Wulffs Fehler

Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff ist schon eine tragische Figur. Da verstrickt er sich in einem Skandälchen nach dem nächsten und tut so, als sei nichts geschehen. Immerhin entschuldigt er sich – ich sehe schon das Entsetzen meiner alten Englisch-Lehrerin in den Augen – denn um Entschuldigung kann man laut ihr nur bitten. Aus Piratensicht wirft die ganze Affäre eine interessante Frage auf: wie transparent muss der oberste Mann im Staat sein – und wieweit gilt der Datenschutz für seine Privatsphäre?

Ist es Privatsphäre, wohin er in den Urlaub fährt und wie dieser finanziert wird? Ich würde diese Frage bejahen. Er hat zwar ohne Zweifel Vorteile aus seinen Amt und den damit verbundenen Kontakten gezogen – aber seien wir mal ehrlich , wer täte das nicht? Wichtig ist: es geht hier um ein Privatvergnügen. Würde ich in meinem Amt als Kaiser von China vom Riesen Tur-Tur in die Wüste eingeladen werden,weil ich diesen über Lokomotivführer Lukas kennengelernt habe, würde ich dieses Angebot auch nicht ablehnen (vielleicht doch – die Wüste ist nicht das beste Ziel…)

Ist es Privatsphäre, dass ihm vergünstigte Bankkredite angeboten werden? Diese Frage würde ich verneinen. Es geht hier zwar genauso um einen geldwerten Vorteil verschafft durch Kontakte – doch wiegt der Fall ungleich schwerer. Es geht nicht um ein kurzfristiges Privatvergnügen, sondern um ein langfristigeres Privatgeschäft mit vergleichsweise höheren Summen (ein Vorteil von 20.000€ pro Jahr). Geld regiert die Welt – eine Urlaubsreise mag manch einer neiden, Geld neiden einem fast alle, insbesondere wenn es unrechtmässig erworben wurde. Denn Wulff verstösst gegen das Niedersächsische Ministergesetz, welches die Annahme von Belohnungen und Geschenken, wozu auch verbilligte Kredite zählen, mit Bezug auf das Amt des Ministerpräsidenten (falls nicht gewusst – die Affären liegen meist ja schon ein paar Jahre zurück) verbietet.

Ich möchte das ganze nicht zuweit ausführen – das Wulff einen Fehler gemacht hat kann man wohl kaum abstreiten. Viel schlimmer ist jedoch, wie er damit umgegangen ist, im Moment mit umgeht und wohl in Zukunft auch weiter umgehen wird. Wenn Schweigen ausnahmsweise mal nicht Gold ist, halbgare Entschuldigungen nichts helfen und Ausflüchte mittlerweile mit Gold aufzuwiegen sind, nimmt man eben seinen anzuzweifelnden Einfluss und versucht diesen geltend zu machen. – per telefonischer Drohung.

Was denkt dieser Mann eigentlich? Denkt er überhaupt nach, bevor er handelt? Ich finde, ihm fehlt das Bewusstsein, was für ein Amt er da auskleidet. Da hat mir ein standhafter Horst Köhler deutlich besser gefallen, der für das einsteht, was er gesagt hat. Selbiges würde ich mir auch von Wulf wünschen. Er kann der BLÖD (die, Kompliment, ihn jüngst so richtig hat ins Messer laufen lassen) ruhig drohen – nur muss er dann auch mit den Konsequenzen leben. Nicht nur Rücktritt, sondern auch Strafanzeige. Hinter Schwedischen Gardinen (soweit wird es nie kommen, wir wissen ja schließlich (noch) nicht, was er genau gesagt hat) darf er dann nach Herzenslust weiter drohen – ob des nicht einem ehemaligen Bundespräsidenten angemessenen Essen, eines Bettes, dass auf Mallorca sicher gemütlich war und ob einer Aussicht, die durch schwarze Stangen aufgeteilt auch sicher nicht so schön ist wie im Schloss Bellevue.

Das soll keine Drohung meinerseits sein – nur ein Aufruf an ihn, dass zu machen, wozu er in seiner Telefonbotschaft intendiert hat. Denn nicht nur fehlende Würde, sondern auch mangelndes Metaphernwissen mag man ihm vorwerfen. Dass der „Rubikon überschritten worden sei“ (der Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen überquerte um Rom zu erobern) bedeutet eben nicht nur, dass eine Grenze übertreten worden ist (Wulffs Privatsphärengrenze), sondern aus historischer Sicht auch, dass  Wulff damit anerkennt, dass seine Herrschaft nicht mehr haltbar ist. Vielleicht sollte er sich dies zu Herzen nehmen und seinen Worten Taten folgen lassen – Deutschland wäre es zu wünschen. Mit Joachim Gauck steht ein würdigerer Nachfolger bereit! Oder mit Georg Schramm, der Kabarettist von „Neues aus der Anstalt“, den die Piratenpartei, mag man Gerüchten Glauben schenken, ins Rennen schicken möchte…

Ich gebe Wulff jedenfalls keine Woche mehr – und ihr?

 

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