Bundestagskandidatur Piratenpartei: Thomas Buck

Nach einem edlen Tropfen Wein beim trotz Sommergewitter sehr gut besuchten Konstanzer Weinfest werde ich nun noch den Kandidaten der Piratenpartei zur Bundestagswahl 2013 Nr.3 – nämlich Thomas Buck – vorstellen.

Morgen geht es auch noch mal weiter: Sylvia Großmann hat die Initiative ergriffen, wie sie meinte „Morgenluft geschnuppert gewittert“, und mir die Antworten auf meine Fragen kurzerhand geschickt. Das lob ich mir – das gibt Pluspunkte…

Nun zu Thomas Buck:  der 40-Jährige  ist Diplomphysiker und arbeitet als Projektleiter in einem Solarforschungsinstitut in Konstanz. Weitere Informationen findet man hier: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:ThomBuckTu

Er ist zeitgleich mit zwei anderen „piratenaffinen Nicht-Piraten“ , die ich sehr schätze, Mitglied geworden – auch wenn ich das in der damaligen Situation nicht verstanden habe und auch immer noch nicht tue. Trotz seines kurzen Piraten-Daseins wirkte er bereits engagiert im Wahlkampfteam des Oberbürgermeisterkandidaten Benno Buchczyk mit und zeigt auch sonst Präsenz. Seine Überzeugungsversuche mich bei der Piratenpartei zu halten darf man aber wohl als gescheitert betrachten. Das Argument „sich einzubringen, um etwas zu verändern“ zieht bei mir nicht, da man als Einzelperson gerade in einer schwarmintelligenzfetischistischen Partei gewissen Dogmen hilflos ausgeliefert ist. Zwar haben Teilgliederungen der Piratenpartei durchaus die Zeichen der Zeit erkannt und sinnvolle wirtschaftspolitische Forderungen aufgestellt (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/klarmachen-zum-positionieren-die-piraten-versuchen-es-mit-der-wirtschaft/6918482.html), die man jedoch – solange an sowas wie dem BGE festgehalten wird – nicht allzu ernst nehmen sollte – zumal fraglich ist, ob sie auf Bundesebene eine Mehrheit finden. Der bayrische Landesverband zieht mittlerweile aber anscheinend dem Bedingungslosen Grundeinkommen eine Negative Einkommenssteuer vor (http://wiki.piratenpartei.de/BY:Landeswahlprogramm/P66). Kein optimaler Vorschlag, da das gleiche Grundproblem,  aber doch deutlich besser als ein BGE – insbesondere in Verbindung mit einem vernünftigen Steuersystem.

In einem hat Thomas Buck allerdings Recht: noch habe ich nicht ganz mit der Piratenpartei gebrochen. Schon allein aus Fast-Alternativlosigkeit –  um Angies Lieblingsworte zu bemühen.

 

Nun zu seinen Antworten:

 

1. In der Piratenpartei brennt seit längerem eine Debatte um Diskriminierung von Frauen.

Wie stehst Du dazu und welchen der folgenden Ausdrücke würdest Du
verwenden: der Pirat, Piratinnen und Piraten, Pirat/innen, PiratInnen,
das Pirat, Eichhörnchen, was anderes (bitte spezifizieren).
Ich bin der Ansicht, dass bei Bezeichnungen nicht zwingend die weibliche Form verwendet werden muss, um alle Personen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen und einzubeziehen.
So halte ich beispielsweise bei Berufsbezeichnungen den Satz: : „xy (weiblich) ist Schlosser“ für nicht ehrenrührig, weil ich die männliche Form für den gewachsenen und tradierten Oberbegriff bzw. die Bezeichnung des Berufes an sich halte. Dieser hat für meine Begriffe aber keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich nötig.
Wer diese Argumentation für nicht stichhaltig hält, dem schlage ich vor, dass zukünftig die geraden Jahre männliche und die ungeraden weibliche werden (oder anders herum), in denen dann jeweils die eine oder andere Form gebraucht wird (:-))
Dass die Debatte aus meiner Sicht haarscharf am Thema vorbei geht, möchte ich durch zwei Beispiele belegen: Weshalb wird keine Diskussion darüber geführt, dass  manche Worte (im Deutschen) männlich oder weiblich sind? Das wäre doch die konsequente Fortsetzung, oder ?
Letzlich wollen wir alle als wirklich gleichberechtigte Menschen  von unserer Umwelt wahrgenommen werden. Und da geht es nicht nur um männlich/weiblich sondern auch um Dinge wie religiös/atheistisch, homo/heterosexuell, Einheimischer/Ausländer etc. Wie soll man dem Rechnung tragen?  Was ich damit sagen möchte: Diskriminierung ist vielschichtiger.
Insofern halte ich persönlich die erste Variante für die beste. Als zweitbeste Lösung sehe ich dann tatsächlich DAS Pirat, weil dann weder Mann noch Frau das Gefühl hat, der Begriff wird durch eines der Geschlechter vereinnahmt.
Gefällt mir.  Dazu fällt mir noch ein Zitat des konservativen Focus-Chef vom Dienst Michael Klonovsky ein:  „“Sollten wir jemals auf Außerirdische stoßen, dürfte eine der ersten Reaktionen der Grünen darin bestehen, den Begriff “Menschheit” für latent rassistisch (bzw. speziesistisch) zu erklären“.

