Empirische Sozialforschung muss nicht langweilig sein…

Andreas Diekmann ist sicher mit seinem Leben zufrieden. Er hat nämlich ein Buch über ein Thema geschrieben, das sich jedes Jahr aufs Neue zu Tausenden verkaufen lässt, obwohl niemand in einer normalen Buchhandlung schon allein des Titels wegen zu diesem Buch greifen würde. „Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen“ heisst es und muss jedes Jahr aufs Neue von Studierenden zwangsgelesen werden – auch an der Uni Konstanz.

20€ kostete das gute Stück – 780 Seiten voll mit Begriffen, die man einmal lernt und danach nie wieder braucht. Nach knapp 80 Seiten, mittendrin angefangen, weiß ich nun immerhin schon, was eine Variable, eine Ausprägung und ein Merkmalsträger ist und kann mit Begriffen wie „diskret“, „polytom“, „global“ oder „relational“ (unter anderem) etwas anfangen. Ich weiß, dass es „Wenn-Dann“ und „Je-desto“-Hypothesen gibt und logisch wahre wie empirische Aussagen (unter anderem) gibt.

Ich weiß aber auch, dass ich vor Aufblättern dieses Buches garnicht gedacht hätte, dass Empirische Sozialforschung sich so leicht lesen lässt, dass man fast schon Freude am Lernen hat. Wer nicht weiß, was das überhaupt ist, dem empfehle ich die Suchmaschine seines Vertrauens.

Das ist dem Herrn Diekmann zu verdanken, der jede sich ergebende Gelegenheit dazu benutzt, sein Buch mit witzigen Begebenheiten aufzulockern, um damit anschließend irgendwelche Methoden zu illustriereren. Das  erfreut nicht nur das Studentenherz, sondern sicher auch seinen Geldbeutel.

Im Folgenden schon ein kleines Best-Of aus 80 Seiten, wie man sieht ist die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Best-Ofs sehr hoch.  Die Seitenzahlen (Autor und Buch habe ich ja genannt) gebe ich auch an, damit man mich auch ja nicht wegen Urheberrechten belangen kann…

1. „Mit einem Schuss Ironie könnte man sagen, dass in den Sozialwissenschaften nur drei Gesetze bekannt sind: „Parkinsons Gesetz über das Wachstum der Bürokratie“, „Peters Gesetz“, dem zufolge jede Person in einer Hierarchie irgendwann die Stufe ihrer Unfähigkeit erreicht, sowie – das nicht nur in den Sozialwissenschaften gültige Gesetz von Murphy („wenn etwas schiefgehen kann, geht es schief“). Ob Murphys Gesetz als empirisch bestätigt gelten kann, ist jedoch umstritten. Bei Untersuchungen ging irgendetwas mit der experimentellen Anordnung immer schief, was wiederum im Einklang mit dem zu prüfenden Gesetz ist.“ (S. 151)

 

2. „Der Satz des Pythagoras ist übrigens auf 370 (!) verschiedene Arten bewiesen worden.“ (S. 157)

 

3. „In der atheistisch orientierten DDR wurde der Rauschgoldengel im amtlichen Sprachgebrauch in „geflügelte Jahresendfigur“ und der Schokoladenweihnachtsmann in „Schokoladenhohlkörper“ umdefiniert. Der Zweck dieses Begriffsmonsters war politischer Natur: im Urteil eines fiktiven Rechtsstreits heißt es gemäß einem Juristenscherz: „Weihnachtsmann im Sinne des Gesetzes ist auch der Osterhase““ (s. 161)

 

4. Auf der Hochschulseite der Welt (7.2.1989) wurde folgender Mathematikerscherz zum Besten gegeben: „Ich kenne drei hochrangige Wissenschaftler, die im fremden Land zwei schwarze Schafe grasen sehen. Der erste von ihnen, ein Soziologe, behauptet draufhin kühn, alle Schafe in diesem Land seien schwarz. Der zweite ist Physiker und will das nicht glauben. Er doziert: „Alles, was man im Augenblick sagen kann, ist, dass zumindest zwei der Schafe dieses Landes schwarz sind“. Der dritte, seines Zeichens Mathematiker schüttelt den Kopf und bemerkt trocken: “ Es ist lediglich richtig, dass zwei Schafe in diesem Land auf einer Seite schwarz sind!““ (s. 173)

 

5. „Es macht wenig Sinn einem Pudel vorschreiben zu wollen, eine Wurstsammlung anzulegen“ (S. 165)

 

6. „Im Jahr 1897 hat die erste Kammer des US-Bundesstaats Indiana im Gesetz Nr. 246 die Zahl π auf 4 festgesetzt. […] Die Berechnung der Fläche von Kreisen nach der „Indiana-Definition“ von π würde jeweils zu einem um 27% nach oben verzerrten Resultat führen.“(S. 162)

 

7. „Es macht wohl wenig Sinn in einem Interview die Frage zu stellen: „Wie viel Milligram von der organischen Verbindung C2H5OH haben Sie heute zu sich genommen?““ (S. 163)

 

8. „Wer aus einer Höhe von tausend Metern mit dem Fallschirm springt, könnte sich nach 999 Metern „induktiv beruhigen“, dass bisher kein Problem aufgetreten sei.“ (S. 174)

 

9. „Je geringer das Intelligenzniveau eines Agronomen, desto größer die Quantität seiner Produkte“ (S. 130)

 

Wie man sieht – empirische Sozialforschung kann auch spannend sein – zumindest jedenfalls lustig!

 

 

 

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