OB-Kandidaten-Vorstellung: Sabine Seeliger

Stellen wir heute eine weitere OB-Kandidatin vor: diesmal Sabine Seeliger. Sie durfte ich heute auch bei der Podiumsdiskussion erleben (wie alle Kandidaten), über die ich nochmal separat berichten werde. War teils sehr amüsant. Nicht nur der Anteil der Fragen, die an sie gestellt wurden, lässt den Schluss zu, dass sie ernsthafte Aussichten für das Amt des Oberbürgermeisters hat. Ihre Positionen haben mir teilweise zwar ganz gut gefallen, sind überwiegend jedoch nicht meinen Überzeugungen konform, weshalb sie nicht mit meiner Stimme rechnen kann. Trotzdem – das hat auch die Podiumsdiskussion gezeigt – ist sie eine sympathische Kandidatin, mit der Konstanz und auch ich gut leben könnte.

Das Leben dieser promovierten Biologin, die von der Freien Grünen Liste gesponsert wird, spare ich mal aus, weitere Informationen findet man u.a. hier:

http://sabine-seeliger.de/

https://www.facebook.com/seeliger.konstanz

ein Video ihrer 10-minütigen Vorstellung im Konzil Konstanz: http://www.youtube.com/watch?v=MrF8L-DlU00

Leiten wir auch gleich weiter über zu meinen 7 Fragen und ihren teils sehr pfiffigen und offenen Antworten darauf. An dieser Stelle noch eine positive Ankündigung: nach der heutigen Podiumsdiskussion habe ich mit manchem Kandidaten das Gespräch gesucht und kann nun verkünden, dass wohl alle 13 Kandidaten bei dieser Fragerunde mitmachen, sofern Sie sich an ihre Worte halten. Von Frau Reiser und Herrn Luithle erhielt ich sogar viel Lob für meinen Blog. Wer da wohl heimlich mitliest…

Nun aber zu den Antworten Frau Seeligers, die mich gerade etwas verägert hat, indem sie die Antworten in einer schreibgeschützten Word-Datei zukommen hat lassen. Aber ich habs hinbekommen….

1. Zuerst eine technische Frage: wer finanziert eigentlich mit wessem Geld Ihren Wahlkampf?

Die Freie Grüne Liste hat zugesagt, den Wahlkampf mit bis zu 20.000 € zu unterstützen bei einer Eigenbeteiligung der Kandidatin von mindestens 10.000 €. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Konstanz hat in einem Mitgliederbeschluss einen Wahlkampfkostenzuschuss von 2.000 € beschlossen und ihre Kandidatur einstimmig unterstützt. Außerdem haben bis 13.6.2012 insgesamt 16 Personen einen Betrag von insgesamt 8.896 € für die Wahlkampagne gespendet. Die höchste Einzelspende betrug 2.000 €, die kleinste 10 €.

Im Gegensatz zu Sabine Reiser sind die Informationen über ihre Wahlkampffinanzierung hier deutlich transparenter. Die Formulierung lässt allerdings den Schluss zu, dass sie es nicht selbst geschrieben oder aber nur kopiert hat von einer ähnlichen Frage.

2. Als Konstanzer OB haben sie auch mit Schweizern zu tun. Welche 3 Dinge schätzen Sie an unseren Nachbarn?

1. Ihre Basisdemokratie, Volksentscheide.

2. Dass sie die Teilhabe eines viel höheren Anteils von Migrantinnen und Migranten leisten.

3. Dass sie Urtümliches und Avantgarde nebeneinander gelten lassen.

Antwort 1 finde ich sehr gut. Antwort 2 grundsätzlich auch. Antwort 3 ebenfalls. Mit  1 hatte ich auch gerechnet, die beiden anderen Antworten verwundern auch nicht wirklich.

