Veggie-Day und LHG Konstanz

Erst einmal möchte ich noch einmal dazu auffordern, Fragen an die Oberbürgermeisterkanditaten in die Kommentare zu schreiben, sodass diese nicht alle an mir hängen bleiben. Ich habe alle Kandidaten gestern noch angeschrieben und von mehr als der Hälfte auch bereits positive Rückmeldung bekommen. Eure Fragen werden also auch beantwortet!

Schreiben tue ich heute aber nicht über die OB-Wahl, sondern über 2 Dinge.

Erst einmal war heute wohl international, oder national, oder auch nur in Konstanz – ich weiß es nicht – „Veggie Day“, sprich die Mensa hat nur Kaninchenfutter verkauft. Die Ironie an der Geschichte: ich zog es vor heute auszuschlafen, kam erst an die Uni, als die Mensa schon zuhatte, und ließ mir im Unwissen daran ausgerechnet heute zum ersten Mal überhaupt eine schöne Currywurst an der relativ neuen Seezeit-Imbißbude schmecken, die zwar auch arg nach Tofu aussah, aber doch wahrscheinlich Fleisch war. Ich will es jedenfalls hoffen und finde es sehr bedenklich, wenn die Studenten mittlerweile gezwungen werden, sich vegetarisch zu ernähren. Falls diese glorreiche Idee noch einmal stattfinden wird, wird die Empörung noch größer sein und Gegenaktionen sicher stattfinden, sofern man denn rechtzeitig vorher Bescheid weiß.

Heute Abend war ich dann erstmals bei der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz, die ganz dekadent im recht  neuen Restaurant Brigantinus am Seerhein tafelte, deren Pizzen zwar sehr lecker schmeckten, dessen Einrichtung jedoch arg an einem Abklatsch vom „Il Boccone“ erinnerte, bei deutlich schlechterem Service und ähnlich hohen Preisen.

Trotzdem war es ein sehr netter Abend, ich war angenehm überrascht. Im Gegensatz zu den Stammtischen der Piraten habe ich bei der Liberalen Hochschulgruppe Konstanz auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Es gibt tatsächlich noch liberal gesinnte Studenten!

Der „Veggie-Day“ stieß auf die gleiche Empörung und es wurde munter über liberale Hochschulpolitik diskutiert. Denn es stehen bald nicht nur OB-Wahlen, sondern auch die Wahlen zum Studentenparlament an. Ich trete übrigens auch an: auf Platz 9 der LHG-Liste, sodass ich keine Chanc habe gewählt zu werden, was ich ja auch garnicht möchte (es gibt 13 Plätze insgesamt, die LHG hat realistische Chancen auf 2, maximal 3)                       Die Liberalen, die bereits dort mitmischten, priesen mit wahrhaft zynischen Unterton den wahnsinnigen Spaß den sie immer im linksgrünen Studentenparlament hatten, das von Toleranz, Kompetenz und vor allem Einsatz für die Studierenden Studenten nur so zu strotzen scheint. Ich habe jedenfalls keine Lust, in einen von mal gerade einem Viertel der Studenten legitimierten Gremium meine Zeit totzuschlagen und endlosen Monologen von selbsternannten Weltverbesserern zu lauschen. Aber ich stehe dann wohl auf dem Wahlzettel – also wählt mich und die einzige hochschulpolitische Gruppierung, die die Bedingungen an der Universität zu verbessern versucht statt die Welt retten zu wollen…

Hauptthemen des Wahlkampfes werden noch gesammelt, vor allem geht es aber gegen den Zwangsbeitrag bei der Neueinführung der Verfassten Studierendenschaft in Konstanz. In diesem Zusammenhang: heute wurde übrigens das Ergebnis für das Studienticket veröffentlicht. Knapp drei Viertel der Stimmen dafür, ein Viertel dagegen bedeuten zwar nun einen 7€ Zwangsbeitrag, die lächerliche Wahlbeteiligung von ebenfalls knapp einem Viertel der Studenten zeigt aber, dass drei Viertel der Studenten letztlich nicht mal ein Viertel sind. Die Frage, ob die Konstanzer Studenten nur politikverdrossen oder aber diese niedrige Wahlbeteiligung durch bewusst passive Informationspolitk gewollt ist klammere ich mal aus…

Wie schlecht Hochschulgremien oft wirtschaften und wofür sie ihre Gelder ausgeben, erzählte ein StuPa-Mitglied der LHG. Das Kulturreferat der Studierendenvertretung (oder sonstwas) organisierte eine „Rotlicht-Lesung“ in der „Bar Balou“, mietete dafür eine Tänzerin und noch mehr Sachen. Und für solche „Kultur“  und endlos viele andere Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet müssen die Konstanzer Studenten bald womoöglich einen Zwangsbeitrag bezahlen. Studiengebühren für die Uni, die allen zugute kommen, sind nicht in Ordnung, Gebühren für die Studentenvertretung, die in der eigenen Verwaltung und fragwürdigen Veranstaltungen versickern, hingegen schon. Das nenne ich Logik und wundere mich, warum in ganz Deutschland Studierendenvertretungen in Mehrheit mit linksgrünen Vertretern besetzt sind.

