Frohe Weihnachten!

Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Falls Ihr immer noch so wenig auf Weihnachten eingestimmt seid wie ich , kann Euch ja vielleicht der Powalter-Chor unter dem Dirigenten Prof. Dr. Seibel weiterhelfen, ausschnittsweise zu sehen unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=vTNqbxDpWbs

Letztes Jahr um diese Zeit war ich in Napier, Neuseeland. Dort feierte ich Heiligabend an einem einsamen Strand – ist jetzt und war  ja schließlich Sommer dort – mit romantischen Lagerfeuer in internationaler Gemeinschaft! Weihnachten fiel trotzdem flach für mich – am Morgen des Heiligabends 2010 wurde schließlich mein Auto aufgebrochen und die Hälfte meines Hab und Gutes geklaut. Der 1. Weihnachtstag stand ganz im Zeichen einer langen Autofahrt von Napier nach Rotorua – mit der Route über kilometerlange Schotterpisten durch den Regenwald am Lake Waikaremoana vorbei. Wie gern ich doch da wieder wäre… Der 2. Weihnachtstag führte dann weitere 3 Autostunden weiter nach Auckland, wo ich Neuseeland nach Sydney verließ, wo ich ja Silvester zelebrierte unter einem bombastischen Feuerwerk.

Letzes Jahr Weihnachten in Neuseeland und Silvester in Sydney – dieses Jahr Weihnachten in Filzmoos und Silvester in Herford. Was kommt nächstes Jahr, was wird aus nächstem Jahr? Lassen wir uns überraschen, auch davon, ob ich mir meine guten Vorsätze zu Herzen nehmen werde. Einer davon ist, hier regelmässiger zu schreiben…

 

Bodensee Therme Konstanz

Ich sehe mich gezwungen, mal wieder zu schreiben und sehe mich noch mehr gezwungen, dies im neuen Jahr häufiger zu tun. Ein guter Vorsatz also neben einigen weiteren – mal schauen, inwieweit ich ihn erfüllen kann.

Heute gibt es auch nur einen kleinen stadtspezifischen Artikel – nämlich über die Bodensee-Therme Konstanz. Wer nicht weiß, was eine Therme ist – so etwas wie ein Schwimmbad, bloß weniger zum Schwimmen als viel mehr zum Relaxen in heißen, oft mit angeblich heilenden und angelich natürlichen Mineralstoffen angereicherten Wasser. In den Genuss heißer Quellen kam ich ja bereits in Neuseeland, wo ich im ersten halben Jahr fast wöchentlich die „berühmten“ Hot Pools von Hanmer Springs aufsuchte, während ich im zweiten halben Jahr wirklich wöchentlich im Rahmen meiner Tätigkeit bei Mt Tabor einen Autisten ins Helensviller Bad begleitet habe. Das war zwar nur ein heißes Becken statt 9 verschiedene, aber immerhin war es heiß.

In dieser Beziehung muss ich auch gleich die Bodensee-Therme in Konstanz kritisieren. Wirklich warm ist das Wasser nicht, jedenfalls nicht für einen Warmduscher wie  mich 😉 Aber es ist immerhin so angenehm warm, dass man nicht nach 5 Minuten rausmuss (die 42 Grad Pools in Hanmer Springs haben einen schnell dehydrieren lassen…) und auch Stunden dort aushalten kann, ohne das einem allzu kalt wird. Das mag auch an den eisigen Außentemperaturen liegen, die einem garnicht dazu verleiten, mehr als den Kopf aus dem Wasser herauszustrecken – im Außenbecken natürlich nur, dass ich bei meiner Anwesenheit dort vorziehe. Im Innenbereich ist es zwar schön kuschlig warm lufttemperaturmässig, das Innenbeckenwasser aber recht kalt und der Whirlpool zwar heiß, aber regelmässig überfüllt.

