Demo gegen „rechte Gewalt“ in Konstanz

Gestern marschierte ich auf meiner ersten Demo mit. Die Jusos Konstanz (deren Ansichten ich sonst eigentlich nicht teile) hatten angesichts der jüngsten, sicher bekannte,  Ereignisse zu einer Demonstration gegen „rechte Gewalt“ aufgerufen, die unter der Schirmherschaft des Uni-Rektors Prof. Dr. Rüdiger und dem Intendanten des Staattheaters Konstanz, Christoph Nix, stattfand.

So fanden sich am gestrigen Donnerstag gegen 17 Uhr auch zahlreiche Unterstützer vor der Universität zusammen – der SÜDKURIER (Konstanzer Tageszeitung) sprach von 400 Teilnehmern, die große Masse Studenten, lobenswerterweise auch einige „Powalter“.

Angeführt und abgeschlossen von der Polizei und begleitet von zahlreichen Ordnern führte die Demonstration den Gießberg hinab, die Friedrichsstraße entlang, über den Zähringer Platz, dann aber die Jahn-, Peterhausener-und Spanierstraße entlang, um danach die Rheinbrücke direkt am Bodensee zu überqueren  (bis hierhin wurde der Konstanzer Feierabendverkehr stark eingeschränkt ;)) und danach in den Gassen der Altstadt zu verschwinden, die letztlich zum Münsterkirchplatz führten. Dort wurde eine Kundgebung abgehalten, bei denen auch zwei Kommilitonen (auf Namen verzicht ich mal :P), einmal für die Grünen, einmal für die linke Hochschulgruppe, ihre Parolen schwangen. Im Gegensatz zur Antifa, die die Veranstaltung für ihre teils bizarren Thesen instrumentalisierte, jedoch völlig angemessene Worte. So wurde  z.B auch der alltägliche Rassismus kritisiert, der sich in Neologismen wie „Döner-Morden“ oder „SOKO Bosporus“ niederschlägt, vorzugsweise in der BLÖD und der Version davon für Analpabeten (gemeint sind spezielle Fernsehsender).

Für weitere Informationen ist der Südkurier-Artikel zu empfehlen: http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/400-Buerger-setzen-ein-Zeichen;art372448,5245275

 

Was ziehe ich jetzt für ein Fazit aus meiner „ersten“ wirklichen Demonstration? Naja – es war halt ein kleiner Spaziergang, ein jeder geschmückt mit Knicklichtern, mit netten Gesprächen – das Schreien können die Antifanten ja auch schließlich besser – für eine sinnvolle Sache. Manch Bürger mag sich gewundert haben, dass so etwas im beschaulichen Konstanz an einer so „unpolitischen“ Hochschule überhaupt stattfinden konnte, dazu auch noch im bitterkalten nebligen November – in dem Sinne kann man die ganze Sache als sehr gelungen betrachten! Das haben die Organisatoren, die Juso-Hochschulgruppe Konstanz, ausnahmsweise mal richtig und gut gemacht 😉

 

Advertisements

der „powalter“ – Fachschaftsmagazin

Heute möchte ich Euch den „powalter “ vorstellen. So heisst das Fachschaftsmagazin des Fachbereichs Politik und Verwaltung hier in Konstanz. Das Magazin heißt nicht nur so, sondern auch der hiesige Politik-Student und -Absolvent wird liebevoll als „Powalter“ oder „Powaltraud“ betitelt. Das ganze ist schon zu einer regelrechten Marke ausgeartet, ganz Deutschland, ach nein, die ganze Welt reißt sich um uns „Powalter“, weil wir ja so tolle Methodenkenntnisse haben…

Aber ich möchte jetzt über das Fachschaftsmagazin sprechen, für das ich dieses Semester auch einen Artikel beisteuern werde. In dem geht es über  einen „großen Denker ganz privat“ – in jenem Fall Max Weber, den ich satiristisch in die Mangel nehmen werde (bzw. schon genommen habe). Außerdem werde ich viel korrigieren und bin momentan schon dabei, Anzeigen zu akquirieren.

Denn so ein Fachschaftsmagazin – unseres erscheint einmal im Semester – will ja finanziert werden, zumal es für die Studierenden, Professoren und Mitarbeiter des Fachbereichs wie auch andere Interessierte kostenlos ist. Zu diesem Zweck schreibe ich Unternehmen an, ob sie eine Anzeige in unser Magazin setzen wollen.