 

2. Ordne die Parteien nach ihrer Wählbarkeit für Dich: 
Piratenpartei,
Linkspartei, CDU/CSU, Grüne, FDP, SPD, Die Violetten, REP, Partei der
Vernunft, DIE PARTEI
Piratenpartei, Grüne,  SPD, CDU/CSU, DIE PARTEI, Linkspartei, Partei der
Vernunft,  FDP,

Anmerkung: von den Violetten höre ich heute zum ersten mal, deshalb habe ich sie raus gelassen (ich weiss nicht, wofür sie stehen und bin ihnen auch sonst in den Medien noch nie begegnet. . Dasselbe Schicksal ereilte die REP aus einem anderen Grund: ich halte sie ganz allgemein für unwählbar.

Er kennt nicht die Violetten – die Partei für mehr Spiritualität? Bildungslücke! http://die-violetten.de/
Wie man sieht und wie schonmal angemerkt, scheint er nicht zuletzt berufstechnisch aus der grünen Ecke zu kommen. Er möge mir also mein obiges Zitat verzeihen.
Das er die FDP nicht ausstehen kann war mir bereits bewusst. Kann ich mittlerweile auch nicht mehr sonderlich, aber doch noch mehr als der Rest. Dann doch eher die Partei der Vernunft – da steckt noch etwas mehr Liberalität drinne – über die ich beizeiten mal einen eigenen Artikel verfassen werde: http://www.parteidervernunft.de/

 

3. Wähle aus, was dir wichtiger ist:
Basis oder Vorstand,
Liquid Feedback oder Volksabstimmung,
Schlömer oder Nerz,
Staat oder Markt,
Marx oder Hayek,
Klinikfusion oder -privatisierung,
Konstanz oder Bundestag,
Datenschutz oder Transparenz
Die Frage halte ich für verkürzt gestellt, weil sich die Paare oft gegenseitig bedingen und deshalb von mir nicht als Gegensatzpaare wahrgenommen werden. Deshalb würde ich bei vielem von einem partiellen „sowohl als auch“ reden.
Da ich sehr viel von Balance halte, entscheide ich mich jetzt also dort, wo ich das für möglich halte, für das momentan vermeintlich unterrepräsentierte Element:
Basis vor Vorstand, Liquid Feedback vor Volksabstimmung*, Schlömer und Nerz, Staat vor Markt, Marx und Hayek, Klinikfusion vor Privatisierung, Konstanz vor Bundestag, Transparenz und Datenschutz (ja, das geht!)
*LQFB ist ein Tool das eine Volksabstimmung vereinfachen kann. Ein Tool über den Zweck zu stellen hinkt natürlich ein wenig.
 Ich denke, dass Volksabstimmungen durch LQFB sehr viel einfacher durchzuführen wären und somit auch besser angewandt werden könnten. Dafür muss es auf breiter Front beworben werden und die Software noch verbessert und benutzerfreundlicher gemacht werden.
Das muss sie wohl. Zum Kompromiß habe ich ja bereits alles im letzten Artikel gesagt. Man sieht aber auch hier eine eindeutige Richtung – gleich wie bei den beiden anderen Kandidaten…
4. Auch wenn bei den Piraten angeblich die Basis entscheidet ( Suggestiv-Frage, oder?), so hast Du
sicher eine persönliche Meinung zu folgenden politischen Fragen (eine
kurze Begründung wäre nett):
Nein,  das war nicht als Suggestivfrage gedacht.
– Sollte man das Meldewesen abschaffen?
Nein, weil es sinnvoll und notwendig ist, um ein funktionierendes Staatswesen zu organisieren (zumindest kenne ich keine andere Möglichkeit, um beispielsweise Wahlen vermünftig zu organisieren. Länder ohne Meldepflicht, wie etwa die USA haben eine de facto Führerschein-Meldepflicht. Ich lasse mich aber sehr gern auf Diskussionen zu dem Thema ein und bin auf die Gegenargumente neugierig.
Was gehört zu einem funktionierenden Staatswesen?