Nun, was macht man in so einer Therme, insbesondere wenn man sie allein aufsucht? Kontemplation lautet das Stichwort, ein neu-denglischer Begriff ist auch „chillaxen“. Was gibt es Entspannenderes, als bequem im warmen Wasser (das ruhig wärmer sein könnte) zu liegen, den Kopf an eine Kopfstütze gelehnt (ja, sowas gibts da!), sich von den Massagedüsen und Blubberblasen massieren zu lassen und in den Sternenhimmel hochzublicken oder das verschiedenfarbige Lichtspiel zu bewundern, dass den aufsteigenden Wasserdampf in ein Meer an Farben verwandelt. Da kann man 2 Stunden mal so richtig vom Studium und dem ganzen Rest abschalten und sich gehen lassen. Das ganze liegt übrigens nur wenige Meter vom Bodensee entfernt – im Winter sicher nicht so ratsam – aber im Sommer kann man über den eigenen Steg dann auch schnell mal eine Erfrischung suchen (wobei ich mich frage, wer im Sommer überhaupt die Therme aufsuchen mag)

Auch architektonisch ist die Therme sehr schön gestaltet – warme Farben, ansprechende Architektur (am Tag spiegelt sich der Bodensee in den Fenstern) und ein angemessenes Interieur samt modernster Technik (Eintrittskarten und Schlüssel für Schließfächer waren gestern – heute kriegt man für alles einen digitalen Chip am Armband) macht das Ganze zu einer wahren Freude.

Und dabei ist es garnicht mal teuer: für einen in Konstanz Wohnenden beträgt der Eintritt in den letzten 2 Abendstunden (20-22 Uhr) grade einmal 4,40€  – das lässt das Studentenbudget auch noch zu.

Wem das jetzt zuviel nach Werbung klingt – es ist eine reine Meinung meinerseits, die sich weder in vergünstigten Eintrittspreisen, wärmerem Wasser oder sonstwas niederschlägt, auch wenn mittleres zu hoffen wäre. Ich gehe da jedenfalls gern min. alle 2 Wochen hin und kann die Leser meines Blogs nur ermuntern, dass gleiche zu tun – ihr müsst ja nicht kontemplieren, sondern könnt euch auch unterhalten – aber bitte nicht allzu laut… 😛

 

Experimente…

Heute schreibe ich mal was über Experimente. Nicht solche, wo man Medikamente testen muss – die kämen für mich garnicht infrage.

Stattdessen bin ich mittlerweile fast wöchentlich Teilnehmer von Wirtschaftsexperimenten an der Uni Konstanz. Im sogenannten „LakeLab“, einen für Experimente getrimmten Raum voller PCs, werden quasi stündlich Studenten geschickt, die dann an irgendwelchen Studien teilnehmen dürfen und dafür vergütet werden.

Mal bekommt man bei 2 quälende Stunden nur 10€ raus, mal hat man mit 15€ in 15 Minuten einen schwer zu toppenden Lohn. Der ist, wie man sieht, nämlich nicht fest, sondern muss sich erspielt werden, auch wenn dies eher mit Glück, weniger mit Kompetenz und Leistung zu tun hat.

Man bekommt sogar Geld, 5€, wenn man zum Experiment, für das man sich jeweils immer im Internet anmelden muss, erschienen ist, aber nicht daran teilnehmen kann, weil zuviele Teilnehmer anwesend sind (passiert fast immer, weil die Versuchsleitung die Teilnehmer immer etwas höher anzusetzen versucht, da bei fehlenden Teilnehmern die Durchführung des ganzen Experiments scheitern kann).

Konkret sitzt man bei den Experimenten also im bereits erwähnten Raum in einer von Stellwänden abgegrenzten Kabine, damit jeder übrigens strikt verbotene Kommunikationsversuch zu anderen Teilnehmern schon im Ansatz unterbunden wird. Vor sich sieht man einen Computer-Bildschirm, auf dem die Anweisungen, sofern nicht ausgedruckt vorliegend, angezeigt werden und das Experiment durchgeführt wird.

Was ist jetzt so ein Experiment? Dazu je 3 mal ein paar kurze Informationen:

1. in meinem ersten Experiment musste ich über einen Zeitraum von 2 Stunden Reuters-Nachrichtenmeldungen über Wirtschaftsthemen in englischer Sprache lesen und dabei pro Meldung jeweils bewerten, ob die Meldung für bestimmte Unternehmen positive, neutrale oder negative Informationen enthielten. Entlohnt wurde man nicht für die richtige Antwort, sondern dafür, ob zufällig ausgewählte andere Teilnehmer, die grade die gleiche Meldung bearbeiteten, auch das gleiche anklickten. Natürlich ein Glücksspiel, da die englischen Meldungen zwar durchaus verständlich waren, man als Laie aber nicht immer wirklich bewerten kann, ob das ganze jetzt positiv oder negativ für die betroffenen Unternehmen sei.Wie man sich vorstellen kann, ist das auf Dauer auch ganz schön langweilig, insbesondere weil man ja nach Bearbeitung jeder Meldung warten musste, bis sämtliche andere Teilnehmer fertig waren, um mit der nächsten beginnen zu können. Gebracht hat es mir neben einen kargen Lohn aber immerhin ein gutes Wissen über alle möglichen amerikanischen Unternehmen.