Vielleicht ist unter meinen Blog-Lesern ja jemand, der mit einer kleiner Anzeige gezielt den  freizeithedonistischen Top„-Studenten aus Konstanz ansprechen möchte – die Auflage des Magazins beträgt in etwa 700, womit man eine Vielzahl junger Menschen erreichen kann. Weitere, ausführliche Informationen gebe ich gerne auf Anfrage!

Den „powalter“ gibt es natürlich auch online zu lesen, nämlich hier (die vergangenen 6-7 Ausgaben jedenfalls): http://www.uni-konstanz.de/powalter/archiv.html

Schaut mal rein, es lohnt sich! Hat trotz viel Satire (oder grade wegen) meine Studienentscheidung für Konstanz nicht unerheblich beeinflusst. Natürlich gibt es auch ernste Artikel, Vorstellungen von Professoren, übrigen Mitarbeitern und Studierenden, Berichte aus dem Praktikum und Auslandssemestern, viele witzige Einfälle und noch viel mehr!

 

 

Eine Nacht in der Bib…

Studium bedeutet Zeitaufwand, wie ich in den vergangenen Wochen lernen musste. Zeit, die für andere Aktivitäten fehlt, z.B diesen Blog. Heute habe ich aber Zeit, weil ich gestern hart gearbeitet habe.

Richtig  – gestern war Samstag und damit Wochenende – aber welcher ernsthaft Studierende hat schon ein Wochenende? Auch heute war ich schon wieder an der Uni und durfte mit meiner kleinen Lerngruppe Methoden lernen -was eher neue Fragen aufgeworfen hat als alte zu beantworten – weil am Mittwoch bereits eine Probeklausur ansteht.

Gestern habe ich aber härter gearbeitet: im Laufe der Woche kristallierte sich die Entscheidung heraus, nach Abenden  voller Aktivität von Dienstag-Freitag (gibts natürlich auch noch;)) es am Samstag etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich nahm also den Bus zur Universität (der samstags nur 1x pro Stunde statt 12x) fährt und suchte die Bibliothek auf, die zu jener Zeit – es war 21 Uhr – bereits eine gähnende Leere aufwies.

Nun ist einigen sicher bekannt, dass weite Teile der Konstanzer Universität von Asbest verschmutzt sind – ca. 80% der gesamten Fläche. Die restlichen 20% teilen sich ungefähr zur Hälfte auf die isolierte naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftlich-juristisch-wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek auf. Letztere ist aber auch bereits riesig – Unmengen an Büchern und auch die Arbeitsräume sind nicht zu knapp. wenn auch unter der Woche natürlich oft trotzdem überfüllt. Der wirkliche Bonus der Bibliothek ist jedoch, dass alles 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr geöffnet ist (auch wenn sie dieses Jahr über Weihnachten wohl geschlossen wird).

An einem Samstag Abend lernt aber keiner in der Bibliothek, was ich schon aus dem verwunderten Blick des Wachmanns lesen konnte. Ich lernte auch garnicht, sondern schrieb. 16780 Zeichen insgesamt. Das sind 4 volle Seiten.

Und zwar schrieb ich einen Essay für mein Proseminar „Klassiker der politischen Theorie“, in dem ich die, zugegeben, gewagte These aufstelle, dass Jean-Jacques Rousseau (sollte man eigentlich kennen als halbwegs gebildeter Mensch) ein totalitärer Denker war. Die Begründung, er sei ein Demokrat, schien mir zu einfach.

In 7 Stunden vollster Konzentration beackerte ich 20 Seiten Text, überlegte mir Argumente und schrieb alles zusammen. Um 4 Uhr war ich dann fertig und erschöpft aber glücklich. Die Rohfassung stand.