Aber über hochschulpolitische Themen mag ich noch ein andermal schreiben. Fakt ist jedenfalls, dass es mir bei der LHG sehr gut gefallen hat und ich fast bedauere, nicht schon eher dort mal vorbeigeschaut zu haben. Mitglied konnte ich aber noch nicht werden – dazu muss ich erstmal bei den Piraten austreten – mein Geständnis nahm man mit Fassung 😉             Das werde ich bald wohl auch tun – nur die Neuwahlen und Wahl des OB-Favoriten der Piratenpartei möchte ich noch abwarten…

Das war es dann auch schon für heute!

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3 Kommentare

  1. Clara Fall

     /  Juni 5, 2012

    kruze anmerkung: seezeit ist ein privates unternehmen, welches auch das recht hat einen veggie day einzuführen, das sollte für dich als liberal eingestelltem menschen doch überhaupt kein problem sein. wenn du tatsächlich unbedingt fleisch essen möchtest, dann geh doch bitte in einen supermarkt und kauf dir dort dein fleisch (oder im idealfall natürlich zu einem lokalen bauern/einer lokalen bäuerin), wenn das alle machen ist seezeit noch tiefer verschuldet und schon hast du deinen fairen wettbewerb.
    und wo liegt bitte das problem wenn menschen gendern? es zwingt dich niemand dazu mal ernsthaft über dinge wie geschlecht nachzudenken und ich sehe keinen sinn darin sich demonstrativ dagegen zu wehren, aber das kannst du mir ja vielleicht erkären!

    Antwort
    • Selbstverständlich hat Seezeit das volle Recht einen Veggie-Day einzuführen, sollte sich aber bewusst sein, dass es als Quasi-Monopolist eine besondere Verantwortung für die Ernährung der Studierenden hat. Wenn sie dann einmal im Jahr nur vegetarisches Essen anbieten, weil der Zeitgeist das so erfordert, ist das ja auch völlig ok. Sinnvoller wäre es meiner Meinung jedoch auf solche symbolischen Aktionen zu verzichten und stattdessen mehr und qualitativ bessere vegetarische Gerichte anzubieten.
      Ich muss nicht unbedingt Fleisch essen, ich achte gar auf meinen Fleischkonsum, aber ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, dass ich vegetarisch zu essen habe. Zwischen den Vorlesungen mal heim fahren und sich sein Fleisch braten ist nämlich nicht unbedingt möglich.

      Zum zweiten: ich habe doch absolut kein Problem damit, dass gegendert wird. Aber ich habe ein Problem damit, dass kein Gendering immer mehr verurteilt wird. Es mag mich niemand zwingen, darüber nachzudenken, aber in bestimmten Kreisen begibt man sich ohne Gendering auf gefährliches Terrain. Die Verhunzung der deutschen Sprache und der fragwürdige Nutzen mal ganz außen vor gelassen. Statt an Worten rumzudoktorn täte es besser, die Ursachen von zweifellos vorhandener Geschlechterungerechtigkeit anzugehen und alle Betroffenen zu berücksichtigen.

      Antwort
  2. Clara Fall

     /  Juni 7, 2012

    Also der Mensaplan ist jede Woche einzusehen und da kannst du auch vorher sehen welche Gerichte angeboten werden und deine Essensgewohnheiten danach richten. Wenn du unbedingt Fleisch hättest essen wollen, wäre da außerdem noch das asiatische Restaurant!
    „Sinnvoller wäre es meiner Meinung jedoch auf solche symbolischen Aktionen zu verzichten und stattdessen mehr und qualitativ bessere vegetarische Gerichte anzubieten.“
    Ist doch völlig am Ziel vorbei! Sinnvoller wäre es, wenn die Mensa schon Fleisch anbieten muss, qualitativ besseres Fleisch zu kaufen! Du siehst das genau richtig, die Mensa hat eine Verantwortung der Gesundheit der Studierenden gegenüber, aber der wird sie nicht gerecht, wenn sie den Leuten so viel schlechtes Fleisch vorwirft bis sie glücklich sind, sondern vielleicht eher, in dem sie mal auf Antibiotika vollgepumpten Scheiss verzichtet!

    Zum Zweiten:
    Halte ich für schlichtweg realitätsfern. Wenn auch nur 1% der Menschen auf dem Konstanzer Universitätscampus gendern, wäre ich äußerst überrascht! Wie gesagt, ich möchte keine Person dazu zwingen, aber sich demonstrativ dagegen zu wehren halte ich für dumm. „Verhunzung“ der deutschen Sprache halte ich für ein Wort für den Mülleimer. Was ist denn bitte Verhunzung daran, wenn sich eine emanzipatorische Bewegung in einer Gesellschaft auch in ihrer Sprache widerspiegelt? Die Sprache zu ändern ist ein Mittel der Bewusstwerdung und wenn du die Ursachen bekämpfen willst, musst du leider Dinge tun, die deinem liberalem Wesen nunmal sehr zuwider sein sollten! Das fängt dann schon dabei an, dass du Werbung wie sie heute funktioniert verbieten müsstest. Der Mann als Grillmeister, der sich 4kg Steak reinschiebt und die Frau die drei Blätter Salat ist und kotzend durch irgendwelche Model Shows läuft, das Mädchen, das ihr erstes Kochset mit vier und der Junge der sein erstes Spielzeugauto mit zwei Jahren geschenkt bekommt, funktionieren nämlich leider hauptsächlich für eine patriarchalische und heteronormative Gesellschaft!

    Antwort

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