2. mein zweites Experiment lief deutlich schneller und brachte 15€ in 15 Minuten ein. Es wurden einem 4 verschiedene Symbole gezeigt und man sollte innerhalb von 30 Sekunden immer eines anklicken. Das ganze ging 12 Runden lang – am Ende wurde danach bezahlt, ob andere Teilnehmer jeweils ein gleiches Symbol angeklickt hatten. Reines Glücksspiel also, auch wenn es mir schien, dass manch Symbol (von der Form meist gleich, nur unterschiedliche Farben, oder: die gleiche Form in verschiedenener Ausrichtung) auffälliger war als andere. Da ich aber ohnehin ganz spontan nach Bauchgefühl innerhalb einer Sekunde entschied, mag das auch ein Trugschluss gewesen sein. Jedenfalls hatte ich zur Hälfte übereinstimmende Ergebnisse, was mir 6×2€ = 12€ + 3€ für die Teilnahme (ganz leer geht man nämlich nie raus) = 15€ bescherte.

 

3. das dritte Experiment war mal ein klassisches Wirtschaftsexperiment, was wir auch bereits in der Vorlesung „Personal & Organisation“ behandelt hatten. Dort wurde wohl untersucht, ob sich der Mensch wie ein „Homo oeconomicus“ verhält, also rein seinen eigenen Nutzen zu maximieren sucht. Konkret wurden die 24 Teilnehmer in 2 Gruppen aufgeteilt – A und B. Wer A war, durfte aus 7 Punkten (jeder Punkt entspricht 25 Cent) einer zufällig ausgewählten Person B eine frei zu wählende Anzahl an Punkten schenken. Person B musste sich entscheiden, ob sie das Angebot annimmt und beide also die gewählten Punkte erhalten oder es ablehnt und niemand also die Punkte und damit Geld erhält. Ich hatte das Glück, Person A zu sein und handelte ganz „homo oeconomicus“-mässig. Ich bot immer 3 Punkte den anderen an, während ich 4 Punkte für mich behielt. Dies wurde auch ausnahmslos angenommen. Am Anfang versuchte ich einmal, dem anderen nur 1 Punkt zu geben (ist ja schließlich auch Geld ;)), während ich 6 Punkte für mich behielt. Das darauf keiner einging, war schon fast vorrauszusehen (und hatte ich ja auch eigentlich so gelernt). Ganz am Ende beschloss ich noch auf einen Euro zu verzichten und das Experiment etwas zu verzerren: ich schenkte Person B ganze 7 Punkte. Hat ganz schön gedauert, bis die sich von ihrem Schrecken erholt hat und mein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk angenommen hat. Aber ich wollte ja was Gutes tun und mal nicht den Nutzenmaximierer spielen – als Person A hatte ich grundsätzlich ja auch mehr Chancen auf mehr Geld als Person B.

 

Das mal als kleine Information zu solch Experimenten – es lohnt sich durchaus mitzumachen!

einBlick in die beschlossenen Anträge des Bundesparteitages der Piratenpartei

Wie man sicher mitbekommen hat, fand am vergangenen Wochenende der Bundesparteitag in Offenbach/Hessen – juristisch korrekt müsste es übrigens Bundesmitgliederversammlung heißen, da jeder dort hin und abstimmen darf –  der Piratenpartei statt.
Dort wurde allerhand basisdemorkatisch von 1300 versammelten Mitgliedern  beschlossen, viele Anträge aber auch abgelehnt. Die Partei tritt zwar nicht auf der Stelle, statt nach vorne tritt sie aber einen starken Schritt nach links. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn man sich die angenommenen Anträge mal näher ansieht, die ich aus meiner pseudo-liberalen Sicht kommentiere.
Schade finde ich trotzdem, dass die meisten Anträge, darunter insbesondere Wirtschafts/Finanzthemen aus Zeitgründen nicht behandelt werden konnten (das ist eben der Fluch der Basisdemokratie) . Das nächste mal vielleicht…
  • Die Piratenpartei Deutschland unterstützt Initiativen, Kampagnen und Aktionen gegen Rechtsextremismus. Sie begrüßt die Teilnahme der Parteimitglieder an öffentlichen, friedlichen Aktionen und Demonstrationen und die Zurschaustellung der Parteiinsignien zu diesem Zweck (Sonstiger Antrag X016). Rassismus, Ausländerfeindlichkeit sowie jeder anderen Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird entschieden entgegengetreten. Die Piratenpartei Deutschland unterstützt Kampagnen, die das Verständnis von verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen verbessern und Menschen helfen, sich aus einschlägigen Kreisen zu lösen (Grundsatzprogramm-Antrag PA165).

