StuPa-Wahlen: die Grüne Hochschulgruppe

Heute ist die GHG  – die Grüne Hochschulgruppe dran, die bei den Wahlen zum Studentenparlament StudentInnen-Parlament am Dienstag/Mittwoch ihre bisherigen 8 Sitze zu verteidigen oder gar auszubauen versucht. Bei 28 KandidatInnen – mehr als überhaupt ins StuPa reinpassen – ist die Personalreserve gegeben.

Die sieht man auch beim professionell betriebenen Wahlkampf, der sich an PlakatInnen, die wohl nicht öko sind, vielen Flyern und einigen Info-Ständen zeigt, wo sogar Soja-Waffeln verkauft werden. Letztere schmeckten nach meiner Aussage interessant (echt garnicht so schlecht!), was den WaffelbäckerInnen jedoch eher einem Todesurteil gleichkam.

Ich lass das Gendern nun mal sein – man könnte noch denken ich mache mich lustig…

Lustig finde ich nur, dass einer ihrer Kandidaten für mehr Lässigkeit an der Uni antritt. Da frag ich mich doch, was das bedeuten soll. Ist ja nun nicht so, dass dort alle stocksteif mit Anzug rumlaufen. Konstanz ist ja nicht Mannheim (um mal Stereotype zu bedienen) , auch wenn die Verstrickungen und „Vetternwirtschaft“ gerade am Fachbereich Politik  das vermuten lassen könnten. Lustig auch , wie sie sich mit täuschend echt aussehenden 500€-Scheinen, die in der Mensa auslagen, damit brüsteten, die Studiengebühren abgeschafft zu haben. Dabei wollte gerade Frau Bauer, grüne Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg daran festhalten und liess sich nur vom kleineren Koalitionspartner SPD eines Besseren belehren. Am lustigsten ist aber der Facebook-imitierte „Gefällt mir“-Daumen auf ihren Plakaten. Damit haben sie sich nun wirklich keinen Gefallen getan.

Apropos Grün: in einer Studentenstadt in idyllischer Natur, mit dem ersten grünen Oberbürgermeister Deutschlands und einem grünen Abgeordneten im  Bundestag Landtag bieten sich auch beste Vorraussetzungen für die Grüne Hochschulgruppe. Da muss man sich nichtmal eine ökologische Nische suchen.

Die GHG zeigt nichtsdestotrotz  sicher einiges an Engagement, Vertreter von ihr wirkten bei der Gesetzgebung zu den „Verfassten Studierendenschaften mit“ (ob das nun so gut ist ist eine andere Frage), sie organisierten eine Demo gegen ACTA (was ja nun endlich gekippt wurde) und sind auch sonst oft präsent. Weitere Infos auf ihrer informativen Website: http://cms.uni-konstanz.de/ghg/startseite/

Ein Bild mag man sich nun auch von ihren Antworten machen:

1. Die Uni Konstanz ist (bleibt) Elite-Uni. Wie steht ihr als Hochschulgruppe dazu?
Elite-Uni hört sich erstmal natürlich sehr gut an und es gibt einzelne Bereiche, die von diesem Titel profitieren. Trotzdem sehen wir die Exzellenzinitiative kritisch, da sie die Studierenden zu VerliererInnen macht. Gefördert wird vor allem direkt verwertbare Forschung und nicht die Lehre. Außerdem ist das Auswahlverfahren intransparent und ideologisch geprägt, ein Kriterium ist zum Beispiel ein möglichst hoher Drittmittelanteil. Dadurch erhöht sich der Einfuss der Wirtschaft auf die Hochschulen, was in der Konsequenz die Freiheit der Forschung gefährdet. Wir fordern stattdessen eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen, von der alle etwas haben – und nicht nur wenige Forschende an wenigen ausgewählten Unis. Hochschulen sollten kooperierende Bildungseinrichtungen und keine Unternehmen sein, deswegen sollte das zur Verfügung stehende Geld gerecht unter den Universitäten verteilt und die Universitäten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Dann werden unsere Universitäten nie an anglo-amerikanische Vorbilder heranreichen, vermutlich sogar im europäischen Vergleich weiter stagnieren. Ich bin kein wirklicher Fan der Exzellenzinitative, wie man gemerkt haben dürfte, doch einfach alle Gelder gerecht aufteilen kann auch nicht die Lösung sein. Man muss schon Anreize setzen – z.B den Drittmittelanteil.  Ob dies nun in die Forschungsfreiheit angreift ist eher eine ideologische Frage. In die Forschungsfreiheit greift man meiner Meinung eher ein, indem man gegen sowas mobil macht…