Da um 4 Uhr nachts verständlicherweise keine Busse mehr fahren, musste ich noch eine halbe Stunde nach Hause marschieren. Erst verabschiedete ich mich vom unfreundlichen Wachmann mit einem herzlichen „Gute Nacht“ (wahrscheinlich nahm er mir übel, dass ich nun bald schlafen durfte und er noch einige Stunden die leere Bibliothek bewachen musste) und marschierte dann durch den düsteren Wald nach Hause. Die Uni liegt nämlich auf einem Berg im Wald, und statt auf der Straße kann man auf einem kleinen Waldpfad ebenfalls in die Stadt gehen. Ganz schön gruselig, insbesondere als mir plötzlich Wolfgsgestank in die Nase stieg (der Geruch, den man im Zoo am Wolfsgehege empfindet). Fortan schaute ich mich ständig um und war froh, irgendwann den Wald verlassen zu haben und auf Konstanzs Straßen zu kommen, die mich dann sicher nach Hause führten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bibliothek Samstag nachts ein echt gemütlicher Ort ist, an dem man sich problemlos 7 Stunden voll konzentrieren kann. Bei mir ist es ja so, dass mein Gehirn zwischen 23 und 3 Uhr die höchste Arbeitsleistung hat – das muss man halt ausnutzen. Die Ideen, die in der Zeit gesprudelt sind, haben meinem Essay sehr geholfen. Das Essay wird jetzt noch überarbeitet und vielleicht auch von mir hier veröffentlicht – kommt drauf an, welche Note es erhält. Steht die 1 vor dem Komma verspreche ich es zu publizieren…

 

 

Einf. in die Verwaltungswissenschaft

Ich denke mir, einen kleinen Einblick in mein Studium würde den einen oder anderen interessieren. Politik- und Verwaltungswissenschaften ist schließlich nicht allzu bekannt – in dieser Form hier an der Uni Konstanz ja auch deutschlandweit einzigartig. Ich möchte heute nicht darauf eingehen, was das eigentlich ist, was man da alles macht und was man damit später machen kann, sondern werde beginnen ein Modul meines ersten Semestes vorzustellen – meine weiteren Module werden dann in den nächsten Tagen nach und nach folgen. Fangen wir an mit:

Einführung in die Verwaltungswissenschaften

In dieser Veranstaltung, einer Vorlesung samt freiwilligen Tutorat (in der Vorlesung besteht allerdings wie in keiner bei uns auch keine Anwesenheitspflicht) werden wir in einen quasi identitätsstiftenden Teil unseres Studiums eingeführt – in die Verwaltungswissenschaften. Das nimmt unser renommierter Professor Wolfgang Seibel vor, eine Koryphäe seines Faches zumindest deutschlandweit. Einfach mal googlen, er hat sogar einen recht ausführlichen Wikipedia-Artikel, was ja längst nicht selbstverständlich ist.

Er versucht uns nahezubringen, was Verwaltung eigentlich ist und wie sie funktioniert. Alles sehr theoretisch, was sich auch an der Lektüre bemerkbar macht. Ca. 100 Seiten zu jeder Vorlesung müssen wir lesen, meist trocken verfasste Fachliteratur, überwiegend auf Englisch. Die deutsche Verwaltungswissenschaft ist ja nämlich nicht sehr ausgeprägt, sieht man von Max Weber ab, der in der USA verehrt wird, während er, wie wir lernen durften, hier in Deutschland eher weniger Beachtung geniesst Themen der Vorlesungen waren bisher „Verwaltung als Werkzeug/Integrationsinstanz“  und „Verwaltungsautonomie/Verwaltungsresponsivität“. Morgen wird es wohl um „böse“ und „gute“ Verwaltungen gehen oder auch ethische Aspekte des Verwaltens. Herr Seibel hat nämlich ein Buch verfasst mit dem Titel „Macht und Moral. Die Endlösung der Judenfrage“, aus denen wir Ausschnitte lesen durften zur kommenden Vorlesung.  Überhaupt gibt er gerne Texte von sich selbst auf – man muss das aber positiv hervorhebend sagen, dass die vergleichsweise noch die am verständlichsten sind.

Alles in allem ist die Einführung in die Verwaltungswissenschaften bisher sehr interessant und überschneidet sich auch mit anderen Veranstaltungen, beispielsweise dem „Politischen System der BRD“ und „Personal & Organisation“. Im Hinblick auf letzteres kenne ich jetzt durch einen Verwaltungstext die „Stewardship-Agency“-Theorie – vermutlich habt Ihr von sowas noch nie gehört!

