Blood in the Mobile

„Blood in the mobile“ – so heisst der Film, den ich heute im Zebra Kino Konstanz sah – ein kleines kommunales, von einem gemeinnützigen Verein betriebenes alternatives Kino, dass diesen Abend sehr gut gefüllt war – denn die Hochschulgruppe „Studieren ohne Grenzen“ der Universität Konstanz hatte ordentlich Werbung gemacht.

Die  ihr diesen Blog lest habt wie ich ihn schreibe, dass gleiche Blut an den Händen, nämlich durch das Blut, dass in euren Handys, Ipads, Laptops, Computern, sogar Herzschrittmachern und ähnlichem steckt.

Erze  wie Coltan (daraus gewinnt man Tantal) braucht heutzutage nämlich fast jedes elektronische Gerät – und gefördert wird es fast nur im Kongo, wo es den dortigen Bürgerkrieg finanziert, indem die dortigen Warlords die Minen kontrollieren, die einheimische Bevölkerung ausbeuten und mit dem Geld Waffen gekauft wird. Im Bürgerkrieg im Kongo sind bereits 5 Millionen Menschen umgekommen.

Der Filmemacher Frank Poulsen aus Dänemark nahm sich der Thematik an und recherchierte investigativ sowohl im Kongo selbst – unter Gefahr für Leib und Leben – als auch in Europa und den USA, wo er mit Politikern, NGOs und vor allem Konzernen – in diesem Fall speziell Nokia – sprach.

Denn das Problem ist seit über 10 Jahren bekannt – getan hat sich wenig. Was geht uns das an, möchten einige fragen? Mir doch egal, wenn ein paar Leute in Afrika sterben, mir geht es gut!

Naja – es muss ja nicht gleich ein Verzicht auf elektronische Geräte sein, aber man könnte den Herstellern dieser Geräte ja z.B signalisieren, dass man in seinem Handy nur „konfliktfreie Materialien“ haben möchte – bloß woher?

Australien und Kanada verfügen noch über Förderkapazitäten, die sie aufgrund des geringen Weltmarktpreises aber auf nahezu Null geschraubt haben – wer will es ihnen verübeln? Wer bezahlt auch freiwillig deutlich mehr, damit sein elektronisches Gerät aus „konfliktfreien“ Gebieten (kann man dort wohl sagen) kommt?

Ein Vorschlag von NGOs ist es, die diese wichtigen Mineralien verwertenden Konzerne dazu zu verpflichten, ihre gesamte Zulieferungskette zu veröffentlichen – könnte fast ein Piratenvorschlag sein – um die Rohstoffe bis an ihren Ursprungsort zurückverfolgen zu können. Das macht jedoch niemand – ist ja vertraulich…

Das Schlimme ist, ein Konzern wie Nokia suhlt sich im Glanze, ein Unternehmen mit hoher „gesellschaftlicher Verantwortung“ zu sein. Diese Verantwortung nimmt er aber nur unzureichend wahr. Dass ihm die Mittel fehlen, den Ursprung der Rohstoffe zurückzuverfolgen ist lachhaft, wenn man sich mal die Umsätze anschaut und vergleicht, dass selbst Frank Poulsen mit bescheidensten Mitteln bis zur Quelle – den Minen von Biesi – vorgedrungen ist. Natürlich muss man bei der gesellschaftlichen Verantwortung – die den meisten Firmen, die sich mit diesem tollen neuen „CSR“ schmücken eher aus Marketinggründen gefällt denn eine Herzensangelegenheit ist – abwägen: wenn überspitzt gesagt soviel Mittel in „saubere“ Rohstoffe gesteckt werden, dass Massenentlassungen stattfinden, ist das sicher ein zu beachtender Punkt.

Die Firmen handeln nicht mit „blutigen“ Rohstoffen bzw. verwenden sie, weil sie böse sind – ganz im Gegenteil findet jeder Mitarbeiter das sehr schlimm – sondern, weil sie ja eigentlich keine andere Wahl haben, möchten sie nicht sang- und klanglos untergehen – die Konkurrenz schläft nicht. Solange die Politik nicht eingreift – in diesem Fall möchte ich es ausnahmsweise begrüßen – wird auch nicht viel passieren. Die USA hingegen – in letzter Zeit nicht grade Hoffnung erregend – haben bereits 2010 ein Gesetz verabschiedet, dass Konzerne Rohstoffnutzung aus dem Kongo transparent machen müssen – ob es nun wirklich eas bringt, sei dahingestellt.

Es ist ein gewisses Dilemma – schwer lösbar und sehr bedeutend. Das nach 10 Jahren kaum etwas passiert ist, ist der wohl größte Vorwurf und noch größer ist der, dass nicht eingestanden wird, dass es ein Problem gibt oder dass man versagt hat.

All diese Punkte werden auch im Film angesprochen – sehenswerter und teilweise unfreiwillig komisch ist jedoch die Reise der Filmemmacher durch den Kongo zu den Minen – mit Korruption an der Tagesordnung.

Im Anschluss fand noch eine Diskussion zu dem Thema statt: allgemeiner Tenor (unter vielen anderen interessanten Ansätzen) war, dass letztlich eh alle zu bequem seien und den Film und das Problem nach 10 Minuten bereits wieder vergessen hätten. Ich mag keine Mail an Nokia schreiben (oder einen anderen Konzern – ist ja nicht nur Nokia!) – tut ja sonst auch niemand 😉 – aber möchte wenigstens in meinem Blog auf diese Problematik hinweisen, was jetzt sehr verkürzt geschehen ist. Der Film ist jedenfalls sehr lohnenswert – schaut ihn Euch an!

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