Kann ich nur vollstens zustimmen!

  • Die Piratenpartei Deutschland sieht in der Vielfalt, die durch das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft entsteht, eine Bereicherung. Die Entwicklung der Europäischen Union führt auch zur vollständigen Freizügigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger. Arbeitsmigranten sollen das Recht bekommen, hier heimisch zu werden und die Möglichkeit zur vollständigen Integration unter Teilhabe und Mitgestaltung des kulturellen und politischen Lebens erhalten (Grundsatzprogramm-Antrag PA052).
Auch hier, wenngleich das ganze ein ein wenig vage ist. Wer 20 Jahre in Deutschland lebt, soll jedoch auch das Recht haben, wählen zu dürfen.
  • Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für ein bedingungsloses Grundkommen ein, das die Existenz sichert und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Dazu soll eine Enquete-Kommission im Bundestag eingesetzt werden, die bestehende Modelle bewertet, neue erarbeitet und diese den Bürgerinnen und Bürgern transparent macht. Parallel sollen auf Bundesebene die Voraussetzungen für Volksabstimmungen geschaffen werden, so dass auch direktdemokratisch über eine Einführung entschieden werden kann. Bis dahin setzt sich die Piratenpartei Deutschland für einen Mindestlohn ein (Wahlprogramm-Antrag PA284).

Jaja, das bedingungslose Grundeinkommen. Der Aufschrei unter den Liberalen in der Piratenpartei war groß. Das Problem liegt meiner Meinung rein darin, dass ein Großteil der Bevölkerung wie auch viele Mitglieder der Piraten die eigentliche Intention eines BGE verkennt, nämlich die Sicherung zur gesellschaftlichen Teilhabe und Partizipation in einer Demokratie, zu der viele Leute einfach garnicht die Möglichkeit haben. Beim BGE gibt es viele Konzepte – die meisten lehne ich ab, eins, zwei sehe ich als realistisch an. Das ist aber mal einen ausführlicheren Artikel in Zukunft wert…

  • Die Piratenpartei Deutschland ist der Ansicht, dass die derzeitige SGB-II-Gesetzgebung („Hartz IV“) sowie das Sozialhilferecht (SGB XII) gegen die Menschenwürde verstoßen (Positionspapier Q038). Die Piratenpartei Deutschland kritisiert das Status Quo der Berechnung des Regelsatzes. Der Regelsatz sollte stattdessen zusammen mit den durchschnittlich erstattungsfähigen Kosten für Unterkunft und Heizung mindestens die Höhe der Armutsrisikogrenze erreichen (Positionspapier Q039). Kürzungen von Sozialleistungen als Sanktionen sollen abgeschafft werden (Positionspapier Q41 sowie Wahlprogramm-Antrag PA 113). Erwerbsarbeit soll finanziell belohnt werden – mindestens 30 Prozent des Zuverdienstes müssen beim Sozialleistungsbezieher bleiben (Positionspapier Q42). Statt Bedarfsgemeinschaften zu unterstellen, ist prinzipiell davon auszugehen, dass beantragte Sozialleistungen tatsächlich benötigt werden und eine Bedarfsgemeinschaft nur dann vorliegt, wenn dies auch erklärt wird. Es soll keine häuslichen Kontrollen zur Überprüfung von Bedarfsgemeinschaften geben (Positionspapier Q43). Außerdem sollen Arbeitssuchende selbst gegen die Entscheidung der Agentur für Arbeit über ihre Erwerbsfähigkeit Widerspruch einlegen können – derzeit haben nur die Sozialleistungsträger oder Krankenkassen diese Möglichkeit (Positionspapier Q044). Die Piratenpartei Deutschland lehnt es ab, dass Mitarbeiter im Jobcenter durch befristete Arbeitsverträge unter Druck gesetzt werden. Die Piratenpartei Deutschland setzt sich daher für ein Verbot von zeitlich befristeten Arbeitsverträgen für die Mitarbeiter der Jobcenter ein (Positionspapier Q045). Abschließend wird die Datensparsamkeit statt Generalverdacht und Überwachung im Umgang mit Sozialleistungsempfängern gefordert (Positionspapier Q055).