Es ist auf jeden Fall eine gewaltige Stoffmenge und sehr abstrakt – trotzdem komme ich momentan noch gut mit und das ganze bereitet mir durchaus Freude. Mal schauen, wie sich das ganze noch so entwickeln wird…

Dahrendorf, Konstanz & was die FDP damit zu tun hat

Um heute auch noch ein wenig Content zu generieren, eine kleine Information mit anschließender Zusatzinformation (die eigentlich nicht so geplant war, ich nach Abschluss des Textes jetzt jedoch ankündigen möchte), auf die ich zufällig in den letzten Tagen gestossen bin.

Als liberaler Mensch beschäftige ich mich natürlich oft mit liberalen Theoretikern und Persönlichkeiten, um neue Ansichten kennenzulernen und mit den meinigen zu vergleichen. Einer davon ist Ralf Dahrendorf oder auch Lord Dahrendorf, ein deutsch-britischer Soziologe, der auch eine Vielzahl bedeutender Ämter- sei es Mitglied des Bundestags, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Direktor der Londoner LSE (London School of Economics) oder Mitglied der Europäischen Komission- innehatte.

Was viele nicht wissen: der gute Mann ist Mitbegründer der Universität Konstanz, an den er danach wenige Jahre in Soziologie eben forschte und lehrte. Gestorben ist er vor 2 Jahren, sein Vermächtnis lebt trotzdem noch weiter.

So ist nach ihm der Dahrendorfkreis benannt, eine organisierte Strömung in der FDP, die versucht die Partei zu erneuern. Hat die FDP ja auch bitter nötig.            Der Dahrendorf-Kreis vertritt linksliberale Werte, die auch mir wichtig sind, weshalb ich ihm alles Gute und mehr Einfluss innerhalb der FDP wünsche, die meiner Einschätzung nach – nicht zuletzt wegen des bevorstehenden Mitgliederentscheids zum Rettungsschirm – bald auseinanderbrechen könnte. Mitglieder dort sind vor allem, aber nicht nur, Abgeordnete des Europaparlaments – aus der Bundespolitik Abgeschobene also sozusagen, darunter der Deutsch-Grieche Jorgo Chatzimarkakis. Kein Wunder, dass der sich so vehement für den Rettungsschirm einsetzt, könnte man meinen…

Ihm wurde im Übrigen auch der Doktortitel wegen Plagiaten entzogen – wissenschaftliche Unredlichkeit – ein sehr schlimmes Verbrechen nach Worten unserer Professoren – gibt es also nicht nur in der CSU. Linksliberalität schützt eben auch nicht vor Intransparenz und Profilierungsstreben. Nicht nur deshalb trete ich natürlich nicht in die FDP und den Dahrendorfkreis ein. Doch das ist ein anderes Thema, das mir nur den so dringend benötigten Schlaf stiehlt.             Das ist einer Partei ja nicht wert, die mittlerweile ihr 1,8% (achtzehn!) Wahlziel erreicht hat…

Herbsteindrücke aus Konstanz

Die Blätter fallen von den Bäumen, über Bodensee und Stadtgebiet hängt stetiger Nebel, es wird kälter, regnerischer und früher dunkel. Der Herbst hat Konstanz voll im Griff und kann trotzdem als golden bezeichnet werden. Hier kommen jetzt einige Bilder über Konstanz und vor allem dem Bodensee im Herbst, die in den vergangenen Herbstwochen aufgenommen wurden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

ROCK YOUR LIFE

Heute möchte ich eine Studenteninitiative vorstellen, in der ich mich in Zukunft engagieren werde. Das ganze heißt „ROCK YOUR LIFE“ („Bewege dein Leben“) und bietet Studenten die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von 2 Jahren regelmässig mit einem Hauptschüler zu treffen und diesen in schulischen Dingen, bei der Zukunftsorientierung und bei sonstigen Problemen, die sich so stellen könnten, zu unterstützen.

Die Organisation wurde von Studenten der Ideenschmiede Zeppelin University, einer Privathochschule quer über dem See in Friedrichshafen (wär ich auch gern hingegangen) vor 3 Jahren gegründet, die dieses soziale Unternehmen als „Social Entrepreneurs“ übergeordnet betreiben, während der Kern der Arbeit von den als Verein organisierten Hochschulgruppen geleistet wird. Die gibt es mittlerweile in mehr als 20 deutschen Städten, so auch in Konstanz seit knapp 2 Jahren.

