deren Mitgliedsbeitrag man ja bei den akuten Finanznöten der Piratenpartei dringend angewiesen ist. Kann man da noch von Demokratie sprechen?

In dieser Hinsicht ist Papugas Blog wohl zuzustimmen:

 

Es ist befremdlich, ach nein, ich finde es mittlerweile lustig, wie „lupenreine Demokraten“, die ständig mit dem Grundgesetz rumfuchteln, sich auf dieses Niveau begeben, bzw. über dieses nicht herauskommen.

 

Eine Scheinheiligkeit im Demokratieverständnis der Piraten (nur im Kreisverband Konstanz?).

Fraglich bleibt hier bloss wer hier der „lupenreine Demokrat“ ist. Totalitäre Tendenzen in der an ein DDR-Revival anmutenden Piraristokratie, in der Unschuldige in Geheimverfahren beweislos abgeurteilt werden ist sicher keine Demokratie, sondern zeigt das doch sehr beliebige Welt- und Menschenbild mancher Piratenpartei-Mitglieder, was sich ja auch in so konkreten Aspekten wie dem Freiheitsbegriff niederschlägt.

Es bleibt zu wünschen, dass dies auf Konstanz begrenzt ist, was aber kaum der Fall sein wird. Eine hoffnungsvolle neue Partei könnte schneller im Establishment angekommen sein als ihr lieb ist. Ihre Grundwerte wie Transparenz hat sie bereits lange verraten.

 Kommen wir zum Ende. Wie geht es weiter? Interessiert das Ganze niemanden – oder zieht es seine Kreise? Ist die Empörung groß? Sind Whistle-Blower, wenn es um Piraten-Interna geht, doch nicht so toll?

Mir – ehrlich gesagt – gleichgültig. Die Piratenpartei als Partei ist für mich gestorben und ich geniesse jetzt erst einmal die Semesterferien.

Was zu wünschen wäre: eine Rücknahme der Vorwürfe und eine öffentliche Entschuldigung wären mehr als angebracht. Ob dies passieren wird, steht aber in den Sternen. Zu arrogant und selbstgerecht ist man, als dass man sich dazu hinablassen würde. Piratiges Verhalten halt – die lauen Piraten aus Berlin lassen grüßen. Damit ist der Bogen gespannt, der Pfeil abgefeuert und ich bereits im ICE in Mannheim. Wird er das Ziel treffen oder verfehlen?

Ich bin gespannt.

Goodbye Konstanz – ein Schlusstrich unterm 2. Semester.

Manchmal ist man so schockiert, dass einem die Worte fehlen. Dabei klang der letzte Tag in Konstanz so schön in der Strandbar mit ein paar Cocktails aus.

Totalitäre Tendenzen scheinen sich innerhalb der Piratenpartei immer weiter auszubreiten – statt Transparenz wird geschwiegen. Das sollte man sich nicht gefallen lassen. Daher könnte es morgen einige unschöne Enthüllungen geben…
Heute jedoch werde ich noch ein Schlusstrich unter dieses Semester ziehen, welches noch nicht ganz vorbei ist – Hausarbeit und Essay müssen noch geschrieben, abgegeben und benotet werden – jedoch im Sinne der Klausuren schon. 4 Stück waren es – man hielt sie für leicht, was rauskam, war nicht der Brüller. Wenn alle Klausurendurchschnitte im 3er-Bereich (EDIT: gut, nicht ganz richtig geschätzt, aber fast…) lagen und die Durchfallquote jeweils den Modus bildete, liegt der Eindruck nahe, man wolle hier Kapazitäten für das nächste Semester schaffen, in dem die PoWalter-Schar wohl leider verkleinert sein wird. Der Hauptschuldige dafür scheint schon ausgemacht: er heißt „Multiple Choice“ – oder ist es die dritte Nachkommastelle?

Ich selbst, weiß nicht, ob ich zufrieden sein soll. Alles auf Anhieb bestanden, überdurchschnittliche Noten – eine richtig gut – was will man mehr? Doch irgendwie ist man auch ernüchtert, obwohl man das ganze Semester gechillt hat.

