OB-Wahl in Konstanz 2012 – Analyse

Während die Kandidaten heute um den Einzug ins Konstanzer Rathaus kämpften, schlug ich mich mit Wind und Wellen auf Bodensee und Rhein herum. Dazu mehr und vor allem viele Bilder morgen. Soviel sei gesagt: es war keine Tour, sondern eine Tortur, aber doch ein Abenteuer ganz nach meinen Geschmack, dass aufgrund der Wetterlage nicht in Schaffhausen, sondern leider bereits 10km vorher in Gailingen am Hochrhein endete. Doch morgen mehr…

Die Kandidaten haben gekämpft – manche haben gewonnen, die meisten wohl verloren. Die Ergebnisse im Überblick (http://www.konstanz.de/ergebnisse_wahlen/ob2012.htm): Sabine Reiser 26,8%, Uli Burchardt 25,9%, Sabine Seeliger 20,1%, Sven Zylla 14,3%, Henning Tartsch 4,6%, Andreas Kaltenbach 2,2%, Martin Luithle 1,9%, Benno Buchczyk 1,1%, Mykola Neumann 1,0%, Roman Urban 0,5%, Sylvia Großmann 0,5%, Thomas Linz 0,4%, Klaus Springer 0,1%, Sonstige 0.6%. Wer unter Sonstige zählt würde mich mal interessieren…

Die Wahlbeteiligung war mit 42% sehr gering. Das mag einerseits am Regenwetter gelegen haben, andererseits aber auch vor allem im Bewusstsein, dass es ohnehin eine Stichwahl geben würde. Die Hoffnung ist also groß, dass es in 2 Wochen besser aussieht. Von der Stichwahl hatte ich selbst eine völlig falsche Vorstellung. Ich dachte, es wäre ein Stechen zwischen den zwei besten Kandidaten. Tatsächlich ist es aber eine Wahl wie heute auch, wo man allerdings nur noch die relative Mehrheit der Stimmen benötigt. Kandidaten können jetzt zurückziehen, theoretisch können sogar noch neue Kandidaten ins Rennen einsteigen, wenn sie sehr schnell neue Unterschriften sammeln. Vielleicht steht ja schon wer bereit…

Wer Statements von den OB-Kandidaten hören möchte – der Südkurier hat ein Video gedreht, auf das man sogar ohne Bezahlschranke zugreifen kann. Gehört wohl zum Informationsauftrag.

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Video-Das-sagen-OB-Kandidaten-zum-Wahlergebnis;art372448,5575216

Interessant ist es übrigens, mal die einzelnen Wahlbezirke und die dortige Stimmenverteilung anzusehen. Im Wahlbezirk Königsbau Wahlort Uni-Laborgebäude V, zu dem diverse Studentenwohnheime gehören, erreichte Sabine Seeliger  mit 32,4% ein deutlich besseres Ergebnis. Ähnlich sieht es in manch Gegenden der Altstadt aus – ebenfalls Terrain eher junger Leute. In Konstanzs „sozialem Brennpunkt“ Berchengebiet schneidet Frau Sabine Seeliger hingegen vergleichsweise schlecht ab. Wen interessiert da auch Öko? Auf hohe Werte kommt dort Sabine Reiser. Vielleicht durchschauen die Wähler dort Sabine Reiser einfach nicht !? Unter vielen Studis, wenn auch nicht nur, (Uni-Laborgebäude V) erreicht sie gerade mal 13,5%.

Ich möchte die Analyse nicht überreizen – die Dinge fielen mir nur spontan auf. Die Kandidaten werden sicherlich näher damit beschäftigen, um, sofern sie denn weiterhin antreten, in Wahlkreisen, wo sie eher schlecht abschnitten, verstärkt Werbung zu machen. Auch natürlich, um die mickrige Wahlbeteiligung anzukurbeln. Es kann also nur besser werden…

Meine Stimme war tatsächlich ein „Wasted Vote“, in der Stichwahl werde ich sie dann überlegter einsetzen. Sven Zylla überlegt noch, ob er weiter kandidiert, das Rennen dürften Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sabine Seeliger unter sich aus machen. Gut möglich, dass Frau Seeliger als lachende Dritte aus diesem Rennen hervorgeht, während die bürgerlich-konservativen Uli Burchardt und Sabine Reiser sich gegenseitig die Stimmen klauen. Ich hoffe es nicht – ich möchte einen Farbwechsel.

