Studentische Leerversammlung

Heute tagte mal wieder eine studentische VollLeerversammlung an der Universität Konstanz, die ich nun erstmals besuchen konnte – im Raum R711, der 3 Stunden zuvor während meiner Klausur deutlich besser gefüllt war.

Dem Namen nach eine „Vollversammlung“ war sie nämlich keineswegs voll, sondern ziemlich leer, sie  präsentierte lediglich knapp 50 von über 10000 Studierenden – eine armselige Quote. Selbst die Beschlussfähigkeit dieses Organs – mit 99 Anwesenden lächerlich gering – wurde nicht erreicht. Wie man da von irgendeiner Legitimation sprechen kann bleibt mir schleierhaft.

Viel hatte die Leerversammlung dann auch nicht zu bieten: die ins Studierendenparlament gewählten Vertreter – hauptsächlich, wie ein „undogmatischer Linker“ anmerkte, „PoWalter-Brut“ –  stellten sich kurz vor, wobei die meisten, bis auf die der LHG, mit Abwesenheit glänzten, was natürlich durch vielfältige andere Verpflichtungen und der Klausurenphase erklärbar ist. Das Studierendenparlament wird sich im übrigen morgen Abend um 19.30 Uhr im Raum D522 konstituieren – ein wenig Öffentlichkeit wäre vielleicht gar nicht so schlecht (ich bin nicht da).

Während es bei anderen „“Vollversammlungen“, wie ich hörte, schon hoch her ging, blieb diese weitgehend friedlich. Vertreter des AK Wohnen, des AK Studi-Ticket und des AK Verfasste Studierendenschaft stellten ihre Arbeit vor, über die dann noch kurz diskutiert wurde.

Insbesondere die Diskussion um das erweiterte Studi-Ticket, wo es ein wenig Contra gab,  wurde von linken VertreterInnen mittels eines Antrages abgewürgt, da dies ja ohnehin schon beschlossen wurde. Nicht sehr demokratisch – die Tyrannei der Mehrheit (sprich vtl. 40 Studierende) stimmten für den Antrag auf Schließung der Debatte.

Viel neues hat man gleichwohl nicht erfahren: beim Kauf es erweiterten Studi-Tickets muss man wohl angeblich ein Formular mit sensiblen Daten ausfüllen, das Rückschlüsse auf die Effektivität des Semestertickets zulassen soll. Datenschutzrechtlich könnte man hier durchaus Bedenken anmelden, gleichwohl beteuert wurde, dass es anonym sei und nicht rückverfolgt werden könne.

Das erweiterte Studi-Ticket – bekanntlich durch alle Studenten zwangssubventioniert – kommt laut Schätzung des AK Studi-Ticket auf gerade einmal 800 potenzielle Nutzer – sprich außerhalb Konstanz Wohnende, die aus Daten der Universität rekonstruiert wurden. Da fallen schätzungsweise aber noch einige raus, die widerrechtlich nicht in Konstanz gemeldet sind, hier aber wohnen sowie die, die mit dem Auto zur Universität pendeln. Ob dies nun tatsächlich so solidarisch ist, Studenten von außerhalb, die zweifellos geringere Mieten als in Konstanz zahlen (und als gern genommenes Gegenargument in ihrer Freizeitgestaltung total benachteiligt sind) , nun ihr Studi-Ticket weitgehend zu zahlen, möge jeder für sich selbst entscheiden. Die VBB (Verkehrsbetriebe Bodensee) werden sich über die Subventionen freuen, auch wenn der derzeitige, von einer konservativen Schätzung der Nutzerzahl ausgehende Vertrag als Erfolg für die Verhandlungen der Studenten gefeiert wurde – was sich bei näherer Betrachtung als Illusion erweisen könnte. Die Argumentation nämlich, dass eine höherere Zahl von Nutzern des erweiterten Studi-Tickets die Kosten für dieses Ticket erhöht, scheint mir nur auf dem ersten Blick plausibel, nämlich in der Form, dass die Kapazitätsauslastung der Busse und Bahnen dann zunimmt. Allerdings hat der typische Student nicht unbedingt ein Stoßzeit-Pendel-Verhalten, wegen dem zusätzliche Busse und Bahnen eingesetzt werden müssen, sondern pendelt vor allem zu Zeiten, in denen die Kapazitätsauslastung ohehin gering ist. Es entstehen der VBB also keine zusätzlichen Kosten, sie werden ganz im Gegenteil noch für Leistungen subventioniert, die sie gar nicht erbringen.

Nicht so spannend waren dann da die Berichte des AK Wohnens, der aber sicher gute Arbeit leistet und den Studierenden der studentischen Wohnheime (also auch mir) bei ihrem „Kampf gegen seezeit“ beisteht. Gleichwohl ich viele Klagen als selbst Betroffener übertrieben finde, gehen manche Sachen wie unbefugtes Eindringen in die Wohnungen durch die  Hausmeister mal gar nicht. Mit der derzeitigen Wahl von Wohnheimsprechern und – man merkt deutlich wie das Studentenwerk plötzlich spurt – bereits verbesserter Kommunikation werden die Probleme bald hoffentlich geringer – und das Internet schneller 😉

Letztlich wurde noch aufgerufen, sich im AK Verfasste Studierendenschaft zu beteiligen, um einen breiten Konsens zu finden. Für Zwangsbeiträge gibt es allerdings sicher keinen Konsens: aber ich schätze, sie werden ohnehin kommen. Nichtsdestotrotz werde ich das Ganze mal näher beobachten, denn grundsätzlich ist die Verfasste Studierendenschaft keine schlechte Sache – es kommt ganz auf die Ausgestaltung an, die in diesem Arbeitskreis dann diskutiert wird und letztlich in einer studentischen Urwahl abgestimmt werden wird.

Damit endete die Leerversammlung dann auch quasi schon. War eigentlich mal ganz interessant, daran teilgenommen zu haben. Jetzt bleibt noch zu hoffen, dass die Studierendenvertretung ihre Arbeit besser kommuniziert und ich das nicht übernehmen muss – ihre Homepage ist – seit über eine Woche schon – immer noch nicht erreichbar, und selbst wenn würde man wohl kaum erfahren, worum es eigentlich ging.

Wie dem auch sei: die nächste Leerversammlung kommt bestimmt. Trotzdem sei denen großer Dank geschuldet, die sich für die Belange der Studierenden einsetzen – jedem Recht machen kann man es schließlich eh nicht!

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