Hier gibt es bereits einige Coaches, die seit letztem Jahr ehrenamtlich ihre  Hauptschüler die letzten 2 ihrer Schuljahre begleiten (8/9. Klasse). Die Hauptschüler sind demnach anfangs meist 13-14 Jahre alt, ab und an aber bereits älter. Sie treffen sich regelmässig – min. alle 2 Wochen für 2 Stunden, unternehmen etwas gemeinsam, bauen eine Beziehung auf und unterstützen den Hauptschüler bei all seinen Fragen und möchten ihm Mut für seine Zukunft vermitteln. Subsidarität ist das Stichwort in einer Gesellschaft, die von Bildungsungerechtigkeit geprägt ist. Als Akademikerkind hat man schon gewisse Vorteile gegenüber Leuten, die aus sozial schwachen, bildungsfernen Schichten kommen und deshalb meist auch nur die Hauptschule besuchen. Ihnen soll klargemacht werden, dass auch sie Stärken haben und gebraucht werden – im Angesicht des demografischen Wandels suchen Unternehmen ja bereits jetzt schon in manchen Bereichen händeringend nach qualifizierten Azubis.

„ROCK YOUR LIFE“ setzt also da an, wo die Politik bisher versagt hat. Natürlich ist es nur ein kleiner Beitrag, eine Hilfe für eine individuelle Person, doch sehe ich dies trotzdem als sehr wichtig an. Vielleicht kann man auch garnicht helfen, vielleicht baut man nur eine freundschaftliche Beziehung auf. Doch auch das sorgt schon für Durchlässigkeit – zukünftige Akademiker brechen aus dem Kreis der ihresgleichen aus und beschäftigen sich mit geringer qualifizierten Menschen und umgekehrt.

Es ist sicher nicht einfach, sich in die Lebenswelt eines in der Pubertät befindlichen Jugendlichen hineinzuversetzen, der zudem in einem ganz anderem Umfeld aufwächst, als man es selber gewöhnt ist. Grade deshalb kann aber auch der Student einiges lernen – Empathie und andere soziale Kompetenzen die man während so eines Coachings entwickelt werden immer essentieller auf dem Arbeitsmarkt. Statt bloßer Theorie in sogenannten „Schlüsselqualifikations-Vorlesungen“ an der Uni wendet man diese Sozialkompetenzen hier praktisch an und kann aus eigenen Fehlern lernen.

Dies nur als kleines Hintergrundwissen, über weiteres kann man ja gerne selbst recherchieren, ob bei Wikipedia, der Website (www.rockyourlife.de) oder in Zeitungsportalen wie z.B der ZEIT (http://www.zeit.de/2010/23/C-Rock-your-life-Initiative/seite-1)

Für mich ist es jedenfalls eine sehr sinnvolle Initiative – das sehen auch diverse Stiftungen und andere Organisationen so – viele Auszeichnungen und Preise (die ich jetzt nicht alle extra erwähne) und die Übernahme der Schirmherrschaft durch Gesine Schwan, Peer Steinbrück und Cem Özdemir zeigen, dass dies auch andere Persönlichkeiten so sehen.

Der Student soll quasi als eine Art vierte Instanz zwischen Eltern, Freunden und Lehrern agieren, als eine Art Mentor, der nicht nur bei Schwierigkeiten unterstützen kann. Nicht jeder engagierte Student ist auf eine solch Aufgabe vorbereitet – deshalb gibt es einige Seminarstunden, die man absolvieren muss.

So durfte ich heute 8 Stunden an der Uni verbringen und muss mich morgen früh um 9 – an einem Sonntag!!! – wieder für 8 Stunden an der Uni quälen. Ein weiteres 16-stündiges Seminar im Dezember und noch eins 2012 sollen für eine gewisse Qualifizierung sorgen – heute durften wir uns z.B über unser Selbstverständnis als Coach klar werden und übten Fragetechniken. Auch wenn das ganze etwas langatmig war (man hätte das ganze auch in 4 statt 8 Stunden packen können) auf jeden Fall eine sinnvolle Sache. Außerdem gibt es regelmässige Stammtische zum Austauschen untereinander (mit den anderen enagierten StudentInnen), mehrmalige Supervisionen unter einem professionellen Coach und natürlich auch persönliche Ansprechpartner, an die man sich bei Problemen wenden kann. Rechtliches muss man natürlich auch beachten – so habe ich am Mittwoch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (immerhin kostenlos) beantragen müssen, in dem hoffentlich keine Vergehen drinstehen werden – ich erinnere mich jedenfalls an nix.

