Der Konstanzer Student – (un)politisch?

Dass ich mich an einer Universität statt in der Schule befinde, merkt man schon am alltäglichen Alltag und allem was dazu gehört.Nicht nur streikende Busfahrer gibt es in Konstanz, sondern auch protestierende Studierende.

Dabei wird Konstanz in allgemeinen und den Politik-und Verwaltungsstudierenden im Besonderen vorgeworfen, unpolitisch zu sein. Das mag auch stimmen, wenn man politisches Engagement auf rein parteipolitischer Ebene sieht.

Konstanzer Studierende engagieren sich aber auch politisch, bloß auf einer anderen Ebene. Sie schreiben ihre Meinung in der politischen Hochschulzeitung (deren Redaktionssitzung ich heute noch aufsuchen werde), helfen Kindern in Afrika durch vielfältige Aktionen, geben unentgeltliche Nachhilfe für Hauptschüler, machen sich Gedanken und veranstalten Aktionen über Nachhaltigkeit oder engagieren sich in der Vielzahl anderer Initiativen. Auch das ist Engagement – und dieses Engagement ist oftmals auch politisch motiviert. Es ist die reine Ausgangsrichtung „für“ etwas zu sein, sich für ein bestimmtes Ziel einzusetzen und es möglichst positiv umzusetzen.

In dieser Hinsicht ist z.B unter anderem der Berliner Student (schätzungsweise) anders. Für ihn heißt es, „gegen“ etwas zu sein. Diese Kontra-Haltung mündet in Demonstrationen, Protesten, Besetzungen. Das ist durchaus legitim. Man muss erst auf Mißstände aufmerksam machen, um sie verbessern zu können.

So eine Aufmerksamkeitserregung gelang auch den überwiegend aus dem Dunstkreis der linken Hochschulgruppe(n) stammenden Aktivisten Studierenden, die kurzerhand im Uni-Foyer ihre Zelte aufschlugen und dort seit mittlerweile 3 Tagen campieren, um auf die Konstanzer Wohnungsproblematik aufmerksam zu machen. Ob diejenigen tatsächlich alle ohne Wohnung sind, darf angezweifelt werden, zumindest in einem Fall der Übernachtenden ist mir gegensätzliches bekannt.

Doch so ein Aufmerksamskeiterregung ist sinnvoll. Zwar vergeht keine Woche, wo die Konstanzer Lokalzeitungen über das Thema berichten, Politiker vage Versprechungen machen und Studierende verzweifelt um eine Wohnung kämpfen, doch an dem Problem ändert sich nichts. Wird es auch nicht groß, wie ich in einen meiner nächsten Beiträge darlegen werde.

Halten wir also fest: der Konstanzer Student engagiert sich politisch auf einer anderen Ebene als es gemeinhin erwartet wird. Er ist eher pragmatisch und weniger visionär und aufgrund der Tatsache, die nicht günstigen Wohn- und Lebenshaltungskosten in Konstanz aufbringen zu können, eher postmaterialistisch eingestellt. Insofern wird sich auch nicht viel ändern, da der Großteil der Studierenden garnicht einsieht, warum sie denn protestieren sollten. Zeitverschwendung – ein zügiges, gut abgeschlossenes Studium – man ist ja schließlich Bachelor – und das Partyleben drumrum ist ihen wichtiger! Der Großteil hat ja schließlich eine Wohnung gefunden – da versteht man natürlich die, die keine haben, aber man selbst hat schließlich eine. Hört sich egoistisch an, ist aber nachzuvollziehen.

Manche linke Zeitgenossen mögen protestieren, das Foyer besetzen oder – wie letzte Woche bei der Begrüßungsveranstaltung des Rektors geschehen – das Audimax stürmen und in jenem Fall sinnvoll, aber theatralisch über das Kooperationsabkommen der Universität Konstanz mit EADS zu informieren. Grob gesagt bestehen Bedenken der Pazifisten, dass die Forschung der Uni Konstanz  Rüstungszwecken dienen könnte – es geht n der Kooperation nämlich um Satellitenforschung. Die Uni räumt das aus und verkündet froh die vielen Vorteile der Kooperation, der linke AStA (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss) – der eigentlich überall ja immer links ist – meint, dass hier Rüstungsforschung betrieben werde, die eklatant gegen geltende Gesetze und ethische Richtlinien verstoßen würde.

Wer von ihen Recht hat, vermag ich noch nicht zu sagen. Ich werde mich bemühen, ein Exemplar des Kooperationsvertrages zur Einsicht zu bekommen, schon allein um die Transparenz zu prüfen, die an der Uni leider nicht wirklich zu finden ist. Darüber werde ich in Zukunft auch noch berichten.

Um nicht völlig abzuschweifen möchte ich diesen Artikel nun beenden und hoffe, dass die Grundessenz meiner unstrukturierten Zeilen verstanden wurde und man es mir nachsieht, längst nicht auf alle möglichen Aspekte dieser reizvollen Fragestellung eingegangen zu sein. Ich bin schließlich Student und möchte mein Studium zügig und gut abschließen und mich nebenbei auch noch „für“ etwas engagieren. Genauso aber auch „gegen“ etwas, genauso werde ich mich parteipolitisch engagieren. In dieser Hinsicht entspreche ich vielleicht nicht dem typischen Konstanzer Studenten. Darüber ebenfalls bald mehr – wie man sieht, werden mir die Themen nicht ausgehen!

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