Der WWF & Drückerkolonnen

Die Bib hält mich immer noch gefangen, das Bestehen trotz Nicht-Verstehen von Statistik scheint näher zu rücken.

Was ich so spät nachts hier noch mache? Nun, mein Tag fing nicht gerade früh an und führte mich gegen 15 Uhr in die Konstanzer Innenstadt, die trotz Regenwetter von Passanten überflutet war. Schweizern und so natürlich hauptsächlich. Eigentlich wollte ich ja nur was essen, landete aber dann um mich vom Lernen abzuhalten im Kino, wo ich den Film „Hasta la Vista“ schaute – eine bewegende Komödie über 3 behinderte Jungs,die endlich mal allein verreisen wollen und dabei ihr Endziel – ein Bordell für ihresgleichen  im spanischen Punta del Mar haben. Darauf möchte ich aber nicht weiter eingehen – der Film ist aber sehenswert!

In Konstanzs Innenstadt waren neben all den Passanten nämlich nicht nur Straßenmusiker unterwegs (deren Didgeridoo-Klänge auch noch durchaus was an sich hatten), sondern auch Spendenjäger (neudeutsch: Fundraiser) vom WWF (WorldWildlifeFund) – einer Tierschutzorganisation, die allgemein bekannt sein dürfte.

Genau der gleiche Stand stand auch in Konstanz, als ich vor knapp 11 Monaten hier auf Wohnungssuche war. Dort wurde ich angequatscht, zugelabert und habe in Folge – so naiv ich im Bezug auf den WWF war – meine Mitgliedschaft unterschrieben.

Heute wurde von einer wirklich aufdringlichen Dame meines Alters belästigt, die wohl noch mehr Geld abzweigen wollte. Nachdem sie ihren Mund garnicht mehr zubekam, was ich mit sichtlichen Amusement über mich ergehen liess, wies ich sie darauf hin, dass ich bereits schon für die Mitgliedschaft unterschrieben hatte und ging meines Weges – froh ihr entkommen zu sein.

Was ich nicht erwähnte: ich bin kurz nach meiner Mitgliedschaft ein Jahr zuvor schon wieder aus dem WWF ausgetreten. Denn obwohl mir Tierschutz durchaus am Herzen liegt (früher wollte ich ja immer Zoologe werden), fragt sich, ob der WWF dafür die geeignete Organisation ist.

Schon die agressive Fundraising-Kampagne, die zwar nicht direkt vom WWF stammt, jedoch von ihr im Auftrag gegeben ist,  missfällt mir, da sie nur mit einiger Widerstandskraft abzuwehren ist. Was ist schon eine Spende von 6€ im Monat ? Und es nützt ja so vielen Tieren…

Geködert mit Give-Aways, den Versprechen von Magazinen (die nie kamen – dafür kommen trotz Kündigung immer noch seitenweise Infobriefe) und durch junge Leute, denen man ihr Engagement ja nicht verhageln möchte, ist man schnell dabei, Mitglied zu werden. Da lässt man sich selbst überzeugen, wenn auf 1-2 kritische Nachfragen das mangelnde Wissen der Fundraiser, über die Organisation, die sie vertreten, deutlich wird.

Die Initiative, die ihre SpendenjägerInnen für NGOS wie den WWF, aber auch SOS-Kinderdörfer oder amnesty internationaleinsetzen, heisst talk2move und schickt junge Menschen auf Fundraising-Tour, die dabei noch etwas verdienen und sicher ihren Spaß haben werden: http://www.talk2move.de/

Nichts für mich – aber deshalb nicht unbedingt schlecht, auch wenn es mir manchmal eher wie eine profitorientierte Drückerkolonne anmutet, die nicht unbedingt den NGOs hilft, sondern vielmehr sich selbst.

Zwei Artikel erzählen einige interessante Sachen hinsichtlich dieses Themas:
http://saschap.wordpress.com/2008/06/30/talk2move-meine-erfahrungen/ (schon 4 Jahre alt)

http://derstandard.at/1240550141062/Im-Herzen-muss-man-den-Aktivisten-drin-haben?seite=5

 

Aber eigentlich wollte ich ja was über den WWF schreiben. Der hat laut SPIEGEL Online heute dem spanischen König  Juan Carlos nach 44 Jahren den Titel als Ehrenpräsident aberkannt, weil dieser mal wieder auf Elefanten-Jagd war – eine prinzipiell richtige Entscheidung.

Bloß war dies längst nicht seine erste – da hätte schon viel früher etwas passieren können und auch müssen.

Der WWF – dessen Panda-Logo breit bekannt ist – setzt sich aber nicht nur für Tierschutz ein, sondern ist auch ein gewichtiger Player im Agro-Business, der mit Konzernen wie Monsanto an Runden Tischen sitzt. Auch das aus der Webung sicher bekannte verbrauchertäuschende „Krombacher rettet den Regenwald“-Programm ist sicher vielen bekannt.  Die vielen anderen Kritikpunkte kann man bei dieser seriösen Quelle gebündelt nachlesen und davon asugehend bei Bedarf weiterrecherchieren ;): http://de.wikipedia.org/wiki/WWF#Kritik

Der WWF bestreitet das meiste natürlich: http://www.wwf.de/wwfinformiert/

Kann jedem nur raten, sich mal damit auseinanderzusetzen und für sich zu entscheiden, wem man eher Glauben schenkt. Ich habe meine jedenfalls getroffen. Und wenn es dann drauf ankommt ist man vielleicht weniger geneigt, sein Geld einer zweifelhaften Organisation zu geben und sich lieber ein Eis zu gönnen 😉

 

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