Innerhalb der nächsten 2 Wochen findet dann bereits ein Kennenlernen mit dem zukünftigen Coachee statt. Es ist so, dass sich die Hauptschüler auch selbst für das Programm bewerben müssen – so wird einigermaßen sichergestellt, dass ihre Teilnahme intrinsisch motiviert ist statt nur dem Willen der Eltern oder anderen Einflussfaktoren zu folgen: man kann sich sicher eine Hauptschulklasse vorstellen, in dem es ein paar „coole“ Typen gibt. Es hat sich gezeigt, dass sobald diese von sich aus für das Programm geworben werden können, auch der Rest der Klasse auf dem Zug aufspringt – ist es andersrum möchte manchmal auch fast niemand mitmachen. Um diesem Problem zu entgehen, wird mittlerweile die Vorstellung des Programms nicht mehr im Frontalunterricht in Anwesenheit des Lehrers verrichet, sondern in mehrere Kleingruppen ohne Anwesenheit des Lehrers ausgewichen, wo es den Jugendlichen viel leichter fällt, sich von sich aus für das Programm zu entscheiden – oder auch nicht.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das alles entwickeln wird und bin gespannt auf meinem Coachee und wie wir klar kommen werden. Natürlich hoffe ich auch, dass das ganze uns beiden Spaß macht – sonst sehe ich das Gelingen von vornherein als gescheitert an – und ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten und Kompetenzen in der Lage bin, etwas zu ändern.

Wer jetzt Lust hat, sich bei „ROCK YOUR LIFE“ (zugegeben, der Name ist diskussionswürdig) zu engagieren – die suchen immer Leute, sowohl natürlich für das Kernprogramm des Coachings, genauso aber in den sonstigen organisatorischen Dingen, sei es nun Marketing und Pressearbeit oder Korrdinierung anderer Aktionen und viel mehr. Falls es keine RYL-(Hochschul)-Gruppe in Eurer Stadt gibt, besteht auch die Möglichkeit, selbst so eine Gruppe aufzubauen 😉

Über die „Unechte Teilortswahl“

Heute war mal wieder Piratenstammtisch. Das Thema, um das sich die unstrukturierte, hart aber herzliche Diskussion bemühte, war die „unechte Teilortswahl“.

Noch nie gehört? Ich bis heute auch nicht. Es ist wohl ein auf Baden-Würtemmberg beschränktes Phänomen, das aber bald Geschichte sein könnte. Konkret geht es nämlich um die Mitbestimmungsrechte kleiner Gemeinden, die um größere Orte herum verstreut liegen. Der größere Ort, die Stadt, hat einen Stadtrat – der kleinere Ort, die Gemeinde oder das Dorf, einen Gemeinderat. Bisher war es so, dass es eine „unechte Teilortswahl“ gab, d.h. http://de.wikipedia.org/wiki/Unechte_Teilortswahl

Zugegeben, bevor ich etwas falsch erkläre, verweise ich lieber auf Wikipedia. Das geht schneller für mich und ist auch bequemer für Euch – ich würde es eh nur falsch, lang und langweilig machen. Das Ganze ist auch recht kompliziert und zieht so  einige Kritik auf sich – so ist die Anzahl ungültiger Stimmzettel deutlich höher (5%) als sonst (2%) und es ergibt sich das Problem, dass „Außenseiter“, die den Teilort gar nicht vertreten, trotzdem für diesen von allen Wählern aller Teilorte in den Stadtrat gewählt werden können. Das größte Problem ist aber wohl, dass der Rat deutlich größer werden kann durch diese Besonderheit des Wahlrechts, was auf Kommunalebene zwar keine allzu hohen Kosten durch Aufwandsentschädigungen verursacht, wohl aber zu Problemen mit der Bereitstellung von Räumen und ähnlichem führt.

Mit dem Vorwand dieser Kritikpunkte wird diese „unechte Teilortswahl“ in immer mehr Gegenden abgeschafft, was zur Folge hat, dass kleinere Orte keine direkten Vertreter mehr im Rat haben, die sich führ ihre Belange einsetzen können, sei es die Renovierung der Turnhalle, der Wunsch nach schnellerem Internet oder die Busverbindungen in die Stadt. Kleine Dinge kann man meinen – aber für die Bevölkerung des Dörfchens sehr wichtig.