Das Ganze sehe ich etwas zwiespältig. Datenschutz ist ohne Zweifel sehr wichtig, genauso wie die „Unschuldsvermutung“. Fakt ist aber, dass Sozialbetrug durchaus  Realität ist – und der muss auch irgendwie aufgedeckt werden. Den Rest sehe ich unter der Bedingung als sinnvoll an, dass es sich finanzieren ließe. Lediglich der Erhöhung der Zuverdienstgrenzen kann ich voll zustimmen.

  • Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in Kammern und Verbänden – wie zum Beispiel der IHK – sowie der Landwirtschafts- oder Handwerkskammer ein. Rechtsanwalts-, Notar- und Ärztekammern sind davon ausgenommen (Grundsatzprogramm-Antrag PA188).

Vollste Zustimmung!

  • Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für eine maximale Überlassungsdauer von sechs Monaten für Leiharbeiter, einen Lohnzuschlag für die abverlangte Flexibilität und eine Höchstquote an Leiharbeitern für Unternehmen ein (Wahlprogramm-Antrag PA068).

Aus wirtschaftsliberaler Sicht verheerend. Grade mit einer Quotenregelung kann ich mich so garnicht anfreunden – da werden schon wieder Assoziationen an andere Dinge wach. Die anderen Punkte sehe ich aber weniger kritisch.

  • Die Piratenpartei Deutschland macht sich für die weltanschauliche Neutralität des Staates statt der Privilegierung der traditionellen christlichen Kirchen stark. Dies schließt die Trennung von religiösen und staatlichen Belangen, keine finanzielle und strukturelle Privilegierung einzelner Glaubensgemeinschaften, keine Erfassung der Religionszugehörigkeit durch staatliche Stellen und keinen staatlichen Einzug von Kirchenbeiträgen mit ein (Grundsatzprogramm-Antrag PA041).
Als Panentheist und Laizist kann ich diesen Beschluss nur begrüßen. Die Kirche ist ohne Zweifel eine äußerst wichtige Institution im sozialen Bereich – ich bin der Meinung, dass soziale kirchennahe Organisationen und z.B auch Kindergärten (wenn auch eine Förderung anderer in freier Trägerschaft stattfindet), die christliche Jugendarbeit (die, wie ich aus eigener Erfahrung und Aktivität weiß nicht wirklich „christlich“ ist) und Co. weiterhin staatlich gefördert werden sollten, da sie gesellschaftlich sehr wichtige Angebote sind.
Trotzdem sitzt die Kirche auf unermesslichen Reichtümern, auch wenn das gerne anders dargestellt wird. Bekenntnisorientierter Religionsunterricht wird dann natürlich ebenfalls abgeschafft – das finde ich eigentlich schade, war es doch das perfekte schriftliche Abitur-Fach 😉 Konkretetes werde ich bald sicher auch mal schreiben…
  • Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für eine repressionsfreie Drogen- und Suchtpolitik, kontrollierte Erwerbsstrukturen und eine ehrliche und sachliche Prävention ein. Entscheidungen des Invididuums für den Konsum sollen respektiert werden. Beratungs- und Hilfseinrichtungen für Süchtige und Angehörige sollen flächendeckend ausgebaut werden. Die Piratenpartei Deutschland spricht sich für sinnvolle, notwendige Gesetze zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aus und befürwortet die Erforschung derzeit illegaler Stoffe zu therapeutischen Zwecken (Grundsatzprogramm-Antrag PA023 sowie Grundsatzprogramm-Antrag PA299).