 

– Sollte man politische Mandate zeitlich beschränken (nicht mehr als 4
Jahre pro Person z.B.) ?
Ich bin generell gegen Verbote, wenn sie nicht zwingend notwendig sind, insofern nein.
In dem Dreieck Basis, Delegierte, Verwaltung herrscht derzeit ein enormes Ungleichgewicht, was die eingesetzten Resourcen angeht. In Konstanz steht beispielsweise einem Verwaltungsappart von ca. 1500 Personen eine Führung von 3 Bürgermeistern und 40 ehrenamtlichen Stadträten gegenüber. Wenn man von einer teilweisen Verselbständigung des Verwaltungsapparts ausgeht (das tue ich), wird man dem mit sich ständig wechselnden „Laien“ bzw. Neulingen  wohl nur schwer effektiv begegnen können. Allerdings neigen nach meiner Beobachtung Langzeit-Delegierte dazu, sich selbst als Teil der Verwaltung wahrzunehmen. Das Geschäftsmodell, auf Erwerbs-Lebenszeit Bürgervertreter zu sein, halte ich auch deshalb für sehr problematisch, weil sich dadurch die eigenen, persönlichen Ziele (Macht+Positionserhalt) vor die eigentlichen Aufgaben (Vertreten der Basis und deren Interessen) schieben können. Das ist leider nur allzu menschlich…Ich persönlich habe kein Interesse, Berufspolitiker auf Lebenszeit zu sein. Auch allein schon deshalb, weil ich noch viele andere Interessen habe, denen ich mich in meinem Leben widmen möchte.
Na, da nehm ich ihn im Fall des Falles mal beim Wort.
– Ist die Ruhe des Verfassungsgerichtes in der derzeitig angespannten
Lage zu kritisieren?
Nein. Denn es ist ein Gericht. Viel eher ist die Tendenz des Parlaments zu kritisieren, immer mehr kritische Fragen an die Judikative zu „delegieren“. Schliesslich entscheiden Gerichte ja nur auf Basis von Gesetzen, die das Parlament irgendwann einmal beschlossen hat. Da wird das Parlament meiner Meinung nach oft seiner Verantwortung nicht gerecht.
Ja. Durchaus. Wenn die Mitglieder des Parlaments aber nichtmal wissen, worüber sie eigentlich abstimmen, bin ich froh, dass das Verfassungsgericht die Sache etwas entschleunigt und sich drüber Gedanken macht…
– Ist das Glasverbot in Konstanz gerechtfertigt?
Nein, zumindest nicht, wenn es als Dauerlösung vorgesehen ist. Meiner Meinung nach ist das bereits im 2. Jahr ein hilfloser Versuch, einen offensichtlich bestehenden Missstand durch Bekämpfung der Symptome zu beheben. Allerdings um den Preis einer Gängelung und Bestrafung der grossen, verantwortungsvoll handelnden Mehrheit. Das Verbot ist insofern auch dürftig weil es überhaupt nicht mit vertretbarem Einsatz von Ressourcen konsequent durchgesetzt und überwacht werden kann.
Zuletzt halte ich die Regelung für unsozial, denn in der Regel sind es eher nicht die reichen oder wohlhabenden Bewohner, die anstatt im Biergarten im öffentlichen Raum mit selbst beschafften Getränken  eine gute Zeit haben wollen.
Es ist aber auch klar: Menschen, die diese gewährten Freiheiten im öffentlchen Raum ausnutzen und missbrauchen oder verantwortungslos damit umgehen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Meine Worte. Passt ja garnicht so zum Hedonismus der Piratenpartei.
– Ist das Bedingungslose Grundeinkommen utopisch?
Nein. Es ist sogar ein sehr spannendes Thema. Dass man sich aber allein schon durch die Debatte  mit unerbitterlicher Kritik und teils hochemotionalen Widerstand rechnen muss, ist für mich auch klar.
Die Bundesargentur für Arbeit hat beispielsweise 120000 (oft verbeamtete) Mitarbeiter, die bei einer möglichen Umsetzung dieser Idee zum überwiegenden Teil wohl nicht mehr für ihre bislang ausgeführten Tätigkeiten gebraucht würden.
Wenn man sieht, was für ein Politikum die 40000 Arbeitsplätze von Opel waren, so lässt sich erahnen, wie schwer eine konsequente Straffung  unserer „Umverteilungs-Industrie“ wohl werden könnte. Ich halte das Einspar-Potential durch diese Form eines vereinfachten Bürgergelds jedenfalls für riesig. Ob dadurch allerdings eine Nivellierung nach oben stattfindet und dadurch beispielsweise die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Deutschland so ansteigen, dass das Grundeinkommen wieder nicht zum Leben reicht, kann ich momentan noch nicht abschätzen. Dazu müsste ich zu dem Thema noch mehr diskutieren und mich intensiver informieren.
Er spricht eines der Pro-Argumente für das BGE an, das natürlich seinen Reiz hat. Aber natürlich ist das längst nicht alles – positiv wie negativ. Das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ist tatsächlich hochspannend – ich glaube, ich werde mich demnächst mal in einem Artikel hiermit beschäftigen.
5. Ziehst Du in Erwägung, auch für einen Platz auf der Landesliste der
Piratenpartei zu kandidieren?
Ja.  Alles andere wäre meiner Meinung nach ein Signal für eine lokale Statthalter- und Alibi-Kandidatur. Da man als nicht etablierte Partei sehr darum werben muss, um auf die relevanten Veranstaltungen auch eingeladen zu werden und so die Möglichkeit zu bekommen, seine Meinungen und Positionen „unters Volk“ zu bringen, wäre alles andere beinahe  Zeitverschwendung…Zu denken, man könnte als Pirat das Direktmandat im Wahlkreis Konstanz zu holen, halte ich für sehr ambitioniert. Aber Zweitstimmen kann man sehr wohl auch als Person in Form eines Direktkandidaten effektiv einwerben und  so zum Erfolg und zur Repräsentation unserer Ideen auch auf Bundesebene beitragen.
Jein. Aber immerhin eine klare Aussage. Thomas Buck ist meiner Einschätzung auch auf jeden Fall ein Kandidat, den man ernst nehmen kann.
6. Angenommen, du wärst Diktator : was würdest Du tun, um Deutschland in
deinem Sinne positiv zu verändern?