Tatsächlich ist der Studiengang Politik- und Verwaltungswissenschaften zeitlich nicht gerade aufwändig. Es reicht aus, sich eine Woche vor und während der Klausurenphase ordentlich Stoff zu geben, um mit guter Leistung durchweg bestehen zu können, nachdem man im Vorfeld rein garnichts gemacht hat. Kommt natürlich immer auf die Ansprüche an, die man an sich selbst hat. Bei mir wäre das, einen vernünftigen Masterplatz zu bekommen – da bin ich weiterhin auf dem besten Wege. Wenn man bedenkt, dass das Grundstudium, sprich die ersten 3 Semester nur 30%, das 4. Semester garnicht und das 5./6. Semester gar 70% der Endnote ausmacht, ist es momentan eigentlich lächerlich über seine Noten einen großen Kopf zu machen. Da reicht es völlig aus, wenn das Mathezeugs wie Statistik knapp bestanden ist, da man ohnehin nicht viel verstanden hat und von dieser Zahlenverdreherei auch nicht unbedingt viel verstehen will (ohne hier jemanden zu nahe treten zu wollen…). Es hat jedenfalls seine Existenzberechtigung und ist sicher in vielen Fällen hilfreich, was man vom Fach Politikwissenschaft im allgemeinen ja nicht unbedingt sagen kann…

Notenphilosophische Überlegungen mal außen vor gelassen kann ich trotzdem sagen, dass ich mit meinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften überwiegend sehr zufrieden sind – mit dem Ort ohnehin. Lediglich der Fachbereich ist arg quantitativ und politische Theorie bzw. Philosophie sehr stiefmütterlich behandelt. Ärgerlich, wenn die zwei besten Noten aus diesem Bereich kommen und der einen ohnehin am meisten interessiert. In diesem Sinne wäre es vielleicht tatsächlich besser gewesen, Politik und Geschichte oder Philosophie oder ähnliche Kombinationen zu studieren. Aber in meiner letztjährigen eher pragmatischen Studienentscheidung lockten noch die Träume über die Bürokratiebunker Brüssels, denen ich mittlerweile nicht mehr viel abgewinnen kann – auch wenn ich das Streben vieler Kommilitonnen danach bestens nachvollziehen kann: http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-beamte-muessen-auch-in-der-schuldenkrise-nicht-sparen-a-847459.html

Politische Theorie ist brotlose Kunst – aber das mag auch nur ein aktueller Gedankensprung sein. Noch studiere ich ja ein paar Jährchen und insbesondere die Ökonomie gewinnt zunehmend an Reiz.

Konstanz jedenfalls ist eine atemberaubende Stadt, die dieses Jahr leider nicht den Sommer hatte, wie ich ihn mir vorgestellt habe. So blieb das Baden im Bodensee auf ein paar wenige Male beschränkt.

Nichtsdestotrotz kann man hier gut sein Studium verbringen – natürlich sehr subjektiv alles – aber mir ist eine gute Auswahl an Eissorten wichtiger als eine gute Auswahl an Tanztempeln. Letztere sind hier in Konstanz nämlich nicht sonderlich pralle…

Auch wenn das Semester wie erwähnt noch nicht ganz abgeschlossen ist, freue ich mich jetzt trotzdem auf 2 Monate Auszeit von Konstanz, in der ich nicht viel Zeit zur Muße haben werde. Hausarbeiten und Essays müssen geschrieben werden, Bewerbungen für Praxissemester auf den Weg gebracht werden, Literatur muss gelesen werden und Pläne müssen geschmiedet werden. Nebenbei winkt die bald endlich beginnende Woche der Freiheit, der Spanisch-Kurs in Granada und eine Reise nach New York. Geburtstag habe ich auch noch! Das werden wahrhaft spannende Zeiten!

In diesem Sinne Goodbye Konstanz – morgen (heute in 7 Stunden) fahre ich mit dem bisher schnellsten Zug, den ich gefunden habe (nur 7 1/2 Stunden),  nach Herford ich bin erst im Oktober wieder hier im Ländle!

Woche der Freiheit

Ich habe noch einmal gebadet und am Hörnle gechillt, der Zug nach Herford ist gebucht, die Hausarbeit nichtmal ansatzweise fertig, die Einreiseerlaubnis für die USA steht und ich freue mich nun sehr auf die „Woche der Freiheit“, über die ich jetzt berichten werde.