Sitzt nämlich kein Vertreter der Dörfer mehr im Stadtrat, so wird sich dieser auch kaum noch um die kleinen Dörfer rundherum kümmern, aus Kostengründen z.B. In Konstanz ist diese Problematik wegen der eingekesselten geografischen Lage  nicht allzu schlimm, es gibt nur zwei kleinere zu Konstanz gehörende  Orte außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes – Dettingen und Wallhausen (Probleme habe die trotzdem auch, z.B mangelhafter ÖPNV nach Konstanz).

In vielen ländlichen Gegenden Baden-Würtemmbergs sieht das aber anders aus. Ein nicht schlechtes Beispiel ist die nächste größere Stadt nördlich von Konstanz, nämlich Singen, um die herum viele kleine Dörfer liegen.

Die sind mittlerweile nicht mehr im Stadtrat vertreten – Singen hat nämlich kürzlich die „unechte Teilortswahl“ abgeschafft (das ist eine Entscheidung der Stadt), Konstanz steht kurz davor. Das geschah in meinen Augen – um zur Kernessenz dieses Artikels zu kommen – nicht aus der angeführten Kritik an der „unechten Teilortswahl“, sondern vor allem aus machtpolitischen Gründen, nicht nur in Singen, sondern auch in anderen Städten, wo dies abgeschafft wurde.

Singen ist eine sehr linksgrün, sozialdemokratische Stadt, im gesamten Umland auf den Dörfern ist die CDU aber weiterhin vorherrschend. Sämtliche Parteien im Stadtrat von Singen außer der CDU sprachen sich also für die Abschaffung der „unechten Teilortswahl“ aus, um den Einfluss der CDU im Stadtrat zu verringern. Die kämpfte natürlich „leidenschaftlich“ für deren Erhalt.

In anderen Gegenden Baden-Würtemmbergs sieht das ganze aber anders aus. Dort möchte die CDU die „unechte Teilortswahl“ unbedingt abschaffen und stößt auf Widerstand der anderen Parteien. Reine Machterhaltungspolitik nenne ich das! Um die Interessen der Bürger, speziell der Dörfler kümmert sich niemand. Das zeigte auch die Informationspolitik der Stadt Singen gut: es gab ein wenig Information zum Schein, doch statt die Dörfler anzuhören, wurde über deren Köpfen hinweg  zu deren Nachteil gleich die Abschaffung beschlossen, statt einer offen Diskussion gab es bereits eine vorgefertigte, auf Machtsicherungsfantasien beruhende Meinung. Demokratie ist etwas anderes.

Ob es auch in Konstanz zur Abschaffung kommt ist noch unklar, wird aber erwartet. Wie die Piratenpartei dazu steht – dazu kann ich auch nur ganz piratig sagen: „Wir haben noch keine Meinung dazu“ – auch wenn wir heute 2 Stunden darüber debattiert haben. Ein Meinungsbild gibt es also schon, vorgefertigte Meinungen zur Machtsicherung aber nicht. Die werden auch in den anderen Parteien verbleiben  – bloß nützen wird ihnen das wenig…..

 

Die Qual der Wahl

Als Student kann man vieles wählen: verschiedenste Gerichte in der Mensa, die Art des Fortbewegungsmittels zur Uni, den Sitzpartner in den Vorlesungen (sofern man nicht zu spät kommt) und noch viel mehr. Früher konnte man sich sogar noch die Kurse weitgehend selbst auussuchen, die man besuchte, – eine Errungenschaft, die dem Fortschritt – der  Bologna-Reform – weitgehend zum Opfer fiel.

Heute hat man nicht mehr die Qual der Wahl zwischen den Kursen, die Kurse sind meist eine Qual und weniger eine Wahl. Das zeigen insbesondere auch die Abschlussklausuren am Ende eines jeden Kurses. Bei der Qual des Lösens derjenigen hat man auch wieder eine Wahl: nämlich verschiedene Antwortmöglichkeiten.

