Die Piratenpartei und das Internet – Ideologie oder Werkzeug?

Wer in der Piratenpartei ein Amt anstrebt, sollte sich schon etwas mit Computern und dem Internet auskennen. Nicht nur, weil man sonst von vielen Piraten eher belächelt wird- je nach Intoleranz und Nerd-Faktor auch pure Ablehung zu nennen – sondern weil man das Internet und alles Schöne, was man damit machen kann, auch zur täglichen Arbeit braucht. Nun bin ich ja quasi ein „digital native“ und meiner Meinung nach durchaus netzaffin – bei einigen Dingen verstehe aber selbst ich nur Bahnhof – und der ein oder  andere Pirat wundert sich darüber.

Ich habe zwar einen Twitter-Account, nutze den aber nicht aktiv. Da ich meine Blogposts drüber verlinkt habe, generiert er immerhin etwas Output. Für den Piraten ist Twitter natürlich das Nonplusultra – da muss ich mich ja fast schämen, dass ich „nur“ Facebook benutze. Denn Facebook ist ja ganz schlimm, ein ganz fieser Datenkrake – da sollte man doch besser „mypirates“ benutzen – da sind die Daten sicher (und man ist sicher der einzige aktive dort…).

Auch Windows-User wie ich haben es schwer: es muss ja schließlich alles Open Source sein, was die Piraten verwenden – naja fast! Ich benutze zwar kein Linux, aber immerhin Mozilla Firefox, Thunderbird und OpenOffice! Das ist doch schonmal ein Anfang!

Kommen wir nun zu den Werkzeugen, die fast essentiell für die Piraten sind. Ich sehe Sie nur als Werkzeug, für manche scheinen sie jedoch eine Ideologie darzustellen. Da gibt es einmal das Wiki: da steht alles drinne, bloß kann man es nicht finden. „Schau doch ins Wiki“ ist der Standardspruch der „Onliner“, der manch „Offliner“ schnell vergrätzt, der so garnichts damit zu tun haben möchte. Beim letzen Stammtisch haben wir uns darauf geeinigt (oder auch nicht !?), dass ab sofort ein Euro ins Sparschwein kommt, falls so ein Satz fällt (die Wahlkampfkasse dürfte schnell prall gefüllt sein).

Neben dem Wiki gibt es noch die „Piratenpads“. Da muss ich sagen: geniale Erfindung. Mehrere Personen können nämlich gleichzeitig live (ideal fürs Protokollieren=, aber natürlich auch zeitversetzt bestimmt Dinge schreiben und erarbeiten. So kann man schnell und effektiv Pressemitteilungen, Wahlprogramme und Co. erarbeiten. Selbst Nicht-Piraten scheinen dieses „Werkzeug“ schon entdeckt zu haben – für Gruppenarbeiten an der Uni eignet es sich nämlich auch vorzüglich.

Sonst läuft die Kommunikation natürlich vor allem über Mailinglisten – was das ist brauche ich wohl nicht mehr zu erklären.

Zugegeben, das ist alles noch nicht sonderlich kompliziert und kannte ich auch bereits zuvor. Jetzt in Amt und Würden werden ganz andere Kaliber aufgefahren: beispielsweise wird der Email-Verkehr zwischen Piraten grundsätzlich (zumindest bei sensiblen Daten) verschlüsselt – mit dem PGP-Verfahren z.B. Denn eine Email ist – was die wenigsten wissen – nichts anderes als ein Brief ohne Briefumschlag. Es ist nicht sonderlich schwer, unbemerkt jede Email einer bestimmten Person mitzulesen. Der von Natur aus paranoide Pirat – der hinter jeder Ecke eine Kamera vermutet – verschlüsselt seine Mails also. Hört sich schwerer an, als es ist, nach 2-3h hat man sich da eingearbeitet und weiß, wie es funktioniert. So ganz grundsätzlich jedenfalls…

Auch andere Sachen gibt es noch – OTRS z.B, ein Ticketsystem (fragt mich nicht nach einen gängigeren Begriff), mit dem ich jetzt weiß, was zu tun ist und wo ich schön meine „Tickets“ abarbeiten darf.

Als Instant Messenger benutzt der richtige Pirat natürlich „Jabber“ (weil man da ja auch verschlüsseln kann), statt Skype nimmt man lieber „Mumble“. Im Mumble hatte ich gestern meine erste Audio-Konferenz – ging ganz gut. Dort kann man frei in jedweden „Raum“ gehen und den Leuten ganz transparent zuhören – ob die Vorstandssitzung des Landesverbands Baden-Würtemmberg, Diskussionen in den Arbeitsgemeinschaften der Piratenpartei oder lockerer Plauderei, z.B im „Dicken Engel“ (ist jedem Pirat, der was auf sich hält,  ein Begriff :D) – im Mumble ist immer was los.

Es gibt auch noch einen Haufen anderer Sachen, auf die ich jetzt aber nicht mehr eingehen möchte. Fakt ist, gerade Leute, die die Realität der Virtualität vorziehen, werden wohl erst einmal von all diesen Sachen erschlagen sein. Der Piratenpartei würde es gut tun, diese Dinge als das zu nehmen, was sie sind – nämlich als sicher nützliche Werkzeuge – mehr aber auch nicht. Auf Dauer vergrätzen die Piraten damit nämlich diejenigen, die sich mit dem Internet nicht auskennen und die sich damit auch garnicht beschäftigen wollen. Das muss man tolerien, akzeptieren und respektieren! Und auch diese Leute braucht die Piratenpartei – denn ein Mehr an Transparenz, Partizipation und Bürgerrechten ist keine Ideologie des Internets, sondern ein Wunsch vieler Menschen, die, wenn überhaupt, das Internet nur für Emails, Online-Shopping, Nachrichten oder soziale Netzwerke nutzen! Diese Leute braucht die Piratenpartei nicht nur als Wähler, sondern auch als aktive Streiter, die den Piraten sehr wichtige Impulse geben (können).

Immerhin noch eine positive Sache, die ich so nie erwartet hätte: ich habe heute für die Piratenpartei einige Sachen in Briefumschläge gesteckt und auf diese ganz analog eine Adresse geschrieben. Ich weiß jetzt auch, wo man Briefumschläge und Briefmarken kaufen kann. Denn diese Kommunikationsform gab es eigentlich nicht in meinem Leben in den letzten Jahren (bzw. noch nie)- ist aber gut zu wissen, dass ich jetzt (wieder) weiß, wie es geht. Briefe muss man ja schließlich auch nicht verschlüsseln – solange das Breifgeheimnis noch gilt…

Und nun, lasset den „shitstorm“ beginnen 😉 !!!

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Ein Kommentar

  1. Welches ist das Plugin rechts ? Das brauche ich auch!

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