3. Viele Initiativen unterschiedlichster Art engagieren sich in Konstanz – gerade auch von Studenten. Diese brauchen – gerade wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – völlig zu Recht ein erweitertes Führungszeugnis. Diese mit etwa 50€ nicht unerheblichen Kosten werden momentan noch von der Stadt übernommen, was aber geändert werden soll. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass erweiterte Führungszeugnisse für engagierte Menschen weiterhin kostenlos bleiben? Wie ist generell ihre Haltung zum Thema Ehrenamt?

Ich werde mich für eine Stelle zur Koordinierung von Ehrenamtlichen, einer „Freiwilligen-Agentur“ einsetzen. Diese Stelle soll Vereine in mehrer Hinsicht unterstützen, z.B. durch Vermittlung von Freiwilligen, durch die Organisation von Dienstleistungen für die Vereine (Buchhaltung, Personalabrechnungen, Versicherungen), durch Beratung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Wissen und Erfahrung aus gelungenen Projekte wie das der „Sozialen Stadt“ soll diese Stelle auf weitere Quartiere übertragen.

Meine erste Frage beantwortet Frau Seeliger nicht. Den zweiten Teil führt sie aber gut aus und schafft meiner Meinung nach sehr sinnvolle Stellen. Ausnahmsweise also mal eine Befürwortung von Bürokratie meinerseits.

4. Ordnen Sie die 7 folgenden Begriffe nach Ihrer subjektiv empfundenen Bedeutsamkeit für Konstanz (Gleichheit nicht erlaubt!): Touristen, Papst, Studenten, Schweizer, Bodenseefelchen, Solaranlagenbauer, Oberbürgermeister. Gerne auch mit Begründung!

Bodenseefelchen > Studierende > Solaranlagenbauer > Touristen > Schweizer > Oberbürgermeister >>>>> Papst

Wenn es keine Bodenseefelchen mehr gäbe, hieße das, dass eine Katastrophe mit dem Trinkwasserspeicher Bodensee passiert sein muss. Gleiches gilt bei Studierenden und Uni, sowie bei Solaranlagenbauer und Solarbranche. Touristen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Schweizer Kundschaft in der Stadt auch, wobei letzteres mehr vom Frankenkurs abhängt als von der Stadtpolitik. Oberbürgermeister halte ich ebenfalls für sehr wichtig, mit sehr großem Abstand folgt dann Papst.

Wie angekündigt zeigt Dr. Seeliger hier ihren biologischen Sachverstand. Die Antwort finde ich sehr originell und hatte sie auch nicht auf dem Radar. Bodenseefelchen gehen also vor die Studierenden (sie gendert natürlich). Als Grüne ist sie natürlich auch für Solaranlagenbauer, die sie wichtiger als Touristen und Schweizer empfindet. Wenn das nicht mal ein Trugschluss ist. Die Erwähnung der „Stadtpolitik“ werte ich mal als bewussten Seitenhieb auf den Gemeinderat bzw. den auch  grünen Noch-Amtsinhaber Horst Frank. Sich selbst nimmt sie natürlich nicht so wichtig (wollen wir es hoffen), aber noch wichtiger als den Papst. Was hätte man anderes erwartet?

5. Wie Sie sicher im Stadtentwicklungsprogramm „Zukunft Konstanz 2020“ gelesen haben (Gesamtdokument, S. 68) besteht die Idee eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Bodensee. Zitat: „Einig sind sich die Experten auch darin, dass ein Kreuzfahrtschiff auf dem Bodensee der Region nachhaltig Impulse verleihen würde.“ Würden Sie diese Idee unterstützen – gerade auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit?

Ein Kreuzfahrtschiff zu initiieren steht nicht auf meiner Agenda.

Kurz und bündig, aber unter grünen Gesichtspunkten absolut verständlich. Ich bin in der Frage auch sehr zwiegespalten – verschandet ein etwas größeres Schiff die schöne Landschaft doch genauso wie die vielen Windkrafträder. Andererseits könnte das den Tourismus durchaus noch weiter ankurbeln und auch für zusätzliche Bettenkapazität sorgen – im Winter sogar für Studierende in Konstanz 😉

6. Der Wert der Freiheit spielt auch in Konstanz eine große Rolle. Diskussionen über das Glasverbot oder die Sperrstunde machen deutlich, dass zu Freiheit auch Verantwortung gehört. Was ist ihre persönliche Definition von „Freiheit“?