die Demokratie einführen und dem Bürger ein lebenslanges Recht auf politische Bildung einräumen, um den weit verbreiteten, politischen Analphabetismus den Kampf anzusagen.

 

Politischer Analphabetismus? Da sollte man tatsächlich etwas tun – solange es denn bitte neutral ist. Politische Bildung gibts allerdings schon überall massenweise – man muss sie nur wahrnehmen und sich vor allem seine eigene Meinung bei all den Umerziehungsprogrammen bilden.

 

7. Dein Lieblingsbuch. Dein intellektuelles Vorbild. Deine
Lieblingsmusik ODER -film. Dein favorisiertes Politikfeld.
Zwei Lieblingsbücher: „Anleitung zum Unglücklichsein“ (Paul Watzlawick)
„Kopf schlägt Kapital“ (Günter Faltin)
intellektuelles Vorbild: kill your idols, also keines bzw. punktuell viele
Musikalisch bin ich wohl eher Allrounder, deshalb mein Lieblingsfilm:
„Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ von Woody Allen
Politikfeld:
sozial kompatible Wirtschaftspolitik mit einem weiteren Schwerpunkt bei Energie- und Umweltpolitik
Er antwortet wenigstens auf meine Fragen. Pluspunkt, auch wenn mir das meiste nichts sagt. Sein Politikfeld hat sich ja bereits herauskristallisiert – so wie er es sagt, hätte ich ihn auch eingeschätzt.
Damit bin ich dann auch am Ende angekommen. Thomas Buck – ein Kandidat, der sich bei einem Parteiflügel gute Chancen ausrechnen darf und deshalb gute Chancen hat, am Sonntag die Aufstellungsversammlung der Piratenpartei Konstanz als Direktkandidat zur Bundestagswahl 2013 zu verlassen.

 

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2 Kommentare

  1. Mit deiner politischen Einstellung willst du noch keine neue Heimat gefunden haben? Es wird Zeit, dass du mal Leute von der Partei der Vernunft vor Ort kennenlernst. Ich kann dir gern Ansprechpartner nennen. Melde dich einfach! Gruß Marcus

    Antwort
  1. Bundestagskandidatur Piratenpartei: Thomas Buck « ein Blog über ... | Piraten | Scoop.it

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