Orange wird sicher nicht die Farbe sein. Der Kandidat im Vertrauen der Piratenpartei, Benno Buchczyk ist grandios gescheitert und weiß (siehe Südkurier-Video) selbst nicht, wie er das jetzt einschätzen soll. Aber nicht schlecht, dass manche Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, die maßlos überschätzend einem Kandidaten der Piratenpartei gute Chancen einräumten. Die habe ich nie geteilt, wie vielleicht schon deutlich geworden ist. Sicherlich bitter für ihn und sein engagiertes Wahlkampfteam – aber so ist die Realität. Ich bin gespannt, ob Benno Buchczyk auch in der Stichwahl antritt…

2 Wochen heißt es also noch warten, dann hat Konstanz einen neuen Oberbürgermeister für 8 Jahre. Eine wegweisende Entscheidung, die Konstanz hoffentlich nicht zurück in die Steinzeit katapultiert. Manche KandidatInnen scheinen da ja ganz heiß drauf zu sein…

Ich werde die ganze Angelegenheiten jedenfalls weiterhin beleuchten und freue mich über das große Interesse. 450 Besucher dieses Blogs am heutigen Tag – nicht schlecht!

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2 Kommentare

  1. Max

     /  Juli 2, 2012

    „Wer unter Sonstige zählt würde mich mal interessieren…“
    Wenn du gewählt hast, dann ist dir vielleicht aufgefallen, dass 13 Kandidaten auf dem Stimmzettel vorgedruckt waren, aber es noch ein 14. (leeres) Feld gab – dort kann man selbst eine Person eintragen (auf dem Stimmzettel heißt es, man muss ihn eindeutig benennen: voller Name, Adresse und Beruf) – insgesamt werden die dann als „sonstige“ gezählt. Neben Klaus Frank, der mit einigen Anzeigen für sich geworben hatte, waren das vor allem wohl Studenten-WG, die als Scherz einem ihrer Mitbewohner ihre Stimme gegeben haben.

    Antwort
  2. Gunter

     /  Juli 3, 2012

    Oberbürgermeister schwächen. Sich selbst wählen!

    In Baden-Württemberg hat der*die Oberbürgermeister*in eine vergleichsweise starke Stellung.
    Nur deshalb wird hier ein vermeintlich inhaltlicher Wahlkampf geführt.
    Versprechen wie „Ich möchte eine Parkplatz hier bauen“ und „Mitbestimmung der Bürger*Innen stärken“ stehen in einem direkten Widerspruch.

    „Das Gemeindeoberhaupt vereinigt in seinem Amt und seiner Position gleichzeitig drei Funktionen:
    er ist stimmberechtigter Vorsitzender des Gemeinderats und aller seiner Ausschüsse; er ist Chef einer auf ihn zugeschnittenen Verwaltung; er ist Repräsentant und Rechtsvertreter der Gemeinde.
    Als einziges Mitglied des Gemeinderats ist der Bürgermeister in allen drei Phasen des kommunalen Geschehens entscheidend mit dabei: in der Phase der Entscheidungsvorbereitung, in der Phase der Beratung und rechtsgültigen Entscheidung im Gemeinderat und schließlich in der Phase der Entscheidungsausführung.
    Zusätzlich räumt die baden-württembergische Gemeindeordnung dem Gemeindeoberhaupt ein weiteres, wenn auch selten eingesetztes Machtinstrument ein: Der Bürgermeister hat das Recht, „an Stelle des Gemeinderats“ zu entscheiden, und zwar in „dringenden Angelegenheiten (…), deren Erledigung auch nicht bis zu einer ohne Frist und formlos einberufenen Gemeinderatssitzung aufgeschoben werden kann“.“ (http://www.landeskunde-baden-wuerttemberg.de/kommunalpolitik_buergermeister.html)

    Ein*e demokratische*r Bürgermeister*in verspricht und „tut“ nichts, außer die vom Rat und Bevölkerung direkt übertragenen Aufgaben. Er*Sie wird Vorbereitung und Verwaltung nicht beeinflussen. Sie*Er hält sich aus der Phase der Entscheidung raus, und wird nicht mit oder gar anstelle des Rates entscheiden.

    Angesichts der Tatsache, dass alle Kandidat*Innen Bürgermeister*innen sein möchten und ein „Programm“ haben, bleibt nur die Alternative sich selbst zu wählen um „echte“ Demokratie zu ermöglichen. (Diese Konsequenz bleibt leider nur den über 25 Jährigen offen).

    Es gilt!
    Der Gemeinderat ist ein Fortschritt gegenüber dem autokratischen Regime des*s Oberbürgermeister*in.
    Doch Demokratie bedeutet nicht Stadt-Parlament, dass sich „Rat“ tauft und ein*e Oberbürgermeister*in der*die „führt“, sondern Selbstorganisation und gegen jede Herrschaft zu sein!

    Antwort

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