2. Ordnet die folgenden 9 Begriffe subjektiv nach ihrer Bedeutung für Euch: Studenten, Professoren, „Mittelbau“ und Verwaltung, Trommelkreise, Bierautomat, Bio-Essen in der Mensa, Uni-Kater Sammy, AStA, Forschungsfreiheit
Die Forschungsfreiheit ist ein unglaublich wichtiges Gut, das leider oft durch allzu enge Kooperation mit Unternehmen untergraben wird, denn durch wirtschaftliche Abhängigkeit ist keine Forschungsfreiheit mehr möglich. In diesem Sinne dürfte es z.B. keinen Rahmenkooperationsvertrag mit EADS oder einen rein extern besetzten Hochschulrat mit Entscheidungskompetenz geben.
Die Studierenden stellen die größte Gruppe an der Uni dar, dennoch sind sie bisher in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung unterrepräsentiert. Unter anderem in der Studierendenvertretung (AStA) setzen sich GHGlerInnen dafür ein, dass sich das ändert. ProfessorInnen, der Mittelbau und die MitarbeiterInnen der Verwaltung gehören aber natürlich auch zur Uni. Wir wünschen uns eine gute Zusammenarbeit und lebhaften Austausch zwischen allen Gruppen.
Das Mensaangebot richtet sich zur Zeit leider kaum an Kriterien wie gesunder Ernährung oder Nachhaltigkeit aus – obwohl es in weiten Teilen vom Land subventioniert wird! Um das zu ändern, engagieren sich GHGlerInnen zum Beispiel im Nachhaltigkeitsrat oder dem Essensreferat der Studierendenvertretung.
Bier trinken aber auch manche von uns gerne (wir haben uns für den Biergarten eingesetzt!), Trommelkreise sind sicher spaßig und Sammy ist sowas wie das Wahrzeichen der Uni.

Das mit dem extern besetzten Hochschulrat habe ich erst kürzlich in einem Gespräch mit dem Kandidaten der GHG erfahren. Die Mitglieder des Hochschulrates findet man hier: http://www.profil.uni-konstanz.de/die-universitaet/universitaetsrat/

Sicherlich kritisch, wenn dieser die Richtlinien der Konstanzer Uni-Strategie festlegt, sich es bei finanziell aufwändigen Treffen gut gehen lässt und die Mitglieder sich ansonsten mit ihrem so tollen ehrenamtlichen Engagement brüsten, das sich letztlich eben auf „Gut Essen & Trinken“ beschränkt.

Das mit EADS sehe ich anders,  wie schon angeklungen, wäre aber zu lang das auszubreiten. Gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit in der Mensa halte ich für zweitrangig: was ist schon gesund und nachhaltig? Wer das möchte, muss nicht in die Mensa gehen. Essen für Veganer – wenn man das gesund nennen mag – unterstütze ich aber durchaus. Trommelkreise sind auch sicher spaßig, insbesondere wenn sie aus versteckten Studiengebühren finanziert werden, die mit der Verfassten Studierendenschaft jetzt nach Willen der GHG kommen sollen.

3. Die Wahlbeteiligung an studentischen Wahlen ist oft erschreckend niedrig. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe und was wollt ihr konkret dagegen tun?
Wir können uns die niedrige Wahlbeteiligung nicht vollends erklären. Wir haben in der GHG länger über diese Frage gesprochen und haben kein „Patentrezept“. Wir setzen uns aber in der derzeitigen Studierendenvertretung (z.B. im Presse- und Öffentlichkeitsreferat) dafür ein, dass die Arbeit besser kommuniziert wird und wollen das auch in der kommenden Studierendenvertretung tun.
Außerdem sollten die vielen Referate weiterhin ihre gute Arbeit machen, um die Studienbedingungen in Konstanz weiter zu verbessern und die Studierenden damit von der sinnvollen Arbeit ihrer Vertretung zu überzeugen. So haben wir uns zum Beispiel für das erweiterte Studiticket eingesetzt und hierfür in der Urabstimmung bei einer ordentlichen Wahlbeteiligung von 28,1 % eine Zustimmung von 70,1% erreicht.
Letztlich muss jedeR wissen wie er/sie seine Zeit investiert und wenn sich jemand anders gesellschaftlich engagiert und dadurch weniger Möglichkeiten hat sich über die Studierendenvertretung zu informieren, so ist ihm/ihr kein Vorwurf zu machen.