„Die Woche der Freiheit“ ist eine Sommerakademie für Ökonomie, Politik und Philosophie, die von der Friedrich-von-Hayek-Gesellschaft gesponsort wird. So fallen dank großzügiger Stipendien die Kosten für die hoffnungsvollen Teilnehmer auch gering aus, die ganz dekadent (im Vergleich zu sonstigen Jugendherbergen) in einem 3-Sterne Hotel am Netzener See inmitten der Mark Brandenburg unweit den Toren Berlins  untergebracht sind: http://www.seehof-netzen.de/

Der nahe gelegene Ort Lehnin (welch Ironie wenn das „h“  nicht wäre) beherbergt ein Kloster, das wir besichtigen werden, welches laut dem Länge des  Wikipedia-Artikels nach sehr bedeutend ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Lehnin

Auch sonst ist für genügend Programm gesorgt: es gibt Vorlesungen namhafter Dozenten, Debattentraining, ein Planspiel zur Euro-Krise, der Besuch des Bundestages und womöglich auch eines Abgeordneten, Besuch des liberalen Instituts in Potsdam, eine Bootsfahrt, genügend Freizeit und noch viel mehr. Wie es dann tatsächlich war werde ich berichten – weitere Infos gibt es hier: http://wochederfreiheit.org/?page_id=7
Vor allem die Vorlesungen sind sehr interessant – werden viele der behandelten Autoren doch an deutschen Universitäten sträflich vernachlässigt – auch wenn der ein oder andere dieses Semester bei mir drankam – Hayek, Buchanan, Popper und Schumpeter nämlich. Eine Auffrischung und ein anderer Blick – da auch ganz andere Thematik – schadet aber sicher nicht. Gerade wirtschaftliches Wissen – was ich mir bisher autodidaktisch aneignen musste – wird dort in allen Facetten näher gebracht, ehe ich im nächsten Semester VWL belegen muss und da vermutlich was ganz anderes lerne. Ich freue mich jedenfalls auf Eucken, Ricardo und Bastitat neben einigen anderen.

Ganz lustig ist es übrigens, mal zu schauen, unter welche bösen Lobbyisten ich dort gerate. Ausgehend von folgendem Link einfach mal durchklicken – viele der Dozenten haben da ihren eigenen Artikel: http://lobbypedia.de/index.php/Friedrich_August_von_Hayek_Stiftung#Friedrich_August_von_Hayek_Gesellschaft_e.V.

Die NGO Lobbyisten hinter dieser eigentlich unterstützenswerten Lobbypedia heißen LobbyControl (überwachen sich aber bestimmt nicht selbst) und möchten sich „aktiv für Transparenz und Demokratie“ einsetzen. Eine gute Sache? Nur wenn sie gut gemacht ist.

LobbyControl (http://www.lobbycontrol.de/blog/) scheinen sich nämlich ausschließlich den aus ihren Weltbild heraus verhassten Kapitalismus anzunehmen (ein Blick aufs Team ist selbsterklärend: http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/initiative/der-lobbycontrol-vorstand/), während die ganzen linken und grünen Machenschaften völlig ausgeblendet werden. Wahre Unabhängigkeit sieht anders aus!

Lobbies der Klimaindustrie wie WWF oder Greenpeace werden in der Lobbypedia nämlich gar nicht aufgeführt, ebenso kaum Gewerkschaften (und wenn dann ohne jegliche Info) oder ähnliche Akteure. Ein Schelm, wer dabei böses denkt – vielleicht Zeit mal eine entsprechende unbhängige Informationsplattform aufzuziehen…

Zu einer Demokratie gehört auch ein Pluralismus an Interessenartikulation. Deshalb ist Lobbyismus per se nicht schlecht. Schlecht ist er, wenn er nicht nachvollziehbar ist. In dieser Hinsicht gebührt LobbyControl Dank, sich diesem Thema angenommen zu haben. Aber wohl nur, um das eigene Weltbild zu pushen mit  nur mit dem hintergründigen Gedanken an Aufklärung.

Dabei wird auch durchaus gewertet, und Sachzusammenhänge  sehr undifferenziert darstellt. Alles böse Kapitalisten, die die Banken retten wollen – was einfach nicht wahr ist! Neoliberalismus wird als Kampfbegriff genutzt, statt unabhängig über ihn zu informieren. Neoliberalismus = Sozialdawinismus!  Der wahre Neoliberale nämlich hätte die Banken reihenweise Pleite gehen lassen statt sie zu retten. Wir wollen das nicht auf die Spitze treiben – ein kritischer Blick auf solche Informationen sollte aber angestrebt werden.

Aber ich wollte ja eigentlich über die „Woche der Freiheit“ schreiben. Darüber habe ich jetzt auch eigentlich genug informiert und werde es in 10 Tagen wieder tun. Ich freue mich schon sehr, dass es bald endlich los geht…