Mein Seminar in Thüringen

Guten Abend,

ein tolles, ereignisreiches Wochenende geht bald zuende, dessen ganzen Erlebnisse ich hier garnicht verarbeiten kann. Wie gesagt war ich auf einem Seminar meiner Austauschorganisation ICJA in Thüringen. Viele nette Leute getroffen und interessante Einblicke mitgenommen. In 2 je 4-stündigen Workshops beschäftigten wir uns am Samstag mit entwicklungspolitischen bzw. allgemein globalen Themen bzw. Problemen.

Der eine Workshop fand zum Thema „Überfischung“ statt: unter anderem spielten wir ein sehr spannendes Planspiel, was wegen spezifischer Regeln, obwohl wir als ICJAner natürlich theoretisch meinten ganz nachhaltig zu handeln, recht schnell eskalierte. Der See, aus den wir Fische ziehen konnten, war nämlich schnell fischlos – zu groß war die Gier…

Ich esse bekanntlich eh kein Fisch, ja ich hasse (tote) Fische abgrundtief, insofern hatte das Ganze für mich jetzt keine direkten Auswirkungen. Aber ich kann Euch allen nur raten: esst keinen Fisch und glaubt nicht, dass der gesund ist. Dann esst lieber ordentlich Fleisch 🙂

Ein anderer Workshop trug den Titel „Make IT fair“ und behandelte die Wertschöpfungskette elektronischer Geräte mit besonderem Augenmerk auf dem Recyling. Ich hatte ja vor ein paar Wochen bereits den Film „Blood in the mobile“ gesehen und hier darüber berichtet – dieser Workshop hat das ganze nochmals ein wenig vertieft. Über ein paar Fakten war ich schon schockiert: jedes Jahr fallen in Deutschland 750 000 Tonnen Elektroschrott an, eine Google-Anfrage benötigt ungefähr soviel Strom wie das 1-stündige Brennen einer Energiesparlampe und ein Plasmabildschirm mit 1m-Bilddiagonale frisst soviel Strom wie 6 Kühlschränke!!!

Außerdem weiß ich jetzt, dass ich in meiner PC-Nutzung alles richtig mache: ein aufgemotzter Gamer-PC kostet schnell 150€ an Strom in Jahr, während man mit einem Laptop meist immer unter 20€ bleibt. Überhaupt ist jeder Desktop-PC ein deutlich größerer Stromschlucker als jeder Laptop. Interessant zu wissen! Solch und noch viel mehr Fakten haben wir uns erarbeitet und z.B. in einem Film die schädlichen Auswirkungen der Verarbeitung von Elektroschrott in Indien kennengelernt. Das hat mich im Nachhinein nochmal zum Nachdenken angeregt: wer meinen Neuseeland-Blog gelesen hat, weiß, dass ich qua Amtes als Freiwilliger mit dem Bulli durch Auckland gecruist bin und samt und für einen meiner Schützlinge alte Waschmaschinen, Kühlschränke und anderen Elektroschrott eingesammelt habe, die er dann auseinandergenommen, verschrottet und verkauft hat. Ganz schön gefährlich sowas – da wae ich mir damals noch garnicht so bewusst drüber.

Am gestrigen Abend folgte dann noch ein Highlight: die Welthandelssimulation

Die hatten einige schon gespielt, was jedoch nicht so schlimm war, denn sie konnten Rollen wie UN, Weltbank, Reporter oder auch das „moralische Gewissen“ übernehmen. Wir wurden Länderteams zugeteilt, das Ziel des Spiels war entsprechend möglichst viel Geld einzunehmen. Dafür musste man – wie das eben so ist – Produkte verkaufen, die man selbst „basteln“ musste. Aber um die Sachen zu „basteln“ brauchte man bestimmte Sachen – Papier, Stifte, Schablonen, Scheren und Co.

Ich hatte natürlich wahnsinniges Pech und war ein Vertreter des Kongo. Wir hatten zwar quasi das Monopol über die Schlüsselressource Papier, sonst aber garnichts. Die erste Zeit des Spiels verbrachten wir also damit, Scheren, Schablonen usw. aufzutreiben, was aber ganz schön schwer war. Die Weltbank sprach nicht mit uns, die anderen „reichen“ Länder wie Frankreich und Japan, die teilweise 2 Scheren, mehrere Schablonen und Co. hatten stellten überzogene Forderungen – wie das auch in der realen Welt so ist. Um nicht ganz unterzugehen gründeten wir nach kurzer Zeit mit dem anderen afrikanischen Land – Togo – die Volksrepublik Katongo (nach dem Fußballspieler ;)) und besaßen damit quasi die gesamten Papierressourcen und sonst nichts, während der Rest in unterschiedlicher Intensität alles hatte, bloß kein oder nur wenig Papier, was essentiell zum Produzieren war. Um selbst Scheren, Schablonen und Co. zu bekommen haben wir natürlich Papier vertauscht – im Nachhinein betrachtet ein Fehler. Wir hätten besser auf unserem Papier sitzen lassen sollen und jeglichen Kontakt zu anderen Ländern verweigern sollen. Die Weltbank, sofern sie mit uns sprach, kommandierte uns so richtig herum (die Leute da haben ihre Rolle richtig genossen), während wir so richtig frustriert wurden (vorsichtshalber wurde vor der Simulation „keine Gewalt“ vereinbart“. Letzten Endes hatte eh alles nichts gebracht – was wir nämlich nicht wussten: wir waren bereits mit 5000 Dollar Schulden in das Spiel gestartet, während andere Nationen keine Schulden, teilweise sogar ein ordentliches positives Vermögen am Anfang hatten. Durch ständige Verzinsungen stieg deren Geld dann automatisch an, während wir uns immer weiter verschuldeten. Von der Weltbank habe ich jetzt ein ganz schlechtes Bild…

Ich war schon ziemlich frustriert, aber naja, so läuft es eben. In der richtigen Welt läuft es (leider) nicht groß anders – diese Erkenntnis durften wir alle mitnehmen. War immerhin ein kleiner Appetizer auf die große MUNBW-Konferenz, die mir in 2 Monaten bevor steht.

Über meine anderen Erlebnisse werde ich vielleicht noch morgen berichten – gerade die Bahn brachte mich mal wieder kurz vor den Nervenzusammenbruch 😉

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Ein Kommentar

  1. Gefaellt mir gut die Seite. Tolle Themenwahl.

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