Die Optimierung der Kommunikation anzugehen ist jedenfalls wichtig. Auch letzter Satz gefällt mir – hätte ich von GrünInnen garnicht erwartet.

4. Mit der Einführung der „Verfassten Studierendenschaft“ wird die studentische Selbstverwaltung generell gestärkt. Strebt Eure Hochschulgruppe Zwangsbeiträge zur Finanzierung derselben an und wenn, was soll mit diesen zusätzlichen Einnahmen finanziert werden?
Wir freuen uns sehr über die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft (VS), da sie den Studierenden mehr Rechte beschert. So kann die Studierendenvertretung bald auch wieder legal Ihr tatsächliches Kerngeschäft – die Interessenvertretung der Studierenden wahrnehmen.
Konkret könnte die VS eine unabhängige BAFöG-Beratung anbieten, Projekte wie den Fahrradverleih tragen, sich für die Ausweitung des kulturellen Angebots einsetzen, die politische Bildung der Studierenden fördern, sich noch stärker für interdisziplinäre Lehre einsetzen und überregional die Vertretung der Interessen der Studierenden unterstützen. Außerdem kann die Arbeit der Studierendenvertretung durch hauptamtliche Unterstützung professionalisiert werden. Dass dabei Kosten entstehen, lässt sich nicht vermeiden. Diese Kosten werden laut gesetzlicher Grundlage von allen Studierenden durch Beiträge gegenfinanziert, was aus unserer Sicht für eine gute Interessenvertretung legitim ist. Übrigens regelt das entsprechende Gesetz sehr streng, wie über die Finanzmittel Aufsicht zu führen ist. Zudem fallen die sinnvollen Beiträge zur VS in Höhe von 5€-10€ gegenüber den Studiengebühren in Höhe von 500€, für deren Abschaffung wir gekämpft, haben kaum ins Gewicht.

Die Studierendenvertretung kann und sollte eigentlich auch jetzt schon die Interessen aller Studierenden wahrnehmen. Das sie nun dazu legitimiert ist, ist natürlich schön. Politische Bildung ist natürlich so eine Sache. Gebildet wird das eigene Weltbild für einen Bruchteil der Studierenden, während alle dafür zahlen. Gender-, Anti-Rassimus-, Friedens- und Nachhaltigkeitswochen sind sicherlich sinnvoll, sollten aber differenzierter ausfallen. Vielfalt statt Einfalt! Dazu gehört auch, Vortragende einzuladen, die nicht das eigene Weltbild vertreten…

Zu Studiengebühren und Zwangsbeiträgen ist noch zu sagen: für Studiengebühren gab es immerhin Gegenleistungen (Wunschvorstellung?), für Zwangsbeiträge scheint es nicht mehr zu geben als es ohnehin gibt.

Gerade auch die Notwendigkeit einer hauptamtliche Unterstützung sollte hinterfragt werden. Zur Optimierung der Kommunikation der Arbeit der Studierendenvertretung mag es vielleicht immerhin nützlich sein.

5. Wählt: Solidarität oder Subsidarität? Freiheit oder Zwang? Studienbedingungen verbessern oder Welt retten? Elite-Uni oder Massen-Uni? Marx oder Mill?
Es mag die Lesenden nicht überraschen, dass es auf dieses schwarz-weiße Fragen-Stakkato keine gute Antwort geben kann. Die Welt kann nicht in Extremen definieren werden. Die hier benannten Begriffe stehen nicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander, sondern müssen behutsam vermischt und abgewogen werden.

Was dann dabei rauskommt, ist zwangsläufig grüne Politik. Als einzige Hochschulgruppe scheint die GHG also auch Zwang zu befürworten. Immerhin geben sie es offen zu. Und solange sich der Zwang auf Zwangsbeiträge beschränkt, und nicht auf Zwangsengament in der Studierendenvertretung ist ja noch alles im grünen Bereich! 😉

Wie deutlich geworden sein mag, bin ich den Grünen nicht sonderlich wohlgesonnen – da sind mir aufrichtige Linke noch lieber. Ein paar Seitenhiebe konnte ich mir deshalb nicht verkneifen. Über eine Stimme von mir darf sich einer ihrer Kandidaten trotzdem freuen.

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2 Kommentare

  1. Grex

     /  Juli 13, 2012

    Ein grüner Bundestagsabgeordneter? Wo denn?

    Antwort

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