Wieder so ein Beschluss, den die Medien dazu nutzen, die Piratenpartei in die linke Ecke zu stellen. Mir als liberalen, rational denkenden Menschen erschliesst sich aber nicht, was daran links ist. Es ist höchstens vernünftig! Wer das Gegenteil behauptet und in Regierungsverantwortung ist, soll dann bitte sofort jeglichen Alkohol- und Nikotinkonsum kriminialisieren…

Die Bekämpfung staatlicher Bevormundung ist ein urliberales Ziel, nichts anderes als bevormunden tut der Staat derzeit. Ich selbst habe nie Drogen genommen, ja noch nicht einmal Zigaretten geraucht (allerdings durchaus Alkohol konsumiert :P), noch habe ich das Bedürfnis dazu, dies jemals zu tun. Eine umfassende Aufklärung, vor allem über Gefahren ist nötig, anstatt das ganze zu tabuisieren und zu kriminalisieren. Mir ist es lieber, wenn es einen „Coffee-Store“ pro Stadt gibt, wo legal und kontrolliert konsumiert werden kann, als mich nachts von irgendwelchen Bekifften belästigen zu lassen.
Auch wieder ein weites Feld, zu dem ich längst nicht alles geschrieben habe.
  • Die Piratenpartei Deutschland bekennt sich zu Europa, begrüßt die europäische Idee, die sie weiterentwickeln möchte und sieht die derzeitige Krise mit großer Sorge. Den Verlust von Demokratie im Zuge der europäischen Union sieht sie kritisch. Die Piratenpartei Deutschland will zu einer Debatte über die Möglichkeit eines durch eine gemeinsame Verfassung konstituierten, demokratischen europäischen Rechtsstaates beitragen. Die Piratenparteien in Europa sind aufgerufen, gemeinsam mit der Piratenpartei Deutschland Positionen zu grenzübergreifenden politischen Themen zu erarbeiten (Positionspapier Q065). Die Piratenpartei kritisiert darüber hinaus die demokratischen Defizite bei der Entstehung des ESM-Vertrags (Positionspapier Q111).

Hätte mir hier eine etwas kritischere (trotzdem proeuropäische) Position gewünscht. Das Demokratiedefizit der EU wird aber immerhin angesprochen – der Antrag von den wirtschaftsliberalen Piraten, der der Position der FDP-Rebellen um Frank Schäffler erstaunlich ähnelt, wurde mit recht großer Mehrheit abgeschmettert. Wirtschaftspolitisch steuert die Partei also arg nach links, das finde ich nicht so gut.

  • Die Piratenpartei Deutschland will die Machbarkeit eines fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehrs analysieren. Dafür soll es Pilotprojekte geben und der Versuch im Erfolgsfall bundesweit ausgedehnt werden (Positionspapier Q070).

Kein Kommentar, außer dem, dass man deutlich wichtigere Anträge hätte behandeln können…

  • Die Piratenpartei Deutschland setzt sich dafür ein, dass Verträge mit öffentlichen Einrichtungen sowie Informationen über diese öffentlich sein müssen. Ausschreibungen müssen transparent und tatsächlich offen sein (Grundsatzprogramm-Antrag PA046). Die Piratenpartei Deutschland macht sich außerdem dafür stark, dass Informationen von öffentlichen und öffentlich finanzierten Stellen frei verfügbar gemacht werden müssen (Grundsatzprogramm-Antrag PA088).

Vollste Zustimmung!

  • Die Piratenpartei Deutschland will, dass im Urheberrecht die Rechte von Nutzern gestärkt und vermehrt auch Bildungsaspekte berücksichtigt werden. Nichtgewerbliches Kopieren soll unbegrenzt erlaubt sein. Die Urheberpersönlichkeitsrechte sollen mindestens bis zum Tod des Urhebers, maximal aber bis zu zehn Jahre bis nach seinem Tod, gelten (Wahlprogramm-Antrag PA149).

Ich wäre kein Pirat, wäre ich dagegen. Mehr sage ich dazu nicht 😉 Wär auch zuviel und wird in Zukunft sicher noch einen Artikel wert sein.

Wie man gesehen hat, ist anscheinend nicht sonderlich viel bei rumgekommen. Meine kurzen Kommentare machen mich jetzt sicher sehr angreifbar, aber es ist schon spät und die einzelnen Punkte bedürfen einer genaueren Erläuterung 😉

Im Großen und Ganzen bin ich eigentlich recht zufrieden mit den Ergebnissen des Bundesparteitags – aber nur deshalb, weil bis zur nächsten Bundestagswahl noch einige anstehen werden, wo übrige Anträge behandelt werden können, die das Programm in die eingeschlagene linksliberale Richtung hoffentlich erweitern. Wäre morgen Bundestagswahl, würde ich die Piratenpartei mit so einem Programm nämlich nicht wählen (das aufgeführte war jetzt natürlich nicht das ganze Programm, sondern nur die angenommenen (Änderungs-Anträge !!!).