Freiheit heißt Wahlmöglichkeit und Möglichkeit zur Teilhabe im Sinne von Freiheit von politischen, ökonomischen und kulturellen Abhängigkeiten. Beides, Wahlmöglichkeiten und Teilhabe ist in jedem Einzelfall von vielen Voraussetzungen abhängig.

Sie definiert Freiheit positiv – wie zu erwarten war. Ihre Position gegen Sperrstunde und Glasverbot lässt sich daraus ableiten. Diese Position macht sie für viele der Studenten auch sicher sehr attraktiv.

7. und zum Abschluss: Welchen ihrer OB-Kandidats-Konkurrenten würden Sie am ehesten wählen und warum?.

Zylla oder Kaltenbach – beide wirken sympathisch und ungekünstelt.

Da wird sogar eine Kandidatin noch konkret: vorstellen kann sie sich Zylla (SPD) und Kaltenbach, den ich ebenfalls als eher sozialdemokratisch, aber liberaler, wahrnehme. Diese offenen Worte finde ich jedenfalls sehr sympathisch. In die Verlegenheit dies auch zu tun wird sie aber wohl nicht kommen: ich gehe stark davon aus, dass sie die Stichwahl erreichen wird.

Wie dem auch sei: ich rate wieder zu einer Beschäftigung mit dem Wahlprogramm, insbesondere da Frau Seeliger auch teils kontroverse Vorschläge wie eine City-Maut für die Innenstadt hat. In diesen verkehrspolitischen Fragen – sie ist z.B auch gegen den Ausbau der B33 als Autobahn bis Konstanz (wobei man fairerweise sagen muss, dass sie den Ausbau einer Landstraße mit Anbindung an die Gemeindem am Wegesrand möchte) – besteht ein gewisser Dissens zu meinen Ansichten, die es mir schwer machen, sie als Kandidatin in Erwägung zu ziehen. Letztlich ist sie auch einfach grün: und nach 16 Jahren grün hat das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz auch mal dringend einen Farbwechsel nötig. Am besten zu garkeiner Farbe!

Morgen folgt wohl die Vorstellung von Benno Buchczyk, sofern nicht noch weitere Kandidaten geantwortet haben. Dann aus Herford, wohin ich morgen wieder 9 Stunden mit dem Zug fahren darf, währenddessen ich einen Essay mit Abgabeschluss am kommenden Montag schreiben muss. Erst gibt es jedoch noch mein letztes Referat dieses Semester – über die Postmarxistin Chantal Mouffe – zu überstehen. Man wünsche mir Glück…

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2 Kommentare

  1. Marius

     /  Juni 22, 2012

    Ein insgesamt ausgewogener und guter Beitrag. Zu einem Satz möchte ich aber noch etwas sagen:

    „Nicht nur der Anteil der Fragen, die an sie gestellt wurden, lässt den Schluss zu, dass sie ernsthafte Aussichten für das Amt des Oberbürgermeisters hat.“

    Es ist mir aufgefallen, dass die meisten Fragen an Frau Seeliger (teilweise nur an sie allein gerichtet) zu einem großen Teil von Mitgliedern der Grünen Hochschulgruppe kamen. Dieser Punkt alleine würde für mich daher jetzt nichts über ihre Aussichten aussagen. Applaus bekam sie allerdings auch recht viel. Bei der Studentenschaft wird Frau Seeliger daher sicherlich ganz gut abschneiden.

    Antwort
    • Danke Marius!
      Das mit der GHG ist mir auch aufgefallen. Aber trotzdem – mit ihrem „Ja“ zu Sperrstunde, „Nein“ zum Glasverbot, einem „Nein“ zur B33 und einem „Ja“ zur City-Maut, was die wenigsten „linken“ Studenten wohl stört, dürfte sie, wie Du auch zugestehst, ordentlich abschneiden,

      Antwort

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