Richtig gehört: es gibt eine Frage und es gibt Antwortmöglichkeiten. Multiple Choice nennt man das – oder die „Qual der Wahl“. Wer  jetzt  „Wer wird Millionär“ statt Universität assoziiert, dem sei verziehen. Tatsächlich würde man an einer so hohen Bildungseinrichtung wie einer Universität nicht erwarten, dass die gesamte geistige Essenz eines Studiums in stumpfen Klausuren in Multiple-Choice-Form abgefragt wird. Die Universität diene der Wissenschaft möchte man meinen. Da könne es ja nicht angehen, sich mit solch banalen Methoden zur Überprüfung des studentischen Wissens abzugeben.

Doch genau das tut man! Seminare – die Selbsterarbeitung des Stoffes in der Gruppe und mit der Prüfungsform der Hausarbeit, einer selbstständigen intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Thema – verschwinden zusehends aus den Curricula. In Konstanz gibt es noch Hoffnung: so kann man bereits im ersten Semester ein Seminar belegen, was die wenigsten jedoch tun. Sie haben lieber in Klausuren die Qual der Wahl – für diese reichen ja auch stumpf ins Gehirn geprügelte Wissen, dass man danach eh wieder vergisst, weitgehend aus. Folien werden auswendig gelernt, Lektüre exzerpiert, die Klausur geschrieben und (hoffentlich) bestanden – und schwupps vergisst man alles, weil es im nächsten Semester ja  wieder von vorne losgeht.

Man kann es den Dozenten jedoch nicht verdenken, wenn ihnen ausnahmsweise nicht die Qual der Wahl gegeben ist, wie sie ihre Studierenden prüfen wollen. Bei 200 Studierenden wäre es utopisch anzunehmen, sie hätten neben ihrer Lehrverpflichtung und Forschung noch die Zeit, viele Seiten beschriebenes Papier, mal leserlich, mal weniger, durchzulesen und zu bewerten. Da stellt man doch lieber ein paar fiese Fragen, gibt noch fiesere Antwortmöglichkeiten und korrigiert das ganze später im Minutentakt mit einer vorgefertigten Schablone.

Das Multiple-Choice-Fragen ganz schön fies sein können, erfuhr ich gestern im Tutorat:  mal schauen Antwortmöglichkeiten richtig aus, sind es aber nicht wegen kleiner Veränderungen (einen „nordrhein-westfälischen Frieden“ gab es nämlich nie – nur „westfälischer Frieden“ wäre hingegen richtig gewesen). Oder auf die Fragestellung treffen theoretisch mehrere Antworten zu – nur eine ist aber richtig – nämlich die, die mehr richtig ist als die anderen, die sozusagen Max Webers Idealtypus am nächsten kommt. Das kann manchmal ganz schön verwirren!

Dabei ist das Multiple-Choice-Format mit einer Frage und vier Antwortmöglichkeiten, von denen eine richtig ist,  noch die harmloseste Variante. Ich werde mich auch mit 5 Antwortmöglichkeiten, von denen mehrere richtig sind, herumschlagen müssen. Damit nicht genug – hier gibt es für jede falsche Antwort auch noch Minuspunkte. Andere Prüfer kommen hingegen auf die Idee statt Multiple-Choice mit Lückentexten zu prüfen – das genaue gelernte Wort muss in der Lücke stehen – sonst gibt es keine Punkte.

So oder so ähnlich werden die Klausuren sein, die auf mich zukommen. Hört sich einfach an, ist aber schwieriger. Nicht die Wissensanwendung wird hier abgefragt, sondern die Wissensspeicherung. In Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten, das die Universität eigentlich vermitteln soll, ist das kontraproduktiv, passt aber in eine Zeit, wo die Universitäten bessere Fachhochschulen mit dem reinen Ziel der Berufsvorbereitung werden, das sie aber nicht erfüllen können. Ich bin jedenfalls gespannt, wie ich mit Multiple-Choice klarkommen werde – nach intensiver gedanklicher Auseinandersetzung in den Klausuren der Oberstufe darf ich nun auswendig lernen und zumindest in der Klausur andere Antworten auch nicht hinterfragen und das argumentativ durchaus überzeugend begründen, wenn ich mir nicht die Note verderben will. Schade eigentlich – von der Schule zurück in den Kindergarten…

Abschließend sei noch gesagt, dass Multiple-Choice auch durchaus Vorteile haben kann: man erfährt nicht nur schneller sein Ergebnis, sondern ist auch vor Willkür des Korrektors geschützt. Gerade letzteres ist nach den Erlebnissen der Schulzeit als  ein nicht zu unterschätzender  Vorteil zu sehen.