Das Globalisierungsparadox

Nachdem im alten Jahr das außeruniversitäre Buch lesen zu kurz gekommen ist, lautete einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr, dies zu ändern. Bücher haben sich genug angesammelt – eines davon ist „Das Globalisierungsparadox“ von Dani Rodrik, einem türkischen Ökonomen und Harvard-Professor. Gestern abend erst angefangen, war ich heute Nachmittag bereits mit den gut 350 Seiten fertig – das ganze liest sich schnell, flüssig und ist auch für Nicht-Ökonomen gut verständlich.

Dani Rodrik zeichnet ganz ideologiefrei die Geschichte der Globalisierung nach, gibt viele anschauliche Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte  und stellt Lösungsansätze heraus. Er kritisiert viele Ökonomen, die den „Mythos“ des freien Marktes predigen und versucht zu belegen, dass Freihandel und vollständig deregulierter Kapitalmarkt längst nicht solche Garanten für Wirtschaftswachstum sind, als für die sie gesehen werden. Der spannenden Frage, ob man Wirtschaftswachstum nicht generell überdenken sollte, geht er leider aber  nicht mal ansatzweise nach. Da ist und bleibt er typischer Ökonom…

Ein wichtiger Punkt des Buches ist, wie er es nennt, das „politische Trilemma der Weltwirtschaft“.

Dieses ist ein Zielkonflikt zwischen Hyperglobalisierung, Nationalstaat und Demokratie. Rodrik ist der Ansicht, dass man auf Dauer nur 2 dieser Wahlmöglichkeiten unter einen Hut bringen kann. So gäbe es die „goldene Zwangsjacke“, die Nationalstaatlichkeit und Hyperglobalisierung vereint, aber ohne Demokratie auskommen muss. Die utopische Vision einer Globalregierung vereint Demokratie und Hyperglobalisierung ohne Nationalstaatlichkeit. So nett diese Idee auch klingen mag – die Realisierbarkeit ganz außen vor – so würde Dani Rodrik doch am liebsten Nationalstaatlichkeit und Demokratie vereinen und ohne Hyperglobalisierung auskommen. Das ist nach ihm mit dem „Kompromiss von Bretton Woods“ möglich. Bretton Woods (benannt nach dem gleichnamigen Ort in New Hampshire, USA, wo das Abkommen beschlossen wurde) bezeichnet ein internationales Währungssystem von festenWechselkursen mit goldhinterlegtem Dollar als Leitwährung. Es wurde nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, erschuf die Institutionen IWF (Internationaler Währungsfond) und Weltbank und wich Mitte der 70er Jahre schließlich anderen Währungssystemen, wie wir sie heute kennen. Einfach mal selbst informieren!

Wie genau sein Reformansatz und der ganze große Rest des Buches, der hier unerwähnt bleibt, jetzt genau aussieht, sollte jeder Interessierte selbst nachlesen. Ich kann das Buch durchaus empfehlen, auch wenn ich vielen Aussagen darin nicht unbedingt zustimme. Wenn man sich wie ich gerade intensiv mit Hayek und der Österreichischen Schule beschäftigt, mag das leicht verständlich sein.

Für Globaliserungskritiker, Sozialisten, Piraten und solche, die es werden wollen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen – dem Rest schadet es sicher auch nicht!

 

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: