Der passive Wahlkampf Ron Pauls

Heute werfen mir mal einen Blick über den großen Teich – in die USA.

SPIEGEL online verkündet nämlich groß, dass Mitt Romney seinen Vize-Präsidenten sucht ((http://www.youtube.com/watch?v=UEHqcHRGnUY)).

Dabei steht noch gar nicht fest, dass Mitt Romney überhaupt Präsidentschaftskanditat wird. In dieser Hinsicht kann man den deutschen Medien neben mangelnden Englisch-Kenntnissen und fehlender Fähigkeit zur Recherche auch wohlbewusstes Verschweigen von Tatsachen vorwerfen.

Statt von seiner Kanditatur zurückzutreten, hatte der einzig verbliebene Konkurrent Romneys – Ron Paul – lediglich erklärt, keinen aktiven Wahlkampf mehr treiben zu wollen, da er an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit gelangt wäre. Im Gegensatz zum Multimillionär-Romney, gesponsort durch am Bestand des bestehenden Neoliberalismus interessierten Unternehmen, kam der Großteil von Ron Pauls Einnahmen durch Millionen kleiner Einzelspenden von wenigen Dollar durch an Freiheit interessierten mündigen Individuuen zustande.

Nun führt Ron Paul tatsächlich keinen aktiven, wohl aber noch einen passiven Wahlkampf. Weitgehend unbemerkt macht er sich die Eigenheiten des US-amerikanischen Wahlrechts zunutze und sammelt auch nach den Wahlen – den „Primaries“ bzw. „Caucus“ – im Hintergrund Delegierte für seine Nominierung für die Präsidentschaft am Parteitag der Republikaner im August in Tampa, Florida und ist dabei überaus erfolgreich: so hat er mittlerweile die meisten Delegierten aus Nevada, Maine, Iowa, Lousianna,Minnesota und Michigan hinter sich – letzteres für den dort gebürtigen Mitt Romney besonders ärgerlich. Viele Vorwahlen stehen dazu auch immernoch aus.

Ich möchte mich jetzt nicht im Kleinklein des dortigen Wahlrechtes verlieren, durch seine geänderte Taktik mag Ron Paul aber durchaus noch Chancen haben, zumal laut einem Präzedenzfall in der Vergangenheit wohl ohnehin kein Delegierter an sein Mandat gebunden ist.

Natürlich hat dies demokratietheoretisch gesehen einen faden Beigeschmack – sieht man sich die bereits erfolgten offensichtlichen Manipulationen bei den US-Vorwahlen der Republikaner aber genauer an, so scheint solch eine Gegenoffensive nur gerechtfertigt.

Es mag an Naivität grenzen, Ron Paul noch Chancen einzuräumen. Ob der fehlenden bzw. verfälschten Berichterstattung der deutschen Medien, halte ich es aber für angebracht, darüber aufzuklären. Es könnte sein, dass sich im August einige sehr verwundert die Augen reiben werden und sich dann gezwungen sehen müssen sich objektiv mit dem „Spinner aus Texas“ auseinanderzusetzen – oder mit den „Spinnern“, die ihn unterstüzen. Bei knapp einer Million „Likes“ auf Facebook fällt es es aber schwer, dies nur als Randerscheinung abzutun. In dieser Hinsicht gibt es erstaunliche Parallellen zum Aufstieg der Piraten in Deutschland – bloß dass diese durch die spezifisch deutsche Mentalität sehr viel stärker auf den Staat und Sozialleistungen setzen.

Während Mitt Romney seine Unterstützung bei den eher älteren Weißen, den christlichen Flügeln (gleichwohl er als Mormone da nicht so gern gesehen ist) den großen Konzernen und der Finanzindustrie hat, zieht-Ron Paul auch eine große Anzahl an Unabhängigen und eigentlichen Demokraten-Wählern an – vor allem jungen Leuten – was ihn zu einer sehr viel ernsthafteren Gefahr für Obama macht als Mitt Romney.

Zu seinen politischen Positionen wie auch zur sonstigen Person Ron Paul, die mit meiner Agenda nicht vollkommen, aber zu einem großen Teil im Einklang sind, werde ich mich heute nicht äußern.

Fakt ist, dass Amerika mit Mitt Romney und Barack Obama die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Da wäre Obama noch eher zu verschmerzen, obgleich er Bürgerrechte massiv beschneidet und weitere Freiheiten einschränkt.

Wer jetzt meint, ich rede nur Stuss – mit ein wenig Englisch kann man all dies mit wenigen Klicks schnell verifizieren. Ich verabschiede mich nun ins Kino – „Der Diktator“ – als Gegensatz zum absoluten Anti-Diktator, über den ich gerade geschrieben habe…

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