Eine Nacht in der Bib…

Studium bedeutet Zeitaufwand, wie ich in den vergangenen Wochen lernen musste. Zeit, die für andere Aktivitäten fehlt, z.B diesen Blog. Heute habe ich aber Zeit, weil ich gestern hart gearbeitet habe.

Richtig  – gestern war Samstag und damit Wochenende – aber welcher ernsthaft Studierende hat schon ein Wochenende? Auch heute war ich schon wieder an der Uni und durfte mit meiner kleinen Lerngruppe Methoden lernen -was eher neue Fragen aufgeworfen hat als alte zu beantworten – weil am Mittwoch bereits eine Probeklausur ansteht.

Gestern habe ich aber härter gearbeitet: im Laufe der Woche kristallierte sich die Entscheidung heraus, nach Abenden  voller Aktivität von Dienstag-Freitag (gibts natürlich auch noch;)) es am Samstag etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich nahm also den Bus zur Universität (der samstags nur 1x pro Stunde statt 12x) fährt und suchte die Bibliothek auf, die zu jener Zeit – es war 21 Uhr – bereits eine gähnende Leere aufwies.

Nun ist einigen sicher bekannt, dass weite Teile der Konstanzer Universität von Asbest verschmutzt sind – ca. 80% der gesamten Fläche. Die restlichen 20% teilen sich ungefähr zur Hälfte auf die isolierte naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftlich-juristisch-wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek auf. Letztere ist aber auch bereits riesig – Unmengen an Büchern und auch die Arbeitsräume sind nicht zu knapp. wenn auch unter der Woche natürlich oft trotzdem überfüllt. Der wirkliche Bonus der Bibliothek ist jedoch, dass alles 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr geöffnet ist (auch wenn sie dieses Jahr über Weihnachten wohl geschlossen wird).

An einem Samstag Abend lernt aber keiner in der Bibliothek, was ich schon aus dem verwunderten Blick des Wachmanns lesen konnte. Ich lernte auch garnicht, sondern schrieb. 16780 Zeichen insgesamt. Das sind 4 volle Seiten.

Und zwar schrieb ich einen Essay für mein Proseminar „Klassiker der politischen Theorie“, in dem ich die, zugegeben, gewagte These aufstelle, dass Jean-Jacques Rousseau (sollte man eigentlich kennen als halbwegs gebildeter Mensch) ein totalitärer Denker war. Die Begründung, er sei ein Demokrat, schien mir zu einfach.

In 7 Stunden vollster Konzentration beackerte ich 20 Seiten Text, überlegte mir Argumente und schrieb alles zusammen. Um 4 Uhr war ich dann fertig und erschöpft aber glücklich. Die Rohfassung stand.

Da um 4 Uhr nachts verständlicherweise keine Busse mehr fahren, musste ich noch eine halbe Stunde nach Hause marschieren. Erst verabschiedete ich mich vom unfreundlichen Wachmann mit einem herzlichen „Gute Nacht“ (wahrscheinlich nahm er mir übel, dass ich nun bald schlafen durfte und er noch einige Stunden die leere Bibliothek bewachen musste) und marschierte dann durch den düsteren Wald nach Hause. Die Uni liegt nämlich auf einem Berg im Wald, und statt auf der Straße kann man auf einem kleinen Waldpfad ebenfalls in die Stadt gehen. Ganz schön gruselig, insbesondere als mir plötzlich Wolfgsgestank in die Nase stieg (der Geruch, den man im Zoo am Wolfsgehege empfindet). Fortan schaute ich mich ständig um und war froh, irgendwann den Wald verlassen zu haben und auf Konstanzs Straßen zu kommen, die mich dann sicher nach Hause führten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bibliothek Samstag nachts ein echt gemütlicher Ort ist, an dem man sich problemlos 7 Stunden voll konzentrieren kann. Bei mir ist es ja so, dass mein Gehirn zwischen 23 und 3 Uhr die höchste Arbeitsleistung hat – das muss man halt ausnutzen. Die Ideen, die in der Zeit gesprudelt sind, haben meinem Essay sehr geholfen. Das Essay wird jetzt noch überarbeitet und vielleicht auch von mir hier veröffentlicht – kommt drauf an, welche Note es erhält. Steht die 1 vor dem Komma verspreche ich es zu publizieren…

 

 

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Ein Kommentar

  1. Das Facebook Like Button Plugin waere super. Oder ist mir der Button entgangen?

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