Experimente…

Heute schreibe ich mal was über Experimente. Nicht solche, wo man Medikamente testen muss – die kämen für mich garnicht infrage.

Stattdessen bin ich mittlerweile fast wöchentlich Teilnehmer von Wirtschaftsexperimenten an der Uni Konstanz. Im sogenannten „LakeLab“, einen für Experimente getrimmten Raum voller PCs, werden quasi stündlich Studenten geschickt, die dann an irgendwelchen Studien teilnehmen dürfen und dafür vergütet werden.

Mal bekommt man bei 2 quälende Stunden nur 10€ raus, mal hat man mit 15€ in 15 Minuten einen schwer zu toppenden Lohn. Der ist, wie man sieht, nämlich nicht fest, sondern muss sich erspielt werden, auch wenn dies eher mit Glück, weniger mit Kompetenz und Leistung zu tun hat.

Man bekommt sogar Geld, 5€, wenn man zum Experiment, für das man sich jeweils immer im Internet anmelden muss, erschienen ist, aber nicht daran teilnehmen kann, weil zuviele Teilnehmer anwesend sind (passiert fast immer, weil die Versuchsleitung die Teilnehmer immer etwas höher anzusetzen versucht, da bei fehlenden Teilnehmern die Durchführung des ganzen Experiments scheitern kann).

Konkret sitzt man bei den Experimenten also im bereits erwähnten Raum in einer von Stellwänden abgegrenzten Kabine, damit jeder übrigens strikt verbotene Kommunikationsversuch zu anderen Teilnehmern schon im Ansatz unterbunden wird. Vor sich sieht man einen Computer-Bildschirm, auf dem die Anweisungen, sofern nicht ausgedruckt vorliegend, angezeigt werden und das Experiment durchgeführt wird.

Was ist jetzt so ein Experiment? Dazu je 3 mal ein paar kurze Informationen:

1. in meinem ersten Experiment musste ich über einen Zeitraum von 2 Stunden Reuters-Nachrichtenmeldungen über Wirtschaftsthemen in englischer Sprache lesen und dabei pro Meldung jeweils bewerten, ob die Meldung für bestimmte Unternehmen positive, neutrale oder negative Informationen enthielten. Entlohnt wurde man nicht für die richtige Antwort, sondern dafür, ob zufällig ausgewählte andere Teilnehmer, die grade die gleiche Meldung bearbeiteten, auch das gleiche anklickten. Natürlich ein Glücksspiel, da die englischen Meldungen zwar durchaus verständlich waren, man als Laie aber nicht immer wirklich bewerten kann, ob das ganze jetzt positiv oder negativ für die betroffenen Unternehmen sei.Wie man sich vorstellen kann, ist das auf Dauer auch ganz schön langweilig, insbesondere weil man ja nach Bearbeitung jeder Meldung warten musste, bis sämtliche andere Teilnehmer fertig waren, um mit der nächsten beginnen zu können. Gebracht hat es mir neben einen kargen Lohn aber immerhin ein gutes Wissen über alle möglichen amerikanischen Unternehmen.

2. mein zweites Experiment lief deutlich schneller und brachte 15€ in 15 Minuten ein. Es wurden einem 4 verschiedene Symbole gezeigt und man sollte innerhalb von 30 Sekunden immer eines anklicken. Das ganze ging 12 Runden lang – am Ende wurde danach bezahlt, ob andere Teilnehmer jeweils ein gleiches Symbol angeklickt hatten. Reines Glücksspiel also, auch wenn es mir schien, dass manch Symbol (von der Form meist gleich, nur unterschiedliche Farben, oder: die gleiche Form in verschiedenener Ausrichtung) auffälliger war als andere. Da ich aber ohnehin ganz spontan nach Bauchgefühl innerhalb einer Sekunde entschied, mag das auch ein Trugschluss gewesen sein. Jedenfalls hatte ich zur Hälfte übereinstimmende Ergebnisse, was mir 6×2€ = 12€ + 3€ für die Teilnahme (ganz leer geht man nämlich nie raus) = 15€ bescherte.

 

3. das dritte Experiment war mal ein klassisches Wirtschaftsexperiment, was wir auch bereits in der Vorlesung „Personal & Organisation“ behandelt hatten. Dort wurde wohl untersucht, ob sich der Mensch wie ein „Homo oeconomicus“ verhält, also rein seinen eigenen Nutzen zu maximieren sucht. Konkret wurden die 24 Teilnehmer in 2 Gruppen aufgeteilt – A und B. Wer A war, durfte aus 7 Punkten (jeder Punkt entspricht 25 Cent) einer zufällig ausgewählten Person B eine frei zu wählende Anzahl an Punkten schenken. Person B musste sich entscheiden, ob sie das Angebot annimmt und beide also die gewählten Punkte erhalten oder es ablehnt und niemand also die Punkte und damit Geld erhält. Ich hatte das Glück, Person A zu sein und handelte ganz „homo oeconomicus“-mässig. Ich bot immer 3 Punkte den anderen an, während ich 4 Punkte für mich behielt. Dies wurde auch ausnahmslos angenommen. Am Anfang versuchte ich einmal, dem anderen nur 1 Punkt zu geben (ist ja schließlich auch Geld ;)), während ich 6 Punkte für mich behielt. Das darauf keiner einging, war schon fast vorrauszusehen (und hatte ich ja auch eigentlich so gelernt). Ganz am Ende beschloss ich noch auf einen Euro zu verzichten und das Experiment etwas zu verzerren: ich schenkte Person B ganze 7 Punkte. Hat ganz schön gedauert, bis die sich von ihrem Schrecken erholt hat und mein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk angenommen hat. Aber ich wollte ja was Gutes tun und mal nicht den Nutzenmaximierer spielen – als Person A hatte ich grundsätzlich ja auch mehr Chancen auf mehr Geld als Person B.

 

Das mal als kleine Information zu solch Experimenten – es lohnt sich durchaus mitzumachen!

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