ROCK YOUR LIFE

Heute möchte ich eine Studenteninitiative vorstellen, in der ich mich in Zukunft engagieren werde. Das ganze heißt „ROCK YOUR LIFE“ („Bewege dein Leben“) und bietet Studenten die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von 2 Jahren regelmässig mit einem Hauptschüler zu treffen und diesen in schulischen Dingen, bei der Zukunftsorientierung und bei sonstigen Problemen, die sich so stellen könnten, zu unterstützen.

Die Organisation wurde von Studenten der Ideenschmiede Zeppelin University, einer Privathochschule quer über dem See in Friedrichshafen (wär ich auch gern hingegangen) vor 3 Jahren gegründet, die dieses soziale Unternehmen als „Social Entrepreneurs“ übergeordnet betreiben, während der Kern der Arbeit von den als Verein organisierten Hochschulgruppen geleistet wird. Die gibt es mittlerweile in mehr als 20 deutschen Städten, so auch in Konstanz seit knapp 2 Jahren.

Hier gibt es bereits einige Coaches, die seit letztem Jahr ehrenamtlich ihre  Hauptschüler die letzten 2 ihrer Schuljahre begleiten (8/9. Klasse). Die Hauptschüler sind demnach anfangs meist 13-14 Jahre alt, ab und an aber bereits älter. Sie treffen sich regelmässig – min. alle 2 Wochen für 2 Stunden, unternehmen etwas gemeinsam, bauen eine Beziehung auf und unterstützen den Hauptschüler bei all seinen Fragen und möchten ihm Mut für seine Zukunft vermitteln. Subsidarität ist das Stichwort in einer Gesellschaft, die von Bildungsungerechtigkeit geprägt ist. Als Akademikerkind hat man schon gewisse Vorteile gegenüber Leuten, die aus sozial schwachen, bildungsfernen Schichten kommen und deshalb meist auch nur die Hauptschule besuchen. Ihnen soll klargemacht werden, dass auch sie Stärken haben und gebraucht werden – im Angesicht des demografischen Wandels suchen Unternehmen ja bereits jetzt schon in manchen Bereichen händeringend nach qualifizierten Azubis.

„ROCK YOUR LIFE“ setzt also da an, wo die Politik bisher versagt hat. Natürlich ist es nur ein kleiner Beitrag, eine Hilfe für eine individuelle Person, doch sehe ich dies trotzdem als sehr wichtig an. Vielleicht kann man auch garnicht helfen, vielleicht baut man nur eine freundschaftliche Beziehung auf. Doch auch das sorgt schon für Durchlässigkeit – zukünftige Akademiker brechen aus dem Kreis der ihresgleichen aus und beschäftigen sich mit geringer qualifizierten Menschen und umgekehrt.

Es ist sicher nicht einfach, sich in die Lebenswelt eines in der Pubertät befindlichen Jugendlichen hineinzuversetzen, der zudem in einem ganz anderem Umfeld aufwächst, als man es selber gewöhnt ist. Grade deshalb kann aber auch der Student einiges lernen – Empathie und andere soziale Kompetenzen die man während so eines Coachings entwickelt werden immer essentieller auf dem Arbeitsmarkt. Statt bloßer Theorie in sogenannten „Schlüsselqualifikations-Vorlesungen“ an der Uni wendet man diese Sozialkompetenzen hier praktisch an und kann aus eigenen Fehlern lernen.

Dies nur als kleines Hintergrundwissen, über weiteres kann man ja gerne selbst recherchieren, ob bei Wikipedia, der Website (www.rockyourlife.de) oder in Zeitungsportalen wie z.B der ZEIT (http://www.zeit.de/2010/23/C-Rock-your-life-Initiative/seite-1)

Für mich ist es jedenfalls eine sehr sinnvolle Initiative – das sehen auch diverse Stiftungen und andere Organisationen so – viele Auszeichnungen und Preise (die ich jetzt nicht alle extra erwähne) und die Übernahme der Schirmherrschaft durch Gesine Schwan, Peer Steinbrück und Cem Özdemir zeigen, dass dies auch andere Persönlichkeiten so sehen.

Der Student soll quasi als eine Art vierte Instanz zwischen Eltern, Freunden und Lehrern agieren, als eine Art Mentor, der nicht nur bei Schwierigkeiten unterstützen kann. Nicht jeder engagierte Student ist auf eine solch Aufgabe vorbereitet – deshalb gibt es einige Seminarstunden, die man absolvieren muss.

So durfte ich heute 8 Stunden an der Uni verbringen und muss mich morgen früh um 9 – an einem Sonntag!!! – wieder für 8 Stunden an der Uni quälen. Ein weiteres 16-stündiges Seminar im Dezember und noch eins 2012 sollen für eine gewisse Qualifizierung sorgen – heute durften wir uns z.B über unser Selbstverständnis als Coach klar werden und übten Fragetechniken. Auch wenn das ganze etwas langatmig war (man hätte das ganze auch in 4 statt 8 Stunden packen können) auf jeden Fall eine sinnvolle Sache. Außerdem gibt es regelmässige Stammtische zum Austauschen untereinander (mit den anderen enagierten StudentInnen), mehrmalige Supervisionen unter einem professionellen Coach und natürlich auch persönliche Ansprechpartner, an die man sich bei Problemen wenden kann. Rechtliches muss man natürlich auch beachten – so habe ich am Mittwoch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (immerhin kostenlos) beantragen müssen, in dem hoffentlich keine Vergehen drinstehen werden – ich erinnere mich jedenfalls an nix.

Innerhalb der nächsten 2 Wochen findet dann bereits ein Kennenlernen mit dem zukünftigen Coachee statt. Es ist so, dass sich die Hauptschüler auch selbst für das Programm bewerben müssen – so wird einigermaßen sichergestellt, dass ihre Teilnahme intrinsisch motiviert ist statt nur dem Willen der Eltern oder anderen Einflussfaktoren zu folgen: man kann sich sicher eine Hauptschulklasse vorstellen, in dem es ein paar „coole“ Typen gibt. Es hat sich gezeigt, dass sobald diese von sich aus für das Programm geworben werden können, auch der Rest der Klasse auf dem Zug aufspringt – ist es andersrum möchte manchmal auch fast niemand mitmachen. Um diesem Problem zu entgehen, wird mittlerweile die Vorstellung des Programms nicht mehr im Frontalunterricht in Anwesenheit des Lehrers verrichet, sondern in mehrere Kleingruppen ohne Anwesenheit des Lehrers ausgewichen, wo es den Jugendlichen viel leichter fällt, sich von sich aus für das Programm zu entscheiden – oder auch nicht.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das alles entwickeln wird und bin gespannt auf meinem Coachee und wie wir klar kommen werden. Natürlich hoffe ich auch, dass das ganze uns beiden Spaß macht – sonst sehe ich das Gelingen von vornherein als gescheitert an – und ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten und Kompetenzen in der Lage bin, etwas zu ändern.

Wer jetzt Lust hat, sich bei „ROCK YOUR LIFE“ (zugegeben, der Name ist diskussionswürdig) zu engagieren – die suchen immer Leute, sowohl natürlich für das Kernprogramm des Coachings, genauso aber in den sonstigen organisatorischen Dingen, sei es nun Marketing und Pressearbeit oder Korrdinierung anderer Aktionen und viel mehr. Falls es keine RYL-(Hochschul)-Gruppe in Eurer Stadt gibt, besteht auch die Möglichkeit, selbst so eine Gruppe aufzubauen 😉

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